Mellefont. Marwood.
Marwood. Nun sind wir allein. Nun sagen Sie es noch einmal, ob Sie
fest entschlossen sind, mich einer jungen Närrin aufzuopfern?
Mellefont (bitter). Aufzuopfern? Sie machen, daß ich mich hier
erinnere, daß den alten Göttern auch sehr unreine Tiere geopfert
wurden.
Marwood (spöttisch). Drücken Sie sich ohne so gelehrte Anspielungen
aus.
Mellefont. So sage ich ihnen, daß ich fest entschlossen bin, nie
wieder ohne die schrecklichsten Verwünschungen an Sie zu denken. Wer
sind Sie? und wer ist Sara? Sie sind eine wollüstige, eigennützige,
schändliche Buhlerin, die sich itzt kaum mehr muß erinnern können,
einmal unschuldig gewesen zu sein. Ich habe mir mit Ihnen nichts
vorzuwerfen, als daß ich dasjenige genossen, was Sie ohne mich
vielleicht die ganze Welt hätten genießen lassen. Sie haben mich
gesucht, nicht ich Sie; und wenn ich nunmehr weiß, wer Marwood ist, so
kömmt mir diese Kenntnis teuer genug zu stehen. Sie kostet mir mein
Vermögen, meine Ehre, mein Glück--
Marwood. Und so wollte ich, daß sie dir auch deine Seligkeit kosten
müßte! Ungeheuer! Ist der Teufel ärger als du, der schwache Menschen
zu Verbrechen reizet und sie dieser Verbrechen wegen, die sein Werk
sind, hernach selbst anklagt? Was geht dich meine Unschuld an, wann
und wie ich sie verloren habe? Habe ich dir meine Tugend nicht
preisgeben können, so habe ich doch meinen guten Namen für dich in die
Schanze geschlagen. Jene ist nichts kostbarer als dieser. Was sage
ich? kostbarer? Sie ist ohne ihn ein albernes Hirngespinst, das
weder ruhig noch glücklich macht. Er allein gibt ihr noch einigen
Wert und kann vollkommen ohne sie bestehen. Mochte ich doch sein, wer
ich wollte, ehe ich dich, Scheusal, kennenlernte; genug, daß ich in
den Augen der Welt für ein Frauenzimmer ohne Tadel galt. Durch dich
nur hat sie es erfahren, daß ich es nicht sei; durch meine
Bereitwilligkeit bloß, dein Herz, wie ich damals glaubte, ohne deine
Hand anzunehmen.
Mellefont. Eben diese Bereitwilligkeit verdammt dich, Niederträchtige.
Marwood. Erinnerst du dich aber, welchen nichtswürdigen Kunstgriffen
du sie zu verdanken hattest? Ward ich nicht von dir beredt, daß du
dich in keine öffentliche Verbindung einlassen könntest, ohne einer
Erbschaft verlustig zu werden, deren Genuß du mit niemand als mit mir
teilen wolltest? Ist es nun Zeit, ihrer zu entsagen? Und ihrer für
eine andre als für mich zu entsagen?
Mellefont. Es ist mir eine wahre Wollust, Ihnen melden zu können, daß
diese Schwierigkeit nunmehr bald wird gehoben sein. Begnügen Sie sich
also nur, mich um mein väterliches Erbteil gebracht zu haben, und
lassen mich ein weit geringeres mit einer würdigern Gattin genießen.
Marwood. Ha! nun seh ich's, was dich eigentlich so trotzig macht.
Wohl, ich will kein Wort mehr verlieren. Es sei darum! Rechne darauf,
daß ich alles anwenden will, dich zu vergessen. Und das erste, was
ich in dieser Absicht tun werde, soll dieses sein--Du wirst mich
verstehen! Zittre für deine Bella! Ihr Leben soll das Andenken
meiner verachteten Liebe auf die Nachwelt nicht bringen; meine
Grausamkeit soll es tun. Sieh in mir eine neue Medea!