ANSPRUCHSLOSE GESCHICHTEN
VON
P. HANN
[Illustration]
LEIPZIG 1891
A. G. LIEBESKIND.
Druck von W. Drugulin in Leipzig.
INHALT.
Seite.
Sein bedeutender Freund 1
Kein Schwan 29
Ein Aprilscherz 51
Beim Ehestiften 87
Im Herbst 113
Brennende Liebe 145
Ein Unglücksmensch 169
Unkraut am Wege 189
Herbstblätter 211
Schwiegermütterchen 255
Das Pflegetöchterchen 281
SEIN BEDEUTENDER FREUND.
Wie Alles auf dieser mangelhaften Welt, hat ein bedeutender Freund eine
Licht- und eine Schattenseite; aber Rudolf Müller sollte von rechtswegen
heute bloss die erstere anerkennen: Aus der Ferne schallt abgedämpfter
Walzerklang, das Rascheln und Knistern seidener Ballkleider herüber, --
und er tanzt nicht. Im Nebenzimmer rufen begeisterte Skatbrüder ihr Grand
Solo mit Matadoren aus, -- und er kann eine Karte von der anderen
kaum unterscheiden. Die grosse Gesellschaft, in die er, Dank seiner
Verwandtschaft mit der Hausfrau, gerieth, würde ihm die unverfälschtesten
Tantalusqualen bereiten, wenn er seinen bedeutenden Freund nicht hätte.
Diesem allein, und nicht etwa den eigenen bestechenden Eigenschaften, --
Niemand sollte das besser wissen als Rudolf Müller selbst, -- verdankt er
es, dass er mit der schönsten, liebenswürdigsten Dame der Gesellschaft,
-- nein, der Welt! -- in einem Glaskasten plaudern darf, der auf den
stolzen Titel Wintergarten Anspruch erhebt und mit Palmen, Gummibäumen
und blühenden Azaleen so vollgestopft ist, dass ausser dem Bänkchen,
auf welchem Else Friedjung sitzt, und einer Handbreit Raum, auf welcher er
steht, kein Platz für etwaige Eindringlinge wäre. Seit dreiviertel Jahren
betet er die junge Dame an, aber leider aus gemessener Entfernung, denn
für einen mit dem Laster der Bescheidenheit behafteten Menschen giebt es
keine Möglichkeit, sich durch die dreifache Reihe von schwarzen Fräcken
durchzuwinden, die beständig das schöne, lebhafte Millionärskind
umschliesst, wie die Midgardsschlange die Weltesche. Aber vor etwa einer
halben Stunde hat ihm seine Cousine zugeraunt:
»Else Friedjung wünscht, Dich kennen zu lernen, Du Glückspilz, versteht
Du, sie wünscht es.«
Ob er versteht! Wenn er sich noch nicht die Karte »ami de Beethoven«
drucken liess, so liegt dies bloss daran, dass er noch ein Weilchen warten
will, bis ausser dem niedlichen Einacter, der vor etwa vierzehn Tagen im
Hoftheater aufgeführt wurde, auch noch die anderen unsterblichen Werke
erschienen sind, mit welchen sein bedeutender Freund heute oder morgen, bis
er in der richtigen Stimmung dazu ist, die Welt aus den Angeln heben und
sämmtliche Classiker, Romantiker und moderne Theaterdichter in das Nichts
zurückschleudern wird.
Das schöne Mädchen wies ihm auf der eng beschriebenen Tanzkarte eine
leere Stelle. »Ich habe den Walzer für Sie aufgespart, Herr Müller«,
sagte sie liebenswürdig.
Er ballte die Faust, -- in Gedanken natürlich, -- gegen den Tanzmeister,
der ihn als hoffnungslosen Fall aufgegeben; aber Elsen Friedjung stand der
Sinn nicht nach Tanzen. In all ihrer Anmuth, die dem armen Jungen den Kopf
vollständig verdreht hat, erhob sie sich, legte die Hand auf seinen
Arm und liess sich von ihm in die Tropenlandschaft führen. Selbst das
tugendhafteste Mauerblümchen entdeckte nichts Ungehöriges darin; ein
heimliches Zwiegespräch mit Rudolf Müller gehört zu den Dingen, die Jede
begreift und Jede entschuldigt. Es ist nicht die geringste Gefahr dabei;
nicht dass er etwa abschreckend hässlich, oder unerlaubt dumm wäre, oder
auf dem grossen Theater eine allzu verächtliche Lampenputzerrolle
spielte, -- verständige Papas unverständiger Töchter schätzen ihn als
tüchtigen, aufstrebenden Kaufmann, -- aber sein bedeutender Freund, der
einen Schatten wie der Kölner Dom wirft, lässt ihn pygmäenhaft klein, ja
zu Zeiten mit freiem Auge gar nicht wahrnehmbar erscheinen.
Else Friedjung liess die Stäbe ihres Fächers durch die Finger gleiten und
heftete die Augen auf dieses Spiel.
»Ich höre, Sie sind mit Doctor Engelbert Holstein näher befreundet«,
fing sie in leichter Verlegenheit an.
Rudolf knickte innerlich zusammen. Die leise Hoffnung, die ihn trotz aller
Erfahrungen umschmeichelt, liess ihre Flügel kläglich hängen und er
bereitete sich für die Antworten vor, die er, zum beliebigem Gebrauch bei
jedem Tête-à-tête auswendig gelernt:
»Wir wohnen beisammen.« (Und eine recht vernünftige Theilung der Arbeit
besorgen sie dabei, der Bedeutende bestrahlt mit seinem Ruhm das elegante
Junggesellenheim nahe dem Thiergarten, und Rudolf Müller bezahlt es; doch
diese intimen Details gehören nicht hierher.) »Er wird kommenden November
24 Jahre alt.«
»Sein Geburtstag fällt sechs Tage später als der Schiller's« (Die
gestickten Schreibmappen, Federwischer, Cigarrentaschen, die diese
Enthüllung in die Welt gesetzt, lassen sich kaum zählen.) »Er ist
vollständig unverheirathet.«
Dann eine Verbeugung, und der junge Mann weiss, dass er aus den Gedanken
seiner schönen Nachbarin fortgewischt ist, wie eine Null mit dem Schwamm
von einer Rechentafel.
Aber Else Friedjung ist ein geistreiches Mädchen; sie bringt doch
wenigstens einige Abwechselung in das grausame Spiel.
»Doctor Holsteins Name auf dem Theaterzettel rief mir eine Begebenheit,
einen kleinen Roman, eigentlich nur den Anfang eines solchen, in's
Gedächtniss zurück. -- Meine Freundin, -- meine beste Freundin erlebte
ihn vor einem Menschenalter, es sind gewiss sieben Jahre her.« Rudolf
richtete sich erwartungsvoll auf.
»Ich kann mit einigen Aenderungen die Eingangszeilen unseres besten
deutschen Romans wiederholen: Westerode ist eine Stadt mit etlichen tausend
Einwohnern, einem Gymnasium -- und einer Heilquelle. Die etlichen Einwohner
und das Gymnasium besitzt sie schon seit längerer Zeit, die Heilquelle
wurde erst vor einem Jahrzehnt entdeckt.« Sie unterbrach sich, denn er
machte eine Bewegung.
»Sie sprechen von meiner Vaterstadt,« sagte er, »ich bitte mit
aufgehobenen Händen, verfahren Sie glimpflich mit ihrem Curort-Ehrgeiz.«
»Ihre Vaterstadt? Dann ist die Freundschaft zwischen Ihnen und dem Doctor
wohl schon auf den Schulbänken geschlossen worden?«
Rudolf verbeugte sich bestätigend. Immer sein bedeutender Freund! Er ist
ihm so anhänglich wie -- er weiss selber keinen passenderen Vergleich
-- wie ein treuer, oft geprügelter Pudel, aber selbst ein solcher
kennt Augenblicke, in welchen sein Herz ins Spiel kommt und er bei dem
weissgelockten Gegenstand seiner Neigung etwas für sich selber vorstellen
möchte.
»Ich habe Sie von Ihrer Erzählung durch meinen unzeitigen Einwurf
abgelenkt,« murmelte er.
»O, ganz recht. Die Heilquelle trotzte zwar bisher standhaft jedem
Analysirungsversuch, -- so viel darf ich doch sagen, ohne ihr heimathliches
Weltbad zu beleidigen? -- dennoch wirkte sie Wunder in Reclamen und
ärztlichen Anpreisungen. Meine Freundin, damals ein Backfisch mit
etwas blässlichen Wangen, sollte, begleitet von einer ältlichen,
unverheiratheten und etwas verschrobenen Erzieherin, das Wunderwasser
trinken.«
Ihr Zuhörer sah auf, als schiesse ihm eine Erinnerung -- aber keine
sonderlich freudige -- durch den Sinn.
»Es schmeckte abscheulich. So oft es unbemerkt geschehen konnte, goss
sie es aus. Dessenungeachtet wirkte die Cur. Entweder war die Quelle so
heilkräftig, dass man schon durch die Betrachtung des Geländers, das sie
umgab, Farbe und Rundung der Wangen bekam, oder waren es die prächtigen
Buchenwälder, die förmlich zum Thore der Stadt hereinwuchsen. Meine
Freundin mochte das Letztere glauben und lief den grössten Theil des Tages
auf den weltbadmässig gebahnten, mit Bänken besäeten Waldpfaden herum.
Es war eine so schöne Abwechselung nach der vielstündigen Marter vor
dem Piano und den Schulbüchern, die bisher ihre Tage ausgefüllt. Niemand
störte sie; es stand ihr frei, sich als unumschränkte Besitzerin all'
der Herrlichkeit zu betrachten, die, steil aufsteigend, das Städtchen
umschliesst. Das übrige Curpublikum sammt der Ureinwohnerschaft steckte
träge in Hausgärten oder auf Veranden, ihre Gouvernante im verdunkelten
Zimmer, denn die gute Antoniette besass eine Leidenschaft, mit welcher
ihre Pflichttreue einen aussichtslosen Kampf führte, sie dehnte ihr
Mittagsschläfchen bis zum Abend aus, wenn Niemand sie weckte; und meiner
Freundin war der Schlaf heiliger als Macbeth. Dreist erstreckte sie in
drückender Nachmittagshitze ihre Spaziergänge immer tiefer in den Wald
hinein. Da begegnete ihr einmal das Verhängniss in Gestalt eines jungen,
hübschen Menschen mit flatternden Locken und blitzenden Augen. Er sass auf
einer Bank, ein Notizbuch auf den Knieen, die Rechte schrieb eifrig, die
Linke scandirte auf der Holzlehne. Bei dem plötzlichen Auftauchen meiner
Freundin fuhr er in die Höhe, starrte sie an und lief spornstreichs den
Berg hinab. Sie folgte ihm mit den Blicken. Wie er, musste, ihrer Ansicht
nach, der junge Goethe in Frankfurt ausgesehen haben, nur blieb es freilich
fraglich, ob er auch die scharlachrothe Burschenmütze sorgfältig mit
einem schwarzen Ueberzug bedeckt hätte, bevor er in die Strassen der Stadt
einbog, wie es der junge Mann that.«
»Unser Director,« warf ihr Zuhörer erklärend ein, »verfolgte das
Burschenspielen im Gymnasium mit draconischer Strenge. Und Engelbert musste
sich besonders hüten, dass Missfallen unseres Schulmonarchen zu erregen.«
»Meine Freundin traf ihn nun fast täglich im Walde, aber ihr
fünfzehnjähriges Gewissen bohrte und nagte. Sie weckte Fräulein
Antoniette am hellen Nachmittage. Die gute Seele schleppte sich keuchend
die Waldhügel hinauf, bis zur ersten Bank, von welcher man gerade auf den
Marktplatz hinuntersah. Dann empfahl sie ihren Geist dem Herrn, sank auf
den Hochsitz und entschlief. Meine Freundin las im »Ekkehard«. Da, als
sie zufällig aufblickt, steht, kaum zwanzig Schritte von ihr entfernt, ihr
junger Goethe im vollen Glanz der unbezogenen Burschenkappe, einen
Strauss poetischer Waldblümelein in den Händen und einen gewissen
Was-frage-ich-um-die-Welt-Ausdruck im Gesicht, der ihr anzeigte, dass
es heute mit gegenseitigem Anstarren, Rothwerden und Grüssen nicht sein
Bewenden haben werde. Statt ihre regelmässig und laut athmende Begleiterin
-- ruchlose Menschen hätten behauptet, sie schnarche -- zu wecken, that
sie das Unvernünftigste, was sie begehen konnte, sie lief davon. In
einigen Secunden hatte er sie eingeholt, ihr die Blumen überreicht
und einen Strom sehr lauter, aber dennoch unverständlicher Bitten und
Beschwörungen über sie ergossen. Bei ruhiger Rückerinnerung würdigt
dies meine Freundin als den Ausfluss grünster Jugendlichkeit, damals
jedoch erschien es ihr hochbedeutsam, erschütternd, sie bis zu den
Regionen der langen Kleider und vollbeschriebenen Tanzkarten emportragend.
Er drückte ihre Hände, dass sich die Stengel des Strausses ihren
Handflächen einpressten und sie eher ein schmerzliches, denn ein
beseligtes Gesicht zog. Plötzlich stürzte Antoniette, zum Bewusstsein und
zu ihrer Verantwortlichkeit erweckt, herbei, riss das unflügge Nestkücken
aus dem Griff des Falken, und wenn Worte und Blicke die Wirkung der Blitze
hätten, so wäre er ohne Zweifel todt zu Boden gestreckt worden. In den
Augen des alten Fräuleins schwoll die Kinderei zu einem ungeheuren Frevel,
zu einem Vergehen gegen die Moral an; sie drohte mit Gericht und Polizei.
Aber lag es an ihrem fragwürdigen Deutsch oder an den von Schlaf und
Bestürzung übermässig gerötheten Zügen und den rollenden Augen, --
ihr Zögling biss sich krampfhaft auf die Lippen, der junge Goethe, weniger
vorsichtig, lachte ihr helllaut in's Gesicht, wodurch sich ihr Grimm
selbstverständlich nicht verringerte. Nach einem Blick auf das junge
Mädchen, der einen ganzen Band lyrischer Gedichte ersetzte, drehte er sich
um und ging. Die Nachblickenden sahen ihn im Hause des Kaufmanns auf
dem Markte verschwinden. Es war ihre letzte persönliche Begegnung, denn
Fräulein Antoinette bewachte ihren Schützling wie ein geschwänzter
Schatzhüter der Sage. Nur ein glühendes Gedicht von ansehnlicher
Ausdehnung, Engelbert Holstein unterzeichnet, gelangte durch einen
Liebesboten, dessen Hauptkennzeichen Wasserscheu, durchstossene Ellbogen
und vorwitzig in die Sonne hinausguckende Zehen waren, in die Hände meiner
Freundin. Sie verwahrte es sorgfältig, Fräulein Antoinette hat nie etwas
davon erfahren. Kaum eine Woche später verliessen sie das Weltbad. -- Sie
können sich vorstellen, wie überrascht und stolz meine Freundin war,
als ihr jugendlicher Bewunderer sich plötzlich als Mann von Bedeutung
entpuppte, von dem alle Welt spricht, dem man eine glänzende Zukunft
vorhersagt.«
Das Gesicht des jungen Mannes trug einen sonderbaren Ausdruck.
»Wollen Sie mir erlauben, Ihrer rührenden Historie einen ganz
unerwarteten Schluss anzufügen?« fragte er lachend, »Ueberraschungen
sollen zwar den Werth eines literarischen Kunstwerkes nicht erhöhen, aber
-- arme Leute kochen mit Wasser.«
Else Friedjung blickte ihn verwundert an.
»Fräulein Antoinette klagte die erlittene Insulte der Badeverwaltung, den
städtischen Behörden, dem Schulmonarchen und der Himmel weiss wem noch.
Sie hatte den Frevler im Kaufmannshaus verschwinden gesehen. Hier hebt das
tragische Verhängniss an, das Factum, das dem griechischen Trauerspiel zu
so hoher Wirkung verhalf und vom modernen Fürwitz sammt den Göttern
aus der Flugmaschine in die dramatische Rumpelkammer verwiesen wird: das
Kaufmannshaus beherbergte ständig nur einen Gymnasiasten mit je nach
den Verhältnissen scharlachfarbener oder schwarzbezogener Mütze.
Freund Engelbert stellte sich nur strichweise ein; an jenem denkwürdigen
Nachmittage kam er, um mir etwas Immenses von seiner Leidenschaft, von
Drachen und lieblichen Waldfräulein zu berichten. Ich lauschte mit
offenem Munde, nicht ahnend, was die Götter über mein schuldloses Haupt
verhängt: Ein gewaltiger Aufruhr erhob sich. Ich hatte nicht nur den
untadelhaften Ruf unseres Gymnasiums durch eine sittenlose Ausschreitung
befleckt, ich schädigte auch den aufstrebenden Curort, wie der Mehlthau
die grünen Bäume. »Wenn junge Galgenvögel die Curgäste im Walde
straflos überfallen dürfen -- denn bis zum Überfall war man, Dank
Fräulein Antoinettens Beleuchtung des Ereignisses, gediehen, -- dann
werden sie der Heilquelle den Rücken kehren, und Westerode bleibt bis an's
Ende aller Dinge eine Stadt mit etlichen Einwohnern und einem Gymnasium.«
Als die Wogen sich legten, fand ich mich auf den Strand geworfen: Unter
einem beträchtlichen Aufwand von Jüngsten-Gerichtposaunen war ich aus dem
Gymnasium gestossen worden, damit nahm meine etwaige gelehrte Laufbahn ein
vorzeitiges Ende. Wenn Sie ahnten, mein Fräulein, was für ein grosser
Mann in der Knospe geknickt ward! Meine Mutter behauptete es, und sie
musste es wissen, denn Niemand kannte mich genauer als sie. Ich erzeugte
in meiner Dachkammer Schwefelwasserstoff und ähnliche Parfüms in einem
Alter, wo andere Knaben einander die Stirnen voll Beulen schlagen. Wehe
Liebig! prophezeite meine Mutter. Ich verwendete den Spiritus aus ihrem
Schnellsieder und ihre Einmachgläser für alle Arten von Reptilien,
fing Schmetterlinge, lief in der ärgsten Sonnenhitze mit einer grünen
Blechbüchse herum, um Pflanzen mit Wurzeln und Erdreich auszureissen;
nur Uebelwollende konnten leugnen, dass in mir die Keime zum Naturforscher
lagen. Ich sammelte rostige Messer, grünspanbezogene Kupfermünzen, auf
meiner Dachkammer fand eine zerschlagene Ofenfigur, der unvermeidliche
Knabe mit dem Muschelkorbe, einen geehrten Platz, der künftige Archäologe
war fertig. Und als ich in wilder Knabenzeit die Ruchlosigkeit beging,
einer Katze den Schwanz abzuschneiden, erklärte meine Mutter, dies sei die
liebste Beschäftigung aller grossen Chirurgen in ihrer Kindheit gewesen.
Und nun sollte ich, ein so vielerlei versprechender Jüngling, lange
Zahlenreihen addiren und meines Vaters Kunden Schnupftabak und Rosinen
verkaufen. Es war herzbrechend.«
Das wohlwollend-überlegene Lächeln, mit dem Else gleich allen jungen
Damen seiner Bekanntschaft ihm gegenübergesessen, war schon seit einer
Weile von ihren Lippen gewichen. Sie blickte ihn an, als hätte ein
geschickter Taschenspieler die dunkle, unscheinbare Gestalt verschwinden
lassen und an ihrer Statt einen anderen Rudolf Müller in bengalischer
Beleuchtung, mit ganz ungeahnten Tugenden und Vorzügen ausgerüstet, auf
die Handbreit Raum zwischen Palmen und Azaleen hingestellt.
»Und wo blieb Ihr Freund?« fragte sie mit zusammengezogenen Brauen,
eine rothe Zornwelle im reizenden Gesicht. »Wie konnte er Sie, den
Unschuldigen, die Last tragen lassen! Es ist abscheulich! Ich hatte eine
hohe Meinung von ihm, aber jetzt verachte ich ihn. Sobald ich nach Hause
komme, verbrenne ich sein Gedicht!«
Rudolf blickte sie betreten an. Auf diese Wendung war er nicht gefasst
gewesen. Dass man an einen bedeutenden Menschen denselben Massstab legen
könnte, wie an gewöhnliche Muttersöhne, war ihm nicht eingefallen.
»Judas Ischarioth!« flüsterte er sich zu. »Verurtheilen Sie ihn
nicht!« bat er und setzte sich in seiner Rathlosigkeit zu ihr auf das
Bänkchen, das wirklich nur für zwei schlanke Menschen Raum bot. »Seine
Laufbahn stand auf dem Spiel, und bei ihm handelte es sich um mehr, als
bei solch einem Dutzendmenschen, wie ich bin. An seinen Schöpfungen werden
sich noch Tausende erfreuen, wenn von mir längst keine Spur mehr vorhanden
sein wird.«
»Ich glaube nicht mehr an seine Zukunft,« versetzte Else mit der Energie
einer bekehrten Heidin, die soeben ihren Thongötzen in Stücke zerschlagen
hat, »ein charakterloser, schwacher Mann wird nie ein grosser Mann. Auch
ist mir unverständlich, wie die Ungnade einer kleinen Stadt und selbst
die Ausschliessung aus ihrer Schule seine Laufbahn zu zerstören vermocht
hätte.«
»Wenn Sie sein Gemüth, das jede Widerwärtigkeit niederdrückt, und seine
Verhältnisse kennten, dann würden Sie begreifen, dass es sich wirklich
um seine Zukunft handelte,« erwiderte Rudolf, Angstschweiss auf der Stirn.
»Weitläufige Verwandte hatten murrend und widerwillig die Schnüre ihres
Beutels geöffnet, um ihn studieren zu lassen. Der Skandal, der seine
Ausschliessung begleitet hätte, wäre ihnen ein willkommener Anlass
gewesen, ihm ihre Unterstützung zu entziehen. Mit dieser schlossen sich
vor ihm die Thore der Universität, die Grundlagen wissenschaftlicher
Schulung, ohne welche sein Schaffen dilettantisch bleiben musste.«
Aber Else, statt sich zu der Höhe seiner Auffassung aufzuschwingen, hielt
eigensinnig an ihrer Meinung fest.
»Selbstsüchtig Ihre Zukunftspläne zu zerstören, o, es war feige, es war
schlecht!«
»Mein theueres Fräulein,« rief der junge Mann und rückte so nahe an sie
heran, dass die Blattpflanzen, die sich als spanische Wand zwischen ihnen
und dem Nebenzimmer erhoben, als Segen der Vorsehung erschienen. »Sie
fassen die Geschichte viel zu tragisch auf. Das Unglück für Menschheit,
Vaterland und mich selber ist wahrlich zu ertragen, wenn statt eines
mässig begabten Doctors ein an Erfolgen nicht ganz armer Kaufmann in der
Welt herumläuft.«
»Davon spreche ich nicht. Glauben Sie etwa, dass ich Ihren Beruf gering
schätze?« vertheidigte sich Else eifrig, »mein Papa war auch Kaufmann
und lehrte mich, seinen Stand hochhalten. Vielleicht schlug Antoinettens
Bosheit -- ich werde ihr nächstens meine Meinung sagen! -- Ihnen sogar zum
Glück aus; aber das entschuldigt ihren Freund nicht. Sie müssen in ihrem
heimathlichen Neste -- verzeihen Sie, im Weltbad Westerode -- wie der
verlorene Sohn angesehen worden sein.«
»Was schadete mir das? Ich hörte Predigten von unerlaubter Länge, sah
wolkenverhängte Gesichter, bekam etliche Wochen Zimmerarrest; es hat mir,
wie Sie sehen, den Humor nicht verdorben.«
»Es war im Sommer, und der Wald so nahe,« sagte Else bedauernd.
»Vergessen Sie nicht, dass auf meine Dachstube erhabene Gefühle zu Besuch
kamen: Ich schützte meinen Freund, siehe die Bürgschaft; ich erlitt
unverschuldetes Uebel, siehe die christlichen Märtyrer; ich fiel als Opfer
für das Gedeihen meiner Vaterstadt, ein -- allerdings etwas passiver --
Curtius. -- Ihr Antheil ist mir unendlich werthvoll, werthvoller als Sie
denken, doch nein, Sie wissen ohne Zweifel, dass Sie mir die Verkörperung
alles Schönen, Liebenswürdigen, Begehrenswerthen sind -- allen Mädchen
sagt es ihr Seherblick, wenn sie sich ein Männerherz unterjochten --,
aber so glücklich mich Ihre Theilnahme auch macht, meine kleinen Leiden
von damals verdienen sie nicht.« Er stockte; mit leiser Stimme hub er
wieder an. »Der Gedanke, dass ich das Herrlichste, was mir das Leben
gewähren könnte, Ihre Freundschaft, dem Ausnützen einer von mir selbst
geschaffenen Gelegenheit, einer Indiscretion verdanken sollte, wäre mir
unerträglich.«
Sie sah ihn mit seltsam schimmernden Augen an.
»Es ist zwar gegen alle Lehren Antoinettens, aber zuweilen überfällt
mich ein förmlich krankhafter Drang, die Wahrheit herauszusagen und so
mögen Sie denn nur wissen« -- sie erhob sich schnell, der Walzer
war längst zu Ende, ihre Tänzer traten suchend in die Thüre des
Spielzimmers. Zurückgewendet sprach sie hastig, über und über
erglühend, »mir ist es nicht viel anders gegangen als dem glücklichen
Sohne des Kiss, ich bin ausgezogen, um Kunde von einem _bedeutenden_ Mann
zu hören, und fand einen _echten_ Mann. Ich bin ein Sonntagskind, wissen
Sie das?«
Damit war sie entschlüpft; er blickte ihr nach und machte das närrisch
beseligte Gesicht, das jeder Sterbliche nur einmal im Leben zieht.
Das Zwiegespräch unter Palmen hatte selbst für ein Tête-à-tête mit
dem Freunde eines bedeutenden Mannes zu lange gedauert, um nicht Anlass
zu verschiedenartigen Randbemerkungen über den Fächer hinüber zu geben.
Aber die Gesellschaft gewöhnte sich durch zahlreiche Wiederholungen daran,
Herrn Rudolf Müller mit Fräulein Else Friedjung in allerhand Ecken und
Winkeln der Ballsäle erschöpfende, tiefe und für Fernstehende nicht
allzu interessante Gespräche führen zu sehen. Man wollte bemerken, dass
er dem abnehmenden Monde glich, wenn sie nicht da war und dass sich eine
Wolke der Verstimmung auf ihre Stirn lagerte, wenn er fehlte. Zuletzt
verschwanden sie wochenlang spurlos aus ihrem Bekanntenkreise, und als die
Lösung in Gestalt weisser Kärtchen erschien, bildete sie nicht einmal das
bekannte Neuntagswunder. -- Rudolf verdankt seine Braut eigentlich doch nur
seinem bedeutenden Freunde. Als dieser dem schönen Mädchen vorgestellt
wurde, erkannte er in ihr seine »unvergessliche« Jugendliebe, über deren
Verlust ihn alle später besungenen Vertreterinnen edler Weiblichkeit nur
scheinbar getröstet hatten. Sie war das Weib seiner Träume, das Rudolf
ihm geraubt. Selbstverständlich kann ihm Niemand die Ueberzeugung nehmen,
dass er eine Schlange an seinem Busen gehegt habe, schnöde missbraucht
und verrathen worden sei. Rudolf Müller mag nur zusehen, wie er mit der
Nachwelt, die Engelberts Tagebücher lesen wird, zurecht kommt! Ich gebe
seine Sache verloren!
KEIN SCHWAN.
»Was hilft vortreffliches Beispiel, tadellose Erziehung, wenn der
angeborene Hang den Menschen in den Schlamm hinabzieht!« schrie Fräulein
Möller, die Vorsteherin des berühmten Damenpensionats in Dresden, roth
vor Zorn, aber selbst im höchsten Affect die Gewohnheit, in Sentenzen zu
sprechen, beibehaltend. »Ein hässliches Mädchen zu hüten, ist schwerer,
als alle Herkulesarbeiten zusammen«, (Fräulein Müller hat übrigens
noch keine probirt), »denn die Stummen wollen am meisten sprechen, und die
Tauben machen die lauteste Musik.«
Das war ein Strafgericht! Der bewusste Feuerregen, der sich über Sodom und
Gomorrha ergoss, muss dagegen ein angenehmes Nachmittagsvergnügen gewesen
sein.
Die Mädchen aus der obersten Klasse blickten schaudernd auf einen
schwarzen Punkt.
Der schwarze Punkt war ich!
Ich habe niemals besondere Lust gehabt, der Urkraft (von der Professor
Henkel so dunkel und gelehrt zu reden wusste, dass uns nach jedem Vortrag
in der Naturkunde eine Hammerschmiede in den Köpfen arbeitete) in ihre
Töpfe zu gucken, aber was sie eigentlich im Sinne gehabt, welchen Zweck
sie verfolgt, als sie den erwähnten schwarzen Punkt in der obersten Klasse
des Pensionats geschaffen, das möchte ich gar zu gern wissen. Sie muss
keinen Zierrath beabsichtigt haben, sonst hätte sie mich mit irgend
einer Eigenschaft ausgerüstet, die den Augen des Beschauers wohlgefällig
erscheint, keine Säule an ihrem Bau, sonst hätte ich nicht seit meiner
frühesten Kindheit das Bewusstsein vollständiger Ueberflüssigkeit mit
mir herumgetragen. Wenn ich heute die Augen schloss, dann wurde keine
Wimper nass, keine stecknadelkopfgrosse Lücke entstand, nein, ich war zu
keiner stützenden Säule bestimmt, denn ich war keinem Menschen auf Erden
unentbehrlich. Halt, doch Einem! Und das bringt mich wieder in meine Klasse
und in das Strafgericht zurück.
Hätte ich zärtliche Eltern gehabt, wie die anderen Mädchen, oder wäre
ich hübsch und liebenswürdig gewesen, dann hätte Fräulein Möller mir
eine Privatvorlesung im Allerheiligsten ihres Arbeitskabinets gehalten,
und die ganze Klasse hätte sich nicht an den Weisheitssprüchen erbauen
dürfen. Das Pensionat war zwar ob seiner Tugend und Sittenstrenge
berühmt, aber durch die Thürritzen hatte der Klatsch doch die Kunde von
Lieutenantsbriefen und darauf folgenden Thränen und Sentenzen in Fräulein
Möller's Privatgemach getragen. Aber zwischen Julie von Minkwitz und mir
war ein kleiner Unterschied. Als sie in die Schule eintrat, bat man um
Nachsicht und Güte für das liebe Mädchen, während meine Mama nur von
vulgären Neigungen sprach, die mir angeboren und streng im Zaum zu halten
seien.
Meine Pflegeeltern haben viel für mich gethan, sie liessen mir eine
Erziehung geben, als wäre ich wirklich eine der ihrigen und bestimmt,
mit anmuthigem Flügelschlag durch ihre vornehmen Gesellschaftskreise zu
schweben. Aber als ich in das berühmte Pensionat kam, hatte ich, damals
noch ein halbes Kind, die Ueberzeugung, ich werde aus dem Hause entfernt,
damit Robert und Lili nicht von meinen vulgären Neigungen angesteckt
würden. Da diese mir angeboren waren, liessen sie sich nicht ausrotten,
trotz der heilsamen Strenge, die angewendet ward. Dafür waren aber auch
der ehemalige Kutscher und die ehemalige Kammerjungfer von Papa und Mama
mein Vater und meine Mutter. Sie starben beide während einer Epidemie; ich
kann mich ihrer kaum erinnern, denn ich zählte erst vier Jahre, als mich
das unersetzliche Unglück traf. Unersetzlich -- wiewohl Papa und Mama, die
in kinderloser Ehe lebten und längst daran gedacht hatten, eine Waise an
Kindesstatt anzunehmen, mich in ihr leeres grosses Haus nahmen. Auch an ihr
Herz? Vielleicht. Ich habe nur dunkle Erinnerungen an die ersten Jahre im
Hause meiner Pflegeeltern. Aber mir schwebt vor, als habe Mama mit
ihren eigenen weissen, feinen Händen mich zuweilen in schöne gestickte
Kleidchen gehüllt und sei am Abend, wenn sie keine Gesellschaft hatte, an
mein Bett getreten, um mich ein kurzes Kindergebet zu lehren. Und Papa hob
mich im Sommer, den wir stets auf seiner Besitzung an der Elbe
verlebten, in die Zweige der Kirschbäume empor, damit ich mir mit meinen
Kinderhänden -- sie waren leider immer von ansehnlicher Grösse -- die
rothen Herzkirschen pflücke. Ich vermuthe, dass ich mich damals von
anderen Kindern wenig unterschied. Vielleicht hatten die häufigen
Lobsprüche, die ich erhielt, ein gewisses kindliches Pharisäerthum in mir
grossgezogen. Mit ausgesprochenem Grauen betrachtete ich den schmutzigen
wilden Burschen des Pächters. Der Knabe war nur etwa fünf Jahre älter
als ich und kam täglich mit zerrissenen Kleidern und zerschlagenem Gesicht
nach Hause, so dass seine Mutter kläglich prophezeite: »Wenn der Junge
erwachsen ist, läuft er ohne Nase in der Welt umher.«
Meine angeborenen Neigungen schlummerten noch unentdeckt in meiner Brust.
Sie haben sich erst später entwickelt. Und ich kann mit Bestimmtheit
angeben, wenn das geschah.
Papa und Mama waren überselig. Der Erbe, den sie nicht mehr erhofft, lag
schreiend in seiner Wiege. Das ganze Haus ging auf den Zehenspitzen. Die
Dienstleute hatten anderes zu thun, als sich um mich zu kümmern, die sie
wohl stets im Stillen als in die Gesindestube gehörig betrachtet hatten.
Es war im Sommer. Hinter Papas Schlösschen zog sich der grosse Park, von
einer alten Steinmauer umschlossen, hin. Daran stiess die Pächterwohnung
mit den Wirthschaftsgebäuden. Im Park war es langweilig. Ich reckte
mich auf den Zehen empor und klinkte ein Seitenpförtchen auf, um auf
Entdeckungen auszuziehen. Ich brauchte nicht in die Ferne zu schweifen, das
Gute in Gestalt eines Ententümpels lag vor mir, und Balthasar (er heisst
wirklich Balthasar, möglicherweise verschärft dies sein Vergehen in
Fräulein Möllers Augen) warf Steine in das grünlich schmutzige
Wasser. Vor einigen Wochen hätte ich vermuthlich mein weisses Kleidchen
zusammengenommen und wäre mit dem stillen Gedanken: »wohl mir, dass ich
nicht bin wie dieser,« aus der vulgären Welt, in der Hühner scharrten,
Gänse gackerten und Enten auf schmutzigem Tümpel schwammen, in die
vornehme Abgeschlossenheit des Parks zurückgewichen; aber man liess mich
nun viel allein, und ich langweilte mich. Und so trat ich näher und sagte:
»Du, das kann ich auch.«
Der schmutzige Bursche starrte mich verdutzt an, aber ich imponirte ihm
nicht lange, denn als ich den ersten Stein warf und er mit einem Plumps
versank, ohne wie die Wurfgeschosse Balthasars über das Wasser Kreise
ziehend, hinzutanzen, lachte er mich aus. Doch zeigte er mir gleich darauf
die Handgriffe. Das Wasser spritzte nach jedem Wurf hoch auf, und als
mich nach geraumer Zeit der Gärtner entdeckte und das verirrte Schäflein
heimgeleitete, triefte ich von Nässe. Die Folge davon war ein heftiger
Schnupfen, der mir die Augen thränen, die Nase aufschwellen, das ganze
Gesicht, wie Papa (leise zu Mama aber von mir dennoch gehört) bemerkte,
dem seines ehemaligen Kutschers ähnlich machte. Mama gerieth in
Todesangst, ich könnte meine Erkältung dem »Kinde« mittheilen und
so blieb ich aus ihrer und Roberts Nähe wochenlang streng verbannt. Ich
müsste lügen, wenn ich behauptete, ich hätte meine Acht besonders schwer
empfunden; denn in diese Zeit fielen meine Herumstreifereien mit meinem
neuen Freunde, der mich zu Haselbüschen führte und mir zeigte, wie
man die Nüsse mit den Zähnen aufbiss. Seit damals war ich vulgär. Je
grösser Robert wurde, desto schlimmer trat meine Erbsünde zu Tage. Ich
steckte beständig mit Balthasar zusammen und wurde einmal im Kuhstall
ertappt, das anderemal aus den höchsten Zweigen eines Birnbaumes
herabgeholt. Balthasar war ein rührend treuer Kamerad. Das prächtige
Obst, das er in Papas Garten gemaust, theilte er gewissenhaft mit mir, und
(wer zweifelt noch, dass ich das vernichtende Urtheil meiner Pflegeeltern
verdiente!) es schmeckte hundertmal besser in einem Winkel der Scheune, als
von den Krystallschalen an der Tafel.
Mama und Papa, die meinen unpassenden Verkehr missbilligend bemerkten,
hofften, der Winter werde ihm ein Ende bereiten. Unterbrochen wurde die
Freundschaft, aber jedes Frühjahr knüpfte sie fester. Damals wusste ich
mir keine Rechenschaft darüber zu geben, was mich zu Balthasar und seinen
braven, tüchtigen Eltern hinzog, aber heute ist mir's klar, dass es nicht
bloss die ererbte Vorliebe für vulgäre Gesellschaft war, sondern die
Thatsache, dass ich jenseits der Gartenmauer etwas galt und gut gelitten
war, während ich dieseits kalt übersehen oder getadelt wurde. Allerdings
als zwei Jahre nach Robert die kleine zarte Lilli zur Welt kam, besserte
man nicht mehr an mir herum und liess mich treiben, was mir gefiel, bis
ich alle Grenzen des Erlaubten überstieg. Ich zählte vierzehn Jahre und
sollte bei Lilli's Gouvernante die Lücken in meiner Bildung ausfüllen.
Statt dessen lief ich tagaus tagein zur Pächtersfrau hinüber. Sie war
einsam; ihr Abgott Balthasar befand sich auf einer landwirthschaftlichen
Schule. Ich ging ihr in Küche und Maierei zur Hand, butterte, streute dem
Geflügel das Futter, knetete und buck ordinäres schwarzes Brod. Wurde
ich entdeckt, dann sah ich ein, dass mein Vergehen zum Himmel schrie.
Ueberhaupt war ich in Gegenwart von Papa, Mama, Robert und Lilli meist in
so bussfertiger, zerknirschter Armensündenstimmung, dass es mich gar nicht
Wunder nahm, wenn mich alle für feige, unaufrichtig, lakaienhaft hielten.
Die geringschätzigen Bemerkungen, die kalten Blicke daheim drückten mein
Selbstgefühl herab, ich begann, mich für einen dunkeln Flecken auf dem
sonnigen Familienbilde zu halten, für eine Art von Schlagschatten, der
die Vortrefflichkeit und feine Ausführung der anderen Schöpfungswerke
gebührend hervorhob, sich aber nichtsdestoweniger ziemlich überflüssig
dünkte. Die Andern mochten dasselbe finden; ich wurde Fräulein Möller
ausgeliefert. Sie sollte den letzten Versuch machen, mein ererbtes Uebel
zu kuriren. Seit zwei Jahren bin ich nicht einmal in den Ferien nach Hause
gekommen. In der ersten Sommervacanz, während ich mit meinem baumlangen
Kameraden Pflanzen und Steine suchte, kam Miss Burton, Lilli's Gouvernante,
auf die Idee, ein geheimes Einverständniss bestehe zwischen mir und dem
lieben, langen, unbeholfenen Jungen. Und so erfloss das Verbot meiner
Heimkehr, und während die anderen Mädchen in die Berge, an die See in den
Sonnenschein hinauszogen, sass ich wie ein Sträfling hinter den Mauern des
verstaubten Pensionsgartens. Nächstes Jahr durfte ich wohl Papa und Mama
besuchen, denn (ich konnte meine Thränen nicht zurückhalten, wiewohl die
ganze Klasse mich spöttisch betrachtete) Balthasar sollte nicht mehr
als Schlange im Paradies lauern. Der Bruder seiner Mutter war kinderlos
verstorben und hatte ihm ein hübsches Gut in Pommern hinterlassen. Er
hatte es mir geschrieben und mich gefragt, wann er mich sehen könne. Mama
und Papa, welchen er einen Abschiedsbesuch gemacht, hätten ihm die Bitte,
mir vor seiner Abreise die Hand drücken zu dürfen, rundweg abgeschlagen.
Ich dürfe meine Studien nicht unterbrechen. Du lieber Gott, als ob
nicht Hopfen und Malz an meiner Wasserfarbenmalerei, meinen Chopin'schen
Nocturno's und Stickereien in Seide und Chenille verloren wären.
Dieser Brief, der erste heimliche Brief in meinem achtzehnjährigen Leben,
fiel einer Aufseherin in die Hände, und ich hörte Sentenzen vor der
ganzen Klasse über mein unpassendes Benehmen. Zuletzt wurde mir verboten,
das Haus zu verlassen. Wie ein Häuflein Unglück sass ich in meinem Zimmer
und bekam zu meiner übrigen Schönheit vom Weinen rothe geschwollene
Augen.
Vermuthlich verdankte ich es meiner vulgären Neigung, dass ich unter all
den Gewerbsleuten der Schule warme Freunde hatte.
Meine Antwort an Balthasar hatte die Bäckerstochter bestellt, und nun
wartete er ohne Zweifel in dem windschiefen Gartenhäuschen an der Mauer,
in welches er sich, dank seinen früh erworbenen Kletterkünsten, leicht
genug hinaufzuschwingen vermochte. Ich aber war gefangen, und wenn auch
nicht in Banden, so doch durch eine gut und sicher verschlossene Thüre von
der Aussenwelt getrennt, denn zu diesem äussersten Mittel hatte Fräulein
Möller gegriffen, da ich mich nicht dazu verstehen wollte, meinen Verzicht
auf eine Zusammenkunft mit meinem Jugendfreunde zu versprechen.
Mein Zimmer lag eine Treppe hoch, aber das Haus war niedrig, und unter
meinem Fenster befanden sich ein paar kümmerliche Blumenbeete. Ich würde
weich fallen. Natürlich würden die zerdrückten Blumen meinen Frevel
morgen aller Welt verkünden, aber ich war in einer Stimmung, so
verzweifelt und aufgeregt, dass mich keine Bedenken abhielten. Mit
Balthasar ging meine glückliche Kinderzeit von mir. Ohne Abschied liess
ich den einzigen Menschen, der mich an's Herz geschlossen, nicht von dannen
ziehen.
In minder verlockender Gestalt ist wohl noch nie eine junge Dame bei einer
heimlichen Zusammenkunft erschienen. Die weiche, von Regen getränkte
Erde des Gartens hatte sich in rührender Anhänglichkeit meinem Kleide
mitgetheilt, ich hinkte, denn ich hatte mir bei dem Sprung den Fuss
verstaucht, und zum Ueberfluss fing ich noch laut zu weinen an, als bei dem
Schein einer Laterne, die in dem Gässchen hinter dem Gartenzaun brannte,
mein Jugendfreund in dem windschiefen Gartenhäuschen vor mir auftauchte.
Er hatte mit seiner grossen, ehrlichen Rechten meine Hand gefasst und
begann mir mit der Linken unbeholfen das Haar zu glätten. Und da ich
dadurch nicht beruhigt ward, wollte er mich an sich ziehen. Aber ich machte
mich los.
»Wir wollen nicht den geringsten Anlass zum Tadel geben. Wenn wir auch
gezwungen sind, auf heimlichen Wegen zu gehen, so wollen wir uns doch
benehmen, als wären Mama, Papa und Institutsvorsteherin zugegen.« Damit
setzte ich mich auf die eine Seite des wackeligen Tisches und wies ihm den
Platz mir gegenüber an.
»Doch wenn ich deine Hand nicht in meinen ungeschlachten Fingern halten
kann, Jenni, dann weiss ich nicht recht, wie ich anfangen soll,« sagte
mein langer Freund hilflos. Die freundliche Strassenlaterne fiel ihm gerade
auf das Gesicht. Was für ehrliche, treue Augen er hatte und wie warm Einem
um's Herz wurde, wenn man in sie hineinsah! Ich gab ihm meine Hand, und nun
begann er:
»Du weisst wohl, dass ich ein Gut geerbt habe, Jenni, keine Herrschaft,
aber ein ganz stattliches Bauerngut.« Dabei drückte er mir die Hand; aber
da ich nicht wusste, wo er hinaus wollte (vielleicht wusste ich's auch und
behielt es blos für mich), so wünschte ich ihm blos Glück. Es werde ihm
gut thun für sich selber, auf seinem eigenen Grund und Boden zu arbeiten.
»Hm,« sagte er, stockte und fing mit einiger Anstrengung wieder an: »Zu
solch' einer Farm gehört eine hübsche, junge Frau, Jenni.«
Das überraschte mich. Seine Mutter war ja noch so rüstig und würde ihm
gewiss mit Freuden haushalten.
Aber ich wurde feuerroth, als ich diese passende Bemerkung murmelte und
segnete die Strassenlaterne, in deren Schatten ich sass.
Er schüttelte den Kopf. Die Alten wollten nicht mehr wirthschaften. Sie
hatten sich ein hübsches Sümmchen erspart und gedachten sich im Hause des
Sohnes zur Ruhe zu setzen.
Und dann meinte er mit einem verlegenen Lachen, er wisse auch schon von
einer Frau. Die Frage sei nur, ob ihr das Loos, das er ihr bieten könne,
glänzend genug sei, sie habe bessere Aussichten. Aber ein treueres Herz
fände sie sicher niemals und wärmere Liebe auch nicht.
Dabei blickte er mich so bittend an, und in seinem Gesicht lag solch' eine
Sorge wegen der glänzenden Aussichten, dass ich ein Stück Holz hätte
sein müssen, um länger an mich zu halten.
»Kein glücklicheres Loos kann es geben, als an Deiner Seite, Balthasar!«
rief ich.
Und da zog er mich an sein treues Herz. Am liebsten hätte er mich, wie ich
ging und stand über die Gartenmauer und zu seinen Eltern getragen, um alle
Förmlichkeiten abzuschneiden. Aber ich konnte ihm den Gang zu Papa und
Mama nicht ersparen, wenn er ihm auch vielleicht schlimmer erschien, als
der Marsch in einem Kugelregen.
Er erzählte mir später, er hätte nie längere Gesichter gesehen als die
ihren, nachdem er um meine Hand anhielt und, ihrem »Nein« zuvorkommend
erklärte, wir seien einig.
»Mein Gott, wir können doch unser Adoptivkind nicht mit dem Sohn unseres
Pächters verheirathen,« rief Mama, »was würde die Welt dazu sagen! Es
würde heissen, wir hätten sie abgeschüttelt, weil wir nun eigene Kinder
haben!« Und Papa hatte mit der schneidenden Ironie, mit der er mich so oft
verwundet, eingeworfen:
»Lass' die Leute die Köpfe schütteln. Wir können ihnen antworten: Art
lässt nicht von Art, und eine Ente wird durch das beste Beispiel, die
sorgfältigste Erziehung nicht zum Schwan!«
Und so sitze ich im Tümpel. Im Ganzen ist mein Leben gar nicht übel, und
ich tauschte nicht für die Welt den Schwanenteich zurück. Wenn ich
jetzt zuweilen in den Spiegel blicke und mir ein frisches, gerundetes,
glückliches Gesicht entgegengrüsst, dann möchte ich schier glauben, die
Urkraft habe mich Anfangs doch zum Zierrath bestimmt und sei nur auf halbem
Wege stehen geblieben. Aber Balthasar, der arme, verblendete Mann, hält
mich thatsächlich für etwas ganz Kostbares und trägt mich auf starken,
treuen Händen durch das Leben; und das ist eigentlich mehr, als solch' ein
armselig graues Entlein beanspruchen darf.
EIN APRILSCHERZ.
Das Schelmen-Triumvirat nannte uns zur Zeit, als wir unsern wilden Hafer
säeten, die Volksstimme in unsrer Künstlerstadt. Zweien von uns, dem
Genremaler Karl Schönborn und meiner Wenigkeit, that sie damit entschieden
zu viel Ehre an; wir waren keine ebenbürtigen Genossen, wir waren nur
die Handlanger des dritten und spielten die Rolle Sancho Pansas, der ganz
deutlich sieht wohin die Tollheit seines Meisters führt, und der ihm
doch durch dick und dünn folgt. Ja, Ruppert Ahlfeld war unser Meister im
Ersinnen toller Possen; wehe dem Menschenkind, das er sich zur Zielscheibe
erkoren! Da war vor etlichen Jahren ein Jüngling von äusserst frommer
Gemüthsart und tugendhaftem Wandel in unsern Bereiche aufgetaucht, den
Blasengel hiessen wir ihn, wegen seines rundlichen, rosigen Gesichts und
des goldblonden Gelocks, das ihm wie ein Glorienschein um den Kopf starrte;
auf ihn stiess unser Anführer wie ein Fischadler auf einen fetten
Karpfen nieder. Es hiess, Hugo Lichtner habe sich mit einem steinreichen
Verwandten, der ihn zu seinem Erben machen wollte, entzweit, weil er um
jeden Preis Stillleben malen musste. Ich bitte Sie -- Stillleben! Wenn
es Konradins Tod, oder Orest an der Leiche Klytemnestras, oder Judith und
Holofernes gewesen wären, an welche Rupert in jugendlichem Grössenwahn
beispiellos viel Farbe und Leinwand verschwendete, das hätte diesem
Respeckt eingeflösst, aber sich enterben lassen, um grüne Gurken, einen
Teller Trauben, ein Glas mit Goldfischen abzukonterfeien, das konnte er,
der sich als Vertreter der grossen Kunst fühlte, dem armen Jungen nicht
verzeihen. Für Lichtner hatte der erste April bald 365 Tage; kaum war
er mit Mühe und Not einer Schlinge entronnen, dann stolperte er mit dem
arglosesten, vertrauendsten Lächeln von der Welt in die zweite hinein.
»Kinder,« erklärte Rupert mit dem salbungsvollen Ton, den er zuweilen
annahm, »wenn es uns gelingt, ihm die himmelblaue Binde über den Augen zu
lockern, dann haben wir ein grosses Werk vollbracht und verdienen, dass auf
unsern dereinstigen Grabsteinen die Worte »Wohlthäter der menschlichen
Rasse« eingemeisselt werden.«
Aber unsre Bemühungen erschienen nicht von dem kleinsten Erfolg gekrönt,
der Blasengel blieb leichtgläubig und arglos, als wäre er erst gestern
aus den Wolken auf die sündige Erde niedergeflattert.
Einmal hatte er uns im Atelier aufgesucht, nachdem sich Professor P., unter
dessen Anleitung unser Triumvirat damals arbeitete, in sein Allerheiligstes
zurückgezogen. Da ging die Thür auf, und ein kleiner, abscheulicher
Seidenpintsch sprang uns kläffend an die Beine. Jeder von uns wäre
mit Vergnügen bereit gewesen dem Köter einen herzhaften Fusstritt zu
versetzen, allein hinter ihm raschelte ein seidenes Frauenkleid, eine
wunderhübsche, junge Dame mit blitzenden Zigeuneraugen, Wangen eines
Pfirsichs und einem bezaubernden Stumpfnäschen kam in das Atelier, als
hätte sie der Aprilwind hereingeweht, und statt des Fusstritts bückte
sich jeder herab, um den Rücken des Scheusals zu tätscheln, das uns zum
Dank dafür nach den Fingern schnappte.
»Ich wünsche, den Professor zu sprechen,« sagte das Fräulein mit einem
Lächeln, das selbst einen Stein erwärmt hätte, »mein Name ist Ilona
Balogh, Porträtmalerin aus Pest.«
Wir wussten schon von ihr. In den paar Tagen, die sie in unsrer Stadt
verweilte, hatte sie der jüngeren Künstlerschaft (vielleicht auch der
älteren, doch, davon schweigt des Sängers Höflichkeit) soweit sie in
ihre Nähe gerathen, durch ihre Schönheit und ihre pikanten Einfälle die
Köpfe verwirrt. -- Dienstbeflissen stoben wir auseinander. Rupert schob
ihr den pomphaftesten der Krönungssessel hin, ich breitete dem gräulichen
Vierfüssler einen kostbaren, persischen Teppich unter, Karl Schönborn
pochte an des Meisters Thür, -- wie ich vermuthe nicht ohne Herzklopfen,
da dieser, wenn er sich zurückgezogen, eine Störung nicht allzu
freundlich willkommen hiess -- nur Hugo Lichtner stand wie ein gemeisselter
Engel da und starrte mit verzückten Augen auf die junge Dame.
Fräulein Ilona bemerkte es -- sie hätte sonst auch stockblind sein
müssen -- und rückte ihren Stuhl, um sich dem Bereich seiner Blicke zu
entziehen; doch auch jetzt mochte sie die hypnotisirten Augen auf sich
gerichtet fühlen, denn sie schürzte die Lippen wie in gutmüthigem Spott.
Ich war wüthend. War dies unsre grüne Unschuld, unser keuscher Joseph,
den wir trotz aller mephistophelischen Versuchung, und trotzdem die
hübsche Nanni in unsrer Künstlerkneipe sich mehr als nöthig in der
Nähe des seraphischen Blondkopfs zu schaffen machte, nie zu der geringsten
Aufmerksamkeit gegen das schöne Geschlecht bewegen konnten? Fräulein
Balogh musste annehmen, das die Czikos auf ihrer Pussta mehr Lebensart
besassen, als ihre jungen Künstlerkollegen. Ein vergnügtes Grinsen, das
sich über Ruperts Gesicht zog, dämpfte meinen Aerger. Was hatte er wohl
wieder ausgeheckt, um Hugo das Leben zu verleiden? Soeben war der Professor
in die Thür getreten und geleitete den gut empfohlenen Gast in sein
Privatkabinett.
»Habt ihr bemerkt, wie sie den Posaunenengel angesehen hat, so --
ergriffen, möchte ich es nennen?« fragte Rupert. Sein Augenblinzeln, dem
bei mir, dem neben ihm Stehenden, ein leiser Stoss mit dem Fusse nachhalf,
erleuchtete uns augenblicklich.
»Ja wohl, ja wohl, in ihren Augen lag so etwas wie eine widerstandslos
schmelzende Lawine,« versetzte Schönborn, angelegentlich seinen Vollbart
streichend.
»Als sie dem Professor folgte, hat sie noch einmal den Kopf sehnsüchtig
nach Hugo zurückgewendet,« fügte er hinzu, um hinter meinen
phantasiebegabten Genossen nicht ganz und gar zurückzubleiben.
»Glücklicher Mensch, er hat das schönste Mädchen der Stadt im Sturm
erobert!« rief unser Führer.
»Nein; glaubt ihr wirklich, glaubt ihr, sie habe mich auch nur bemerkt?«
fragte Hugo in naiver Freude, mit seinem erröthenden Gesicht noch mehr
als sonst einem Blasengel ähnlich, der seine Posaune für einen Moment
absetzt.
»Glauben?« versetzte Rupert entrüstet, »Mensch, man hat doch Augen im
Kopfe! Wenn das nicht ein Fall von Liebe auf den ersten Blick ist, dann
kannst du mich für blind wie Hiob erklären.«
»Aber wie kam sie nur dazu, gerade mir, dem Unbedeutensten von euch,
Aufmerksamkeit zu schenken?«
Rupert zuckte die Achsel.
»In dem elementaren Zuge von einem Herzen zum andern liegt gewöhnlich
etwas Unbegreifliches,« predigte er. In seinem Munde nahmen sich die
Lehren überlegener Weisheit stets ausserordentlich wirkungsvoll aus.
»Aber höre mein Sohn, bilde dir nicht ein, dass du die Hände in
den Schooss legen und dich wie ein vom Dach fallender Sperling auf die
göttliche Vorsehung verlassen kannst. Die drinnen ist nicht die hübsche
Nanni.«
»Erlaube mir die Bemerkung, dass ich es sehr geschmacklos finde, beide in
einem Atem zu nennen,« warf Hugo mit ungewohnter Hitze ein.