»Auch Todesgefahr nennen Sie wenig?«
Sie lächelte mit nassen Blicken auf mich her.
Auch Todesgefahr, rief ich, auch Todesgefahr, wenn ich ein Leben dadurch
retten kann, das mehr werth ist, als Millionen andre!
»Guter, guter Wilhelm!« rief sie, und ich -- stürzte ihr zu Füßen. Mein
Auge suchte das ihrige und fand es, meine Seele folgte meinen Blicken, und
ich sog aus den ihrigen ihre Seele. Dies war der Augenblick, wo Herz
und Herz einander entgegen flogen, wo innig und innig verschwistert und
verschlungen, beyde dem Körper sich entschwangen; wo Auge und Lippe, wo
Finger und Arm, wo jeder Nerve, jede Fiber und jeder Pulsschlag: _ich liebe
dich! ich liebe dich!_ zu sagen sich bestrebte, und nur die Zunge allein
schwieg. -- O Sprache, arme Sprache, woher nimmst du Worte für diesen
Augenblick? der uns in ein Elysium hinüber zauberte, in welchem tausend
neue Elysien mit ihren Freuden vor unserm verklärten Auge in himmlischer
Schönheit sich entwickelten!
Plötzlich hörte ich einen lauten Seufzer, und in eben dem Nu flatterte
ein Vogel zur Laube herein, der mit seinen Flügeln die Decke derselben
rauschend schlug. Ich sprang auf, und sah den alten Tobias vor mir. Die
Gräfin sank ohnmächtig zurück.
[Illustration]
Siebentes Kapitel.
_Freundschaft und Pflicht._
Lieber Tobias, rief ich, und die Worte erstarben mir auf der Zunge.
Er drehete sich um, und sagte: »Ich bin dein lieber Tobias nicht mehr, und
du bist mein lieber Wilhelm nicht mehr.« -- Ich wollte ihn halten, aber er
riß sich von mir los.
»Sieh nur,« rief ich und zeigte auf die Gräfin, »hilf doch!«
Hilf Du selbst! sagte er unwillig, und ging mit schnellen Schritten aus der
Laube.
Ich sprang, zwischen Schrecken und Angst und Liebe und Mitleid getheilt,
zur Gräfin zurück, und schüttete ein ganzes Glas Wasser, das beym
Schokolate stand, ihr über das Gesicht! Sie schlug die Augen auf!
»Gott, was soll aus mir werden!« rief sie: »Er sagt es dem Herrn!«
In dem Augenblick trat Lisette in die Laube.
»Hier! hier!« sagt' ich, indem ich auf die Gräfin zeigte, »Hülfe!« -- Es
fehlte mir an Athem und Worten und das gewaltsame Klopfen meines Herzens
drohete mir die Brust zu sprengen. Ich eilte dem alten Tobias nach. Er war
todtenblaß, und die Augen standen ihm voll Wasser. Ich nahm ihn bey der
Hand --
»O, wenn du doch ein Schurke wärst, Wilhelm,« sagte er, und die Thränen
rollten ihm in den grauen Bart: »mit Freuden wollte ich meine Pflicht
thun!«
Er stand still, faltete beyde Hände fest in einander, und sah mit starren
Blicken zur Erde.
»Ja,« rief er nach einigen Augenblicken: »Ja, er muß es wissen, ich kann es
nicht verschweigen!« --
»Tobias,« rief ich und umschloß ihn, und drückte ihn an mein Herz, »lieber
Tobias!« --
Er machte sich sanft von mir los, und ein heftiges Schluchzen ließ ihn
nicht zu Worten kommen.
»Und wenn du ein Wilddieb wärst,« sagte er endlich: »so wollte ich dir
durch die Finger sehen.« --
Er schluchzte von neuem heftiger.
»Aber ein Ehrendieb,« fuhr er fort, »ein Ehrendieb meines Herrn, meines
Grafen -- Nein, ich kann dich nicht mehr ansehen. Geh mir aus den Augen!«
»Lieber Tobias,« rief ich: »wenn du auch mich nicht schonen willst, so
schone doch wenigstens die arme Gräfin!«
Er stutzte einen Augenblick. Ich benetzte seine rechte Hand mit meinen
Thränen, während er mit der linken die seinigen abwischte.
»Ach Gott,« rief er, indem er den Kopf langsam und entkräftet auf die linke
Schulter sinken ließ: »ich _kann_ es ja nicht verschweigen, ich _darf_ es
ja nicht verschweigen!«
»Fodere was du willst,« rief ich, »von der Gräfin und von mir: du sollst
es haben. Lege mir irgend etwas auf, das ich für dich thun soll, ich ruhe
nicht, bis ich es gethan habe. Willst du dich glücklich machen, deine ganze
Familie glücklich machen, so rede, ich bringe dir die ganze Schatulle der
Gräfin!«
»Wie,« rief er, und der Zorn gab seinen Augen neues Leben: »du willst mir
meine Pflicht abkaufen?«
Er schob mich unsanft von sich.
»Hättest du mir doch lieber ein Messer ins Herz gestoßen, Wilhelm, als das
gesagt!« -- setzte er sanfter hinzu. --
Wir waren während der Zeit bis vor seine Kammer gekommen. Er trat hinein,
und ich wollte ihm folgen, aber er drückte die Thür vor mir zu und schloß
sie ab.
Achtes Kapitel.
_Moriz läuft Sturm._
Ich durfte nicht laut vor seiner Kammer seyn, um das übrige Gesinde nicht
herbey zu ziehen. Mit stillem verhaltnen Schmerz lief ich in den Garten
zurück. Ich traf die Gräfin und Lisetten noch in der Laube. Lisette lag vor
der Gräfin auf den Knieen, als ich hineintrat, und ich hörte nur noch
die Worte: »O Gott, warum mußte ich den alten Spürhund fehlgehen! Er geht
_oben_ herein, während ich _unten_ Wache halte!« Sie sprang auf, als sie
mich sah, und die Gräfin erröthete mitten unter der Angst.
»Er wird uns verrathen!« rief ich: »Es ist keine Rettung!«
Die Gräfin ward von neuem ohnmächtig. Ich ging mit großen Schritten in
der Laube auf und ab. Schrecken, Angst und Verzweiflung uns rettungslos zu
sehen, raubten mir Bewußtseyn und Verstand.
Mitten unter dieser Verwirrung, trat ein Wachtelhund, des Grafen Liebling,
in den Eingang der Laube, witterte und rannte davon. Beweis genug, daß der
Graf in der Nähe sey. Die Gräfin sprang auf und wußte nichts von Ohnmacht,
Lisettens Thränenquell versiegte, und ich -- fühlte mich ganz leicht.
Hier ward Schrecken von Schrecken übermeistert, und die Betäubung, die nun
folgte, dauerte lange genug, um uns dem Grafen entkommen zu lassen, ohne
daß wir ihm aufgefallen wären. Er sprach zwey Worte mit der Gräfin, und
ließ sie gehen, und als er mich um meine Verrichtung in der Laube befragte,
sagte ich frisch und rund: Tobias hätte eine Amsel fliegen lassen, die
hätte ich wiederfangen wollen, aber sie wäre fort.
Er ging, und ließ mich stehen. Sogleich eilte ich zur Kammer des alten
Tobias zurück. Weil niemand in der Nähe war, so sah ich durch das
Schlüsselloch. Er ging, beyde Hände fest in einander geschlungen, jammernd
auf und ab, und fuhr sich zuweilen mit der verwandten Hand über die Augen.
Ich pochte leise an die Thür.
»Wer ist da?« rief er mit schwacher Stimme.
»Ich bins, lieber Tobias!« rief ich kläglich.
Er antwortete nicht, machte aber auch nicht auf. Ich pochte noch einmal und
stärker, aber kein Gehör; ich nahm die Faust, die Thür blieb zu -- Und nun
geh' es drunter und drüber! rief ich in rasender Wuth, und fing an, die
Thür mit den Fäusten, mit den Knieen, mit den Schultern, und endlich gar
mit dem Kopfe zu bearbeiten, daß sie donnerte und krachte.
In wenig Augenblicken stand das ganze Hausgesinde in einem halben Zirkel um
mich herum, und Knecht und Magd, und Jungfer und Diener bezeigten mir ihr
Staunen, und ihre Neugier, jedes nach seiner Art. -- Ich glaubte der Himmel
fiele über mich zusammen.
Ich durchbrach das Getümmel, und suchte das Freye, aber der Haufen zog
hinter mir her. Ich bat die Verständigsten darunter, kein Aufsehen zu
machen, sie sollten alles erfahren: der Haufen folgte. Ich drohete, den
ersten, der mir zu nahe käme, mit Gewalt zurückzuführen: der Zug blieb mir
auf den Fersen. Ich stieß einige ziemlich unsanft zurück: diese blieben
hinten, die hintersten drangen vor, und die Gesellschaft folgte mir in
schönster Ordnung auf dem Fuße. Als ich mich so von allen Seiten umzingelt
und umlagert sah, blieb mir nichts übrig, als mich durchzuschlagen, und
dies gelang mir so gut, daß ich meine Kammer erreichte, und Zeit genug
behielt, sie hinter mir abzuschließen. In eben dem Augenblick riefen ein
paar Stimmen: _der Herr kömmt!_ Ich warf mich ohne Athem und aller Sinne
beraubt auf mein Bette, drückte die Augen fest zu, und bestrebte mich, auch
das letzte Fünkchen von Bewußtseyn, das noch in meinem Kopfe glimmte, in
bitterer Verzweiflung zu ersticken.
Ich weiß nicht, wie lange ich in diesem Zustande blieb. Die Stimme des
alten Tobias erweckte mich endlich. Ich öfnete ihm meine Kammer. Er nahm
mich stillschweigend und mit abgewandtem Gesichte bey der Hand, führte mich
über den Schloßhof, durch ein altes verfallenes Nebengebäude, schloß eine
eiserne Thür auf, schob mich hinein und legte das Schloß wieder davor.
Neuntes Kapitel.
_Moriz schüttelt den alten Tobias._
Nun hatte ich Zeit und Gelegenheit genug, über das, was geschehen war und
geschehen würde, reiflich nachzudenken. Es war gewiß, daß Tobias dem Herrn
die ganze Begebenheit entdeckt hatte. Aber mein Schicksal lag mir nicht so
schwer auf dem Herzen, als das Schicksal der Gräfin. Ich zitterte für sie,
wenn ich an die hitzige Gemüthsart des Grafen dachte; doch ward ich wieder
durch den Umstand getröstet, daß er sich gegen mich nichts weniger als
jachzornig benommen hatte. Jeder andre wäre thätlich mit mir verfahren,
aber er, läßt mich blos einsperren, und noch dazu durch einen Andern. Was
auf diesen Verhaft folgen würde, wußte ich freylich noch nicht.
Ich befand mich in einem runden Thurme, der vor Alters eine Warte gewesen
zu seyn schien, jetzt aber als ein Gefängniß für ungehorsame Bauern
gebraucht wurde. Eine schmale Wendeltreppe führte hinab in ein finsteres
Gewölbe, und eine andre hinauf in eine Art von Stube, die durch drey oder
vier stark vergitterte Löcher ihr Licht erhielt. Ich saß eine Zeit lang auf
der untersten Stuffe der Treppe, die hinan führte, und war in tiefen
und traurigen Betrachtungen versunken. Die Finsterniß, die rund um mich
herrschte, machte die Bilder, die meine Phantasie sich schuf, um so heller
und heller; auch wurden sie um so mannichfaltiger und zahlreicher, je
verwickelter und verwirrter mein Schicksal mich dünkte, und je weiter sich
die Hoffnung eines guten Ausgangs von meinem Herzen entfernte. Man kann
leicht denken, daß auch Malchen in diesen Augenblicken mir erschienen seyn
müsse: mein Bestreben, dies Bild, das mir doppelt peinlich war, vor meinen
Augen zu entfernen, ging jedesmal in eine förmliche Herzensangst über.
Endlich stieg ich die Treppe hinan. Ich fand in dem obern Behältnisse
nichts, als eine steinerne Bank und einen steinernen Tisch. Dieser
handfeste Hausrath erweckte in mir eine Besorgniß, die mich mit jeder
Minute heftiger peinigte. -- »Wer wehrt es dem Grafen, rief ich trostlos
aus, mich Zeitlebens in diesem undurchbrechlichen Kerker eingesperrt zu
halten? Er ist Herr über sein Gesinde, und kann den Verbrecher nach Willkür
strafen! -- Wenn ich auch rufe, wer hört mich? Wer es hört, kann mich nicht
retten! Die großen Schlösser an der eisernen Thür widerstehen der Axt, und
die dicken Quadern und starken Gitter dem Brecheisen!«
Während ich so sprach und dachte, hatte ich doch die Stärke meines Armes an
den Gittern versucht.
Es war schon finster in meinem Kerker, als ich ein Gerassel an der eisernen
Thür und die Stimme des alten Tobias hörte. Ich stieg hinab, und er reichte
mir durch die Klappe, die in der Thür angebracht war, Brot und Wasser
herein. Ich darf dir nichts besseres geben, sagte er gerührt, er hat es so
befohlen!
»Aber was soll aus mir werden, Tobias?« rief ich, als ich meine karge
Aetzung neben mir nieder gesetzt hatte.
Gott weiß es! sagte er, indem er den Kopf auf die Seite drehte.
»Und die Gräfin? Ich bitte dich -- was ist ihr geschehen?«
Nichts! Er ist diesen Nachmittag lange mit ihr spatzieren gegangen, er war
sehr freundlich mit ihr, und sie lachte einigemal laut auf.
»Lachte?« rief ich mit Bitterkeit.
Ja, ich begreif' es auch nicht, wie sie lachen kann und wie er lachen kann.
Er hat mich wohl zehnmal gefragt: »also nur auf den Knieen lag er vor ihr?«
-- Ja, Gnädiger Herr, sagte ich. -- »Alter Narr,« sagte er darauf, »so
lange man auf den Knieen liegt, hat es nichts zu sagen. -- Indessen laß ihn
sitzen bey Brot und Wasser!« -- Aber wie lange, gnädiger Herr? -- »So lange
ich will!« sagte er und kehrte mir den Rücken zu. O, lieber Wilhelm, diese
kurze Antwort that mir sehr weh.
»Und mir thuts weh,« rief ich in rasender Wuth, »daß ich -- daß ich dich
nicht habe -- daß ich dich nicht den Berg hinabstürzen kann -- du alter
verwünschter Zeitungsträger!«
Ich fuhr bey diesen Worten mit dem Arm plötzlich durch die Klappe, packte
ihn bey der Schulter, und schüttelte ihn gewaltig.
»Weiß man es dir nun Dank?« fuhr ich fort, indem ich ihn bey jeder der
folgenden Fragen aus allen Kräften zusammenrüttelte: »Hast du mich nicht
muthwillig in dies Loch gebracht? Habe ich dich nicht fast auf den Knieen
gebeten, du solltest mich nicht verrathen? Und doch (hier schüttelte ich
ihn am allergewaltigsten) und doch gehst du hin und giebst mich an?«
Mein Gott, rief er, ich wußte ja nicht, daß das Knieen nichts auf sich
habe!
Ich ließ ihn endlich los, und er schlich sich kopfhängend davon. In dem
Augenblicke dauerte er mich wieder.
Zehntes Kapitel.
_Noch ein Besuch._
Als ich mich bückte, um meine Gefangenkost aufzuheben, fand ich weder
Wasser noch Brot. Ich hatte in der Hitze die Wasserflasche zertreten, und
das Brot hinter mir die Treppe, die in das unterirrdische Gefängniß führte,
mit dem Fuß hinabgestoßen. Kaum war ich dieses Unglücks gewiß, als ich
die Klappe in der Thür aufriß, und ein paarmal Tobias! Tobias! mit solcher
Anstrengung herausbrüllte, daß das Echo ein zehnfaches Tobias, Tobias, von
den umliegenden Felsen eben so gewaltig zurückgab.
Jesus, ich sterbe! ließ sich in eben dem Augenblick eine Stimme hören --
Ach, ach, ach!
Ich sah hinaus, und erblickte eine weibliche Gestalt, die vor Schrecken
zu Boden gesunken zu seyn schien. Mit der linken Hand hielt sie sich die
Brust, wie wenn man ausser Athem ist, und mit der rechten bedeckte sie
beyde Augen.
Wer ist da? rief ich. Ein paar Dutzend O und Ach waren die Antwort.
Ums Himmels willen, wer ist denn da? rief ich von neuem. Aber die O und
Ach nahmen kein Ende. Endlich hörte ich, nach einem dritten Zuruf, ein
klägliches: Ach lieber Wilhelm! und nun erkannte ich -- Lisetten.
»Was bringt Sie mir?« sagte ich wildes Herzens: »Kommt Sie auch, um zu
lachen, wie Ihre Frau?«
Nur stille, erwiederte sie, daß uns niemand hört! Ich habe mich unvermerkt
hinter dem alten Tobias hergeschlichen und so lange versteckt gehalten bis
er weg war. Als Sie so abscheulich schrien, bin ich --
»Ich bitte Sie um alles in der Welt mach' Sie's kurz! -- Ists wahr, daß die
Gräfin gelacht hat?« --
Freylich hat sie das, und warum sollte sie nicht? Sie hat für den Grafen
einen so herrlichen Roman ersonnen, und er hat ihn so treuherzig für wahr
gehalten, daß wohl der Ernsthafteste hätte lachen müssen. Sie sind zu einem
blöden Schäfer gemacht worden, der schon beym Gedanken an seine Geliebte
auf die Kniee fällt. Sie hätten sich in die Gräfin verliebt (so erzählte
sie die Geschichte) ohne daß sie etwas dafür gekonnt, und gerade damals,
als Tobias in der Laube dazu gekommen sey, hätten Sie ihr knieend einen
Blumenstrauß überreicht, und das Uebermaaß Ihrer Liebe hätte Ihnen das Herz
abstoßen wollen. Sie würde die ganze Geschichte dem Grafen selbst erzählt
haben (setzte sie hinzu) wenn sie nicht auf eine Gelegenheit gewartet
hätte, wo er sich mit eignen Augen von Ihrer demuthsvollen Liebe hätte
überzeugen können. Ich that, während der ganzen Erzählung, als ob ich vor
Lachen außer mir sey, und flochte gelegentlich noch eine Menge närrischer
Anmerkungen ein, die ich über Ihre verliebte Raserey gemacht haben wollte,
da Sie mich zur Vertrauten Ihrer Qualen gebraucht hätten. Genug, wir
brachten den Grafen so weit, daß er lachte, und damit hatten wir gewonnen.
Am Ende machte er aber doch die Anmerkung, es schicke sich, so lächerlich
auch die Geschichte sey, dennoch für eine Gräfin sehr schlecht, einen armen
Pinsel zum Narren zu machen; und wenn sie ihm eher einen Wink davon gegeben
hätte, so würde er's ihr untersagt haben. Sie wären ein ehrlicher Kerl, der
ihr noch dazu das Leben gerettet hätte, und hätten es nicht verdient, daß
man sich lustig über Sie machte.
»Bey Gott!« rief ich auf einmal, aus der Tiefe meines Herzens: »das hab'
ich auch nicht verdient!«
Seltsamer Mensch, sagte Lisette, haben Sie denn vergessen, daß das alles
nur im Spaße gesagt war? Im Herzen dachte die Gräfin ganz anders.
Diese Worte brachten mich wieder zu mir selbst. Ihre Erzählung und das
ewige Lachen über mich, hatten meine Empfindlichkeit rege gemacht, und
allmählig hatte sich der Gedanke in meinem Kopfe entsponnen: ob mich die
Gräfin nicht wirklich zum Besten gehabt? Daß sie so sprechen mußte, um sich
und mich zu retten, hatte ich ganz vergessen.
»Und was beschloß der Graf über mich?« fuhr ich fort.
Er verlöre an Ihnen einen treuen Kerl, sagte er, denn er sehe sich
genöthigt, Sie wegzuschicken. Leuten Ihres Standes sey es wohl erlaubt,
mit eigener Lebensgefahr Gräfinnen das Leben zu retten, aber sich in sie zu
verlieben, müßten sie sich nicht einfallen lassen. Deßhalb wollte er Ihnen,
um Ihres eigenen Besten willen, mit einem kleinen Denkzettel den Abschied
geben.
»Denkzettel, Denkzettel!« rief ich: »Mit was für einem Denkzettel? Ließ er
sich nicht d'rüber aus, was für ein Denkzettel das seyn sollte?«
Diese Worte sagte ich mit einer Heftigkeit, die meinen Thurm wiederhallen
machte.
Ich weiß nicht, wie er es meynte!
»Machte er keine Bewegung mit den Augen, oder mit der Hand, woraus du
hättest schließen können, wie er das meynte? Ich bitte dich, sahest du gar
nichts?« --
Nun, was wird es seyn? Er hob die rechte Hand in die Höhe und ließ sie
wieder sinken.
»Himmel und Hölle,« schrie ich: »so wie man die Hetzpeitsche oder den
Prügel schwingt! -- Es ist sein Tod, wenn er sich thätlich an mir vergreift
-- sein und mein Tod, das schwöre ich ihm!«
Dafür lassen Sie _uns_ sorgen! Es wird Ihnen nichts geschehen! Morgen
kömmt eine Freundin der Gräfin an, für die er sich ihres Schicksals wegen
besonders interessirt, und die er schon lange wieder zu sehen gewünscht
hat: da bitten wir ihn während der ersten Freude, daß er Sie los läßt, und
die Fremde muß mit uns bitten, so kann er nicht widerstehen!
Ich hörte ihre Reden wie im Traum an; denn ich hatte während derselben
schon einen Plan ersonnen, wie ich den Schimpf nach den Gesetzen der Ehre
abwaschen wollte, wenn er mich prügelte, oder prügeln ließe. Ich wollte
hingehen, die Fuchshöhle aufsuchen, worein ich Uniform und Degen vergraben
hatte, und mich ihm als Soldat und Kavalier, den bloßen Degen in der Hand,
vor die Augen pflanzen! Da sollte er erstaunen, da sollte er sich wundern,
was aus seinem Jäger geworden wäre! Dieser Gedanke gefiel mir so, daß ich
heimlich und ohne es selbst zu billigen, endlich sogar wünschte, es möchte
dem Grafen gefallen, mich mit einem _thätlichen_ Denkzettel fortzuschicken.
»Aber wenn ich nun fort muß?« sagte ich kläglich.
Diese Worte waren die Quelle zu einem Thränenstrom von Seiten Lisettens.
Jedes Wort, das sie sagte, flog mir mit einem Schluchzer entgegen, und da
sie am Ende keinen artikulirten Laut mehr hervor bringen konnte, so floß
ihre ganze Tonleiter in eine seltsame Geheulsprache zusammen, die eben so
schwer zu beschreiben als unangenehm anzuhören ist.
Mir war es sehr leid, daß ich zu dieser sonderbaren aber gut gemeynten
Musik den Ton angegeben hatte. Um sie zu beruhigen, stellte ich mich auch
beruhigt, und ich tröstete _sie_, da ich _von ihr_, nach jener traurigen
Aeußerung, Trost erwartet hatte. Die Gräfin lag mir tiefer im Herzen, als
ich es mir je gestanden hatte, doch bey weitem nicht mehr so tief, als
drey Stunden vorher, wo ich noch nicht wußte, daß sie, während ich in
einem finstern Kerker, von aller Welt verlassen jammerte, so herzlich hätte
lachen können. Man wird über mich lachen nach diesem Geständniß, ich weiß
es wohl, aber ich weiß auch, daß man in diesem Falle nicht mich, sondern
die Natur ausspottet.
Auch auf Lisetten fiel ein Theil meines Unmuths, weil ich mich, sobald
ich mich ihrer gewöhnlichen guten Laune und Verschmitztheit erinnerte, des
Gedankens nicht erwehren konnte, daß sie und ihre Frau mich wirklich
zum Besten gehabt hätten. Ich wurde jeden Augenblick stiller und
zurückhaltender, und als mich Lisette um die Ursache davon fragte,
antwortete ich: mich plagten Hunger und Durst zugleich, weil ich meine
Gefangenkost die finstere Treppe hinab gestoßen hätte.
Sie flog davon, kam aber eben so hurtig zurück, und trippelte
unentschlossen und ohne die Ursach ihrer plötzlichen Zurückkunft angeben
zu können, vor meinen Augen herum. Endlich kam es heraus, daß sie sich
fürchte, den dunklen Gang durchs alte Schloß zurückzugehen. Ich wußte
nicht, ob ich lachen, oder mich erzürnen sollte. Es hatte allen Anschein,
daß ich diese Nacht hungrig und durstig würde zubringen müssen. Auch sie
hätte am Fuße meines Thurms, von der frischen Nachtluft durchdrungen, ein
trauriges Lager gehabt. Ich stellte ihr dies vor, und vermochte sie, ein
paarmal von neuem anzusetzen, aber sie kam jedesmal ausser Athem zurück.
Sie weinte endlich über ihre Furchtsamkeit, ward aber um nichts beherzter
dadurch. Je weniger ich Hoffnung behielt, meine Eßlust zu befriedigen,
desto stärker ward diese; je öfter Lisette versuchte ihre Furcht
zu überwinden, desto furchtsamer ward sie. Wir waren beyde in der
allerbedaurenswürdigsten Lage!
Da es aber keine Verlegenheit giebt, aus welcher sich nicht ein Weiberkopf
gut -- oder schlecht zu ziehen wüßte, so blieb auch Lisette in der
gegenwärtigen nicht stecken. Sie bannte den Geist der Furchtsamkeit mit
einem -- o Wunder! -- mit einem Zwirnfaden.
Ich mußte meine Hand zur Klappe herausstecken. Nachdem sie mir solche
herzlich gedrückt hatte, band sie mir einen Faden an den Daum, behielt
den Knäuel in der Hand, und so unternahm sie das große Wagstück, durch
den finstern Gang des alten Schlosses zurückzugehen. -- »Ich sollte nicht
vergessen zuweilen zu zupfen,« sagte sie, als sie ihre Reise antrat: »damit
sie sicher wäre, daß der Faden nicht zerrissen sey!« -- Wahrhaftig, diese
Anstalten mußten ihren Muth anfrischen! Mit einem bekannten herzhaften
Menschen, der in einem Thurm zwischen drey Ellen dicken Quadern
eingesperrt ist, durch einen Zwirnfaden auf zwey bis dreyhundert Schritte
zusammenzuhangen, und durch sein Zupfen jede Minute erfahren zu können, daß
-- der Faden noch an seinem Daum befestigt ist: dies war ein Umstand, der
alle Furcht vor Gespenstern und Kobolden, eben so gewiß von ihr entfernt
halten mußte, als es ausser allem Streit ist, daß Amulette und Lukaszettel
(die seit einiger Zeit unverdienter Weise einen übeln Geruch angezogen
haben) mehr als Einen gefährlich Kranken vom Tode errettet haben.
Sie kam in kurzer Zeit, mit einer zweyten Aegide in Gestalt einer
Blendlaterne gegen die Furcht bewaffnet zurück, und brachte mir allerley
Gebacknes, das ihr die Gräfin selbst für mich gegeben hatte. Die Gräfin
ließ mir sagen, ich sollte mich nur bis morgen ruhig verhalten, und meiner
Loslassung wegen ausser Sorgen seyn. Wirklich bemengte ich mich jetzt nicht
mehr so sehr mit bangen Erwartungen über den Ausgang meines Verhafts. Der
Graf sah den Vorfall in der Laube von einer lächerlichen Seite an, und
schickte er mich mit einem Denkzettel fort, so wußte ich, daß nicht weit
von hier in einer Fuchshöhle die Werkzeuge meiner Rache zu finden waren.
Aber die Beruhigung, die mir dieser Gedanke verschaffte, war von kurzer
Dauer. Lisette, die es sich, während ich aß, sehr angelegen seyn ließ, mich
zu unterhalten, erzählte mir, als eine seltsame Mordgeschichte, daß der
Graf diesen Nachmittag in einer -- Fuchshöhle, auf die ihn seine Diane
aufmerksam gemacht, eine vollständige S** Offiziers-Uniform mit Degen und
Kordons gefunden habe, die noch ganz neu wäre und vor kurzem erst dort
vergraben seyn müßte. Ihr Besitzer wäre vermuthlich im Walde angefallen und
erschlagen worden. Um durch den Verkauf seiner Uniform nicht verrathen zu
werden, hätten die Räuber sie wohl in jene Höhle vergraben.
Mir verging Hören und Sehen bey dieser Geschichte. Die gefundne Uniform
war die meinige, was noch dadurch ausser allem Streit gesetzt ward, daß
Lisette, die sie selbst gesehen haben wollte, mir versicherte, sie habe
einen rothen Kragen und rothe Aufschläge gehabt. -- »Weil sie den Erdgeruch
angezogen hätte,« setzte sie hinzu, »so habe sie der alte Tobias unter der
Linde aufgehangen, damit sie austrocknen sollte. Unter dem Stichblatte
des Degens hätten Buchstaben gestanden, die vermuthlich den Namen des
Erschlagenen andeuteten. Der alte Tobias habe sie aufmerksam betrachtet,
und zum Herrn gesagt: er habe diese Buchstaben schon sonst irgendwo
gesehen, wo sie ihm aufgefallen wären, aber da sein alter Kopf schwach sey,
so erinnere er sich nicht mehr, wo?«
Dieser letzte Umstand brachte mich vollends aus aller Fassung. Unter
dem Stichblatte meines Degens waren die Anfangsbuchstaben meines Namens
eingegraben; auf dem Knopfe meines Rohrs, das ich nicht mit verscharrt
hatte, standen sie auch; dies hatte der alte Tobias gesehen, und daher war
ihm der Namenzug bekannt. Ich war so gut, als verrathen, wenn ihm mein Rohr
unter die Augen kam, oder wenn er sich auch nur daran erinnerte.
Um Lisetten meine Bestürzung nicht zu verrathen, gab ich Müdigkeit vor, und
bat sie, mich zu verlassen. Sie wünschte mir unter Seufzern und Thränen,
die um so häufiger wurden, da sie sich an mein hartes Lager erinnerte, eine
herzliche gute Nacht, und entfernte sich.
Eilftes Kapitel.
_Moriz ein Mörder._
Aber, ich würde keine gute Nacht gehabt haben, und wenn ein Lager von Flaum
und Ederdunen auf mich gewartet hätte. Tausend ängstliche Gedanken fuhren
mir durch den Kopf, und hielten den Schlaf weit von mir entfernt. Was
sollte aus mir werden, wenn man mich als den Besitzer der gefundenen
Uniform, und zugleich als S** Offizier, der Ausreisser war, entdeckte, fest
hielt, und an mein Regiment zurücklieferte, oder mir wohl gar als einem
Spion, der die nahgelegene neue Festung hätte aufnehmen und verrathen
wollen, den schimpflichsten Proceß machte? Daß auch der Graf nach dieser
Entdeckung das Knieen vor seiner Gemahlin ernsthafter, als vorher, da
er mich für einen gewöhnlichen Jäger hielt, aufnehmen müßte, und daß die
Folgen davon für mich und seine Gemahlin um so schrecklicher seyn würden,
da er wohl wissen konnte, daß mein Regiment in L**, also an eben dem Orte
stand, wo sie in Pension gewesen war, und er mithin leicht glauben dürfte,
meine Verkleidung als Jäger sey ausdrücklich unter uns abgekartet gewesen,
um ihn zu entehren: daß alle diese Umstände, so bald jene Entdeckung ins
Klare gesetzt war, wie Blitz und Schlag über mich hereinbrechen müßten,
fand ich so natürlich, so unumgänglich gewiß, daß ich in eine Raserey
darüber verfiel, die durch das Bewußtseyn meiner undurchbrechlichen
Verwahrung, bis zum höchsten Grade wilder Verzweiflung getrieben wurde.
Diese Nacht werde ich nie vergessen. Aber auf sie folgten noch zwey
schrecklichere Morgenstunden.
Ich hatte, als es lichte ward, ganz unwillkürlich eines der Papiere in die
Hand genommen, worein das Kuchenwerk, das mir Lisette gebracht, gewickelt
gewesen war. Lange hatte ich es in den Händen zerdrückt und wieder
entfaltet, je nachdem mich der Schauer der Verzweiflung zusammenschüttelte,
oder mich auf eine Zeitlang wieder verließ. Auf einmal fiel mir der Name
_Amalia von Lehmniz_ in die Augen. Ein gewaltsamer Schlag fuhr mir durch
alle Glieder. Ich hatte nicht erst Muth genug zu lesen, was in diesem
Briefe stand, so wenig es auch war. Nur diese fünf Zeilen waren es:
»Morgen in der Frühe, meine Liebe, drücke ich Dich an mein Herz. Nicht eher
werde ich Dich verlassen, bis mein Schmerz geheilt ist, sey es durch Deine
Freundschaft, oder durch den Tod.«
O, das war zuviel für ein menschliches Herz! Ich schlug ohne Bewußtseyn
zu Boden. Wie wesenlose Schatten schwebten Malchen, und ihre Schwester als
Mannsperson verkleidet, mit einem Stich durch die linke Seite, mir vorüber.
Ich strebte nach diesen geliebten Schatten, ich rang, ich weinte nach
ihnen, aber ach! mich schloß ein dunkler Kerker ein, und sie schwanden und
zerflatterten in Luft.
Dieser Traum, den ich wachend träumte, war ein unordentliches Gemählde der
Gedanken-Trümmer, die während dieser schrecklichen Augenblicke durch ihr
Gedränge meinen Verstand zerrütteten, und meinen Körper zu Boden warfen.
Was für ein Licht ging mir durch diese fünf Zeilen auf! Malchen war also
doch die Freundin, die jenen Brief, dessen Aufschrift mich damals so
erschreckte, an die Gräfin geschrieben hatte! Mein Nebenbuhler, dessen
Anblick mir damals den Verstand raubte, und nach welchem ich stach, war
also ihre Schwester! Ein Scherz, den ich mißverstand, hatte ihr einen
Schmerz verursacht, dessen Linderung sie nur vom Tode hoffte. Ich hatte,
während sie verlassen trauerte, einer neuen Liebe in meinem Herzen Raum
gegeben und die Arme, die durch meine Uebereilung unglücklich wurde,
gänzlich vergessen! Jetzt kömmt sie, vom Kummer verzehrt, als Märtyrin
ihrer Liebe hieher, und findet mich in einem schimpflichen Gefängniß,
das mir eine Untreue zuzog, die ich mit eben der Freundin, von deren
Theilnehmung sie Heilung ihres Schmerzes erwartete, an ihr begangen hatte!
Ich wußte nun, daß sie kam, daß sie vielleicht schon da war -- ich wollte
zu ihr fliegen und um Leben oder Tod bey ihr bitten, und konnte nicht --
und konnte nicht, weil eiserne Thüren und eiserne Stäbe, und dicke Quadern
mir den Ausgang zu ihr versperrten! -- O, dies war zuviel, zuviel für ein
menschliches Herz!
Wie lange dieser grausame Zustand dauerte, weiß ich nicht. Ein gewaltsames
Rütteln brachte mich zu mir selbst. Ich fand meine Hände mit starken
Stricken gebunden, und um mich sah ich vier Männer beschäftigt, die mich
aufzuheben und fortzuschaffen versuchten. Der alte Tobias war an ihrer
Spitze. Die ersten Worte, die ich vernahm, waren seine Worte: »Er war sonst
ein Riese,« sagte er, »jetzt hat ihn das böse Gewissen so schwach wie ein
Kind gemacht! -- Aber wer sollte unter seinem Gesichte einen Räuber und
Mörder gesucht haben?«
Wo bin ich? rief ich: Bist du es, Tobias? Kein Laut zur Antwort! Sie hoben
mich stillschweigend auf und trugen mich die Treppe hinunter, und ich ließ
es geschehen, ohne eine deutliche Vorstellung, oder vielmehr, ohne Kraft zu
haben, mir eine Vorstellung von dem was vorging zu machen. Unter der Thür
richteten sie mich auf. Nur mit Mühe trugen mich meine Füße.
Sie führten mich auf das Schloß in einen großen Saal, wo man Gericht zu
halten pflegte. Ich sah auf demselben ein dickes Gewimmel von Leuten, deren
starre Blicke, sobald ich erschien, sich fest auf mich hefteten. Auf
der Tafel sah ich meine Uniform, meinen Degen, mein Rohr und eins meiner
Schnupftücher liegen. Ich fuhr bey diesem Anblick zusammen, und das Volk
brach in lautes Gemurmel aus. Man erwartete nur noch den Grafen.
Dieser erschien endlich und hatte zwey Frauenzimmer und eine Mannsperson
hinter sich, die in der Thür des Seitenkabinets stehen blieben. Die
Bedienten trennten das Gedränge, damit mich, wie sie sagten, die Herrschaft
sehen könnte. In eben dem Augenblick, wo das Getümmel aus einander fuhr,
hörte ich ein Geschrey: »Gott, es ist nicht sein Mörder! Er ist es selbst!«
-- Und zu mir her flog ein Frauenzimmer, flog mein Malchen, und umarmte
mich, und drückte mich an ihr Herz, und weinte sprachlos an meiner Brust;
und ich Armer, ich konnte sie nicht umschließen, ich konnte sie nicht an
mein Herz drücken, weil meine Hände gebunden waren!
Der alte Tobias war der erste, der herzusprang, und unter Freudenthränen
meine Bande löste! Und nun hatte ich Malchen, nun hatte Malchen mich
wieder! Wir sagten uns Worte, die wie Feuerfunken in unsre Herzen fuhren,
und unser ganzes Wesen zur wildesten Freude entflammten! »O Moriz! O
Malchen! Ich habe dich wieder! Du bist wieder mein!« -- Diese Worte waren
die Losung unsers Entzückens. Wir schlungen einen Knoten, den die Ewigkeit
selbst nicht wieder auflösen sollte!
Zwölftes Kapitel.
_Plötzliche Abreise._
Während der Ergießungen unserer Freude hatten sich die Zuschauer allmählig
vom Saale verloren, und wir sahen, als wir ein wenig zu uns selbst kamen,
niemand mehr, als den alten Tobias, dem das Vergnügen aus den Augen lachte.
Er sagte uns: der Graf, die Gräfin und der junge Herr (Malchens Bruder)
wären in ein Seitenzimmer gegangen, um -- uns nicht zu stören. Wir sprangen
Hand in Hand zu ihnen, ich hing dem Grafen am Halse, Malchen der Gräfin.
»Kein Wort vom Vergangenen, Herr von Lemberg!« sagte der Graf mit einer
Ernsthaftigkeit, die merkbar auf den Vorfall in der Laube Bezug hatte: »Ich
bin Ihr Freund, nehmen Sie meine Hand d'rauf.« -- Ich drückte sie an mein
Herz. Der Gräfin konnte ich nicht ins Gesicht sehen, und sie mir eben
so wenig. Sie versuchte, mir ihre Freude über die glückliche Entwicklung
meiner Geschichte zu bezeigen, und stotterte -- Komplimente. Ich versuchte,
ihr für ihre Theilnehmung zu danken, und stotterte auch Komplimente.
Wir waren in dem gezwungensten Verhältnisse gegen einander, das um
so peinlicher war, da Malchen zwischen uns stand, und in unsern Augen
Entzücken und Freundschaft suchte, aber nicht fand. Malchens Bruder, der
bey allen diesen Ereignissen den kalten Zuschauer spielte, that endlich
den Vorschlag, daß wir uns heute um niemand als um uns selbst bekümmern
sollten, weil wir doch wohl für niemand, als für uns selbst Auge und Ohr
hätten. Sie verließen uns hierauf und wir waren wieder allein.
Wieviel wollten wir uns nicht sagen, und wie wenig sagten wir uns! Ich
machte Malchen einen sehr unordentlichen Bericht, von dem was mir seit
unserer Trennung begegnet war; ich gestand ihr sogar, daß ich mich
_beynahe_ in die Gräfin verliebt hätte. Sie gerieth in eine sichtbare
Bewegung bey diesem Geständniß, und that mir gleich darauf den Vorschlag,
daß wir heute noch nach Lehmnitz zurück wollten, um -- unserm Vater, der
vor Unruhe und Gram verginge, endlich wieder eine frohe Stunde zu machen.
Ich schlug ein, und damit sie diesen Entschluß noch mehr in mir befestigte,
sagte sie, daß sie mir ihre Geschichte nicht eher erzählen würde, als bis
wir im Wagen säßen.
Sogleich suchten wir den Grafen, die Gräfin, und den jungen Lehmnitz auf,
und thaten ihnen unsern Vorsatz kund. Sie fanden ihn zwar sehr übereilt,
setzten ihm aber keine starken Gründe entgegen. Malchens Bruder erklärte,
daß er nicht mitreisen, sondern binnen einigen Tagen, wenn er des Grafen
Wildbahn erst recht genossen hätte, mit Muße nachkommen würde.
Kaum zwey Stunden nahmen wir uns zur Erholung Zeit. Es ward mir ganz leicht
ums Herz, als man uns Nachricht brachte, Pferde und Wagen wären bereit.
Malchen und die Gräfin zerdrückten und zerküßten sich beym Abschiede mit --
trockenen Augen, und ich stand mit dem Grafen Hand in Hand, und sprach mit
ihm sehr ernsthaft von -- dem guten Wege, den wir zu unserer Reise haben
würden. Endlich küßte ich der Gräfin mit einer tiefen Verbeugung die Hand,
welches sie eben so höflich erwiederte. Lisette machte es ihrer Frau eben
so geschickt nach, aber der alte Tobias ließ seinem Vergnügen freyen Lauf,
und nannte mich im Ausbruche desselben _Herr von Wilhelm_ und dutzte mich
dabey.
Vier Rappen flogen mit uns bis zur nächsten Station. In wenig Minuten
war das Schloß hinter uns verschwunden. Ich umarmte Malchen, und Malchen
umarmte mich, mit einer Inbrunst, als ob wir uns heute zum zweytenmal
wiederfänden, und nun fing sie an zu erzählen:
Dreyzehntes Kapitel.
_Malchen erzählt._
»Ein unschuldiger Scherz, Moriz, hätte dich mir also beynahe auf ewig
entrissen! Meine Schwester war der junge Mensch in blauer Uniform, nach
welchem du stachest, den du erstochen hättest, wenn dein Ungestüm dich
einen gewissen Stoß hätte thun lassen. Du sprengtest davon, ohne auf unser
Geschrey zu hören. Von der Terrasse herab, sahen wir dich noch einige
Augenblicke und dann verschwandest du hinter Gebüschen und Bergen.«
»Ich sank, als dich mein Auge verlor, ohnmächtig zurück, und meine
Schwester, die mehr von Unwillen, als von Schmerz durchdrungen war,
rannte ins Schloß, um Hülfe zu holen, und meinem Vater die Begebenheit zu
entdecken!«
»Dieser setzte sich mit drey von unsern Leuten zu Pferde und sprengte dir
nach. Gegen Abend kam er zurück, ohne eine Spur von dir gefunden zu haben.
Sein Zorn auf uns beyde zerschmolz, da er ihn auf uns herab gedonnert
hatte, in Zärtlichkeit und Schmerz; denn wir waren beyde so schwach, daß
man uns zu Bette bringen mußte.«
»O Moriz, die Nacht, die auf diesen Tag folgte! Wer könnte mir für ihre
Qualen je Ersatz geben, als du, der du sie über mich ergehen ließest! O
Moriz (ihr Haupt senkte sich sanft auf meine Schulter) wirst du mir diesen
Ersatz je verweigern können?«
Ich drückte sie mit nassen Augen sprachlos an meine Brust.
»Ein, zwey Monate vergingen, und wir hörten nichts von dir. Mein Vater war
selbst in deiner Garnison und erkundigte sich mit vieler Behutsamkeit nach
dir. Er ließ seine Bestürzung nicht merken, als er fand, daß man auch hier
keine Nachrichten von dir hatte. Immer bestand er darauf, daß du zu viel
auf Ehre hieltest, als daß du über deinen Urlaub ausbleiben, und dich,
wie er sagte, austrommeln lassen würdest. Auch ich baute auf diesen Grund.
Worauf hätte auch mein armes Herz sonst noch bauen sollen? Nur so lange
kann dein Schmerz noch dauern, sagte ich mir immer, als sein Urlaub! Kömmt
er zurück, so kann er bald aus seinem Irrthum gerissen werden, und dann ist
er wieder dein!«
»Unterdessen -- unterdessen -- fand -- meine Mutter für gut, mich auf
jedem Fall, von Hause zu entfernen, weil ich -- weil es -- und damit man
nicht« --
Sie verbarg ihre glühenden Wangen an meiner Brust.
»Niemand war mit meinem Herzen so vertraut, als die Gräfin. Ich entdeckte
ihr meine Bekümmernisse, und ihr nächster Brief war eine förmliche
Einladung, zu ihr zu kommen und so lange bey ihr zu bleiben, als es mir
beliebte. Es war mir, als ob dieser Brief mir neues Leben gäbe. Mein
Entschluß war bald gefaßt und meine Eltern billigten ihn. Ich flog, von
meinem Bruder begleitet, zu meiner Freundin; ich konnte die Zeit nicht
erwarten, wo ich sie wieder sehen würde; ich schrieb ihr fast von jeder
Station einen Brief, den ich als den Herold meiner Ankunft jedesmal
voranschickte.« --
O, rief ich, solch einen Brief hab' ich diesen Morgen gelesen! Er hat
mir zwey Stunden gemacht, die deine schreckliche Nacht, für die du Ersatz
foderst, weit aufwiegen! Sie lächelte und fuhr fort:
»Je näher ich dem Orte meiner Bestimmung kam, desto leichter ward es
mir ums Herz. Ich weidete mich an dem Gedanken, eine zärtlich geliebte
Freundin, nach langer Trennung wieder an mein Herz zu schließen, und bey
ihr Trost und Linderung meines Schmerzes zu finden. Wir kamen endlich an,
und fuhren in das Schloß. Was mir zuerst in die Augen fiel, war eine weiße
Uniform mit rothen Aufschlägen, die unter einer Linde hing. _Du_ trugst
eine solche Uniform, und ich konnte die Zeit nicht erwarten, sie näher zu
betrachten. Ich sprang aus dem Wagen, lief hinzu und war wie vom Donner
gerührt, als ich in einem Schnupftuche, das darneben hing, deinen Namen
erblickte. »Woher ist diese Uniform und dieses Schnupftuch?« rief ich mit
aufwallender Freude, denn ich glaubte, daß du nicht weit wärest. -- Ich
habe es im Walde vergraben gefunden! sagte der alte Jäger -- und ich sank
in seine Arme. »Er ist ermordet!« schrie ich: »Moriz ist ermordet! O, ich
Unglückliche! Wo, wo sind seine Mörder?«
»Der Graf und die Gräfin eilten herzu, und fragten erschrocken nach der
Ursach meiner Klagen. Aber ich redete irre, und mußte es meinem Bruder
überlassen, ihnen die Geschichte meiner Verzweiflung zu erzählen. Sie
suchten alles hervor um mich zu trösten, aber meine Trostlosigkeit stieg
dadurch. »Moriz ermordet!« rief ich: »Moriz ermordet!« Und was für eine
Idee hätte ich Arme ausser dieser noch haben sollen!«
»Unterdessen kam der alte Jäger gelaufen und rief, der Mörder ist entdeckt!
Zugleich zeigte er ein Rohr vor, das ich auf den ersten Blick für das
deinige erkannte, und das er bey einem Jäger gefunden haben wollte, der
sich im Schloßthurm eingesperrt befände. »Ich will zu ihm,« schrie ich,
»ich will von ihm selbst hören, wo Moriz geblieben ist!« Man brachte mich
aber durch Vorstellungen und durch das Versprechen, daß der Mörder unter
meinen Augen förmlich vernommen werden sollte, von diesem Gedanken ab.«
»Es geschah. Ich brannte vor Ungeduld, den Unmenschen zu sehen, der meinen
Moriz umgebracht haben könnte! Ich kam und sah und erkannte in dem Mörder
meines Moriz, meinen Moriz selbst! Ich hatte ihn wieder, auf ewig hatte ich
ihn wieder!«
Neue Umarmungen, neues Entzücken!
So schwanden Meilen und Stationen, so rollten wir durch Städte und Dörfer
ohne Rast und Schlaf. Lehmnitz war der Mittelpunkt unsres Glückes, und
diesen wollten wir ohne Verzug erreichen. Wir kamen endlich an, sprangen
aus dem Wagen, liefen ins Schloß, rissen die Thüren auf und warfen sie zu,
und stürmten das Zimmer unsres Vaters, wo wir unsre Mutter und Schwester
auch fanden. Schrecken und Erstaunen erregte in ihnen unser unerwartete
Anblick. Stumme Umarmungen und Freudenthränen empfingen uns, und ein frohes
Willkommen stammelte uns jede Lippe.
»Zum Pastor, zum Pastor!« rief der alte Oberst, »daß Springinsfeld nicht
noch einmal davon rennt! Junge, Junge!« setzte er mit nassen Augen hinzu,
indem er mich an sein Herz drückte: »Du hast mir viel Leid gemacht, aber
auch viel Freude!«
[ Hinweise zur Transkription
Zwei ganzseitige Illustrationen wurden im Rahmen der Transkription
vom Buchanfang zu den passenden Textstellen auf den Seiten 88 und 361
verschoben.
Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt, die Titelseite in
Kursivschrift.
Hervorhebungen sind im Original durch die Schriftart "Schwabacher"
gekennzeichnet, in der Transkription als _Kursivschrift_. Dazu gehören auch
die Kapitelüberschriften. Im Originalbuch sind teilweise Eigennamen (zum
Beispiel "Martha", "Phylax") in Schwabacher gesetzt, ohne eine Hervorhebung
zu kennzeichnen; dies wurde in der Transkription nicht wiedergegeben.
Textstellen in Antiqua-Schrift wurden in der Transkription
=gekennzeichnet=.
Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, einschließlich
uneinheitlicher Schreibweisen wie beispielsweise "ausser"/"außer",
"Begrif"/"Begriff", "erschracken"/"erschraken", "Kanape"/"Kanapee",
"Lehmnitz"/"Lehmniz", "Miene"/"Mine", "Officier"/"Offizier",
"öffnen"/"öfnen", "Ottomane"/"Ottomanne", "schluchsend"/"schluchzend",
"schreien"/"schreyen", "so bald"/"sobald", "spatzieren"/"spazieren",
"weisse"/"weiße", "unwillkührlich"/"unwillkürlich",
"Verwandschaft"/"Verwandtschaft",
mit folgenden Ausnahmen,
Seite 4:
"nnd" geändert in "und"
(Mein rechter Arm trug den Kopf und der linke lag unbeweglich)
Seite 10:
"wol" geändert in "wohl"
(seine Wirthschafterin Martha wohl gewesen seyn)
Seite 23:
"verschaft" geändert in "verschafft"
(so ruhete sie nicht eher, bis sie mir dieselbe verschafft hatte)
Seite 36:
"ch" geändert in "ich"
(sagte ich. Sie nahm mich bey dem Arm und führte mich)
Seite 40:
"«" eingefügt
(ich bin böse!«)
Seite 43:
"»" und "«" eingefügt
(»Louise würde sich recht über den Kranz gefreuet haben,« sagte sie)
Seite 43:
"»" eingefügt
(sagte sie, »wenn Du ihn nicht verdorben hättest)
Seite 81:
"«" verschoben
(»Landjägers Sohn,« fuhr ihr Vater fort:)
Seite 81:
"»" und "«" eingefügt
(»hat schon vor einer Stunde [...] oder nicht dein Vater heißen.«)
Seite 84:
"«" eingefügt
(Wer bist du? Wo kömmst du her?«)
Seite 89:
"viere" geändert in "Viere"
(in der Stube alle Viere von sich gestreckt)
Seite 97:
"«" und "»" eingefügt
(wir nicht leben,« fuhr er fort, »und wenn du kein Geld hast)
Seite 99:
"Gefährt" geändert in "Gefährte"
(»Hier mußt du betteln!« sagte mein Gefährte am Eingang eines Dorfes)
Seite 140:
"eine" geändert in "ein"
(und ihn um ein Haar zwischen seine großen Zähne)
Seite 156:
"ihre" geändert in "Ihre"
(O, Ihre Mama ist meine Herzensfreundin!)
Seite 168:
"»" eingefügt
(»Versprechen Sie mir das?«)
Seite 175:
"sichbar" geändert in "sichtbar"
(Verdruß und Unwillen lagen sichtbar auf ihrer Stirne)
Seite 179:
"daß" geändert in "das"
(nach einem Mädchen zu erkundigen, das mir Ruhe und Verstand geraubt)
Seite 187:
"daß" geändert in "das"
(noch ein zweytes Verhör auszustehen, das mir schwerer ward)
Seite 190:
"eigne" geändert in "eignen"
(Ihre eignen Augen strafen Sie Lügen!)
Seite 198:
"«" eingefügt
(»Wollen Sie Soldat werden?«)
Seite 206:
"«" und "»" eingefügt
(Lemberg,« sagte er, »haben Sie das Terrain)
Seite 211:
"ihnen" geändert in "Ihnen"
(das wird Ihnen gute Dienste thun)
Seite 211:
"Frenndschaft" geändert in "Freundschaft"
(Solch eine Freundschaft ist unerhört)
Seite 216:
"," geändert in "."
(ward ich wieder anderes Sinnes. So kämpfte ich)
Seite 222:
"i r" geändert in "ihr"
(fühlte ich, wie ihr rechter Arm)
Seite 227:
"sie" geändert in "Sie"
(O, helfen Sie doch!)
Seite 240:
"ihr" geändert in "Ihr"
(Ihr Anblick nach so langer Zeit)
Seite 242:
"sie" geändert in "Sie"
(Aber Beydes machten Sie mir unmöglich)
Seite 245:
"würklich" geändert in "wirklich"
(und als Sie wirklich nicht kamen)
Seite 246:
"daß" geändert in "das"
(mein Herz nicht bändigen, das Sie ungestüm von mir forderte)
Seite 257:
"höchstens" geändert in "höchsten"
(unter allen Merkmalen des höchsten Erstaunens)
Seite 259:
"daß" geändert in "das"
(Mein Gott, das hast du ja schon gelesen!)
Seite 261:
"!" geändert in "."
(Aber, was soll nun werden? sagte Frau von Lehmniz.)
Seite 262:
"«" eingefügt
(Du weißt, als es noch kleine Krabben waren --«)
Seite 268:
"»" eingefügt
(»das Brautgeschenk!«)
Seite 270:
"»" eingefügt
(»Rahm, Ihr hättet eure Schuldigkeit nicht halb gethan)
Seite 270:
"ihr" geändert in "Ihr"
(das arme Mädchen habt Ihr am meisten beleidigt!)
Seite 280:
"«" eingefügt
(»Wer kann es anders seyn als Malchen,« rief ich laut)
Seite 320:
"daß" geändert in "das"
(etwas Glänzendes, das ich für einen Schlüssel hielt)
Seite 347:
"Pantomine" geändert in "Pantomime"
(sie hätte die Pantomime der Kammerjungfer gerade so verstanden)
Seite 358:
"sie" geändert in "Sie"
(Für Sie, gnädigste Gräfin!)
Seite 364:
"«" eingefügt
(ich bringe dir die ganze Schatulle der Gräfin!«)
Seite 371:
"»" eingefügt
(»Wer wehrt es dem Grafen)
Seite 378:
"ihrer" geändert in "Ihrer"
(mich zur Vertrauten Ihrer Qualen gebraucht)
Seite 381:
"Fuchshöle" geändert in "Fuchshöhle"
(Ich wollte hingehen, die Fuchshöhle aufsuchen)
Seite 388:
"«" eingefügt
(so erinnere er sich nicht mehr, wo?«)
Seite 391:
"dich" geändert in "Dich"
(Nicht eher werde ich Dich verlassen)]