Sehr viel bequemer lag Chodowiecki der natürliche und schalkhafte Ton
von +Gellerts+ Fabeln und Erzählungen, ja man darf vielleicht
sagen, daß Gellerts Schrifttum seiner Griffelkunst am meisten kongenial
war. In dem Genealogischen Kalender für Westpreußen erschienen 1776
zwölf Blätter, die die Pointen von zwölf Gellertschen Fabeln zum
Gegenstand haben (~E.~ 141); im folgenden Jahr an gleicher
Stelle zwölf weitere Radierungen der Art (Abb. 62, ~E.~ 160).
Wie treffend weiß der Kleinmeister hier die hohle Aufgeblasenheit und
den Zorn des verspotteten alten Dichters (Abb. 63, ~E.~ 141) zu
charakterisieren, oder den Greis, dessen Lebensinhalt die lakonische
Grabschrift umfaßt: Er lebte, nahm ein Weib und starb! (Abb. 64). Wie
hübsch ist der Zug, in den beiden heiratslustigen Mädchen (Abb. 65) die
natürliche Anmut und die gefallsüchtige Geziertheit zu kennzeichnen: ob
schlicht, ob verzogen, sie hoffen beide „Worauf? Gewiß auf einen Mann.“
[Illustration: Abb. 80. +Weibliche Dienstboten.+ (~E.~ 368.)
Illustration zu Lichtenbergs Vorschlag zu einem Orbis pictus.