3. Der Pferdediebstahl

Sira Erik hatte sowohl die Hirten wie andere Burschen in Selvog

gebeten, sich zu hüten, ohne seine Erlaubnis seine Pferde zu nehmen,

indem er ihnen drohte, daß es ihnen dabei übel ergehen würde, und

so hüteten sich alle Hirten wohl, seine Reitpferde anzufassen. Es

waren jedoch einmal zwei Burschen, die sich nicht nach seinem Verbot

richteten. Kaum aber waren sie auf die Rücken der Pferde gestiegen,

als diese spornstreichs nach Vogsosar jagten, ohne daß die Burschen

Gewalt über sie hatten. Sie wollten sich hinunterschwingen, da sie die

Pferde nicht zum Stehen bringen konnten, das ging aber nicht, denn ihre

Hosen waren an den Rücken festgewachsen. »Das geht nicht,« sagte der

eine der Burschen, »wir müssen von den Pferden herunter, sonst fallen

wir Meister Erik in die Hände, und da würde sich wohl keiner in unsere

Haut wünschen.« Er holte ein Messer hervor und trennte den Schritt

von seinen Hosen ab und kam auf diese Weise von dem Pferde herunter.

Der andere dagegen war entweder nicht geschickt genug, dasselbe zu

tun,oder wollte vielleicht seine Hosen nicht verderben. Die Pferde

liefen heim nach Vogsosar, das eine mit dem heulenden Burschen, das

andere mit dem Hosenfetzen auf dem Rücken. Als die Pferde auf den Hof

kamen, stand der Pfarrer draußen; er strich dem ledigen Pferd den

Fetzen vom Rücken, sagte aber zu dem Burschen, der auf dem andern Pferd

saß: »Siehst du, es ist nicht gut, dem Pfarrer Erik in Vogsosar Pferde

zu stehlen; komm jetzt herunter und nimm nie wieder meine Pferde,

ohne mich um Erlaubnis zu bitten. Dein Kamerad war schlauer als du

und verdiente, daß man ihn die Buchstaben kennen lehrte; denn aus ihm

könnte etwas werden.«

Etwas später kam dann dieser Bursch zu dem Pfarrer. Dieser zeigte ihm

den Stoffetzen und fragte ihn, ob er ihn wiedererkenne. Der Bursch ließ

sich nicht ins Bockshorn jagen und erzählte dem Pfarrer, wie alles

zugegangen war. Der Pfarrer lächelte und forderte ihn auf, zu ihm zu

kommen. Dieses Anerbieten wurde mit Dank von dem Burschen angenommen,

der später lange im Hause des Pfarrers blieb und ihm sehr gehorsam war,

und man sagt, daß der Pfarrer ihn viel alte Weisheit gelehrt habe.

Isländische Märchen und Volkssagen · 第 121 / 145 题