Siebenter Auftritt

Mellefont. Marwood.

Marwood. Nun sind wir allein. Nun sagen Sie es noch einmal, ob Sie

fest entschlossen sind, mich einer jungen Närrin aufzuopfern?

Mellefont (bitter). Aufzuopfern? Sie machen, daß ich mich hier

erinnere, daß den alten Göttern auch sehr unreine Tiere geopfert

wurden.

Marwood (spöttisch). Drücken Sie sich ohne so gelehrte Anspielungen

aus.

Mellefont. So sage ich ihnen, daß ich fest entschlossen bin, nie

wieder ohne die schrecklichsten Verwünschungen an Sie zu denken. Wer

sind Sie? und wer ist Sara? Sie sind eine wollüstige, eigennützige,

schändliche Buhlerin, die sich itzt kaum mehr muß erinnern können,

einmal unschuldig gewesen zu sein. Ich habe mir mit Ihnen nichts

vorzuwerfen, als daß ich dasjenige genossen, was Sie ohne mich

vielleicht die ganze Welt hätten genießen lassen. Sie haben mich

gesucht, nicht ich Sie; und wenn ich nunmehr weiß, wer Marwood ist, so

kömmt mir diese Kenntnis teuer genug zu stehen. Sie kostet mir mein

Vermögen, meine Ehre, mein Glück--

Marwood. Und so wollte ich, daß sie dir auch deine Seligkeit kosten

müßte! Ungeheuer! Ist der Teufel ärger als du, der schwache Menschen

zu Verbrechen reizet und sie dieser Verbrechen wegen, die sein Werk

sind, hernach selbst anklagt? Was geht dich meine Unschuld an, wann

und wie ich sie verloren habe? Habe ich dir meine Tugend nicht

preisgeben können, so habe ich doch meinen guten Namen für dich in die

Schanze geschlagen. Jene ist nichts kostbarer als dieser. Was sage

ich? kostbarer? Sie ist ohne ihn ein albernes Hirngespinst, das

weder ruhig noch glücklich macht. Er allein gibt ihr noch einigen

Wert und kann vollkommen ohne sie bestehen. Mochte ich doch sein, wer

ich wollte, ehe ich dich, Scheusal, kennenlernte; genug, daß ich in

den Augen der Welt für ein Frauenzimmer ohne Tadel galt. Durch dich

nur hat sie es erfahren, daß ich es nicht sei; durch meine

Bereitwilligkeit bloß, dein Herz, wie ich damals glaubte, ohne deine

Hand anzunehmen.

Mellefont. Eben diese Bereitwilligkeit verdammt dich, Niederträchtige.

Marwood. Erinnerst du dich aber, welchen nichtswürdigen Kunstgriffen

du sie zu verdanken hattest? Ward ich nicht von dir beredt, daß du

dich in keine öffentliche Verbindung einlassen könntest, ohne einer

Erbschaft verlustig zu werden, deren Genuß du mit niemand als mit mir

teilen wolltest? Ist es nun Zeit, ihrer zu entsagen? Und ihrer für

eine andre als für mich zu entsagen?

Mellefont. Es ist mir eine wahre Wollust, Ihnen melden zu können, daß

diese Schwierigkeit nunmehr bald wird gehoben sein. Begnügen Sie sich

also nur, mich um mein väterliches Erbteil gebracht zu haben, und

lassen mich ein weit geringeres mit einer würdigern Gattin genießen.

Marwood. Ha! nun seh ich's, was dich eigentlich so trotzig macht.

Wohl, ich will kein Wort mehr verlieren. Es sei darum! Rechne darauf,

daß ich alles anwenden will, dich zu vergessen. Und das erste, was

ich in dieser Absicht tun werde, soll dieses sein--Du wirst mich

verstehen! Zittre für deine Bella! Ihr Leben soll das Andenken

meiner verachteten Liebe auf die Nachwelt nicht bringen; meine

Grausamkeit soll es tun. Sieh in mir eine neue Medea!

Miss Sara Sampson · 第 47 / 111 题