Ernst Stadler

Die Straßen mit den tagmüden, grauen Trottoirs wurden gesprengt, und die

schweifhaften, breiten Güsse, die den säenden und starken Gesten der Männer

entflogen, legten sich klatschend und eigenwillig auf den Boden. Es wurde

Abend. Die Weiden und Eschen der Gärten schwebten scheu und flimmernd vor

der ungeheuren Ruhe des opalenen und tiefgelben Himmels. Und wie das Wasser

das Irisierende aus der Luft sog, schritten die Menschen über die Straßen

wie über Bilder von Signac oder Croß: Eine Viertelstunde brannte die Stadt

in einer stillen Glut von gelbem Getupf.

Brandfeuer rannen in dünnen Strähnen dann in die Stadt und mischten sich

Glockengeläut und dem grausamen Drang einer fressenden Dämmerung. Wie

Schlünde tagelang entfeuerter Kanonen brachen die Schloßfenster über die

auslöschenden Häuserquadrate, feierlich, hart und alt, eine Zeit noch

hinaus.

Dann sprangen die Laternenreihen die Straßen hinunter und erreichten,

leichtes Geknatter der Zündung zurücklassend, den Platz, der mit rasender

Wucht an tausend Ecken, Schnüren und Windungen von Licht geborsten und

aufgerammt war und über den ein tiefdunkler, sterndurchlochter Herbsthimmel

schräg und kühl heraufwuchs.

Fifi erschien auf dem Podium.

Von den Schießbuden klang schon das Hämmern der Treffer, die Spielorgel

setzte ein. Aber aus dem rechten Ausgang der Baracke trat ein herkulischer

Mann, winkte ungeduldig mit der Achsel, die Orgel schwieg: Fifi setzte die

Spitze des rechten Fußes nach hinten auf, stellte die Arme wie Henkel auf

die Hüften und wartete. Der Große fing an zu schreien. Seine Arme ruderten

durch die Luft, sie umschrieben die gewagtesten Figuren, hemmten sich

gegenseitig und warfen sich in gelungenem Überschwall auf das Publikum,

weit geöffnet, hinaus. Ein verknickter Hut saß ihm auf dem Kopf. An den

Griffstellen glänzte er. Der Rock war zerdrückt und hing um den Körper,

dessen Fleisch schwammig und unangenehm schien. Es ist zu betonen, daß die

Figur herkulisch war, um die Augen zu verstehen, die, wenn die Brust und

die Gebärde sich herausspreizten und mit pompösen Auftakten in die Höhe

stiegen, klein und feig dies alles wieder leugneten und ängstlich wie

Wassertropfen von einer öligen Fläche an dem angesammelten Publikum

abliefen. Sein Mund rief heisere Worte hinunter. Er schrie. Er warf

geifernde Reden den Leuten ins Gesicht. »Seht,« rief er, »auf Fifis Tanz.

Kommt herein, alle,« und er winkte, »nur Erwachsene dürfen kommen:

Plastische Darstellungen . . . pikante Szenen . . . (es war, als zerdrücke

er etwas Klebriges im Munde.) Der König von Griechenland haben uns beehrt

in Wien. Höchste Herrschaften drückten ihre Bewunderung« . . . und so sehr

lief eine Welle von Ekel von seinen Sätzen und dem wissenden Winken seiner

plumpen Hände aus, daß zwei forsche Unteroffiziere selbst sich brüsk

wandten und gingen. Über der Baracke stand rot auf blau: Pariser Relief!

Der Alte hob die Hand, die Orgel schlug an, und vor dem in einem Teil aus

dem Strudel wieder zusammengeschlossenen Publikum trat Fifi in ihren Tanz

ein.

Zwei junge Leute waren inzwischen gegenüber eingetreten in »die Schönheiten

des Orients.« Vor der Bude standen zwei Palmen und ein dickes Weib, alt,

voll Vergangenheit, mit bösen weißen Augen. Sie war die Frau des Athleten;

Orient und Paris lagen gleich zwei Rachen auf den beiden Seiten der

Meßstraße und bissen sich Opfer heraus. Doch ging der Orient besser, und

Paris sank von Stadt zu Stadt. Fifi hatte feine Fesseln, aber Lizzy,

genannt Luise, hatte Hüften wie ein Dynamo. Und an ihren Zoten gingen die

beiden Männer vorbei, schauten durch runde Gläser eine Photographie von

Dschiseh und traten, indem sie einen Teppich zurückstießen, bei Lydia ein,

der Dame ohne Unterleib, die, in grünem Samt, in einem Sesselstuhl saß und

rote entzündete Augen hatte.

Der eine der Herren zog seine Handschuhe an, und nach dieser symbolischen

Handlung traten sie rasch den Rückzug an. In Jena hätten sie Ringkämpfe

aufgeführt mit den Studenten, rief ihnen Lizzy nach, genannt Luise.

Gleich einer unangenehmen Luftschicht fiel dies hinter sie zurück, und sie

traten hinaus in das Erregte des Platzes, in dem die breiten,

musikbeladenen Karusselle schwammen und sich überrasten und Geglitzer von

Spiegeln, Lichtschnüren und bunten Mädchen vorüberdrehten und auf dem ein

Meer von Menschen schiebend, erregt und drückend sich schaukelte, über

denen Schüsse knallten, Schreie hin und her zuckten und laute Glocken

dunkel aufzitterten.

Da wandte sich Franz plötzlich herum und zog den anderen mit. Sie brachen

durch den Strom, und indem sein Gesicht sich erhellte, zeigte Franz auf

Fifi und sagte: »Die leichten Bogen dieser Beine sind entzückend schön

. . .« Sein Gesicht hatte eine vollendete Güte, die das Kühne und

Auffallende dieses Profils in einen seltsamen Adel steigerte.

Und wie er dies sprach, die Lippen nur wenig bewegend, fielen Fifis Blicke

plötzlich auf seine Augen, und die Blicke hingen sich ineinander, bis die

Orgel mit einem aufflammenden Stoß plötzlich schwieg. Der Herkulische

trommelte rasselnd auf einem Schild, Fifi war zurückgetreten, er winkte zum

Eintritt, aber nur ein Einziger folgte, die Menge schob weiter.

Und Franz und sein Freund wurden weiter gedrückt, als sie sich der Strömung

übergaben, vorbei an dem grünbemalten Gerüst, in dem Menschenfresser

hausten. Drei Cowboys, mit roten Blusen, kokett, über die eine ganze Prärie

unbändig eine halbe Woche lang eitel brüllendes Gelächter wäre, schossen

zeitweise Revolver prahlerisch in die Luft. Ein echter Mexikaner hielt eine

Harpune hoch mit rotblänkerndem Fleisch. Überall lief der Witz, daß die

Menschenfresser -- Krokodile seien, und weil das Volk voraus wußte, daß es

geleimt würde, zog man in Scharen hinein.

Dann kam die große Bude mit den »Fliegenden Menschen«, zwei Mädchen in

blauen Trikots mit Silberschnüren: die eine blond und mit dem Anfang der

sich wölbenden Formen, die eine sonderbare Sinnlichkeit aussprühten, und

die andere mit ziselierten, knabenhaften Gliedern, schwarz, das Gesicht

Toulouse Lautrecs Durchschnittsmodell (breit, gemein, verworfen) mit einem

unheimlichen Gerank von Feinheit, Seele und Keuschsein darüber. An der

Galerie entlang stand die Familie, sechs Menschen, und bliesen

Blechinstrumente, und die Mädchen oben wiegten in das Derbe, Kommune der

Straßenwalzer das Gezitter ihres Tanzes. Ihre Bude war ganz voll. Immer!

Und als Franz dem Strom entkam und wieder zurückeilte, sah er, wie Fifi,

mit einem Stoß herausgedrückt, aus der leeren Baracke taumelte, rasch sich

faßte und anfing zu tanzen, mühselig, müd und fein und beschwingter, als

sie Franz erblickte. Nur kleine Truppen blieben stehen, die Masse strömte

zu den Fliegenden Menschen.

». . . Augenstern . . .« rollte es von unten herauf.

Es war spät geworden. Die Orgel schloß. Fifi verbeugte sich. Der Athlet

rief den Beginn der Vorstellung aus. »Soeben Beginn . . .« rief er und

schnalzte. Aber niemand stieg auf. Er schrie. Niemand. Da ging er, von der

Leere beschämt, verlegen einmal über das Podium, verschwand ins Innere,

lauerte bis die Gruppe sich ganz verlaufen hatte und trat wieder vor. Fifi

schlich wieder heraus. Wie eine große Spinne hing der Herkulische auf

seinem Podium. Franz stand beiseite, beobachtend, den Kopf schief

aufgelegt. Und wie eine Truppe nahte, fing der oben an, Schlüpfriges zu

reden, ein Wink, die Orgel: Fifi . . .

Die Leute hielten, schoben ab, es wurde später, das Gesicht des Alten

rötete sich, er suchte die Uhr. Immer wieder verschwand Fifi, immer begann

der Spektakel, rascher, hastiger wandelte Szene auf Szene: das Greifen und

Locken nach spärlichen Passanten, das Weitergehen, das Versinken Fifis und

die bleierne Schwere ihres Tanzes, angezündet manchmal und heftiger im

Erblicken von Franz. Dann ward es zehn Uhr. Polizei drängte mit Seilen vor,

die Pfeife des Dampfwerkes heulte, die Menge lief ab.

Über den leeren Platz, durch einen schmalen Gang, den Schutzleute

freihielten, und um den Gruppen Neugieriger standen, kamen nun die

Artisten, zum Teil mit Mänteln, die sie über das Bunte und den Flitter

gehängt hatten und die so zwischen den Angestellten, den lichtlosen Buden

und mit ihren andersgewordenen Gebärden plötzlich desillusionierend und

doch noch von dem erregenden Arom ihrer Gewerblichkeit umwittert, in die

Straße hineinströmten. Zuerst kamen großspurig und in der starken Lüge der

hohen bespornten Lederschuhe sich wiegend, die Cowboys aus Dresden und

Garmisch.

Ihre Sombreros hingen im Genick. Die Hand stak in der Revolvertasche, so

daß Dienstmädchen erschauerten und in Knaben dramatische Perspektiven sich

loslösten.

Hinter der bewußten Brutalität der Ringkämpfertruppe mit dem haarlosen Bär

schritt die Besatzung der Schießbude links ganz hinten. Sie hatten alle

halblange Röcke an und Kleider, welche schöne und zierliche kleine

Blumenmuster trugen, im pfingstlichen Stil mancher Bauernkattune, und wie

sie, zu zweien links und rechts der ebenso gekleideten und schön aufrechten

Mutter eingehängt, die Köpfe gebeugt, zierlich zu ihrem Wagen trippelten,

erschienen sie wie eine Porzellangruppe aus einer kleinen,

bürgerlich-graziösen, deutschen Manufaktur.

Dann: Leere . . . und Fifi . . . Schmal, doch köstlich in einen gelben

Gummimantel gehüllt, fröstelnd, den Platz mit Adel ausfüllend, kam sie auf

den Ausgang zu. Mit der dünnen linken Hand krampfte sie den Kragen über die

Brust vor dem Hals zu wie mit einer weißen Agraffe. Die Lippen waren rot

und merkwürdig wie mit feinem Lack auf das bleiche Gesicht aufgetragen. Sie

stieß kurz vor der Straße mit den anderen zusammen. Die Alte trug einen

Milcheimer. Der Herkulische schlappte unangenehm her, schrie ihr etwas zu,

Lydia -- ein dickes aufgeschwollenes Tier -- ging idiotisch, faul nebenher,

ohne Umhang in grünen Samthosen. Lizzy lachte mit allen Herren. Mit

gierigen Augen schloß sich der Mexikaner von den Krokodilen Fifi auf der

anderen Seite an, daß sie zwischen ihm und dem Athleten um so reiner

erschien.

Schräg auf der Holztreppe, die in den großen gelben Wagen hineinlief, in

dem sie wohnten, wandte Fifi den Kopf und sah somnambul verklärt nach der

Stelle, an der Franz stand (den sie nicht -- dies war auffallend und

seltsam zugleich -- gesehen haben konnte) mit dem Bruchteil eines Lächelns,

während der Mexikaner in lüsternem Scherz sie, mit auf ihre Hüften

aufgesetzten Händen, ins Innere drängte.

Worauf sie mit schmerzlichem Aufziehen der Achseln reagierte.

Später glitt der Mexikaner aus dem Wagen. Eine Zigarette drehend, mit der

Eleganz des Romanen alle Glieder bewegend, schlenderte er zur

Artistenschenke. Franz, der noch lange den Wagen umkreiste, sah Licht aus

den schmalen Luken dringen und hörte keifende Stimmen das Innere des Raumes

hin und her zerreißen. Dann nahten mit schwerem, gleichabgetöntem Schritt

die Patrouillen.

Es ward spät.

Er ging.

Alle Tage tanzte Fifi. Es war kühler geworden. Ungeheuer gewölbt spannte

sich der Himmel. Sinnlose Monde stiegen über die Nächte hin. Franz sah sich

aus allen Beziehungen zu Welt, Gesellschaft und Dingen herausgerissen und

in die Aura dieses Tanzes mit allen auffassenden Fiebern hineingerissen.

Bei den »Fliegenden Menschen« stieg täglich der Kassensturm und die

Sensation. Der »Orient« verdiente gut an reiferen Herren. »Paris« brachte

es von 8--10 abends manchmal nur auf eine Vorstellung. In den Pausen tanzte

Fifi. Der Alte winkte, schrie, ward gieriger, je später die Zeit hinlief.

Verkündigte Anfang der Vorstellung, er öffnete die Vorhänge, Fifi tänzelte

ins Innere. Niemand kam. Manchmal vielleicht zwei Herren. Und dann packte

der Alte Fifi mit seiner Tatze an der Schulter und schleuderte sie hinaus.

Die Orgel hob an, Fifi erhob die Füße, hinten der blaue Horizont der

Draperien gab ihren Bewegungen Haltung und Relief, und die müden

Schwingungen ihrer Arme und Beine waren wie das kurze Geflatter einer

Libelle, die, in der Luft anhaltend, über einem schönen Gewässer erblitzt.

Langsam im Fortschreiten des Abends wurden ihre Gesten müder, von einer

schmerzlichen, bleihaften Schwere überhaucht. Franz hörte das Pfeifen ihres

Atems. Und wenn sie, leicht gerötet die Wangen, schloß, fiel die Kühle des

Herbstes auf ihren Schweiß.

Einige Tage blieb Franz an der Peripherie des Zuschauens von Mitleid und

schmerzlicher Bewunderung angefüllt. Manchmal schien es, als müsse der

nächste Pas sie stürzen, in sich zusammensinken lassen. Doch sie blieb. Ihm

aber widerstrebte es, auf diese leichte Weise an sie heranzukommen, die

unter den Augen des klebrigen Athleten oder mit dem Beigeschmack der

gewohnten leichterotischen Anknüpfung sich vollziehen mußte. Er fühlte, daß

er Inhalte in sich trüge, die in ihrem Wesen auf dieses Kind abgestimmt

seien, und die Schwere dieses Bewußtseins nahm ihm den Mut zur

Leichtigkeit. Ihre Blicke trafen sich hin und wieder -- nicht oft -- aber

in einem berückenden, außerweltlichen Zusammenhang.

Sie waren schon tief ineinander eingewöhnt, als sie ihre Stimmen noch nicht

kannten.

Dann kam jener Abend. Donnerstags.

Es war ein schöner Abend, mit bunter Kühle, sternhart, der Park voll

gärendem Geräusch. Er zog sich wie ein Strom durch die Stadt, englisch,

überdunkelt und alt im Sommer, winters bereift, immer schön. Die Lichtgurte

ganzer Grenzstraßen warfen sich in ihn hinein, schimmerten im kleinen

Teich, aber er gab kein Dunkel wieder zurück. Nahm alles auf mit großer,

tiefer Selbstverständlichkeit. Stand geborgen, bergend, unberührbar,

geschlossener Komplex von Vornehmheit, asylhaft wie ein Zentrum, um das die

Stadt mit Geleucht rotierte. Donnerstag abends . . .

Es war schön.

Zwischen sieben und acht, genauer: Eine Uhr im Schloß hakte ein: Fünf

Minuten bis halb acht Uhr! Franz ging langsam zur Messe, die acht Uhr

begann, die vorher um sieben aufgehört hatte: Zeit, in der die Artisten

aßen. Seine Gedanken gingen langsam, gemächlich, nichts erwartend, ohne

Tatkraft um das innerlich abgespiegelte Bild von Fifis Tanz sich bewegend,

Erklärungen ersinnend, von einer leisen Sehnsucht aufgelockert und

beschwingt gemacht. Da knirschte es, und noch ehe ihm durch sein Geträum

das Bewußtsein heftiger Schritte und haschender Bewegungen ins Gedächtnis

stieß, hieb mit einem unendlich scharfen Akzent ein Schrei in ihn hinein,

warf ihn herum. Er lief über ein Grasrondell, stolperte, stieß an ein

Gitter, sprang darüber. Sein Hut war verloren, der Ärmel geschlitzt, seine

Brust zitterte. Er stürmte um ein eingezäuntes Denkmal, mußte umkehren,

lief in einen dunklen Weg, packte einen Mann am Genick und schmiß ihn

zurück, daß sein Körper krachend an die Stakete knallte und an ihnen wie

eine dumpfe Masse niedersank. Hinten im Weg leuchtete der rote Kopf einer

Zigarette auf, bewegte sich her. Neben ihm selbst stand Fifi, die Arme noch

schräg aufgehoben, die Augen ganz groß in der Form und schalenhaft, in die

nun plötzlich ein beinahe bläulich erglänzendes Licht floß. Zwei

schimmernde Kreise, standen die Augen in ihrem Gesicht.

Und so die Hände haltend, ungeschickt, doch ganz sich in der Geste

erfüllend, tat sie einen unnennbar müden und langsamen Schritt auf ihn zu,

das Gesicht transparent, mit zwei schimmernden Hostien. In diesem

Augenblick lief das Geknatter rasch folgender Schüsse neben ihnen hin, und

wie sie umschauten, war es nur noch Fifi, die sah: sah, wie Franz dem

Hingesunkenen den Revolver aus den Fingern riß, ihm den Kolben gegen die

Schläfe hämmerte und ganz groß auf sie, die zitternd harrte, zuging.

Doch ehe er sie erreichte, war die Zigarette heraufgekommen, zwischen sie

gesprungen und löste die Luftströme los, die zwischen ihnen liefen.

Es war der Mexikaner. Er fragte rasch, schrie es: »Verletzt?« Franz zeigte

den Revolver; er deutete auf den Klumpen am Gitter. Der Mexikaner riß sein

Gesicht in Falten, fauchte, trat dem Klumpen in den Bauch, schnippte das

Bein hoch, daß der Körper herumfiel, senkte seinen Kopf dicht neben den

Liegenden und sog heftig an der Zigarette, daß ein roter Kreis auf die Erde

fiel, in dem mitten ein asketisches, von vielen Narben und Stichwunden

durchbohrtes Gesicht auftauchte.

»Der Fakir,« . . . schäumte der Mexikaner. »Man sollte ihn peitschen«,

. . . und fing an, ihn mit den Füßen zu bearbeiten. Wie Franz ihn hinderte,

fiel sein Blick auf Fifi.

Sie war ganz verändert. Ihr Gesicht war wie ein weißer Fels, über den in

zuckhaft raschen Stößen rote Wallungen strömten. Blitzhaft wechselten Hell

und Rot und drohten, den Hals zu sprengen.

Und während sie wieder auf Franz zuging, als trüge sie alles gegen ihn,

zitterte ein Klang, rauh, gegenströmend, in ihrer Kehle auf, und wie alle

Glieder zu ihm drängten, hielt sie ein Schluchzen zurück; sie warf den Kopf

zur Seite, gewaltige Erschütterungen lösten sich aus, und gleich einer

Verurteilten ließ sie sich gegen den Mexikaner fallen, der sie verwirrt

aufnahm, der nach Franz schaute, wieder auf sie, maßlos erregt und erstaunt

schien. Dann plötzlich, aber mit unverstehender Achselbewegung seinen Mund

auf ihren warf und in langem Kusse sie wegzog.

Franz stand noch eine Weile.

Dann drehte er um.

Hinter ihm stand der Fakir. Er bat um seinen Revolver. Er sagte es

englisch.

Nichts schien Franz selbstverständlicher, wie diese Folge fremder Laute. Er

gab ihm den Revolver.

Die sechs Mündungen: Novellen · 第 22 / 39 题