Zehnter Auftritt

Vorige. Habakuk mit Federn.

Habakuk (zitternd).

Euer Gnaden, hier bring ich die Federn.

Astragalus (entsetzt sich).

Ha! Dieser Mörder wagt es, vor meine Augen zu kommen!

(Nimmt den Stuhl vor und retiriert sich.) Komm mir nicht

an den Leib! Bandit!

Rappelkopf.

Ach, das ist übertrieben. Wer wird sich denn vor dem Esel

fürchten?

Habakuk.

Die gnädige Frau laßt fragen, ob sie noch nicht herüberkommen

darf.

Astragalus.

Nein.

Habakuk.

Sie weint aber so abscheulich.

Astragalus.

So soll sie schöner weinen, hahaha, oder ich fang zum lachen an.

Habakuk.

Wenn sie aber krank wird?

Astragalus.

Die Gicht in ihren Leib! Und ins Spital mit ihr!

Rappelkopf (beiseite).

Das ist ein kurioser Humor.

Habakuk.

Ah, verzeihen Euer Gnaden, aber das ist zu stark. Ich war

zwei Jahr in Paris, aber--

Astragalus (aufspringend).

Wenn Er es noch einmal wagt, dieses unerträgliche Sprichwort

in meinem Haus ertönen zu lassen, so--zahl ich hier Seinen

Lohn in vorhinein. (Er wirft ihm einen Geldbeutel vor die

Füße und trifft damit Rappelkopf an das Schienbein.)

Rappelkopf (zieht den Fuß auf).

Sapperment hinein, achtgeben, das müssen harte Taler sein.

Astragalus.

Hab ich Ihnen weh getan?

Rappelkopf.

Ich glaub, ich hab ein Loch im Fuß.

Astragalus.

Gschieht Ihnen recht. (Zu Habakuk.) Wenn Er also dieses Wort

noch einmal sagt, so geht Er an der Stelle aus meinem Dienst.

Wenn ich auch nicht dabei bin. Nehm Er!

Rappelkopf.

Es ist meine ganze Manier. (Zu Habakuk.) Nu apport!

Habakuk.

Euer Gnaden, um diesen Preis kann ich mich nicht darauf

einlassen, denn ich habe keinen Stolz, als daß ich zwei

Jahr in--

Astragalus (faßt ihn am Halse).

Ich erdroßle Ihn, wenn Er noch einen Buchstaben mehr dazu

sagt.

Habakuk.

Zu Hülfe! Zu Hülfe!

Rappelkopf (springt dazwischen).

Aber Herr Schwager, das hätt ich meinem Leben nicht geglaubt.

Astragalus (hält ihn noch immer).

Wo warst du zwei Jahr, warst du in Paris?

Habakuk (schreit ängstlich).

Nein, in Stockerau.

Astragalus.

Also geh hin, wo der Pfeffer wächst. (Stoßt ihn zur Tür hinaus.)

Rappelkopf.

Ich find doch, daß ich etwas Abstoßendes in meinem Betragen

habe. Wenn das so fortgeht, so käm ich mit mir selbst nicht

draus. Ja so! Mein Geld muß ich wieder einstecken. Wir haben

ja eine Kassa, das ist kommod, wenns der eine wegwirft, hebts

der andere auf. Und wenn nur das nicht wär, daß, was ihm

geschieht, auch mir geschehen muß. Und wie lang er draußen

bleibt, ganz erhitzt, wenn er sich erkühlt, so kriegen wir

die Kolik. (Astragalus tritt ein.)

Astragalus.

Weil ich im Wald keine Ruh hab, so sollen sie auch von mir

keine haben. Denn sie sind boshaft, sie könnten mich vergiften.

(Setzt sich in einen Stuhl.)

Rappelkopf.

Das sind so übertriebene Sachen. Wenn er nur etwas mit sich

reden ließ'. Herr Schwager!

Astragalus (wendet ihm den Rücken zu).

Hinaus! Ungeheuer!

Rappelkopf.

So hab ichs akkurat gemacht. (Laut.) Aber warum denn? Wir

sind ja die besten Freunde.

Astragalus.

Ich bin keines Menschen Freund. Und Sie will ich gar nicht

ansehen. Ihr Gesicht ist mir verdächtig.

Rappelkopf.

Sie werden mich doch für keinen Betrüger halten?

Astragalus.

Das nicht, aber man erinnert sich an einen, wenn man Sie ansieht.

Rappelkopf.

Ah, das ist impertinent, diese Grobheit hätt ich mir nicht

zugetraut. Und doch erinnere ich mich auf ähnliche Worte.

Astragalus (zum Fenster hinaus).

Halt, wer schleicht da zur Tür hinaus? Donner und Blitz, das

ist der junge Maler, der war bei meiner Tochter.

Rappelkopf.

Jetzt wirds angehn.

Astragalus.

Wart, du kommst mir nicht mehr aus. (Springt zur Tür hinaus

und stößt Rappelkopf der ihm im Weg steht, auf die Seite.)

Rappelkopf.

Ich bin ja ein rasender Mensch. Ich fang mir ordentlich an

selbst zuwider zu werden. Das hätt ich meinen Leben nicht

gedacht.

Astragalus (von innen, schreiend).

Sie müssen herein, ich lasse Sie nicht los.

Rappelkopf.

Hat ihn schon bei der Falten.

Astragalus (von innen).

Herein, sag ich.

Rappelkopf.

Und wie er schreit! und das geht alles auf meine Rechnung.

Bis die Gschicht ein Ende hat, ruiniert er mir noch meine

ganze Brust.

(Astragalus zerrt August an der Hand herein.)

Astragalus.

Herein, du Verführer meines Kindes! Wie können Sie es wagen,

mein Haus zu betreten? Wer gibt Ihnen ein Recht dazu?

Rappelkopf.

Das ist wieder gut gesprochen, das gefällt mir.

August (ganz bleich).

Meine Liebe, Herr von Rappelkopf, und meine redlichen

Absichten.

Astragalus.

Sie sollen gar keine Absichten haben, weil Sie keine

Aussichten haben.

Rappelkopf.

Bravo!

Astragalus.

Ich kann mein Kind verheiraten, an wen ich will, denn ich

bin Vater.

Rappelkopf.

Bravissimo!

Astragalus.

Und es ist eine Frechheit von Ihnen, daß Sie sich gegen

meine Erlaubnis in mein Haus zu schleichen suchen, um mein

Kind von dem Gehorsam gegen seinen Vater abzubringen.

Rappelkopf.

Sehr schön, ich muß mich selber loben.

August.

Herr von Rappelkopf, ich beschwöre Sie bei allen Gefühlen,

welche Ihr leidenschaftliches Herz je bestürmten, haben Sie

Nachsicht mit den meinigen. Ich kann ohne Ihre Tochter nicht

leben, ich war drei Jahre abwesend, und meine Gesinnungen

haben sich nicht verändert. Ich besitze ein kleines Vermögen,

habe mich in meiner Kunst verbessert, schenken Sie mir Ihre

Einwilligung, nie werde ich Ihre Gnade vergessen, und Sie

werden einen dankbaren Sohn an mir gewinnen.

Rappelkopf.

Das ist kein gar so schlechter Mensch, er soll doch nicht so

hart mit ihm sein.

Astragalus.

Ich traue Ihren Worten nicht, denn Falschheit blickt aus Ihrem

Auge. Darum wagen Sie es nicht mehr, meine Schwelle zu betreten.

Eh steht mein Tor hungrigen Wölfen offen, eh laß ich Raben

unter meinem Dache nisten, eh will ich giftge Schlangen an

dem Busen nähren, eh laß ich alle Seuchen hier im Hause wüten

und will die Pest zu meinem Tische laden, eh ich nur Ihrer

Lunge einen Atemzug in meinem Schloß erlaube.

Rappelkopf.

Das ist ein Unsinn ohnegleichen. Es ist beinah nicht zu glauben,

daß ein Mensch so sein kann.

August.

Herr von Rappelkopf, wenn Ihnen das Leben eines Menschen etwas

gilt, so reizen Sie meine Leidenschaft nicht auf das höchste--

Herr von Silberkern, nehmen Sie sich meiner an.

Rappelkopf.

Ich kann ja nicht, ich bin froh, wenn er mich selber nicht

hinauswirft.

August.

Also wollen Sie mir mit Gewalt das Leben rauben?

Astragalus (boshaft).

Sie würden mich sehr verbinden, wenn Sie mir es zum Geschenke

machen wollten.

Rappelkopf (entrüstet).

Ah, das ist infam--Herr Schwager (Geht auf Astragalus zu.)

Astragalus (fährt heftig auf ihn los).

Schweigen Sie! Sie sind auch im Komplott mit ihm, aber ich

schwöre es Ihnen bei dem glühenden Eingeweide des Vesuvs: wenn

Sie es wagen, mein Kind in dieser Leidenschaft zu unterstützen,

wenn Sie nur eine Miene machen, meine Ansichten zu mißbilligen,

so werden Sie ein Andenken nach Venedig mit zurücknehmen, daß

ganz Italien darüber in Entsetzen geraten soll. (Ab ins

Nebenzimmer.)

Der Alpenkönig und der Menschenfeind · 第 40 / 45 题