andrückt und dadurch die Batterie B schließt. Bald
darauf rückt z weiter, die Federn f und g trennen sich wieder,
und der Strom wird unterbrochen. Bei geschlossener Batterie
zirkuliert der Strom in Richtung B, a, f, g, b, L zur elektrischen
U. I, von da durch L... zur U. II etc., endlich von der letzten
eingeschalteten U. in die Erdplatte Pl, durch die Erde zurück
zu Pl und zur Batterie. - Ausgedehnte Verbreitung haben die
elektrischen Zeigerwerke von Hipp gefunden, deren Konstruktion
darauf berechnet ist, alle Störungen durch atmosphärische
Einflüsse, mangelhafte Kontakte und Erschütterungen
möglichst auszuschließen. Grau u. Wagner haben ein
Zeigerwerk für Wechselstrombetrieb mit rotierendem
polarisierten Anker konstruiert (Fig. 3 u. 4). E ist der
Elektromagnet mit den beiden Polschuhen l und k, ab ein
kräftiger permanenter Magnet, zwischen dessen Polen der
rotierende Anker auf einer Messingachse de befestigt ist. Der Anker
besteht aus zwei gleichen Teilen gi und hf aus weichem Eisen, die
rechts und links an die Messinghülse c angeschraubt und
gegeneinander um 90° verstellt sind. Beide Teile stehen den
Polen des Hufeisenmagnets ab gegenüber und werden von den
Polschuhen l und k des Elektromagnets überdeckt. Geht nun
durch letztern ein Strom, der den Polschuhen entgegengesetzte
Polarität verleiht, so findet durch die Einwirkung derselben
auf den polarisierten Anker eine Drehung des letztern um 90°
statt, in welcher Lage er durch eine Fangvorrichtung festgehalten
wird. Wenn nun in der nächsten Minute ein Strom von
entgegengesetzter Richtung den Elektromagnet durchfließt, so
erfolgt die Drehung des Ankers dennoch in gleichem Sinn, weil auch
dessen Stellung zu den Polschuhen sich bei der vorigen Bewegung
umgekehrt hat. Bei der sympathischen Wechselstromuhr von Bohmeyer
(Fig. 5), welche sich durch große Einfachheit und geringen
Kraftverbrauch auszeichnet, stehen zwei weiche Eisenkerne ab auf
dem Pol c des permanenten Hufeisenmagnets d, so daß sie
beständig magnetisch sind. In unmittelbarer Nähe des c
entgegengesetzten Pols befindet sich der weiche Eisenanker ef, der
den weichen Eisenkernen entgegengesetzt polarisiert ist, solange
kein Strom durch die Spulen geht. Die aus den Spulen hervorragenden
Enden sind nahezu halb gefeilt, und dicht vor den flachen Seiten
bewegen sich, ohne sie zu berühren, die Ankerschenkel ef. Bei
Stromschluß wird der eine Eisenkern südlich, der andre
nördlich magnetisch, so daß einer anziehend, der andre
abstoßend auf den Anker wirkt. In der Zeichnung ist e von a
angezogen, f von b abgestoßen. Die Hebel hi sitzen drehbar
auf der Minutenradwelle, in ihre obern gabelförmigen Enden
greifen die Führungsstifte kl, welche in einem mit der
Ankerachse verbundenen Querstück befestigt sind. Kommt der
Strom in umgekehrter Richtung, so zieht b den Anker f an, und h
bewegt sich nach rechts. Gleichzeitig hat sich i nach links bewegt
und der an i befindliche Sperrkegel m das 30zähnige Minutenrad
um einen halben Zahn vorgeschoben. In der nächsten Minute
wechselt der Strom, wobei Sperrkegel n das Minutenrad um einen
halben Zahn weiter schiebt. Damit sich das Rad nicht weiter bewegen
kann, treten wechselseitig n und m unter die Stifte o und p. Der
leichte Gang des Werkes ist dadurch erzielt, daß der
polarisierte Anker genau parallel gegen die Polschuhe schwingt, und
daß derselbe den Minutenzeiger vermittelst der Hebel i und h
im Trägheitsmittelpunkt desselben angreift und fortschiebt.
Der große Weg des Ankers bewirkt, daß der Zeiger nicht
geschnellt, sondern langsam fortbewegt wird. Ein Strom
atmosphärischer Elektrizität kann keine dauernde
Störung hervorbringen, denn hat er dieselbe Richtung wie der
Batteriestrom, so erzeugt er keine Bewegung; bei entgegengesetzter
Richtung rücken allerdings die Zeiger um eine Minute weiter,
der darauf folgende Batteriestrom findet nun aber seine Arbeit
schon verrichtet, und die U. zeigt wieder die richtige Zeit an. Die
elektrischen Stundensteller mit ihrem selbständigen Triebwerk
haben den großen Vorzug vor den sympathischen Uhren,
daß sie weitergehen, auch wenn aus irgend einem Grunde der
Korrektionsstrom ausbleibt. Man unterscheidet zwei Systeme. Bei dem
einen werden die Schwingungen eines Pendels durch einen unterhalb
desselben angebrachten Elektromagnet reguliert, während bei
dem andern die Richtigstellung der Uhren durch direkte Einwirkung
auf die Zeiger erfolgt. In Berlin sind sechs öffentliche
Normaluhren aufgestellt und in übereinstimmenden Gang mit
einem Regulator der Sternwarte gebracht worden. Letzterer
schließt alle zwei Sekunden mittels einer am Pendel
angebrachten Kontaktvorrichtung einen Strom. Am Pendel der
Normaluhren ist eine Drahtspirale so befestigt, daß ein
seitlich angebrachter permanenter Magnet während der
Pendelschwingungen in den Hohlraum der Spirale eintaucht. Die Achse
der letztern liegt daher rechtwinkelig zur Pendelachse. Infolge der
periodischen Stromwirkungen muß nun das Pendel der
Normaluhren gleichen Takt mit demjenigen des Regulators halten. Die
elektrischen Stundensteller von Siemens u. Halske berichtigen die
Zeigerstellung stündlich. Die mittels eines Elektromagnets
ausgeübte Kraft löst zunächst für einen kurzen
Moment ein kleines Werk aus, welches, durch Gewichts- und
Federkraft getrieben, die Zeiger faßt und richtig einstellt.
Man erhält so eine beliebige und auch für die Bewegung
sehr großer Zeiger ausreichende Kraftäußerung.
Außerdem kann man von der Zentralstation aus durch Entsendung
von Stromimpulsen mittels einer Taste unabhängig von der
Normaluhr die Zeiger der abhängigen U. aus falscher Stellung
auf die volle Stunde einstellen. Man kann dadurch die U. fast um
eine halbe Stunde vor- oder zurückstellen. Fig. 6 zeigt das
Korrektionssystem von Hipp. An der vordern Gestellwand einer
Hippschen elektrischen Pendeluhr ist der kleine Elektromagnet M
angebracht, dessen Anker A an einem Winkelhebel w befestigt ist.
Auf der Nase r des nach unten gerichteten Hebelarms ruht ein am
Hebel h sitzender Stift. Der um die Achse x drehbare Hebel h
trägt ferner einen $\bigwedge$-förmigen Klotz k, welcher
beim Fallen des Hebels den auf der Stirnfläche des Steigrades
R sitzenden Stift v faßt und so das Steigrad auf die volle
Stunde 12 oder 6 einstellt. Die Wiedereinlösung von h
geschieht durch einen der zwei auf der Stirnfläche des
Stundenrades Z angebrachten Stifte. Der eine oder andre derselben
hebt bei der Drehung von Z den Ansatz a in die Höhe, so
daß sich der Stift wieder am Auslösehaken v fängt.
Die Wirkung des Stroms erfolgt alle 6 Stunden. Der Stromkreis des
Elektromagnets M ist nämlich nur dann geschlossen, wenn einer
der Stifte y auf den Vorsprung c der Kontaktfeder d drückt,
wodurch diese mit der zweiten Kontaktfeder b in Berührung
gebracht und so eine Verbindung zwischen den Teilen L1 und L2 des
Stromkreises herbeigeführt wird. Von den minder einfachen
elektrischen Pendeluhren zeigt Fig. 7 eine Konstruktion von Weare,
welche bei Anwendung einer recht konstanten Batterie
978
Uhr (pneumatische Uhren).
gleichmäßig geht. Das Pendel A greift mit einem
Grahamschen Anker in das Räderwerk einer gewöhnlichen
Pendeluhr. NBS ist ein permanenter Stahlmagnet, N der Nordpol, S
der Südpol. Auf der Pendelstange sitzt als Linse ein
Elektromagnet E, der auf einer schmalen Messingplatte mit den
Vorsprüngen aa' ruht. Das eine Ende des Umwindungsdrahts ist
mit dieser Messingplatte, das andre mit einem Draht hinter der
Pendelstange verbunden. Letzterer ist an der Aufhängefeder des
Pendels befestigt und steht daher mit dem von dieser Feder
auslaufenden, außerhalb des Gehäuses bei dem Zinkpol z
mündenden Verbindungsdraht h in Kontakt. Der Stahlmagnet
trägt unter jedem der seitwärts vorgebogenen Polenden
eine kleine goldene Spiralfeder ff', welche beide mittels des
Magnets und des Drahts b mit dem +Pol K der Batterie verbunden
sind. Sobald nun das Pendel dem Pol N genähert wird, kommt der
Vorsprung in Berührung mit der Feder f, der Strom wird
geschlossen und zirkuliert über Kb fa durch die Windungen des
Elektromagnets und den hinter der Pendelstange befindlichen Draht
aufwärts zur Feder g und durch h nach z. Die Windungen des
Elektromagnets sind derart gewählt, daß sich bei dieser
Richtung des Stroms bei a ein Nordpol, bei a' ein Südpol
bildet. Es wird daher der nach der Linken gerichtete Elektromagnet,
sobald man ihn frei läßt, von dem Pol N
zurückgestoßen, und diese Abstoßung
überwindet wegen der größern Nähe die von S
nach a' gerichtete Abstoßung. Das Pendel schwingt daher nach
der Rechten zurück, wobei sich a von f trennt und der Strom
unterbrochen wird. Jene Abstoßung hört nun auf, das
Pendel aber geht vermöge der Trägheit über die
Ruhelage hinaus nach der Rechten und nähert sich dem
Südpol S. Kommt nun a' mit f' in Berührung, so wird der
Strom wieder geschlossen, es bildet sich wieder bei a' ein
Südpol, bei a ein Nordpol, welche beide von den gleichnamigen
Polen S und N abgestoßen werden. Aber nun überwiegt die
Abstoßung des Südpols S, und das Pendel schwingt nach
der Linken zurück etc. Die Hippsche Pendeluhr (Fig. 8) besitzt
ein Pendel P, welches in dem Punkt A mittels einer Stahlfeder
aufgehängt ist und die schwere Scheibe L mit dem Eisenanker e
trägt, der möglichst nahe über dem Elektromagnet m
schwingt. Die Pendelstange ist in halber Höhe gekröpft,
und auf der Linse sitzt ein Gleitstück a aus Achat, welches
mehrere von vorn nach rückwärts verlaufende Furchen
besitzt. An den isolierten Metallstücken bb' sind zwei
horizontale Stahlfedern ff' eingespannt, von denen die untere
für gewöhnlich an dem nicht leitenden Stift s, die obere
an dem leitenden Stift s' anliegt. Die untere Feder ist an ihrem
freien Ende mit einer aufwärts gerichteten Kontaktspitze m
versehen, außerdem trägt sie das um die Achse o leicht
bewegliche Stahlplättchen p, die Palette. Die von dem +Pol der
Batterie ausgehende Leitung umkreist den Elektromagnet, führt
dann zu f'k' und geht, sobald der Kontakt bei m geschlossen wird,
über diesen nach fbk zum -Pol zurück. Außerdem ist
noch die Zweigleitung dc' vorhanden, welche mit Ausschaltung der
Batterie eine Schließung der Drahtwindungen des
Elektromagnets herstellt, sobald der Kontakt s' geschlossen wird.
Beim Schwingen des Pendels schleift die Palette über a hinweg.
ohne daß die Achse o gehoben wird. Während dieser Zeit
bleibt der Strom unbenutzt, nimmt aber die Schwingungsamplitude so
weit ab, daß a nicht mehr vollständig unter p
weggeführt wird, so stemmt sich beim Rückgang des Pendels
die Palette in eine der Furchen a, und infolgedessen wird die Achse
o und die Feder f gehoben. Hierdurch wird der Kontakt m
geschlossen, der Strom magnetisiert den Elektromagnet, welcher nun
stark anziehend auf den Anker e wirkt, bis dieser die tiefste Lage
angenommen hat. In diesem Moment ist p wieder außer
Verbindung mit a gekommen und der Strom unterbrochen, das Pendel
aber hat einen so starken Antrieb erhalten, daß es wieder
längere Zeit mit größerer Amplitude schwingt. Die
Verbindung dc' verhindert, daß bei m ein Unterbrechungsfunke
entsteht, indem sich f' einen Moment auf s' legt, bevor der Kontakt
m geöffnet wird. Ein Pendel oder, wie bei den Taschenuhren,
eine Unruhe muß bei allen elektrischen Uhren vorhanden sein,
um ihren Gang zu regulieren; da aber die direkte Einwirkung des
Elektromagnetismus auf das Pendel dieses nur so lange vollkommen
isochronisch schwingen macht, als die Batterie ihre
ursprüngliche Stärke völlig konstant erhält, so
haben einige Erfinder das Auskunftsmittel ergriffen, den
Elektromagnetismus erst auf besondere Zwischenmechanismen einwirken
zu lassen, die nun erst ihrerseits das Pendel in seiner Bewegung
unterhalten. Dieselben bestehen entweder in einem ganz kleinen
Gewicht oder in einer Feder, welche durch den Anker eines
Elektromagnets bei jedem Stromschluß um ein Geringes gehoben,
alsdann von dem Pendel bei seiner Schwingung losgelöst werden
und in die Ruhelage zurücksinken, wobei sie jedesmal dem
Pendel denselben stets ganz gleichförmigen Impuls beibringen.
Der Strom mag nun stark oder schwach sein; solange die Kraft des
durch ihn erzeugten Elektromagnets nur hinreicht, das Gewichtchen
oder die Feder zu der vorgeschriebenen Höhe zu heben, wird das
Pendel unter der gleichmäßigen Einwirkung derselben
isochronisch schwingen und die U. richtig gehen. Was die
menschliche Kraft bei der gewöhnlichen Gewicht- oder Federuhr
alle 24 Stunden oder 8 Tage etc. nur einmal thut, das verrichtet
somit der elektrische Strom hier jeden Augenblick (Sekunde oder
halbe Sekunde). Daß durch diese für eine vollkommene
elektrische U. notwendige Einrichtung dieselbe sehr an Einfachheit
verlieren muß, ist einleuchtend. Gute Werke dieser Art sind
deshalb teuer. Vgl. Schellen, Elektromagnetischer Telegraph (6.
Aufl., Braunschw. 1882); Tobler, Elektrische Uhren (Wien 1883);
Merling, Die elektrischen Uhren (Braunschw. 1886); Favarger,
L'électricité et ses applications à la
chronometrie (Basel 1886). Pneumatische Uhren, von Mayrhofer
erfunden, dienen denselben Zwecken wie die elektrischen, erhalten
aber ihren Impuls durch komprimierte Luft mittels einer
Rohrleitung. Das ganze Gebiet einer Zentraluhrenregulierung wird
nach dem pneumatischen System in zahlreiche kleinere Bezirke
zerlegt, welche je einen durch Rohrleitung unter sich verbundenen
Komplex von Häusern umfassen. Sämtliche an die
Rohrleitung einer Unterabteilung angeschlossene Uhren werden von
einer Normaluhr aus in der Weise in dauerndem und richtigem Gang
erhalten, daß letztere den Zutritt zu der Rohrleitung
stündlich einmal der Kompressionsluft öffnet, welche
durch einen hydraulischen Apparat erzeugt und in einem Reservoir
aufbewahrt wird. Durch den eintretenden Luftdruck wird bei jeder
Sekundäruhr ein Blasebalg aufgeblasen und dabei mittels Hebel
etc. die U. aufgezogen und reguliert. Bei derselben Gelegenheit
werden auch die Normaluhren mittels Blasebalg aufgezogen. Letztere
selbst aber werden wieder von einer Zentraluhr alle 24 Stunden
richtig gestellt. Dies geschieht ebenfalls
979
Uhrdifferenz - Ujfalvy.
durch komprimierte Luft, der Antrieb dazu aber erfolgt durch
einen elektromagnetischen Apparat, der durch Herstellung eines
Kontakts von der Zentraluhr ausgelöst wird. Zentraluhr und
Normaluhr müssen zu diesem Zweck elektrisch verbunden werden,
doch kann man dazu bereits vorhandene Leitungen von Telegraphen,
Telephonen etc. ohne Beeinträchtigung ihres ursprunglichen
Zwecks benutzen und, da die Reichspost- und Telegraphenverwaltung
sich hinsichtlich der Benutzung der Telephonleitungen für
diesen Zweck entgegenkommend gezeigt hat, so bietet sich für
alle Orte mit Telephonbetrieb die Möglichkeit der
einheitlichen Zeitregulierung. Statt der komprimierten Luft kann
man auch das unter hinreichendem Druck stehende Wasser der
Wasserleitungen benutzen. - Über elektromagnetisch
registrierende Uhren s. Registrierapparate.
Uhrdifferenz, s. Zeitdifferenz.
Uhrich, Jean Jacques Alexis, franz. General, geb. 15.
Febr. 1802 zu Pfalzburg, trat 1820 als Leutnant in die Armee,
machte den spanischen Feldzug 1823 mit, diente seit 1834 in
Algerien, ward 1848 Oberst, 1852 Brigadegeneral, befehligte 1855
vor Sebastopol eine Gardebrigade, 1859 unter dem Prinzen Napoleon
eine Infanteriedivision, ward 1867 zur Reserve versetzt und 1870
Kommandant von Straßburg, das er sieben Wochen lang mit
Tapferkeit, doch ohne die erforderliche Umsicht verteidigte und 28.
Sept. übergab. Anfangs als Held gefeiert, erhielt er 1872 von
der militärischen Untersuchungskommission einen Tadel wegen
der Kapitulation von Straßburg. Er veröffentlichte
darauf: "Documents relatifs au siège de Strasbourg" (Par.
1872). U. starb 9. Okt. 1886 in Passy bei Paris.
Uhu, s. Eulen, S. 906.
Ui, Fluß in Rußland, entspringt am Ural im
Gouvernement Orenburg, fließt östlich und mündet an
der Grenze des orenburgischen und tobolskischen Gouvernements nach
einem Laufe von 400 km links in den Tobol. An seinen Ufern ist eine
aus acht Festungen bestehende Festungsreihe (die Uiskajische Linie)
gegen die Kirgisen angelegt.
Uiguren (Kaotsche), altes türk. Volk, welches in
Hochasien (Ostturkistan) wohnte und in der Kultur sehr weit
vorgeschritten war, denn es besaß bereits frühzeitig
eine eigne Schrift und Litteratur, welche von den Chinesen schon
478 erwähnt werden. Später nahmen die U. von
nestorianischen Missionären die syrische Schrift an. Nach den
Berichten der Chinesen waren am Hof des Uigurenchans eigne
Chronikenschreiber angestellt, und Buddhismus, der parsische
Zoroasterglaube sowie das nestorianische Christentum fanden bei
ihnen Eingang. Die U. haben sich lange Zeit hindurch als ein eigner
Stamm behauptet und standen wegen ihrer Bildung und Kultur in hohem
Ansehen. Später vermischten sie sich mit Mongolen, Chinesen,
Arabern und mohammedanischen Tataren, wodurch sie sowohl ihre
Bildung als ihre Nationalität verloren. Die einzige und
zuverlässige Nachricht über die U. erhalten wir aus einer
Handschrift der kaiserlichen Bibliothek in Wien, dem "Kudatku
Bilik", welche von 1069 stammt und das älteste in
türkischer Sprache abgefaßte Buch ist. Sie behandelt die
ethischen wie sozialpolitischen Verhältnisse der U. Vgl.
Vambéry, Uigurische Sprachmonumente und das Kudatku Bilik
(Innsbr. 1870); Schott, Zur Uigurenfrage (Berl. 1874-76, 2 Tle.).
Als entnationalisierte Nachkommen der U. werden von einigen die
Dunganen (s. d.) betrachtet.
Uintah Mountains (spr. uintah mauntins), Gebirge im
nordamerikan. Territorium Utah, scheidet in westöstlicher
Richtung das Becken des obern Green River von dem seines untern
Laufs und wird von dem Fluß in gewaltiger Schlucht
durchbrochen. Sein Gipfelpunkt ist Mount Emmons, 4175 m ü.
M.
Uist, zwei Inseln der äußern Hebriden, an der
Westküste Schottlands, die eine nördlich, die andre
südlich von Benbecula, North-U. mit (1881) 3371, South-U. mit
3810 meist kath. Einwohnern, welche Fischerei, Vogelfang, Viehzucht
und etwas Ackerbau treiben. Die Inseln haben steile Küsten,
zahlreiche gute Häfen und kleine Seen. Ben Eval auf North-U.
ist 345 m, Ben More auf South-U. 621 m hoch.
Uistiti, s. Seidenaffe.
Uj (magyar.), s. v. w. neu, in zusammengesetzten
Ortsnamen oft vorkommend.
Ujansi, Landschaft in Ostafrika, vom 6.° südl.
Br. mitten durchschnitten, westlich von Ugogo und wie dieses
wasserarm. Die große Karawanenstraße von Bagamoyo
über Tabora zum Tanganjika geht mitten durch das Land.
Ujejski, Cornel, poln. Dichter, geb. 1823 zu Beremniany
im Kreis Czortkow in Galizien, besuchte die Lemberger
Universität und begründete schon früh durch seine
schwungvollen und ergreifenden "Klagelieder des Jeremias" ("Skargi
Jeremiego", 1847), die er aus Anlaß des blutigen galizischen
Bauernaufstandes von 1846 schrieb, seinen dichterischen Ruf; aus
denselben wurde der Choral "Mit dem Rauch der Feuersbrünste"
("Z dymem pozarów") zum allgemeinen Volkslied. Nachdem U.
1847 in Paris zu dem ihm gesinnungsverwandten Dichter Slowacki in
nahe Beziehungen getreten, folgten seine "Biblischen Melodien"
("Melodye biblijne". Lemb. 1851), worin er in erhabener Sprache den
Schmerz des polnischen Volkes zum Ausdruck bringt, die
vortrefflichen Dichterworte zu Tonschöpfungen Chopins sowie
mehrere minderwertige Dichtungen. Während des 1863er
Aufstandes gehörte U. zu den eifrigsten Förderern der
Bewegung und entzog sich der Verhaftung durch die Flucht nach der
Schweiz. Seither wurde er wiederholt in den galizischen Landtag,
1876 auch in den Wiener Reichsrat gewählt, legte indessen sein
Mandat bald nieder. Er lebt auf dem Gut Zubrze bei Lemberg, das ihm
der dortige Magistrat als Nationalbelohnung überließ;
als Dichter ist er nur noch mit "Dramatischen Bildern" (1880)
aufgetreten, die ihn noch in der alten romantischen Frische
zeigen.
Ujesd (russ.), s. v. w. Kreis, d. h. Unterabteilung eines
Gouvernements in Rußland.
Ujest (poln. Viast), Stadt im preuß.
Regierungsbezirk Oppeln, Kreis Großstrehlitz, an der
Klodnitz, 208 m ü. M., hat 3 kath. Kirchen (darunter die sehr
besuchte Wallfahrtskirche Maria-Brunn), eine Synagoge, ein
Amtsgericht, Bierbrauerei, Gerberei, lebhafte Viehmärkte und
(1885) 2518 Einw. U. erhielt 1222 deutsches Stadtrecht. Von U.
führt der Fürst von Hohenlohe-Öhringen (sonst
Ingelfingen) den Herzogstitel (s. Hohenlohe).
Ujfalvy, Karl Eugen U. von Mezo Kovest, Sprachforscher
und Reisender, geb. 16. Mai 1842 zu Wien als Sprößling
einer alten ungarischen Adelsfamilie, besuchte die
Militärakademie in Wiener-Neustadt, trat 1861 als Leutnant in
ein österreichisches Kavallerieregiment, verließ aber
1864 die Armee und bezog die Universität in Bonn. 1866
siedelte er nach Paris über, wo er 1873 Professor an der
orientalischen Akademie wurde. Im Auftrag der Regierung machte U.
1876-82 drei Forschungsreisen durch Zentralasien, deren Ergebnisse
er in dem Werk "Expé-
980
Uj-Féjértó - Ukraine.
dition scientifique française en Russie, en Siberie et
dans le Turkestan" (Par. 1878-80, 6 Bde.) veröffentlichte. Von
seinen übrigen, vornehmlich ethnologischen und linguistischen
Arbeiten sind zu nennen: "La langue magyare, son origine, etc."
(1871); "La Hongrie, son histoire, etc." (1872); "Les migrations
des peuples et particulierement celle des Touraniens" (1873);
"L'ethnographie de l'Asie" (1874); "Mélanges altaïques"
(1874); "Étude comparée des langues ougro-finnoises"
(1875); "Grammaire finnoise" (mit R. Hertzberg, 1876);
"Éléments de grammaire magyare" (1875); "L'art des
cuivres en Cachemire" (1883); er redigierte die "Revue de
philologie et ethnographie" (Par. 1874-77, 3 Bde.). Auch
übersetzte er Petöfis Gedichte (1871) und mit
Desbordes-Valmore eine Auswahl magyarischer Dichtungen (1872), das
finnische Epos "Kalewala" (1876) ins Französische. Deutsch
schrieb er: "Alfred de Musset" (Leipz. 1870) und "Aus dem
westlichen Himalaja" (das. 1884). - Seine Gattin Marie, geborne
Bourdon, geb. 1845 zu Chartres, seine stete Begleiterin auf allen
seinen Reisen, schrieb: "De Paris à Samarkand, le Ferghanah,
etc." (1880); "Voyage d'une Parisienne dans l'Himaleya occidental"
(1887) u. a.
Uj-Fejértó, Markt im ungar. Komitat
Szabolcs, an der Debreczin-Miskolczer Bahnlinie, mit (1881) 6998
ungar. Einwohnern.
Ujhely, s. Sátoralja-Ujhely.
Uj-Szentanna (spr. -ßént-), Markt im ungar.
Komitat Arad, Station der Arad-Buttyiner Bahnlinie, mit (1881) 5193
deutschen und ungar. Einwohnern.
Uj-Verbász (spr. -wérbaß), Dorf im
ungar. Komitat Bács-Bodrog, Station der Budapest-Semliner
Bahn, liegt am Franzenskanal und hat (1881) 5090 deutsche
Einwohner, ein Untergymnasium und eine Sparkasse.
Ukami, deutsches Schutzgebiet in Ostafrika, zwischen
Usegua, Usagara und Khutu und von mehreren Zuflüssen des Rufu
durchzogen, wurde für die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft
von Peters und Pfeil durch Verträge im Dezember 1884 erworben
und 27. Febr. 1885 unter deutschen Schutz gestellt.
Ukara, Insel im Südteil des großen
afrikanischen Sees Ukerewe (s. d.).
Ukas (v. russ. ukasátj, "befehlen"), in
Rußland jeder direkt vom Kaiser oder vom dirigierenden Senat
ergehende legislative oder administrative Befehl oder Erlaß.
Die Veröffentlichung der kaiserlichen Ukase erfolgt durch den
Senat, doch hat letzterer auch das Recht, zur Ausführung
bestehender Gesetze Ukase (Verordnungen) zu erlassen. Gesetze und
Verordnungen, die vom Kaiser selbst ausgehen, heißen
"allerhöchste Ukase". Dabei wird zwischen dem eigenhändig
unterzeichneten (imennoj) und dem mündlichen U., dem vom
Kaiser auf erstatteten Vortrag erteilten Befehl, unterschieden.
Ministerielle Verordnungen werden nicht als U. bezeichnet. Kaiser
Nikolaus ließ 1827 eine Sammlung der Ukase in 48 Bänden
veranstalten, der sich die spätern von Jahr zu Jahr
anschließen. Sie bildet die Grundlage des russischen
Reichskodex (Swod sakonow).
Ukelei, s. Weißfisch.
Uker (Ucker, Ücker), Fluß in Preußen,
bildet sich beim Marktflecken Fredewalde in der Provinz Brandenburg
aus dem Abfluß mehrerer Seen, durchfließt den
Oberuker-, Strelower und Unterukersee, tritt oberhalb Pasewalk nach
Pommern über, empfängt hier die Randow und mündet
nach 103 km langem Lauf unterhalb Ückermünde in das
Kleine Haff.
Ukerewe (Victoria Nyanza), großer See in
Äquatorialafrika, zwischen 0° 45' nördl. bis 2°
50' südl. Br. und von 31° 30'-35' östl. L. v. Gr.,
liegt nach Speke 1140, nach Stanley 1160, nach Mackay 1005 m
ü. M. und hat einschließlich der zahlreichen in ihm
gelegenen Inseln ein Areal von 43,900 qkm (1525 QM.), ist sonach
größer als Bayern. Die Ufer des Sees werden meist
begleitet von Höhenzügen, sind aber stellenweise auch auf
große Ausdehnungen ganz flach; an der Westseite verlaufen
dieselben ziemlich gleichmäßig, im N., O. und S. werden
sie von zahlreichen Buchten zerschnitten (Ugoweh- und Kavirondobai,
Spekegolf), und zahlreiche Inseln und Inselgruppen (Sessearchipel,
Usuguru, Ugingo, Ukara, Ukerewe, Bumbire) sind ihnen vorgelagert.
Im N. hat er im Kiviro, der später Somerset-Nil heißt,
seinen Abfluß, dagegen gehen ihm von O. Guaso, Maroa, Rubuna,
von S. Simiu, Isanga, Lohugaci, von W. Kiwala mit Kagera
(Alexandra-Nil), Katonga u. a. zu. Der U. wurde 4. Aug. 1858 von
Speke entdeckt, dann von diesem in Verein mit Grant 1861-62 weiter
untersucht, namentlich seine nördliche Ausdehnung
festgestellt, von Stanley vom Januar bis Mai 1875 umfahren und
zuletzt von Mackay 1883 untersucht. S. Karte bei "Congo".
Ukermark (Uckermark), der nördlichste Teil der
preuß. Provinz Brandenburg, zwischen der Mittelmark,
Mecklenburg-Strelitz, Pommern und der Neumark, wird von der Uker
(von der sie den Namen hat), Oder, Welse, Randow und vielen Seen
bewässert und bildet eine nur von geringen Hügeln
durchzogene fruchtbare Ebene von 3700 qkm (67 QM.)
Flächeninhalt. Sie umfaßt im wesentlichen die Kreise
Prenzlau, Angermünde und Templin. - Die U. wurde im 6. Jahrh.
von einem wendischen Volksstamm, den Ukranern (Uchri, Wucri), dann
nach kurzer Abhängigkeit vom Deutschen Reiche gegen Ende des
10. Jahrh. von den Obotriten, um 1177 aber von den pommerschen
Herzögen in Besitz genommen. 1250 wurde sie von den
brandenburgischen Markgrafen Johann I. und Otto III. erworben, nach
dem Aussterben der Askanier aber von Pommern und Mecklenburg
besetzt. Letzteres blieb nur kurze Zeit im Besitz seines Anteils;
den Pommern hat jedoch erst Kurfürst Friedrich I. von
Brandenburg 1415 Prenzlau, Boitzenburg und Zehdenick entrissen, und
nach langwierigen Fehden hat Albrecht Achilles den Rest der U. 1472
wieder mit der Mark vereinigt.
Ukermünde, s. Ückermünde.
Ukert, Friedrich August, Gelehrter, geb. 28. Okt. 1780 zu
Eutin, studierte in Halle und wurde 1807 Erzieher der
nachgelassenen Söhne Schillers in Weimar, folgte aber schon im
folgenden Jahr einem Ruf nach Gotha, wo er zunächst Inspektor
am Gymnasium, dann Bibliothekar an der herzoglichen Bibliothek
wurde. Er starb 18. Mai 1851. Außer Übersetzungen
historischer und geographischer Werke veröffentlichte er:
"Geographie der Griechen und Römer" (Weim. 1816-46, 3 Bde.),
gab mit Heeren seit 1828 die "Geschichte der europäischen
Staaten", mit Jacobs 1834 die "Merkwürdigkeiten der
herzoglichen Bibliothek zu Gotha" (Leipz. 1835-38, 3 Bde.) heraus
und schrieb: "Über Dämonen, Heroen und Genien" (das.
1850).
Ukleisee, kleiner, sagenreicher, vielbesuchter See im
oldenburg. Fürstentum Lübeck, 5 km nördlich von
Eutin, 26 m ü. M. An seinen von niedrigen, schön
bewaldeten Hügeln umgebenen Ufern ein Wirtshaus.
Ukraine ("Grenzgebiet"), zur Zeit des alten polnischen
Reichs Benennung der äußersten südöstlichen
Grenzlande desselben, später eines ausgedehnten Landstrichs an
beiden Ufern des mittlern Dnjepr mit
981
Ula - Uleaborg.