4. Kalbs Tod

Als Kalb ein sehr hohes Alter erreicht hatte, wurde er schwer krank,

und er wußte im voraus, daß die Krankheit sein Tod werden würde.

Er gebot deshalb allen Leuten des Hauses, den Hof zu verlassen und

die Kammer zu verschließen, in der er liege, den Schlüssel jedoch

im Loche stecken zu lassen. Er bat die Leute, nach einer bestimmten

Zeit zurückzukommen, sie sollten sich aber nicht darum kümmern, daß

sie vielleicht verschiedene Gegenstände auf dem Hof aus den Fugen

gebracht oder entzweigeschlagen vorfänden; wenn aber alles in seiner

Schlafkammer stehen geblieben wäre, wie es gestanden habe, dann sollten

sie ihn mit allen Zeremonien beerdigen; wäre dagegen etwas darin

zerstört oder entzweigeschlagen, dann sollten sie ihn wie einen Kadaver

an irgendeiner Stelle verscharren. Kalb hatte einen Pflegesohn, der

Arne hieß und ihm sehr lieb war; dieser wollte nicht mit den übrigen

Leuten des Hofes fortgehen und versteckte sich deshalb hinter der

Umzäunung des Hofes, als die anderen fortgingen. Nach Verlauf einer

kurzen Zeit sah Arne den Teufel angehumpelt kommen. Erst ging der

Teufel um die ganze Umzäunung herum und dann in den Hof hinein, wo er

eine Zeitlang umherging und tobte. Schließlich ging er ins Haus und

tummelte sich lange darin und machte viel Gepolter. Nach geraumer Zeit

schlich sich Arne in das Haus und öffnete die Tür zu der Kammer, in der

sein Pflegevater Kalb lag. Da war Kalb tot, alle Sachen aber in seiner

Kammer standen genau so da, wie sie früher gestanden hatten, und Arne

sah nichts vom Teufel.

Da wurde Kalb Arneson mit allen Zeremonien auf dem Kirchhof beerdigt,

wie er es selbst verlangt hatte.

Isländische Märchen und Volkssagen · 第 115 / 145 题