Berta starrte sie an: »Dir gehört also das Haus?«

»Ja, Berta. Das wußte ich übrigens schon lange.«

»Du gehst ja in Schwarz?«

»Das schickt sich wohl nicht anders -- wie?«

»Na, eher müßte ich doch in Schwarz gehen.«

»Äußerlichkeiten, Berta.«

Sie schwiegen eine Weile. Dann sagte Berta mit würgendem Ton: »Mir ist

furchtbar zu Mute ...«

Gusti Bernhardi griff nach ihrer rechten Hand -- das war keine rechte

Bewegung -- neulich erst hatte Berta so etwas im Theater gesehen.

»Warum?« fragte die vorsichtige Frau. »Ich habe doch nichts geerbt --

und du? ...«

»Ach Berta -- du solltest mich nicht beneiden.«

»Ich beneide dich nicht!!«

»Sei ruhig -- bitte -- wir wollen beide ganz ruhig sein. Hast du dir

denn überhaupt mal klargemacht, was für ein Leben ich bei dem Mann

hatte?«

»Das ist mir ganz egal! Ich war seine Tochter, und das glaubt mir kein

Mensch!«

»Das will und kann dir natürlich kein Mensch glauben.«

»Warum denn?«

»Weil niemand ein Interesse daran hat. Du hast dich von Illusionen

verblenden lassen, Berta. Du tust mir furchtbar leid. Aber helfen kann

dir kein Mensch.«

»Gott wird mir helfen!«

»Also, das wünsch' ich dir von ganzem Herzen.«

»Gott sieht, was die Lumpen alle nicht sehen. Ich habe ein ehrliches

Leben hinter mir! Ein schweres Leben! Nun soll ich nicht mal das Recht

meiner Geburt haben? Nun soll ich nichts sein, garnichts, bloß weil's

die Bande will?«

Gusti Bernhardi zuckte die Achseln: »Glaube mir nur, ich habe auch

meinen Ärger und meine Enttäuschungen. Wenn du mich jetzt auch im

Glanz siehst. Eins zum Beispiel -- das muß ich dir doch zum Trost

erzählen: ich war nämlich garnicht so auf sein Geld aus, wie manche

Leute glauben -- ich hab' immer eine ideale Richtung in mir gehabt.

Und darum lag mir am meisten an seinen alten Bildern -- besonders die

beiden Niederländer im Arbeitszimmer, darauf hab' ich mich gefreut.

Und nun ...«

Frau Rietschel das Kind · 第 91 / 97 题