Ich ging im Stadtgarten spazieren und begegnete der kappadozischen
Dame. Sie war allein und ich konnte nicht umhin, mich ihr
anzuschließen. Anfangs war es mir nicht ganz recht, denn ich wollte
ungestört meinen Gedanken nachhängen, aber dann tat es mir ganz wohl,
aus meinen Grübeleien herausgerissen zu werden, und sie war sehr
gesprächig, war voller Mut und Zuversicht.
Warum ich mich nicht öfter bei Hofmanns sehen lasse, -- ob ich denn gar
nicht wisse, was dort vorgehe? -- Die Jadwiga, -- ja, dieses wunderbare
Wesen wäre ohne Zweifel dazu bestimmt, außerordentliche Dinge zu
vollbringen. Und freudestrahlend erzählte sie mir, die Zeit, der man
so lange schon entgegengehe, wäre nunmehr nahe herangekommen, -- ganz
nahe; und zwar sei es Hofmann, der die Möglichkeit zu einer neuen
Blutleuchte entdeckt habe, -- eine Möglichkeit, an die bisher niemand
gedacht.
»Im Karneval?« fragte ich.
»Nein, im Zionismus -- aber, Herr Dame,« setzte sie fast erschrocken
hinzu: »ich bitte Sie, hierüber strengstes Stillschweigen zu bewahren.«
Des weiteren erfuhr ich, daß selbst Hallwig noch nicht darum wisse.
Er ist zurzeit verreist, um mit einem Kapitalisten über die Gründung
der Heidenkolonie zu unterhandeln, der Panther begleitet ihn. (Sollte
Susanna deshalb gestern so verweint ausgesehen haben?) Erst bei seiner
Rückkehr gedenke man ihn damit zu überraschen, und dann stehe nichts
mehr im Wege, daß alles, selbst das Unerhörteste, sich erfülle.
Sie dachte wohl, daß mich auch ihr persönliches Leben interessiere,
denn sie vertraute mir an, auch für sich selbst erhoffe sie neue
geheimnisvolle Kräfte und mache zu diesem Behuf eine innere Läuterung
durch. Mit Magie, -- ja, früher habe sie sich wohl mit Magie
beschäftigt, aber sie habe längst erkannt, daß es ein Irrweg sei, vor
dem man nicht genug warnen könne.
Ja, das wäre es wohl, meinte ich, da ich nichts anderes zu sagen
wußte, und nun sah sie mich prüfend an: »Wissen Sie, Herr Dame,
daß Sie eigentlich ein sehr interessanter Mensch sind, und daß
man hier viel von Ihnen spricht? Man vermutete auch allerhand
Wesenseigentümlichkeiten bei Ihnen, die wohl zu Ihrer Aufnahme in den
internen Kreis führen können, und soweit es in meinen Kräften steht,
will ich mich gerne für Sie verwenden.«
Und schließlich gab sie mir noch den Rat, meinen Verkehr im Eckhaus
etwas mehr einzuschränken. Die Mädchen dort nähmen es ja doch nicht
ernst mit dem Heidentum, sondern es diene ihnen nur als Vorwand, sich
in schrankenloser Weise zu vergnügen. Maria -- und sie schüttelte
bedenklich den Kopf -- Maria, die einem Hallwig hätte nahe sein dürfen,
die sich aber trotzdem immer mit zweifelhaften Elementen umgebe und
dadurch seine Kreise störe -- --
* * * * *
Ach, was sollen mir alle diese Ratschläge? Adrian empfahl mir dringend,
so bald wie möglich Wahnmoching zu verlassen; und nun wieder die
Kappadozische mit ihrer Warnung vor dem Eckhaus. -- Was man guten Rat
nennt, geht wohl immer nur darauf hinaus, zu lassen, was man durchaus
nicht lassen kann, oder zu tun, wozu man nicht imstande ist, überhaupt
den eigentlichen Sinn aus dem Leben wegzunehmen und seinen besten
Inhalt zu streichen.