Die Straßen mit den tagmüden, grauen Trottoirs wurden gesprengt, und die
schweifhaften, breiten Güsse, die den säenden und starken Gesten der Männer
entflogen, legten sich klatschend und eigenwillig auf den Boden. Es wurde
Abend. Die Weiden und Eschen der Gärten schwebten scheu und flimmernd vor
der ungeheuren Ruhe des opalenen und tiefgelben Himmels. Und wie das Wasser
das Irisierende aus der Luft sog, schritten die Menschen über die Straßen
wie über Bilder von Signac oder Croß: Eine Viertelstunde brannte die Stadt
in einer stillen Glut von gelbem Getupf.
Brandfeuer rannen in dünnen Strähnen dann in die Stadt und mischten sich
Glockengeläut und dem grausamen Drang einer fressenden Dämmerung. Wie
Schlünde tagelang entfeuerter Kanonen brachen die Schloßfenster über die
auslöschenden Häuserquadrate, feierlich, hart und alt, eine Zeit noch
hinaus.
Dann sprangen die Laternenreihen die Straßen hinunter und erreichten,
leichtes Geknatter der Zündung zurücklassend, den Platz, der mit rasender
Wucht an tausend Ecken, Schnüren und Windungen von Licht geborsten und
aufgerammt war und über den ein tiefdunkler, sterndurchlochter Herbsthimmel
schräg und kühl heraufwuchs.
Fifi erschien auf dem Podium.
Von den Schießbuden klang schon das Hämmern der Treffer, die Spielorgel
setzte ein. Aber aus dem rechten Ausgang der Baracke trat ein herkulischer
Mann, winkte ungeduldig mit der Achsel, die Orgel schwieg: Fifi setzte die
Spitze des rechten Fußes nach hinten auf, stellte die Arme wie Henkel auf
die Hüften und wartete. Der Große fing an zu schreien. Seine Arme ruderten
durch die Luft, sie umschrieben die gewagtesten Figuren, hemmten sich
gegenseitig und warfen sich in gelungenem Überschwall auf das Publikum,
weit geöffnet, hinaus. Ein verknickter Hut saß ihm auf dem Kopf. An den
Griffstellen glänzte er. Der Rock war zerdrückt und hing um den Körper,
dessen Fleisch schwammig und unangenehm schien. Es ist zu betonen, daß die
Figur herkulisch war, um die Augen zu verstehen, die, wenn die Brust und
die Gebärde sich herausspreizten und mit pompösen Auftakten in die Höhe
stiegen, klein und feig dies alles wieder leugneten und ängstlich wie
Wassertropfen von einer öligen Fläche an dem angesammelten Publikum
abliefen. Sein Mund rief heisere Worte hinunter. Er schrie. Er warf
geifernde Reden den Leuten ins Gesicht. »Seht,« rief er, »auf Fifis Tanz.
Kommt herein, alle,« und er winkte, »nur Erwachsene dürfen kommen:
Plastische Darstellungen . . . pikante Szenen . . . (es war, als zerdrücke
er etwas Klebriges im Munde.) Der König von Griechenland haben uns beehrt
in Wien. Höchste Herrschaften drückten ihre Bewunderung« . . . und so sehr
lief eine Welle von Ekel von seinen Sätzen und dem wissenden Winken seiner
plumpen Hände aus, daß zwei forsche Unteroffiziere selbst sich brüsk
wandten und gingen. Über der Baracke stand rot auf blau: Pariser Relief!
Der Alte hob die Hand, die Orgel schlug an, und vor dem in einem Teil aus
dem Strudel wieder zusammengeschlossenen Publikum trat Fifi in ihren Tanz
ein.
Zwei junge Leute waren inzwischen gegenüber eingetreten in »die Schönheiten
des Orients.« Vor der Bude standen zwei Palmen und ein dickes Weib, alt,
voll Vergangenheit, mit bösen weißen Augen. Sie war die Frau des Athleten;
Orient und Paris lagen gleich zwei Rachen auf den beiden Seiten der
Meßstraße und bissen sich Opfer heraus. Doch ging der Orient besser, und
Paris sank von Stadt zu Stadt. Fifi hatte feine Fesseln, aber Lizzy,
genannt Luise, hatte Hüften wie ein Dynamo. Und an ihren Zoten gingen die
beiden Männer vorbei, schauten durch runde Gläser eine Photographie von
Dschiseh und traten, indem sie einen Teppich zurückstießen, bei Lydia ein,
der Dame ohne Unterleib, die, in grünem Samt, in einem Sesselstuhl saß und
rote entzündete Augen hatte.
Der eine der Herren zog seine Handschuhe an, und nach dieser symbolischen
Handlung traten sie rasch den Rückzug an. In Jena hätten sie Ringkämpfe
aufgeführt mit den Studenten, rief ihnen Lizzy nach, genannt Luise.
Gleich einer unangenehmen Luftschicht fiel dies hinter sie zurück, und sie
traten hinaus in das Erregte des Platzes, in dem die breiten,
musikbeladenen Karusselle schwammen und sich überrasten und Geglitzer von
Spiegeln, Lichtschnüren und bunten Mädchen vorüberdrehten und auf dem ein
Meer von Menschen schiebend, erregt und drückend sich schaukelte, über
denen Schüsse knallten, Schreie hin und her zuckten und laute Glocken
dunkel aufzitterten.
Da wandte sich Franz plötzlich herum und zog den anderen mit. Sie brachen
durch den Strom, und indem sein Gesicht sich erhellte, zeigte Franz auf
Fifi und sagte: »Die leichten Bogen dieser Beine sind entzückend schön
. . .« Sein Gesicht hatte eine vollendete Güte, die das Kühne und
Auffallende dieses Profils in einen seltsamen Adel steigerte.
Und wie er dies sprach, die Lippen nur wenig bewegend, fielen Fifis Blicke
plötzlich auf seine Augen, und die Blicke hingen sich ineinander, bis die
Orgel mit einem aufflammenden Stoß plötzlich schwieg. Der Herkulische
trommelte rasselnd auf einem Schild, Fifi war zurückgetreten, er winkte zum
Eintritt, aber nur ein Einziger folgte, die Menge schob weiter.
Und Franz und sein Freund wurden weiter gedrückt, als sie sich der Strömung
übergaben, vorbei an dem grünbemalten Gerüst, in dem Menschenfresser
hausten. Drei Cowboys, mit roten Blusen, kokett, über die eine ganze Prärie
unbändig eine halbe Woche lang eitel brüllendes Gelächter wäre, schossen
zeitweise Revolver prahlerisch in die Luft. Ein echter Mexikaner hielt eine
Harpune hoch mit rotblänkerndem Fleisch. Überall lief der Witz, daß die
Menschenfresser -- Krokodile seien, und weil das Volk voraus wußte, daß es
geleimt würde, zog man in Scharen hinein.
Dann kam die große Bude mit den »Fliegenden Menschen«, zwei Mädchen in
blauen Trikots mit Silberschnüren: die eine blond und mit dem Anfang der
sich wölbenden Formen, die eine sonderbare Sinnlichkeit aussprühten, und
die andere mit ziselierten, knabenhaften Gliedern, schwarz, das Gesicht
Toulouse Lautrecs Durchschnittsmodell (breit, gemein, verworfen) mit einem
unheimlichen Gerank von Feinheit, Seele und Keuschsein darüber. An der
Galerie entlang stand die Familie, sechs Menschen, und bliesen
Blechinstrumente, und die Mädchen oben wiegten in das Derbe, Kommune der
Straßenwalzer das Gezitter ihres Tanzes. Ihre Bude war ganz voll. Immer!
Und als Franz dem Strom entkam und wieder zurückeilte, sah er, wie Fifi,
mit einem Stoß herausgedrückt, aus der leeren Baracke taumelte, rasch sich
faßte und anfing zu tanzen, mühselig, müd und fein und beschwingter, als
sie Franz erblickte. Nur kleine Truppen blieben stehen, die Masse strömte
zu den Fliegenden Menschen.
». . . Augenstern . . .« rollte es von unten herauf.
Es war spät geworden. Die Orgel schloß. Fifi verbeugte sich. Der Athlet
rief den Beginn der Vorstellung aus. »Soeben Beginn . . .« rief er und
schnalzte. Aber niemand stieg auf. Er schrie. Niemand. Da ging er, von der
Leere beschämt, verlegen einmal über das Podium, verschwand ins Innere,
lauerte bis die Gruppe sich ganz verlaufen hatte und trat wieder vor. Fifi
schlich wieder heraus. Wie eine große Spinne hing der Herkulische auf
seinem Podium. Franz stand beiseite, beobachtend, den Kopf schief
aufgelegt. Und wie eine Truppe nahte, fing der oben an, Schlüpfriges zu
reden, ein Wink, die Orgel: Fifi . . .
Die Leute hielten, schoben ab, es wurde später, das Gesicht des Alten
rötete sich, er suchte die Uhr. Immer wieder verschwand Fifi, immer begann
der Spektakel, rascher, hastiger wandelte Szene auf Szene: das Greifen und
Locken nach spärlichen Passanten, das Weitergehen, das Versinken Fifis und
die bleierne Schwere ihres Tanzes, angezündet manchmal und heftiger im
Erblicken von Franz. Dann ward es zehn Uhr. Polizei drängte mit Seilen vor,
die Pfeife des Dampfwerkes heulte, die Menge lief ab.
Über den leeren Platz, durch einen schmalen Gang, den Schutzleute
freihielten, und um den Gruppen Neugieriger standen, kamen nun die
Artisten, zum Teil mit Mänteln, die sie über das Bunte und den Flitter
gehängt hatten und die so zwischen den Angestellten, den lichtlosen Buden
und mit ihren andersgewordenen Gebärden plötzlich desillusionierend und
doch noch von dem erregenden Arom ihrer Gewerblichkeit umwittert, in die
Straße hineinströmten. Zuerst kamen großspurig und in der starken Lüge der
hohen bespornten Lederschuhe sich wiegend, die Cowboys aus Dresden und
Garmisch.
Ihre Sombreros hingen im Genick. Die Hand stak in der Revolvertasche, so
daß Dienstmädchen erschauerten und in Knaben dramatische Perspektiven sich
loslösten.
Hinter der bewußten Brutalität der Ringkämpfertruppe mit dem haarlosen Bär
schritt die Besatzung der Schießbude links ganz hinten. Sie hatten alle
halblange Röcke an und Kleider, welche schöne und zierliche kleine
Blumenmuster trugen, im pfingstlichen Stil mancher Bauernkattune, und wie
sie, zu zweien links und rechts der ebenso gekleideten und schön aufrechten
Mutter eingehängt, die Köpfe gebeugt, zierlich zu ihrem Wagen trippelten,
erschienen sie wie eine Porzellangruppe aus einer kleinen,
bürgerlich-graziösen, deutschen Manufaktur.
Dann: Leere . . . und Fifi . . . Schmal, doch köstlich in einen gelben
Gummimantel gehüllt, fröstelnd, den Platz mit Adel ausfüllend, kam sie auf
den Ausgang zu. Mit der dünnen linken Hand krampfte sie den Kragen über die
Brust vor dem Hals zu wie mit einer weißen Agraffe. Die Lippen waren rot
und merkwürdig wie mit feinem Lack auf das bleiche Gesicht aufgetragen. Sie
stieß kurz vor der Straße mit den anderen zusammen. Die Alte trug einen
Milcheimer. Der Herkulische schlappte unangenehm her, schrie ihr etwas zu,
Lydia -- ein dickes aufgeschwollenes Tier -- ging idiotisch, faul nebenher,
ohne Umhang in grünen Samthosen. Lizzy lachte mit allen Herren. Mit
gierigen Augen schloß sich der Mexikaner von den Krokodilen Fifi auf der
anderen Seite an, daß sie zwischen ihm und dem Athleten um so reiner
erschien.
Schräg auf der Holztreppe, die in den großen gelben Wagen hineinlief, in
dem sie wohnten, wandte Fifi den Kopf und sah somnambul verklärt nach der
Stelle, an der Franz stand (den sie nicht -- dies war auffallend und
seltsam zugleich -- gesehen haben konnte) mit dem Bruchteil eines Lächelns,
während der Mexikaner in lüsternem Scherz sie, mit auf ihre Hüften
aufgesetzten Händen, ins Innere drängte.
Worauf sie mit schmerzlichem Aufziehen der Achseln reagierte.
Später glitt der Mexikaner aus dem Wagen. Eine Zigarette drehend, mit der
Eleganz des Romanen alle Glieder bewegend, schlenderte er zur
Artistenschenke. Franz, der noch lange den Wagen umkreiste, sah Licht aus
den schmalen Luken dringen und hörte keifende Stimmen das Innere des Raumes
hin und her zerreißen. Dann nahten mit schwerem, gleichabgetöntem Schritt
die Patrouillen.
Es ward spät.
Er ging.
Alle Tage tanzte Fifi. Es war kühler geworden. Ungeheuer gewölbt spannte
sich der Himmel. Sinnlose Monde stiegen über die Nächte hin. Franz sah sich
aus allen Beziehungen zu Welt, Gesellschaft und Dingen herausgerissen und
in die Aura dieses Tanzes mit allen auffassenden Fiebern hineingerissen.
Bei den »Fliegenden Menschen« stieg täglich der Kassensturm und die
Sensation. Der »Orient« verdiente gut an reiferen Herren. »Paris« brachte
es von 8--10 abends manchmal nur auf eine Vorstellung. In den Pausen tanzte
Fifi. Der Alte winkte, schrie, ward gieriger, je später die Zeit hinlief.
Verkündigte Anfang der Vorstellung, er öffnete die Vorhänge, Fifi tänzelte
ins Innere. Niemand kam. Manchmal vielleicht zwei Herren. Und dann packte
der Alte Fifi mit seiner Tatze an der Schulter und schleuderte sie hinaus.
Die Orgel hob an, Fifi erhob die Füße, hinten der blaue Horizont der
Draperien gab ihren Bewegungen Haltung und Relief, und die müden
Schwingungen ihrer Arme und Beine waren wie das kurze Geflatter einer
Libelle, die, in der Luft anhaltend, über einem schönen Gewässer erblitzt.
Langsam im Fortschreiten des Abends wurden ihre Gesten müder, von einer
schmerzlichen, bleihaften Schwere überhaucht. Franz hörte das Pfeifen ihres
Atems. Und wenn sie, leicht gerötet die Wangen, schloß, fiel die Kühle des
Herbstes auf ihren Schweiß.
Einige Tage blieb Franz an der Peripherie des Zuschauens von Mitleid und
schmerzlicher Bewunderung angefüllt. Manchmal schien es, als müsse der
nächste Pas sie stürzen, in sich zusammensinken lassen. Doch sie blieb. Ihm
aber widerstrebte es, auf diese leichte Weise an sie heranzukommen, die
unter den Augen des klebrigen Athleten oder mit dem Beigeschmack der
gewohnten leichterotischen Anknüpfung sich vollziehen mußte. Er fühlte, daß
er Inhalte in sich trüge, die in ihrem Wesen auf dieses Kind abgestimmt
seien, und die Schwere dieses Bewußtseins nahm ihm den Mut zur
Leichtigkeit. Ihre Blicke trafen sich hin und wieder -- nicht oft -- aber
in einem berückenden, außerweltlichen Zusammenhang.
Sie waren schon tief ineinander eingewöhnt, als sie ihre Stimmen noch nicht
kannten.
Dann kam jener Abend. Donnerstags.
Es war ein schöner Abend, mit bunter Kühle, sternhart, der Park voll
gärendem Geräusch. Er zog sich wie ein Strom durch die Stadt, englisch,
überdunkelt und alt im Sommer, winters bereift, immer schön. Die Lichtgurte
ganzer Grenzstraßen warfen sich in ihn hinein, schimmerten im kleinen
Teich, aber er gab kein Dunkel wieder zurück. Nahm alles auf mit großer,
tiefer Selbstverständlichkeit. Stand geborgen, bergend, unberührbar,
geschlossener Komplex von Vornehmheit, asylhaft wie ein Zentrum, um das die
Stadt mit Geleucht rotierte. Donnerstag abends . . .
Es war schön.
Zwischen sieben und acht, genauer: Eine Uhr im Schloß hakte ein: Fünf
Minuten bis halb acht Uhr! Franz ging langsam zur Messe, die acht Uhr
begann, die vorher um sieben aufgehört hatte: Zeit, in der die Artisten
aßen. Seine Gedanken gingen langsam, gemächlich, nichts erwartend, ohne
Tatkraft um das innerlich abgespiegelte Bild von Fifis Tanz sich bewegend,
Erklärungen ersinnend, von einer leisen Sehnsucht aufgelockert und
beschwingt gemacht. Da knirschte es, und noch ehe ihm durch sein Geträum
das Bewußtsein heftiger Schritte und haschender Bewegungen ins Gedächtnis
stieß, hieb mit einem unendlich scharfen Akzent ein Schrei in ihn hinein,
warf ihn herum. Er lief über ein Grasrondell, stolperte, stieß an ein
Gitter, sprang darüber. Sein Hut war verloren, der Ärmel geschlitzt, seine
Brust zitterte. Er stürmte um ein eingezäuntes Denkmal, mußte umkehren,
lief in einen dunklen Weg, packte einen Mann am Genick und schmiß ihn
zurück, daß sein Körper krachend an die Stakete knallte und an ihnen wie
eine dumpfe Masse niedersank. Hinten im Weg leuchtete der rote Kopf einer
Zigarette auf, bewegte sich her. Neben ihm selbst stand Fifi, die Arme noch
schräg aufgehoben, die Augen ganz groß in der Form und schalenhaft, in die
nun plötzlich ein beinahe bläulich erglänzendes Licht floß. Zwei
schimmernde Kreise, standen die Augen in ihrem Gesicht.
Und so die Hände haltend, ungeschickt, doch ganz sich in der Geste
erfüllend, tat sie einen unnennbar müden und langsamen Schritt auf ihn zu,
das Gesicht transparent, mit zwei schimmernden Hostien. In diesem
Augenblick lief das Geknatter rasch folgender Schüsse neben ihnen hin, und
wie sie umschauten, war es nur noch Fifi, die sah: sah, wie Franz dem
Hingesunkenen den Revolver aus den Fingern riß, ihm den Kolben gegen die
Schläfe hämmerte und ganz groß auf sie, die zitternd harrte, zuging.
Doch ehe er sie erreichte, war die Zigarette heraufgekommen, zwischen sie
gesprungen und löste die Luftströme los, die zwischen ihnen liefen.
Es war der Mexikaner. Er fragte rasch, schrie es: »Verletzt?« Franz zeigte
den Revolver; er deutete auf den Klumpen am Gitter. Der Mexikaner riß sein
Gesicht in Falten, fauchte, trat dem Klumpen in den Bauch, schnippte das
Bein hoch, daß der Körper herumfiel, senkte seinen Kopf dicht neben den
Liegenden und sog heftig an der Zigarette, daß ein roter Kreis auf die Erde
fiel, in dem mitten ein asketisches, von vielen Narben und Stichwunden
durchbohrtes Gesicht auftauchte.
»Der Fakir,« . . . schäumte der Mexikaner. »Man sollte ihn peitschen«,
. . . und fing an, ihn mit den Füßen zu bearbeiten. Wie Franz ihn hinderte,
fiel sein Blick auf Fifi.
Sie war ganz verändert. Ihr Gesicht war wie ein weißer Fels, über den in
zuckhaft raschen Stößen rote Wallungen strömten. Blitzhaft wechselten Hell
und Rot und drohten, den Hals zu sprengen.
Und während sie wieder auf Franz zuging, als trüge sie alles gegen ihn,
zitterte ein Klang, rauh, gegenströmend, in ihrer Kehle auf, und wie alle
Glieder zu ihm drängten, hielt sie ein Schluchzen zurück; sie warf den Kopf
zur Seite, gewaltige Erschütterungen lösten sich aus, und gleich einer
Verurteilten ließ sie sich gegen den Mexikaner fallen, der sie verwirrt
aufnahm, der nach Franz schaute, wieder auf sie, maßlos erregt und erstaunt
schien. Dann plötzlich, aber mit unverstehender Achselbewegung seinen Mund
auf ihren warf und in langem Kusse sie wegzog.
Franz stand noch eine Weile.
Dann drehte er um.
Hinter ihm stand der Fakir. Er bat um seinen Revolver. Er sagte es
englisch.
Nichts schien Franz selbstverständlicher, wie diese Folge fremder Laute. Er
gab ihm den Revolver.