Aschermittwoch, den 24. Februar

Nur das Datum habe ich hier aufgeschrieben, und seitdem sind schon

wieder mehrere Tage vergangen.

Aschermittwoch, -- ein trübseliges Datum, aber wohl nur für den, der

seine Besinnung schon wiedergefunden hat.

Uns allen war sie völlig abhanden gekommen, es herrschte nur eine still

glückselige Aufgelöstheit, und immer noch tönten uns Nachklänge der

verbrausten Feste in die Ohren.

Wir kamen die letzten drei Tage nur flüchtig und besuchsweise heim, --

ins Eckhaus, denn in dieser Zeit war das Eckhaus unser aller Heimat.

Wir wußten längst nicht mehr, wer eigentlich zu uns gehörte und wer ein

Fremder war -- ob man sich als Freund gegenüberstand oder als Todfeind

-- und wer sich liebte, haßte oder völlig gleichgültig war.

Und wenn es wirklich das Ziel dieses Stadtteils ist, daß alle

Individualität aufhört, jedes Einzelleben sich an eine Allgemeinheit

verliert -- so konnte es wohl für erreicht gelten.

Als ich Sendt diese Wahrnehmung mitteilte, lächelte er ein wenig und

sagte:

»Lassen Sie nur alle erst einmal ausschlafen, dann wollen wir weiter

darüber reden.«

Das war in der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch, als die letzten Lokale

geschlossen wurden und es hieß, der Karneval sei nun zu Ende.

Die meisten gingen denn auch nach Hause -- wir nicht, -- wir standen

im Schnee auf der Straße und wollten glücklich bleiben. Dann lud uns

jemand, den wir nicht kannten, zum Frühstück ein, das Frühstück ging in

ein Souper, das Souper in ein Gelage mit Tanz über, dann wurde alles

undeutlich, immer undeutlicher. Man war nicht mehr im Kostüm, war

wieder in seiner gewöhnlichen Kleidung und fand sich eines Nachmittags

um den Teetisch im Eckhaus versammelt. Die verschiedenen fremden

Gesichter waren verschwunden, und der engere vertraute Kreis war wieder

unter sich. Nur Susanna fehlt noch -- aber man spricht nicht darüber.

Orlonski prüft seine Bergstiefel, jongliert mit den Tellern und tanzt

einen scharrenden Niggertanz, -- lauter Anzeichen, daß er mit irgend

etwas nicht einverstanden ist.

Herrn Dames Aufzeichnungen: oder, Begebenheiten aus einem merkwürdigen Stadtteil · 第 20 / 44 题