Erster Auftritt

Lisette. Valer. Juliane.

Lisette (noch innerhalb der Szene). Nur hier herein; Herr Damis ist

ausgegangen. Sie können hier schon ein Wörtchen miteinander im

Vertrauen reden.

Juliane. Ja, Valer, mein Entschluß ist gefaßt. Ich bin ihm zu viel

schuldig; er hat durch seine Wohltaten das größte Recht über mich

erhalten. Es koste mir, was es wolle; ich muß die Heirat eingehen,

weil es Chrysander verlangt. Oder soll ich etwa die Dankbarkeit der

Liebe aufopfern? Sie sind selbst tugendhaft, Valer, und Ihr Umgang

hat mich edler denken gelehrt. Mich Ihrer wert zu zeigen, muß ich

meine Pflicht, auch mit dem Verluste meines Glückes, erfüllen.

Lisette. Eine wunderbare Moral! wahrhaftig!

Valer. Aber wo bleiben Versprechung, Schwur, Treue? Ist es erlaubt,

um eine eingebildete Pflicht zu erfüllen, einer andern, die uns

wirklich verbindet, entgegen zu handeln?

Juliane. Ach, Valer, Sie wissen es besser, was zu solchen

Versprechungen gehört. Mißbrauchen Sie meine Schwäche nicht. Die

Einwilligung meines Vaters war nicht dabei.

Der junge Gelehrte: Ein Lustspiel in drei Aufzügen · 第 27 / 121 题