des Wassers an, und das Instrument selbst ist ein genauer

Registrierapparat. Bei der Umkehrung des Thermometers in die Lage

(Gefäß nach oben) in irgend einer Tiefe muß

große Vorsicht angewendet werden. Zu diesem Zweck ist das

Instrument in ein hölzernes Gehäuse (s. Figur)

eingefügt, welches zum Teil mit Schrotkugeln angefüllt

ist, die sich frei von einem Ende zum andern bewegen können,

und deren Gewicht so reguliert ist, daß sie den ganzen

Apparat gerade schwimmend im Wasser erhalten; dieser selbst ist

mittels eines Taues, welches durch eine Öffnung des

hölzernen Gehäuses so nahe wie möglich bei dem

cylindrischen Gefäß geht, mit der Lotleine befestigt.

Bei dem Herablassen wird das T. mit dem Gefäß in der

Lage nach unten herabgezogen; bei dem Heraufziehen aber wird der

Apparat, infolge des Widerstandes des Wassers, sich umkehren, und

das Gefäß kommt in die Lage nach oben (s. Figur). Die

Vorrichtung zum Schutz gegen den Wasserdruck besteht in einer das

T. umgebenden starkwandigen, hermetisch verschlossenen

Glashülle, welche zum größten Teil mit Quecksilber

angefüllt ist. Vgl. Gerland, Das T. (Berl. 1885).

Thermomètre automoteur (franz., spr.

otomotör), s. Nachtfrost.

Thermomultiplikator, s. Wärmestrahlung.

Thermon, im Altertum Hauptort des erweiterten

Ätolien in Griechenland, wozu seit ca. 300 v. Chr. auch

Westlokris, Doris, Ötäa und Äniania gehörten,

lag am Ostufer der Trichonis (See von Vrachori) und war weniger

eine Stadt als ein Komplex von Tempeln, Versammlungsräumen

etc. und Sitz des Ätolischen Bundes. T. wurde 218 v. Chr. von

Philipp V. von Makedonien geplündert und zerstört, wobei

allein 2000 Statuen weggeführt wurden, und blieb seitdem

unbedeutend. Seine Ruinen sind wahrscheinlich in Paläo-Bazaro

bei Petrochori zu suchen.

Thermopathogenie (griech.), Lehre von der Entstehung des

Fiebers.

Thermophore (griech.), s. Radiophonie.

Thermopylen ("Thor der warmen Quellen"), Engpaß an

der Grenze der griechischen Landschaften Lokris und Malis (im

jetzigen Nomos Phthiotis und Phokis), zwischen dem von Sümpfen

umränderten Malischen Meerbusen und einem Ausläufer des

Bergs Öta, so benannt nach den daselbst befindlichen warmen

Schwefelquellen, war bei einer Länge von mehr als einer Stunde

nur 50-60 Schritt breit, an vielen Stellen aber noch weit enger und

war als Haupteingang von Thessalien nach Hellas von alters her ein

wichtiger strategischer Punkt. Das vom Spercheios

herabgeführte Alluvium hat die Küste hier bedeutend

verändert und vorgeschoben; kleine Bäche bilden jetzt

neben dem Weg einen bodenlosen Sumpf, durch welchen ein Steindamm

mit mehreren Brücken führt. - Berühmt ist der

Paß besonders durch die heldenmütige Ausopferung des

Leonidas und seiner Spartiaten im Juli 480 v. Chr. Während

sich die hellenische Bundesflotte an der Nordspitze von Euböa,

am Vorgebirge Artemision, aufstellte, übernahmen die Spartaner

die Verteidigung der T. gegen das unermeßliche persische

Heer. Die dort aufgestellte griechische Schar bestand aus nicht

ganz 6000 Mann, darunter bloß 300 Spartiaten unter dem

Oberbefehl des Königs Leonidas, welcher die alte Vermauerung

des Passes erneuern und den Paß über den Öta am

Kallidromos durch 1000 Phoker besetzen ließ. Als Xerxes zum

Angriff schritt, schlugen die Griechen die Perser zwei Tage lang,

zuletzt selbst die persische Leibwache zurück. Da führte

der Malier Ephialtes 20,000 Perser unter Hydarnes auf dem

Fußpfad, den die Phoker zu bewachen versäumten,

über das Gebirge den streitenden Griechen in den Rücken.

Als diese die Kunde von ihrer Umgehung erhielten, beschloß

Leonidas, dem Befehl, den Paß zu hüten, gehorsam, mit

den Spartiaten zu bleiben und bis auf den letzten Mann zu

kämpfen. Die übrigen ließ er zur Verteidigung ihrer

Heimat abziehen, mit Ausnahme von 400 Thebanern, die er als Geiseln

für die Treue dieser Stadt mitgenommen hatte. Aber auch die

700 Thespier blieben freiwillig bei ihm. Um 10 Uhr vormittags des

dritten Tags, als von beiden Seiten die persische Übermacht

zum Angriff schritt, führte Leonidas seine Schar mitten unter

die Feinde, um ihr Leben so teuer wie möglich zu verkaufen;

als die Lanzen zersplittert und die Kräfte erschöpft

waren, zogen sich die Hellenen auf einen kleinen Hügel

südlich von den Quellen zurück, wo sie einer nach dem

andern den Pfeilen der Perser erlagen. Von den Thebanern dagegen

retteten sich viele dadurch, daß sie nach Leonidas' Tode die

Waffen streckten und den Persern beteuerten, daß sie nur

gezwungen gegen sie gekämpft hätten. Das Haupt des

Leonidas ließ Xerxes auf einen Pfahl stecken, und den Rumpf

soll er an das Kreuz haben schlagen lassen. Die Griechen aber

widmeten dem Andenken der Helden ein Denkmal mit der Inschrift des

Simonides:

Wanderer, meld es daheim Lakedämons Bürgern:

erschlagen

Liegen wir hier, noch im Tod ihrem Gebote getreu.

Im J. 191 siegte der römische Konsul Manius Acilius Glabrio

über Antiochos d. Gr. und die Ätolier, indem der Legat M.

Porcius Cato die Umgehung über das Gebirge ausführte.

Auch im griechischen Freiheitskampf wurde hier mehrere Male (6.

Sept. 1821, dann 8. und 14. Juli 1822) gekämpft.

Thermosäule, s. Thermoelektrizität.

Thermostat (griech.), Gestell zum bequemen Erhitzen eines

Körpers über der Lampe, speziell eine Vorrichtung zur

selbsttätigen Regulierung der Temperatur beim Erhitzen.

Erreicht die Quecksilbersäule eine bestimmte Höhe, die

nicht überschritten werden soll, so schließt sie durch

einen in das Thermometer eingeschmolzenen Platindraht einen

elektrischen Strom, der nun entweder nur den Wächter durch

eine elektrische Klingel herbeiruft, oder auch direkt auf die

Flamme wirkt, indem er den Zufluß von Leuchtgas

verringert.

Thermotherapie (griech.), Behandlung der Krankheiten

mittels heißer Bäder, heißer Bähungen

etc.

Thermotonus (griech.), bei Pflanzen mit reizbaren und

periodisch beweglichen Organen der durch die Wärme bedingte

bewegliche Zustand derselben; vgl. Pflanzenbewegungen.

Théroigne de Méricourt (spr. teroannj d'

merikuhr), "die Amazone der franz. Revolution", geb. 13. Aug. 1762

zu Luxemburg, hieß eigentlich Anna Josephe Terwagne, ward in

Paris Kurtisane, that sich beim Zug der Pariser nach Versailles

(Oktober 1789) hervor, trat in den Dienst der Jakobiner und

agitierte für sie in Belgien, wo sie 1790 der kaiserlichen

Polizei in die Hände fiel. Nach einjähriger Haft in Wien

kehrte sie Anfang 1792 nach Paris zurück, wurde als

Verräterin vom Pöbel 10. Aug. beim Sturm auf die

Tuilerien ausgepeitscht und starb 9. Juni 1797 im Irrenhaus. Vgl.

Fuß, Théroigne de Méricourt (Lüttich

1854).

Theromorphie (griech.), tierähnliche Bildung, sowohl

eine Mißbildung als eine atavistische Form, welche auf die

Abstammung des Menschen vom Tier hindeutet.

648

Theron - Thespis.

Theron, Sohn des Änesidemos aus Gela, Tyrann von

Akragas (Agrigent) seit 489 v. Chr., zeichnete sich durch

Gerechtigkeit und Milde aus, eroberte Himera, kämpfte 480 in

der Schlacht daselbst gegen die Karthager und starb 472. Pindar

feiert ihn als Sieger in den Olympischen Spielen. Sein Grabmal zu

Akragas galt für ein berühmtes Kunstwerk.

Thersandros, einer der Epigonen, Sohn des Polyneikes und

der Argeia, zog mit gegen Theben und ward nach des Eteokles und

seines Vaters Tod König von Theben. Später zog er mit

gegen Troja und kam in Mysien im Kampf mit Telephos um.

Thersítes, nach griech. Mythus der

häßlichste Mann in dem vor Troja lagernden Heer der

Griechen, Sohn des Agrios und Verwandter des Diomedes, ein

boshafter und schmähsüchtiger Schreier, ward von Odysseus

wegen Verleumdung des Agamemnon öffentlich gezüchtigt und

nach späterer Sage von Achilleus getötet, weil er dem

Leichnam der Amazonenkönigin Penthesileia die Augen

ausgerissen hatte. Vgl. Jacobs, Die Episode des T. (in den

"Vermischten Schriften", Bd. 6, Leipz. 1844).

Thesa (Tasa, Teja), Stadt in Marokko, östlich von

Fes, am Ued el Assar, ein strategisch sehr wichtiger Punkt, hat

3500 Einw., welche mit einer kleinen Garnison des Sultans in der

von einer doppelten Mauer umgebenen Stadt leben, aber dieselbe kaum

verlassen können, da der die Umgegend bewohnende Stamm der

Riata in Wahrheit Herr des ganzen Gebiets ist.

Thesaurus (griech., "Schatz"), bei den alten Griechen s.

v. w. Schatzkammer, Schatzhaus. Die in der Regel unterirdischen

Schatzhäuser (Thesauren) der alten Herrschergeschlechter

gehörten zu den bedeutendsten Anlagen der griechischen

Vorzeit; die übliche Grundform derselben war die eines

kreisrunden, durch Überkragung horizontaler Schichten

kuppelartig geschlossenen Gemachs (am bekanntesten das sogen.

Schatzhaus des Atreus zu Mykenä). In der historischen Zeit

errichteten die einzelnen Staaten innerhalb des Bezirks allgemein

angesehener Heiligtümer (z. B. der zu Olympia und Delphi)

eigne Thesauren zur Aufnahme der von ihnen dargebrachten

Weihgeschenke. - T. ist außerdem ein in früherer Zeit

sehr beliebter und auch jetzt noch vorkommender Titel für

Sammlungen von Monographien, zerstreuten Bemerkungen etc., welche,

in einem größern Werk vereinigt, ein ganzes

wissenschaftliches, besonders sprachliches, Gebiet umfassen, ebenso

für umfangreichere, zum Gebrauch für Fachgelehrte

bestimmte Wörterbücher. Bekannt sind namentlich: der "T.

linguae graecae" von Henricus Stephanus und "T. linguae latinae"

von Rob. Stephanus, der "T. antiquitatum graecarum" von Gronovius

und "T. antiquitatum romanarum" von Grävius.

Theseus, einer der berühmtesten Heroen des

Altertums, Sohn des Königs Ägeus von Athen und der

Äthra, ward bei seinem Großvater Pittheus in Trözen

erzogen. Herangewachsen, nahm er das Schwert seines Vaters, welches

dieser selbst für ihn unter einem Felsblock verborgen hatte,

als Erkennungszeichen und ging damit nach Athen. Unterwegs erschlug

er die Räuber Periphetes, Sinis, Skiron, Kerkyon, Prokrustes

u. a. In Athen angekommen, sollte er auf Anstiften seiner

Stiefmutter Medeia (s. d.) vergiftet werden; Ägeus erkannte

den Sohn aber am Schwert, und Medeia mußte fliehen. T. machte

sich zunächst um das Land verdient, indem er den

marathonischen Stier erlegte. Als darauf die Gesandten des Minos

nach Athen kamen, um den jährlichen Tribut von sieben

Jünglingen und sieben Jungfrauen für den Minotauros zu

holen, ließ sich T. unter die Zahl der ausersehenen Opfer

aufnehmen, und es gelang ihm, mit Hilfe der Ariadne (s. d.) den

Minotauros zu töten (s. Mtnotauros, mit Abbildung). Nach dem

Tode des Ägeus trat er die Herrschaft über Attika an und

zeichnete sich durch weise Herrschermaßregeln sowie durch

kühne Heldenthaten aus. Er stiftete die Panathenäischen

und Isthmischen Spiele, zog mit Herakles gegen die Amazonen und

erhielt als Siegespreis die Königin Antiope oder Hippolyte,

die ihm den Hippolytos gebar, half dem Peirithoos die Kentauren

vertreiben und stieg mit demselben in die Unterwelt, um die

Persephone zu entführen; hier aber wurden beide gefesselt

zurückgehalten, bis sie Herakles befreite. Später nahm T.

an dem Argonautenzug und an der kanonischen Jagd teil. Bei seiner

Zurückkunft nach Athen den Menestheus, Sohn des Peteos, auf

dem Thron findend, ging er nach Skyros, wo er seinen Tod durch

einen Sturz von einem Felsen oder durch Verrat des Königs

Lykomedes fand. T. war der ionische (speziell athenische)

Hauptheros, den seine Verehrer zu gleichem Glanz wie die Dorier

ihren Herakles zu erheben suchten, insbesondere Repräsentant

des volkstümlichen Königtums. Er erhielt bald

Heroendienst in Athen, und es wurde ihm ein prachtvoller Tempel

errichtet. Noch jetzt führt ein im Mittelalter als christliche

Kirche, dann als Museum benutzter, kunstgeschichtlich höchst

bedeutsamer Tempel in Athen den Namen Theseion, wiewohl

wahrscheinlich mit Unrecht (s. Athen, S. 997). Die Darstellung des

T. auf Kunstwerken ähnelt sehr der des Herakles, nur ist er

stets jugendlich aufgefaßt und in seiner ganzen Erscheinung

schlanker, die Keule weniger schwer, als die Herakleische.

Besonders auf attischen Monumenten (Metopen und Fries des sogen.

Theseions in Athen) sind seine Thaten gern dargestellt worden. Vgl.

Stephani, Der Kamps zwischen T. und Minotauros (Leipz. 1842);

Roßbach, T. und Peirithoos (Tübing. 1852).

Thesiger, Frederick, s. Chelmsford.

Thesis (griech.), ein Satz, namentlich ein zum Beweis

aufgestellter (These); in der Metrik der Gegensatz von Arsis (s.

d.), ebenso in der Musik.

Thesmophorien (griech.), altes mysteriöses Fest,

welches in Athen und vielen andern Orten Griechenlands Anfang

November nach Bestellung der Wintersaat gefeiert wurde, und zwar zu

Ehren der Demeter Thesmophoros, d. h. der gesetzgebenden Demeter,

der Gründerin des Ackerbaues, der bürgerlichen

Gesellschaft sowie der rechtmäßigen Eheverbindung. Von

der Festfeier, die der Hauptsache nach in einer Prozession der

Frauen nahe dem Demetertempel am Vorgebirge Kolias bestand und mit

einem Festschmaus unter mimischen Tänzen und Spielen endete,

waren die Männer streng ausgeschlossen. Vgl. Mommsen,

Heortologie. Antiquarische Untersuchungen über die

städtischen Feste der Athener (Leipz. 1864).

Thesmotheten (griech.), s. Archonten.

Thespiä, Stadt im alten Böotien, westlich von

Theben, von deren Einwohnern 700 in den Thermopylen kämpften

und fielen, wurde von Xerxes zerstört, dann wieder aufgebaut,

um später (372 v. Chr.) von den ihr stets feindlichen

Thebanern aufs neue zerstört zu werden. T. war Geburtsort des

Praxiteles und der Phryne und blühte noch in römischer

Zeit. Ruinen bei Erimokastro.

Thespis, nach der griech. Sage der Erfinder des Dramas,

speziell der Tragödie, indem er den dithyrambischen

Chören bei den Dionysien (Bakchosfesten)

649

Thesprotia - Theuriet.

einen Monolog (und also einen Schauspieler) hinzufügte, der

in der Regel eine auf Bakchos bezügliche mythische Geschichte

enthielt, war aus Ikaria in Attika gebürtig und lebte um 540

v. Chr. Falsch ist die Nachricht, daß T. mit einer wandelnden

Bühne aus einem Karren herumgezogen sei; doch ist der

Thespiskarren für wandelnde Bühnen seit Horaz

sprichwörtlich geworden. Vgl. Schauspielkunst, S. 414.

Thesprotia, Landschaft im alten Epirus, reichte vom

Ambrakischen Meerbusen (Golf von Arta) bis an den Thyamis (Kalamas)

und ward vom Acheron (heute Phanariotiko) durchströmt. Die

Thesproter, die schon in der "Odyssee" als ein seefahrendes, von

Königen beherrschtes Volk genannt werden, waren ein

illyrischer Stamm, welcher erst allmählich sich hellenisierte;

zur Zeit des Peloponnesischen Kriegs war ihr Staat der

mächtigste in Epirus.

Thessalien, alte Landschaft im nördlichen

Griechenland, grenzt gegen W. an Epirus, von dem es der Pindos

trennt, gegen N. an Makedonien, gegen O. an das Ägeische Meer,

gegen S. an den Pagasäischen und Malischen Meerbusen und an

das Gebiet der Doloper und Änianen. Die Hauptgebirge sind: der

Olympos (2985 m), Ossa (1953 m), Pelion (Plessidi, 1620 m) im N.,

der Othrys (1728 m) im S., der Pindos (2168 m) im O. Die Gebirge im

N. und S. sind leicht zu überschreiten, so daß T.

wiederholt Völkerwanderungen und Eroberern zum Durchzugsland

diente. Ein nur 800 m hoher Gebirgszug, die berühmten

Kynoskephalä, teilt die von jenen Bergen umringte thessalische

Ebene, die einst ein Binnensee gewesen ist, in zwei

wohlbewässerte Hälften. Hauptfluß ist der Peneios.

Der Boden war fruchtbar; besonders gab es gute Weiden, weshalb die

Pferdezucht in T. zu Hause war. Die Thessalier waren als

Pferdebändiger ebenso berühmt wie als Zauberer. Die

einzelnen Stadtgebiete waren (vom Beginn der Olympiaden bis ins 3.

Jahrh. v. Chr.) in vier Bezirke (sogen. Tetraden) verteilt. Diese

waren: Hestiäotis, nebst dem Gebiet der Perrhäber, der

westliche und nördliche Teil des Landes mit den Städten

Trikka, Gomphi, Ithome; Pelasgiotis, im O. längs der Halbinsel

Magnesia mit Larissa, der größten Stadt des Landes,

Krannon, Pherä, Skotussa; Thessaliotis, der südwestliche

Teil der thessalischen Ebene, mit Kierion und Pharsalos, und

Phthiotis oder Achaia Phthiotis, der Süden u. Südosten

des Landes mit Halos und Thebä Phthiotides, wozu als

fünfte Landschaft noch der Küstenstrich Magnesia mit der

Stadt Demetrias kam, der ein selbständiges Gemeinwesen

bildete. S. Karte "Altgriechenland". - Als älteste Bewohner

des Landes werden Pelasger genannt, welche die Ureinwohner

unterjochten und zu Leibeignen machten, die unter dem Namen

Penesten einen ähnlichen unterdrückten Stand bildeten wie

die Heloten in Sparta. Die "Ilias" kennt den Namen T. noch nicht.

Der Tradition nach fielen 60 Jahre nach Trojas Fall die

wahrscheinlich illyrischen Thessalier, ein Teil der Thesproter, aus

Epirus in T. ein und veranlaßten dadurch die Dorische

Wanderung. Sie wurden später hellenisiert, blieben aber

geistig unbedeutend. Um so mehr leisteten sie in athletischen

Künsten. Unter den edlen Geschlechtern waren schon zur Zeit

der Perserkriege die Aleuaden in Larissa und die Tyrannen zu

Pherä, die ihren Ursprung auf Jason zurückführten,

berühmt. Unter dem spätern Tyrannen Alexander war T. der

Schauplatz eines Kriegs mit den Thebanern unter Pelopidas. Dann

stand T. im Bund mit Theben gegen Sparta. Nach Alexanders Ermordung

(359) riefen die Aleuaden gegen dessen Nachfolger Tisiphonos und

Lykophron den König Philipp von Makedonien zu Hilfe, der sich

aber bald selbst zum Herrn des Landes machte. Von da an blieb T. in

makedonischer Abhängigkeit, und wenn auch für Augenblicke

der Ätolische Bund im Besitz des Landes war, so war es doch

schon so weit makedonisiert, daß es keinen weitern Versuch

machte, die frühere Selbständigkeit wiederzuerlangen. Als

Philipp III. mit den Römern Krieg führte, standen die

Thessalier auf seiner Seite. Nach der Schlacht bei

Kynoskephalä, in der ersterer besiegt wurde, ward T. mit den

andern griechischen Staaten bei den Isthmischen Spielen für

frei erklärt (196) und bildete bis 146 einen Bund, um dann

unter römischen Einfluß zu gelangen. Es behielt zwar

seine Verfassung, wurde aber als Provinz behandelt. Unter den

Kaisern wurde es förmlich zu einer solchen gemacht und, da es

nicht groß genug war, zu Makedonien geschlagen. Konstantin d.

Gr. machte es dagegen zu einer eignen Provinz und stellte es unter

die Präfektur Illyrien. Hierauf kam es zum byzantinischen und

zu Anfang des 13. Jahrh. zum lateinischen Kaisertum, obwohl sich

während dieser Zeit manchmal eigne Dynasten in Besitz des

Landes setzten und darin zu behaupten wußten. 1460-1881 war

T. in der Gewalt der Türken. Jetzt bildet es die griechischen

Nomarchien Larissa und Trikkala. S. Karte "Griechenland".

Thessalonicher, Briefe an die, zwei Schriften des

neutestamentlichen Kanons, welche vom Apostel Paulus wahrscheinlich

zu Korinth abgefaßt worden sind, ihre Veranlassung in seinem

Interesse für die erst kürzlich von ihm gestiftete

Gemeinde zu Thessalonich haben und insbesondere ihre Erwartungen

von der Zukunft Christi berichtigen sollen. Neuerdings ist die

Authentie wenigstens des zweiten dieser Briefe fast gänzlich

zweifelhaft geworden. Vgl. P. Schmidt, Der erste

Thessalonicherbrief (Berl. 1885).

Thessalonike, Stadt, s. Saloniki.

Thetford, Stadt in der engl. Grafschaft Norfolk, an der

Kleinen Ouse, hat Malzdarren, Handel und (1881) 4032 Einw. T. war

früher Hauptstadt Ostanglias; die Ruinen eines Palastes und

mehrerer kirchlicher Gebäude zeugen noch von seiner ehemaligen

Bedeutung.

Thetis (nicht zu verwechseln mit Tethys), in der griech.

Mythologie Tochter des Nereus und der Doris, wider ihren Willen

Gemahlin des Peleus (s. d.), Mutter des Achilleus. Als Peleus sie

wegen des gefährlichen Mittels, durch das sie ihren Sohn

unsterblich machen wollte (s. Achilleus), tadelte, stieg sie zu

ihrem Vater in die Tiefen des Meers zurück, und nur bisweilen

begab sie sich auf die Erde, um ihrem Sohn Achilleus dle

zärtlichste Muttersorge zuwidmen.

Theuerdank, s. Pfinzing.

Thëurgie (griech.), die vorgebliche Kunst, sich

durch gewisse Zeremonien und Handlungen mit den Göttern und

Geistern in nähere Verbindung zu setzen und sie zu

Hervorbringung übernatürlicher Wirkungen für sich zu

gewinnen. Die T. hat ihren Ursprung bei den Magiern der

Chaldäer und Perser. Auch die Ägypter rühmten sich,

große Geheimnisse darin zu besitzen. Unter den Philosophen

spielte sie bei den Neuplatonikern eine große Rolle,

namentlich bei Jamblichos und Proklos. Auch im Mittelalter kommen

häufig Spuren von ihr vor. Vgl. Lobeck, Aglaophamus

(Königsb. 1829, 2 Bde.), und Litteratur bei Magie.

Theuriet (spr. töria), André, franz. Dichter

und Romanschreiber, geb. 1833 zu Marly le Roi bei Paris, studierte

die Rechte in Paris und erhielt 1857 eine Anstellung im

Finanzministerium. In demselben

650

Theux de Meylandt - Thibaudin.

Jahr veröffentlichte die "Revrte des Deux Mondes" ein

Gedicht von T.: "In memoriam", das sehr bemerkt wurde, dann aber

schwieg er lange. Erst 1867 erschien "Le chemin des bois", ein Band

Gedichte, in welchen er den Wald besang, und die ihn zum Liebling

der Frauenwelt machten (in 2. Aufl. 1877 von der Akademie

gekrönt). Weitere Werke von T. sind : "Les paysans de

l'Argonne, 1792", episches Gedicht (1871), "Le Bleu et le Noir,

poème de la vie réelle" (1872); dann die Romane:

"Mademoiselle Guignon" (1874), "Le mariage de Gérard", "Une

Ondine" (1875), "La fortune d'Angèle" (1876), "Raymonde"

(1877); ferner: "Le filleul d'un Marquis" (1878), "Le fils Maugars"

(1879), "Le sang des Finoël" (1879), "Tante Aurélie",

"Mariage de Gérard" (1884), der Novellenband "L'amoureux de

la préfète" (1888), "Deux soeurs", Roman (1889), u.

a. Die französische Akademie erkannte T. auch als

Romanschriftsteller 1878 einen ihrer ersten Preise zu. Als solcher

zeichnet er sich ebenfalls durch einen tiefen Sinn für die

Natur und ein seltenes, an George Sand erinnerndes Talent aus,

landschaftliche Stimmungsbilder zu entwerfen, und entschädigt

dadurch für eine manchmal etwas lockere Erzählung oder

ungenügende Charakterzeichnung. T. ist seit geraumer Zeit eine

der Stützen der "Revue des Deux Mondes".

Theux de Meylandt (spr. thö), Barthélemy

Theodore, Graf de, belg. Staatsmann, geb. 25. Febr. 1794 auf

Schabroek im Limburgischen, studierte zu Lüttich die Rechte,

ward Advokat daselbst, im November 1830 Mitglied des Kongresses,

1831 Mitglied der Deputiertenkammer und im Dezember d. J. Minister

des Innern. Nachdem er 1832 mit seinen Kollegen

zurückgetreten, ward er im August 1834 mit der Bildung eines

neuen klerikalen Ministeriums beauftragt, worin er nebst der

Präsidentschaft das Portefeuille des Innern und später

das des Auswärtigen übernahm. Nach dem Sturz dieser

Verwaltung 1840 ward T. in den Grafenstand erhoben und war noch

eine Zeitlang als Minister ohne Portefeuille thätig. 1846 trat

er abermals an die Spitze eines klerikalen Kabinetts, mußte

aber schon 13. Aug. 1847 infolge des Siegs der liberalen Linken bei

den Wahlen zurücktreten und war bis 1870 eins der Häupter

der klerikalen Partei in der Kammer. Ende 1871 wurde er in einem

neuen klerikalen Ministerium Präsident und Minister ohne

Portefeuille. Er starb 21. Aug. 1874 auf seinem Gut Meylandt bei

Hasselt.

Thiaki, jetziger Name von Ithaka.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 188 / 302 段