Illustration zum Göttinger Taschenkalender. 1778.]

+Christoph Friedrich Nicolai+ spielt in der deutschen Litteratur

der fridericianischen Epoche eine ähnliche Rolle, wie Chodowiecki

in der gleichzeitigen Kunst. Vom Buchhändlerlehrling zum Gelehrten

aufgestiegen, suchte er in Verbindung mit Lessing und Moses Mendelssohn

der neuen Aufklärung eine möglichst allgemeine Verbreitung zu geben.

Die Forschungsergebnisse und Anschauungen der Gelehrtenwelt sollten

eine läuternde Umwälzung des Denkens und Empfindens in den breitesten

Volksschichten bewirken, und dieser Aufgabe dienten die von Nicolai

herausgegebenen Zeitschriften ebenso wie seine Romane. So versucht er

in dem „Leben und Meinungen des Herrn Magister Sebaldus Nothanker“, die

engherzige und heuchlerische protestantische Orthodoxie zu geißeln,

die den Titelhelden, einen der neuen Denkart geneigten Dorfprediger,

auf jede mögliche Weise zu drangsalieren versucht. Chodowiecki war

bestrebt, die allzu nackt und grell hervorgekehrte Tendenz dieses

Romans in seinen Illustrationen zu mildern. Die sentimentalen Scenen,

wie die Vertreibung der Familie Nothanker aus dem Pfarrhause (Abb.

56, ~E.~ 101), Sebaldus am Sterbebette seiner Gattin (Abb.

57, ~E.~ 102) und die Schilderung der Notlage des Verfolgten,

der schließlich Almosen anzunehmen sich gezwungen sieht (Abb. 58,

~E.~ 157), gelingt dem Zeichner offenbar besser, als die Satire

auf die hoffärtige Adelsgesellschaft (Abb. 59, ~E.~ 104) und die

streitsüchtige Geistlichkeit, deren Vertretern Nicolai lächerliche

Namen wie Puddewustius, Buhkvedderius und Wulkenkragenius beigelegt

hatte (Abb. 61, ~E.~ 132). Weit feiner als dem Autor gelang es

dem Zeichner, die Scheinheiligkeit und hohle Würde dieser Herren

zu ironisieren -- in dem zierlichen Blatt ~E.~ 122, das die

„Kleidertrachten der berlinischen Prediger“ scheinbar ohne jeden

tendenziösen Beigeschmack darstellt (Abb. 60 ~a~ u. ~b~).

Außer diesem dreibändigen Roman Nicolais, der sich einer großen

Verbreitung und Anerkennung erfreute, illustrierte unser Künstler

später noch zahlreiche andere von demselben Verfasser herausgegebene

Schriften, wie die „Freuden des jungen Werther“, die dem beispiellos

eingeschlagenen Erstlingsroman Goethes ein Paroli bieten sollten

(~E.~ 120), die Anekdoten von Friedrich II., ein Chodowiecki

besonders willkommener Vorwurf, den „feynen kleynen Almanach“ (1777

~E.~ 167) und zahlreiche Bände der „allgemeinen deutschen

Bibliothek“, in deren einem (1776) wir auch ein Jugendporträt Goethes

von Chodowieckis Hand (~E.~ 166) vorfinden.

[Illustration: Abb. 74.

+Bücherzeichen Chodowieckis.+ (~E.~ 192.)]

[Illustration: Abb. 75. +Illustration zu Shakespeares Macbeth.+

Chodowiecki · 第 42 / 81 题