Illustration zu Karl Langs Almanach. Heilbronn. 1799.]

War der Begriff geistigen Eigentums auf künstlerischem Gebiet wenig

scharf abgegrenzt -- und Chodowiecki selbst fand in späteren Jahren

oft genug Gelegenheit, sich über Kopisten und Fälscher zu beklagen

--, so fehlte es auch in der Litteratur und dem Buchhandel nicht an

unlauteren Elementen, die sich durch unrechtmäßigen Nachdruck Vorteile

zu verschaffen suchten. Gegen diese richtet sich ein satirisches Blatt,

das Chodowiecki 1781 im Auftrage des Berliner Buchhändlers Himburg

radierte: ein Buchhändler wird von Räubern, die ihre Beute in einer

finsteren Höhle bergen, bis aufs Hemde ausgeplündert. Vergebens weist

er auf die Gestalt der Gerechtigkeit, die am Wege niedergesunken, ihr

Haupt verhüllt (Abb. 93, ~E.~ 394). Seltsam wirkt dieser Appell

an die Justiz freilich bei einem Buchhändler wie Himburg, dessen Name

gerade durch seine Nachdrucke Goethes wenig rühmlich auf die Nachwelt

gekommen ist.

Das Jahr 1786 brachte Chodowiecki, dessen Ansehen in der Berliner

Kunstwelt in stetem Wachsen blieb, trotz mancher hämischen Kritik, an

der es auch nicht fehlte, neue Pflichten und Arbeiten. Der Minister

von Heinitz, der als Kurator der königlichen Akademie der Künste sich

große Verdienste um dieses lange vernachlässigte Institut erwarb,

suchte eine durchgreifende Reorganisation der akademischen Zustände

herbeizuführen. Zwar blieb Bernhard Rode Direktor der Anstalt, aber

die Zahl der Rektoren wurde vermehrt, und Daniel Chodowiecki als

erster unter diesen zum Sekretär der Akademie ernannt. Gleichzeitig

wurden jährlich akademische Kunstausstellungen eingerichtet, die das

Interesse an künstlerischen Dingen im Publikum beleben und wachhalten

sollten. Auch eine Monatsschrift und öffentliche Sitzungen der Akademie

wurden eingeführt. Chodowiecki lag besonders die Vorbereitung der

Ausstellungen ob, deren erste am 18. Mai des Jahres 1786 in den Räumen

des Akademiegebäudes eröffnet wurde; ihm war auch die Abfassung des

Ausstellungskatalogs übertragen worden.

[Illustration: Abb. 111. +Friedrich Wilhelm II. im Kreise

seiner Familie.+ (~E.~ 832.)]

[Illustration: Abb. 112. +Der Schauspieler de Vollange.+

(~E.~ 884.)]

[Illustration: Abb. 113. +Der Schauspieler de Vollange.+

(~E.~ 884 ~a.~)]

[Illustration: Abb. 114. +Der Schauspieler de Vollange.+

(~E.~ 884 ~b.~)]

[Illustration: Abb. 115. +Illustration zu Langbeins Schwank: Der

Bieresel.+ Dresden. 1792. (~E.~ 682.)]

[Illustration: Abb. 116. +Kleidermoden.+ 1798. (~E.~ 886.)]

Damit war neues frisch pulsierendes Leben in die Kunstzustände der

preußischen Hauptstadt gekommen, und als 1790 Friedrich Wilhelm II.

das Protektorat der Akademie übernahm und neue Mittel zur Verfügung

stellte, die es ermöglichten, den Lehrplan zu erweitern, wurde

Chodowiecki, der sich mit gewohntem Eifer in den Dienst der guten Sache

gestellt hatte, die Genugthuung zu teil, zum Vicedirektor ernannt zu

werden. Obwohl er damit mannigfache zeitraubende Pflichten übernommen,

ließ der Meister die Radiernadel nicht ruhen, und die zahllosen

Illustrationen aus der zweiten Hälfte der achtziger Jahre lassen kein

Erschlaffen des mittlerweile gealterten Künstlers in Auffassung und

Technik bemerken. Mit Recht durfte er den Preis für die Platte, auf

der er die zwölf Kupfer zu Ifflands Jägern geätzt hatte (~E.~

559) von 200 auf 300 Thaler erhöhen, denn die völlige Gleichartigkeit

der Begabung des Dichters und Illustrators ließ hier ein einheitliches

Meisterwerk entstehen, das den Vergleich mit keiner der Arbeiten

aus jüngeren Jahren zu scheuen braucht. Auch die Abbildungen zu dem

französischen Roman Karoline von Lichtfield, die den Gothaischen

Hofkalender des Jahres 1788 schmückten (~E.~ 569), zählen zu den

technisch subtilsten und pikantesten Radierungen unseres Meisters.

Leichtigkeit der Nadelführung und diskreten Ziergeschmack bewundern

wir ebenfalls in der Einfassung des Blanketts, das bestimmt war, das

Ernennungsdekret neuer Akademiemitglieder aufzunehmen (~E.~

563). Die kleine Titelvignette zu dem humoristischen Roman von Hermes

„Zween literarische Märtyrer“ (Abb. 84, ~E.~ 610, 3) zeugt von

der Sorgfalt und Liebe, die Chodowiecki auch solchen Kleinigkeiten

zuwandte, die ein anderer vielleicht als schlechtbezahlte Nebenarbeit

oberflächlich abgethan hätte. Man kann vielmehr beobachten, daß in

solchen Vignetten, die, unter der Inschrift des Titelblatts angebracht,

den ganzen künstlerischen Schmuck eines Bandes bildeten, sich die

Intimität seines Schaffens mehr konzentriert, als in den Serien von

Kupfern, die er für Kalender und umfangreichere Werke stach. So würde

man ungern das kleine, zierlich umrahmte Rundblatt: Lenorens Todesritt

nach Bürgers bekannter Ballade (Abb. 95, ~E.~ 612) gegen die

Folgen von historischen Anekdoten eintauschen, die Chodowiecki Ende der

achtziger und im Verlauf der neunziger Jahre lebhaft beschäftigten,

wie die Blätter zur Geschichte des holländischen Krieges (~E.~

602), die Anekdoten von Peter dem Großen (~E.~ 613), die

Darstellungen aus der neueren Geschichte (~E.~ 614, 686, 689),

die Illustrationen zur brandenburgischen Geschichte (Abb. 96, 97, 99,

~E.~ 687) und die Kupfer zur mittleren und neueren Geschichte

(~E.~ 688). Es ist bezeichnend, daß gerade bei diesen historischen

Folgen (Abb. 100-103, ~E.~ 687) Chodowiecki zum erstenmal auf

den Gedanken kam, auf dem Plattenrand mit der kalten Nadel sogenannte

Randeinfälle anzubringen: kleine Figuren, Gruppen, Karikaturen, Köpfe,

Landschaften, Tiere u. s. w., die nach den ersten Abzügen von der

Platte wieder ausgeschliffen wurden. Seine von dem vorgeschriebenen

Gegenstand nicht sonderlich angeregte Phantasie scheint sich Luft zu

machen in diesen willkürlichen Kritzeleien, die festhielten, was ihm

gerade durch den Kopf schoß. Freilich waren seine Gründe später, als

er einsah, daß Liebhaber für diese Abdrücke „mit den Randeinfällen“

höhere Preise zahlten, wohl nicht immer ganz frei von kaufmännischer

Überlegung; aber selten nur finden wir Randeinfälle auf Platten, deren

Darstellung ihn ganz in Anspruch nahm. Dazu gehörten zweifellos die

genannten Schilderungen historischer Ereignisse nicht. Selbst die

vielbewunderten Anekdoten aus dem Leben Friedrich des Großen (~E.~

600) sind in der Erfindung ziemlich armselig, in der Technik auffallend

trocken und spröde und müssen hinter anderen Werken seiner Radiernadel

zurückstehen.

[Illustration: Abb. 117. +Die Kolonie.+ (~E.~ 664.)

Illustration zu Ziegenhagens Verhältnislehre. Hamburg. 1792.]

[Illustration: Abb. 118. +Berlinsche neueste Moden.+ (~E.~

760.)

Chodowiecki · 第 51 / 81 题