Adrian horchte gespannt auf: »Was? das wußte ich ja gar nicht.«

»Nun, dann wird es Sie sicher interessieren, daß auch damals die Frauen

wieder zu Mänaden und Hetären wurden, und -- hören Sie nur gut zu,

Adrian -- auch damals lernte ein ernüchtertes Zeitalter wieder den

Rausch einer tieferen und glühenderen Lebensempfindung kennen -- was,

so viel ich weiß, die verborgene Hoffnung Wahnmochings ist. Eben jene

nächtlichen dionysischen Feste mit rasenden Tänzen, die Opfertiere, die

von den Mänaden zerrissen und roh verschlungen wurden.«

»Pfui Teufel,« sagte der Panther.

»Weil in ihrem Blut der Gott selbst enthalten war.«

»Stierblut,« fiel Adrian, sich plötzlich erinnernd, ein.

»Ja, Stierblut, weil der Gott in der Gestalt eines Stieres erschien und

man somit seine Substanz in sich aufnahm -- aber bitte, lesen Sie es

lieber in Ihrem Bachofen nach, ich habe nicht die Absicht, hier weitere

Vorträge zu halten.«

Adrian nahm einen Zettel aus seinem Gewande und notierte sich etwas.

Der Panther hatte derweil nachgedacht und sagte bedächtig:

»Es wäre eigentlich doch nicht so übel!« Dann stand er auf und reckte

sich. Adrian faßte ihn am Arm.

»Kommen Sie, Panther! -- Tanzen wir, rasen wir, stürzen wir uns unter

die Mänaden.«

»Gebt nur acht, daß sie euch nicht zerreißen,« bemerkte der Philosoph

friedfertig.

Und die beiden tauchten in dem tobenden Chaos unter, das noch eine

Zeitlang fortwogte und sich dann allmählich in erhitzte und ermattete

Einzelgestalten auflöste -- --

12

Zwei Tage später ...

Nein, es liegt wohl nicht in meinem Bereich, kosmische Feste zu

schildern -- was ich da mit schöner, ordentlicher Schrift in meine

Hefte male, mutet mich selbst so nüchtern und farblos an. Sicher war

auch in dem Ganzen weit mehr Rausch und mystischer Gehalt, als ich hier

wiederzugeben weiß. Vielleicht auch fehlt mir nur die Fähigkeit, es

so zu erleben, ich bleibe immer an der Schwelle stehen, ich bin kein

Enthusiast, kein Schwärmer, kein Bacchant, ich bin nur Herr Dame.

Man hat in ganz Wahnmoching und darüber hinaus tagelang nur von diesem

Fest gesprochen -- Laien und Eingeweihte --, es scheinen ungeheuerliche

Gerüchte darüber umzugehen. So fragte mich heute der alte Hofrat, den

ich an der Trambahnhaltestelle traf, ob ich denn wirklich an diesen

Orgien teilnehme, bei denen arge und bedenkliche Dinge stattfinden

sollten, zum Beispiel den Göttern zu Ehren rauchendes Blut aus Schalen

getrunken würde. Mir ging dies verständnislose Geschwätz so auf die

Nerven, daß ich trotz meiner guten Erziehung etwas ausfallend wurde.

Ich belehrte ihn, daß Hofmanns eine angesehene Familie wären und man in

ihrem Hause weder rauchendes Blut tränke, noch sonst etwas Ungehöriges

täte, wie überhaupt selbst die eifrigsten Vorkämpfer des Heidentums in

diesem Vorort die gesellschaftlichen Formen immer zu beobachten wüßten;

in Spießerkreisen aber sei für das alles schwerlich das notwendige

Verständnis zu finden, ja, auch gar nicht erwünscht, denn der Spießer

sei von jeher molochitisch gewesen. Der unsympathische Greis kicherte

höhnisch, schwang sein Spazierstöckchen und bemerkte: »Das klingt ja

recht beruhigend, aber mit der Echtheit dieses Heidentums scheint es

doch nicht weit her zu sein, -- die alten Heiden haben schwerlich auf

korrektes Benehmen Wert gelegt.«

»Wer weiß,« sagte ich erbost, »weder Sie noch ich haben sie näher

kennen gelernt. Außerdem stehen wir jetzt im zwanzigsten Jahrhundert,

und die Sitten haben sich seit dazumal etwas abgeschliffen, -- man

trinkt nicht mehr Blut -- --«

»Das verdanken wir nur der Kultur des Christentums,« gab er gereizt

zurück.

»Im Gegenteil -- --« ich wollte ihm das noch näher auseinandersetzen;

aber wozu, er hätte es doch nicht begriffen. So begleitete ich ihn

schweigend an seine Trambahn, die eben herankam, und er sagte nur

noch, ich solle ihn doch bald einmal besuchen, er interessiere sich

lebhaft für meine weitere Entwicklung.

* * * * *

Aus Nervosität begab ich mich ins Café, das ich schon längere Zeit

hindurch vernachlässigt hatte, und diesmal tat mir selbst der Anblick

der Kappadozischen und ihres jungen Dichters wohl. Ich fühlte beinah

Sympathie für die beiden und schilderte ihnen meine Unterredung mit dem

alten Herren, in dem stolzen Gefühl, für die heidnische Bewegung eine

Lanze gebrochen zu haben. Aber der Dichter mißbilligte es, daß ich mich

darauf eingelassen. Wer an großen Dingen teilnehmen dürfe, der müsse

auch darüber zu schweigen wissen.

Doktor Gerhard, der ebenfalls zugegen war, verteidigte mich und meinte,

man habe doch gerade zu diesem Fest alle möglichen Fernstehenden

eingeladen, von denen keine innere Beteiligung zu erwarten wäre, und

die dann vielleicht derartige Gerüchte verbreiteten.

»Die Auswahl der Gäste bleibt wohl stets dem Gastgeber überlassen,«

bemerkte der Jüngling ablehnend und zupfte an seiner kultlichen

Krawatte.

»Gewiß,« gab ich zu, »ich bitte mich nicht mißzuverstehen, -- ich

halte es eben für korrekt, bei jeder Gelegenheit für das Haus meiner

Gastgeber einzutreten.«

Er zuckte die Achseln: »Es tut mir leid, Herr Dame, aber auf

studentische Ehrenstandpunkte vermag ich leider nicht einzugehen. Diese

gehören der Welt des Fortschritts an, mit der wir jede Beziehung

ablehnen.«

»Ich hoffe, die Herren werden sich über diese Frage nicht in die Haare

geraten,« sagte Doktor Gerhard mit milder Ironie. Der Dichter lächelte

herbe und hüllte sich dann in Schweigen. Die kappadozische Dame

dagegen war sehr liebenswürdig, sie estimiert mich anscheinend, seit

ich die Panflöte geblasen habe, und fragte, wie ich darauf gekommen

sei. Ich erzählte, daß Delius uns alle beraten, und wie er sich dann

verabschiedet habe, um kosmische Urschauer zu erleben. Dabei fühlte

ich, wie ich immer mehr in ihrer Achtung stieg, auch der Dichter wurde

wieder zugänglicher.

»Delius hat uns neulich eine sehr bedeutungsvolle Begebenheit erzählt,«

sagte er, »-- er war vor einigen Jahren in Rom --«

»Ich denke, Herr Delius ist immer in Rom,« warf Gerhard ein. Der

Dichter ignorierte ihn, und die Kappadozische suchte zu vermitteln: »Es

ist hier wohl von dem wirklichen Rom die Rede.«

»Gibt es ein wirkliches und ein unwirkliches Rom?« fragte der junge

Mann bitter, »-- ich meinte allerdings jene italienische Stadt,

die heute noch Rom genannt wird; aber gerade, was Delius dort

erlebte, zeigt, daß immer wieder der leere Schein für Wirklichkeit

gehalten wird und tiefstes Erleben für unwahrscheinlich gelten mag.

-- Ihm, Delius, mußte das moderne Treiben an dieser Stätte wohl

vor allem verhaßt sein, und so beschloß er, seine Mahlzeiten nach

altrömischem Brauch einzunehmen. Er kaufte daher Wein und Früchte

und begab sich zur Mittagzeit, wo alles ruhte, in die Campagna. Dort

breitete er seine Vorräte auf dem Boden aus, flehte den Segen der

Götter auf sich und sein Mahl herab und wollte eben damit beginnen,

als dicht hinter ihm ein entsetzliches Gebrüll ertönte und ein

ungeheures ziegenbockähnliches Tier mit ellenlangem, bis auf die Erde

herabhängendem Bart auf ihn zustürmte. Entsetzt ergriff er die Flucht,

denn es schien ihm wohl möglich, daß ein böser Dämon sein Spiel mit ihm

treiben wolle. Und als er nach einer Weile wieder zurückkehrte, fand

er nur noch das zertrümmerte Weingefäß am Boden, alles andere, auch

das Ungeheuer, war spurlos verschwunden. -- Ihr Lächeln ist nicht am

Platz, Doktor -- es wurde später dahin aufgeklärt, daß gerade unter der

Stelle, wo er verweilt hatte, sich ein altes Grab befand -- --«

»Sagte nicht jemand, es könne vielleicht der große Pan selbst gewesen

sein?« fragte die kappadozische Dame eifrig, aber der Dichter warf ihr

einen strafenden Blick zu und sagte mit großer Bestimmtheit: »Darüber

ist mir nichts bekannt«.

»Sollte unser gemeinsamer Freund Delius sich in diesem Falle nicht doch

etwas getäuscht haben,« äußerte Gerhard nach einer Pause, und der

Dichter entgegnete:

»Ich weiß nicht, wie Sie das meinen -- aber es möge sich jeder die Welt

der Erscheinungen deuten, wie er will. Das sind für uns nur Symptome

seines Wesens.«

Die Kappadozische sah ihn nachdenklich an: »Und sicher gehen wir jetzt

einer Zeit entgegen, die es wieder lernen wird, sie im Sinne des Lebens

zu deuten.«

Gerhard seufzte ein wenig: »Ja -- ja -- das wäre allerdings sehr zu

begrüßen, gnädiges Fräulein.«

Wir sind dann zusammen fortgegangen.

* * * * *

Wie oft schon habe ich hier sagen hören: wir gehen Zeiten oder einer

Zeit entgegen, die -- --

Es ist nicht lange her, da klang es mir fremd und unverständlich in

die Ohren, -- mich dünkt, ich habe rasch und viel gelernt. Vor einem

Monat noch hätte ich wohl ratlos den Philosophen aufgesucht und ihn

gefragt: was für Zeiten denn -- und wieso? Jetzt weiß ich, um was es

sich handelt, weiß und begreife, daß man von der Wahnmochinger Bewegung

eine große Erneuerung des Lebens erhofft und erwartet. Dem Laien mag es

fast wie eine Redensart klingen, mit der schon unzählige Bewegungen ihr

Programm eröffnet haben, aber für den Wissenden besteht kein Zweifel,

daß eben diese Bewegung von Grund aus anders geartet ist. Sie lehnt

die ganze Welt des seelenmordenden Fortschritts ohne weiteres ab, will

nichts mit ihr zu schaffen haben, -- sie weist nicht nach vorwärts,

sondern zurück auf die mächtigen, urewigen Wurzeln alles wahren Lebens

-- nein, das stimmt nicht ganz --, sondern auf den Urgrund, in dem

alleine solches Leben zu wurzeln vermag, denn alles Heutige ist ohne

Wurzeln.

Wie sagte Hofmann neulich: Es gibt eine Welt, für die es gleichgültig

ist, ob ein Schiff fliegt oder ob ein Tisch fliegt. Ich schäme mich vor

mir selbst, zu gestehen, daß ich diesen Ausspruch im ersten Moment für

einen Witz hielt und seine tiefe Bedeutung mir erst später aufging.

Die Welt, in der Schiffe fliegen, ist eben die moderne, instinktlose,

völlig maschinell gewordene, die jeden Erfinder eines neuen Mechanismus

als Helden und Menschheitserlöser preist. Und die Welt, in der

Tische fliegen oder wenigstens fliegen würden, wenn man Wert darauf

legte, -- diese Welt ist unser Stadtteil, ist Wahnmoching. Nur ein

Stadtteil; aber wer weiß, ob er nicht dereinst das tote Heute mit neuem

Lebensgehalt durchdringen wird.

Das mit den Tischen, die fliegen, hat noch eine besondere Bewandtnis,

die einstweilen als tiefes Geheimnis behandelt wird. Übrigens gehört

auch das zu der eigentümlichen Atmosphäre unseres Vororts: vieles ist

Geheimnis, und noch viel mehr wird als solches angesehen, trotzdem alle

darum wissen. Die Geheimnisse schwirren gleichsam in der Luft herum,

aber sie offenbaren sich nur dem, der sie zu erkennen versteht.

Ich glaubte immer, ein diskreter Mensch zu sein, aber jetzt erst habe

ich begriffen, daß es noch eine Hohe Schule der Diskretion gibt, --

eine wunderbare Technik, Dinge, die vielleicht schon in aller Leute

Mund sind, durch plötzliches Verstummen in undurchdringliche Schleier

zu hüllen und dadurch als Geheimnis zu kennzeichnen. Wie irrig ist

die übliche Anschauung, nur das absolut Verschwiegene sei Geheimnis.

Was niemand weiß, ist ein Nichts, ist überhaupt nicht vorhanden; und

nur die Art, wie man ein Gewußtes je nachdem offenbart oder wieder

verhüllt, macht es zum wahren Geheimnis.

So weiß auch ich, der noch keine Weihen empfangen hat (so nennt man

es hier, -- es sind damit keine äußeren Zeremonien gemeint, sondern

ein bestimmter Grad von innerer Beschaffenheit), so weiß auch ich zwei

Dinge, die dem Bereich der Wahnmochinger Geheimnisse angehören.

Das eine ist, daß man damit umgeht, eine heidnische Kolonie zu

gründen. Ich verstehe sehr gut, warum man diesen Plan geheim hält, vor

allem wohl, um nicht mit manchen scheinbar ähnlichen Unternehmungen

verwechselt oder auch nur verglichen zu werden. Ich verstehe auch,

welche Tragik darin läge, einfach für Weltverbesserer, Religionsstifter

oder dergleichen zu gelten, wo es sich doch um viel Tieferes handelt.

Man wünscht deshalb auch nicht, daß sich viele dazu herandrängen,

und die Auslese wird aufs strengste gehandhabt. Meine verschwiegene

Hoffnung geht dahin, daß unter den Wenigen auch ich für würdig befunden

werde.

Und das andere, worauf auch des Professors Wort über die fliegenden

Tische hindeutete, -- dieses andere mag wohl dem gemeinen

Menschenverstand unfaßlich klingen. -- Die geistigen Führer

Wahnmochings -- Hofmann, Delius und Hallwig -- oder sind es in diesem

Falle nur Hofmann und Hallwig? -- das könnte ich verwechselt haben --,

kurzum, es verlautet, daß sie Geheimnisse von unabsehbarer Tragweite

entdeckt haben und dadurch in der Beherrschung gewisser innerer Kräfte

so weit vordringen, daß sie über kurz oder lang in der Lage sein

werden, zu zaubern, -- wirklich und wahrhaftig zu zaubern. Nicht etwa

im landläufigen Sinne Magie zu treiben, die sich doch eben nur mit

Einzelgeistern beschäftigt, -- und das ist ein großer Unterschied.

Man erklärte es mir etwa so: gelingt es einem, sich durch ein

mystisches Verfahren -- ich glaube durch absolute Selbstversenkung

in das kosmische Urprinzip -- dergestalt zu läutern, daß auch die

geringsten Bestandteile von Molochitischem gebannt werden, -- gelingt

es ihm, die kosmische Ursubstanz in sich allmächtig zu machen, so daß

sie sein Wesen vollkommen durchdringt, -- nun so wird eben er selbst

allmächtig, -- und wer allmächtig ist, kann zaubern. Es gehört noch

dazu, daß in seiner Umgebung starke kosmische Substanzen vorhanden

sind, -- und ja keine molochitischen, die eben doch irgendwie auf

ihn einwirken und jenes Verfahren beeinträchtigen könnten. -- Daher

Hallwigs große Zurückhaltung im Verkehr, -- er will nicht mit

Belanglosen in Berührung kommen. Denn der Belanglose hat keine oder nur

geringe kosmische Substanz und ist dem Molochitischen leicht zugänglich.

_Anmerkung_

Wir sind hier an einem der Punkte angelangt, verehrter

Freund, die vielleicht eines Kommentars bedürfen

-- ob nämlich die Zauberhoffnungen Wahnmochings,

beziehungsweise deren Erfüllung wirklich im Bereich

des Möglichen lagen. Sicher wird das Publikum die

berechtigte Anforderung erheben, darüber aufgeklärt

zu werden. Uns selbst schien es anfangs sehr

zweifelhaft, aber als wir zu Ende gelesen hatten,

fühlten wir uns doch geneigt, die Frage mit: Ja,

oder: Höchstwahrscheinlich -- zu beantworten. Sie

werden ja auch sehen, daß die bedeutendsten Köpfe jenes

Stadtteils einmütig daran glaubten.

Trotzdem ziehen wir es vor, unsere Ansicht darüber von

der Ihrigen abhängig zu machen.

Ja, -- da wird es wohl begreiflich, daß so oft von Zeiten gesprochen

wird, denen wir entgegengehen. -- Zeiten, in welchen es gleichgültig

sein wird, ob Schiffe fliegen oder ob Tische fliegen, -- begreiflich,

daß die Atmosphäre unseres Vorortes mit gewaltigen Spannungen geladen

ist. Man feiert Feste -- man rast und taumelt -- man lacht und

plaudert, kost mit schönen Frauen, und dazwischen wieder kreisen

gewitterschwere Geheimnisse, weben mystische Erleuchtungen über

»letzte, äußerste, ungeheure Dinge«. (So sagt man hier.)

* * * * *

Seit dem Hofmannschen Abend hat sich rein persönlich alles mehr

zusammengeschlossen, als wolle man dem Rest dieses Karnevals -- der

noch eine Woche dauert -- durch stärkere Gemeinsamkeit eine bedeutsame

Note aufprägen. Und ich hörte sagen, der Kreis sei bestrebt, möglichst

viele kosmische Elemente um sich zu sammeln -- ja, im Zentrum von

Wahnmoching hoffe man auf das Zustandekommen einer neuen heidnischen

Blutleuchte, die natürlich für die Zauberhoffnungen sehr wesentlich

ist und alles ungemein erleichtern würde. (Die letzte ist gewesen,

als Hofmann, Delius und Hallwig sich kennen lernten und der Meister

sein erstes Buch schrieb, -- in demselben Jahr hat Maria ihr Baby

bekommen, -- deshalb legt man auch so viel Wert auf die Erhaltung ihrer

heidnischen Substanz.) So trifft sich abends alles bei den letzten

Festen oder Redouten, und Wahnmochings bacchantisches Toben reißt

manchmal auch die Menge mit fort. Und in den müden Tagesstunden findet

man sich im Café oder bei Hofmanns und im Eckhaus zusammen.

Der Professor entdeckt unermüdlich wundervolle Menschen und fabelhafte

Frauen, die sich zu Mänaden eignen und, wenn er es ihnen sagt, auch

sofort zu rasen beginnen. Maria beunruhigt sich um Hallwig, der all

dieses Treiben meidet, aber ihre Zinnsoldaten haben gute Tage. Susanna

liebt den Mann im Pantherfell -- und ich selbst folge ihr nur noch als

verurteilter Schatten, der erst viel Blut trinken müßte, um zum Leben

zu erwachen. In dieser wilden Zeit gibt man mir ja auch manchmal Blut

zu trinken und dann, -- schweig still, mein Herz.

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Herrn Dames Aufzeichnungen: oder, Begebenheiten aus einem merkwürdigen Stadtteil · 第 19 / 44 题