Achter Auftritt

Hannah (erschrocken). Marwood. Mellefont.

Mellefont. Hast du es gehört, Hannah, welche Furie deine Gebieterin

ist? Wisse, daß ich Arabellen von deinen Händen fodern werde.

Hannah. Ach Madam, wie sind Sie außer sich!

Mellefont. Ich will das unschuldige Kind bald in völlige Sicherheit

bringen. Die Gerechtigkeit wird einer so grausamen Mutter die

mördrischen Hände schon zu binden wissen. (Er will gehen.)

Marwood. Wohin, Mellefont? Ist es zu verwundern, daß die Heftigkeit

meines Schmerzes mich des Verstandes nicht mächtig ließ? Wer bringt

mich zu so unnatürlichen Ausschweifungen? Sind Sie es nicht selbst?

Wo kann Bella sicherer sein als bei mir? Mein Mund tobet wider sie,

und mein Herz bleibt doch immer das Herz einer Mutter. Ach, Mellefont!

vergessen Sie meine Raserei und denken zu ihrer Entschuldigung nur

an die Ursache derselben.

Mellefont. Es ist nur ein Mittel, welches mich bewegen kann, sie zu

vergessen.

Marwood. Welches?

Mellefont. Wenn Sie den Augenblick nach London zurückkehren.

Arabellen will ich in einer andern Begleitung wieder dahin bringen

lassen. Sie müssen durchaus ferner mit ihr nichts zu tun haben.

Marwood. Gut, ich lasse mir alles gefallen; aber eine einzige Bitte

gewähren Sie mir noch. Lassen Sie mich Ihre Sara wenigstens einmal

sehen.

Mellefont. Und wozu?

Marwood. Um in ihren Blicken mein ganzes künftiges Schicksal zu lesen.

Ich will selbst urteilen, ob sie einer Untreue, wie Sie an mir

begehen, würdig ist; und ob ich Hoffnung haben kann, wenigstens einmal

einen Anteil an Ihrer Liebe wiederzubekommen.

Mellefont. Nichtige Hoffnung!

Marwood. Wer ist so grausam, daß er einer Elenden auch nicht einmal

die Hoffnung gönnen wollte? Ich will mich ihr nicht als Marwood,

sondern als eine Anverwandte von Ihnen zeigen. Melden Sie mich bei

ihr als eine solche; Sie sollen bei meinem Besuche zugegen sein, und

ich verspreche Ihnen bei allem, was heilig ist, ihr nicht das

geringste Anstößige zu sagen. Schlagen Sie mir meine Bitte nicht ab;

denn sonst möchte ich vielleicht alles anwenden, in meiner wahren

Gestalt vor ihr zu erscheinen.

Mellefont. Diese Bitte, Marwood (nachdem er einen Augenblick

nachgedacht)--könnte ich Ihnen gewähren. Wollen Sie aber auch alsdann

gewiß diesen Ort verlassen?

Marwood. Gewiß; ja, ich verspreche Ihnen noch mehr; ich will Sie, wo

nur noch einige Möglichkeit ist, von dem Überfalle ihres Vaters

befreien.

Mellefont. Dieses haben Sie nicht nötig. Ich hoffe, daß er auch mich

in die Verzeihung mit einschließen wird, die er seiner Tochter

widerfahren läßt. Will er aber dieser nicht verzeihen, so werde ich

auch wissen, wie ich ihm begegnen soll.--Ich gehe, Sie bei meiner Miß

zu melden. Nur halten Sie Wort, Marwood! (Geht ab.)

Marwood. Ach, Hannah! daß unsere Kräfte nicht so groß sind als

unsere Wut! Komm, hilf mich ankleiden. Ich gebe mein Vorhaben nicht

auf. Wenn ich ihn nur erst sicher gemacht habe. Komm!

(Ende des zweiten Aufzugs.)

Miss Sara Sampson · 第 51 / 111 题