Da begann die Weisheit zu singen und sang also: derjenige, welcher

ein festes haus zimmern will, der soll es nicht setzen auf die

höchste bergspitze, und der da will göttliche weisheit suchen, der

mag es nicht mit übermuth. Und wieder, wer ein festes haus zimmern

will, der setze es nicht auf sandberge. So auch wenn du weisheit

bauen willst, so setze sie nicht auf gelüste; denn so wie

durstiger sand den regen verschlingt, so verschlingt auch die

begierde die vergänglichen schätze dieser welt, denn sie ist ihrer

immer durstig.

ne mæg hus naht lange standan on ðam hean munte. gif hit full

ungametlic wind gestent. næft þæt þæt te on ðam sigendan sonde stent

for swiþlicum rene. swa eac þæt mennisce mod bið undereten and aweged

of his stede. þonne hit se wind strongra geswinca astyrod. oððe se ren

ungemetlices ymbhogan. Ac se þe wille habban þa ecan gesælþa. he sceal

fleon þone frecnan wlite þises middaneardes. and timbrian þæt hus

modes on þam fæstan stane eaðmetta.

Ein haus kann nicht lange stehen auf dem hohen berge, wenn es ein

voller, unmässiger wind drängt; auch behält er das nicht, welches

auf dem durstigen sande steht, wegen vieles regens. So wird auch

das menschliche gemüth verkehrt und von seiner stätte gebracht,

wenn es der wind starker versuchungen bewegt, oder der regen

unermesslicher gelüste. Aber der, welcher das ewige glück haben

will, muss fliehen den gefährlichen glanz dieser welt und das haus

des geistes auf dem festen steine der demuth zimmern;

forþam ðe Crist eardað on þære dene eadmodnesse. and on þam gemynde

wisdomes. forþam simle se wisa mon eall his lif læt on gefean

unonwendendlice and orsorh. Þonne he forsihþ ægðer ge þas eorþlican

god ge eac þa yflu. and hopaþ to þam toweardam. Þæt sint þa ecan.

forþam ðe God. hine gehelt æghwonan. singallice wuniende. on his modes

gesælþum. ðeah þe se wind. þara earfoþa. and seo singale gemen. þissa

woruld selþa. him onblawe.

denn Christus wohnt in dem thale der demuth und in dem geiste der

weisheit. Daher führt der weise mann immer sein ganzes leben in

unveränderlicher und unbesorgter freude, wenn er sowohl das

irdische gut als auch das übel verachtet und auf die zukünftigen

dinge hofft, welche ewig sind; denn gott hält ihn überall,

immerdar wohnend in seines geistes freuden, wenn auch der wind der

kümmernisse und die beständige sorge dieser weltfreuden ihn

anblase.

Ebenso bedeutend für die angelsächsische literatur und spräche als

Alfred ist _Alfric_, erzbischof von Canterbury, welcher 1006 starb. Er

hinterliess zahlreiche schriften, von denen mehrere auf uns gekommen

sind: eine sammlung von acht predigten, eine übersetzung der ersten

sieben bücher der bibel und mehrere abhandlungen. Auch war er der

verfasser eines lateinischen glossariums, eines colloquiums und einer

lateinischen grammatik, welche ihm den namen des grammatikers erwarb.

Diese schriften, welche für den unterricht der mönche und geistlichen

hauptsächlich bestimmt waren, verdankten ihren ursprung dem streben, die

sinkende kenntniss der lateinischen sprache zu heben. Klagt doch Alfric,

dass es schon so weit gekommen war, dass kein englischer priester einen

lateinischen brief schreiben oder verstehen konnte, bis erzbischof

Dunstan und bischof Ethelwald mit der klosterregel einige gelehrsamkeit

hergestellt habe, (swa þat nan Anglisc preost ne cuðe dihtan oððe

asmeagan ænne pistol on Leden, oð þæt Dunstan arce-biscop and Aeðelwald

biscop æft þa lare on munuc lifum arærde.) Obwohl Alfric ein geistlicher

und gelehrter war, bediente er sich doch nicht, wie seine vorgänger, der

lateischen sprache, sondern schrieb in angelsächsischer, um das volk

aufzuklären, wie er angiebt, zu welchem zwecke er auch nach seiner

eigenen erklärung alle dunklen worte vermied, damit er besser verstanden

würde.[99]

[Footnote 99: Ausgaben ausser mehreren älteren: Dictionarium

Saxonico-Latino-Anglicum. Opera et Studio G. Somneri. Accesserunt

Aelfrici Abbatis Grammatica Latino-Saxonica, cum Glossario suo

eiusdem generis. Fol. Oxon. 1659. Heptateuchus, Liber Job, et

Evangelium Nicodemi; Anglo-Saxonice. Historiae Judith Fragmentum;

Dano-Saxonice. Edidit nunc primum ex Mss. codicibus Edw. Thwaites.

8. Oxon. 1699. An English-Saxon Homily on the birth-day of St.

Gregory. Translated into modern English, with notes, by Eliz.

Elstob. 8. London, 1709. Thorpe's Analecta Saxonica. 8. London.

1834 enthalten seite 25 bis 28 Alfric's Preface to Genesis,

seite 59-84 Homilies, seite 101-118 Alfric's colloquium. Mit

ausnahme der homilien auch in Leo's alt- und angelsächsischen

sprachproben. 8. Halle. 1838. Ancient Laws and Institutes of

England; edited by B. Thorpe. Fol. London. 1840. Enthaltend die

Canones Alfrici, Alfric's hirtenbrief an Wulfstan und noch einen

anderen brief desselben: »quando dividis Chrisma.«]

+Aus Alfric's Abendmahls-Predigt.+

[100]Nu smeadon ge-hwilce men oft, and git ge-lome smeagaþ hu se hlaf

ðe bið of corne ge-gearcod and ðurh fyres hætan abacen, mage beon

awend to Cristes lichaman, oððe þæt win, þe biþ of manegum berium

awrungen, weorþe awend þurh anigre bletsunge to Drihtnes blode. Nu

secge we ge-hwilcum mannum þæt sume ðing sind ge-cwedene be Criste

þurh ge-tacnunge, sume þurh ge-wissum ðinge. Soð ðing is and ge-wis

þæt Crist wæs of mædene acenned, and sylfwilles ðrowode deaþ, and wæs

bebyriged, and on ðisum dæge of deaþ aras.

+Übersetzung.+

Nun untersuchten etliche Menschen oft und forschen noch häufig,

wie das brod, das aus korne bereitet ist und durch feuers hitze

gebacken, in Christi leib verwandelt werden könne, oder dass wein,

der aus vielen beeren gepresst ist, durch eine segnung in des

herrn blut verwandelt werde. Nun sagen wir solchen menschen, dass

einige dinge bei Christo durch gleichniss, andere mit gewissheit

gesagt sind. Eine wahre und gewisse sache ist es, dass Christ von

einer jungfrau geboren ward, und freiwillig den tod litt, und

begraben ward und an diesem tage (ostern) vom tode aufstand.

He is ge-cweden hlaf ðurh ge-tacnunge, and lamb, and leo, and gehu

elles. He is hlaf ge-haten, for þan þe he is ure lif and engla. He is

lamb ge-cweden, for his unscæþþinysse; leo, for ðære strencþe þe he

oferswiþde ðone strangan deofol. Ac swa þeah æfter soþum ge-cynde nis

Crist naþor ne hlaf, ne lamb, ne leo. Hwi is ðonne þæt halige husell

ge-cweden Cristes lichama, oððe his blod, gif hit nis soþlice þæt þæt

hit ge-haten is? Soðlice se hlaf and þæt win þe beoþ þurh sacerda

mæssan ge-halgode, oþer ðing hi æteowiaþ menniscum andgitum wiþutan,

and oþer þing hi clypiað wiþ-innan geleaffullum modum.

Er wird brod durch gleichniss, und lamm, und löwe und was sonst.

Er wird deshalb brod geheissen, weil er unser und der engel leben

ist; er wird lamm genannt, wegen seiner unschuld; löwe, wegen der

kraft, mit der er den starken teufel überwältigte. Aber doch ist

Christ nach wahrem wesen weder brod, noch lamm, noch löwe. Warum

wird denn das heilige abendmahl Christi leib oder sein blut

genannt, wenn es das nicht wahrhaftig ist, was es geheissen wird?

Wahrlich, das brod und der wein, die durch des priesters messe

geheiligt werden, zeigen äusserlich dem menschlichen verstande ein

anderes wesen, und eine andere sache rufen sie innerlich den

gläubigen gemüthern zu.

Wiþ-utan hi beoþ ge-sewene hlaf and win ægþer ge on hiwe ge on swæcce,

ac hi beoþ soþlice æfter þære halgunge Cristes lichama and his blod

ðurh gastlice gerynu. Hæþen cild biþ ge-fullod, ac hit ne bræt na his

hiw wiþ-utan, ðeah ðe hit beo wiþ-innan awend. Hit biþ ge-broht

synfull ðurh Adames forgægednysse to þam fant fate. Ac hit biþ aþwogen

fram eallum synnum wiþinnan, ðeah ðe hit wiþ-utan his hiw ne awende.

Aeusserlich sind sie sichtbarlich brod und wein sowohl im aussehen

als im geschmack; aber sie sind auch in Wahrheit nach ihrer

heiligung Christi leib und sein blut durch geistiges geheimniss.

Ein heidenkind wird getauft, aber es ändert seine gestalt

äusserlich nicht, obwohl es innerlich umgewandelt sei. Es wird

durch Adam's ungehorsam sündig zu dem taufgefäss gebracht; aber es

wird von allen sünden innerlich abgewaschen, obgleich es

äusserlich seine gestalt nicht verwandle.

Eac swylce þæt halige fant wæter, ðe is gehaten lifes wyl-spring, is

gelic on hiwe oðrum wæterum, and is under ðeod brosnunge, ac ðæs

halgan gastes miht ge-nealæcþ þam brosnigendlicum wætere, ðurh sacerda

bletsunge, and hit mæg syþþan lichaman and sawle aþwean fram eallum

synnum ðurh gastlice mihte. Efne nu we ge-seoþ twa ðing on ðisum anum

ge-sceafte. Æfter soþum ge-cynde, þæt wæter is brosniendlic wæter, and

æfter gastlicre ge-rynu hæfþ halwende mihte.

Auch solches heilige taufwasser, welches die quelle des lebens

geheissen wird, ist an gestalt anderen wässern gleich, und ist dem

gänzlichen verderben (ausgesetzt), aber des heiligen geistes macht

kommt durch des priesters segnung zu dem verderblichen wasser, und

es kann darauf leib und seele durch geistige macht von allen

sünden abwaschen. Seht, nun erblicken wir zwei wesen an diesem

einen geschöpfe. Der wahren natur nach ist das wasser

verderbliches wasser und nach dem geistigen geheimniss hat es

heiligende macht.

Swa eac gif we sceawiaþ þæt halige husel æfter lichamlicum andgite,

þonne ge-seo we þæt hit is ge-sceaft brosniendlic and awendedlic: Gif

we þa gastlican mihte ðær on to-cnawaþ, ðonne undergite we þæt ðær is

lif on, and forgifþ undeadlicnysse ðam ðe hit mid ge-leafan þicgaþ.

Micel is betwux ðære ungesewenlican mihte ðæs halgan husles, and þam

ge-sewenlican hiwe agenes ge-cyndes. Hit is on ge-cynde brosniendlic

hlaf and brosniendlic win, and is æfter mihte Godcundes wordes soþlice

Cristes lichama and his blod, na swa þeah lichamlice, ac gastlice.

So auch wenn wir das heilige abendmahl nach menschlichem verstande

schauen, dann sehen wir, dass es ein verderbliches und wandelbares

geschöpf ist; wenn wir die geistige macht daran erkennen, dann

sehen wir ein, dass leben darin ist, und dass es unsterblichkeit

giebt denen, die es mit glauben geniessen. Viel ist zwischen der

unsichtbaren macht des heiligen abendmahles und der sichtbaren

gestalt seiner eigenen natur. Es ist von natur verderbliches brod

und verderblicher wein, und ist nach der macht des göttlichen

wortes wahrlich Christi leib und sein blut, doch nicht etwa

leiblich, sondern geistig.

[Footnote 100: Das Angelsächsische aus Biog. Brit. Liter. A.S.

Period, seite 488. 489.]

Als nachfolger Alfric's ist _Alfric Bata_ oder Putta, erzbischof von

York, zu nennen. Er ist der verfasser von zwei hirtenbriefen, welche

zuerst in lateinischer sprache geschrieben waren, aber auf den wunsch

Wulfstan's, welcher bis 1023 erzbischof von York war, in das

Angelsächsische übersetzt wurden, damit ihr nutzen ein allgemeiner

würde. Ein zuerst von Alfric Grammaticus verfasstes colloquium, so wie

wahrscheinlich auch dessen grammatik und glossarium, wurde von Alfric

Bata von neuem herausgegeben. Der tod Alfric's erfolgte im jahre

1051.[101]

[Footnote 101: Wright's Biog. Brit. Liter. A.S. Period. Seite

496-501, woraus auch die mitgetheilten sprachproben entlehnt

sind.]

+Aus dem zweiten Hirtenbriefe Alfric's.+

[102] Crist sylf ge-halgode husel ær his þrowunge; he bletsode þone

hlaf and to-bræc, þus cweþende to his halgum apostulum, »etaþ þisne

hlaf, hit is min lichama;« and he eft bletsode ænne calic mid wine,

and cwæþ heom þus to »Drincaþ ealle of þisum, hit is min agen blod

þære niwan ge-cyþnysse, þe biþ for manegum agoten, on synna

for-gyfenysse.«

Christ selbst heiligte das abendmahl vor seinem leiden; er

segnete den leib und brach ihn, also zu seinen heiligen aposteln

sprechend: »esset dieses brod, es ist mein leib;« und darauf

segnete er einen kelch mit wein und sprach also zu ihnen: »trinket

alle von diesem, es ist mein eigenes blut des neuen zeugnisses,

welches für viele vergossen wird zur sündenvergebung.«

Se Drihten þe halgode husel ær his þowunge, and cwæþ þæt se hlaf wære

his agen lichama, and þæt win wære witodlice his blod, se halgaþ

dæghwamlice þurh his sa cerda handa blaf to his lichaman and win to

his blod on gastlicere ge-ryne, swa swa we rædað on bocum. Ne biþ se

liflica hlaf lichamlice swa þeah se ylca lichama þe Crist on þrowode,

ne þæt halige win nis þæs Hælendes blod þe for us agoten wæs on

lichamlican þinge; ac on gastlicum andgyte ægþer biþ soþlice, se hlaf

his lichama, and þæt win eac his blod, swa swa se heafonlica hlaf wæs

þe we hataþ manna.

Der herr, welcher das abendmahl vor seinem leiden heiligte und

sprach, dass das brod wäre sein eigener leib, und der wein

wirklich sein blut wäre, weiht täglich durch seines priesters

hand brod zu seinem leib und wein zu seinem blut im geistigen

geheimniss, wie wir in büchern lesen. Das lebendige brod ist

indessen doch nicht derselbe körper, an dem Christus litt, noch

ist der heilige wein des heilandes blut, das für uns vergossen

ward in leiblicher weise, aber in geistigem sinne ist ein jedes

wahrlich, das brod sein leib, und der wein auch sein blut, wie es

das himmlische brod war, das wir manna heissen.

[Footnote 102: Das Angelsächsische aus Biog. Brit. Liter. A.S.

Period. Seite 497. 498.]

+Aus dem Colloquium.+

Þu cnapa liwæt dydest to dæg

Magister. Tu, puer, quid fecisti hodie?

Manega þing ic dyde on þisse niht þa þa cnyll

Discipulus. Multas res feci. Hac nocte, quando signum

ic ge-hyrde ic arás of mínon bedde and eode to cyrcean

audivi, surrexi de lectulo, et exivi ad ecclesiam,

and sang uht-sang

et cantavi nocturnam

mid ge-broþrum æfter þa we sungon be eallum halgum and dægredlice

cum fratribus; deinde cantavimus de omnibus sanctis, et matutinales

lóf-sangas æfter þysum prím and seofon seolmas mid letanian and

laudes; post hæc, primam, et septem psalmos, cum letaniis, et

capitol mæssan syþþan undern-tide

primam missam; deinde tertiam,

and dydon mæssan be dæge æfter þisum

et fecimus missam de die; post hæc

we sungon middæg and æton and druncon and slepon and

cantavimus sextam, et manducavimus, et bibimus, et dormivimus, et

eft we arison and sungon nón and nu we synd her æt-foran

iterum surreximus, et cantavimus nonam, et modo sumus hic coram

þe gearuwe ge-hyran hwet þu us secge

te, parati audire quid nobis dixeris.

Hwænne wylle ge singan æfen oþþe niht-sange

M. Quando vultis cantare vesperum, aut completorium?

Þonne hyt tima byþ

D. Quando tempus erit.

Wære þu to dæg beswuncgen

M. Fuisti hodie verberatus?

Ic næs for-þam wærlice ic me heold

D. Non fui, quia caute me tenui.

And hw þine ge-feran

M. Et quomodo tui socii?

Hwæt me ahsast be þam Ic ne deor yppan þe

D. Quid me interrogas de hoc? Non audeo pandere tibi

digla úre Anra ge-hwylc wát gif he beswuncgen wæs oþþe na

secreta nostra. Unusquisque scit si flagellatus erat aut non.

Wright (Biog. Brit. liter. A.S. Period. Seite 501 ff.) erwähnt

einen angelsächsischen dichter _Cynewulf_, von welchem aus der

vercellihandschrift und aus der exeterhandschrift drei religiöse

gedichte, welche diesen namen in runen eingefügt enthalten, beigegeben

sind. Ob dieser Cynewulf aber derselbe sei, den lateinische

schriftsteller Kenulfus nennen, und welcher abt von Peterborough um das

jahr 992 war und später im jahre 1006 bischof von Winchester wurde, ist

unsicher und zweifelhaft. Der tod des letzteren erfolgte im jahre 1008.

Endlich verdient noch _Wulfstan_, erzbischof von York und bischof von

Worcester von 1003 bis 1023, in welchem jahre er starb, erwähnt zu

werden. Er war der freund beider Alfric's, von denen der jüngere für

ihn die beiden hirtenbriefe in das Angelsächsische übersetzte. Wulfstan

selbst schrieb einen hirtenbrief an das volk seiner kirchenprovinz,

welcher erhalten und auf uns gekommen ist. Ausserdem schrieb er eine

anzahl angelsächsischer predigten, welche unter dem namen des Lupus

Episcopus bekannt sind. Die merkwürdigste dieser homilien ist im jahre

1012, vier jahre vor dem tode Athelred's verfasst und trägt im

manuscript die überschrift: Sermo Lupi ad Anglos, quando Dani maxime

persecuti sunt eos.[103]

[Footnote 103: Am letzt angeführten orte seite 505 ff., woher auch

die sprachprobe genommen ist.]

+Aus der angeführten Predigt.+

For-ðam hit is on us eallum swutol and ge-sene, þæt we ær ðysan oftor

bræcon þonne we betton, and ðy is ðysse ðeode fela onsæge: Ne dohte

hit nu lange inne ne ute: ac wæs here and hunger, bryne, and blodgyte

on ge-wel hwylcum ende oft and ge-lome; and us stalu and cwalu, stric

and steorfa, orf-cwealm and uncoðu, hol and hete and rypera reaflac

derede swyðe ðearle, and us ungylda swyðe ge-drehton, and us unwedera

foroft weoldan unwæstma. For-ðam on ðysum earde wæs, swa hit ðincan

mæg, nu fæla geara unrihta fela, and tealte ge-trywð æghwær mid

mannum.

Deshalb ist es uns allen deutlich und offenbar, dass wir vor

diesem öfterer sündigten als wir uns besserten, und daher kommt

das viele leid dieses volkes. Es taugte nun lange weder innen noch

aussen, sondern es war hier hunger, brennen und blutvergiessen an

jedem ende oft und unaufhörlich, und diebstahl und qual, pest und

sterben, viehseuche und krankheit, verleumdung und hass und diebes

überfälle belästigten uns übergewaltig, und ungerechte auflagen

drückten uns sehr, und unwetter bereiteten sehr oft

unfruchtbarkeit. Deshalb waren in diesem lande, wie man es sich

denken kann, nun viele jahre viele ungerechtigkeiten. und die

treue wankt überall bei den menschen.

Predigten machen einen hauptbestandtheil der angelsächsischen literatur

aus, wovon die grosse anzahl handschriften mit homilien, welche Wanley

in seinem cataloge verzeichnet hat, den besten beweis liefert. Gedruckt

ist das wenigste davon.

Die übersetzung der geschichte des Apollonius von Tyrus[104] von

einem unbekannten Verfasser ist das einzige angelsächsische werk der

romantischen prosa, welches sich im ganzen mittelalter beliebt erhielt

und zuletzt in dem Shakespeare zugeschriebenen Play of Pericles eine

dramatische verwandlung erfuhr.

[Footnote 104: The Anglo-Saxon Version of the Story of Apollonius

of Tyre, upon which is founded the Play of Pericles, attributed to

Shakespeare; from a Ms. in the library of C. C. C. Cambridge. With

a literal translation etc.; by B. Thorpe. 8. London. 1834.]

Einen schatz wissenschaftlicher werke besitzt die angelsächsische

literatur nicht, da die lateinische sprache die wissenschaft im

engeren sinne beherrschte. Indessen verdienen doch zwei bücher, ein

populär-astronomisches und ein medicinisches, beide in angelsächsischer

spräche vorhanden, erwähnt zu werden. Beide mögen aus dem zehnten

jahrhundert herrühren. Das erstere ist in mehreren exemplaren auf uns

gekommen, woraus auf dessen verbreitung geschlossen werden kann.[105] Es

beschreibt und erklärt die himmelserscheinungen in einfacher sprache,

von welcher folgendes eine probe ist:

[Footnote 105: Da diese abhandlung sich auch in einer handschrift

der werke Alfric's (Wanley, p. 160) in der öffentlichen

bibliothek zu Cambridge befindet, so ist sie von ihrem herausgeber

Wright (Popular Treatises on Science written during the

Middle-Ages in Anglo-Saxon, Anglo-Norman, and English. 8. London,

1841. Seite 1-19) dem Alfric Grammaticus zugeschrieben worden.]

+Ms. Cotton. Titus D. XXVII. (Mitgetheilt in Wright's Introductory

Essay. Seite 86 ff.)+

Ure eorðlice niht soðlice cymð þurh þære eorðan sceade, þonne seo

sunne gæð on æfnunge under þissere eorðan; þonne bið þære eorðan

bradnys betwux us and þæra sunnan, þæt we hyre leoman lihtinge nabbað

oððæt heo eft on oðerne ende upastihð.

Unsere irdische nacht kommt in wahrheit von der erde schatten,

wenn die sonne des abends unter diese erde geht; dann ist der erde

breite zwischen uns und der sonne, so dass wir ihre lichtstrahlen

nicht haben, bis sie wieder am anderen ende aufsteht.

Seo eorðe stent on gelicnesse anre pinn-hnyte, and seo sunne glit

onbuton be Godes gesetnysse, and on þone ende þe heo scinð is dæg þurh

hyre lihtinge, and se ende þe heo forlæt bið mid þeostrum oferþeaht,

oððæt heo eft þyder geneahlæce.

Die erde gleicht einer fichtennuss, und die sonne gleitet herum

nach Gottes gesetz, und an dem ende, wo sie scheint, ist tag durch

ihr licht, und das ende, welches sie verlässt, ist mit düsterheit

bedeckt, bis sie sich wieder dahin nähert.

Middan-geard is gehaten eall þæt binnan þam firmamentum is.

Firmamentum is þeos roderlice heofen, mid manegum steorrum amet; seo

heofen, and sæ, and eorðe, synd gehatene middan-geard. Seo firmamentum

tyrnð symle onbutan us under þissere eorðan and bufon, ac þær is

ungerim fæc betwux hire and þære eorðan; feower and twentig tida beoð

agane, þæt is an dæg and an niht, ær þam þe heo beo æne ymb-tyrnd, and

ealle þa steorran þe hyre on fæste synd, turniað onbutan mid hyre.

Middan-geard heisst alles, das binnen dem firmamente ist.

Firmament ist der ätherische himmel, mit vielen sternen geziert;

der himmel, und die see und die erde werden middan-geard

geheissen. Das firmament dreht sich beständig um uns, unter dieser

erde und darüber, aber es giebt einen unermesslichen raum zwischen

ihm und der erde; vier und zwanzig stunden sind vorüber, das ist

ein tag und eine nacht, ehe es sich einmal umdreht, und alle die

sterne, die ihm angeheftet sind, drehen sich herum mit ihr.

Seo other stent on æle-middan, þurh Godes mihte swa gefæstnod, þæt heo

næfre ne byhð ufor ne neoðor, þonne se ælmihtiga scyppend þe ealle

þing hylt buton geswince hi gestaðelode. Aelc sæ, þeah þe heo deop sy,

hæfð grund on þære eorðan, and seo eorðe abyrð ealle sæ, and þone

garsecg, and ealle wyll-springas and ean þurh hyre yrnað; swa swa

æddran licgað on þæs mannes lichaman, swa licgað þa wæter-æddran geond

þas eorðn; næfð naðor ne sæ ne ea nænne stede buton on eorðan.

Die andere steht in der mitte, durch Gottes macht so befestigt,

dass sie niemals höher oder niedriger ist, als der allmächtige

schöpfer, welcher alle dinge ohne mühe hält, sie stellte. Jede

see, so tief sie auch sei, hat grund auf dieser erde, und die erde

trägt alle seen, und das weltmeer und alle quellen und ströme

laufen durch sie; so wie die adern liegen auf des menschen

leichnam, so liegen die wasseradern durch die erde; und es hat

weder eine see noch irgend ein fluss eine stätte, ausser auf der

erde.

Das oben erwähnte medicinische buch findet sich in der königlichen

bibliothek des brittischen museums in einer prachtvollen handschrift,

welche wahrscheinlich einmal das eigenthum eines angesehenen arztes

war. Das werk handelt in zwei theilen von der behandlung äusserer und

innerer übel und den mitteln zu ihrer heilung. Wunden, augenübel,

schlangenbisse, vergiftungen müssen in jener zeit, aus welcher die

handschrift herrührt, besonders häufig gewesen sein, da viele mittel

dagegen angegeben werden. Die heilmittel wurden gewöhnlich aus dem

pflanzenreiche entlehnt. Folgendes sind proben dieser recepte.

+Ms. Reg. 12. D. XVII. (Mitgetheilt in Wright's Introductory Essay,

seite 98 ff.) +

Wið þon ilcan: genim fætful grenre rudan leafa, and senepes sædes

cucler fulne, gegnid to-gædere, do æges þæt hwite to cucler fulne, þæt

sio sealf sie þicce, smire mid feþere on þa healfe þe sar ne sie.

Bei demselben (übel: kopfschmerz): nimm ein gefäss voll grüner

rautenblätter und senfsamens einen löffel voll, reibe (es)

zusammen, thue von einem eie das weisse dazu, einen löffel voll,

dass die salbe dick sei, schmiere (sie) mit einer feder an die

seite, welche nicht schmerzt.

Wið poccum: swiðe sceal mon blod lætan, and drincan amylte buteran

bollan fulne; gif hie utslean, ælcne man sceall aweg adelfan mid

þorne, and þonne win oððe alor[106]-drenc drype on inan, þonne ne beoð

by gesyne.

Bei pocken soll der mensch viel blut lassen und geschmolzener

butter einen napf voll trinken; wenn sie ausschlagen, soll

selbiger mann (sie) mit einem dorne weggraben, und dann wein oder

erlen-trank hinein tropfen, dann werden sie nicht gesehen werden.

To wunde clæsnunge: genim clæne hunig, gewyrme to fyre, gedo þonne on

elæne fæt, do sealt to, and hrere oð þæt hit hæbbe briwes þicnesse,

smire þa wunde mid, þonne fullað hio.

Zur wundenreinigung nimm reinen honig, wärme (ihn) am feuer, dann

thue (ihn) in ein reines gefäss, thue salz dazu, und rühre bis

dass es die dicke eines breies habe, schmiere die wunde damit,

dann reinigt (es) sie.

[Footnote 106: Oder vielleicht ellen, ellarn, holder, hollunder?]

Geschichte der Englischen Sprache und Literatur von den ältesten Zeiten bis zur Einführung der Buchdruckerkunst · 第 9 / 21 段