Rötelzeichnung im Besitz der Frau ~Dr.~ Ewald. Berlin.]

Chodowieckis +Porträts+ sind von ungleichem Wert; viele von

ihnen verdanken ihre Entstehung offenbar Aufträgen, die lediglich

den Geschäftsmann, aber nicht den Künstler in ihm angingen. Mit

staunenswerter Behendigkeit wußte er die wesentlichen Züge eines Kopfes

in anscheinend sorgfältiger Röteltechnik auf das Papier zu bringen,

wobei er, dem bequemen Vorbild eines Saint-Aubin u. a. folgend, die

Profilstellung bevorzugte. Die charakteristische Umrißlinie mußte zur

Ähnlichkeit das Beste thun, die Modellierung und Innenzeichnung wurde

etwas flüchtiger abgethan, und die gleichmäßige Kreuzschraffierung

des Hintergrundes sorgte für das plastische Hervortreten der Köpfe.

Gewissenhaft gab er die Einzelheiten der weiblichen Coiffure wieder

(Abb. 168, 175, 180), was sicherlich nicht wenig dazu beitrug, daß

die Damen ihn gern als Verewiger ihres Exterieurs in Anspruch nahmen.

Mit Stolz berichtet Johanna Schopenhauer, die Mutter des großen

Philosophen, daß ihr als kleinem Kind das Glück wurde, von unserem

Meister in Danzig porträtiert zu werden, und zahlreiche andere Damen

der Danziger Gesellschaft waren eifersüchtig auf die Ehre, während

seines Aufenthaltes in der Vaterstadt ihm zu einem Konterfey sitzen

zu dürfen. Aus seinen eigenen Zeichnungen (Abb. 47) erfahren wir,

wie es dabei zuging. Der Künstler rückte sich ein kleines Tischchen

ans Fenster, um gutes Licht zu haben, setzte das Modell, nachdem die

Vorhänge der übrigen Fenster herabgelassen waren, in passende Positur,

und nun arbeitete er, der frühzeitig schon seiner Kurzsichtigkeit

wegen sich einer Brille bediente, unter stetem Vergleichen und

Hinüberblicken, an seiner Aufgabe. Der Miniaturmaler verleugnet sich

nicht in der Art und Weise, wie er, dicht über das Blatt gebeugt,

seine Zeichnung ausführt, und seine Kurzsichtigkeit erklärt uns die

verkleinlichende Durcharbeitung der Einzelheiten, die ihm vielfach den

Blick für das Ganze trübte. Nicht selten nahm Chodowiecki auch von den

in Rötel gezeichneten Porträts, die übrigens meist in einem sehr viel

größeren Maßstab gehalten sind, als seine radierten Bildnisse, einen

Abklatsch in der Kupferdruckpresse, der sich durch Unklarheit der

Linien, und, falls sich Schrift darauf befindet, durch die rückläufige

Richtung derselben zu erkennen gibt.

[Illustration: Abb. 182. +~Dr.~ Solander.+ Ölbild in der

Gemäldegalerie der königl. Museen. Berlin.]

[Illustration: Abb. 183. +Joseph Banks.+ Ölbild in der

Gemäldegalerie der königl. Museen. Berlin.]

[Illustration: Abb. 184. +Illustration zum Kgl. Großbritannischen

Kalender.+ 1783. (~E.~ 689.)]

[Illustration: Abb. 185.

+Porträt Hoeltys.+

Chodowiecki · 第 79 / 81 题