Hannah (erschrocken). Marwood. Mellefont.
Mellefont. Hast du es gehört, Hannah, welche Furie deine Gebieterin
ist? Wisse, daß ich Arabellen von deinen Händen fodern werde.
Hannah. Ach Madam, wie sind Sie außer sich!
Mellefont. Ich will das unschuldige Kind bald in völlige Sicherheit
bringen. Die Gerechtigkeit wird einer so grausamen Mutter die
mördrischen Hände schon zu binden wissen. (Er will gehen.)
Marwood. Wohin, Mellefont? Ist es zu verwundern, daß die Heftigkeit
meines Schmerzes mich des Verstandes nicht mächtig ließ? Wer bringt
mich zu so unnatürlichen Ausschweifungen? Sind Sie es nicht selbst?
Wo kann Bella sicherer sein als bei mir? Mein Mund tobet wider sie,
und mein Herz bleibt doch immer das Herz einer Mutter. Ach, Mellefont!
vergessen Sie meine Raserei und denken zu ihrer Entschuldigung nur
an die Ursache derselben.
Mellefont. Es ist nur ein Mittel, welches mich bewegen kann, sie zu
vergessen.
Marwood. Welches?
Mellefont. Wenn Sie den Augenblick nach London zurückkehren.
Arabellen will ich in einer andern Begleitung wieder dahin bringen
lassen. Sie müssen durchaus ferner mit ihr nichts zu tun haben.
Marwood. Gut, ich lasse mir alles gefallen; aber eine einzige Bitte
gewähren Sie mir noch. Lassen Sie mich Ihre Sara wenigstens einmal
sehen.
Mellefont. Und wozu?
Marwood. Um in ihren Blicken mein ganzes künftiges Schicksal zu lesen.
Ich will selbst urteilen, ob sie einer Untreue, wie Sie an mir
begehen, würdig ist; und ob ich Hoffnung haben kann, wenigstens einmal
einen Anteil an Ihrer Liebe wiederzubekommen.
Mellefont. Nichtige Hoffnung!
Marwood. Wer ist so grausam, daß er einer Elenden auch nicht einmal
die Hoffnung gönnen wollte? Ich will mich ihr nicht als Marwood,
sondern als eine Anverwandte von Ihnen zeigen. Melden Sie mich bei
ihr als eine solche; Sie sollen bei meinem Besuche zugegen sein, und
ich verspreche Ihnen bei allem, was heilig ist, ihr nicht das
geringste Anstößige zu sagen. Schlagen Sie mir meine Bitte nicht ab;
denn sonst möchte ich vielleicht alles anwenden, in meiner wahren
Gestalt vor ihr zu erscheinen.
Mellefont. Diese Bitte, Marwood (nachdem er einen Augenblick
nachgedacht)--könnte ich Ihnen gewähren. Wollen Sie aber auch alsdann
gewiß diesen Ort verlassen?
Marwood. Gewiß; ja, ich verspreche Ihnen noch mehr; ich will Sie, wo
nur noch einige Möglichkeit ist, von dem Überfalle ihres Vaters
befreien.
Mellefont. Dieses haben Sie nicht nötig. Ich hoffe, daß er auch mich
in die Verzeihung mit einschließen wird, die er seiner Tochter
widerfahren läßt. Will er aber dieser nicht verzeihen, so werde ich
auch wissen, wie ich ihm begegnen soll.--Ich gehe, Sie bei meiner Miß
zu melden. Nur halten Sie Wort, Marwood! (Geht ab.)
Marwood. Ach, Hannah! daß unsere Kräfte nicht so groß sind als
unsere Wut! Komm, hilf mich ankleiden. Ich gebe mein Vorhaben nicht
auf. Wenn ich ihn nur erst sicher gemacht habe. Komm!
(Ende des zweiten Aufzugs.)