Zehnter Auftritt

Lischen. Habakuk.

Lischen (äußerst zornig).

Nein, das ist nicht zum Aushalten, das Haus ist ja eine wahre

Folterbank. Wie man nur die Dienstleute so herabsetzen kann?

Habakuk.

Es ist aber auch ein Volk. Ich bin ein Bedienter, aber wenn ich

mein eigner Herr wär, ich jaget mich selber fort.

Lischen.

Mich eine Person zu heißen!

Habakuk.

Solche Personalitäten!

Lischen.

Halt Er Sein Maul! Wenn ich nur diesen langweiligen Menschen

nicht mehr vor mir sehen dürfte!

Habakuk.

Ich bin kein Menschenfeind, aber ich habe einen Stubenmädelhaß.

Was mir diese Person zuwider ist, bloß weil sies nicht glauben

will, daß ich in Paris gewesen bin. (Boshaft.) Gschieht Ihr schon

recht, Mamsell Liserl!

Lischen.

O Er erbärmlicher Wicht! Er verdient gar nicht, daß sich ein

Stubenmädchen von meiner Qualität mit Ihm unter einem Dache

befindet.

Habakuk.

Oh, prahlen Sie nicht so mit Ihrer Stubenmädelschaft, Sie haben

auch die Stubenmädlerei nicht erfunden. Ich versichere Sie, ich

war zwei Jahr in Paris, da gibt es Stubenmädel--wenn man die ins

Deutsche übersetzen könnt, das gäbet eine Stubenmädliade, wo sich

die ganze hiesige Kammerjungferschaft verstecken müßt. Und Sie

schon gar, meine liebe Exkammerjungfer.

Lischen.

Er zwei Jahre in Paris gewesener Einfaltspinsel, Er kommt mir

gerade recht, wenn Er sich noch einmal untersteht, seine

unverschämte Zunge zu meinem Nachteil zu bewegen, so werd ich

Seinen Backen einen Krieg erklären und Ihm den auffallendsten

Beweis liefern, auf was für eine kräftige Art ein deutsches

Kammermädchen die Ehre ihres Standes zu rächen weiß. (Gibt ihm

eine Ohrfeige und geht schnell ab.)

Habakuk (hält sich die Wange).

Nein, was man in dem Haus alles erlebt--ich war zwei Jahre in

Paris, aber so etwas ist mir nicht vors Gesicht gekommen. (Geht

ab, indem er sich den Backen hält.)

Der Alpenkönig und der Menschenfeind · 第 15 / 45 题