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Karl Eichwalder Oktober 2003
S.
Das im laufenden Alphabet nicht Verzeichnete ist im Register des
Schlußbandes aufzusuchen.
Sodbrennen (Magenbrennen, Pyrosis), Symptom des
chronischen Magenkatarrhs, besteht in einem brennenden Gefühl
im Schlund und Rachen; es beruht darauf, daß die sauren und
scharfen Flüssigkeiten und Gase, welche sich infolge des
chronischen Magenkatarrhs und der dabei stattfindenden abnormen
Verdauungsvorgänge im Magen bilden, durch Aufstoßen in
den Schlund, ja selbst bis in den Mund gelangen und auf die
Schleimhaut dieser Teile einen scharfen Reiz ausüben. Das S.
verschwindet mit dem Magenkatarrh. Zur augenblicklichen Milderung
eignet sich am meisten doppeltkohlensaures Natron, welches die
überschüssige Säure neutralisiert.
Soddoma (eigentlich Giovannantonio Bazzi), ital. Maler,
geb. 1477 zu Vercelli in Savoyen, bildete sich seit 1498 nach
Leonardo da Vinci in Mailand und kam 1501 nach Siena, wo er
verschiedene Fresken und Tafelbilder ausführte; 1505 malte er
einen großen Freskencyklus aus dem Leben des heil. Benedikt
für das Kloster Montoliveto und um dieselbe Zeit die
Kreuzabnahme, jetzt im Museum von Siena. 1507-1509 war er in Rom,
wo er im Vatikan malte; dann ging er wieder nach Siena, kehrte aber
1514 nach Rom zurück, wo er in der Villa Farnesina seine
berühmtesten Fresken malte, Alexander vor der Familie des
Dareios und seine Vermählung mit Roxane, ein Bild, das durch
Liebenswürdigkeit der Erfindung und Zartheit des Ausdrucks
bezaubert. Damals erhob ihn Leo X. für ein Bild der
Römerin Lucrezia in den Ritterstand. Im J. 1515 kam er nach
Siena zurück, wo er 1518 vier Fresken aus der Geschichte der
Maria im Oratorium von San Bernardino malte. Zwischen 1518 und 1525
scheint er sich in Oberitalien aufgehalten zu haben, wo er mehr von
der lombardischen Schule beeinflußt wurde. Von 1525 bis 1537
war er wieder in Siena ansässig, wo er seit 1525 die Fresken
aus dem Leben der heil. Katharina in der Kapelle der Heiligen in
der Kirche San Domenico, ein durch Tiefe und Wahrheit der
Empfindung ausgezeichnetes Hauptwerk des Künstlers, und
später mehrere Heiligengestalten, die Auferstehung Christi u.
a. im Stadthaus malte. Im J. 1542 war er zu Pisa thätig. Er
starb 15. Febr. 1549 in Siena. B. war ein Lebemann, dessen
exzentrisches Wesen (daher der Name S.) ihn nicht zu einem
sorgsamen Naturstudium und zu einer fleißigen
Durchführung seiner Bilder kommen ließ. Von seinen
Tafelbildern sind noch die heilige Familie mit Calixtus (im
Stadthaus zu Siena), die Anbetung der Könige (in Sant'
Agostino daselbst) sowie eine Prozessionsfahne mit der Madonna und
dem heil. Sebastian (in den Uffizien zu Florenz) hervorzuheben.
Vgl. Jansen, Leben und Werke des Malers G. Bazzi (Stuttg.
1870).
Soden, 1) Dorf und Badeort im preuß.
Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Höchst, am Fuß des
Taunus und an der Linie Höchst-S. der Preußischen
Staatsbahn, 142 m ü. M., hat schöne Parkanlagen, einen
Kursaal, ein Badehaus, eine neue Trinkhalle und (1885) 1517 meist
evang. Einwohner. Die dortigen Heilquellen, 24 an der Zahl, sind
eisenhaltige Säuerlinge von 11-29,5° C. und werden
namentlich gegen chronisch-entzündliche Krankheiten der
Respirationsorgane, Skrofulose etc., die stärkern gegen
chronische Magenkatarrhe, Dyspepsie, Hämorrhoiden,
Menstruationsstörungen, Rheumatismus, Gicht etc. angewandt.
Besonders wichtig für Badezwecke ist der Solsprudel, dessen
stark gashaltiges Kochsalzwasser (1,5 Proz.) eine natürliche
Wärme von 31° C. besitzt. Die Zahl der Kurgäste
betrug 1885: 2132. S. war früher unmittelbares Reichsdorf.
Vgl. Thilenius, S. am Taunus, mit vergleichender Rücksicht auf
Ems, Kissingen etc. (2. Aufl., Frankf. 1874); Köhler, S. am
Taunus (2. Aufl., das. 1873); Haupt, S. am Taunus (2. Aufl.,
Würzb. 1883). -
2) Stadt im preuß. Regierungsbezirk Kassel, Kreis
Schlüchtern, zwischen Salza und Kinzig, 1 km von Station
Salmünster der Linie Hanau-Bebra-Göttingen der
Preußischen Staatsbahn, hat eine kath. Kirche, ein
Schloß, eine Sägemühle und
Parkettfußbodenfabrik, Schuhmacherei und (1885) 883 fast nur
kath. Einwohner. Die dortigen vier jod- und bromhaltigen Solquellen
von 12,5-13° C. werden vorzugsweise bei Skrofulose,
Unterleibsstockungen, chronischen
Gebärmutterentzündungen, alten Exsudaten etc. benutzt.
1885 ward dort auch ein an Kohlensäure reicher Säuerling
entdeckt und gefaßt. Dabei auf einer Anhöhe die
malerisch gelegenen Ruinen der Burg Stolzenberg. -
3) (Sooden) Flecken im preuß. Regierungsbezirk Kassel,
Kreis Witzenhausen, an der Werra und der Linie
Frankfurt-Bebra-Göttingen der Preußischen Staatsbahn,
der Stadt Allendorf (s. d.) gegenüber, hat eine evang. Kirche,
ein Salzwerk (schon 973 genannt) mit
Meyers Konv.-Lexikon, 4. Aufl., XV. Bd.
1
2
Soden - Sofala.
Solbad, eine Kinderheilanstalt und (1885) 758 evang. Einw. Vgl.
Sippell, S. an der Werra (Soden 1886).
Soden, Friedrich Julius Heinrich, Graf von,
Schriftsteller, geb. 4. Dez. 1754 zu Ansbach aus freiherrlichem
Geschlecht, wurde fürstlich branden-burgischer Regierungsrat,
später Geheimrat und preußischer Gesandter beim
fränkischen Kreis zu Nürnberg und 1790 in den
Reichsgrafenstand erhoben. Seit 1796 privatisierend, lebte er auf
seinem Gut Sassenfahrt am Main, führte 1804-10 die Leitung des
Bamberg-Würzburger Theaters, zog dann nach Erlangen und starb
13. Juli 1831 in Nürnberg. Als Schriftsteller hat er sich
durch Erzählungen (z. B. "Franz von Sickingen", 1808) und eine
beträchtliche Reihe dramatischer Arbeiten bekannt gemacht, von
welch letztern "Inez de Castro" (1784), "Anna Boley" (1794),
"Doktor Faust, ein Volksschauspiel" (1797), und "Virginia" (1805)
erwähnt seien. S. war auch als Übersetzer (Lope de Vega,
Cervantes) sowie als staatswissenschaftlicher Schriftsteller
thätig.
Söderhamn, Stadt im schwed. Län Gefleborg,
unweit des Bottnischen Meerbusens, an der Eisenbahn
Kilafors-Stugsund, hat lebhaften Handel mit Holz und Eisen und
(1885) 9044 Einw. S. ist Sitz eines deutschen Konsuls.
Söderköping, Stadt im schwed. Län
Ostgotland, am Götakanal, der 5 km davon in die Ostseebucht
Slätbaken mündet, einst ein ansehnlicher Ort, jetzt
unbedeutend, mit (1885) nur 1909 Einw.
Södermanland, Län im mittlern Schweden
(Swearike), zwischen der Ostsee im SO. und dem Mälar- und
Hjelmarsee im N., grenzt im Süden an Ostgotland, im W. an
Örebro, im N. an Westmanland, im NO. an das Län
Stockholm, welchem nur der nordöstliche Teil der alten
Landschaft S. zugeteilt ist, und hat ein Areal von 6841,4 qkm
(124,2 QM.). Es ist größtenteils Flachland, reich an
Seen und Wäldern (37 Proz. des Areals) und eine der
fruchtbarsten Provinzen des mittlern Schweden. Die Bewohner, deren
Zahl 1887: 152,296 betrug, treiben Ackerbau (1886 wurden 888,000 hl
Hafer, 435,000 hl Roggen, 116,000 hl Weizen geerntet), Viehzucht
(1884 zählte man 95,797 Stück Rindvieh) und Industrie in
Eisen, Wolle und Baumwolle. Das Län wird von der Westbahn
durchschnitten, an welche sich bei Flen nach Oxelösund und
Kolbäck führende Zweigbahnen und bei Katrineholm die
Ostbahn anschließt. Hauptstadt ist Nyköping.
Södertelge, Landstadt im schwed. Län Stockholm,
an der Bahn Stockholm-Gotenburg, zwischen dem Mälar und dem
kleinen See Maren, durchschnitten von dem Södertelgekanal,
welcher, 1819 eröffnet, von dem Mälar in den Maren und
von diesem in die Ostsee führt, hat ein Pädagogium, 2
mechanische Werkstätten, Zündhölzerfabrik, eine
Kaltwasserheilanstalt, ein Seebad und (1885) 3926 Einw.
Sodium, s. v. w. Natrium.
Sodom, alte Stadt Palästinas, im Thal Siddim, ging
nach mosaischem Bericht (1. Mos. 19, 24 ff.) mit dem benachbarten
Gomorra (s. d.) zu Abrahams Zeiten unter. Der Name hat sich in dem
des Salzbergs Usdum erhalten. Vgl. Totes Meer.
Sodoma, Maler, s. Soddoma.
Sodomie, s. Unzuchtsverbrechen.
Sodor und Man, engl. Bistum, welches jetzt nur die Insel
Man umfaßt, sich früher aber auch auf die Hebriden (die
Sodoreys der Normannen) erstreckte.
Soerabaya (spr. sura-), Stadt, s. Surabaja.
Soest, 1) (spr. sohst) Kreisstadt im preuß.
Regierungsbezirk Arnsberg, in einer fruchtbaren Ebene (Soester
Börde). Knotenpunkt der Linien S.-Nordhausen, Schwelm-S. und
S.-Münster der Preußischen Staatsbahn, 98 m ü. M.,
hat 6 evang. Kirchen (darunter die gotische, 1314 begonnene, 1846
restaurierte Wiesenkirche), einen kath. Dom, ein Gymnasium,
Schullehrerseminar, ein Taubstummen- und ein Blindeninstitut, ein
Rettungshaus, ein Amtsgericht, ein Puddel- und Walzwerk,
Fabrikation von Zucker, Nieten, Seife, Hüten und Zigarren,
Leinweberei, Gerberei, Bierbrauerei, Branntweinbrennerei, eine
Molkerei, Ziegeleien, Getreide- und Viehhandel, besuchte
Märkte, bedeutenden Acker- und Gartenbau und (1885) mit der
Garnison (eine Abteilung Feldartillerie Nr. 22) 14,846 meist evang.
Einwohner. - Im Mittelalter war S. eine der angesehensten und
reichsten Hansestädte mit reichsstädtischen Rechten und
einer Bevölkerung von 25-30,000 Seelen. Ihr Stadtrecht, Schran
(jus Susatense) genannt und zwischen 1144 und 1165 aufgezeichnet,
diente in vielen andern Städten, Lübeck, Hamburg etc.,
als Norm. Die Stadt galt als Hauptstadt des Landes Engern im
Herzogtum Sachsen. Nach Auflösung des letztern 1180
bemächtigte sich der Erzbischof von Köln derselben und
eignete sich das Schultheißenamt an. Dagegen stand den Grafen
von Arnsberg bis 1278 die Vogtei (Blutbann) in S. zu. Unter dem
Erzbischof Dietrich von Köln entzog sich die Stadt wegen zu
harten Drucks der erzbischöflichen Botmäßigkeit
wieder und begab sich 24. Okt. 1441 unter den Schutz Adolfs,
Herzogs von Kleve und Grafen von der Mark, was 1444 zu einer
langwierigen Belagerung der Stadt (Soester Fehde) führte, bei
welcher die dortigen Frauen sich durch Mut auszeichneten. Der
Streit endete infolge päpstlicher Entscheidung damit,
daß S. mit der Börde 1449 unter die Landeshoheit des
neuen Herzogs von Kleve, Johannes, kam. Vgl. Barthold, S., die
Stadt der Engern (Soest 1855); Schmitz, Denkwürdigkeiten aus
Soests Vorzeit (Leipz. 1873); Hansen, Die Soester Fehde (das.
1888); "Chroniken der deutschen Städte", Bd. 21; S. (das.
1889). -
2) (spr. suhst) Dorf in der niederländ. Provinz Utrecht,
Bezirk Amersfoort, am Eem und der Eisenbahn Utrecht-Kampen, mit
(1887) 3776 Einw. Dabei das Lustschloß Soestdyk, vom Prinzen
von Oranien (nachmals König Wilhelm III. von England) 1674
erbaut.
Soeste (spr. sohste), Fluß im Großherzogtum
Oldenburg, entspringt bei Kloppenburg, durchfließt das
Saterland und mündet links in die Leda.
Soeurs converses (franz., spr. ssör kongwérs,
bekehrte Schwestern), s. v. w. Beaten (s. d.).
Soeurs de la charité (franz., spr. ssör d' la
charité), s. v. w. Barmherzige Schwestern (s. d.).
Sofa, in den türk. Häusern die Vorhalle, von wo
man zu den verschiedenen Zimmern gelangt; dieselbe ist auf drei
Seiten mit Ruhesitzen versehen, woher die europäische
Bedeutung des Wortes stammt.
Sofála (arab., "Niederland"), geographische
Bezeichnung für das Küstenland Ostafrikas zwischen dem
Sambesi und der Delagoabai, bestehend aus einem flachen
Küstenstrich mit der vorliegenden Gruppe der Bazarutoinseln
und einem weiter zurückliegenden gebirgigen Teil. Zahlreiche
Flüsse, darunter Bazi, Sabia und Limpopo, münden hier in
den Ozean und überschwemmen alljährlich das Land. Der
Boden ist längs der Küste sehr fruchtbar und bringt
besonders Reis, Orseille, Indigo, Kautschuk, Zuckerrohr und
3
Soffariden - Sohar.
Kaffee hervor. Im Hinterland findet sich viel Gold, Kupfer,
Eisen, und die Kaffern, die Bewohner des Landes, bringen Elfenbein
an die Küste. Die Portugiesen, welche am Ende des 15. Jahrh.
diese Küste entdeckten, und zu deren Kolonie Mosambik dieselbe
jetzt gehört, trafen hier arabische, vom Sultan von Kilwa
abhängige Niederlassungen. Sie unterwarfen diese sowie die
benachbarten Kaffern und nannten die neue Besitzung Königreich
Algarve. Von ihren hier angelegten Militär- und
Handelsstationen S. und Inhambane unternahmen die Portugiesen
namentlich im 16. Jahrh. Züge nach den goldreichen
Kaffernstaaten Mokaranga und Monomotapa, welche als angeblich
mächtige und zivilisierte "Kaiserreiche" erschienen, in der
That aber nur barbarische Reiche waren. Im Hinterland von S. liegen
auch die Goldgruben von Manica sowie verschiedene 1871 von Karl
Mauch entdeckte Goldgruben und die Ruinen von Zimbabye (s. d.),
weshalb man schon im 16. Jahrh. das Salomonische Ophir hierher
verlegte, eine Ansicht, die mit mehr Kühnheit als
Begründung in neuerer Zeit wiederholt wurde. - Die Stadt S.,
am Kanal von Mosambik, seit 1505 im Besitz der Portugiesen, ist ein
armseliger, verfallener Ort, der kaum 1200 Einw. (darunter wenige
Weiße) zählt, aber doch Hauptort des gleichnamigen
Bezirks und Station für das submarine Kabel von Durban nach
Aden.
Soffariden, pers. Dynastie, s. Saffariden.
Soffionen (ital., "Blasebälge"), Name der
Dampfausströmungen der Borsäure (s. d.) in Toscana.
Soffítte (ital.), in der Baukunst die
ornamentierte Unteransicht eines Bogens, einer Hängeplatte,
einer Balkendecke etc.; eine in Felder geteilte oder mit
Getäfel gezierte Zimmerdecke; im Theaterwesen die über
der Bühne aufgehängten, den Himmel oder eine Decke
darstellenden Dekorationsstücke.
Sofi (arab., Sufi, Ssofi, Ssufi), s. Sûfismus.
Sófia (bulgar. Sredec), Hauptstadt des
Fürstentums Bulgarien, an der Eisenbahn von Konstantinopel
nach Belgrad und an der Bogana (Nebenflüßchen des Isker)
in einer prachtvollen, weiten Ebene, zwischen Balkan und Witosch,
580 m ü. M. gelegen. S., Mittelpunkt eines ansehnlichen
Straßennetzes, hat viele Moscheen (darunter als die
architektonisch bedeutendste die jetzt verfallene Böjük
Dschami), christliche Kirchen und Klöster; das sehenswerteste
Gebäude ist das große Bad bei der Moschee Baschi
Dschamisi, mit warmen Quellen. Doch entstehen gegenwärtig
viele Neubauten, und die alten Straßen werden reguliert und
gepflastert. Neu errichtet sind ein fürstlicher Palast, eine
Nationalbibliothek, eine Druckerei, Apotheken, Agenturen,
Gasthöfe, eine Post, eine Nationalbank mit einem Kapital von 2
Mill. Frank, ein wissenschaftlicher Verein u. a. 1887 zählte
es 30,428 Einw., darunter 5000 Juden, 2000 Türken und 1000
Zigeuner. S. hat starken Export von Häuten nach
Österreich und Frankreich, von Mais und Getreide. Es ist der
Sitz der bulgarischen Regierung, eines griechischen Metropoliten,
eines Kassations- und eines Appellhofs sowie eines deutschen
Berufskonsuls. - S. steht an der Stelle des alten Ulpia Serdica in
Obermösien (berühmt durch ein 344 daselbst gehaltenes
Konzil) und fiel 1382 in die Hände der Türken. Am 3. Jan.
1878 wurde die Stadt von den Russen unter Gurko besetzt.
Sofia-Expedition, 28. Juni bis 20. Okt. 1868, s. Maritime
wissenschaftliche Expeditionen.
Sofiero (Sophiero), königliches Lustschloß am
Öresund in Schweden, 6 km von Helsingborg; Sommersitz der
königlichen Familie.
Sofis (Safis, Sûfis), pers. Dynastie,
gegründet von Ismail, mit dem Beinamen Sofi, herrschte von
1505 bis 1735 über Persien (s. d., S. 873).
Sofismus, s. Sûfismus.
Söflingen, Marktflecken im württemberg.
Donaukreis, Oberamtsbezirk Ulm, an der Blau und der Linie
Ulm-Sigmaringen der Württembergischen Staatsbahn, hat eine
kath. Kirche, ein Forstamt, mechanische Weberei und (1885) 2501
Einw. S. war früher reichsunmittelbare Frauenabtei, kam 1802
an Bayern und 1810 an Württemberg.
Softa (pers.), in der Türkei ein der Wissenschaft
lebender, der Welt abgestorbener Besucher der Hochschulen (s.
Medresse). Die Softas rekrutieren sich jetzt aus den untersten
Volksschichten und haben mehrere Prüfungen zu bestehen, bis
sie den gesetzlichen Titel "Molla" (s. d.) erlangen, um dann als
Geistliche oder als Richter angestellt zu werden. Meist Gegner
aller europäisierenden Maßregeln, haben sie sich in der
Neuzeit auch zu politischen Demonstrationen verleiten lassen.
Sog, s. v. w. Kielwasser (s. d.).
Sogamoso, Stadt im Staat Boyacá der
südamerikan. Republik Kolumbien, am Chicamocha, 2506 m ü.
M., mit Hospital, lebhaftem Handel und (1870) 9553 Einw. Ehemals
war S. die Hauptstadt der theokratischen Regierung des Sugamuxi,
eines Hohenpriesters der Muisca oder Tschibtscha (s. d.).
Sogdiana, ehemals die nördlichste bis zum Jaxartes
reichende Satrapie des Perserreichs, mit der Hauptstadt Marakanda
(jetzt Samarkand).
Sögel, Dorf im preuß. Regierungsbezirk
Osnabrück, Kreis Lingen, am Hümmling, mit kath. Kirche,
Amtsgericht und (1885) 1100 Einw. Östlich das herzoglich
arenbergische Jagdschloß Klemenswerth.
Soggen, s. Salz, S. 238.
Soghum Kala, Stadt, s. Suchum Kalé.
Soglio (spr. ssolljo), s. Sils 3).
Sognefjord, tief einschneidender Fjord an der
Westküste Norwegens, über 200 km lang, endigt in einem
Seitenfjord, welcher den Namen Lysterfjord führt, ist kaum
irgendwo 7 km breit und fast überall von hohen, steilen
Felswänden umgeben. Die Landschaft, welche den S. umgibt, ist
die gebirgige Vogtei Sogn und gehört zu den wildesten Gegenden
des Landes. Die vom Hauptfjord abgehenden Seitenfjorde zeichnen
sich besonders durch ihre gewaltigen Umgebungen aus. So sind die
südlichen Zweige, der Aurlands- und der Näröfjord,
von Gebirgen umgeben, die sich von der See aus 1600-2000 m
senkrecht erheben. Im N. sendet der S. außer dem Lysterfjord
auch den Sogndalsfjord und den Fjärlandsfjord aus, von denen
der letztere bis zu den Gletschern des Jostedalsbrä
hineindringt, welche hier bis zu 65 m ü. M. herabsteigen.
Diese riesenhafte Schneemasse, die mit ihren Gletschern die
angrenzenden Thäler erfüllt, begrenzt den Fjord im N.,
während ihn im O. große, zu den Jotunfjelden (s. d.)
gehörige Gebirgsmassen von den angrenzenden Gegenden scheiden;
nur im Süden führt ein einziger Paß durch das
großartige Närödal, die Fortsetzung des
Näröfjords.
Sohair (Zuhair), berühmter arab. Dichter der
vormohammedanischen Zeit. Seine "Moallaka" ist einzeln
herausgegeben von Rosenmüller ("Analecta arabica", 2. Teil,
Leipz. 1826), übersetzt von Rückert ("Hamasa" I, Zugabe 1
zu Nr. 149); seine erhaltenen Gedichte s. bei Ahlwardt in den "Six
ancient poets" (Lond. 1870). Vgl. Kaab Ibn Sohair.
Sohar ("Glanz", auch S. hakadosch, der heilige S.,
genannt), das in unkorrektem Aramäisch in Form
1*
4
Sohar - Soiron.
eines Pentateuchkommentars abgefaßte Hauptwerk der Kabbala
(s. d.), das jahrhundertelang fast vergöttert wurde, aber
durch seine verworrene Vermischung von neuplatonischen,
gnostischen, Aristotelischen und jüdisch-allegorischen
Anschauungen die Entwickelung des Judentums sehr geschädigt
hat. Verfasser oder Redakteur des S. ist vermutlich der in der
zweiten Hälfte des 13. Jahrh. in verschiedenen Städten
Spaniens lebende Moses ben Schemtob de Leon und nicht Simon ben
Jochai (Mitte des 2. Jahrh. n. Chr.). Der S., der an einzelnen
Stellen eine Feindseligkeit gegen den Talmud zu erkennen gibt und
hin und wieder mit dem Christentum liebäugelt, besteht aus
drei Hauptteilen: 1) dem eigentlichen S., 2) dem treuen Hirten
(Raja mehemna) und 3) dem geheimen Midrasch (Midrasch neelam). Vgl.
Tholuck, Wichtige Stellen des rabbinischen Buches S. (Berl. 1824);
Joël, Die Religionsphilosophie des S. (Leipz. 1849); Jellinek,
Moses ben Schem-Tob de Leon und sein Verhältnis zum S. (das.
1851).
Sohar, Hafenstadt in der arab. Landschaft Oman, mit guter
Reede, einem festen Schloß, sorgfältig angebauter
Umgebung und ca. 24,000 Einw. (darunter eine Anzahl Juden mit
eigner Synagoge). Gewerbe, Weberei, Metallarbeiten blühen.
Sohl (ungar. Zólyom), ungar. Komitat am linken
Donauufer, grenzt an die Komitate Liptau, Gömör,
Neográd, Hont, Bars und Thúrócz, ist 2730 qkm
(49,7 QM.) groß, ganz von Gebirgen bedeckt, wird vom
Granfluß durchströmt, dessen Thal besonders fruchtbar
ist, und hat zahlreiche Gebirgsweiden. Die Einwohner (1881:
102,500, meist Slowaken) betreiben Rindvieh- und Schafzucht, etwas
Weinbau, lebhaften Bergbau auf Schwefel, Silber, Kupfer, Eisen,
Vitriol und Quecksilber sowie Fabrikation von Eisen- und
Töpferwaren, Tuch, Glas, Papier etc. Sitz des Komitats, das
seinen Namen von der bei Altsohl malerisch gelegenen Ruine S. an
der Mündung der Szlatina in die Gran erhielt, ist Neusohl.
Sohland, Dorf in der sächs. Kreis- und
Amtshauptmannschaft Bautzen, an der Spree und an der Linie
Bischofswerda-Zittau der Sächsischen Staatsbahn, hat eine
evang. Kirche, Hand- und mechan. Weberei, Säge- und
Mahlmühlen und (1885) 5126 Einw.
Sohle (Soole), Fisch, s. Schollen.
Sohlenbau, s. v. w. Strossenbau, s. Bergbau, 724.
Sohlengänger, Säugetiere, die mit der ganzen
Sohle auftreten, wie die Bären (s. Säugetiere, 345).
Sohlennähmaschine, s. Schuh.
Söhlig, im Bergwesen s. v. w. horizontal. Vgl.
Fallen der Schichten.
Sohn, jede Person männlichen Geschlechts im
Verhältnis zu ihren Erzeugern (Vater und Mutter). S.
Verwandtschaft.
Sohn, 1) Karl Ferdinand, Maler, geb. 10. Dez. 1805 zu
Berlin, erhielt von Schadow, dem er 1826 nach Düsseldorf
folgte, den ersten Unterricht in der Kunst und behandelte anfangs
mit Vorliebe antike Stoffe, dann auch Szenen aus neuern Dichtern,
wie Tasso, Goethe etc. Seine Hauptwerke, welche ihm in den 30er und
40er Jahren eine große Popularität einbrachten, sind:
Rinaldo und Armida, die Lautenschlägerin und der Raub des
Hylas (beide in der Nationalgalerie zu Berlin), Diana und
Aktäon, das Urteil des Paris, Romeo und Julie, die beiden
Leonoren, die Schwestern, die vier Jahreszeiten, Lurlei und
Darstellungen von sentimental-romantischen Situationen. S. war
Meister in Behandlung der Karnation und in der Darstellung von
Frauengestalten. Besonders ausgezeichnet war er im weiblichen
Bildnis. Er wurde 1832 Lehrer an der Düsseldorfer Akademie und
starb 25. Nov. 1867 während eines Besuchs in Köln. Als
Lehrer hat er einen großen Einfluß auf die Entwickelung
der Düsseldorfer Schule geübt. - Seine beiden Söhne
Richard S. (geb. 1834) und Karl S. (geb. 1845) haben sich als
Porträt- und Genremaler vorteilhaft bekannt gemacht.
2) Wilhelm, Maler, Neffe des vorigen, geb. 1830 zu Berlin, ging
1847 nach Düsseldorf und erhielt durch Karl S. seine
Ausbildung, die er durch Reisen ergänzte. Anfangs malte er
historische Bilder, wie: Christus auf stürmischer See (1853,
städtische Galerie in Düsseldorf, Christus am Ölberg
(1855, in der Friedenskirche zu Jauer in Schlesien), Genoveva
(1856); bald aber wandte er sich der Genremalerei zu. Seine
Verschiedenen Lebenswege, Gewissensfrage (1864, Galerie zu
Karlsruhe), besonders aber die Konsultation beim Rechtsanwalt
(1866, Museum in Leipzig) sind meisterhaft in der Charakteristik,
in der Zeichnung und der koloristischen Wirkung. Infolge des
Aufsehens, welches diese Gemälde machten, erhielt er den
Auftrag, für die preußische Nationalgalerie ein
großes Bild, die Abendmahlsfeier einer protestantischen
Patrizierfamilie, zu malen, das ihn noch beschäftigt. S. wurde
1874 Lehrer der Malerei an der Düsseldorfer Akademie. Seit
dieser Zeit hat er wenig geschaffen, desto ersprießlicher
aber als Lehrer gewirkt.
Soho, Vorstadt von Birmingham (s. d.), mit
berühmter, von Watt gegründeter Dampfwagenfabrik.
Sohrau, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Oppeln,
Kreis Rybnik, am Ursprung der Ruda und an der Linie Orzesche-S. der
Preußischen Staatsbahn, 283 m ü. M., hat eine
evangelische und eine kath. Kirche, eine Synagoge, ein Amtsgericht,
Eisengießerei und Eisenwarenfabrikation, Lein- und
Wollweberei, eine Dampf- und 3 Wassermühlen, Ziegeleien und
(1885) mit der Garnison (1 Eskadron Ulanen Nr. 2) 4450 meist kath.
Einwohner.
Söhre, bewaldete Berglandschaft im preuß.
Regierungsbezirk Kassel, rechts von der Fulda, südöstlich
von Kassel, besteht aus Buntsandstein und erreicht im Stellberg 482
m Höhe.
Soi-disant (franz., spr. ssoa-disang), sogenannt.
Soignies (spr. ssoanjih), Hauptstadt eines
Arrondissements in der belg. Provinz Hennegau, an der Senne und der
Eisenbahn Brüssel-Quiévrain (mit Abzweigung nach
Houdeng-Goegnies), hat mehrere Kirchen (darunter die romanische
Vincentiuskirche aus dem 12. Jahrh.) und Klöster, ein Rathaus
im spanischen Stil, eine höhere Knabenschule, Industrieschule,
ein geistliches Seminar, Zwirnfabrikation und (1887) 8683 Einw.
Hier 10. Juli 1794 siegreiches Gefecht der Franzosen gegen die
Niederländer.
Soirée (franz., spr. ssóareh), Abend;
Abendgesellschaft; S. dansante, Abendgesellschaft mit Tanz.
Soiron (spr. ssoaróng), Alexander von, bad.
Politiker, geb. 2. Aug. 1806 zu Mannheim, studierte in Heidelberg
und Bonn, widmete sich seit 1832 der advokatorischen Praxis erst zu
Heidelberg, dann zu Mannheim und ward 1834 daselbst
Oberhofgerichtsadvokat. Seit 1845 Abgeordneter der badischen
Zweiten Kammer, hielt er zur liberalen Opposition und nahm 1848 an
den Vorbereitungen zur Berufung des Vorparlaments regen Anteil. Er
ward auch in den Fünfzigerausschuß gewählt und
führte den Vorsitz darin. In der Nationalversammlung war er
geraume Zeit erster Vizepräsident und Vorsitzender des
Verfassungsausschusses. Er handhabte seine Ämter mit Energie
und Umsicht und zog sich dadurch den Haß
5
Soissonische Stufe - Soja.
der Linken zu. S. war ein tüchtiger Redner und
fleißiger Arbeiter. Auch am Erfurter Parlament nahm er teil.
Er starb 6. Mai 1855 in Heidelberg.
Soissonische Stufe (spr. ssoa-), s.
Tertiärformation.
Soissons (spr. ssoassóng),
Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Aisne, an der Aisne
und der Nordbahn (mit Abzweigung nach Compiègne und Reims),
mit detachierten Forts umgebene Festung zweiten Ranges, hat mehrere
Überreste gallorömischer Architektur und bedeutende
Bauwerke aus dem Mittelalter, wie die schöne Kathedrale
(12.-13. Jahrh.), die Kirche St.-Léger, die Stiftskirche
St.-Pierre, die Reste der 1076 gegründeten Abtei St.-Jean des
Vignes, das Stadthaus u. a. S. hat ein Zivil- und Handelstribunal,
ein Collège, großes und kleines Seminar, eine
Zeichenschule, eine Bibliothek mit 30,000 Bänden, ein
Antikenmuseum, ein Taubstummeninstitut und (1886) 11,850 Einw.,
welche etwas Industrie und starken Handel mit landwirtschaftlichen
Produkten treiben. Es ist Bischofsitz. - Im Altertum hieß die
Stadt Noviodunum, später Augusta Suessionum (wovon der heutige
Name) und war die Hauptstadt der Suessionen im belgischen Gallien.
In S. war ein Palatium der römischen Kaiser, und es war die
letzte Stadt, welche die Römer in Gallien besaßen.
Aetius und Syagrius residierten daselbst, und letzterer wurde 486
von Chlodwig in der Nähe der Stadt geschlagen. In der
Merowingerzeit war es fast immer Residenz eines Teilreichs und war
auch nachher von Bedeutung. Hier fand 744 eine für Neustrien
wichtige Synode und 751 die Erhebung Pippins zum König statt;
hier mußte Ludwig der Fromme 833 Kirchenbuße thun. Seit
dem 9. Jahrh. Sitz eigner Grafen, ging S. durch Kauf und Heirat in
verschiedene Hände über und fiel 1734 an die
französische Krone. Als Knotenpunkt großer
Heerstraßen und Sperrpunkt der Nordbahn spielte S. in den
Kämpfen von 1814 und 1815 sowie 1870 eine große Rolle,
15. Okt. d. J. ward es nach dreitägiger Beschießung vom
Großherzog von Mecklenburg-Schwerin genommen. Die Geschichte
dieser Belagerung beschrieben Gärtner (Berl. 1874) und H.
Müller (das. 1875).
Soissons (spr. ssoassóng), 1) Charles von Bourbon,
Graf von, Sohn des Prinzen Ludwig I. von Condé (s. d.) aus
dessen zweiter Ehe mit Françoise von
Orléans-Longueville, durch welche die Grafschaft S. an das
Haus Bourbon-Condé kam, geb. 1566, stand in den
Hugenottenkriegen bald auf seiten des Hofs, bald auf seiten des
Königs Heinrich von Navarra, schloß sich 1588 an diesen
an, leistete ihm in der Schlacht bei Coutras nützliche Dienste
und starb 1. Nov. 1612.
2) Louis von Bourbon, Graf von, Sohn des vorigen, geb. 11. Mai
1604 zu Paris, folgte seinem Vater als Grand-Maître und
Gouverneur der Dauphiné. Schon im 16. Jahr unterstützte
er die Königin-Mutter Maria von Medici gegen ihren Sohn Ludwig
XIII., während er zugleich, um sich gefürchtet zu machen,
mit den Hugenotten unterhandelte. Als diese ihn mißtrauisch
von sich wiesen, kehrte er zur Partei des Königs zurück
und begleitete diesen im Feldzug von 1622 gegen die Protestanten.
Durch die Entdeckung der Verschwörung gegen Richelieu, an der
er teilgenommen hatte, kompromittiert, floh er nach Italien; Ludwig
XIII. rief ihn jedoch zurück und beauftragte ihn mit der
Belagerung von La Rochelle. 1630 kaufte S. die Grafschaft S. vom
Prinzen von Condé, begleitete den König nochmals nach
Italien und erhielt dann das Gouvernement von Champagne und La
Brie. In dem Feldzug von 1636 befehligte er ein kleines Korps an
der Aisne und Oise, wurde jedoch von den Spaniern zum Rückzug
nach Noyon gezwungen. Ein neuer, abermals vereitelter Anschlag zur
Ermordung Richelieus nötigte S. zur Flucht nach Sedan, wo er
sich mit dem Herzog von Bouillon, dem Herzog von Guise und den
Spaniern zum Kriege gegen den Minister verband. Ein
königliches Heer unter dem Marschall Châtillon wurde 6.
Juli 1641 bei Marfée in der Nähe von Sedan geschlagen,
S. aber im Gefecht erschossen. Mit ihm erlosch die Seitenlinie S.
des Hauses Bourbon-Condé; Besitz und Titel gingen auf den
zweiten Sohn seiner Schwester Maria über, die sich 1625 mit
dem Prinzen Thomas Franz von Savoyen-Carignan vermählt
hatte.
3) Eugène Maurice von Savoyen, Graf von, Sohn des Prinzen
Thomas Franz von Savoyen-Carignan, Neffe des vorigen, geb. 1635 zu
Chambéry, widmete sich in der Jugend dem geistlichen Stand,
nahm jedoch später Kriegsdienste und heiratete 1657 Olympia
Mancini (s. Mancini 1), die Nichte des Ministers Mazarin, der ihn
zum Generalobersten der Schweizer und zum Gouverneur der Champagne
ernannte. 1667 wohnte er dem Feldzug in Flandern bei, und 1672 ward
er von Ludwig XIV. zum Generalleutnant befördert, in welcher
Eigenschaft er sich in Holland und am Rhein auszeichnete. Er starb
7. Juni 1673. Sein jüngerer Sohn war der berühmte Prinz
Eugen (s. d.) von Savoyen; der ältere, Ludwig Thomas, setzte
die Linie Savoyen-S. fort, die mit dessen Enkel 1734 erlosch.
Soja Savi (Sojabohne), Gattung aus der Familie der
Papilionaceen, mit der einzigen Art S. hispida Mönch, einer
einjährigen, in Japan, Südindien und auf den Molukken
heimischen Pflanze. Sie hat einen bis 1 m hohen, aufrechten, etwas
windenden Stengel, langgestielte, dreizählige Blätter,
welche wie Stengel und Zweige dicht rotbraun behaart sind,
kurzgestielte Blütenträubchen mit kleinen, unscheinbaren,
blaßvioletten Blüten und sichelförmige,
trockenhäutige, rötlich behaarte, zwei- bis
fünfsamige, zwischen den Samen schwammig gefächerte
Hülsen. Man kultiviert die Sojabohne in zahlreichen
Varietäten und in sehr weiter Verbreitung in Asien. Sie geht
mit ihrer nördlichen Verbreitungsgrenze noch über den
Mais hinaus, besitzt ein großes Anpassungsvermögen an
Boden- und klimatische Verhältnisse, völlige
Immunität gegen Schmarotzerpilze und nie versagende
Fruchtbarkeit. Die früh reifenden Varietäten geben in
Mitteleuropa nach zahlreichen mehrjährigen Anbauversuchen sehr
befriedigende Resultate. Die Samen sind rundlich, länglich
oder nierenförmig, gelblich, braunrot, grünlich oder
schwarz, niemals gefleckt; sie enthalten neben etwa 7 Proz. Wasser
38 Proteinkörper, 17-20 Fett, 24-28 stickstofffreie
Substanzen, 5 Rohfaser und 4,5 Proz. Asche. Ihr Nährwert ist
mithin gegenüber den übrigen Hülsenfrüchten ein
sehr hoher, und namentlich tritt der bedeutende Fettgehalt hervor.
Auf letzterm beruht zum Teil die vielfache Verwendung der
wohlschmeckenden Samen in Japan, indem der fettige Brei fast allen
Gerichten statt der Butter zugesetzt wird; in China lebt ein
großer Teil der Bevölkerung von Sojagerichten; auch
bereitet man aus Sojabohnen durch einen Gärungsprozeß
eine pikante braune Sauce für Braten und Fische, welche in
Japan, China, Ostindien sehr beliebt ist und in England wie auf dem
Kontinent und in Nordamerika ebenfalls in den Handel kommt. Die
japanische Sojasauce ist die beste, sie besitzt nicht den
süßlichen Geschmack der chinesischen. Gute Sojasauce ist
tiefbraun, sirupartig und bildet
6
Sojaro - Sokrates.
beim Schütteln eine helle, gelbbraune Decke. Bei der
Benutzung darf den Speisen nur sehr wenig zugesetzt werden. In
Österreich hat man die Samen als gutes Kaffeesurrogat benutzt.
Vgl. Haberlandt, Die Sojabohne (Wien 1878); Wein, Die Sojabohne
(Berl. 1881).
Sojaro, Beiname von Bernardino Gatti (s. d.).
Sok, siamesische Elle, = 2 Kup à 12 Niuh oder Nid
à 4 Kabiet = ½ m.
Sokal, Stadt in Ostgalizien, am Bug und an der Eisenbahn
Jaroslau-S., mit Bezirkshauptmannschaft, Bezirksgericht,
Bernhardinerkloster, Wallfahrtskirche und (1880) 6725 Einw. Hier
1519 Niederlage der Polen gegen die Tataren.
Sokol (slaw.), Falke; übertragen s. v. w. Held,
wackerer Mann; in Böhmen und Mähren häufig auch Name
von Turnvereinen.
Sokolka, Kreisstadt im russ. Gouvernement Grodno, an der
Petersburg-Warschauer Eisenbahn, mit (1885) 4125 Einw., von denen
sich die Christen mit Landbau, die Juden mit Kramhandel
beschäftigen; kam bei der dritten Teilung Polens (1795) an
Preußen und 1807 an Rußland.
Sokolow, 1) Stadt in Galizien, Bezirkshauptmannschaft
Kolbuszow, hat ein Bezirksgericht und (1880) 4296 Einw. -
2) Kreisstadt im russisch-poln. Gouvernement Sjedletz, mit
(1885) 7083 Einw.
Sókoto (Soccatu, Sakatu), Reich der Fellata im
westlichen Sudân (Afrika), grenzt nördlich an die
Sahara, östlich an Bornu, westlich an Gando und umfaßt
den größten Teil des Haussalandes mit einem
Flächenraum von ca. 440,000 qkm (8000 QM.). Hauptstadt des
Landes und Residenz des Sultans ist Wurno mit 22,000 Einw. Der
Sultan von S. übt über Gando, Bautschi, Nupe und
Adamáua mehr ein geistliches als ein weltliches Regiment.
Dennoch empfängt er von diesen Staaten mäßigen
Tribut. Das Reich, welches unter den Sultanen Bello (1819 bis 1832)
und Atiku (1832-37) in ziemlicher Blüte stand, ist unter deren
Nachfolgern sehr in Verfall gekommen. Die Stadt S., ehemals
Hauptstadt des Reichs, am gleichnamigen Fluß (Nebenfluß
des Niger), ist mit einer Mauer umgeben, ziemlich
regelmäßig gebaut, hat einen großen
Residenzpalast, mehrere Moscheen, Fabrikation von Leder- u.
Baumwollwaren, Waffen, Werkzeugen etc. Ein aus Brasilien
zurückgekehrter Fulahsklave hat in der Nähe eine
Zuckerplantage und -Raffinerie angelegt. Arabische Kaufleute aus
Ghadames bewohnen ein besonderes Viertel, auch englische
Händler erscheinen jetzt daselbst. Clapperton gelangte 1824
als erster Europäer nach S. und starb 1827 in der Nähe
der Stadt. 1853 wurde es von Barth, 1880 von Flegel und 1885 von I.
Thomson besucht. Letzterer schloß namens der National African
Company mit dem Sultan einen Vertrag ab, wonach jener Gesellschaft
gegen eine jährliche Subsidie das Monopol des Handels und der
Mineralausbeute an den Ufern des Binue eingeräumt wurde. S.
Karte bei Guinea.
Sokotora (Socotra, verderbt aus dem griech. Dioskorides),
Insel im Indischen Ozean, 220 km östlich vom Kap Gardafui, der
Ostspitze Afrikas, 3579 qkm (65 QM.) groß mit 12,000 Einw.,
ist mit Ausnahme eines schmalen Küstenstrichs von hohen, bis
über 1360 m aufsteigenden Gebirgen erfüllt, nur in
einzelnen Thälern unweit der Küste fruchtbar, in welchen
vorzugsweise die nach der Insel benannte Aloe und Dattelpalmen
gedeihen, welche nebst Drachenblut, Schildpatt, Zibetkatzen etc.
ausgeführt werden. Die Bevölkerung ist ein Mischvolk von
Arabern, Somal, Negern und Indern. Ihre Hauptbeschäftigung
bilden Handel, Viehzucht (Kamele, Rinder, Schafe, Ziegen) und etwas
Ackerbau. Der Hauptort ist Tamarida an der Nordküste. - Von
den alten Kulturvölkern Dioskorides genannt und auch im
Periplus erwähnt, wurde die Insel im 15. Jahrh. von
Niccolò Conti und 1503 von Pereira besucht und 1506 von
Tristan da Cunha erobert. Doch stellte 1510 der arabische Scheich
von Keschin seine Autorität wieder her. Damals befand sich
eine im 4. Jahrh. von Arabien aus gegründete christliche
Gemeinde auf der Insel, die später den Arabern weichen
mußte. Von 1835 bis 1839 hielten englische Truppen die Insel
besetzt, 1876 schloß die englische Regierung mit dem Scheich
von Keschin einen Vertrag ab, wodurch sie das Vorkaufsrecht erwarb,
und 30. Okt. 1886 ließ der britische Resident in Aden die
Insel besetzen. Schweinfurth hat dieselbe 1881 erforscht. Vgl.
Robinson, Sokotra (Lond. 1878).
Sokrates, 1) der berühmteste unter den griechischen
Weisen, Sohn des Bildhauers Sophroniskos und der Hebamme
Phänarete, wurde um 469 v. Chr. zu Athen geboren. Er soll die
Kunst seines Vaters erlernt und auch eine Zeitlang ausgeübt
haben; eine Gruppe am Fuß der zur Akropolis führenden
Treppe galt für sein Werk. Zu seiner Lebensaufgabe machte er
den in Gestalt von Unterredungen und im Gegensatz zu den Sophisten
unentgeltlich erteilten Unterricht, zu welchem Zweck er seine
materiellen Bedürfnisse auf das äußerste
beschränkte und den Verkehr mit Jünglingen, deren Geburt
und Talent (wie bei Alkibiades und Kritias) vorhersehen
ließen, daß sie späterhin einen großen
Einfluß auf ihre Mitbürger üben würden, um sie
zu denkenden und charaktervollen Männern zu bilden, jedem
andern vorzog. Seine Tüchtigkeit bekundete sich jedoch nicht
bloß in diesen didaktischen, sondern auch in praktischen, auf
die Erfüllung seiner Bürgerpflichten, auch der
militärischen, gerichteten Bestrebungen. Obgleich dem Krieg
abhold, beteiligte er sich an drei Feldzügen und rettete in
der Schlacht bei Potidäa dem vom Pferd gestürzten
Alkibiades durch mannhafte Verteidigung das Leben. Gerade aber sein
Streben nach unabhängiger Tüchtigkeit im Treiben einer
korrumpierten Umgebung und seine Bemühungen, die Jugend von
den verderblichen Lehren sittlicher Zersetzung abzuziehen und
edlerer Geistesverfassung zuzuführen, zogen ihm Verfolgung zu.
S. wurde bezichtigt, die Jugend zu verderben und andre Götter
als die vom Staat anerkannten zu lehren. Als seine Ankläger
werden genannt: ein mittelmäßiger Dichter, Melitos, ein
Lederhändler und Demagog, Anytos, und ein Rhetor, Lykon. S.
verteidigte sich in mutvoller und seiner würdiger Weise, ohne
eine gewisse Reizung seiner Richter zu vermeiden. Nachdem er mit
ganz geringer Majorität verurteilt war und nun selbst dem
Herkommen gemäß einen Strafantrag zu stellen hatte,
lehnte er letzteres ab, indem er ironisch an Stelle der
vorzuschlagenden Strafe eine Belohnung seiner Verdienste durch
Erhaltung auf öffentliche Kosten im Prytaneion forderte.
Hierdurch erbittert, verurteilten ihn seine Richter mit
größerer Majorität zum Tode. Der religiöse
Gebrauch, dem zufolge niemand bis zur Rückkehr eines gerade um
diese Zeit nach Delos entsendeten heiligen Schiffs hingerichtet
werden durfte, gestattete ihm, noch 30 Tage zu leben. Während
dieser Zeit unterhielt er sich im Gefängnis mit einigen seiner
Anhänger über philosophische Gegenstände und
namentlich über den Tod. Das Anerbieten Kritons, ihm zur
Flucht zu verhelfen, lehnte er ab. Mit der größten
Gemütsruhe nahm er
7
Sokratik - Sol., Soland.
nach Ablauf der Frist den Schierlingstrank und starb so in einem
Alter von etwa 70 Jahren 399. Die große Bedeutung des S. ist
in der Anregung zu suchen, die er durch sein Leben und noch mehr
durch seinen Tod gab. Sein geistreichster und edelster
Schüler, Platon, hat in seinen Dialogen Charakter und
Gedankenkreis seines Meisters, wenn auch in einer freien, mit
dichtender Umbildung versetzten Form, so doch mit jener Wahrheit,
die auch der Dichtung innewohnt, dargestellt. Eine mehr
nüchterne, aber gerade darum wertvolle Auffassung des S.
findet sich in den "Memorabilien" Xenophons, der ebenfalls zu dem
Kreise seiner Vertrauten gehörte. Die Lehre des S. ist, da er
selbst nichts geschrieben hat, nur durch seine Schüler auf uns
gekommen. Als Philosoph kam derselbe mit seinen Zeitgenossen, den
Sophisten, darin überein, daß er, wie diese, den
Schwerpunkt des Unterrichts in die (lehrbare) Methode und den Zweck
desselben nicht, wie deren Vorgänger, die griechischen
Physiker und Naturphilosophen, in die Erkenntnis der Natur, sondern
in jene des dem Menschen Nützlichen als des für diesen
einzig Wissens- und Wünschenswerten legte, unterschied sich
aber von denselben dadurch, daß einerseits seine Methode
nicht, wie die der Sophisten, ein dialektisch-rhetorisches
Kunststück, um Wahres falsch, Falsches wahr scheinen zu
machen, sondern die dialektische Kunst, das Wahre als solches zu
finden und zu erkennen, anderseits sein Zweck nicht, wie bei jenen,
auf die Erkenntnis des Nützlichen als des Guten, sondern
vielmehr auf jene des Guten als des allein wahrhaft, bleibend und
allgemein Nützlichen gerichtet war. Um seiner Abwendung von
der Physik willen ist von ihm gesagt worden, daß er die
Philosophie vom Himmel auf die Erde zurückgeführt habe.
Seine Übereinstimmung mit den Sophisten hinsichtlich des
Wertes methodischen Denkens und praktischer Ziele hat bewirkt,
daß er von Fernstehenden (z. B. von Aristophanes in den
"Wolken") zu den Sophisten gerechnet, ja seiner dialektischen
Schärfe wegen als "Erzsophist" hingestellt worden ist. Die
Reinheit seiner nur auf Erkenntnis der Wahrheit abzielenden sowie
die Uneigennützigkeit seiner nur das Gute als Zweck
menschlichen Handelns zulassenden Denkweise haben gemacht,
daß er von den ihm Nahestehenden (von seinen Schülern,
insbesondere von Platon) als deren diametraler Gegensatz erkannt
und sein Bild als Ideal eines Weisen dem des Sophisten als des
Zerrbildes eines solchen entgegengestellt wurde. Jene Kunst des S.
bestand (nach Aristoteles) darin, einerseits von der Betrachtung
des Besondern zum Allgemeinen aufzusteigen (Induktion), anderseits
durch Ausscheidung des Unwesentlichen und Ungehörigen wie
durch Zusammenfassung des Wesentlichen und Unentbehrlichen zum
Begriff zu gelangen (Definition), welch letzterer, weil er der
Sache selbst entspricht, immer derselbe bleibt, während das
Allgemeine, weil es aus dem Besondern gewonnen worden ist, dieses
letztere sämtlich in sich begreift. Dieselbe wurde von S.,
hierin dem Beispiel der Sophisten folgend, in dialogischer Form,
durch geschicktes Fragen (erotematisch), aber zu dem Zweck, die
Wahrheiten an den Tag zu bringen (daher er sie selbst mit dem
Handwerk seiner Mutter, der mäeutischen oder Hebammenkunst,
verglich), und zugleich indirekt, d. h. in der Weise geübt,
daß der Fragende (obgleich der Wissende) sich unwissend
stellt und von dem Gefragten (als ob dieser wissend wäre)
belehrt zu werden vorgibt, während er diesen belehrt (daher
diese Form des erotematischen Unterrichts als "sokratische Ironie"
bezeichnet wird). Von diesem nur aus didaktischen Gründen
gewählten Schein des Nichtwissens verschieden ist das dem S.
gleichfalls in den Mund gelegte Eingeständnis wirklichen
Nichtwissens, der anspruchsvollen Vielwisserei der Sophisten
gegenüber, um derentwillen derselbe von dem delphischen Orakel
für den weisesten aller Menschen erklärt worden sein
soll. In Bezug auf die Tugend als Verwirklichung des Guten war S.
der Meinung, daß dieselbe lehrbar, d. h. durch richtige
Erkenntnis und Unterweisung zu bewirken sei, denn es sei
unmöglich, das Gute zu wissen, ohne es zu thun. In Bezug auf
den Inhalt des Guten aber liebte es S., sich auf sein von ihm
sogenanntes Dämonion als eine in seinem Innern sich
kundgebende Stimme zu berufen, welche zwar niemals ratend, aber
stets warnend sich vernehmbar mache, wenn er etwas Unrechtes zu
thun im Begriff sei. Unter den Schülern des S. haben die
sogen. Sokratiker einzelne Seiten seines Wesens (Eukleides und
Phädon in der megarischen und elischen Schule die
dialektische, Antisthenes und Aristippos in der cynischen und
kyrenäischen Schule die moralische) einseitig entwickelt,
während Platon allein die empfangenen geistigen und sittlichen
Anregungen zu einem das Ganze der Philosophie umfassenden
Gedankenbau ausbildete. Aus der antiken Litteratur über S.
sind die Platonischen Dialoge (insbesondere Kriton, Phädon und
die "Apologie") hervorzuheben. Vgl. Lasaulx, Des S. Leben, Lehre
und Tod (Münch. 1857); Volkmann, Die Lehre des S. (Prag 1861);
Alberti, Sokrates (Götting. 1869); Fouillée, La
philosophie de Socrate (Par. 1874, 2 Bde.); Grote, Plato and the
other companions of S. (4. Aufl., Lond. 1885, 3 Bde.); Zeller,
Philosophie der Griechen, 2. Teil, 1. Abteil. (4. Aufl., Leipz.
1889).
2) S. Scholasticus, Verfasser einer Kirchengeschichte in sieben
Büchern, der Fortsetzung des Werkes des Eusebios, welche von
306-439 reicht, geboren um 380 zu Konstantinopel war eigentlich
Sachwalter. Sein Werk ist herausgegeben unter andern von Hussey
(Oxf. 1853, 3 Bde.) und Bright (das. 1878).
Sokrátik (Sokratische Methode), die
"erotematische" Kunst (s. Erotema) oder die Kunst, durch geschickt
gestellte Fragen die passende Antwort hervorzulocken, welche
Sokrates selbst, auf den Beruf seiner Mutter anspielend, eine
geistige Hebammenkunst (s. Mäeutik) genannt und seine Schule
mit Rücksicht darauf, daß der Fragende sich unwissend
stellt, aber wissend ist, als sokratische Ironie bezeichnet hat.
Vgl. Sokrates 1) und Katechetik.
Sokratiker, Schüler, Anhänger des Sokrates.
Sokratischer Dämon (Dämonion) nannte Sokrates
selbst (Xenophon und Platon zufolge) das "höhere Wesen", von
dem er meinte, daß es ihm durch ein göttliches Geschenk
von Jugend auf beiwohne und sich ihm, wenn er oder seine Freunde
etwas Unrechtes zu thun im Begriff seien, als abratende, jedoch
niemals als zu etwas zuratende Stimme kundgebe, was zu mancherlei
Mißdeutungen (z. B. durch den Spiritismus) Anlaß
gegeben hat. Vgl. Volquardsen, Das Dämonium des Sokrates (Kiel
1862).
Sol, seit 1862 Rechnungseinheit in Peru, à 100
Centavos = 5 Frank; auch s. v. w. Sou (s. d.).
Sol, in der Musik, s. Solmisation.
Sol, bei den Römern der Sonnengott, s. Helios; in
der Alchimie das Gold.
Sol., Soland., bei naturwissenschaftl. Namen
Abkürzung für Daniel Solander, geb. 1736 in Norrland,
gest. 1782 als Unterbibliothekar des Britischen Museums zu London.
Weichtiere, Korallen.
8
Sola fide - Solario.
Sola fide (lat.), d. h. "allein durch den Glauben" werden
wir nämlich gerechtfertigt. Dieses von Luther in der Stelle
Röm. 3, 28, sinn-, aber nicht textgemäß
eingeschobene Sola wurde das Stichwort der lutherischen
Reformation.
Solamen miseris socios habuisse malorum (lat.), "es ist
ein Trost für die Unglücklichen, Leidensgenossen zu
haben".