Zwölfter Auftritt

Voriger. Lischen tritt furchtsam ein.

Lischen.

Was befehlen Euer Gnaden?

Rappelkopf (immer barsch).

Ich hab etwas zu reden mit ihr.

Lischen (erschrickt).

Mit mir? (Beiseite.) Nun das wird eine schöne Konversation werden.

Was er schon für Augen macht!

Rappelkopf (beiseite).

Ich werd alle möglichen Feinheiten gebrauchen. (Roh.) Da geh

Sie her! (Lischen nähert sich verzagt. Rappelkopf betrachtet

sie verächtlich vom Kopf bis zu den Füßen.) Infame Person!

Lischen.

Aber Euer Gnaden--

Rappelkopf.

Was Gnaden--nichts Gnaden--schweig Sie still und antwort Sie.

Lischen.

Das kann ich ja nicht zugleich.

Rappelkopf.

Sie kann alles. Es gibt keinen Betrug, der Ihr nicht möglich wäre.

Sie ist eine Mosaik aus allen Falschheiten zusammengesetzt.

(Beiseite.) Ich muß mich zurückhalten, damit ich nur nicht

unhöflich mit ihr bin.

Lischen (empört).

Aber wer wird sich denn solche Impertinenzen sagen lassen?

Rappelkopf (heftig).

Sie, Sie wird 's sich sagen lassen. Und wird keinen Laut von

sich geben. Was hat Sie für eine Betrügerei vorgehabt? Sie will

mich bestehlen?

Lischen.

Nein!

Rappelkopf.

Was denn?

Lischen.

Ich will mich empfehlen. (Will fort.)

Rappelkopf (nimmt ein ungeladenes Jagdgewehr).

Nicht von der Stelle, oder ich schieß Sie nieder!

Lischen (schreit).

Hülfe, Hülfe!

Rappelkopf.

Nicht mucksen! Antwort! Warum hat Sie so verdächtig herumgesehen?

Was ist im Werk?

Lischen.

Himmel, wenn es losgeht!

Rappelkopf.

Nutzt nichts! losgehn muß etwas, entweder Ihr Maul oder die

Flinten.

Lischen.

Ach, was soll ich denn mein Leben riskieren! (Kniet nieder.)

Lieber gnädiger Herr, ich will alles bekennen.

Rappelkopf.

Endlich kommts an den Tag. Himmel, tu dich auf!

Lischen.

Ich habe gelauscht, ob das Fräulein nicht aus dem Alpental

zurückkömmt, die gnädge Frau hat mich ausgezankt, weil ich

nicht bei ihr geblieben bin, da sie ihren Liebhaber erwartet,

der heute ankommt. Die gnädige Frau ist mit ihr einverstanden,

doch weil sie mich so mißhandelt hat, so verrate ich sie.

Rappelkopf.

Entsetzlicher Betrug! O falsche Niobe! Und Sie niedrigdenkende

Person, Sie wagt es, Ihre Frau zu verraten--der Sie so viel

Dank schuldig ist? O Menschen, Menschen! Ausgeartetes Geschlecht!

Aus meinen Augen geh Sie mir, Sie undankbare Kreatur, ich will

nie mehr etwas von Ihr wissen.

Lischen.

Aber was hätt ich denn tun sollen?

Rappelkopf.

Schweigen hätt Sie sollen.

Lischen.

Aber Euer Gnaden hätten mich ja erschossen.

Rappelkopf.

Ist nicht wahr, es ist nicht geladen. Betrug für Betrug.

Lischen.

So, also hätt ich diese Angst umsonst ausgestanden? Das ist

abscheulich.

Rappelkopf.

Nein, nicht umsonst. Du Krokodil von einem Stubenmädel--du

sollst eine Menge dafür haben: meine Verachtung, meinen Haß,

meinen Schimpf, meine Verfolgung und deinen Lohn. (Wirft ihr

einen Beutel vor die Füße.) Nimms und geh aus meinem Haus. Mach

dich zahlhaft, oder ich zahl dich auf eine andre Art aus. So

nimms, warum nimmst du es denn nicht?

Lischen.

Oh, ich werds schon nehmen. (Denkt nach.) Gnädger Herr!

Rappelkopf.

Was denkst denn nach, du Viper? Nimms und ruf mir deine Frau.

Lischen (schnell auf die Gartentür deutend).

Dort ist sie ja!

Rappelkopf (schießt schnell gegen die Gartentür).

Wo ist sie? Wo? Her mit ihr.

Lischen (hebt schnell den Beutel auf).

Das ist ein alter Narr! (Läuft schnell ab.)

Rappelkopf (sieht ihr nach).

Hat ihn schon! O ihr Welten, stürzt zusammen, dieses weibliche

Insekt wagt es, mich zum besten zu halten! O Rappelkopf! Wie

falsch diese Menschen mit mir sind, und ich bin so gut mit ihnen!

Ha! Dort kommt mein Weib, entsetzlicher Anblick--meine Haar

sträuben sich empor, ich muß aussehen wie ein Stachelschwein.

Der Alpenkönig und der Menschenfeind · 第 17 / 45 题