»Gregor hat dort die Büsten der Fürstin La Hire und des Ministers

Chocquet gemacht und mancherlei anderes. Wir haben dort so angenehm

gelebt wie junge Leute ... das heißt, jung sind wir ja noch beide ...

ich meine, wie ein Liebespaar, wenn wir auch gelegentlich in die große

Welt gingen ... Wir waren ein paarmal beim österreichischen Botschafter,

die La Hires haben wir besucht und andere. Im ganzen aber machten wir

uns nicht viel aus dem eleganten Leben. Wir wohnten sogar draußen auf

Montmartre, in einem ziemlich schäbigen Haus, wo übrigens Gregor auch

sein Atelier hatte. Ich versichere Sie, unter den jungen Künstlern, mit

denen wir dort verkehrten, hatten manche keine Ahnung, daß wir

verheiratet waren. Ich bin überall mit ihm herumgestiefelt. Oft bin ich

in der Nacht mit ihm im Café Athenés gesessen, mit Léandre, Carabin und

vielen anderen. Auch allerlei Frauen waren zuweilen in unserer

Gesellschaft, mit denen ich wahrscheinlich in Wien nicht verkehren

möchte ... obzwar schließlich – –« Sie warf einen hastigen Blick hinüber

auf Frau Wartenheimer und fuhr rasch wieder fort: »Und manche war sehr

hübsch. Ein paarmal war auch die letzte Geliebte von Henri Chabran dort,

die seit seinem Tode immer ganz in Schwarz ging und jede Woche einen

anderen Liebhaber hatte, die aber in dieser Zeit auch alle Trauer tragen

mußten, das verlangte sie ... Sonderbare Leute lernt man kennen. Sie

können sich denken, daß die Frauen meinem Manne dort nicht weniger

nachgelaufen sind als anderswo; es war zum Lachen. Aber da ich doch

immer mit ihm war – oder meistens, so wagten sie sich nicht recht an ihn

heran, um so weniger, als ich für seine Geliebte galt ... Ja, wenn sie

gewußt hätten, daß ich nur seine Frau war –! Und da bin ich einmal auf

einen sonderbaren Einfall gekommen, den Sie mir gewiß nie zugetraut

hätten – und aufrichtig gestanden, ich wundere mich heute selbst über

meinen Mut.« Sie sah vor sich hin und sprach leiser als früher: »Es ist

übrigens auch möglich, daß es schon mit etwas im Zusammenhang stand –

nun, Sie können sich’s ja denken. Seit ein paar Wochen wußte ich, daß

ich ein Kind zu erwarten hatte. Das machte mich unerhört glücklich. Im

Anfang war ich nicht nur heiterer, sondern merkwürdigerweise auch viel

beweglicher als jemals früher ... Also denken Sie, eines schönen Abends

habe ich mir Männerkleider angezogen und bin so mit Gregor auf Abenteuer

aus. Natürlich hab ich ihm vor allem das Versprechen abgenommen, daß er

sich keinerlei Zwang antun dürfte ... nun ja, sonst hätte die ganze

Geschichte keinen Sinn gehabt. Ich habe übrigens famos ausgesehen – Sie

hätten mich nicht erkannt ... niemand hätte mich erkannt. Ein Freund von

Gregor, ein gewisser Léonce Albert, ein junger Maler, ein buckliger

Mensch, holte uns an diesem Abend ab. Es war wunderschön ... Mai ...

ganz warm ... und ich war frech, davon machen Sie sich keinen Begriff.

Denken Sie sich, ich hab meinen Überzieher – einen sehr eleganten gelben

Überzieher – einfach abgelegt und ihn auf dem Arm getragen ... so wie

das eben Herren zu tun pflegen ... Es war allerdings schon ziemlich

dunkel ... In einem kleinen Restaurant auf dem äußeren Boulevard haben

wir diniert, dann sind wir in die Roulotte gegangen, wo damals Legay

sang und Montoya ... »Tu t’en iras les pieds devant« ... Sie

haben es ja neulich hier gehört im Wiedener Theater – nicht wahr?« Jetzt

warf Mathilde einen raschen Blick zu ihrem Mann hinüber, der nicht

darauf achtete. Es war, als wenn sie nun auf längere Zeit von ihm

Abschied nähme. Und nun erzählte sie drauflos, immer heftiger, stürzte

sozusagen vorwärts. »In der Roulotte,« sagte sie, »war eine sehr

elegante Dame, die ganz nahe vor uns saß; die kokettierte mit Gregor,

aber in einer Weise ... nun, ich versichere Sie, man kann sich nichts

Unanständigeres vorstellen. Ich werde nie begreifen, daß ihr Gatte sie

nicht auf der Stelle erwürgt hat. Ich hätte es getan. Ich glaube, es war

eine Herzogin ... Nun, Sie müssen nicht lachen, es war gewiß eine Dame

der großen Welt, trotz ihres Benehmens ... das kann man schon beurteilen

... Und ich wollte eigentlich, daß Gregor auf die Sache einginge ...

natürlich! – ich hätte gern gesehen, wie man so etwas anfängt ... ich

wünschte, daß er ihr einen Brief zusteckte – oder sonst was täte – was

er eben in solchen Fällen getan haben wird, bevor ich seine Frau wurde

... Ja, das wollte ich, trotzdem es nicht ohne Gefahr für ihn gewesen

wäre. Offenbar steckt in uns Frauen so eine grausame Neugier ... Aber

Gregor hatte, Gott sei Dank, keine Lust. Wir gingen sogar recht bald

fort, wieder hinaus in die schöne Mainacht, Léonce blieb immer mit uns.

Der hat sich übrigens an diesem Abend in mich verliebt und wurde gegen

seine Gewohnheit geradezu galant. Es war sonst ein sehr verschüchterter

Mensch – wegen seines Aussehens ... Ich sagte ihm noch: »Man muß wohl

einen gelben Überzieher haben, damit Sie einem den Hof machen.« Wir sind

so vergnügt weiterspaziert wie drei Studenten. Und jetzt kam das

Interessante: wir gingen nämlich ins Moulin Rouge. Das gehörte zum

Programm. Es war auch notwendig, daß endlich irgend etwas geschah.

Bisher hatten wir ja noch gar nichts erlebt ... nur mich – denken Sie:

mich selbst – hatte ein Frauenzimmer auf der Straße angeredet. Aber das

war ja nicht die Absicht gewesen ... Um ein Uhr waren wir im Moulin

Rouge. Wie es da zugeht, wissen Sie ja wahrscheinlich; eigentlich hatte

ich mir’s ärger vorgestellt ... Es passierte auch anfangs dort nicht das

Geringste, und es sah ganz danach aus, als sollte der ganze Scherz zu

nichts führen. Ich war ein bißchen ärgerlich. »Du bist ein Kind,« sagte

Gregor. »Wie denkst du dir das eigentlich? Wir kommen, und sie fallen

uns zu Füßen –?« Er sagte »uns« aus Höflichkeit für Léonce; es war keine

Rede davon, daß man Léonce zu Füßen fallen konnte. Aber wie wir nun

schon alle ernstlich daran dachten, nach Hause zu gehen, nahm die Sache

eine Wendung. Mir fiel nämlich eine Person auf ... mir, wirklich mir ...

die schon ein paarmal ganz zufällig an uns vorübergegangen war ... Sie

war ganz ernst und sah ziemlich anders aus als die meisten anwesenden

Damen. Sie war gar nicht auffallend gekleidet – in Weiß, vollkommen in

Weiß ... Ich hatte bemerkt, wie sie zwei oder drei Herren, die sie

ansprachen, überhaupt gar keine Antwort gab, einfach weiterging, ohne

sie eines Blickes zu würdigen. Sie schaute nur dem Tanze zu, sehr ruhig,

interessiert, sachlich möchte ich sagen ... Léonce fragte – ich hatte

ihn darum gebeten – ein paar Bekannte, ob ihnen das hübsche Wesen schon

irgendwo begegnet wäre, und einer erinnerte sich, daß er sie im vorigen

Winter auf einem der Donnerstagsbälle im Quartier Latin gesehen hatte.

Léonce sprach sie dann in einiger Entfernung von uns an, und ihm gab sie

Antwort. Dann kam er mit ihr näher, wir setzten uns alle an einen

kleinen Tisch und tranken Champagner. Gregor kümmerte sich gar nicht um

sie – als wenn sie überhaupt nicht dagewesen wäre ... Er plauderte mit

mir, immer nur mit mir ... Das schien sie nun besonders zu reizen. Sie

wurde immer heiterer, gesprächiger, ungenierter, und wie das so kommt,

allmählich hatte sie ihre ganze Lebensgeschichte erzählt. Was so ein

armes Ding alles erleben kann – oder erleben muß, möglicherweise! Man

liest ja so oft davon, aber wenn man es einmal als etwas ganz Wirkliches

hört, von einer, die daneben sitzt, da ist es doch ganz sonderbar. Ich

erinnere mich noch an mancherlei. Wie sie fünfzehn Jahre alt war, hat

sie irgendeiner verführt und sitzen lassen. Dann war sie Modell. Auch

Statistin an einem kleinen Theater ist sie gewesen. – Was sie uns vom

Direktor für Dinge erzählte!... Ich wäre auf und davon gelaufen, wenn

ich nicht vom Champagner schon ein wenig angeheitert gewesen wäre ...

Dann hatte sie sich in einen Studenten der Medizin verliebt, der in der

Anatomie arbeitete, den holte sie manchmal aus der Leichenkammer ab ...

oder blieb vielmehr mit ihm dort ... nein, es ist nicht möglich, zu

wiederholen, was sie uns erzählt hat! – Der Mediziner verließ sie

natürlich auch. Und das wollte sie nicht überleben – gerade das! Und sie

brachte sich um, das heißt, sie versuchte es. Sie machte sich selbst

darüber lustig ... in Ausdrücken! Ich höre noch ihre Stimme ... es

klang gar nicht so gemein, als es war. Und sie lüftete ihr Kleid ein

wenig und zeigte über der linken Brust eine kleine rötliche Narbe. Und

wie wir alle diese kleine Narbe ganz ernsthaft betrachten, sagte sie –

nein, schreit sie plötzlich meinen Mann an: »Küssen!« Ich sagte Ihnen

schon, Gregor kümmerte sich gar nicht um sie. Auch während sie ihre

Geschichten erzählte, hörte er kaum zu, sah in den Saal hinein, rauchte

Zigaretten, und jetzt, wie sie ihn so anrief, lächelte er kaum. Ich hab

ihn aber gestoßen, gezwickt, ich war ja wirklich etwas beduselt ...

jedenfalls war es die sonderbarste Stimmung meines Lebens. Und ob er nun

wollte oder nicht, er mußte die Narbe ... das heißt, er mußte so tun,

als berührte er die Stelle mit den Lippen. Ja, und dann wurde es immer

lustiger und toller. Nie hab ich so viel gelacht wie an diesem Abend –

und gar nicht gewußt, warum. Und nie hätte ich es für möglich gehalten,

daß sich ein weibliches Wesen – und noch dazu solch eines – im Verlauf

einer Stunde so wahnsinnig in einen Mann verlieben könnte, wie dieses

Geschöpf in Gregor. Sie hieß Madeleine.«

Ich weiß nicht, ob Frau Mathilde den Namen absichtlich lauter aussprach

– jedenfalls schien es mir, als hörte ihn ihr Gatte, denn er sah zu uns

herüber; seine Frau sah er sonderbarerweise nicht an, aber unsere Blicke

begegneten sich und blieben eine ganze Weile ineinander ruhen, nicht

eben mit besonderer Sympathie. Dann plötzlich lächelte er seiner Gattin

zu, sie nickte zurück, er sprach mit seinen Nachbarinnen weiter, und sie

wandte sich wieder zu mir.

»Ich kann mich natürlich nicht mehr an alles erinnern, was Madeleine

später gesprochen hat,« sagte sie, »es war ja alles so wirr. Aber ich

will aufrichtig sein: es gab eine Sekunde, in der ich ein bißchen

verstimmt wurde. Das war, als Madeleine die Hand meines Mannes nahm und

küßte. Aber gleich war es wieder vorbei. Denn, sehen Sie, in diesem

Augenblick mußte ich an unser Kind denken. Und da hab ich gefühlt, wie

unauflöslich ich und Gregor miteinander verbunden waren, und wie alles

andere nichts sein konnte, als Schatten, Nichtigkeiten oder Komödie, wie

heute abend. Und da war alles wieder gut. Wir sind dann noch alle bis

zum Morgengrauen auf dem Boulevard in einem Kaffeehause gesessen. Da

hörte ich, wie Madeleine meinen Gatten bat, er solle sie nach Hause

begleiten. Er lachte sie aus. Und dann, um den Spaß zu einem guten und

in gewissem Sinne vorteilhaften Ende zu führen – Sie wissen ja, was die

Künstler alle für Egoisten sind ... insofern es sich nämlich um ihre

Kunst handelt ... – kurz, er sagte ihr, daß er Bildhauer sei, und

forderte sie auf, nächstens zu ihm zu kommen, er wollte sie modellieren.

Sie antwortete: »Wenn du ein Bildhauer bist, lasse ich mich hängen! Aber

ich komm’ doch.«

Mathilde schwieg. Aber nie habe ich die Augen eines weiblichen Wesens so

viel Leid ausdrücken – oder verbergen sehen. Dann, nachdem sie sich

gefaßt zu dem letzten, was sie mir noch zu sagen hatte, fuhr sie fort:

»Gregor wollte durchaus, ich sollte am nächsten Tag im Atelier sein. Ja,

er machte mir sogar den Vorschlag, hinter dem Vorhang verborgen zu

bleiben, wenn sie käme. Nun, es gibt Frauen, viele Frauen, ich weiß es,

die darauf eingegangen wären. Ich aber finde: entweder man glaubt oder

man glaubt nicht ... Und ich habe mich entschlossen, zu glauben. Hab ich

nicht recht?« Und sie sah mich mit großen, fragenden Augen an. Ich

nickte nur, und sie sprach weiter: »Madeleine kam natürlich am Tag

darauf und dann sehr oft ... wie manche andere vorher und nachher

gekommen ist ... und daß sie eine der schönsten war, können Sie mir

glauben. Sie selbst sind erst heute vor ihr in Bewunderung gestanden,

draußen am Teich.«

»Die Tänzerin?«

»Ja, Madeleine hat zu ihr Modell gestanden. Und nun denken Sie, daß ich

in einem solchen oder in einem anderen Falle mißtrauisch gewesen wäre!

Würde ich nicht ihm und mir das Dasein zur Qual gemacht haben? Ich bin

sehr froh, daß ich keine Anlage zur Eifersucht habe.«

Irgend jemand stand in der offenen Mitteltür und hatte begonnen, einen

wahrscheinlich sehr witzigen Toast auf den Hausherrn zu sprechen, denn

die Leute lachten von ganzem Herzen. Ich aber betrachtete Mathilde, die

ebensowenig zuhörte wie ich. Und ich sah, wie sie zu ihrem Gatten

hinüberschaute und ihm einen Blick zuwarf, der nicht nur eine unendliche

Liebe verriet, sondern auch ein unerschütterliches Vertrauen heuchelte,

als wäre es wahrhaftig ihre höchste Pflicht, ihn im Genuß des Daseins

auf keine Weise zu stören. Und er empfing auch diesen Blick – lächelnd,

unbeirrt, obwohl er natürlich ebensogut wußte als ich, daß sie litt und

ihr Leben lang gelitten hat wie ein Tier.

Und darum glaub ich nicht an die Fabel von dem Herzschlag. Ich habe an

jenem Abend Mathilde zu gut kennen gelernt, und für mich steht es fest:

so wie sie vor ihrem Gatten die glückliche Frau gespielt hat vom ersten

Augenblick bis zum letzten, während er sie belogen und zum Wahnsinn

getrieben hat, so hat sie ihm auch schließlich einen natürlichen Tod

vorgespielt, als sie das Leben hinwarf, weil sie es nicht mehr ertragen

konnte. Und er hatte auch dieses letzte Opfer hingenommen, als käme es

ihm zu.

Da stehe ich vor dem Gitter ... Die Läden sind fest geschlossen. Weiß

und wie verzaubert liegt die kleine Villa im Dämmerschein, und dort

schimmert der Marmor zwischen den roten Zweigen ...

Vielleicht bin ich übrigens ungerecht gegen Samodeski. Am Ende ist er so

dumm, daß er die Wahrheit wirklich nicht ahnt. Aber es ist traurig, zu

denken, daß es für Mathilde im Tode keine größere Wonne gäbe, als zu

wissen, daß ihr letzter himmlischer Betrug gelungen ist.

Oder irre ich mich gar? Und es war ein natürlicher Tod?... Nein, ich

lasse mir nicht das Recht nehmen, den Mann zu hassen, den Mathilde so

sehr geliebt hat. Das wird ja wahrscheinlich für lange Zeit mein

einziges Vergnügen sein ...

_Ende_

Druck der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig

Die in vorliegendem Band abgedruckten Novellen sind den »Gesammelten

Werken« entnommen.

Gesammelte Werke von Arthur Schnitzler

I. Die erzählenden Schriften in drei Bänden

In Leinen 10 M, in Halbleder 13 M, in Ganzleder 17 M

Inhalt: Sterben. Blumen. Ein Abschied. Die Frau des Weisen. Der

Ehrentag. Die Toten schweigen. Andreas Thameyers letzter Brief. Der

blinde Geronimo und sein Bruder. Leutnant Gustl. Die griechische

Tänzerin. Frau Berta Garlan. Das Schicksal des Freiherrn von Leisenbohg.

Die Fremde. Die Weissagung. Das neue Lied. Der Tod des Junggesellen. Der

tote Gabriel. Das Tagebuch der Redegonda. Der Mörder. Die dreifache

Warnung. Die Hirtenflöte. Der Weg ins Freie.

II. Die Theaterstücke in vier Bänden

In Leinen 12 M, in Halbleder 16 M, in Ganzleder 21 M

Inhalt: Anatol. Das Märchen. Liebelei. Freiwild. Das Vermächtnis.

Paracelsus. Die Gefährtin. Der grüne Kakadu. Der Schleier der Beatrice.

Lebendige Stunden. Die Frau mit dem Dolche. Die letzten Masken.

Literatur. Der einsame Weg. Zwischenspiel. Der Puppenspieler. Der

tapfere Cassian. Zum großen Wurstel. Der Ruf des Lebens. Komtesse Mizzi

oder Der Familientag. Der junge Medardus. Das weite Land.

Werke von Arthur Schnitzler

Sterben

Novelle. 8. Auflage. Geheftet 2 Mark, gebunden 3 Mark

Der Dichter und der Arzt haben sich in dieser Erzählung zu gemeinsamer

Tat vereint, und was sie vollbracht haben, verdient die größte

Anerkennung, um so mehr, als das Sujet an Handlung sehr arm ist und sich

nur auf zwei Haupt- und eine Nebenperson beschränkt. Die deutsche

Literatur könnte sich glücklich preisen, wenn sie viele solche Bücher

hätte wie diese einfache Erzählung. (Deutsche Revue)

Die Frau des Weisen

Novelletten. 8. Auflage. Geheftet 2 Mark, gebunden 3 Mark

Die Poesie des Vergehens lockt Schnitzler immer und lohnt seine

liebevolle Hingabe an die Schatten, die auf den Lebensweg fallen, mit

dichterischen Erfolgen. Die Gestalten, die er zeichnet, sind der

Reflexion verfallen, aus der Reflexion heraus erstehen die Konflikte.

Eine weichgestimmte Natur, hegt er edle Instinkte. Frauen, die Chopin

gerne spielen, müssen Schnitzler gerne lesen. (Neues Wiener Tagblatt)

Leutnant Gustl

Novelle. 18. Auflage. Geheftet 1 Mark, gebunden 2 Mark

Eine bittere Satire vom militärischen Standpunkt aus, aber als Erzählung

von prachtvoller Geschlossenheit, in jedem Zuge lebendig, und wie

virtuos dabei in der Ausführung! Selten ist das Innere eines in engen

Vorurteilen befangenen Menschen, der durch ein Ungefähr in fieberhafte

Aufregung gerät, meisterhafter durchleuchtet und dargestellt worden als

in dieser auch stofflich höchst spannenden, aus einem einzigen Monolog

bestehenden Novelle. (Dresdner Anzeiger)

Dämmerseelen

Novellen. 12. Auflage. Geheftet 2 Mark, gebunden 3 Mark

Schnitzler beweist auch in seinem neuesten Werkchen jene

außerordentliche Treffsicherheit des Tones, die im Konzert der

zahlreichen europäischen Musikanten leicht an ihren Sonderakkorden

erkannt wird. Von jener weltmännischen Gewandtheit, die nur irrtümlich

als oberflächlich gilt, weil sie schamhaft genug ist, heiße Tränen

hinter dem heimlichen Wappenschilde des Lächelns zu verbergen, läßt er

durch die Maske des spielerisch tändelnden Dandys das wahre Antlitz des

sinnenden ernsten Dichters lugen. (Breslauer Morgenzeitung)

Der Weg ins Freie

Roman. 25. Auflage. Geheftet 5 Mark, gebunden 6 Mark

Je länger dieses Buch in mir nachklingt, desto stärker wird der

menschliche Eindruck, den es hinterläßt. Hier ist diese wundervolle

Vereinigung, daß man überall spürt, wie stark in dem Dichter Schnitzler

der Mensch ist; hier hat der Dichter den Menschen und der Mensch den

Dichter beleuchtet, hier ist Leben und Schaffen, künstlerisches, und

beinahe möchte man sagen privates Fühlen so vollkommene Einheit, daß man

über das Buch hinaus den Eindruck der reinen Individualität empfängt,

die es geschrieben hat. (Die Zeit, Wien)

Masken und Wunder

Novellen, 11. Auflage. Geheftet 3 Mark, gebunden 4 Mark

Ein geheimnisreicher Name für ein rätselvolles, ernstes und tiefes Buch!

Von den Seelen merkwürdiger Menschen, zumal von Frauen, ist darin

gehandelt – skeptisch und mit verhaltener Ironie, aber auch mit der

seelischen Tiefe, die wunderliche Menschenschicksale in ihrem Wesen

erfaßt und in den feinsten Gründen ihrer Existenz darlegt.

(Generalanzeiger, Mannheim)

Frau Beate und ihr Sohn

Novelle. 12. Auflage. Geheftet Mark 2.50, gebunden Mark 3.50

Aus der Welt weicher Sinnlichkeit und unbewachten Genußtriebs, die uns

Schnitzler so oft mit überlegener Ironie geschildert hat, arbeitet er in

dieser Meisternovelle eine erschütternde Tragik heraus. Schnitzler hat

in dieser novellistischen Tragödie der entweihten Mutterschaft sein

Stärkstes geboten. (Vossische Zeitung, Berlin)

Gustaf af Geijerstam

Gesammelte Romane in fünf Bänden

Fünf Bände in schöner, gediegener Ausstattung mit einem Porträt des

Dichters. Geheftet 12 Mark, in Leinen gebunden 15 Mark

1. Bd.: Einleitung / Auf der letzten Schäre / Das Geheimnis des Waldes /

Kristins Myrte / Sammel / Alte Briefe / Frau Gerdas Geheimnis.

2. Bd.: Das Haupt der Medusa / Die Komödie der Ehe.

3. Bd.: Das Buch vom Brüderchen / Frauenmacht.

4. Bd.: Karin Brandts Traum / Gefährliche Mächte.

5. Bd.: Die Brüder Mörk / Die alte Herrenhofallee.

Mit dieser neuen Ausgabe seiner Werke wohnt Geijerstam mitten unter uns.

Man hat ihn in Deutschland verstanden. Diese Sammlung seiner Werke –

rein äußerlich, bei schöner Ausstattung und sehr billigem Preise, die

denkbar beste Vereinigung von Volks- und Bibliotheksausgabe – ist Beweis

dafür. Den Geijerstam, den man braucht, hat man in dieser Auswahl ganz.

Sie findet ihre literarische Rechtfertigung zudem in einer Einleitung

von Friedrich Düsel, und diese Einführung gibt eine seelisch

eindringliche, man könnte beinahe sagen erschöpfende Analyse von

Geijerstams künstlerischer Persönlichkeit ... In Geijerstam kündigt sich

eine neue Weltanschauung an, noch viel zu unentwickelt, um in den Rahmen

von zehn Geboten gefaßt zu werden, doch aber recht eigentlich die

Weltanschauung des Menschen, der nicht die Kraft, dafür aber die

Zartheit seiner eigenen Empfindungen besitzt. – Eine neue Frucht der

Erkenntnis gleißt aus der grünen Blätterpracht dieser Erzählungen! Aus

dem Stamm des sozialen Mitleidens ist sie erwachsen. Menschen mit

verfeinerten Empfindungsorganen werden danach greifen und werden – wie

das immer war – beides daraus schmecken: Tod und Leben. (Frankfurter

Zeitung)

Otto Erich Hartleben

Ausgewählte Werke in drei Bänden

Auswahl und Einleitung von Franz Ferdinand Heitmüller. Mit dem Bilde des

Dichters. Preis geheftet 8 Mark, in drei Pappbänden gebunden 10 Mark, in

drei Ganzpergamentbänden 15 Mark.

1. Bd.: Gedichte: Einleitung / Die Gedichte vollständig.

2. Bd.: Prosa: Die Serenyi / Die Geschichte vom abgerissenen Knopfe /

Wie der Kleine zum Teufel wurde / Vom gastfreien Pastor / Der

Einhornapotheker / Der römische Maler / Der bunte Vogel.

3. Bd.: Dramen: Angele / Hanna Jagert / Die Erziehung zur Ehe / Die

sittliche Forderung / Rosenmontag.

Ein schönes Werk der Pietät. In wundervoller Ausstattung ist hier ein

Überblick über des toten Poeten Lebenswerk gegeben. Den ersten Band

ziert ein schönes Bild Hartlebens. Druck, Papier, Einband – alles ist zu

jener vornehmen Harmonie abgetönt, die des Dichters eigene Person

ausströmte und mit der er jeden gefangen nahm, der die Freude hatte, ihm

im Leben zu begegnen. Diese drei Bände stellen eine Zierde für jede

Bibliothek dar. (Universum, Leipzig)

Dieses Werk faßt als Rahmen noch ein ganz apartes Schmuckstück, nämlich

das Bildnis einer reinen, edlen Frauengestalt, wenn es in seiner

Einleitung Bruchstücke aus den Tagebuchaufzeichnungen wiedergibt, mit

denen Hartlebens Mutter die erste Jugend ihres Ältesten geleitete. Diese

Tagebuchnotizen geben sogar in doppeltem Sinne Biographisches. Denn sie

kennzeichnen ihre Verfasserin, diese stille Frau, die nicht Frau Ajas

Humor, aber Frau Ajas Geduld und ihre Liebe hat. (Hamburger Fremdenblatt)

Peter Nansen

Werke in drei Bänden

Mit dem Bilde des Dichters. Drei Leinenbände in elegantem Futteral 12

Mark. Jeder Band einzeln geheftet 3 Mark 50 Pf., in Leinen gebunden 4

Mark 50 Pf.

1. Band: _Jugend und Liebe._ Eine glückliche Ehe / Aus dem ersten

Universitätsjahr / Die Feuerprobe / Das erleuchtete Fenster / Des

Bürgermeisters Winterüberzieher / Der Simulant / Aus dem Tagebuch eines

Verliebten / Ein Weihnachtsmärchen / Der Weihnachtsbaum / Fräulein Mimi

/ Eine Ballunterhaltung.

2. Band: _Theater._ Judiths Ehe / Eine glückliche Ehe / Kameraden / Ein

Hochzeitsabend / Die gestörte Verbindung.

3. Band: _Die Romane des Herzens._ Julies Tagebuch / Maria /

Gottesfriede.

Nansens freie Selbständigkeit und seine künstlerische Unbefangenheit,

die manchen als Rücksichtslosigkeit erscheinen mag, weisen ihm eine hohe

Stellung unter seinen Landsleuten an, denen so vielfach über der Tendenz

die Gabe abhanden gekommen ist, die Welt zu schildern, wie sie ist.

Nansen will ein neues Frauenideal der nordischen Literatur zu Ehren

bringen, indem er in erster Linie die »Weibheit« der Frau – wie Laura

Marholm sagen würde – berücksichtigt; aber diese Absicht ist nicht die

Hauptsache. Seine Bücher haben dagegen einen eigenen poetischen Wert.

(Norddeutsche Allgemeine Zeitung)

Peter Nansen stammt aus der elegischen, graziösen Hauptstadt des

Nordens, die architektonisch mit Dresden, seelisch mit Wien, geistig mit

Paris verwandt ist. Er gehört zu denen, die das Klima der nordischen

Literatur wärmer, sinnlicher, verführerischer gemacht haben, so daß wir

die Franzosen bald ganz entbehren können. (Das Literarische Echo)

[Anmerkungen zur Transkription: Dieses elektronische Buch wurde auf

Grundlage der 1914 in der Reihe »Fischers Bibliothek zeitgenössischer

Romane« erschienenen Ausgabe erstellt. Die nachfolgende Tabelle enthält

eine Auflistung aller gegenüber dem Originaltext vorgenommenen

Korrekturen.

p 001: Fischers Bibliothek zeitgenössischer Romane -> (entfernt)

p 024: Anführungszeichen ergänzt: »Wofür denn?! ->»Wofür denn?!«

p 026: Anführungszeichen ergänzt: »Lieber mir, ... daneben! -> daneben!«

p 102: Anführungszeichen ergänzt: »Wie?– -> »Wie?«–

p 128: Anführungszeichen ergänzt: »Ich bin nicht schuld daran,

p 139: an die fünfzigmal gehört hätte. -> hatte.

p 148: Die Marie laßt Ihnen schon grüßen -> schön ]

[Transcriber’s Note: This ebook has been prepared from scans of an

original copy, published in 1914 as part of the series "Fischers

Bibliothek zeitgenössischer Romane". The table below lists all

corrections applied to the original text.

p 001: Fischers Bibliothek zeitgenössischer Romane -> (deleted)

p 024: added missing quotes: »Wofür denn?! ->»Wofür denn?!«

p 026: added missing quotes: »Lieber mir, ... daneben! -> daneben!«

p 102: added missing quotes: »Wie?– -> »Wie?«–

p 128: added missing quotes: »Ich bin nicht schuld daran,

p 139: an die fünfzigmal gehört hätte. -> hatte.

p 148: Die Marie laßt Ihnen schon grüßen -> schön ]

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Die griechische Tänzerin, und andere Novellen · 第 8 / 8 段