Anton. O kehren Sie sich an meine Hände nicht!--Ob er--

Chrysander. Du sollst deine Kunst gleich zeigen! Ich habe meinem

Sohne eine Heirat vorgeschlagen: nun sage einmal, wenn du ihn kennst,

was wird er tun?

Anton. Ihr Herr Sohn? Herr Damis? Verzeihen Sie mir, bei dem geht

meine Kunst, meine sonst so wohl versuchte Kunst, betteln.

Chrysander. Nu, Schurke, so geh mit und prahle nicht!

Anton. Die Gemütsart eines jungen Gelehrten kennen wollen und etwas

daraus schließen wollen, ist unmöglich; und was unmöglich ist, Herr

Chrysander--das ist unmöglich.

Chrysander. Und wieso?

Anton. Weil er gar keine hat.

Chrysander. Gar keine?

Anton. Nein, nicht gar keine; sondern alle Augenblicke eine andre.

Die Bücher und die Exempel, die er liest, sind die Winde, nach welchen

sich der Wetterhahn seiner Gedanken richtet. Nur bei dem Kapitel vom

Heiraten stehenzubleiben, weil das einmal auf dem Tapete ist, so

besinne ich mich, daß--Denn vor allen Dingen müssen Sie wissen, daß

Herr Damis nie etwas vor mir verborgen hat. Ich bin von jeher sein

Vertrauter gewesen und von jeher der, mit dem er sich immer am

liebsten abgegeben hat. Ganze Tage, ganze Nächte haben wir manchmal

auf der Universität miteinander disputiert. Und ich weiß nicht, er

muß doch so etwas an mir finden; etwa eine Eigenschaft, die er an

andern nicht findet--

Chrysander. Ich will dir sagen, was das für eine Eigenschaft ist:

deine Dummheit! Es ergötzt ihn, wenn er sieht, daß er gelehrter ist

als du. Bist du nun vollends ein Schalk und widersprichst ihm nicht

und lobst ihn ins Gesicht und bewunderst ihn--

Anton. Je verflucht! da verraten Sie mir ja meine ganze Politik! Wie

schlau ein alter Kaufmann nicht ist!

Der junge Gelehrte: Ein Lustspiel in drei Aufzügen · 第 21 / 121 题