»Hast du nie bei der Weinlese getanzt?«
»Doch, Herr!«
»Hast du Tschardas getanzt?«
»Ja, Herr!«
»So tanze Tschardas!«
Juliska sah sich hilflos um. Dann tanzte sie, mehr aus Angst als um des
hohen Lohnes willen. Sie machte ungeschickt die Bewegungen der Arme und
Beine. Unbekleidet wußte sie mit ihrem Körper nichts anzufangen. Sie
trippelte, als ginge sie auf Scherben. Ihre Augen standen voll Wasser
und ihre Wangen brannten vor Scham. Ach, ihre Füße, ihre Füße, die
nicht ganz rein waren, wo sollte sie sie denn hin tun?
Sie war herrlich. Viele Jahre lang hatte S. Woolf diese rührende
Schamhaftigkeit nicht mehr gesehen. Er konnte sich nicht sättigen an
ihrem Anblick. »Tanze, Juliska!«
Und Juliska hob ungeschickt Beine und Hände und die Tränen tropften aus
dem zurückgeworfenen Kopf auf ihre Brust herab. Dann stand sie still
und zitterte.
»Wovor hast du Angst, Juliska?«
»Ich habe keine Angst, Herr!«
»So komm näher!«
Juliska kroch näher. >Jetzt wird er es tun!< dachte sie und sie dachte
an das Geld.
Aber S. Woolf tat es nicht. Er zog sie auf seine Knie. »Habe keine
Angst und sieh mich an.« Sie tat es, ihr Blick flackerte und brannte.
S. Woolf küßte sie auf die Wange. Er preßte sie an sich in einer
Aufwallung von väterlichem Gefühl und Tränen traten in seine Augen.
»Was willst du hier in New York tun?«
»Ich weiß es nicht.«
»Wer hat dich hergebracht?«
»Mein Bruder. Aber er ist jetzt nach dem Westen gegangen.«
»Was tust du jetzt?«
»Ich singe mit Gyula.«
»Lasse Gyula fahren und singe nicht mehr mit ihm. Er ist ein Lump. Du
kannst auch gar nicht singen.«
»Nein, Herr.«
»Ich will dir Geld geben und du wirst tun, was ich sage?«
»Gewiß, Herr!«
»Gut. Lerne Englisch. Kaufe dir hübsche einfache Kleider und suche
dir eine Stellung als Verkäuferin. Gib hübsch acht, was ich dir sage.
Ich will dir zweitausend Dollar geben, weil du so _schön_ tanztest.
Davon kannst du drei Jahre leben. Besuche einen Abendkursus. Lerne
Buchführung, Stenographie und Maschinenschreiben. Das andere findet
sich dann von selbst. Willst du das tun?«
»Ja, Herr!« antwortete Juliska ängstlich, denn Woolf kam ihr unheimlich
vor. Sie hatte gehört, daß in New York viele junge Mädchen ermordet
würden.
»Kleide dich wieder an.« Und S. Woolf streckte Juliska eine Hand voller
Scheine hin. Aber sie wagte sie nicht zu nehmen. Sobald ich danach
greife, wird er mich niederschlagen, dachte sie.
»Nimm doch!« sagte S. Woolf lächelnd. »Ich brauche das Geld nicht mehr,
denn morgen abend Punkt sechs Uhr bin ich tot.«
Juliska erschauerte.
S. Woolf lachte nervös. »Hier hast du noch zwei Dollar. Nimm das erste
Auto, das du siehst und fahre nach Hause. Gib Gyula hundert Dollar und
sage ihm, mehr hätte ich nicht gegeben. Sage niemand, daß du Geld hast!
Die Hauptsache in der Welt ist, Geld zu haben -- aber die andern dürfen
nichts davon wissen! Nimm doch!« Er stopfte ihr die Scheine in die Hand.
Juliska ging, ohne Dank zu sagen.
S. Woolf war allein und seine Züge erschlafften sofort. »Ein blödes
Frauenzimmer,« murmelte er. »Sie wird ja doch untergehen.« Das Geld
reute ihn. Er rauchte eine Zigarre, trank einen Kognak und ging in
seinen Zimmern auf und ab. Er hatte sämtliche Lampen eingeschaltet,
weil er nicht das geringste Halbdunkel ertrug. Vor einem japanischen
Lackschränkchen blieb er stehen und öffnete es. Es war voller Locken,
blonder, goldener, roter Mädchenlocken. Jede Locke trug einen Zettel
wie eine Arzneiflasche. Ein Datum stand darauf. Und Woolf sah diese
Flut von Haaren und lachte voller Verachtung. Denn er verachtete und
verabscheute die Frauen, wie alle Männer, die sich viel mit käuflichen
Frauen abgegeben haben.
Aber das Lachen machte ihn stutzig. Es erinnerte ihn an ein Lachen, das
er einmal irgendwo gehört hatte. Da fiel ihm ein, daß sein Onkel so
gelacht hatte, genau so, und diesen Onkel hatte er am meisten gehaßt.
Das war merkwürdig.
Und wieder ging er auf und ab. Aber die Wände und Möbel erblaßten immer
mehr. Die Zimmer wurden größer, öder. Er ertrug das Alleinsein nicht
mehr und fuhr in den Klub.
Es war drei Uhr nachts. Die Straße lag verödet. Aber drei Häuser weit
entfernt stand ein Auto, das eine Panne hatte. Der Chauffeur kroch
unter dem Motor herum. Sobald aber Woolf abfuhr, rollte das Auto hinter
ihm her. Woolf lächelte bitter. Allans Spione? Beim Klub angelangt gab
er dem Chauffeur zwei Dollar Trinkgeld und schickte ihn nach Hause.
>Wie fertig er ist, ~Lord~!< dachte der Chauffeur.
Im Klub waren noch drei Pokertische in voller Arbeit und Woolf setzte
sich zu Bekannten. Es war merkwürdig, was für Karten er heute in die
Hand bekam! Karten, wie man sie sonst nie sah! >Da sind Juliskas
zweitausend Dollar wieder!< dachte er und steckte das Geld in die
Hosentasche. Um sechs Uhr wurde das Spiel abgebrochen und Woolf ging
den ganzen weiten Weg zu Fuß nach Hause. Hinter ihm her trotteten
plaudernd zwei Männer mit Schaufeln auf den Schultern. An seinem Hause
traf er einen angeheiterten Arbeitsmann, der an den Häusern entlang
rollte und leise und falsch wie ein Betrunkener sang.
»~Have a drink~?« redete ihn Woolf an.
Aber der Betrunkene reagierte nicht. Er hatte den Mund voll
unverständlicher Worte und torkelte vorbei.
»Allans Verwandlungen!«
Zu Hause trank er einen Whisky, der so stark war, daß es ihn
schüttelte. Er war nicht betrunken, aber er war in einen bewußtlosen
Zustand geraten. Er nahm ein Bad und schlief im Bad ein und erwachte
erst, als der Diener besorgt klopfte. Er kleidete sich vom Kopf bis
zum Fuß neu an und verließ das Haus. Nun war es lichter Tag geworden.
Gegenüber stand ein Auto und Woolf trat heran und fragte, ob der Wagen
frei sei.
»Ich bin bestellt!« sagte der Chauffeur und Woolf lächelte verächtlich.
Allan umgab ihn, Allan hatte ihn umzingelt. Aus einer Haustüre trat
ein Gentleman mit einer kleinen schwarzen Mappe unter dem Arm und
folgte ihm auf der andern Seite der Straße. Da sprang Woolf plötzlich
auf eine Tram und glaubte damit den Detektiven Allans entkommen zu sein.
Er trank Kaffee in einem Saloon und wanderte den ganzen Vormittag in
den Straßen hin und her.
New York hatte das Zwölfstundenrennen aufgenommen. New York _lag_ im
Rennen, von seinem Schrittmacher, der _Tat_, geführt. Autos, Cars,
Geschäftswagen, Menschen, alles schwirrte. Die Hochbahnen donnerten.
Die Menschen stürzten aus Häusern, Wagen, Tramcars, sie stürzten aus
Löchern in der Erde hervor, aus den zweihundertundfünfzig Kilometer
langen Stollen der Subway. Sie waren alle rascher als Woolf. >Ich
bleibe zurück,< dachte er. Er ging schneller, aber trotzdem überholten
ihn alle. Wie in Hypnose zappelten sie dahin. Manhattan, das große
Herz der Stadt, saugte sie an, Manhattan schleuderte sie durch tausend
Adern von sich. Sie waren Splitter, Atome, glühend durch gegenseitige
Reibung, und besaßen nicht mehr Eigenbewegung als die Moleküle aller
Dinge. Und die Stadt ging ihren donnernden Gang. Von fünf zu fünf
Minuten passierte ihn ein grauer elektrischer Riesenomnibus, der den
Broadway hinabfegte wie ein Elefant, der brennenden Zunder unter dem
Schwanz hat. Das waren die Frühstücksomnibusse, in denen ein Mensch
eine Tasse Kaffee und ein Sandwich hinunterschlingen konnte auf seinem
Weg ins Büro. Zwischen den kleinen dahinfliegenden Menschen aber
gingen große, freche Gespenster umher und schrien: Verdopple dein
Einkommen! -- Warum sollst du fett sein? -- Wir machen dich reich,
schreibe Postkarte! -- ~Easy Walker!~ -- ~Make your own terms~ -- ~Stop
having fits!~ -- ~Drunkards saved secretly~ -- Doppelte Kraft! --:
Plakate! -- Das waren die großen Dompteure, die diese zappelnde Menge
beherrschten. Woolf lächelte ein sattes, befriedigtes Lächeln. Er, der
die Reklame zur Kunst erhoben hatte!
Von der Battery aus sah er drei zitronengelbe Reklameaeroplane, die
hintereinander über der Bai kreuzten, um die Kunden abzufangen, die
auf dem Weg nach New York waren. Auf ihren gelben Flügeln stand:
»Wannamaker -- Restetag!«
Wer von all den Tausenden von wimmelnden Menschen um ihn her würde auf
den Gedanken kommen, daß er vor zwölf Jahren »das fliegende Plakat«
gründete?
Er klebte an New York, angesaugt von der Zentripetalkraft des mahlenden
Ungetüms. Den ganzen Tag. Er aß zu Mittag, trank Kaffee, nahm ein
Gläschen Kognak da und dort. Sobald er stehen blieb, überkam ihn ein
Schwindelgefühl und so ging er immer vorwärts. Um vier Uhr kam er
in den Centralpark, halb betäubt, ohne zu denken. Er passierte die
Luftschiffhallen der Chicago-Boston-New York Airship-Co. und ließ
sich von den Wegen ziehen. Es begann zu regnen und der Park war ganz
verlassen. Er schlief während des Gehens halb ein, aber plötzlich
weckte ihn ein heftiger Schreck: er war über seinen Gang erschrocken.
Er ging gebückt, schlürfend, mit eingebogenen Knien, ganz wie der alte
Wolfsohn dahinschlürfte, den das Schicksal zur Demut zugeritten hatte.
Und eine Stimme hatte in ihm geflüstert -- so deutlich: der Sohn des
Leichenwäschers!
Der Schreck weckte ihn auf. Wo war er? Centralpark. Weshalb war er
hier? Weshalb war er nicht fort, ja, zum Teufel -- weshalb war er nicht
über alle Berge? Weshalb klebte er den ganzen Tag an New York? Wer
hatte es ihm befohlen? Er sah auf die Uhr. Es war einige Minuten nach
fünf Uhr. Eine Stunde also hatte er noch Zeit, denn Allan hielt Wort.
Sein Kopf begann rasch zu denken. Er hatte fünftausend Dollar in der
Tasche. Damit konnte er weit kommen! Er wollte fliehen. Allan sollte
ihn nicht bekommen. Er blickte sich um -- niemand weit und breit! Es
war ihm also gelungen, Allans Detektive abzuschütteln. Dieser Triumph
belebte ihn und er begann blitzschnell zu handeln. In einem Barber-shop
ließ er sich seinen Bart abnehmen und während der Barbier arbeitete,
überlegte er seinen Fluchtplan. Er befand sich am Columbussquare. Er
wollte mit der Subway bis zur Zweihundertsten Straße fahren, etwas
gehen und dann irgendeinen Zug besteigen.
Zehn Minuten vor sechs Uhr verließ er den Barbierladen. Er kaufte noch
Zigarren und sieben Minuten vor sechs Uhr stieg er zur Subway hinunter.
Zu seiner Überraschung sah er auf dem Perron der Columbussquarestation
unter den Wartenden einen Bekannten stehen, einen Mitpassagier der
letzten Überfahrt. Der Mann sah ihn sogar an, aber -- Triumph! -- er
erkannte ihn nicht! Und doch hatte er mit diesem Mann täglich Poker
gespielt im Rauchsalon.
Auf den inneren Geleisen klirrte blitzschnell ein Expreßzug dahin und
füllte die Station mit Getöse und Wind. Woolf wurde ungeduldig und sah
auf die Uhr. Fünf Minuten!
Plötzlich aber konnte er den Passagier von vorhin nicht mehr sehen.
Als er sich umblickte, sah er ihn hinter seinem Rücken stehen, in
die Lektüre des Herald vertieft. Und gleichzeitig war Woolf an allen
Gliedern gelähmt. Ein entsetzlicher Gedanke erwachte in ihm! Wenn
dieser Passagier einer von Allans Detektiven wäre, der ihm schon --
von Cherbourg herüber gefolgt war --? Es fehlten noch drei Minuten bis
sechs. Woolf tat ein paar Schritte zur Seite und sah verstohlen nach
dem Passagier hin. Der las ruhig weiter, aber in der Zeitung war ein
Riß und durch diesen Riß starrte ein scharfes Auge!
In tiefster Herzensnot sah S. Woolf in dieses Auge hinein. Es war
vorbei! In diesem Augenblick flog der Zug herein und S. Woolf sprang
zum Entsetzen der Wartenden aufs Geleise hinunter. Eine Hand mit
gespreizten Fingern griff nach ihm.
8.
S. Woolf wurde zwei Minuten vor sechs Uhr von den Rädern der Subway
zermalmt und eine halbe Stunde später war ganz New York schon erfüllt
von erregtem Geschrei.
»~Extra! Extra! Here you are! Hýa! Hýa! All about suicide of Banker
Woolf! All about Woolf!~«
Die Zeitungsverkäufer rasten wie wilde Pferde dahin, und die Straßen,
die Woolf heute durchwandert hatte, hallten wider von seinem Namen.
»Woolf! Woolf! Woolf!«
»Woolf in drei Teile geschnitten!«
»Der Tunnel verschlingt Woolf!«
»Woolf! Woolf! Woolf!« Jedermann hatte hundertmal seinen 50 ~PS~-Wagen
den Broadway entlangrollen sehen, mit dem silbernen Drachen, der
wie ein Ozeandampfer brummte. Jedermann kannte seinen zottigen
Büffelschädel. S. Woolf war ein Teil von New York und nun war er tot!
S. Woolf, der das größte Vermögen verwaltete, das je ein Mensch unter
sich hatte! Die dem Syndikat günstig gesinnten Blätter schrieben:
»Unglücksfall oder Selbstmord?« Die feindlichen: »Erst Rasmussen! --
Jetzt Woolf!!«
»Woolf, Woolf, Woolf!« Die Zeitungsboys bellten den Namen hinaus und
stießen Rauchwolken in die neblige Straße. Es hörte sich an wie das
heisere Heulen von Wölfen, die ihre Beute zerfleischen.
Allan erfuhr Woolfs schrecklichen Tod fünf Minuten nach dem Vorfall.
Ein Detektiv sprach ihn durchs Telephon.
Verstört, unfähig zu arbeiten ging er in seinem Arbeitsraum hin und
her. Die Straßen waren angefüllt mit Nebel und nur die Wolkenkratzer
ragten über das Nebelmeer hinaus, von der sinkenden Sonne düster
beleuchtet. New York tobte und heulte in der Tiefe: _der Skandal war
im Gang_! Erst nach geraumer Zeit war es ihm möglich, mit dem Chef des
Pressebüros und dem interimistischen Leiter des finanziellen Ressorts
beraten zu können. Die ganze Nacht hindurch verfolgte ihn der letzte
Eindruck Woolfs, wie er leichenfarben, nach Atem ringend, im Sessel
lag ...
»Es ist der Tunnel!« sagte Allan zu sich. Er fühlte sich von Drohung
und Unglück umringt und fröstelte. Er sah eine hoffnungslose Zeit
kommen. »Nun wird es _Jahre_ dauern --!« dachte er und wanderte
schlaflos auf und ab.
Der Tod Woolfs hielt Tausende in dieser Nacht wach. Als Rasmussen sich
erschoß, war man nervös geworden, Woolfs Tod aber erschreckte die
ganze Welt. Das Syndikat wankte! Alle großen Banken der Welt waren
mit Milliarden am Tunnel beteiligt, die Industrie mit Milliarden, das
Volk, bis herab zu den Zeitungsverkäufern, mit Milliarden. Die Erregung
fieberte von San Franzisko bis Petersburg, von Sidney bis Kapstadt.
Die Presse aller Kontinente schürte die Besorgnis. Die Papiere des
Syndikats fielen nicht, sie stürzten! Woolfs Tod war der Beginn des
»großen Erdbebens«.
Die einberufene Versammlung der Großaktionäre des Syndikats dauerte
zwölf Stunden und glich einer erbitterten, höllischen Schlacht, in der
sich früher besonnene Menschen zerfleischten. Das Syndikat hatte am 2.
Januar Hunderte von Millionen Zinsen und Teilzahlungen zu entrichten,
Riesensummen, für die keine genügende Deckung vorhanden war.
Die Versammlung veröffentlichte ein Communiqué, worin sie erklärte,
daß die finanzielle Situation momentan wenig günstig sei, die Hoffnung
einer Sanierung aber nicht von der Hand gewiesen werden könne. Dieses
Communiqué enthielt in notdürftig verschleierter Form die ganze fatale
Wahrheit.
Am nächsten Tage konnte man Zehn-Dollar-Shares für einen Dollar
kaufen. Ein Heer von Privatpersonen, vor Jahren von der allgemeinen
Spekulationswut fortgerissen, war ruiniert. Über ein Dutzend Opfer
forderte dieser erste Tag. Die Banken wurden gestürmt. Nicht nur jene,
deren hohe Beteiligung am Syndikat bekannt war, auch viele, die gar
nichts damit zu tun hatten, wurden vom Morgen bis zum Abend belagert
und die Kunden hoben ihre Einlagen ab. Eine ganze Reihe von Instituten
sah sich gezwungen, die Schalter zu schließen, da die Barmittel
erschöpft waren. Die Krise von 1907 war ein Scherz gegen diese. Einige
kleine Bankhäuser krachten schon beim ersten Ansturm zusammen. Aber
selbst die Großbanken erzitterten von unten bis oben in der Brandung,
die gegen sie anlief. Vergebens versuchten sie die Öffentlichkeit durch
Bekanntmachungen zu beruhigen. New York City-Bank, Morgan Co., Lloyd,
American zahlten im Laufe von _drei_ Tagen Summen von schwindelnder
Höhe aus. Die Telegraphisten sanken um vor Erschöpfung. Die Bankpaläste
waren die ganze Nacht taghell erleuchtet, Direktoren, Kassierer,
Sekretäre kamen tagelang nicht aus den Kleidern. Das Geld wurde immer
teurer. Hatte die Panik von 1907 den Zinsfuß für tägliches Geld auf 80
bis 130 Prozent getrieben, so kostete es heute 100 bis 180 Prozent! Es
war zuweilen überhaupt unmöglich, tausend Dollar zu leihen. »New York
City« wurde von Gould gehalten, Lloyds Bank verteidigte sich selbst
bis aufs Messer, American erhielt Unterstützungen von der Bank of
London. Abgesehen von dieser Bank war kein Cent von europäischen Banken
zu erhalten: diese Banken setzten sich selbst in fieberhafter Hast
in Verteidigungszustand. An den Börsen von New York, Paris, London,
Berlin, Wien trat eine beispiellose Deroute ein. Ein Heer von Firmen
stellte die Zahlungen ein. Kein Tag verging ohne Bankerotte, kein Tag
ohne Opfer. Woolfs Todesart wurde epidemisch, täglich warfen sich
Ruinierte vor die Räder der Subway. Der Finanzkörper von fünf Erdteilen
hatte eine klaffende Wunde erhalten und drohte sich zu verbluten.
Handel, Verkehr, Industrie, die große Maschine der modernen Welt, die
mit Milliarden geheizt wird und Milliarden ausspeit, schwang nur noch
langsam und mühselig, so daß es den Anschein hatte, als werde sie
plötzlich, jede Stunde, ganz stehen bleiben.
Die Tunnel-Terrain-Gesellschaft, die sich mit dem Kauf und Verkauf von
Baugeländen der Tunnelstationen befaßte, krachte über Nacht zusammen
und erschlug Ungezählte.
Die Zeitungen waren in diesen Tagen Schlachtberichte.
»Der Tunnel verschlingt mehr und mehr!«
»Mr. Harry Stillwell, Bankier, Chikago, erschießt sich. -- Broker
Williamson, 26. Straße, ruiniert, vergiftet sich und seine Familie.
-- Fabrikant Klepstedt, Hoboken, wirft sich unter die Subway.« --
Die Nachricht, daß sich der alte Jakob Wolfsohn in Szentes erhängte,
verhallte vollkommen unbeachtet.
Es war die _Panik_! Sie sprang über nach Frankreich, England,
Deutschland, Österreich und Rußland. Deutschland wurde zuerst von ihr
ergriffen und war innerhalb einer Woche, wie die Vereinigten Staaten,
in Unruhe, Angst und Schrecken getaucht.
Die Industrie, die sich kaum von den Folgen der Oktoberkatastrophe
erholt hatte, geriet auf Grund. Ihre Papiere, vom Tunnel zu unerhörter
Blüte getrieben -- Eisen, Stahl, Zement, Kupfer, Kabel, Maschinen,
Kohle -- wurden von den stürzenden Tunnelaktien mit in die Tiefe
gerissen. Die Kohlenkönige und Hüttenbarone hatten am Tunnel enorme
Vermögen verdient, nun aber wollten sie keinen roten Heller riskieren.
Sie setzten die Löhne herab, führten Feierschichten ein und warfen
Tausende von Arbeitern auf die Straße. Die Beschäftigten erklärten
sich mit den Kameraden solidarisch. Sie traten in Ausstand, gesonnen,
diesmal bis zum letzten Atemzug zu kämpfen und sich nicht wieder durch
Versprechungen verlocken zu lassen, die diese Meineidigen brachen,
sobald die Sonne wieder schien. Waren die Zeiten gut, so waren sie gut
genug, die Millionen vermehren zu helfen, waren die Zeiten schlecht,
so warf man sie hinaus. Sollten die Zechen ersaufen und die Hochöfen
verschlacken!
Der Streik begann wie jeder andere. Er entflammte in den Becken von
Lille, Clermond-Ferrand und St. Etienne, wälzte sich hinüber ins
Mosel-, Saar- und Ruhrgebiet und nach Schlesien. Die englischen
Bergarbeiter und Hüttenleute von Yorkshire, Northumberland, Durham
und Südwales erklärten den Sympathiestreik. Kanada und die Staaten
schlossen sich an. Der gespenstische Funke sprang über die Alpen nach
Italien und über die Pyrenäen nach Spanien. Tausende der blutroten und
leichengelben Fabriken aller Länder standen still. Ganze Städte waren
tot. Die Hochöfen wurden gelöscht, die Grubenpferde aus den Schächten
gebracht. Die Dampfer lagen in ganzen Flotten, Schlot an Schlot, in
den Friedhöfen der Häfen. Jeder Tag kostete Unsummen. Aber da die
Panik auch den übrigen Industrien das Geld entzog, so schwoll das
Millionenheer der Arbeitslosen von Tag zu Tag mehr an. Die Lage wurde
kritisch. Eisenbahnen, elektrische Kraftzentralen, Gasanstalten waren
ohne Kohle. In Amerika und Europa lief nicht ein Zehntel der Züge mehr
und der atlantische Dampferverkehr war fast gänzlich unterbunden.
Es kam zu Ausschreitungen. In Westfalen prasselten die Maschinengewehre
und in London lieferten die Dockarbeiter der Polizei eine blutige
Schlacht. Das war am 8. Dezember. Die Straßen bei den West India Docks
waren an diesem Abend mit Toten, Arbeitern sowie Polizisten bedeckt. Am
10. Dezember erklärte die englische Arbeiter-Union den Generalstreik.
Die französische, deutsche, russische und italienische folgten und
zuletzt schloß sich die amerikanische Union an.
Das war der moderne Krieg. Nicht kleine Vorpostengefechte, es war
die Schlacht in vollem Umfang! In geschlossenen Fronten standen sich
Arbeiter und Kapital gegenüber.
Schon nach wenigen Tagen zeigten sich die Schrecken dieses
Kampfes. Die statistischen Ziffern der Verbrechen, der Kinder- und
Säuglingssterblichkeit stiegen ins Grauenhafte. Die Nahrung für
Millionen von Menschen verfaulte und verdarb in Eisenbahnwaggons und
Schiffsbäuchen. Die Regierungen nahmen das Militär zu Hilfe. Aber
die Truppen, aus Proletariern zusammengesetzt, leisteten passiven
Widerstand, sie arbeiteten und kamen nicht von der Stelle, und das
war nicht die Zeit zu strengen Repressalien. Gegen Weihnachten waren
die großen Städte, Chicago, New York, London, Paris, Berlin, Hamburg,
Wien, Petersburg, vollkommen ohne Licht und in Gefahr, ausgehungert
zu werden. Die Menschen froren in den Wohnungen und was schwach und
elend war ging zugrunde. Täglich gab es Feuersbrünste, Plünderungen,
Sabotage, Diebstähle. Das Gespenst der Revolution drohte ...
Die internationale Arbeiterliga aber gab keinen Fuß breit nach und
forderte Gesetze, die den Arbeiter vor der Willkür des Kapitals
schützten.
Inmitten dieser Unruhen und Schrecken stand das Tunnelsyndikat immer
noch aufrecht. Es war ein Wrack, durchlöchert, krachend in allen Fugen,
aber es stand!
Das war Lloyds Werk. Lloyd hatte eine Versammlung der Großgläubiger
einberufen und war persönlich erschienen, um zu sprechen, was er
seit zwanzig Jahren wegen seines Leidens nicht mehr getan hatte. Das
Syndikat durfte nicht fallen! Die Zeiten waren verzweifelt und der Fall
des Syndikats würde namenloses Unheil in die Welt bringen. Der Tunnel
sei zu retten, wenn man weise vorgehe! Würde man jetzt einen taktischen
Fehler machen, so sei sein Schicksal entschieden, ein für allemal, und
die Entwicklung der Industrie würde um zwanzig Jahre zurückgeworfen
werden. Der Generalstreik könne keine drei Wochen mehr dauern, da die
Arbeiterheere am Hungertod seien, das Geld käme zurück, die Krise
würde im Frühjahr ein Ende haben. Es müßten Opfer gebracht werden.
Die Großgläubiger müßten stunden, Geld vorschießen. Die Aktionäre
und Shareinhaber aber müßten am 2. Januar ihre Zinsen bei Heller
und Pfennig ausgezahlt erhalten, wollte man nicht eine zweite Panik
heraufbeschwören.
Lloyd selbst brachte als erster große Opfer. So gelang es ihm, das
Syndikat zu halten.
Diese Beratung war geheim. Die Zeitungen verkündeten am anderen
Tag, daß die Sanierung des Syndikats in die Wege geleitet sei und
die Gesellschaft am 2. Januar wie immer ihren Verpflichtungen gegen
Aktionäre und Shareinhaber nachkommen würde.
Der berühmte 2. Januar kam heran.
9.
Am 1. Januar pflegen alle Theater, Konzerthallen, Restaurants in New
York überfüllt zu sein.
Dieser 1. Januar aber war tot. Nur in einigen großen Hotels herrschte
Leben wie gewöhnlich. Die Trambahnen verkehrten nicht. Die Hochbahnen
und die Subway ließen nur vereinzelte Züge laufen, die von Ingenieuren
geführt wurden. Im Hafen lagen die verödeten Ozeanriesen mit gelöschten
Feuern in den Docken, eingepackt in Nebel und Eis. Die Straßen waren am
Abend dunkel, nur jede dritte Lampe brannte, und die Reklametableaus,
die sonst mit der Regelmäßigkeit von Leuchtfeuern aufblitzten, waren
erloschen.
Schon um Mitternacht stand eine dichtgedrängte Menschenkette vor dem
Syndikatgebäude, bereit die Nacht zu durchwachen. Sie alle wollten
ihre fünf, zehn, zwanzig, hundert Dollar an Zinsen retten. Es ging das
Gerücht, daß das Syndikat am 3. Januar die Pforten schließen werde, und
niemand war geneigt, sein Geld zu riskieren. Immer mehr kamen.
Die Nacht war sehr kalt, zwölf Grad Celsius unter Null. Ein feiner
Schnee siebte wie weißer Sand aus dem tiefschwarzen Himmel herab, der
die oberen Stockwerke der schweigenden Turmhäuser verschlang. Frierend
und zähneklappernd schoben sich die Wartenden zusammen, um sich zu
wärmen, und erregten einander durch Befürchtungen, Vermutungen und
Gespräche über das Syndikat, Aktien und Shares. Sie standen so eng, daß
sie recht gut im Stehen schlafen hätten können, aber niemand machte
ein Auge zu. Die Angst hielt sie wach. Die Türen des Syndikats könnten
am Ende doch geschlossen bleiben! Dann waren ihre Shares plötzlich
vollkommen wertlos! Mit blaugefrorenen fahlen Gesichtern, die Augen
voll von Angst und Besorgnis, harrten sie auf ihr Schicksal.
Das Geld! Das Geld! Das Geld!
Die Arbeit ihres Lebens, Schweiß, Mühe, Demütigungen, schlaflose
Nächte, graue Haare, eine vernichtete Seele! Noch mehr: ihr Alter, ein
paar Jahre Ruhe bis zum Tod! Wenn sie verloren, so war alles vorbei,
zwanzig Jahre ihres Lebens fortgeworfen, Nacht, Elend, Schmutz und
Armut ...
Die Angst und Erregung wuchs von Minute zu Minute. Wenn sie ihre
Ersparnisse einbüßten, so wollten sie Mac Allan, diesen Champion aller
Schwindler, lynchen.
Gegen den Morgen kamen immer größere Scharen. Die Kette stand bis
hinauf zur Warrenstreet. So kam der graue Tag heran.
Um acht Uhr ging eine plötzliche Bewegung durch die Menge: im
schweigenden, von rauchender Kälte umhüllten Syndikat-Building
leuchteten die ersten Lampen auf!
Um neun Uhr -- mit dem Glockenschlage! -- öffneten sich die schweren
Kirchentüren des Gebäudes. Die Menge wälzte sich hinein in das
prunkvolle Vestibül und von da aus in die gleißend hellen Kassenräume.
Ein Heer von frischgewaschenen, ausgeschlafenen Beamten wimmelte
hinter den kleinen Schalterfenstern. Die Einlösung der Kupons ging
blitzschnell vonstatten. An allen Schaltern wurden von fliegenden
Händen die Dollarnoten auf die Marmorplatte geblättert, das Kleingeld
klirrte. Alles wickelte sich ruhig ab. Wer bedient war, wurde von
selbst durch die nachschiebende Menge zum Ausgang hinausgepreßt.
Etwas nach zehn Uhr aber gab es eine Stockung. Drei Schalter schlossen
gleichzeitig, da ihnen das Wechselgeld ausgegangen war. Das Publikum
wurde unruhig und die Beamten der übrigen Schalter wurden von zehn und
zwanzig Ungeduldigen gleichzeitig bestürmt. Da ließ der Kassenvorstand
verkünden, daß die Schalter auf fünf Minuten geschlossen würden. Die
Herrschaften möchten Kleingeld bereithalten, da sich die Auszahlung
sonst zu sehr verzögere. Die Schalter schlossen.
Die Situation der Wartenden im Schalterraum war keineswegs angenehm.
Denn die Menge, von den Zeitungen auf 30000 geschätzt, drängte von
draußen gleichmäßig nach. Wie ein Baumstamm vom Mechanismus eines
Sägewerks in die Säge geschoben wird, so gleichmäßig wurde die
Menschenkette in das Syndikat-Building hineingepreßt und -- in Teile
aufgelöst -- durch den Ausgang nach Wallstreet gedrückt. Ein Mann
setzt den Fuß auf die erste Granitstufe. Nach einer Minute hebt ihn
die nachdrängende Menge in die Höhe, er steht mit beiden Füßen auf der
ersten Granitstufe. Nach zehn Minuten ist er oben und wird langsam
durchs Vestibül gemahlen. Nach weiteren zehn Minuten wird er in den
Schalterraum gedrückt. Er ist eine mechanische Figur ohne Eigenbewegung
geworden, und Tausende vor ihm und hinter ihm absolvieren genau die
gleichen Bewegungen in genau der gleichen Zeit.
Infolge der Stockung aber war der riesige Schaltersaal in wenigen
Minuten gedrückt voll. Die Leute im Vestibül wurden zum Teil die Treppe
zu den oberen Stockwerken hinaufgeschoben.
Die Wartenden an den Schaltern aber konnten die Position nicht länger
halten und hatten die hübsche Aussicht, nach zehnstündigem Warten an
den Schaltern vorbeigepreßt und gegen den Ausgang gedrückt zu werden.
Dann konnten sie sich wieder hinten anreihen.
Sie alle hatten die Nacht schlaflos verbracht, gefroren wie Hunde,
nicht gefrühstückt, sie versäumten Zeit, hatten Unannehmlichkeiten in
ihren Büros und Geschäften zu erwarten -- ihre Laune war die denkbar
schlechteste. Sie schrien und pfiffen, und der Lärm setzte sich durchs
Vestibül auf die Straße hinaus fort.
Eine ungeheure Erregung ging durch die Menge.
»Die Schalter werden geschlossen!«
»Das Geld ist ihnen ausgegangen!«
Und das Drängen wurde ungeduldiger und gewaltsamer. Kleider wurden
abgerissen, und Menschen, die keine Luft bekamen, schrien und fluchten.
Manche aber, die getragen wurden und bis zur Brust über die Köpfe
hinausragten, heulten laute Verwünschungen.
An den Schaltern stauten sich die Massen zum Ersticken. Schreie,
Flüche wurden laut. Ein Chauffeur schlug mit der Faust die Scheibe
des Schalters ein und schrie, dunkelrot vor Atemnot im Gesicht: »Mein
Geld, ihr Schwindler. Ich habe hier dreihundert Dollar! Gebt mir meine
dreihundert Dollar, ihr hundsgemeinen Diebe und Halsabschneider!«
Der Beamte drinnen sah den Schreihals bleich und abweisend an: »Sie
wissen genau, daß die Shares unkündbar sind. Sie haben Ihre Zinsen zu
fordern, das ist alles!«
Die Scheiben klirrten plötzlich an allen Ecken und Enden und die Clerks
begannen nunmehr wieder fieberhaft rasch Geld auszuzahlen. Allein es
war zu spät. Das Geschrei, das sich erhob, als die Auszahlung wieder
begann, wurde von dem zusammengepreßten Menschenhaufen im Saal und
Vestibül mißdeutet, und das Gedränge wurde noch schrecklicher.
Wer den Ausgang erreichen konnte, machte sich so rasch wie möglich
davon. Aber auch das gelang nur einzelnen. Plötzlich krachten die
Schaltertüren und die Menge wurde in den Kassenraum gepreßt. Die Clerks
und Beamten flüchteten, Bücher und Kassetten und Geld zusammenraffend,
so gut es ging. Die Menge brandete hinein und im Nu waren die eichenen
Schalterwände eingedrückt. Auf diese Weise war Luft entstanden. Die
Menge rannte durch alle denkbaren Türen hinaus. Aber nun wirkte
der Druck von hinten um so stärker, die Menschenhaufen wurden
hineingeschossen. Hier aber fanden sie zu ihrer größten Verblüffung
eine zerstörte und geplünderte Bank vor. Umgeworfene Pulte, verstreute
Papiere, ausgeschüttete Tinte und Haufen von Kleingeld und zertretenen
Dollarscheinen.
Eines aber war klar für sie: ihr Geld war verloren! Hin! Kaputt! Ihr
Geld, ihre Hoffnungen, alles!
Das ganze Gebäude heulte vor Wut und Empörung. Man begann zu
demolieren, was zu demolieren war. Fenster klirrten, Tische, Stühle
zerkrachten und ein fanatischer Jubel brauste auf, so oft es Trümmer
gab.
Das Syndikat-Building wurde gestürmt!
Dreißigtausend Menschen -- und nach manchen mehr -- drängten hinein und
wurden die Treppen empor in die oberen Stockwerke geworfen. Die wenigen
Schutzleute, die zur Ordnung da waren, waren vollkommen machtlos.
Die friedlich Gesinnten suchten irgendwo einen Ausweg, die Wütenden
aber suchten sich festzukeilen, wo immer es ging, und ihren Zorn zu
befriedigen.
Das Gebäude war an diesem zweiten Januar fast vollkommen verlassen
und die meisten Stockwerke gänzlich leer. Um Geld zu sparen hatte man
beschlossen, nur die notwendigsten Räume beizubehalten und die frei
werdenden Etagen zu vermieten. Die meisten Ressorts waren schon nach
Mac City übergesiedelt, andere im Umzug begriffen, die an Anwälte und
Firmen vermieteten Etagen aber heute noch nicht im vollen Betrieb.
Das zweite und dritte Stockwerk war angefüllt mit Ballen von
Briefschaften, Rechnungen, Quittungen, Plänen, die in den ersten Tagen
des Jahres nach den neuen Büros transportiert werden sollten.
Sinnlos in seiner Wut begann der Pöbel diese Ballen durch die Fenster
auf die Straße zu werfen und das Treppenhaus damit anzufüllen.
Bis hinauf zum siebenten Stockwerk sah man plötzlich Gesichter an allen
Fenstern.
Drei junge, freche Burschen, Mechaniker, kamen sogar bis zu Allan im
32. Stockwerk hinauf!
»Mac muß uns unser Geld geben! Hallo!« Das war eine bestrickende Idee!
»~Go on boy~ -- wir wollen zu Mac!«
Der Liftboy weigerte sich, die lauten Frechdachse zu fahren. Da warfen
sie ihn zum Lift hinaus und fuhren ab. Sie lachten und schnitten dem
Liftboy, der vor Wut heulte, Grimassen. Der Lift stieg und stieg -- und
plötzlich wurde es ganz ruhig! Vom zwanzigsten Stock an hörte man das
Getöse nur noch wie fernen Straßenlärm.
Der Lift flog an verödeten Korridoren vorbei. Sie sahen nur wenig
Menschen, aber die wenigen, die sie sahen, schienen nicht zu ahnen,
was da drunten, zwanzig und fünfundzwanzig Stockwerke tiefer vor
sich ging. Ein Beamter schloß gleichmütig die Tür seines Büros auf,
im 30. Stockwerk saßen zwei Herren mit der Zigarre im Mund auf einem
Fenstersims und unterhielten sich lachend.
Der Lift hielt, und die drei Mechaniker stiegen aus und brüllten: »Mac!
Mac! Mac, wo bist du! Heraus mit Mac!«
Sie gingen an alle Türen und pochten dagegen.
Plötzlich aber erschien Allan in einer Tür und sie starrten ihn, den
sie im Bild so oft gesehen hatten, eingeschüchtert an und konnten kein
Wort herausbringen.
»Was wollen Sie?« fragte Allan ungehalten.
»Unser Geld wollen wir!«
Allan hielt sie für betrunken.
»Geht in die Hölle!« sagte er und warf die Tür ins Schloß.
Da standen sie und starrten die Tür an. Sie waren gekommen, um aus Mac
unter allen Umständen ihr Geld herauszuschlagen, und nun hatten sie
keinen Cent erhalten und wurden noch dazu in die Hölle geschickt.
Sie berieten und entschlossen sich abzufahren.
In die Hölle gingen sie nicht, nein, aber durchs Fegfeuer mußten sie
doch! Im zwölften Stockwerk stürzten sie durch Rauch und im achten
sauste ein brennender Lift voller Feuer und Flammen an ihnen vorbei.
Verstört und halb wahnsinnig vor Schrecken erreichten sie das Vestibül,
wo die Woge der nach außen fliehenden Menschen sie mit auf die Straße
riß.
10.
Niemand wußte, wie es geschehen war. Niemand wußte, wer es tat. Niemand
sah es. Aber es war doch geschehen ...
Im dritten Stock stieg plötzlich ein Mann auf das Fenstersims. Dieser
Mann hielt beide Hände als Schalltrichter vor den Mund und gellte
unaufhörlich mit voller Kraft der Lungen auf das immer noch ins Gebäude
drängende Menschenheer hinab: »Feuer! Das Building brennt! Zurück!«
Der Mann war James Blackstone, ein Bankclerk, den die Menschenmasse in
den dritten Stock emporgedrückt hatte. Im Anfang hörte ihn niemand,
denn alles ringsum schrie. Aber als das Gellen sich automatisch
wiederholte, wandten sich mehr und mehr Gesichter in die Höhe und
plötzlich verstand die Straße, was Blackstone im dritten Stock schrie.
Sie verstand nicht alles, nur das einzige alarmierende Wort: »Feuer!«
Die Straße sah auch plötzlich, daß das, was wie neblige Kälte aussah,
dieser graue Dunst, in dem Blackstone stand, nicht Kälte war, sondern
Rauch. Der Rauch verdichtete sich und zog in breiten, trägen Streifen
zum Fenster hinaus, um über Blackstones Kopf rasch in die Höhe zu
wirbeln. Dann aber begann der Rauch rasch dichter zu werden, zu
rollen, zu puffen, und Blackstone verschwand fast gänzlich. Blackstone
aber verließ seinen Posten nicht. Er war ein mechanisch gellendes
Warnungssignal, das die mit enormer blinder Energie vorwärtsdrängende
Masse langsam zum Stillstand und endlich zum Rückzug zwang.
Blackstones Besonnenheit ist es zu danken, daß eine ungeheure
Katastrophe vermieden wurde. Sein gellender Schrei weckte die
Überlegung der sinnlos gewordenen Masse. Im Building befanden sich
zurzeit viele Tausende. Sie strömten den Ausgängen zu, stießen aber
hier auf eine Mauer von Menschen. Es schien zunächst, als ob die
Menschen auf der Straße neugierig zusehen wollten, was jetzt geschehen
würde. Endlich aber, aufgepeitscht durch Blackstones Schreie -- wandten
sie sich um und stießen hundertfältig Blackstones Warnungssignal aus:
»Zurück, das Building brennt!« Die Menge wurde in die Nebenstraßen
gepreßt, sie flutete ab.
Über die breiten Granittreppen des Gebäudes stürzte ein wilder
Wasserfall von Köpfen, Armen und Beinen und Strudeln von Menschen,
die auf die Straße rollten, sich aufrafften und entsetzt flohen. Sie
alle hatten sie gesehen, während sie die Treppen hinabhagelten -- da
drinnen -- die schrecklichen: die brennenden Lifts! Lifts, drei, vier,
angefüllt mit brennenden Papierbündeln, die in die Höhe schossen und
aus denen das Feuer herabtropfte.
Blackstone wurde plötzlich wieder im Rauch sichtbar. Er wurde rasch
größer und auf einmal kam er näher: er war gesprungen! Blackstone
stürzte in eine Gruppe Fliehender, und es ist sonderbar, daß niemand
verletzt wurde. Die Fliehenden spritzten auseinander wie Schmutz, in
den ein Steinblock fällt. Sie erhoben sich alle blitzschnell wieder und
nur Blackstone blieb liegen. Man trug ihn fort, aber er erholte sich
rasch, er hatte sich nur einen Fuß ausgerenkt.
Von Blackstones erstem Ruf bis zu seinem Sprung waren keine fünf
Minuten vergangen. Zehn Minuten später wimmelten Pinestreet,
Wallstreet, Thomasstreet, Cedar-, Nassaustreet und Broadway von
Löschzügen, qualmenden Dampfspritzen und Ambulanzen. Alle Depots New
Yorks spien Löschzüge aus.
Kelly, der Kommandeur der Wehr, erkannte augenblicklich die große
Gefahr, in der das Geschäftsviertel schwebte. Er rief sogar »Bezirk 66«
zu Hilfe, das heißt Brooklyn, was seit dem großen Brand des Equitable
Buildings nicht mehr geschehen war. Die Nordpassage der Brooklynbrücke
wurde gesperrt, und acht Dampfspritzen mit den zugehörigen Zügen
flogen über die gespenstisch im Winterdunst hängende Brooklyn-Bridge
nach Manhattan. Das Tunnelgebäude qualmte aus allen Fugen wie ein
32stöckiger Riesenofen. Es war umtobt von Schlachtsignalen, warnenden,
schauerlichen Hornrufen, gellenden Glockenschreien, trillernden Pfiffen.
Das Feuer war im dritten Stock und in den Lifts gelegt worden, die
man in die Höhe sausen ließ. Niemand konnte später sagen, wer diese
Teufelei verübt hatte.
Die brennenden Lifts stürzten ab, wie Bergsteiger, denen an einer
steilen Wand die Kräfte ausgehen, einer nach dem andern. Aus dem
Souterrain prasselte nach jedem Sturz eine Wolke glühenden Staubs
empor. Im Vestibül, im Liftschacht dröhnten Kanonenschüsse und
knatterte Schnellfeuer: die Hitze zog unter Krachen die Dielen der
Schachtverschalung aus den Schrauben. Der Liftschacht wurde zu einer
heulenden Säule von glühender Luft, die die brennenden Briefballen
mit nach oben riß. Sie durchschlug den Lichtdom, und eine Fontäne von
Funken stieß aus dem Dach empor. Das Building verwandelte sich in einen
Vulkan, der brennende Papierfetzen und glühende Briefballen ausspie,
die wie Raketen in die Luft stiegen und wie Geschosse über Manhattan
dahinsurrten.
Um den glühenden Krater da droben aber kreiste in tollkühner Nähe eine
Flugmaschine, wie ein Raubvogel, dessen Horst verbrannte: Photographen
der Edison-Bio, die das schneebedeckte Hochgebirge von Wolkenkratzern
mit dem aktiven Vulkan in der Mitte aus der Vogelperspektive
kinematographisch aufnahmen.
Von dem Liftschacht aus kroch das Feuer durch die Türen in die
einzelnen Stockwerke.
Die Fensterscheiben flogen mit einem hellen Knall heraus und
zerschellten an den gegenüberliegenden Gebäuden. Die eisernen
Fensterstöcke wurden von der Hitze gebogen, herausgeschleudert und
wirbelten mit dem hohlen surrenden Geräusch von Aeroplanpropellern
durch die Luft. Das Zink, mit dem Fensterbleche und Dachrinnen gelötet
waren, schmolz und prasselte als glühender Regen herab. (Für diese
Zinkklumpen zahlte man später hohe Preise!)
Kelly schlug eine heroische Schlacht. Er legte fünfundzwanzig Kilometer
Schlauchleitungen, aus hundertzwanzig Rohren schoß er Hunderttausende
von Gallonen Wasser in das brennende Gebäude. Im ganzen verschlang
dieser Brand fünfundzwanzig Millionen Gallonen Wasser und er kostete
der Stadt New York hundertdreißigtausend Dollar -- dreißigtausend mehr
als der große Brand des Equitable-Buildings 1911.
Kelly kämpfte mit dem Feuer und mit der Kälte zu gleicher Zeit. Die
Hydranten froren ein, die Schläuche barsten. Fußdick lag die Eiskruste
auf der Straße. Das Eis schlug einen dicken Mantel um das brennende
Gebäude. Pinestreet war fußhoch mit Eiskörnern bedeckt, denn der Wind
verwehte das Wasser und verwandelte es in Eislapilli, die auf die
Straße herabregneten.
Kelly hatte mit seinen Bataillonen den Feind umzingelt und schlug acht
Stunden lang alle Ausfälle zurück. Auf den Dächern ringsum fochten
Kellys Bataillone, halb erstickt vom Rauch, mit Eisklumpen bedeckt in
einer Kälte von zehn Grad Celsius. Zwischen ihnen schossen Journalisten
hin und her und die Kinematographen drehten mit erstarrten Händen die
Kurbel. Auch sie arbeiteten bis zur Erschöpfung.
Das Gebäude war aus Beton und Eisen und konnte nicht abbrennen, obwohl
es glühte, daß Legionen von Fensterscheiben in der Nachbarschaft
platzten. Aber es brannte vollkommen aus.
11.
Allan flüchtete über das Dach der Mercantile Safe Co., das acht
Stockwerke unter ihm lag.
Er hatte einige Minuten, nachdem ihn die Frechdachse durch ihr Geschrei
herausgelockt hatten, den Ausbruch des Feuers bemerkt. Als Lion
taumelnd vor Angst und Aufregung zu ihm geeilt kam, hatte er schon den
Mantel angezogen und den Hut auf dem Kopf. Er war dabei, Briefschaften
von den Tischen aufzuraffen und in die Taschen zu stecken.
»Das Building brennt, Sir!« keuchte der Chinese. »Die Lifts brennen!«
Mac warf ihm Schlüssel zu. »Öffne den Tresor und schreie nicht!«
sagte er. »Das Gebäude ist feuersicher.« Allan war gelb im Gesicht,
betäubt von dem neuen Unglück, das über ihn hereinbrach. »Das ist
das Ende!« dachte er. Er war nicht abergläubisch! Aber nach all den
Schicksalsschlägen drängte sich ihm der Gedanke auf, daß ein Fluch auf
dem Tunnel liege! Ganz mechanisch, ohne recht zu wissen, was er tat,
raffte er Zeichnungen und Pläne und Schriftstücke zusammen.
»Der kleine Stift mit den drei Zacken, Lion, flenne nur nicht!« sagte
er, und verwirrt und betäubt wiederholte er ein paarmal: »Flenne nur
nicht ...«
Das Telephon schrillte. Es war Kelly, der Allan sagte, er solle über
die Ostwand nach dem Dach der Mercantile Safe Co. absteigen. Von Minute
zu Minute schrillte das Telephon -- es sei höchste Zeit! -- bis Allan
den Apparat abstellte.
Er ging von Tisch zu Tisch, von Gestell zu Gestell und zog Pläne und
Schriftstücke hervor und warf sie Lion zu.
»Das muß alles in den Tresor, Lion! Vorwärts!«
Lion war halb irrsinnig vor Angst. Aber er wagte keine Silbe mehr zu
sagen, nur seine Lippen bewegten sich, als ob er einen alten Hausgott
anrufe. Mit einem Seitenblick hatte er sich überzeugt, daß ein Gewitter
im Gesicht seines Herrn stand, ein Hagelwetter, und er hütete sich, ihn
zu reizen.
Plötzlich klopfte es. Sonderbar! In der Türe erschien der Deutschrusse
Strom. Er stand in der Türe, in einem kurzen Mantel, den Hut in der
Hand, nicht unterwürfig und nicht aufdringlich. Er stand, als habe er
die Absicht, geduldig zu warten, und sagte: »Es wird Zeit, Herr Allan.«
Es war Allan rätselhaft, wie Strom heraufgekommen war, aber er hatte
keine Zeit, darüber nachzudenken. Es fiel ihm ein, daß Strom in New
York war, um mit ihm über die Verringerung des Heeres von Ingenieuren
zu sprechen.
»Gehen Sie voran, Strom!« sagte er unwirsch. »Ich komme schon!« Und er
wühlte weiter in den Stößen von Papieren. Draußen quoll der Rauch an
den Fenstern vorbei und in der Tiefe winselten die Signale der Wehren.
Da fiel Allans Blick nach einer Weile wieder gegen die Türe: Strom
stand immer noch still wartend, den Hut in der Hand.
»Sie sind noch da?«
»Ich warte auf Sie, Allan,« erwiderte der bleiche Strom bescheiden und
bestimmt.
Plötzlich drang eine Wolke von Rauch ins Zimmer und mit dem Rauch
erschien ein Offizier der Wehr mit einem weißen Helm auf dem Kopf. Er
hustete und rief: »Kelly schickt mich. In fünf Minuten können Sie nicht
mehr aufs Dach, Herr Allan!«
»Ich brauche gerade noch fünf Minuten,« antwortete Allan und fuhr fort,
Papiere aufzuraffen.
In diesem Augenblick wurde das Knipsen eines photographischen Apparates
hörbar, und als sie sich umdrehten, sahen sie einen Photographen, der
Allan aufs Korn genommen hatte.
Der Offizier mit dem weißen Helm wurde vor Erstaunen einen Schritt
zurückgeworfen.
»Wie kommen Sie hierher?« fragte er verblüfft.
Der Photograph knipste den verblüfften Offizier. »Ich bin hinter Ihnen
hergeklettert,« antwortete er.
Allan mußte trotz seiner Niedergeschlagenheit laut auflachen. »Lion,
Schluß, drehe ab! Nun, kommen Sie!«
Ohne einen Blick in sein Arbeitszimmer zurückzuwerfen ging er durch die
Türe.
Der Korridor war eine dicke, finstere Masse von ätzendem Qualm. Es war
höchste Zeit. Unter unausgesetzten Zurufen erreichten sie die schmale
Eisentreppe und das Dach, auf dem an drei Seiten graue Rauchmauern in
die Höhe wirbelten und die Aussicht benahmen.
Sie kamen gerade in dem Augenblick oben an, als der Glasdom einstürzte
und sich in der Mitte des Daches ein Krater öffnete, der Rauch,
Funkenregen, Feuerklumpen und brennende Papierfetzen ausspie. Dieser
Anblick war so entsetzlich, daß Lion laut zu jammern anfing.
Der Photograph aber war verschwunden. Er photographierte den Krater. Er
richtete die Linse über New York, hinunter in die Straßenschluchten,
auf die Gruppe auf dem Dach. Er geriet in eine Raserei zu
photographieren, so daß der Offizier sich schließlich gezwungen sah,
ihn am Kragen zu packen und zur Leiter zu schleppen.
»~Stop, you fool!~« schrie der Offizier wütend.
»Was sagen Sie: ~fool~?« antwortete der Photograph entrüstet. »Dafür
werden Sie bezahlen. Ich kann hier photographieren, solange ich will.
Sie haben gar kein Recht --«
»~Now shut up and go on!~« schrie der Offizier.
»Was sagen Sie: ~shut up~? Auch dafür werden Sie bezahlen. Mein Name
ist Harrisson vom Herald. Sie hören von mir.«
»Meine Herren, haben Sie Handschuhe? Das Fleisch bleibt Ihnen an den
eisernen Leitern hängen.«
Der Offizier befahl dem Photographen, als erster abzusteigen.
Aber der Photograph wollte gerade den Abstieg aufnehmen und
protestierte.
»Vorwärts,« sagte Allan. »Verlassen Sie das Dach. Machen Sie keine
Dummheiten!«
Der Photograph warf den Riemen über die Schulter und stieg über die
Brüstung.
»Sie haben ja allein das Recht, mich von Ihrem Dach zu weisen, Herr
Allan,« sagte er tief gekränkt, während er langsam versank. Und als
nur noch sein Kopf sichtbar war, fügte er hinzu: »Aber daß Sie von
Dummheiten reden, das bedaure ich, Herr Allan. Von Ihnen hätte ich das
nicht erwartet.«
Nach dem Photographen stieg Lion ein, der ängstlich unter sich blickte,
dann Strom, hierauf Allan und den Schluß machte der Offizier.
Sie hatten acht Stockwerke abzusteigen, rund hundert Sprossen. Der
Rauch war hier gering, aber weiter unten waren die Sprossen so dick mit
Eis bedeckt, daß man sie kaum mehr greifen konnte. Unaufhörlich stieb
Wasser über sie, das augenblicklich zu Körnern auf den Kleidern und im
Gesicht gefror.
Dächer und Fenster der Nachbarschaft waren von Neugierigen punktiert,
die dem Abstieg zusahen, der gefährlicher aussah, als er war.
Sie kamen alle wohlbehalten auf dem Dach der Mercantile Safe Co. an,
und hier erwartete sie schon der Photograph und kurbelte.
Das Dach sah einem Gletscher ähnlich und ein kleiner spitzer Eisberg
näherte sich Allan. Das war der Kommandeur Kelly. Zwischen den beiden,
alten Bekannten, wurden folgende Worte gewechselt, die am selben Abend
noch in allen Zeitungen standen.