Großherzogin von Sachsen-Weimar, und ihre Vermählung mit dem damaligen
Erbherzog Carl Friedrich feierte Schiller durch sein lyrisches Vorspiel:
"Die Huldigung der Künste", in welchem sich seine Poesie in ihrem vollen
Glanze und ihrer ganzen Eigentümlichkeit zeigte. Das genannte Stück ward
den 12. November 1804 auf der Weimarischen Bühne vorgestellt. Den
Gesichtspunkt, aus welchem Schiller in der letzten Periode seines Lebens
sich selbst und seine Leistungen betrachtete, machte er in einem Briefe an
Humboldt vom 2. April 1805 mit den Worten namhaft: "Noch hoffe ich in
meinem poetischen Streben keinen Rückschritt gethan zu haben, einen
Seitenschritt vielleicht, indem es mir begegnet seyn kann, den materiellen
Forderungen der Welt und der Zeit etwas eingeräumt zu haben. Die Werke des
dramatischen Dichters werden schneller, als alle andern, von dem Zeitstrom
ergriffen; er kommt, selbst wider Willen, mit der großen Masse in eine
vielseitige Berührung, bei der man nicht immer rein bleibt. Anfangs
gefällt es, den Herrscher zu machen über die Gemüther; aber welchem
Herrscher begegnet es nicht, daß er auch wieder der Diener seiner Diener
wird, um seine Herrschaft zu behaupten; und so kann es leicht geschehen
seyn, daß ich, indem ich die deutschen Bühnen mit dem Geräusch meiner
Stücke erfüllte, auch von den deutschen Bühnen etwas angenommen habe."
In diesem Briefe legte Schiller auch das Geständniß ab, daß die
speculative Philosophie ihn durch ihre hohlen Formeln verscheucht habe,
und daß er auf diesem kahlen Gefilde keine lebendige Quelle und keine
Nahrung für sich gefunden habe. "Aber", fügte er hinzu, "die tiefen
Grundideen der Idealphilosophie bleiben ein ewiger Schatz, und schon
allein um ihrentwillen muß man sich glücklich preisen, in dieser Zeit
gelebt zu haben."
Bitter beklagte sich Schiller in den letzten Jahren seines Lebens über den
Mangel an Produktivität und die unselige Nachahmungssucht der Deutschen,
die nichts weiter herbeiführe, als ein ideales Wiederbringen und
Verschlechtern des Urbildes. "Solche Nachahmungen", schrieb er, "hat auch
mein Wallenstein und meine Braut von Messina vielfach hervorgebracht. Aber
man ist auch nicht einen Schritt weiter gefördert." In einem Briefe vom
11. Februar 1803 meinte Schiller, es sei jetzt ein so kläglicher Zustand
in der ganzen Poesie der Deutschen, daß alle Liebe und aller Glaube dazu
gehöre, um noch an ein Weiterstreben zu denken, und auf eine bessere Zeit
zu hoffen.
Was Schiller in der modernen Poesie vermißte, fand er in der ältern,
vorzüglich in den Meisterwerken der Italiener. Anziehend war für ihn
besonders Ariost's rasender Roland, und er wußte seinem Freunde Körner
nicht genug zu schildern, welchen hohen Genuß ihm die wiederholte Lectüre
jener Dichtung gewährt habe. Da sei Leben und Bewegung und Farbe und
Fülle; man werde aus sich heraus in's volle Leben und wieder in sich
selbst zurückgeführt. Zwar dürfe man hier keine Tiefe suchen und keinen
Ernst. Aber wir brauchten, meinte Schiller, auch die Fläche so nöthig, als
die Tiefe, und für den Ernst sorge die Vernunft und das Schicksal schon so
hinreichend, daß die Phantasie sich nicht damit zu bemengen brauchte.
Zum Ernst mußte ihn schon die Ahnung eines kurzen Lebens stimmen, die sich
ihm fortwährend aufdrang und ihn eigentlich nie ganz verließ. Der Kampf,
den er in seiner Jugend mit dem Druck der Armuth und andern ungünstigen
Verhältnissen bestanden, war kaum härter, als die Leiden, die in spätern
Jahren seine von Natur schwache Gesundheit untergruben. Seine physische
Kraft war gebrochen. Völlige Wiederherstellung seiner Gesundheit konnte
Schiller bei seiner fortwährenden Geistesanstrengung und seinen
Nachtwachen kaum erwarten. Eine Erleichtrung seines Zustandes hoffte er
von dem Gebrauch der Seebäder. Schon einige Jahre früher war diese Idee,
die er später wieder verwarf, in ihm rege geworden.
Am 18. Juni 1801 schrieb er: "Mein Entschluß ist ernstlich gefaßt, in etwa
drei Wochen an die Ufer der Ostsee zu reisen, dort das Seebad zu
versuchen, und dann über Berlin und Dresden zurückzugehen.--Ich muß neue
Gegenstände sehen, muß einen entscheidenden Versuch hinsichtlich meiner
Gesundheit machen. Den 10. October hoff' ich wieder zurück zu seyn, denn
ich werde schnell reisen, und mich nur zwölf Tage in Dobberan, eben so
lange in Berlin, und sechs Tage in Dresden verweilen."
Noch oft kehrte in ihm der Wunsch wieder, durch Reisen seine Gesundheit zu
stärken, und zugleich seine Welt- und Menschenkenntniß zu vermehren. Gern
hätte er besonders die Schweiz besucht, um die Heimath Tell's mit der in
seinem Schauspiel entworfenen Schilderung vergleichen zu können. Die
Ausführung jener mannigfachen Entwürfe ward schon oft in den nächsten
Tagen wieder verdrängt durch den freudigen Eifer, mit dem sich Schiller
der Ausarbeitung seiner Dichtungen widmete.
Den letzten Ausflug unternahm er im Frühling 1804, das Jahr vor seinem
Tode. Er reiste nach Berlin, um der Vorstellung seines "Wilhelm Tell"
beizuwohnen. Iffland, der jene Reise veranlaßt hatte, bot Alles auf, um
ihm den höchsten dramatischen Genuß zu bereiten. Schiller ward in Berlin
mit allgemeiner Achtung empfangen. Eine rege Theilnahme, selbst von Seiten
des preußischen Hofes, kam ihm entgegen. Die Königin Luise äußerte den
Wunsch, ihn an Berlin zu fesseln. Durch den Staatsminister v. Beyme ward
ihm im Namen Friedrich Wilhelms III. ein Jahrgehalt von 3000 Thalern nebst
freiem Gebrauch einer Hofequipage zugesichert. Sein kränklicher Zustand
und die Bedenklichkeit in neue Verhältnisse zu treten, mochten die Ursache
seyn, weshalb Schiller dies glänzende Anerbieten ablehnte oder unbeachtet
ließ. Eine gewisse Vorliebe für Weimar und die Anhänglichkeit an seinen
Fürsten trug dazu bei, ihn von jenem Schritt abzuhalten. Er fühlte sich
dem Herzog von Weimar verpflichtet, der seinen Gehalt erhöht und ihm
außerdem mehrere Beweise seiner Huld gegeben hatte, unter anderen, als er
1802 aus eigner Bewegung ihm den Adelsbrief auswirkte.
"Daß ich," schrieb Schiller den 2. April 1805 aus Weimar an Wilhelm v.
Humboldt, "Anträge gehabt, mich in Berlin zu fixiren, wissen Sie, und
auch, daß mich der Herzog von Weimar in die Umstände gesetzt hat, mit
Aisance hier zu bleiben. Da ich nun auch für meine dramatischen Schriften
mit Cotta und mit den Theatern gute Accorde gemacht, so bin ich in den
Stand gesetzt, etwas für meine Kinder zu erwerben, und ich darf hoffen,
wenn ich nur bis in mein funfzigstes Jahr so fortführe, ihnen die nöthige
Unabhängigkeit zu verschaffen. Sie sehen, daß ich Sie ordentlich wie ein
Hausvater unterhalte. Aber ein solches Häuslein von Kindern, als ich um
mich habe, kann einen wohl zum Nachdenken bringen. Uebrigens lebe ich hier
in sehr angenehmen Verhältnissen, und noch keinen Augenblick habe ich es
bereut, daß ich Weimar dem Aufenthalt in Berlin vorgezogen habe. Wäre ich
ein ganz unabhängiger Mensch, so würde ich dem Süden um einige Grade näher
rücken."
Eine Erkältung, die er sich während seines Aufenthalts in Jena bei einer
Spazierfahrt durch das Dornburger Thal zugezogen, hatte für Schiller die
heftigsten Unterleibsschmerzen zur Folge. Seinen nächsten Umgebungen, wie
ihm selbst, schien sein Zustand bedenklich. Erst langsam genas er wieder.
Den 3. August 1804 schrieb er an Goethe: "Ich habe einen harten Anfall
ausgestanden, und es hätte leicht schlimm werden können. Alles geht nun
wieder besser, wenn mich nur die unerträgliche Hitze zu Kräften kommen
ließe. Eine plötzliche große Nervenschwächung in einer solchen Jahreszeit
ist in der That fast ertödtend, und ich spüre seit den acht Tagen, wo mein
Uebel sich gelegt, kaum einen Zuwachs von Kräften, obgleich der Kopf
ziemlich hell und der Appetit wieder ganz hergestellt ist."
Seit jenem Krankheitsanfall hatte sich Schiller in seinem Aeußern sichtbar
verändert. Seine bleiche Gesichtsfarbe fiel in's Graue. Das Gefühl
physischer Schwäche verließ ihn nicht wieder, und gesteigert ward es noch
durch einen Fieberanfall im Februar 1805. Seinen Zustand schilderte er in
einem Briefe an Goethe. Er schrieb: "Die zwei harten Stöße, die ich nun in
einem Zeitraum von sieben Monaten auszustehen gehabt, haben mich bis auf
die Wurzeln erschüttert, und ich werde Mühe haben, mich zu erholen. Mein
jetziger Anfall scheint zwar nur die allgemeine epidemische Ursache gehabt
zu haben, aber das Fieber war so stark, und hat mich in einem schon so
geschwächten Zustande überfallen, daß mir eben so zu Muthe ist, als wenn
ich aus der schwersten Krankheit erstände; und besonders habe ich Mühe,
eine gewisse Muthlosigkeit zu bekämpfen, die das schlimmste Uebel in
meinen Umständen ist."
Trost gewährte ihm eine ruhige Ergebung in sein Schicksal. In einem
zufälligen Gespräche über den Tod meinte Schiller: "der Tod könne doch
kein Uebel seyn, weil er etwas Allgemeines sei." Am 1. Mai 1805 überfiel
ihn ein Katarrhalfieber, das jedoch wenig Besorgnisse erregte, da er sich
nicht unwohler fühlte, als bei frühern Zufällen ähnlicher Art. Es war
seine letzte Krankheit. Er nahm lebhaften Antheil an dem Gespräch einiger
Freunde, die ihn besuchten. Unter ihnen befand sich auch sein Verleger,
der Buchhändler Cotta, der auf seiner Reise nach Leipzig durch Weimar
gekommen war. Selbst mitzusprechen ward Schiller durch einen oft und sehr
heftig wiederkehrenden Husten verhindert.
Mit seltener Aufopferung brachte Heinrich Voß, der Sohn des Dichters,
mehrere Nächte an Schiller's Krankenlager zu. Schiller's Standhaftigkeit
im Leiden, wie die Sanftmuth und Milde seines Charakters zeigte sich
damals im schönsten Lichte. In einem Briefe an Goethe äußerte Schiller:
"Der sei am besten dran, der durch die Noth gezwungen, sich mit dem
Krankseyn nach und nach habe vertragen lernen."
Voß erzählte in späterer Zeit, wie ihm Schiller einst, als er bei ihm
wachte, bewußtlos in die Arme gesunken sei. Aus Schonung für seine Frau,
die aus Besorgnis um ihn sein Zimmer nicht verlassen wollen, hatte
Schiller eine ihm nahende Ohnmacht gewaltsam unterdrückt. "Bin ich denn
wirklich so matt?" sagte er einst traurig, als beim Auf- und Abgehen im
Zimmer der teilnehmende Freund ihm unter die Arme griff, um ihn zu
stützen. Nur seiner Kinder wegen, äußerte Schiller im Gefühl zunehmender
Schwäche, wünsche er zu leben.
Von der ihm drohenden Gefahr schien er keine Ahnung zu haben. Bis zum
sechsten Mai blieb ihm völliges Bewußtseyn. Er äußerte, er habe über seine
Krankheit nachgedacht, und Mittel entdeckt, die ihm wieder zu seiner
völligen Genesung verhelfen würden. In leidensfreien Stunden beschäftigten
ihn mehrfache poetische Entwürfe. Er arbeitete mitunter fleißig an seinem
Trauerspiel "Demetrius," von welchem er einzelne Scenen niederschrieb. Daß
die Arbeit so langsam fortrücke, beklagte er oft. Den Monolog der "Marsa"
fand man nach Schiller's Tode auf seinem Schreibtische. Es waren
vielleicht die letzten Zeilen, die er geschrieben.
Aus den %Contes de Tressan% einem Buche, das er sehr liebte, ließ er sich
mitunter vorlesen. Wiederholt äußerte er ein Verlangen nach Mährchen und
Rittergeschichten. Darin läge, meinte er, der Stoff zu allem Schönen und
Großen. Lebhafter, als seinem sehr geschwächten Körper zuträglich seyn
konnte, äußerte er sich über mancherlei dramatische Pläne. Seine
Umgebungen suchten ihn ruhig zu erhalten. Halb unwillig äußerte er: "Nun,
wenn mich Niemand versteht, und ich mich selbst nicht verstehe, so will
ich lieber schweigen."
Im Schlafe phantasirte Schiller oft. Sein bei ihm wachender Diener
erzählte, daß er viel gesprochen und einzelne Scenen aus dem "Demetrius"
recitirt habe. Einigemal habe ich an Gott das rührende Flehen gerichtet,
ihn vor einem langen Krankenlager und allmäligen Hinsterben zu bewahren.
Noch ehe mit dem neunten Mai völlige Bewußtlosigkeit eintrat, schien er
die in seiner Nähe befindlichen Personen wenig oder gar nicht zu beachten.
Selten verlangte er, seine Kinder zu sehen; doch freute er sich herzlich,
als ihm seine jüngste Tochter gebracht ward. Seine Brustbeklemmungen
vermehrten sich, der Athem fing an zu stocken, und ein Nervenschlag endete
am neunten Mai 1805 sein Leben im sechs und vierzigsten Jahre.
Seine Züge waren so ruhig, wie die eines sanft Schlafenden. Bei seinem
Tode war, außer seinem Arzt, dem Dr. Herder, einem Sohn des Dichters,
Niemand zugegen, als seine Gattin und deren Schwester Karoline v.
Wolzogen. Bei der Section zeigte sich, daß der linke Lungenflügel
Schiller's gänzlich zerstört war. Seine Schwägerin erinnerte sich, daß er
wenige Wochen vor seiner Krankheit, als er zum Letztenmal im Theater war,
geäußert hatte: sein Zustand sei höchst seltsam; in der linken Seite, wo
er seit mehreren Jahren Schmerz gefühlt, fühle er jetzt gar nichts mehr.
Nach der Behauptung seines Arztes würde Schiller, auch wenn er wieder
genesen wäre, der Beschaffenheit seiner Lunge nach, kaum noch ein halbes
Jahr sein Leben haben fristen können.
Eine allgemeine Trauer herrschte in Weimar bei Schiller's Tode.
Schmerzlich fühlten besonders die Mitglieder der dortigen Bühne den
Verlust eines Mannes, der durch Rath und Belehrung ihr Talent mannigfach
gefördert hatte. Immer hatten sie mit ihm in freundlichen Verhältnissen
gestanden. Sein Andenken ehrten sie durch die Weigerung, an dem Tage, wo
er gestorben, die Bühne zu betreten. Das Theater blieb eine Zeitlang
geschlossen, und ward erst wieder durch eine von einer Todtenfeier
begleitete Vorstellung der "Jungfrau von Orleans" eröffnet.
Goethe, damals selbst lebensgefährlich krank, schrieb bald nach Schillers
Tode: "Ich dachte mich selbst zu verlieren, und verliere einen Freund, und
in demselben die Hälfte meines Daseyns." Goethe's Nachruf an Schillers
Grabe enthielt, in reiner Anerkennung seines Werths, die
charakteristischen Worte: "Wir dürfen ihn glücklich preisen, daß er von
dem Gipfel des menschlichen Daseyns zu den Seligen emporgestiegen, daß ein
schneller Schmerz ihn von den Lebendigen hinweggenommen. Die Gebrechen des
Alters, die Abnahme der Geisteskräfte hat er nicht empfunden. Er hat als
ein Mann gelebt, und ist als ein vollständiger Mann von hinnen gegangen.
Nun genießt er im Andenken der Nachwelt den Vortheil, als ein ewig
Tüchtiger und Kräftiger zu erscheinen. Denn in der Gestalt, wie der Mensch
die Erde verläßt, wandelt er unter den Schatten, und so bleibt uns Achill
als ein ewig strebender Jüngling gegenwärtig. Von seinem Grabe stärkt uns
der Anhauch seiner Kraft, und erregt in uns den lebhaftesten Drang, das,
was er begonnen, mit Liebe fort- und immer fortzusetzen. So wird er seinem
Volke und der Menschheit, in dem, was er gewirkt und gewollt, stets
leben."
In rührender Weise zeigte sich die Verehrung für Schiller bei seiner
Beerdigung in der Nacht vom eilften zum zwölften May. Zu den jungen
Gelehrten und Künstlern, die sich's zur Ehre schätzten, den gewöhnlichen
Trägern Schillers Sarg abzunehmen, gehörten H. Voß, St. Schütze, J.
Jagemann, J. Klauer u. A. In dem Trauerzuge, der den Dichter zu seiner
Ruhestätte geleitete, befand sich auch sein Jugendfreund Wilhelm v.
Wolzogen, der auf die Nachricht von Schillers Tode aus Naumburg
herbeigeeilt war. Das Landschaftscassengewölbe empfing Schiller's irdische
Ueberreste. Dort ruhten sie bis zum Jahr 1826 wo sie mit dem von den
Gebeinen getrennten Schädel, der auf der Großherzoglichen Bibliothek zu
Weimar in dem Postament der Dannecker'schen Marmorbüste Schiller's
aufbewahrt worden war, wieder vereinigt wurden, und in der fürstlichen
Gruft auf dem Kirchhofe zu Weimar eine würdige Stelle fanden.
Ueber Schiller's Beerdigung ertheilte eine im Mai 1805 gedruckte
Zeitungsnachricht nähere Auskunft in den Worten: "Es war zwischen zwölf
und ein Uhr, als man sich dem Gottesacker nahte. Der rings umwölkte Himmel
drohte Regen. Als aber der Sarg vor der Gruft niedergesetzt ward, theilten
sich die Wolken, und der Mond warf seine ersten Strahlen auf den Sarg. Man
senkte ihn in die Gruft. Der Mond trat wieder hinter die Wolken. Heftig
brausend erhob sich ein Sturm, der die Anwesenden gleichsam an den großen,
unersetzlichen Verlust mahnte."
Von dem als Herausgeber des allgemeinen Reichsanzeigers bekannten
Schriftsteller Becker in Gotha ging der Vorschlag aus, auf allen
bedeutenden Bühnen Deutschlands Todtenfeiern für den Dichter zu
veranstalten, und den Gesammtertrag zum Ankauf eines Landguts zu
verwenden, das unter dem Namen "Schillers Ehre" ein unveräußerliches
Eigenthum seiner Familie bleiben sollte. Die politischen Ereignisse und
die bald nach Schillers Tode ausbrechenden Kriegsunruhen verhinderten die
Ausführung dieses Plans. Schillers Jugendfreund, der Bildhauer Dannecker
in Stuttgart, verewigte sein Andenken durch eine colossale Marmorbüste.
Eine früher verfertigte Büste in Lebensgröße, wozu Schiller während seines
letzten Aufenthalts in Schwaben (1793) gesessen, legte der Künstler jenem
Meisterwerk zu Grunde, und er beschloß es mit Anstrengung aller seiner
Kräfte auszuführen, als er die Nachricht von dem Tode seines Freundes
erhielt. Als Schillers Wittwe Danneckers Atelier besuchte, saß sie lange
schweigend vor dem Bilde des ihr vor allen theuern Mannes, und sagte dann
mit tiefer Rührung zu ihren Kindern: "Küßt dem Manne die Hand, der Euern
Vater so fortleben läßt."
Unter den von Schiller vorhandenen Bildnissen hatte vorzüglich ein
Oelgemälde von Madame Simanowitz das Verdienst sprechender Aehnlichkeit.
Als Schiller Jena verließ, schenkte er dieß Bild seiner Freundin, der
Kirchenräthin Griesbach. Späterhin kam es in den Besitz seines zweiten
Sohnes Ernst, der als Apellationsrath in Cöln 1841 starb. Schillers
ältester Sohn Karl, lebt als Königl. Würtembergischer Oberförster in
Rottweil. Der Dichter hinterließ außerdem zwei Töchter, von denen die
ältere, Caroline, an den Bergrath Junot in Rudolstadt verheirathet, 1850
gestorben, die jüngere, Emilie, aber als Gattin des Barons von Gleichen-
Rußwurm auf dessen Gute Bonnland in Baiern lebt. Bereits 1826 war
Schillers Gattin in Bonn gestorben, wohin sie gereist war, um von einem
mit Blindheit sie bedrohenden Augenübel geheilt zu werden.
Eine öffentliche Anerkennung seiner Verdienste ward dem Dichter durch ein
von Thorwaldsens Meisterhand gefertigtes Standbild in colossaler Größe,
das ihm in Stuttgart errichtet und dort am 2. May 1839 feierlich enthüllt
warb. In Weimar beabsichtigt man, ihm mit Goethe und Wieland ein
gemeinschaftliches Denkmal zu errichten. Sein dortiges Haus an der
Esplanade ward bereits vor einigen Jahren von dem Stadtrath zu Weimar
angekauft und mit manchen werthvollen Reliquien des Dichters ausgestattet,
dem Besuch von Einheimischen und Fremden geöffnet.
Treffend hat Schiller in seiner Abhandlung über naive und sentimentale
Dichtung sich selbst gezeichnet in den Worten: "Den kindlichen Charakter,
den das Genie in seinen Werken abdruckt, zeigt es auch in seinem
Privatleben und in seinen Sitten. Es ist schamhaft, weil die Natur dieses
immer ist; aber es ist nicht decent, weil nur die Verderbniß decent ist.
Es ist verständig, denn die Natur kann nie das Gegentheil seyn; aber es
ist nicht listig, denn das kann nur die Kunst seyn. Es ist seinem
Charakter und seinen Neigungen treu, aber nicht sowohl, weil es Grundsätze
hat, als weil die Natur bei allem Schwanken immer wieder in die vorige
Stelle rückt, immer das alte Bedürfniß zurückbringt. Es ist bescheiden, ja
blöde, weil das Genie immer sich selbst ein Geheimniß bleibt; aber es ist
nicht ängstlich, weil es die Gefahren des Weges nicht kennt, den es
wandelt. Wir wissen wenig von dem Privatleben der größten Genies, aber
auch das Wenige, was uns aufbewahrt worden, bestätigt diese Behauptung."
End of Project Gutenberg's Friedrich v. Schiller's Biographie, by H. Doering