Damis. Ah der!
Anton. Es ist schon wahr; was hat sich ein Sohn um den Vater zu
bekümmern? Aber sagen Sie mir doch: schickt es sich denn, daß man auf
seine eigne Hochzeit Verse macht?
Damis. Gewöhnlich ist es freilich nicht; aber desto besser! Geister
wie ich lieben das Besondre.
Anton (beiseite). St! jetzt will ich ihm einen Streich spielen!
--(Laut.) Hören Sie nur, Herr Damis, ich werde es selbst gern sehen,
wenn Sie Julianen heiraten.
Damis. Wieso?
Anton. Ich weiß nicht, ob ich mich unterstehen darf, es Ihnen zu
sagen. Ich habe--ich habe selbst--
Damis. Nur heraus mit der Sprache!
Anton. Ich habe selbst versucht, Verse auf Ihre Hochzeit zu machen,
und deswegen wollte ich nun nicht gern, daß meine Mühe verloren wäre.
Damis. Das wird etwas Schönes sein!
Anton. Freilich! denn das ist mein Fehler; ich mache entweder etwas
Rechtes oder gar nichts.
Damis. Gib doch her! vielleicht kann ich deine Reime verbessern, daß
sie alsdenn mir und dir Ehre machen.
Anton. Hören Sie nur, ich will sie Ihnen vorlesen. (Er sucht einen
Zettel aus der Tasche.) Ganz bin ich noch nicht fertig, muß ich Ihnen
sagen. Der Anfang aber, aus dem auch allenfalls das Ende werden kann,
klingt so--Rücken Sie mir doch das Licht ein wenig näher!--Du, o edle
Fertigkeit, Zu den vorgesetzten Zwecken Tücht'ge Mittel--
Damis. Halt! du bist ein elender Stümper! Ha! ha! ha! Das du o
steht ganz vergebens. Edle Fertigkeit sagt nichts weniger, und Du, o
edle Fertigkeit nichts mehr. Deleatur ergo du o! Damit aber nicht
zwei Silben fehlen, so verstärke das Beiwort edel, nach Art der
Griechen, und sage überedel. Ich weiß zwar wohl, überedel ist ein
neues Wort; aber ich weiß auch, daß neue Wörter dasjenige sind, was
die Poesie am meisten von der Prose unterscheiden muß. Solche
Vorteilchen merke dir! Du mußt dich durchaus bestreben, etwas
Unerhörtes, etwas Ungesagtes zu sagen. Verstehst du mich, dummer
Teufel?
Anton. Ich will es hoffen.