Valer. Juliane.
Juliane. Und wir lachen ihm nicht nach?
Valer. Nein, Juliane; eine bessere Freude mag uns jetzt erfüllen; und
beinahe gehört eine Art von Grausamkeit dazu, sich über einen so
kläglichen Toren lustig zu machen. Wie soll ich Ihnen die Regungen
meines Herzens beschreiben, jetzt, da man ihm alle seine
Glückseligkeit wiedergegeben hat? Ich beschwöre Sie, Juliane, wann
Sie mich lieben, so verlassen Sie noch heute mit mir dieses
gefährliche Haus. Setzen Sie sich nicht länger der Ungestümigkeit
eines veränderlichen Alten, der Raserei eines jungen Pedanten und der
Schwäche Ihrer eignen allzu zärtlichen Denkungsart aus. Sie sind mir
in einem Tage genommen und wiedergegeben worden; lassen Sie ihn den
ersten und den letzten sein, der so grausam mit uns spielen darf!
Juliane. Fassen Sie sich, Valer. Wir wollen lieber nichts tun, was
uns einige Vorwürfe von Chrysandern zuziehen könnte. Sie sehen, er
ist auf dem besten Wege, und ich liebe ihn ebensosehr, als ich den
Damis verachte. Durch das Mißtrauen, wodurch ich mich auf einmal
seiner Vorsorge entzöge, würde ich ihm für seine Wohltaten schlecht
danken--
Valer. Noch immer reden Sie von Wohltaten? Ich werde nicht eher
ruhig, als bis ich Sie von diesen gefährlichen Banden befreiet habe.
Erlauben Sie mir, daß ich sie sogleich gänzlich vernichte und dem
alten Eigennützigen--
Juliane. Nennen Sie ihn anders, Valer; er ist das nicht; und schon
seine Veränderung zeigt es, daß Lisette falsch gehört oder uns
hintergangen hat. Zwar weiß ich nicht, wem ich diese Veränderung
zuschreiben soll--(Nachsinnend.)
Valer. Warum auf einmal so in Gedanken? Die Ursache, die ihn bewogen
hat, mag sein, welche es will; ich weiß doch gewiß, daß es eine Fügung
des Himmels ist.
Juliane. Des Himmels oder Lisettens. Auf einmal fällt mir ein, was
Sie mir von einem Briefe gesagt haben. Sollte wohl Lisettens allzu
große Dienstfertigkeit--
Valer. Welche Einbildung, liebste Juliane! Sie weiß es ja, daß Ihre
Tugend in diesen kleinen Betrug nicht willigen wollen.