Ludwig Kaemmerer

+Mit 204 Abbildungen nach Gemälden, Radierungen

und Zeichnungen+

[Illustration]

=Bielefeld= und =Leipzig=

+Verlag von Velhagen & Klasing+

1897

Von diesem Werke ist für Liebhaber und Freunde besonders luxuriös

ausgestatteter Bücher außer der vorliegenden Ausgabe

_eine numerierte Ausgabe_

veranstaltet, von der nur 100 Exemplare auf Extra-Kunstdruckpapier

hergestellt sind. Jedes Exemplar ist in der Presse sorgfältig numeriert

(von 1-100) und in einen reichen Ganzlederband gebunden. Der Preis

eines solchen Exemplars beträgt 20 M. Ein Nachdruck dieser Ausgabe, auf

welche jede Buchhandlung Bestellungen annimmt, wird nicht veranstaltet.

Die Verlagshandlung.

Druck von Fischer & Wittig in Leipzig.

[Illustration: Abb. 1. +Daniel Chodowiecki.+ Ölbild von Anton

Graff in der königl. Akademie der Künste zu Berlin.]

[Illustration: Abb. 2. +Titelvignette zu Cramers Unterhaltungen.+

Berlin 1781. ~E.~ 376.]

Vorbemerkung.

Über Daniel Chodowiecki ist mehr geschrieben worden, als von ihm

zu sagen ist. Mit einer die Gewissenhaftigkeit des Meisters selbst

fast noch übertreffenden Sorgfalt hat Wilhelm Engelmann in seinem

beschreibenden Verzeichnis[1] alles zusammengetragen, was wir über

die Radierungen Chodowieckis, ihre Zeitfolge und ihre verschiedenen

Abdrucksgattungen wissen, und unlängst erst ist aus der Feder

Wolfgangs von Oettingen eine umfassende und eindringende Darstellung

seines Lebens und seiner Kunst erschienen, die wohl auf lange Zeit

die Chodowieckiforschung abschließt. Die Abbildungen unseres Buches

indes, die in solcher Fülle bisher noch keinem Werk über den Meister

beigegeben wurden, rechtfertigen allein schon den Versuch, Chodowiecki

auch dem großen Kreise näher zu bringen, für den er besonders

gearbeitet: dem deutschen Hause, der deutschen Familie. Sehen ist in

der Kunst mehr als Lesen, und Chodowieckis Kunst recht sehen lehren

sollen vor allem die nachfolgenden Blätter.

+Berlin.+

=Ludwig Kaemmerer.=

[1] W. Engelmann, Daniel Chodowieckis sämtliche Kupferstiche.

Leipzig 1857. Die Nummern dieses Verzeichnisses werden im

Folgenden mit ~E.~ bezeichnet.

[Illustration: Abb. 3. +Chodowiecki im Kreise seiner Familie.+

1772. ~E.~ 75.]

[Illustration: Abb. 4. +Studien.+ 1771. ~E.~ 80.]

Daniel Chodowiecki.

In meines Vaters Arbeitszimmer, dessen Wände zahlreiche Kupferstiche

und Schabkunstblätter zierten, und das mir früh schon traulicher

wurde als die Kinderspielstube, hing über einem Klapptisch, den

altväterischer Hausrat, fridericianische Tabaksdosen, Zinnteller

und Meerschaumpfeifen bedeckten, in schlichtem Mahagonirahmen eine

Radierung, die sich meiner kindlichen Einbildungskraft besonders tief

einprägte -- wohl, weil sie gleich einem Spiegel das Behagen, das

uns hier so oft umfing, verdoppelte: um einen runden Tisch drängen

sich fünf Kinder; das älteste Mädchen beugt sich über einen großen

schweinsledernen Band mit Kupferstichen, ihr gegenüber zeichnet ein

etwa zehnjähriger Knabe eifrig, ohne sich von dem kleinen neugierig

zudrängenden Brüderchen stören zu lassen, während die ältere Schwester

für die Sorgfalt, mit der sie sich des Jüngsten annimmt, von der

herantretenden Mutter mit dankbar liebevollem Blick belohnt wird.

Diese zärtliche Gruppe hebt sich von dem halbdunklen Hintergrund des

mit Kunstwerken überreich geschmückten Zimmers ab, in dessen einer

Ecke am hohen, hellen Fenster der Familienvater vor einem kleinen

Zeichentischchen sitzt und, den Pinsel in der Hand, scharf über die

Brille weg zu den Seinen hinüberblickt. Das Blatt trug die Inschrift:

„~Cabinet d’un peintre~“, doch da das Interesse für Bilder früher

in mir wach war, als das Verständnis des Französischen, bat ich meinen

Vater um eine Erklärung. Mit wachsender Teilnahme hörte ich, daß der

Mann in der Ecke sich selbst und die Seinigen dargestellt habe just

in dem Moment, wie er sie malte, daß er aus unserer Vaterstadt Danzig

stamme und ein berühmter Kupferstecher gewesen sei.

Solche Jugendeindrücke bestimmen oft unser Urteil für alle Zeit. Die

Empfindung oder Wahrnehmung, die uns an Erlebnisse, Zustände und

Gefühle der Jugendzeit erinnert, gewinnt schon dadurch an Stärke

und meist auch an Wohligkeit. So hat der Anblick des geschilderten

Blattes von +Daniel Chodowiecki+ stets in mir das Gefühl jener

Traulichkeit ausgelöst, die wir so gern im Alter der sorglosen

Kinderzeit andichten. Aber dies ist doch wohl nicht nur dem Zufall

zuzuschreiben, der mich als Kind mit einer der liebenswürdigsten

Schöpfungen meines Landsmannes bekannt machte, sondern auch der Kraft,

die dessen Kunst schon auf ein Kindergemüt wirken ließ, jener Macht,

über die nur ein +echtes Kindergemüt+ selbst verfügt. Wenn man

Chodowiecki ein Kind seiner Zeit nennt, darf man den Ton ebensowohl auf

Kind wie auf Zeit legen. Und damit ist des Künstlers Wesen in seinem

Kern gefaßt, wie es auch aus den Zügen seines Antlitzes spricht, die

der van Dyck des achtzehnten Jahrhunderts, Anton Graff, und andere

Maler uns überliefert haben (Abb. 1), damit der Faden gefunden, auf

den sich die zierlichen Perlen seiner liebenswürdigen Kunst aufreihen

lassen.

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[Illustration: Abb. 5. +Christus auf dem Weg nach Gethsemane.+

Chodowiecki · 第 10 / 81 题