Anton. Oder zum Buchdrucker? Zu diesen dreien, Gott sei Dank! weiß
ich mich, wie das Färbepferd um die Rolle.
Damis. Sieht denn der Schlingel nicht, daß ich lese? Will er mich
noch länger stören?
Anton (beiseite). St! Er ist im Ernste böse geworden. Lenk ein,
Anton.--Aber, sagen Sie mir nur, was lesen Sie denn da für ein Buch?
Potz Stern, was das für Zeug ist! Das verstehen Sie? Solche
Krakelfüße, solche fürchterliche Zickzacke, die kann ein Mensch lesen?
Wann das nicht wenigstens Fausts Höllenzwang ist--Ach, man weiß es ja
wohl, wie's den Leuten geht, die alles lernen wollen. Endlich
verführt sie der böse Geist, daß sie auch hexen lernen.--
Damis (nimmt sein muntres Wesen wieder an). Du guter Anton! Das ist
ein Buch in hebräischer Sprache.--Des Ben Maimon Jad chasaka.
Anton. Ja doch; wer's nur glauben wollte! Was Hebräisch ist, weiß
ich endlich auch. Ist es nicht mit der Grundsprache, mit der
Textsprache, mit der heiligen Sprache einerlei? Die warf unser Pfarr,
als ich noch in die Schule ging, mehr als einmal von der Kanzel. Aber
so ein Buch, wahrhaftig! hatte er nicht; ich habe alle seine Bücher
beguckt; ich mußte sie ihm einmal von einem Boden auf den andern
räumen helfen.
Damis. Ha! ha! ha! das kann wohl sein. Es ist Wunders genug, wenn
ein Geistlicher auf dem Lande nur den Namen davon weiß. Zwar, im
Vertrauen, mein lieber Anton, die Geistlichen überhaupt sind schlechte
Helden in der Gelehrsamkeit.
Anton. Nu, nu, bei allen trifft das wohl nicht ein. Der Magister in
meinem Dorfe wenigstens gehört unter die Ausnahme. Versichert! der
Schulmeister selber hat mir es mehr als einmal gesagt, daß er ein sehr
gelehrter Mann wäre. Und dem Schulmeister muß ich das glauben; denn
wie mir der Herr Pfarr oft gesagt hat, so ist er keiner von den
schlechten Schulmeistern; er versteht ein Wort Latein und kann davon
urteilen.
Damis. Das ist lustig! Der Schulmeister also lobt den Pfarr, und der
Pfarr, nicht unerkenntlich zu sein, lobt den Schulmeister. Wenn mein
Vater zugegen wäre, so würde er gewiß sagen: Manus manum lavat. Hast
du ihm die alberne Gewohnheit nicht angemerkt, daß er bei aller
Gelegenheit ein lateinisches Sprüchelchen mit einflickt? Der alte
Idiote denkt, weil er so einen gelehrten Sohn hat, müsse er doch auch
zeigen, daß er einmal durch die Schule gelaufen sei.
Anton. Hab ich's doch gedacht, daß es etwas Albernes sein müsse; denn
manchmal mitten in der Rede murmelt er etwas her, wovon ich kein Wort
verstehe.
Damis. Doch schließe nur nicht daraus, daß alles albern sei, was du
nicht verstehst. Ich würde sonst viel albernes Zeug wissen.--Aber, o
himmlische Gelehrsamkeit, wieviel ist dir ein Sterblicher schuldig,
der dich besitzt! Und wie bejammernswürdig ist es, daß dich die
wenigsten in deinem Umfange kennen! Der Theolog glaubt dich bei einer
Menge heiliger Sprüche, fürchterlicher Erzählungen und einiger übel
angebrachten Figuren zu besitzen. Der Rechtsgelehrte bei einer
unseligen Geschicklichkeit, unbrauchbare Gesetze abgestorbner Staaten,
zum Nachteile der Billigkeit und Vernunft, zu verdrehen und die
fürchterlichsten Urtel in einer noch fürchterlichern Sprache
vorzutragen. Der Arzt endlich glaubt sich wirklich deiner bemächtiget
zu haben, wann er durch eine Legion barbarischer Wörter die Gesunden
krank und die Kranken noch kränker machen kann. Aber, o betrogene
Toren! die Wahrheit läßt euch nicht lange in diesem sie schimpfenden
Irrtume. Es kommen Gelegenheiten, wo ihr selbst erkennet, wie
mangelhaft euer Wissen sei; voll tollen Hochmuts beurteilet ihr
alsdann alle menschliche Erkenntnis nach der eurigen und ruft wohl gar
in einem Tone, welcher alle Sterbliche zu bejammern scheinet, aus:
Unser Wissen ist Stückwerk! Nein, glaube mir, mein lieber Anton: der
Mensch ist allerdings einer allgemeinen Erkenntnis fähig. Es leugnen,
heißt ein Bekenntnis seiner Faulheit oder seines mäßigen Genies
ablegen. Wenn ich erwäge, wieviel ich schon nach meinen wenigen
Jahren verstehe, so werde ich von dieser Wahrheit noch mehr überzeugt.
Lateinisch, Griechisch, Hebräisch, Französisch, Englisch,
Italienisch--das sind sechs Sprachen, die ich alle vollkommen besitze:
und bin erst zwanzig Jahr alt!