Das Meer

Roman. 10. Auflage. Geheftet 4 M., gebunden 5 M.

Diese Schilderung des Ozeans, des ewig unruhigen, brausenden, tobenden,

gefräßigen, gespenstischen Ozeans, ist so ungeheuer plastisch und

namentlich schon durch die Sprache so ausdrucksvoll, daß dem Leser

gleichsam aus den Zeilen fortwährend das Rollen und Grollen des Meeres

entgegentönt. Wie Wellen kommen die Sätze daher, häufen, übersprudeln

sich, stehen still, plötzlich nur zu einem oder zwei Worten verdichtet,

die gleich einem Kahn auf einer Wogenreihe tanzen, dann wieder in

heftige, rasend schnelle, bizarr verknäuelte Bilder sich auflösend

-- es ist eine Tonmalerei, die wie orchestrale Symphoniemusik wirkt.

Eine Sprachsymphonie: »Das Meer«! Und wir sehen und hören nicht nur

das Meer, an der bretonischen Küste -- nein! Mit einer grandiosen

Phantasie führt er uns auf den Boden der See, in die Geisterhöhlen

der Klippen, zwischen die Eisberge der nordischen Strömung, in die

chinesischen Baien. Das Meer in der Mondnacht, im Sturm, in der Stille,

den Schiffbruch des Dampfers und den Kampf des Fischerboots -- alles

zaubert dieser Poet mit vollendeter Kunst vor die staunende Seele. Dazu

die Leute dieser Insel. Urzeit. Menschen ohne Kultur, aber auch ohne

Kulturfäule. Prächtige, spitzbübisch-naive, tiertreue Menschen, die wie

Kinder dumm, morallos, vertrauensselig und heftig sind ... Es ist eine

Apotheose des Meeres, wie aus dem Munde heidnischer Priester. Gleichsam

die Apotheose alles Großen, Unbekannten, nie zu Enträtselnden, das wir

Natur nennen.

(Augsburger Abendzeitung)

_Im gleichen Verlag ist erschienen_:

_Amerika Heute und Morgen_

_Reiseerlebnisse von Arthur Holitscher_

Fünfte Auflage.

Mit 69 Abbildungen. Geheftet 5 M., gebunden 6 M.

Das Beste des Buches liegt in der Unmittelbarkeit der Erlebnisse und

der Darstellung. Es geht über ein paar Weichen hinweg, daß uns manchmal

die Haare zu Berge stehen, aber die volle Fahrt ist doch das Besondere

an dem Buche. Man stutzt und möchte um Mäßigung bitten, aber schon

ist man bei der nächsten Sache, und wir treiben wirklich hingerissen,

gerührt, verführt, ergriffen und nur selten einer kühl nachdenklichen

Stimmung überlassen, mitten durchs Leben der Staaten, mitten durch

die weiten, zukunfthellen Ebenen Kanadas. In den Hauptstädten Kanadas

erleben wir die Ankunft der Kolonistenzüge mit ihren frisch vom

Schiff auf den neuen Boden gesetzten Insassen: irische Proletarier,

belgische Handwerker, slowakische und russische Bauern, denen nun ohne

Unterschied das Land, dem sie entgegenfahren, gehört von diesem Morgen

an. Der Reisende besucht die neuen Siedler auf ihren Heimstätten, auf

ihren Dörfern einsam draußen auf der Prärie. Und in den zauberischen

Städten der Westküste am glitzernden Meer erleben wir den Tummel einer

harten jugendlichen Bevölkerung, in die zum Überfluß noch die kleinen

Vorläuferscharen gelber und brauner Asiaten hineingemischt sind. Wir

lesen bei Holitscher Interessantes über Literatur und Theater in

Amerika, über die Frage der Juden, der Einwanderer, der Neger und

des Sozialismus, über alle die Probleme, die impulsive und unruhige

Menschen drüben mehr auf dem Weg der Revolte als der Staatskunst zu

lösen gedenken. Wir wissen, wie viele Dinge, die auch die unseren sind,

drüben doch ganz anders liegen und ebenso anders gelöst werden müssen

... Wir nehmen dieses neue Amerikabuch gern auf in unser Arbeitszimmer.

Es trägt uns, wie durch eine geöffnete Saaltür, den großen verworrenen

Schall der Gegenwart herein, aber wir lassen uns nicht hindern,

Europa nur noch mehr zu lieben, weil es, auf einen andern Kontinent

verpflanzt, auch eine andere Welt zu erzeugen vermocht hat.

(Frankfurter Zeitung)

_Druck der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig_

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Anmerkungen zur Transkription:

Offensichtliche Zeichensetzungsfehler sowie typografische Fehler

wurden korrigiert.

Der Tunnel: Roman · 第 42 / 42 题