Rötelzeichnung im Besitz des Direktor Wichern. Altona.]

Chodowieckis Erfindungskraft ist ohnehin nicht groß. Das lehren

uns deutlich seine +allegorischen, historischen und biblischen

Kupfer+. Die Fähigkeit, zu gestalten, erlahmt, sobald ihr die

Stütze der Naturbeobachtung und Vergleichung fehlt. Schon die frühen

Emailbilderchen, wie jene oben erwähnten sechs Passionsscenen (Abb. 5

bis 8 u. 158, 159) verraten die Unselbständigkeit seiner Phantasie:

sie sind Kopien nach Kupfern Sebastien Leclercs, und die religiösen

Darstellungen aus Lavaters Jesus Messias (Abb. 160) sind ebenfalls

nichts weniger als originell und tiefgründig. Gleichwie Raffael Mengs

sehen wir Chodowiecki zwischen den Vorbildern der italienischen

Renaissance und denen der großen Niederländer des siebzehnten

Jahrhunderts ohne eigene Einfälle einherschwanken.

Trotz seiner starken Religiosität, die er 1799 gegen den

freidenkerischen Nicolai in einem längeren Aufsatz verteidigte, glauben

wir aus seinen biblischen Kompositionen herauszufühlen, daß ihm ein

innerliches Verhältnis zu diesen Dingen abging, daß ihm das Bedürfnis

fehlte, durch seine Kunstsprache die Gläubigen zu erbauen oder zu

eigener Auffassung zu bekehren. Dafür spricht schon die auffallend

kleine Zahl von religiösen Darstellungen, die sich in seinem Werk

finden. Auch darin erkennen wir seine nie verleugnete Ehrlichkeit

wieder. Zu den Fragen, die in der Aufklärungsepoche so viele Gemüter

leidenschaftlich erhitzten, nahm er einen versöhnlichen Standpunkt

ein, wie er sich ausspricht in den folgenden Worten des eben erwähnten

Schreibens an Nicolai: „Kein Freydenker ist verwünschenswerth, aber zu

beklagen ist ein jeder, der es ist, und man muß sich wohl hüten, keinem

Gelegenheit zu geben, es zu werden.“

[Illustration: Abb. 176.

+Porträt eines polnischen Knaben.+ Rötelzeichnung im Besitz der

Frau ~Dr.~ Ewald. Berlin.]

[Illustration: +Weibliches Porträt.+

Chodowiecki · 第 75 / 81 题