Vierzehnter Auftritt

Anton. Lisette. Damis (kömmt ganz tiefsinnig; Lisette schleicht

hinter ihm her und macht seine Grimassen nach).

Anton. Halt! ich will ihn noch ein wenig zappeln lassen und ihm die

Briefe nicht gleich geben. (Steckt sie ein.) Wie so tiefsinnig, Herr

Damis? was steckt Ihnen wieder im Kopfe?

Damis. Halt dein Maul!

Anton. Kurz geantwortet! Aber soll sich denn ein Bedienter nicht um

seinen Herrn bekümmern? Es wäre doch ganz billig, wann ich auch wüßte,

worauf Sie dächten. Eine blinde Henne findet auch manchmal ein

Körnchen, und vielleicht könnte ich Ihnen--

Damis. Schweig!

Anton. Die Antwort war noch kürzer. Wenn sie stufenweise so abnimmt,

so will ich einmal sehen, was übrigbleiben wird.--Was zählen Sie denn

an den Fingern? Was hat Ihnen denn der arme Nagel getan, daß Sie ihn

so zerreißen? (Er wird Lisetten gewahr.)--Und, zum Henker, was ist

denn das für ein Affe? Kömmst du von Sinnen?

Lisette. Halt dein Maul!

Anton. Um des Himmels willen geh! Wann mein Herr aus seinem Schlafe

erwacht und dich sieht--

Lisette. Schweig!

Anton. Willst du mich oder meinen Herrn zum besten haben? So sehen

Sie doch einmal hinter sich, Herr Damis!

Damis (geht einigemal tiefsinnig auf und nieder; Lisette in gleichen

Stellungen hinter ihm her; und wann er sich umwendet, schleicht sie

sich hurtig herum, daß er sie nicht gewahr wird). Meiner

Hochzeitfackel Brand Sei von mir jetzt selbst gesungen!

Anton. Ho! ho! Sie machen Verse? Komm, Lisette, nun müssen wir ihn

allein lassen. Bei solcher Gelegenheit hat er mich selbst schon, mehr

als einmal, aus der Stube gestoßen. Komm nur; er ruft uns gewiß

selbst wieder, sobald er fertig ist, und vielleicht das ganze Haus

dazu.

Lisette (indem sich Damis umwendet, bleibt sie starr vor ihm stehen

und nimmt seinen Ton an). Meiner Hochzeitfackel Brand Sei von mir

jetzt selbst gesungen!

(Damis tut, als ob er sie nicht gewahr würde, und stößt auf sie.)

Damis. Was ist das?

Lisette. Was ist das?

(Beide, als ob sie zu sich selbst kämen.)

Damis. Unwissender, niederträchtiger Kerl! habe ich dir nicht oft

genug gesagt, keine Seele in meine Stube zu lassen als aufs höchste

meinen Vater? Was will denn die hier?

Lisette. Unwissender, niederträchtiger Kerl! hast du mir es nicht oft

genug gesagt, daß ich mich aus der Stube fortmachen soll? Kannst du

dir denn aber nicht einbilden, daß die, welche im Kabinette hat sein

dürfen, auch Erlaubnis haben werde, in der Stube zu sein? Unwissender,

niederträchtiger Kerl!

Anton. Wem soll ich nun antworten?

Damis. Gleich stoße sie zur Stube hinaus!

Anton. Stoßen? mit Gewalt?

Der junge Gelehrte: Ein Lustspiel in drei Aufzügen · 第 104 / 121 题