Aus diesen Aufzeichnungen des Meisters klingt noch deutlich die Rat-
und Hilflosigkeit heraus, die den jungen Anfänger in den neuen, fremden
Verhältnissen überkam. Sein Brotherr Ayrer, der gleichzeitig auch
Daniels Bruder Gottfried in seine Dienste genommen hatte, verlangte,
daß er seine künstlerische Begabung für das Geschäft nutzbar machte
und kleine Miniaturbilderchen auf Elfenbein oder Pergament sowie
Emailmalereien in möglichst schneller Zeit anfertigte, wie sie dem
Geschmack und besonders auch dem Geldbeutel des kauflustigen Publikums
zusagten. Der Berliner war in dieser Hinsicht wenig verwöhnt und zu
großen Ausgaben nicht geneigt. Die Emailmalerei war erst im Anfange
des Jahrhunderts von dem in London und Paris dafür ausgebildeten F.
C. Théremin in der preußischen Hauptstadt eingeführt worden, und
die wenigen Künstler, die sich diesem halb kunstgewerblichen Beruf
widmeten, wie die Brüder Huant und Samuel Blesendorf, hatten nicht
vermocht, die künstlerischen Ansprüche der Käufer zu steigern. Doch
die französische Mode verlangte nun einmal, daß man diese zierlichen
Miniaturporträts, die etwa die Rolle unserer Photographien spielten,
als Berloques oder Schmuck der Tabatieren trug, und es bemächtigte sich
dieses in Frankreich zu großer Virtuosität ausgebildeten Kunstzweiges
in Berlin bald die Industrie, die auch damals schon das harte Motto:
billig und schlecht verdiente.
Sicher beglaubigte Arbeiten unseres Meisters aus dieser frühesten
Zeit sind uns nicht erhalten bis auf eine getuschte Federzeichnung
im Großherzoglichen Museum zu Weimar, die augenscheinlich auf
einer Meßreise in Krakau entstanden ist und einen polnischen
Volksgottesdienst darstellt. Sie trägt die Inschrift: „Ein polnisches
Jubeljahr und Bus-Predigt, in Cracau gezeichnet 1750. ~D. Chodowiecky
del(ineavit) Cracovia~“ und ist, wie seine erste Danziger
Zeichnung, Beweis dafür, daß der junge Geschäftsmann stets geneigt
war, Vorgänge in seiner Umgebung, die irgendwie die Aufmerksamkeit zu
fesseln vermochten, künstlerisch festzuhalten. Auch eine Folge von
zweiundvierzig mit Feder und Tusche gezeichneten Illustrationen zu
der Geschichte des Blaise Gaulard aus dem Jahre 1752 (im Besitze der
Großherzogin Sophie von Sachsen) hat nur insofern Wert, als sie uns
den ersten Versuch Chodwieckis auf dem Gebiete zeigt, dem er seinen
Nachruhm vor allem verdankt: der Illustration.
[Illustration: Abb. 16. +Bleistiftstudie.+