Zu den ältesten Bildungen der T. gehören die untersten

Schichten des Paris-Londoner Beckens, welches schon während

der Eocänperiode einer wiederholten Aussüßung

unterlag, was sich in dem Wechsel der Versteinerungen deutlich

ausspricht. Oft genannt werden die Pariser Grobkalke (Calcaire

grossier), reich an Tierresten, von denen die Tafel I Korallen

(Turbinolia sulcata), Fischzähne (Carcharodon heterodon),

Schnecken (Cerithium hexagonum) und Zweischaler (Crassatella

ponderosa) darstellt. Etwas älter ist der Londonthon (London

clay), welchem die abgebildete Kauplatte eines Rochens (Myliobatus

punctatus, s. Tafel I) entstammt, noch älter die Tanetthone

und -Sande, jünger die plastischen Thone von Barton und

Bembridge, aus denen als Repräsentanten von

Süßwasserschnecken Lymnaeus pyramidalis und Planorbis

discus abgebildet sind (s. Tafel I). Die jüngern Schichten des

Beckens fallen dem Oligocän zu, so namentlich die Gipse des

Montmartre (Paläotherienschichten), an dessen reiche Reste

(Palaeotherium, Anoplotherium commune, s. Tafel II) sich die

berühmten Untersuchungen Cuviers anknüpften, sowie der

Sandstein von Fontainebleau. An der Grenze zwischen Oligocän

und Miocän stehen die Süßwasserkalke von La Beauce,

und ungefähr gleichalterig sind die Indusienkalke der

Auvergne, mit Phryganeenhülsen (Indusien), die aus kleinen

zusammengekitteten Konchylien bestehen, durchspickte

602

Tertiärformation (die wichtigsten

Tertiärablagerungen).

Kalke. Noch jünger sind die Faluns der Touraine und der

Bretagne, muschelreiche Sande und Mergel, aus denen Tafel I einen

Seestern (Scutella striata) abbildet. In England sind

außerdem pliocäne Schichten vertreten, der sogen. Crag,

der sich in mehrere Etagen gliedern läßt. Eine rein

marine Facies des Untertertiärs ist die Nummulitenformation.

Wenn auch für diese die früher vorausgesetzte

Gleichartigkeit nicht besteht, die betreffenden Gesteine vielmehr

verschiedenen Altersstufen untergeordnet werden müssen, so

sind doch die Altersunterschiede dieser aus Kalksteinen,

Sandsteinen und Schiefern bestehenden überaus mächtigen

Ablagerungen gering: es entsprechen die ältesten etwa dem

Pariser Grobkalk, die jüngsten der untern Abteilung des

Öligocäns. Kalksteine und Sandsteine sind mitunter

überreich an großen Foraminiferen (Nummuliten, s. Tafel

I u. beistehende Textfigur);

[siehe Graphik]

Nummulitenkalk.

die Schiefer (Flysch, s. übrigens auch Kreideformation)

führen Fucus-Arten. Wesentlich unterscheidet sich die Bildung

von dem in abgeschlossenen Becken auftretenden Tertiär durch

die an ältere Formationen erinnernde Mannhaftigkeit der

Entwickelung nach vertikaler Mächtigkeit und horizontaler

Erstreckung. In den Ländern am Mittelmeer beginnend,

beteiligen sich Nummulitengesteine an der Zusammensetzung der

Pyrenäen, Alpen, Apenninen und Karpathen, durchziehen

Kleinasien, sind im Himalaja vertreten und von den Sundainseln,

China und Japan bekannt. In verschiedenen Niveaus führen sie

fischreiche Schichten, so in einem tiefern, am Monte Bolca in

Norditalien (s. Rhombus minimus, Tafel I), mit denen auch die

Basalttuffe von Ronca fast gleichalterig sind, in einem höhern

ein schwarzes, den alten Thonschiefer vollkommen gleichendes

Gestein, den Fischschiefer von Glarus (Glarner Schiefer), in noch

höherm Niveau (Ungarn) solche mit Meletta crenata. In mehreren

der genannten Gebirge, den Pyrenäen, Alpen und dem Himalaja,

steigen die Nummulitengesteine bis zu sehr bedeutenden

Meereshöhen (im Himalaja bis über 5000 m) hinauf, ein

Beweis, daß die Hebung dieser Gebirge erst in einer

spätern Periode als in der des Alttertiärs erfolgt sein

muß. Daß die mit den Sammelnamen "Wiener Sandstein" (in

den Südalpen Macigno) und "Karpathensandstein" bezeichneten

Schichten ebenso wie der Flysch nur teilweise hierher gehören,

teilweise aber zur Kreideformation, wurde dort erwähnt. An

einzelnen Stellen, namentlich in Bayern, werden die

Nummulitengesteine glaukonitisch und eisenführend, so

daß sie als Eisenerze gefördert werden (Sonthofen,

Kressenberg); an andern Orten in den Alpen (Häring, Reit im

Winkel) finden sich kohleführende Schichten. Ungefähr

gleichalterig, teils oligocän, teils miocän, sind die

besonders für Württemberg und die Schweiz wichtigen

Bohnerze, welche kleine Becken oder Ausfüllungen von

schlotähnlichen Vertiefungen in Jurakalken bilden, denen sie

wegen dieser lokalen Verknüpfung lange beigezählt wurden,

während ihre Reste (Säugetierknochen und Zähne) sie

der T. zuweisen. Molasse ist kein streng geologischer Begriff,

sondern eher ein petrographischer und bezeichnet meist feinere,

lockere Sandsteine, besonders typisch in der Schweiz, aber auch in

Oberschwaben entwickelt. Die Annahme einer Molassenformation hat

nach genauern paläontologischen Untersuchungen weichen

müssen; es gehören diese Bildungen verschiedenen Stufen

des obern Oligocäns und des Miocäns an und bergen teils

meerische, teils Süßwasserformen. Aus der Meeresmolasse

bildet die Tafel I den Haifischzahn, Notidanus primigenius, ab. Der

obern Süßwassermolasse, dem mittlern Miocän, werden

auch die Kalke von Öningen in Oberbaden zugerechnet, welche

einen ganz außerordentlichen Reichtum an pflanzlichen und

tierischen Formen enthalten, unter den letztern jenen

Riesensalamander (Andrias Scheuchzeri, s. Tafel II), den Scheuchzer

1732 als Homo diluvii testis beschrieb. Auch Nagelfluh ist ein

petrographischer Begriff: die mit diesem Namen belegten polygenen

Konglomerate gehören teils zum obern Oligocän, teils zum

Miocän. Die Schichten, welche im W. Deutschlands das Mainzer

Becken auf beiden Seiten des Rheins, mainaufwärts bis

Aschaffenburg, nördlich zwischen Taunus und Vogelsberg bis

gegen Gießen, bilden, sind teils Oligocän, teils

Miocän. Zu ersterm zählen unter anderm die Meeressande,

unter deren Resten namentlich die einer Seekuh (Halianassa)

bemerkenswert sind, die Septarien- oder Rupelthone, die

Landschneckenkalke, die Cerithienschichten und Cyrenenmergel. Dem

Miocän werden Kalke, oft ganz erfüllt mit einer kleinen

Schnecke (Litorinella), und Sandsteine mit Pflanzenabdrücken,

sogen. Blättersandsteine (z. B. von Münzenberg in

Hessen), beigerechnet und als jüngste Etage die Eppelsheimer

Sande (Dinotheriensande), welche viele Säugetierreste, unter

ihnen Rhinoceros (s. Tafel II) und Dinotherium (s. Tafel II),

enthalten. Von dem großen Wiener Becken sind höchstens

die ältesten Schichten dem Oligocän beizuzählen; das

Gros der Bildung gehört dem Miocän, bis zu der

jüngsten Stufe hinauf, an. Lokale Benennungen sind, von unten

nach oben geordnet: der Leithakalk (Nulliporenkalk), ein fast nur

aus Versteinerungen bestehender Kalk, der Tegel, ein kalkhaltiger

Thon, beide wohl parallele Facies einer und derselben

Bildungsperiode, Cerithienschichten, Kongerienschichten, oberer

Tegel, Belvedereschichten. Gleichalterig sind die wichtigen

Steinsalzablagerungen in Galizien (Wieliczka, Bochnia) und in

Siebenbürgen (Kalusz), von denen Wieliczka jährlich gegen

1½ Mill. Ztr. Steinsalz liefert. In Norddeutschland sind

zahlreiche Tertiärbildungen bekannt, durch Bedeckung seitens

jüngerer Schichten in eine große Anzahl kleiner Becken

geteilt und meist dem Oligocän angehörig. Als technisch

wichtiges Produkt führen diese Schichten Braunkohlen, unter

denen die der Rhön, der Wetterau und des Niederrheins

jünger als die Ostdeutschlands und als die Bernstein

führenden Schichten des Samlandes sind. Zwischen diesen

kohleführenden Schichten sind marine Niveaus entwickelt, wie

die Sande von Egeln, die Sande der Kasseler Gegend, die Kiese von

Meck-

603

Tertiärformation (Pflanzen- u. Tierformen, vulkanische

Thätigkeit der Tertiärzeit).

lenburg mit den Sternberger Kuchen (versteinerungsreiche

Konkretionen). Italien besitzt außer den oben erwähnten

alttertiären Gesteinen auch weit jüngere, die als

Subapenninenformation zusammengefaßt werden. Sie sind bis zu

mehreren Hunderten von Metern mächtig und reich an Arten,

welche fast ausnahmslos mit noch lebenden mittelmeerischen oder

tropischen identisch sind. Tafel I gibt einen Taschenkrebs (Cancer

macrocheilus) aus diesen Schichten. Auch jenseit des Ozeans, in

Nordamerika, sind zahlreiche Tertiärbildungen bekannt, welche

reiche Funde, namentlich an höhern Tieren, geliefert haben. In

Grönland treten Braunkohlen auf, welche einen

Rückschluß auf das damals herrschende Klima gestatten.

Die Kalktuff- und Lehmschichten aber, welche in riesigen

Ablagerungen die Pampas am La Plata-Strom in Südamerika

bilden, und von deren Riesenformen Tafel II einige Abbildungen

(Glyptodon, Megatherium, Mylodon) gibt, werden jetzt nicht mehr wie

früher dem Jungtertiär, sondern dem Diluvium (s. d.)

zugerechnet.

Unter den Pflanzenformen, zunächst des Alttertiärs,

spielen besonders die Koniferen (Taxites, Taxoxylon,

Cupressinoxylon, Sequoia) eine hervorragende Rolle als

kohlebildende Pflanzen, von denen auch der Bernstein geliefert

wurde, der sich aber meist fern von den erzeugenden Pinus-Arten auf

sekundärer Lagerstätte in glaukonitischen Sanden

vorfindet. Die Thone, Sandsteine und Schiefer führen Reste von

Chondrites-Arten (in meerischen Schichten), Palmen, Pandanen,

Seerosen, Feigen, immergrünen Eichen, Lorbeer,

Sandelbäumen, Myrten und Proteaceen, während die

Sagobäume ganz zurücktreten. Die sämtlichen Pflanzen

des Alttertiärs tragen einen tropischen Charakter an sich, wie

denn auch die Land- und Süßwasserkonchylien ihre

nächsten Verwandten unter den heutigen Arten von Ostasien,

Polynesien und Indien haben. Auch nach den Pflanzenformen des

Neogens, unter welchen 119 Arten Monokotyledonen und gegen 500

Arten Dikotyledonen gezählt werden, berechnet O. Heer für

die verschiedenen Fundorte eine gegen 9° C. höhere

Mitteltemperatur während der Neogenzeit, als heute an

denselben Orten herrscht. Er nimmt an:

Mitteltemperatur zur

frühern Miocänzeit spätern Miocänzeit

in Oberitalien .... 22° 20°

in der Schweiz .... 20½° 18½°

bei Danzig .... 16° -

in Schlesien .... - 15°

in Nordisland .... 9° -

Unter den Tierformen der T. sind die Molluskenordnungen schon

ganz in dem für die Jetztwelt bestehenden Verhältnis

vertreten. Zweischaler und Schnecken überwiegen; Brachiopoden

und namentlich Cephalopoden, noch in der Kreide in

großartigem Formenreichtum entwickelt, treten vollkommen

zurück. Gleiches Schicksal teilen die Krinoideen, die

Meeressaurier und Flugsaurier. Weitaus das meiste Interesse unter

den tertiären Tierformen erregen die Säugetiere, teils

weil sie im Gegensatz zu der in ältern Formationen allein

vertretenen Ordnung der Beuteltiere viel mannigfaltigere Typen

aufweisen, teils weil sie gewisse in der heutigen Schöpfung

nur lückenhaft entwickelte Ordnungen ergänzen. Schon im

Alttertiär treten Wale auf, so das aus Alabama stammende, 15 m

lange Zeuglodon (Tafel II), besonders aber Mischlingstypen zwischen

den Wiederkäuern und Dickhäutern, wie Palaeotherium und

Anoplotherium (Tafel II). Daneben kommen vereinzelt

Fledermäuse, Raubtiere, Nager, Insektenfresser und Affen vor,

während Funde in Nordamerika die abenteuerlichen Gestalten des

Loxolophodon und Dinoceras geliefert haben, sechsfach gehörnte

Tierkolosse, welche gewisse Merkmale des Tapirs, des Rhinozeros und

des Elefanten in sich vereinigen. Für das Neogen sind vor

allen die Mastodonten (Tafel II), Elefanten mit vier

Stoßzähnen und eigentümlichen, nicht

blätterig, sondern zitzenförmig gebauten Zähnen,

charakteristisch, daneben Dinotherium (Tafel II), ein riesiges

Rüsseltier mit abwärts laufenden Stoßzähnen,

in der übrigen Bezahnung an den Tapir erinnernd. Ferner treten

gehörnte und ungehörnte Rhinozerosarten, Giraffen,

Antilopen, Hunde, Raubtiere sowie einige Affen auf, von denen

Dryopithecus (Tafel II) ein besonderes Interesse erregt, weil seine

Bezahnung der des Menschen so nahe steht, daß einzelne

aufgefundene Zähne lange Zeit für menschliche gehalten

wurden. Endlich birgt das Jungtertiär in Anchitherium und

Hipparion Stammformen unsers Pferdes.

Die Produkte der vulkanischen Thätigkeit während der

Tertiärperiode sind Basalte, Andesite, Trachyte und

Phonolithe, meist mit Laven historischen Ursprungs petrographisch

vollkommen übereinstimmend. Ihre als Tuffe ausgebreiteten

Zertrümmerungsprodukte sind durch Wechsellagerung mannigfaltig

mit rein sedimentärem Material verknüpft und führen

oft als einen greifbaren Beweis gleichzeitiger Bildung

tertiäre Petrefakten. Im schroffen Gegensatz zu der Seltenheit

vulkanischen Materials, welches gleichaltrig mit Kreide-, Jura- und

Triasgesteinen ist, sind die Eruptivgesteine tertiären Alters

äußerst zahlreich. In Deutschland gehören hierher

die isolierten Basalt- und Phonolithkuppen des Hegaues, die Basalte

der Alb, die Tuffe und Bomben im Ries, die vulkanischen Gesteine

des Kaiserstuhlgebirges, die Umgebungen des Laacher Sees, die der

Eifel, des Siebengebirges, Westerwaldes, Vogelgebirges,

Habichtwaldes und Meißners, der Rhön, die isolierten

Partien im Thüringer Wald, Fichtelgebirge, Erzgebirge und

Riesengebirge. Gleichalterig sind ferner die nordböhmischen,

ungarischen und siebenbürgischen Territorien vulkanischen

Materials. Hierzu gesellen sich weiter die Gebiete in

Zentralfrankreich, in Norditalien, in Schottland, Irland, auf den

Shetlandinseln, den Färöern und Island. Auch im

Süden Europas begann die heute noch andauernde vulkanische

Thätigkeit schon während der Tertiärzeit. Gleich

zahlreiche Belege für die großartige Entwickelung der

Vulkane in der T. wären auch aus außereuropäischen

Ländern beizubringen.

Vgl. Beyrich, Über den Zusammenhang der norddeutschen

Tertiärbildungen (Berl. 1856); v. Ettingshausen, Die

Tertiärflora der österreichischen Monarchie (Wien 1851);

die Schriften von Heer: "Flora tertiaria Helvetiae" (Zürich

1854-58), "Urwelt der Schweiz" (2. Aufl., das. 1878), "Über

das Klima und die Vegetationsverhältnisse des

Tertiärlands" (Winterthur 1860) und "Flora fossilis arctica"

(Zürich u. Winterthur 1868-75, 3 Bde.); Hörnes u.

Reuß, Die fossilen Mollusken des Tertiärbeckens von Wien

(Wien 1851-71, 2 Bde.); v. Könen, Über die

Parallelisierung des norddeutschen, englischen und

französischen Oligocäns (Berl. 1876); Sandberger,

Untersuchungen über das Mainzer Tertiärbecken (Wiesbad.

1853); Derselbe, Die Konchylien des Mainzer Tertiärbeckens

(das. 1863); Lepsius, Das Mainzer Becken (Darmst. 1883);

Sueß, Der Boden der Stadt Wien (Wien 1862); Fuchs,

Erläuterungen zur geologischen Karte der Umgebung Wiens (das.

1873); Derselbe, Übersicht der jüngern Ter-

604

Tertiarier - Terz.

tiärbildungen des Wiener Beckens etc. (Berl. 1877); Karrer,

Geologie der Franz Joseph-Hochquellenwasserleitung (Wien 1877).

Tertiarier und Tertiarierinnen (lat. Tertius ordo de

poenitentia), Laien, die an dem Verdienst eines Ordens Anteil

haben, aber in der Welt bleiben. Dergleichen Orden (Bußorden,

dritte Orden) führen sich zurück auf den heil.

Franziskus, welcher, als 1221 ganze Scharen von Männern und

Frauen Aufnahme in Klöster verlangten, einen Orden von

Halbmönchen und Halbnonnen schuf und demselben eine Regel in

20 Kapiteln gab, nach welcher sie durch Vermeidung von

leichtsinnigen Eiden, Zänkerei, des Besuchs von Schauspielen,

üppigen Lebens etc. den Klosterleuten im Leben ähnlich

werden könnten, ohne ihre Verbindungen mit der Welt zu

verlassen. Ihre Kleidung war meist ein aschgrauer Rock, mit einem

Strick umgürtet, die der Schwestern ein weißer Schleier.

Selbst Kaiser Karl IV. und König Ludwig IX. von Frankreich

sowie viele andre fürstliche Personen gehörten dem Orden

an. Zu Ende des 13. Jahrh. legten eine Anzahl von Tertiariern die

Ordensgelübde ab und wurden Religiosen, wodurch die

regulierten T. (regulierter Bußorden) entstanden. Dieselben

teilten sich mit der Zeit in eine Menge von Korporationen. Auch

verschiedene Orden der regulierten Klosterfrauen vom Bußorden

tauchten auf, in Deutschland Elisabetherinnen genannt. Von ihnen zu

unterscheiden sind die Hospitalbrüder und Hospitalschwestern

vom dritten Orden des heil. Franziskus.

Tertiärsystem, s. v. w. Tertiärformation.

Tertiawechsel, s. Wechsel.

Tertie (lat.), der jetzt nur noch selten

gebräuchliche 60. Teil einer Sekunde bei der Winkel- und

Zeiteinteilung, im ersten Fall durch drei der Zahl oben beigesetzte

Striche bezeichnet, z. B. 4° 9' 25'' 10''' = 4 Grad 9 Minuten

25 Sekunden 10 Tertien.

Tertiogenitur (lat.), Abfindung, welche dem Drittgebornen

oder dessen Linie nach der Bestimmung mancher fürstlichen

Hausgesetze gewährt wird, meist ein Vermögenskomplex,

früher auch zuweilen eine Entschädigung an Land und

Leuten, wie dies z. B. in dem habsburgischen Haus der Fall gewesen

ist, dessen Primogenitur die österreichische Monarchie,

während die Sekundogenitur Toscana, die T. Modena war.

Tertium comparationis (lat., "das Dritte der

Vergleichung"), der Vergleichungspunkt, das, worin zwei verglichene

Dinge übereinstimmen.

Tertium non datur (lat., "ein Drittes gibt es nicht"),

Formel zur Bezeichnung, daß zwei Urteile einander

kontradiktorisch entgegenstehen, ein dritter Fall also außer

den beiden angegebenen nicht möglich ist.

Tertius gaudet (lat.), "der Dritte freut sich"

(nämlich wenn zwei sich streiten); vollständiger: Duobus

litigantibus tertius gaudet.

Tertulia (span.), gesellige Zusammenkunft, besonders

Abendgesellschaft, in welcher man sich durch Konversation,

Gesellschaftsspiele, bisweilen wohl auch mit Tanzen

unterhält.

Tertullianus, Quintus Septimius Florens, lat.

Kirchenvater, geboren um 160 zu Karthago, war daselbst als

Rechtsgelehrter und Rhetor thätig und trat erst um 185 zum

Christentum über. Er war ein Mann von strenger Denkungsart,

heftigem Charakter und reicher, oft wilder Phantasie und ward durch

seine ganze Gemütsrichtung der Richtung der Montanisten (s.

d.) zugeführt. Er starb um 230. Seine Schriften,

apologetischen ("Apologeticum, Ad gentes" u. a.), moralischen und

disziplinarischen Inhalts, reich an Gedanken, aber vielfach dunkel

und in dem rauhen afrikanischen Stil abgefaßt, wurden

neuerdings von Leopold (Leipz. 1839-41, 4 Bde.) und Öhler

(das. 1853, 3 Bde.) herausgegeben und von Kellner (Köln 1882,

2 Bde.) übersetzt. Vgl. Böhringer, Tertullianus (Stuttg.

1873); Hauck, Tertullians Leben und Schriften (Erlang. 1877);

Bonwetsch, Die Schriften Tertullians nach der Zeit ihrer Abfassung

untersucht (Bonn 1878); Ludwig, Tertullians Ethik (Leipz.

1885).

Teruel, span. Provinz, den südlichen Teil der

Landschaft Aragonien umfassend, grenzt im N. an die Provinz

Saragossa, im O. an Tarragona und Castellon, im S. an Valencia und

Cuenca, im W. an Guadalajara und hat einen Flächenraum von

14,818 qkm (269,1 QM.). Das Land ist meist gebirgig und wird von

zahlreichen zum iberischen Gebirgssystem gehörigen

Berggruppen, wie Sierra de Cucalon, Sierra de San Just (1513 m),

Sierra de Gudar (1770 m), Sierra de Albarracin (mit Cerro San

Felipe, 1800 m, und Muela de San Juan, 1610 m), Sierra de

Javalambre (2002 m), durchzogen. Die Flußthäler bilden

fruchtbare Ebenen, der Nordosten gehört dagegen zur iberischen

Steppe. Die Gewässer der Provinz fließen zum

größern Teil dem Ebro zu, darunter Jiloca

(Nebenfluß des Jalon), Martin, Guadalope. Außerdem

entspringen hier der Tajo und die Küstenflüsse

Guadalaviar mit Alfambra und der Mijares. Die Bevölkerung ist

spärlich, (1878) 242,165 Seelen (nur 16 pro QKilometer, 1886

auf 250,000 Seelen geschätzt). Der Boden ist wenig kultiviert

und großenteils Weideland, liefert aber immerhin viel

Getreide, dann Öl, Hanf, Flachs, etwas Obst und Wein.

Abgesehen vom Westen, wo sich Wald vorfindet, ist das Land baumarm.

Andre Produkte sind: Seide, Wolle (als Ergebnis der stark

betriebenen Schafzucht), dann, als Ertrag des bis jetzt sehr

schwach betriebenen Bergbaues: Braunkohlen, Blei- und Eisenerz,

Schwefel und Salz. Auch Mineralquellen sind vorhanden. Industrie,

Handel und Verkehr sind unbedeutend. Die Provinz umfaßt zehn

Gerichtsbezirke (darunter Albarracin, Alcañiz, Hijar und

Montalban). - Die gleichnamige Hauptstadt, auf steilem Hügel

am Guadalaviar gelegen, altertümlich und wirr gebaut, hat 7

Kirchen (darunter die schöne gotische Kathedrale), einen im

17. Jahrh. erbauten, aus zwei übereinander stehenden

Bogenreihen bestehenden Aquädukt (Los Arcos), ein

Priesterseminar, Speditionshandel und (1886) 8861 Einw. Es ist Sitz

des Gouverneurs und eines Bischofs. T. hieß im Altertum

Turdeto und ist keltiberischen Ursprungs.

Ter-Vere, Stadt, s. Vere.

Tervueren (spr -vuh-er'n), Marktflecken in der belg.

Provinz. Brabant, Arrondissement Löwen, an der Eisenbahn

Brüssel- T., mit (1888) 2674 Einw., war früher

Sommerresidenz der Herzöge von Brabant, hat ein schönes,

dem König zur Verfügung gestelltes Schloß mit Park,

welches unter der holländischen Regierung dem Prinzen von

Oranien gehörte und seit 1867 zeitweilig von der Kaiserin

Charlotte, Witwe des Kaisers Maximilian von Mexiko (Schwester des

Königs der Belgier), bewohnt wurde.

Terz (lat. Tertia), in der Musik die dritte Stufe in

diatonischer Folge. Dieselbe kann sein: groß (a), klein (b),

vermindert (c) oder übermäßig (d). [Siehe Graphik]

Von hervorragender Bedeutung für das elementare Studium der

Harmonielehre ist die große T., denn sie ist wie die Quinte

(s. d.) eins der den Dur- und Mollakkord konstituierenden

Grundinter-

605

Terzerol - Tessin.

valle. Wie schon Zarlino, Tartini und in neuerer Zeit besonders

M. Hauptmann betonten, hat der Mollakkord nicht eine kleine T.

(diese hat er nur im Generalbaß), sondern wie der Durakkord

eine große T., aber von oben, da der ganze Mollakkord von

oben herunter zu denken ist: e

c

a.

T. ist auch Name einer Hilfsstimme in der Orgel. Auch einer der

Grundhiebe der Fechtkunst (s. d.) heißt T.

Terzerol (ital.), kleine Pistole (s. d.), Taschenpistole

mit Perkussionsschloß.

Terzeronen (span.), s. Farbige.

Terzett (ital.), ein Tonstück für drei

konzertierende Stimmen, insbesondere Singstimmen, während ein

solches für Instrumente Trio genannt wird.

Terzine (ital.), ursprünglich ital. Strophe, aus

drei Versen von fünf- oder sechsfüßigen Jamben

bestehend, mit gekreuzten Reimen, so daß stets der erste und

dritte Vers jeder folgenden Strophe mit dem zweiten der

vorhergehenden reimen, während der letzte Vers des Gedichtes

als überschüssiger Vers mit dem zweiten Vers der letzten

Strophe reimt und so einen metrischen Abschluß

herbeiführt (Schema: aba, bcb, cdc, dec[?], efe etc.).

Angeblich von Dante erfunden, dessen "Divina Commedia" in dieser

Strophenform abgefaßt ist, wurde die T. seit Ende des 18.

Jahrh. auch von deutschen Dichtern, z. B. von A. W. Schlegel,

Rückert, Chamisso, Heyse u. a., mit Meisterschaft behandelt.

Vgl. Schuchardt, Ritornell und T. (Halle 1875).

Terzka (Terzky, eigentlich Treka), Adam Erdmann, Graf,

kaiserl. General, ein böhmischer Edelmann, diente im Heer

Wallensteins, dessen Schwager er durch die Heirat mit der

Gräfin Maximiliane Harrach (also nicht der Schwester

Wallensteins wie in Schillers "Wallenstein") war, genoß als

unbedingt ergebener Anhänger Wallensteins dessen Vertrauen und

zeichnete sich mit seinem Regiment in der Schlacht bei Lützen

aus. Er und Ilow beredeten hauptsächlich im Januar 1634 die

Wallensteinschen Obersten zum Revers von Pilsen und zu der zweiten

Verbriefung ihrer Treue den 20. Febr. Er ward deshalb von dem

kaiserlichen Pardon ausgenommen und 25. Febr. 1634 in Eger, wohin

er Wallenstein begleitet hatte, nebst Ilow und Kinsky beim

Abendessen nach verzweifeltem Widerstand ermordet.

Terzquartakkord (Terzquartsextakkord), Umkehrung des

Septimenakkords mit in den Baß gelegter Quinte (ghdf:dfgh).

Vgl. Septimenakkord.

Terztöne, s. Quinttöne.

Tesanj (spr. -schanj), Bezirksstadt in Bosnien, Kreis

Banjaluka, liegt malerisch in einer Schlucht an beiden Ufern der

Raduska, hat 5 Moscheen, auf steilem Kegel eine Ruine der

ehemaligen Residenz der Bane der Landschaft Usora, deren Hauptstadt

T. war, (1885) 5807 Einw. (meist Mohammedaner), lebhaften Obst- und

Getreidehandel und ein Bezirksgericht.

Meyers Konversationslexikon Band 15 · 第 175 / 302 段