Nur das Datum habe ich hier aufgeschrieben, und seitdem sind schon
wieder mehrere Tage vergangen.
Aschermittwoch, -- ein trübseliges Datum, aber wohl nur für den, der
seine Besinnung schon wiedergefunden hat.
Uns allen war sie völlig abhanden gekommen, es herrschte nur eine still
glückselige Aufgelöstheit, und immer noch tönten uns Nachklänge der
verbrausten Feste in die Ohren.
Wir kamen die letzten drei Tage nur flüchtig und besuchsweise heim, --
ins Eckhaus, denn in dieser Zeit war das Eckhaus unser aller Heimat.
Wir wußten längst nicht mehr, wer eigentlich zu uns gehörte und wer ein
Fremder war -- ob man sich als Freund gegenüberstand oder als Todfeind
-- und wer sich liebte, haßte oder völlig gleichgültig war.
Und wenn es wirklich das Ziel dieses Stadtteils ist, daß alle
Individualität aufhört, jedes Einzelleben sich an eine Allgemeinheit
verliert -- so konnte es wohl für erreicht gelten.
Als ich Sendt diese Wahrnehmung mitteilte, lächelte er ein wenig und
sagte:
»Lassen Sie nur alle erst einmal ausschlafen, dann wollen wir weiter
darüber reden.«
Das war in der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch, als die letzten Lokale
geschlossen wurden und es hieß, der Karneval sei nun zu Ende.
Die meisten gingen denn auch nach Hause -- wir nicht, -- wir standen
im Schnee auf der Straße und wollten glücklich bleiben. Dann lud uns
jemand, den wir nicht kannten, zum Frühstück ein, das Frühstück ging in
ein Souper, das Souper in ein Gelage mit Tanz über, dann wurde alles
undeutlich, immer undeutlicher. Man war nicht mehr im Kostüm, war
wieder in seiner gewöhnlichen Kleidung und fand sich eines Nachmittags
um den Teetisch im Eckhaus versammelt. Die verschiedenen fremden
Gesichter waren verschwunden, und der engere vertraute Kreis war wieder
unter sich. Nur Susanna fehlt noch -- aber man spricht nicht darüber.
Orlonski prüft seine Bergstiefel, jongliert mit den Tellern und tanzt
einen scharrenden Niggertanz, -- lauter Anzeichen, daß er mit irgend
etwas nicht einverstanden ist.