Ein aufregendes Ereignis -- --

Ich sitze mit Susanna allein in der Küche, vor uns eine Flasche

Cherry Brandy, den sie besonders liebt. Es ist sehr spät, die andern

schlafen schon. Wir nehmen hier und da ein Gläschen, wir sind etwas

sentimental und sprechen von unserem Leben, ich von der Frau, die ich

so gerne finden möchte, sie von dem Panther, den sie gefunden hat,

und der ihr viel Herzeleid bereitet. -- Die anderen sind immer noch

unzufrieden und eifersüchtig, und er selbst, der Panther, hat eben

seine Wikingersubstanz völlig in Hallwigs Dienste gestellt. So hängt

nun auch ihr Liebesglück von diesem Beherrscher aller geheimnisvollen

Dinge ab. Sie kommt auch hier und da mit den Enormen zusammen, aber

ihre Substanz ist noch nicht festgestellt. »Und wenn ich nun als

minderwertig befunden werde,« sagte sie, »dann ist es vorbei, dann darf

er mich nicht mehr«, und wehmütig erinnern wir uns an den Abend, wo

neben seinem bunten Fell sich unsere Hände fanden.

Aber man soll wohl auch kein buntes Fell an die Wand malen, denn

während wir noch so sprachen, ertönte unten ein rasendes Klingeln

-- dreimal -- sechsmal -- neunmal -- wir hörten Chamottes Stimme an

der Haustür, gleich darauf wurde aufgemacht, und Konstantin kam die

Treppe herauf, in äußerst derangiertem Zustand, ohne Hut, ohne Rock

und Weste, ja selbst ohne Kragen. Es dauerte eine Weile, bis er wieder

zu Atem kam und uns Aufklärung geben konnte. Er hatte nach Hause gehen

wollen, und zwar wie gewöhnlich über die kosmische Wiese (so nennt

man eine ausgedehnte Grasfläche an der Grenze von Wahnmoching). Aber

kaum, daß er die Wiese betreten hatte, rief ihn jemand beim Namen, er

erkannte den Panther und blieb stehen, da er nichts Böses ahnte. Der

Panther aber sprach kein Wort weiter, sondern suchte sich seiner zu

bemächtigen, und gleichzeitig glaubte er Petersen, die Murra und sogar

Hallwig zu bemerken, die sich abwartend in einiger Entfernung hielten.

Der arme Junge, es fehlt ihm sicher nicht an Mut, aber er sagte, es

habe ihn plötzlich ein Grauen erfaßt, daß irgend etwas Entsetzliches

mit ihm vorgenommen werden solle, und so versuchte er statt aller

Gegenwehr sich loszuwinden, wobei er ein Kleidungsstück nach dem

anderen einbüßte, denn der Panther packte stets von neuem wieder zu.

Schließlich gelang es aber doch, und er war so gerannt, daß der andere

ihn nicht einzuholen vermochte, sondern grollend umkehrte.

Wir gaben ihm Cherry Brandy zu trinken, und er erholte sich allmählich.

Die anderen waren durch seine geräuschvolle Ankunft aufgeweckt worden

und kamen frierend in ihren Nachtgewändern herbei. Die allgemeine

Aufregung war groß, und man wußte sich das Vorgefallene nicht recht zu

erklären. Konstantin erzählte, Petersen hätte ihm bei ihrer letzten

Unterredung befohlen, sich aus dem Weichbild Wahnmochings zu entfernen,

aber er habe sich geweigert, und vielleicht wollte man ihn jetzt mit

Gewalt dazu zwingen, -- warum aber dann die Gegenwart der anderen --

der Murra --?

Maria war völlig konsterniert und dachte angestrengt nach, der sonst

so skeptische Willy meinte mit einem leichten Schauder, es gäbe wohl

auch heidnische Ritualmorde, vielleicht sollte Konstantin angesichts

der Murra geschlachtet werden, um sie, die sich im Karneval mit ihm

vergangen, zu entsühnen -- oder man brauche Blut von Sonnenknaben zu

Zauberzwecken.

Die späte Nachtstunde trug dazu bei, daß uns sehr unheimlich zumut war.

Es fror uns, Orlonski machte ein großes Feuer im Herd an und stärkte

uns mit Kaffee. Dann legte er einen geladenen Revolver auf den Tisch

und erklärte, gegen etwaige Überfälle sei man gewappnet, -- im übrigen

halte er jene Leute nur für verrückt.

Mir fiel der Morgen bei Adrian ein -- und daß der Professor damals

sagte, auf den Verrat kosmischer Geheimnisse stehe der Tod.

Die anderen wollten es nicht glauben, aber Susanna bestätigte, daß

sie es ebenfalls gehört hätte. Konstantin wurde blaß: »Habe ich denn

kosmische Geheimnisse verraten?« sagte er und sah Maria fragend an. Die

zuckte die Achseln: »Das weiß man ja nie.«

* * * * *

Wir saßen um den Tisch, tranken unseren Kaffee, zwischen den Tassen lag

der Revolver, und niemand dachte mehr an Schlafengehen.

Als es dann wirklich noch einmal draußen läutete, griff Orlonski

nach der Waffe, aber Susanna hielt ihn zurück. Sie ging selbst ins

Nebenzimmer und verhandelte vom Fenster aus mit dem Panther, der

draußen stand und Konstantins Herausgabe verlangte.

Er sei nicht hier, -- was er denn von ihm wolle.

»Das ist meine Sache,« antwortete der Panther lakonisch und drohend.

Dann verlangte er ihr Wort darauf, daß Konstantin wirklich nicht im

Hause wäre.

Wir horchten gespannt und bewunderten im stillen, wie standhaft sie log

und ihn auch schließlich zum Fortgehen zu bewegen wußte.

»Er glaubt mir alles,« sagte sie nachher, »nur nicht, daß ich lügen

kann -- --«

Willy suchte sie zu beruhigen, daß das Ehrenwort einer Frau immer

illusorisch wäre, aber Susanna saß stumm und bleich in einer Ecke und

sprach keine Silbe mehr.

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Herrn Dames Aufzeichnungen: oder, Begebenheiten aus einem merkwürdigen Stadtteil · 第 26 / 44 题