Der verstimmte Weltflüchtling setzt sich in eine Ecke, von w

Produced by Markus Brenner and the Online Distributed

Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file made

from scans of public domain material at Austrian Literature

Online.)

Heilige Zeiten

_Weihnachtsblätter_

von

Ludwig Speidel

1911

Bei Meyer & Jessen

_Berlin_

Neuntes Tausend

Vorbemerkung

Die folgenden Aufsätze sind alle aus der erhöhten Familienstimmung des

»großen Kindertages« entstanden, alle für Weihnachten geschrieben

worden. Nicht gerade in kirchlichem Geiste. Aus gut katholischem Hause,

war Ludwig Speidel für die eigene Person in keiner der anerkannten

Konfessionen unterzubringen. Der offizielle Gottesglaube hielt sich

nicht lange in seiner jugendlichen Seele, und der Himmel, wie er gleich

im ersten Aufsatz erklärt, hatte sich ihm frühzeitig zu einem

unendlichen Spielraum natürlicher Kräfte erweitert. Man wird also in

diesen »Heiligen Zeiten« manchen unheiligen Gedanken zu lesen bekommen,

schließlich aber doch den Eindruck davontragen, daß dieses Büchlein ganz

durchweht ist von einem tief religiösen Gefühl, das nur an ein

bestimmtes Glaubensbekenntnis sich schlechterdings nicht binden läßt.

Wir gewinnen hier Einblick in die Schätze eines echt frommen Gemütes.

Meister Ludwig war kein Mann der flüssigen Rede, keiner von jenen, die

ihr schönes Herz selbstgefällig auf der flachen Hand tragen. Was ihn am

mächtigsten bewegte, davon schwieg er am beharrlichsten, als fürchtete

er, seine Empfindung könnte durch das ausgesprochene Wort entweiht

werden. Hin und wieder bloß -- und dies eben waren seine »heiligen

Zeiten« -- übermannte ihn der Drang, seinen Lieben mitzuteilen, was sie

ihm galten. Auch dann sagte er es ihnen nicht ins Gesicht, auch dann

übertrug er sein Persönlichstes ins Allgemeine, schrieb über die Frauen

überhaupt, über die Kinder im weitesten Umkreis, so innig freilich und

mit so tief heraufgeholten Herzenstönen, daß man wohl merkte, wie hier

die Liebe zu der eigenen Frau, zu den eigenen Kindern zwischen den

Zeilen mitklang. Dieser persönliche Einschlag verlieh solchen

Aufzeichnungen ihren wundersamen Reiz, ihre anheimelnde Wärme, ihren

außerordentlichen Erfolg. Ein Weihnachtsblättchen von Ludwig Speidel!

Mancher Wiener dürfte sich erinnern, wie man sich einst alljährlich auf

dieses Christgeschenk freute, mit welcher Andacht man Satz um Satz die

seltene Gabe verkostete, und wir sind überzeugt, die jüngeren Leser von

heute werden jene älteren nicht Lügen strafen.

_Wien_, im November 1910.

_Der Herausgeber._

Inhalt

Zu Weihnachten 1

Einsame Spatzen 12

Alte Mädchen 17

Frauenalter 23

's Rickele von Munterkingen 29

Die Kunst, arm zu werden 43

Zwei Kinder 49

Ohne Mutter 58

Mutter und Kinder 64

Aus der Kinderwelt 70

Aus der Kinderstube 79

Märchenhaftes 87

Spiegelbilder 94

Das Ammergauer Krippenspiel 101

Das Heimatsgefühl der Brüder Grimm 114

Zu Weihnachten

Ich habe viele Weihnachtsbäume gesehen in meinem Leben, aber keiner

gefiel mir so gut und gefällt mir mit jedem Jahre besser, als der Baum,

den ich meinen Kindern aufrichte. Gewiß waren es selige Tage, da man mit

seinem kleinen kindlichen Herzen noch an Wunder und Zeichen glaubte, wo

im Advent noch Engel an die Fenster pochten und in der Stube, durch

welche sie geflogen, Tannenzapfen und Stücke von Rauschgold

zurückließen, bis endlich das Knäblein von Bethlehem als Heiland der

kleinen Kinder sich persönlich ins Haus bemühte, um mit freigebiger Hand

die Fülle seiner Gaben auszubreiten. Freilich hielt solche arglose

Gläubigkeit, zumal in Ländern mit Schulzwang, nicht lange vor. Der

Schulmeister ist der geborene Feind jeder Romantik und sein ABC die

schwarze Kunst, welche Himmel und Hölle zwingt. Wie tief mußte der

unbeschränkte Kredit, den man der alten Firma Gott Vater, Sohn und

Heiliger Geist geschenkt, erschüttert werden, wenn eines schönen

Weihnachtsabends ein freches Schuljungen-Auge an dem ledernen Hanswurst

den Preiszettel mit dem Stempel: »Simon Mayer und Sohn« entdeckte und

entzifferte? Wer lesen kann, ist schon halb des Teufels, und vollends

wer schreibt, der gehört ihm mit Haut und Haar. Und doch wandelt uns die

Aufklärung nicht völlig um, denn während sie uns die unklaren

Vorstellungen zerstört, rührt sie kaum an die dunklen Empfindungen, aus

welchen jene Vorstellungen hervorgegangen. Sie nimmt den Zahn und läßt

die Wurzeln stehen. So kann es denn auch geschehen, daß sonst nüchterne

Männer, die bereits das Schwabenalter überschritten haben und dem

kirchlichen Weihrauch gründlich abhold sind, durch den Duftfaden einer

ausgelöschten Wachskerze oder den Geruch eines angebrannten Tannenwedels

in eine Strömung des Empfindens hineingezogen werden, die sich von dem

Ergusse religiöser Gefühle nicht allzu weit entfernt. Und solche

Gefühlsweise begleitet uns in die Fremde und erwacht hier um die

Weihnachtszeit mit doppelter Lebendigkeit. Der Weihnachtsbaum der Fremde

findet uns als ein sehnsuchtsvolles, dummes Kind. Kein trübseligeres

Los, als in fremder Stadt die Gassen einsam durchwandeln und ohne

gemütliche Beziehung mit ansehen zu müssen, wie in den Fenstern ein Baum

nach dem andern aufleuchtet und wieder finster wird, als ob uns das

alles nichts anginge. Daher segnen wir die guten Menschen, die den

Junggesellen an ihrer Weihnachtsfreude teilnehmen lassen, ihm auf

Augenblicke eine Familie vortäuschen. Wohl wird ihm die Täuschung

fühlbar werden, und seine Gedanken werden, die Illusion der Gegenwart

überspringend, zurückschweifen in die Kindheit und das Elternhaus; er

gedenkt vielleicht einer geliebten toten Mutter, eines alternden Vaters,

der Geschwister, die Liebe oder anderes Schicksal nach allen Winden

zerstreut hat. Anders als früher treffen sein Auge die funkelnden

Lichter des grünen Lustbaumes; sie brechen sich in dunkleren Farben

nach innen, der Ernst des Lebens, seine wechselnden Geschicke tauchen am

Horizont der Seele auf. Er ist nicht mehr Kind, und er hat noch keine

Kinder. Erst wenn er das geliebte Weib heimgeführt, wenn sie ihm Pfänder

der Liebe geschenkt, dann blüht ihm eine zweite Jugend zu, und er wird

wieder mit vollem Verständnis vor dem Weihnachtsbaum stehen. Die Welt

ist ihm freilich mittlerweile klar geworden. Der Himmel hat sich ihm zu

einem unendlichen Spielraum natürlicher Kräfte erweitert, aber lächelnd

und nicht ohne Rührung sieht er die religiösen Vorstellungen als

Spielzeug in den Händen seiner Kleinen. Den Weihnachtsbaum durch die

Augen dieser kleinen Weltbürger zu betrachten, ist das seligste

Vergnügen, und darum gefällt mir von allen Weihnachtsbäumen gerade der

Baum am besten, den ich meinen Kindern aufrichte.

Ja, Weihnachten ist der große Kindertag des Jahres, und es ziemt sich

wohl eine Betrachtung darüber, was uns diese kleinen Geschöpfe sind. Ich

möchte Frauen darüber befragen, denn sie stehen den Kindern um so viel

näher als wir, daß wir doch immer ein wenig uns ähnlich ausnehmen, wie

der gute Joseph, der die Gruppe der heiligen Familie bilden hilft. Aber

vielleicht stehen die Frauen den Kindern allzu nahe, sind in einem

gewissen Sinne selbst zu viel Kinder, als daß sie über ihre eigene Sache

beredsam werden könnten. Der Mann nimmt sich auch hier wie anderwärts

das Wort heraus. Nun sprudeln dem Manne zwei lebendige Quellen der

Verjüngung: die Frauen und die Kinder, zu welchen ich als dritte noch

die Tiere, als die ewig minderjährigen Geschwister des Menschen, zählen

möchte. Die Frauen zu preisen, zu wiederholen, daß sie die geborene

Liebe und Anmut, daß sie Heldinnen sind im Ertragen von Leiden und in

der selbstlosen Hingabe und Aufopferung, wäre ein eitles Beginnen, da

der Preis der Frauen durch alle Zeiten und Zungen klingt und die Poeten

heute wie gestern nicht müde werden, die bezauberndste Erscheinung der

Natur in zarten Worten und Weisen zu feiern. Das Kind aber sitzt wie ein

neuer Schmuck und Reiz der Weiblichkeit auf dem Schoße der Mutter, und

selten nimmt es der Dichter von diesem seligen Ruhesitz auf, um es in

die Arme zu schließen und es zu herzen und zu küssen. Und doch, welche

Macht übt solch kleines Gewächs über uns aus, wie greift es ein in den

Gang unseres Lebens! Es ist die hochmütigste Täuschung, wenn wir uns

erhaben dünken über diese zapplige, vielbegehrliche Brut, denn wenn wir

es genau überschlagen, sind wir in den meisten Fällen die Kinder unserer

Kinder, wenn nicht noch schlimmer, ihre Narren. Wir glauben Kinder zu

machen und werden von ihnen gemacht, wir glauben Kinder zu erziehen und

werden von ihnen erzogen. Und dies letztere zwar in einem ganz guten

Sinne. In unsere künstlichen Verhältnisse hinein wird uns plötzlich ein

so kleiner Naturbursche geboren. Wie nackt, wie ungezogen, wie

unschicklich nach unserem verfeinerten Begriffe ist solch ein

Persönchen, wie eigensinnig, wie despotisch macht es seine Wünsche

geltend! Von der Brust der Mutter nimmt es Besitz wie von einem ewigen

Menschenrechte und erfüllt die Luft mit einem Geschrei, als ob außer ihm

kein Mensch auf der Welt wäre. Aber eben dieses unwidersprechliche

Gebahren macht uns dieses kleine Ding lieb und wert; es tritt uns als

eine Natur entgegen, als ein gebieterischer Wille, dessen Vernunft wir

einsehen. Wie sich in diesem anfangs blinden Willen die Geisteskräfte

regen, wie das Auge sehend wird, das Ohr hörend, und wie der Wunsch nach

und nach das Wort findet, das ist mit jedem neugeborenen Kinde ein neues

Wunder und für den liebend beobachtenden Menschen ein Schauspiel, dessen

Reize sich niemals erschöpfen. Diese geschlossen und sicher vordringende

Natur des Kindes und diese liebevolle Versenkung in sein Wesen machen

die Tatsache begreiflich, daß nach dem Urteile der Eltern jedes Kind das

schönste und gescheiteste ist. Auch der gemeine Mann spürt aus dem Kinde

die aus einer ungeschulten, unzerstreuten Natur entspringende Genialität

heraus, und den Nüchternsten macht sein kleines Mädchen, das nach dem

Monde greift, auf Augenblicke zum Poeten. Die Kinder machen und erhalten

uns jung, und selbst der Kummer und die Sorgen, die sie uns bereiten,

idealisieren unser Leben.

Wenn wir daher Weihnachtsbäume aufputzen und sie mit Lichtern

bestecken, so tragen wir unseren kleinen Erziehern in gewissem Sinne den

Zoll unseres Dankes ab. Ich möchte heute in viele Fenster hineinsehen

und den Wetteifer des Glückes auf den Gesichtern der Kleinen und Großen

lesen; den lärmenden Drang in kindervollen Stuben möchte ich belauschen,

wie die stillere Seligkeit von Eltern, die nur ein einziges Kind -- ein

»zitterndes Glück« -- ihr eigen nennen. An kranke Kinder darf ich gar

nicht denken zur Weihnachtszeit, noch weniger mag ich mir vorstellen,

daß der Tod irgendwo angeklopft und ein junges Seelchen flügge gemacht

hat. Ich kann keinen Trost bringen, wo ich ihn selbst entbehren müßte.

Aber eurer möchte ich gedenken, ihr gedrückten Wesen, die ihr den hellen

Schein der Kerzen scheut und euch in einen Winkel des Zimmers drückt.

Was ist es denn, das euch Kümmernis bereitet? Daß du auf dem linken Bein

ein wenig hinkst, du guter Junge, laß dich's nicht anfechten; deine

Beine sind gerade genug, um deine Pflicht zu tun. Und du, mit deinen

blonden Zöpfen, du verständiges Gesicht, gräme dich nicht allzusehr, daß

dir die eine Schulter verschoben ist; du hast Humor und zugreifendes

Geschick, du wirst geraden Schultern zum Trotz einst als guter Geist des

Haushaltes walten. Ihr werdet zutraulicher, ihr Bresthaften, und kommt

alle nach und nach aus dem Winkel hervor. Seht, ich habe nichts, euch zu

trösten, als guten Willen und gute Worte. Sind wir im allgemeinen

Ebenbilder Gottes, so zeigt sich in euch der verstauchte, der verrenkte

Gott. Er erträgt es, und ihr solltet es nicht ertragen können? Wollt

ihr aber wissen, welche köstlichen Geheimnisse ihr in euren bresthaften

Gliedmaßen berget, so will ich euch ein Märchen erzählen, welches so

wahr ist wie das große Märchen von der Weltschöpfung und Weltregierung,

und vielleicht wahrer, weil es sich einfach als Märchen gibt. Zwar nicht

ich selbst, so sehr ich es wollte, habe dieses Märchen erfunden, sondern

ein anderer deutscher Mann, der im jüngsten großen Völkerkampfe vor

Paris gelegen und in den Mußestunden, die ihm seine harte Arbeit ließ,

ein Bändchen »Träumereien an französischen Kaminen« für Weib und Kinder

zusammengeschrieben hat. Ein junger Doktor der Weltweisheit aus Schwaben

hat dieses kleine Buch meinen Kindern im vorigen Sommer als Gastgeschenk

zurückgelassen. »'s ischt a schön's Büchle,« sagte er in seiner

traulichen Mundart, »für das ich begeischtert bin, und für das ich von

jedem rechtschaffenen Menschen Begeischterung fordere.« Ich ließ es mir

von meinen Kindern vorlesen, und so ist mir das Buch, in welchem neben

dem sinnigen Menschen ein arger Schalk steckt, recht ans Herz gewachsen.

Ich versprach also meiner lieben Gemeinde von bresthaften Kindern, ein

Märchen daraus mitzuteilen, muß jedoch früher von ihr Abschied nehmen,

denn wer wollte mich noch lesen, wenn der Dichter gesprochen hat? Auch

fürchte ich einen Regen und trübe Augen und mag nicht gern dabei sein,

wenn Menschen gerührt sind. Das schöne Märchen heißt also und lautet:

Das kleine bucklige Mädchen.

Es war einmal eine Frau, die hatte ein einziges Töchterchen, das war

sehr klein und blaß und wohl etwas anders wie andere Kinder. Denn wenn

die Frau mit ihm ausging, blieben oft die Leute stehen, sahen dem Kinde

nach und raunten sich etwas zu. Wenn dann das kleine Mädchen seine

Mutter fragte, weshalb die Leute es so sonderbar ansähen, entgegnete die

Mutter jedesmal: »Weil du ein so wunderhübsches neues Kleidchen anhast.«

Darauf gab sich die Kleine zufrieden. Kamen sie jedoch nach Hause

zurück, so nahm die Mutter ihr Töchterchen auf die Arme, küßte es wieder

und immer wieder und sagte: »Du lieber, süßer Herzensengel, was soll aus

dir werden, wenn ich einmal tot bin? Kein Mensch weiß es, was du für ein

lieber Engel bist, nicht einmal dein Vater!«

Nach einiger Zeit wurde die Mutter plötzlich krank, und am neunten Tage

starb sie. Da warf sich der Vater des kleinen Mädchens verzweifelt auf

das Totenbett und wollte sich mit seiner Frau begraben lassen. Seine

Freunde jedoch redeten ihm zu und trösteten ihn; da ließ er es, und nach

einem Jahre nahm er sich eine andere Frau, schöner, jünger und reicher

als die erste, aber so gut war sie lange nicht.

Und das kleine Mädchen hatte die ganze Zeit, seit seine Mutter gestorben

war, jeden Tag von früh bis abends in der Stube auf dem Fensterbrett

gesessen; denn es fand sich niemand, der mit ihm ausgehen wollte. Es

war noch blässer geworden, und gewachsen war es in dem letzten Jahre gar

nicht.

Als nun die neue Mutter ins Haus kam, dachte es: »Jetzt wirst du wieder

spazieren gehen, vor die Stadt, im lustigen Sonnenschein auf den

hübschen Wegen, an denen die schönen Sträucher und Blumen stehen, und wo

die vielen geputzten Menschen sind.« Denn es wohnte in einem kleinen,

engen Gäßchen, in welches die Sonne nur selten hineinschien; und wenn

man auf dem Fensterbrett saß, sah man nur ein Stückchen blauen Himmels,

so groß wie ein Taschentuch. Die neue Mutter ging auch jeden Tag aus,

vormittags und nachmittags. Dazu zog sie jedesmal ein wunderschönes

buntes Kleid an, viel schöner als die alte Mutter je eins besessen

hatte. Doch das kleine Mädchen nahm sie nie mit sich.

Da faßte sich das letztere endlich ein Herz, und eines Tages bat es sie

recht inständig, sie möchte es doch mitnehmen. Allein die neue Mutter

schlug es ihr rund ab, indem sie sagte: »Du bist wohl nicht recht

gescheit! Was sollen wohl die Leute denken, wenn ich mich mit dir sehen

lasse? Du bist ja ganz bucklig. Bucklige Kinder gehen nie spazieren, die

bleiben immer zu Hause.«

Darauf wurde das kleine Mädchen ganz still, und sobald die neue Mutter

das Haus verlassen, stellte es sich auf einen Stuhl und besah sich im

Spiegel; und wirklich, es war bucklig, sehr bucklig! Da setzte es sich

wieder auf sein Fensterbrett und sah hinab auf die Straße, und dachte

an seine gute alte Mutter, die es doch jeden Tag mitgenommen hatte. Dann

dachte es wieder an seinen Buckel:

»Was nur da drin ist?« sagte es zu sich selbst, »es muß doch etwas in so

einem Buckel drin sein.«

Und der Sommer verging, und als der Winter kam, war das kleine Mädchen

noch blässer und so schwach geworden, daß es sich gar nicht mehr auf das

Fensterbrett setzen konnte, sondern stets im Bett liegen mußte. Und als

die Schneeglöckchen ihre ersten grünen Spitzchen aus der Erde

hervorstreckten, kam eines Nachts die alte gute Mutter zu ihm und

erzählte ihm, wie golden und herrlich es im Himmel aussähe.

Am andern Morgen war das kleine Mädchen tot.

»Weine nicht, Mann!« sagte die neue Mutter; »es ist für das arme Kind so

am besten!« Und der Mann erwiderte kein Wort, sondern nickte stumm mit

dem Kopfe.

Als nun das kleine Mädchen begraben war, kam ein Engel mit großen,

weißen Schwanenflügeln vom Himmel herabgeflogen, setzte sich neben das

Grab und klopfte daran, als wenn es eine Tür wäre. Alsbald kam das

kleine Mädchen aus dem Grabe hervor, und der Engel erzählte ihm, er sei

gekommen, um es zu seiner Mutter in den Himmel zu holen. Da fragte das

kleine Mädchen schüchtern, ob denn bucklige Kinder auch in den Himmel

kämen. Es könne sich das gar nicht vorstellen, weil es doch im Himmel so

schön und vornehm wäre.

Jedoch der Engel erwiderte: »Du gutes, liebes Kind, du bist ja gar

nicht mehr bucklig!« und berührte ihm den Rücken mit seiner weißen Hand.

Da fiel der alte garstige Buckel ab wie eine große hohle Schale. Und was

war darin?

Zwei herrliche, weiße Engelflügel! Die spannte es aus, als wenn es schon

immer fliegen gekonnt hätte, und flog mit dem Engel durch den blitzenden

Sonnenschein in den blauen Himmel hinauf. Auf dem höchsten Platze im

Himmel aber saß seine gute alte Mutter und breitete ihm die Arme

entgegen. Der flog es gerade auf den Schoß.

(Am 25. Dezember 1872)

Einsame Spatzen

Es gibt einen grauen Vogel mit scharfen Augen und spitzem Schnabel, der

in der Naturgeschichte des Volkes der einsame Spatz genannt wird, und

der trotz seines angriffigen Wesens eine Fülle von Gesang und Wohllaut

in sich birgt. Er hat es gerne, wenn er gereizt wird, ja gerade der

Herausforderung gegenüber, der er sich mit Vergnügen stellt, schlägt er

seine tapfersten Töne und kecksten Weisen an. Will man ihn aber besser

und ganz kennen lernen, so muß man sich in einen Hinterhalt stellen, ihn

belauschen. Ferner Lärm, zumal das wunderlich zusammengesetzte

Weltgeräusch, in welchem hinter dem Wagengerassel alle Freuden und

Leiden der Kreatur nachhallen, regt ihn an, macht ihn mitteilsam. Dann

zieht er wundersame Klangfäden aus seiner Kehle, mißt den Umfang seiner

Stimme, ergeht sich, alle Stärkegrade des Tones versuchend, im Flüstern,

im Anschwellen, im Schmettern, und indem er sich in seinem eigenen

Gesange berauscht, scheint er mit sich selbst zu wetteifern. Die Welt,

von der ihn sein Käfig trennt, blüht in seinen Liedern auf.

Der graue Vogel, den wir an die Wand gemalt, treibt auch in der

menschlichen Gesellschaft sein Wesen. Wir brauchen ihn nicht zu nennen,

es nennt ihn sofort jeder selbst: der Junggeselle, der Hagestolz. Wir

meinen natürlich nicht die Junggesellen, die, nur sich selbst kennend,

zu Egoisten versteinert sind, noch jene Hagestolzen, die, als wahre

Familienverderber, sich in ein fremdes Nest setzen und sich an einem

Feuer wärmen, das ein anderer angezündet hat. Die Junggesellen, die wir

meinen, sind vielmehr jene redlichen Leute, welche, durch Mißgeschick

oder Ungeschick vereinsamt, die Bestimmung des Menschen nur einseitig

haben erfüllen können und diese Halbheit zeitlebens als einen Mangel

fühlen. Um es kurz zu sagen: ihrem Leben fehlt das Weib, das Kind, mögen

sie es nun eingestehen oder in unbewachten Augenblicken nur sich selbst

bekennen. Kein Wunder daher, daß die großen allgemeinen Familienfeste,

die der Jahreslauf mit sich bringt, für sie die schlimmsten Tage sind.

Besonders zu Weihnachten, wenn der grüne Wald ins Haus wächst und die

großen Kinderaugen noch heller leuchten, als die Wachskerzen auf den

herabnickenden Tannenzweigen, wird diesen verlassenen Menschen weh ums

Gemüt, und sie fühlen es stärker als je, daß sie bei solchen

Gelegenheiten, wo selbst auf die Dienstmagd ein Strahl des allgemeinen

Glückes fällt, so recht vor der Tür stehen. Und niemand möge es

versuchen, einen Junggesellen an einem solchen Tage zu trösten. Der

echte Junggeselle will nicht getröstet sein, er will, einmal

unglücklich, auch den Genuß seines Unglücks haben. Wenn er merkt, daß

der Weihnachtsbaum angezündet wird -- die Helligkeit beißt ihm in die

Augen -- schleicht er die Gassen entlang und verschwindet in einem Hause,

von dessen Tor herab ein Tannenzweig die Vorübergehenden grüßt. Es ist

eine Weinstube.

Der verstimmte Weltflüchtling setzt sich in eine Ecke, von welcher aus

er den Schanktisch überblickt. Die Stube ist leer und erscheint noch

leerer, weil sie hell erleuchtet ist. Die Wanduhr pendelt scharf und

bestimmt, wie das Gewissen der Zeit; nur manchmal scheint sie in

Gedanken anzuhalten, aber dem weiter ausgeholten Pendelschlage folgt ein

beschleunigter, und das Gleichgewicht ist wieder hergestellt. Der Ofen

wärmt den einsamen Gast wohltuend an. Eine Flasche Wein! Nachdenklich

leert er das erste Glas, das zweite rascher. Der Schanktisch fesselt

seinen Blick, wo zu oberst die blanken Weinkühler glänzen, die einen in

geradlinigen Lichtern, die anderen mit der ganzen Fläche; das Auge

gleitet zu einigen geschliffenen Kristallgläsern herab, die das Licht

buntfarbig und so unruhig brechen, als hätten sie etwas mitzuteilen. Ein

Glas und wieder ein Glas! Während der stille Zecher den Schanktisch

nicht aus dem Auge läßt, ohne indessen den Glanz der funkelnden

Geschirre mehr wahrzunehmen, vernimmt er das ferne Rollen eines Wagens,

welches sein Ohr für das stets in der Luft webende Geräusch, das man

Weltgeräusch nennen kann, erschließt. Er horcht tiefer und tiefer hinein

in dieses Geräusch, er will es in seinen einzelnen Bestandteilen

erraten, erkennen. Nach und nach scheinen sich Töne loszulösen aus

diesem Chaos, ein Ton, zwei Töne, drei -- ein zusammengestimmter

Dreiklang von wohlbekannten Stimmen. Der erste Ton kommt aus einem

lebendigen Munde; er klingt so warm, so tief, so zum Herzen sprechend,

und siehe, da erscheint sie ja selbst, die Mutter, wie er sie in seinen

jungen Jahren gekannt. Sie nimmt ihn bei der Hand, hebt ihn auf den Arm,

küßt ihn. Dann trägt sie ihn zu einem kleinen Bette, worin ein kleines

rosiges Mädchen liegt und lacht. Es ist seine Schwester, der zweite Ton,

den er gehört. Nun umfängt ihn eine Atmosphäre, wie er sie lange nicht

empfunden: eine gemütliche Wärmestrahlung, eine humanisierte Luft -- die

Atmosphäre der Familie. Er steht vor dem Weihnachtsbaum; er holt rote

Ostereier unter dem Bette hervor; er betrachtet die Birkenrute über dem

Spiegel mit geheimem Respekt. Er hört den Vater abwechselnd freundlich

und strenge reden -- er sieht ihn nicht, denn der Vater ist jung

gestorben. Dann die schönen Stunden und Tage mit seiner Schwester: diese

rückhaltlose Mitteilung, diese unschuldige Zärtlichkeit, diese Liebe

ohne Nebengedanken -- ja, denkt sich der stille Zecher, der wieder ein

Glas leert, wen der Himmel liebt, dem gibt er eine Schwester ... Und die

dritte Stimme, die höchste des Dreiklangs? Der einsame Gast blickt

sinnend in sein Weinglas. Wie Weihrauchduft steigt es auf, und er glaubt

in der Kirche zu sein. Eine Trauung wird vollzogen; aber das Mädchen, an

dessen reizender Gestalt sein Auge hängt, reicht einem fremden Manne die

Hand. Dieses Ja aus geliebtem Munde, wie hat es geschmerzt, wie schmerzt

es noch! Ein Wort zur unrechten Zeit, wie das meinige, das sie mir

entfremdet! Und wieder leerte er ein Glas, seufzte und fuhr mit der Hand

über die Stirne. Der schöne Dreiklang begann abzuklingen, herab vom

höchsten Tone an, und nur der Grundton, der von der Mutter kam, hielt

länger an, bis er sich in das allgemein summende Geräusch auflöste, das

von dem Rollen eines vorüberfahrenden Wagens verschlungen wurde. Wieder

glänzten die Weinkühler über dem Schanktische, und die Kristallgläser

fingen das Licht auf und brachen es in bunten Strahlen. Auf der Wanduhr,

die geräuschvoll ausholte, schlug es 1 Uhr.

Durch einsame Gassen schlich der stille Zecher nach Hause. In seiner

Stube angekommen, stellte er das Licht vor einen großen Käfig, in

welchem ein grauer Vogel, ein einsamer Spatz saß. Er reizte ihn mit den

Fingern, und das muntere Tier flog mit hellem Pfiff auf ihn los. »Armer

Kerl!« rief er dem Vogel zu, »wo hast du dein Weibchen?« Und statt aller

Antwort fing der Spatz so schön zu singen an, daß der Frager wie gebannt

stand und horchte. »Du hast recht, gutes Tier, wer nicht lieben darf,

muß singen. Und habe ich heute nicht auch auf meine Weise gesungen,

innerlich, wenn auch tonlos? Und überdies, ich habe es doch viel besser

als du, abgesehen von den vielen darbenden Mädchenherzen, denen doch die

Liebe alles sein sollte. Ich bin ein Mann, und dem Manne gehört die

ganze Welt.«

(Am 25. Dezember 1883)

Alte Mädchen

Wie gewöhnlich, wenn die Weihnachtszeit herannaht, habe ich wieder die

Nase voll Tannenduft, und diese von der Kindheit her vererbte angenehme

Gewohnheit, die ich noch jetzt in jedem Sinne grün nennen möchte, stimmt

mich mitteilsam, soweit ein von Natur so kurz angebundener Mensch auf

solche freigebige Bezeichnung Anspruch machen darf. Doch schäme sich des

Kindes in ihm, wer da will -- wir wollen nicht die Philister sein, die

altklug von der Höhe ihrer Weisheit herabschauen, wenn unseren Kindern

der Wald ins Haus wächst und in jedem Tannenwedel das Harz sich rührt

und das warme Gemach mit Wohlgeruch erfüllt. Das ist der wahre Duft der

Seligkeit, die Atmosphäre des Kinderhimmels. Das riecht nach Glück und

bringt es auch, erschiene es nun in Gestalt von funkelnden Diamanten

oder vergoldeten Walnüssen. Ich höre es wieder in den Wänden rieseln,

als ob tausend geschäftige Geister ihr Wesen trieben; die Türklinke

knackt leise, ohne daß jemand in die Stube tritt, und ein Rascheln und

Flüstern geht durch das Haus, welches man nicht allein dem geschüttelten

Rauschgold zuschreiben möchte. Die Familiengeister gehen um, zumal der

hundertfältig sich teilende Geist der Mutter, der jedes Bedürfnis kennt

und wahrt, vom aufgezogenen Saume des zu langen Unterröckchens bis zum

Seelenheile des kleinen Naturheiden, der ihrem Schoße entsprossen.

Zwischendurch, wenn eine ferne Tür aufgeht, erschallt frisches

Kindergelächter, oder ein zärtlich fortgescholtenes neugieriges Gesicht

guckt in das Zimmer herein. Aber die heranwachsenden Mädchen sind schon

vom Geiste der Mutter beseelt, denn während die Gute selbst, jeden

Wunsch bedenkend, den Familienbaum rüstet, putzen sie für arme Kinder

eine kleine Tanne, auf deren Spitze sie ein nacktes Knäblein setzen,

welches sehr gesund aussieht, und von dem in kindlichen Kreisen die Sage

geht, daß es die Welt erlöst habe. Und die Sage hat recht. Kinder,

kleine wie große -- wenn sie groß geworden, heißt man sie Genies --

erlösen die Welt noch täglich, und am heutigen Kindertage, ihr Kleinen,

ist unsere Seligkeit nur ein Abglanz der eurigen. Die kleinen Heilande

blicken uns aus ihren großen Kinderaugen erstaunt an; sie kennen die

arge Welt noch nicht und spielen lächelnd mit einer Passionsblume.

Wenn ich aber bei den Kindern dankbar zu Gast sitze und mich an ihrer

Seligkeit sonne, so muß ich jedesmal der Stiefkinder des Glückes

gedenken, denen der Himmel nur graue Tage und öde Nächte beschert. Ich

will nicht von den Armen reden, denn was ist arm und reich? Wir sind nie

reich genug, um den hohen Flug unserer Wünsche zu erreichen, und selten

so arm, daß wir nicht täglich einen Sonnenstrahl der Freude einfangen

könnten. Ich will von wahrhaft armen Wesen sprechen, die so oft, wenn

alles sich freut, traurig beiseite stehen, traurig und unbeachtet, wenn

nicht gar verachtet. Diese Aschenbrödel der bürgerlichen Gesellschaft,

am Weihnachtstage, als dem Feste der Kinder, doppelte Aschenbrödel, sind

-- das Wort will kaum aus der Feder -- die alten Mädchen. Alte Mädchen!

Mädchen und alt! Es besteht ein solcher Widerspruch zwischen diesen

beiden Wörtern, daß sie selbst erstaunt sind, so hart nebeneinander zu

stehen. _Mädchen_ -- ein Geschöpf voll Verheißung, eine blühende

Anweisung auf Leben, Genuß und Glück! Und _alt_ -- der Abgrund alles

Unwünschenswerten!

So grausam aber diese Bezeichnung auch sein mag, sie ist nicht grausamer

als das Geschick der damit Bezeichneten. Ein altes Mädchen sein, heißt

ein Schicksal tragen, an welchem eigene Verschuldung nur in den

seltensten Fällen einen bedeutenden Anteil hat. Man ist meistens ein

altes Mädchen, wie man ein Genie ist: ohne Verdienst oder Schuld, nur

mit dem schneidenden Unterschied, daß dem Genie, weil es das

selbstverständlich Göttliche ist, alles als Verdienst, dem alten Mädchen

aber, weil es ein schicksalsvolles Unglück trägt, alles als Schuld

angerechnet wird. Es gibt im strengsten Sinne notwendigerweise alte

Mädchen: Natur und gesellschaftliche Verhältnisse wollen es so; was aber

notwendig ist, gerade das an mir verspottet und verlacht zu sehen, ist

das unbarmherzigste und unerträglichste. Ein altes Mädchen fordert, wenn

nicht Mitleid, doch Mitgefühl heraus.

Schon in frühen Zeiten hat die Frage der alten Mädchen die Geister

beschäftigt. Mit seiner heiteren Anschaulichkeit schildert der Vater

der Geschichte eine babylonische Sitte, die es mit unserem Gegenstande

zu tun hat. »In jedem Dorfe,« erzählt Herodot, »wird alle Jahre einmal

also getan: Wenn die Mädchen mannbar geworden, so mußten sie alle

zusammengebracht und auf einen Haufen geführt werden. Ringsumher stand

die Schar der Männer. Sodann hieß der Ausrufer eine nach der andern

aufstehen und versteigerte sie. Zuerst die allerschönste; dann, sobald

diese um vieles Geld erstanden war, rief er eine andere aus, welche

nächst dieser die schönste war, aber alle mit dem Beding, daß sie

geehelicht würden. Was nun die Reichen unter den Babyloniern waren, die

da heiraten wollten, die überboten einander, um die Schönste zu

bekommen; was aber gemeine Leute waren, denen es nicht um Schönheit zu

tun war, die bekamen die häßlichen Mädchen und noch Geld dazu. Denn wenn

der Ausrufer alle schönen Mädchen verkauft hatte, so mußte die

Häßlichste aufstehen, und nun rief er diese aus, bis sie dem

Mindestfordernden zugeschlagen wurde. Das Geld aber kam ein von den

schönen Mädchen, und auf diese Art brachten die schönen die häßlichen an

den Mann ...« So weit Herodot. Dieser babylonischen Methode, eine

soziale Frage zu lösen, hängt doch, vom übrigen Bedenklichen abgesehen,

ein großer Fehler an: sie legt einen schwankenden Maßstab zugrunde. Denn

was ist häßlich? Es gibt immer noch eine Häßlichere, also keine

unbedingt Häßliche. Häßlich sein, ist noch kein Hindernis, reizend zu

sein, und wie oft -- es gehört zu den Geheimnissen der Liebe -- werden

die schönsten Männer von häßlichen Frauen beseligt. Häßliche Mädchen,

die ihre schöne Seele nicht an den Mann gebracht haben, sind die

Minderzahl unter den alten Mädchen.

Man wird aus allen möglichen Gründen ein altes Mädchen, aber zumeist,

weil die Natur die Geschlechter ungleich verteilt hat und weil die

Verhältnisse der bürgerlichen Gesellschaft nicht danach angetan sind,

das gesamte Liebeskapital der Mädchen fruchtbringend anzulegen. So sind

die meisten alten Mädchen reine Opfer. Alle die verschiedensten

menschlichen Motive spielen zwischendurch. Das alte Mädchen ist oft

aller Romantik voll. Sie hat einen Roman gehabt, einen erlebten oder

einen erträumten. Er ist ihr gestorben, er hat sie für eine andere

verlassen, oder er hat ihr stilles Werben nicht bemerkt. Sie hat ihr

Glück vielleicht versäumt, es unbedacht ausgeschlagen, oder es ist nie

so nahe an sie herangetreten, daß sie es mit der Hand erreichen konnte.

Sie sieht sich von der höchsten Aufgabe der Frauen ausgeschlossen, und

der Kummer darüber geht ihr zeitlebens nach, wenn sie nicht zufällig

eine Amazone oder eine Heilige ist. Manche nennen sie glücklich, denn

wenn sie die Freude nicht habe, so fehle ihr dafür auch das Leid. Daß

sie aber auch die Freude des Leids nicht hat, das vergessen die meisten.

Glück im höchsten Sinne zu gewähren, ist ihr benommen. Frauen können so

beglücken, daß in ihnen selbst, sogar unter Kummer und Sorgen, eine

Fülle des Glücks wohnen muß. Oder ist nur diese überschwengliche

Fähigkeit, beglücken zu können, ihr wahres Glück? Ein unberührter Schatz

von Liebe ruht oft in dem Herzen alter Mädchen und geht ungenützt mit

ihnen zu Grabe. Ihre verfehlte Bestimmung können sie nicht vergessen,

selbst wenn sie ihr Leid ins Kloster tragen. Die Nonne noch spielt mit

der Liebe, mit der Ehe. Da ihr das Nächste nicht erreichbar gewesen,

streckt sie die Arme nach dem Fernsten aus; aber nur, um es ihren

Bräutigam zu nennen. Schöner sieht man alte Mädchen in irdischer

Tätigkeit walten, indem sie, wenn auch innerlich verblutend und ihre

Tränen verschluckend, zu Schutzgenien ihrer jüngeren Geschwister, ihrer

Familie oder gar fremder Kinder werden. Würden sie hassen, so hätten sie

ihr Los verdient.

Ich sehe etwas Heiliges in guten alten Mädchen, wie überhaupt im

Unglück, wo über der eigenen Verschuldung, falls sie vorhanden, eine

höhere Macht entscheidend gewaltet hat. Man wird mich wohl am Ende als

den Pindar der alten Jungfern verlachen. Sei es drum! Tausende mögen

mich verspotten, wenn ich am heutigen Freudentage nur einem jener Wesen,

die zu den Opfern der Gesellschaft gehören, mit einem einzigen Worte

wohlgetan habe.

(Am 25. Dezember 1876)

Frauenalter

So weit ich die Frauen kenne, ist es der sehnlichste ihrer Wünsche,

gleich den olympischen Göttern in ewig blühender Jugend zu leben, und

die schwerste ihrer Kümmernisse, einem reizlosen Alter anheimzufallen.

Der Kampf, den eine Frau gegen das auf sie eindringende Alter besteht,

ist in keinem Heldengedicht verzeichnet, obwohl er hartnäckiger und

erbitterter sein kann als irgendein anderer Kampf; er hat seine

wechselnden Erfolge, sein Hin- und Widerschwanken, seine Ausfälle und

Ratschläge, und schließlich, da das Alter doch unbesiegbar scheint,

seine stumme, gramvolle Niederlage. Nichts gleicht an schmerzlicher

Kraft den stillen Tränen, den erwürgten Seufzern, dem innerlichen

Verbluten einer stolzen Frau, deren welker Hand das Zepter entfällt, mit

dem sie über die Herzen zu gebieten lange gewohnt war. Solches Schicksal

scheint bitterer zu sein als der Tod, denn es verlangt von dem Menschen,

daß er sich selbst überlebe. Wenn sich die Frauen gegen das Alter

sträuben, so haben sie ihre guten Gründe. Der Abschied von der Jugend,

zuletzt von dem Schein der Jugend, den auf die Wange festzubannen alle

Spezereien Arabiens nicht mehr vermögend sind, verurteilt sie in den

Augen der Welt zu einer geradezu beschämenden Rolle; lange gelebt zu

haben, wird ihnen als eine Art Verbrechen ausgelegt, und zwei Worte, die

man vor Frauen nie aussprechen sollte, die Worte: alt und häßlich,

werden ihnen mehr oder minder deutlich zu verkosten gegeben, ja die

Reigenführer solcher Unart sind zumeist alte Männer. Welcher Undank in

dieser schnöden Auffassung des Frauenalters liegt, braucht man wohl kaum

zu sagen. Für wen werden sie denn alt, als für uns und unsere Kinder?

Was erschöpft ihre Jugend, als die großherzige Freigebigkeit, mit

welcher sie Freuden gewähren und Schmerzen übernehmen? Wie oft sind die

frühzeitigen Falten in ihrem Gesicht nichts anderes als die Furchen des

Kummers, den ihnen die Ihrigen bereitet, als das Rinnsal der Tränen, die

sie um uns geweint haben? Wir vernichten sie und verachten sie -- eine

Barbarei, deren nicht einmal der vom Himmel vergessene Mann fähig sein

sollte, welcher junge Frauenliebe nur flüchtig genossen und nicht ihre

mit den Jahren wachsende Kraft und Innigkeit an sich erprobt hat. Was

man einmal recht von Herzen geliebt, das, sollte man meinen, könnte

nicht altern, und die älter werdenden Augen müßten es immer jung

erblicken. »Ihr blüht!« müßte man zu den weißen Haaren sagen, und zu der

Falte um den Mund: »Du lächelst!« und das ist keine Lüge, sondern nur

das Wunder der Liebe. Dieses Wunder häufiger zu machen, liegt zu einem

guten Teil in der Hand der Frauen, und wenn ich zuerst die Männer

angeklagt habe, so mögen es auch die Frauen dulden, wenn ich sie -- nicht

etwa gleichfalls anklage, sondern nur ein klein wenig ins Gebet nehme.

Da möchte ich nun sagen, daß viele Frauen die Kunst nicht verstehen,

mit dem Alter sich auf einen freundschaftlichen Fuß zu setzen, daß sie

bald zu alt sind für ihre Jahre, bald zu jugendlich (nicht etwa zu jung)

für ihr Alter. Ferne sei es von mir, den Schulmeister zu spielen, wozu

mir die Natur jede Anlage versagt hat, und den Schulmeister vollends

gegenüber den Frauen, die einen Pedanten höchstens heiraten, aber nie

von ihm lernen; ich will nur einige Meinungen mitteilen, die sich um das

angeschlagene Thema drehen -- Meinungen, die ebenso schlicht als

unmaßgeblich sind. Es ist heute Weihnachtsabend, das Fest der Kinder und

jungen Leute, und wenn ich von meinem Papier aufsehe, erblicke ich, in

Gläser gestellt, schlanke Barbarazweige, welche die grünen Augen öffnen,

und die rührende Jerichorose, die, gestern noch dürr und kahl, im Wasser

aufquillt und ihre Dolden füllt. Ich kann heute an nichts Altes glauben,

am wenigsten an das Alter der Frauen.

Als die natürlichen Verwalterinnen der Schönheit und der Anmut glauben

die meisten Frauen ihrer Aufgabe nicht mehr gewachsen zu sein, sobald

die Jugend von ihnen gewichen ist, und sie lassen sich entweder fallen

oder bilden sich eine künstliche Jugend an. Beides ist falsch und

entstellt die Frauen. Was nicht einmal in der Dichtung und Kunst gültig

ist, wo jedes Alter seine ihm eigentümliche Schönheit entfaltet, wie

kann das Geltung haben auf dem der Sinnlichkeit doch mehr entfremdeten

sittlichen Gebiete? Auch im Wohlwollen und in der Güte kann Schönheit

und Anmut liegen, und man spricht nicht umsonst von einer sittlichen

Grazie. Es ist mein Lieblingswort, daß jedes Alter seine Jugend habe und

daß es nur darauf ankomme, sich aus der einen Jugend in die andere

hinüberzuretten. Ein reifes Mädchen wird eine junge Mutter, und sie kann

jung bleiben bis hinauf zur Großmutter und Urgroßmutter. Das

Entscheidende liegt nur immer darin, daß man die Gesinnung seines Alters

habe (#l'esprit de son âge#). Man muß sich gegen die anrückenden Jahre

weder trotzig stemmen, noch ihnen feige weichen; wer sich ihnen

widersetzt, den schleppen sie bei den Haaren mit sich; wer ihnen aber

freundlich entgegengeht, den führen sie freundlich an der Hand. Das

schlimmste aber ist und den Männern gegenüber das allerunklugste, wenn

eine Frau vor dem Alter sofort die Waffen streckt; das macht am

ältesten, denn die Frau, die sich gegen ihren Feind verzweifelt wehrt,

wird wenigstens für kurze Zeit, freilich mit einem um so heftigeren

Rückschlag, die Schönheit der Energie besitzen. In vielen Fällen ist es

die Angst vor dem Alter, welches die Frauen altern macht; sie verzehrt

das Kapital der gegenwärtigen Kraft und macht leichtsinnig Anlehen bei

einer späteren Altersstufe. Die Jugend in das Alter hineinzuziehen oder

das Alter vorwegzunehmen, kleidet eine Frau gleich übel. Gefallend kann,

ja muß sie immer sein; Gefallsucht aber macht das Alter älter. Die Kunst

der Einfachheit sollte sich mit der größeren Reife immer mehr

vervollkommnen. Keine Koketterie haben, ist auch eine, und vielleicht

die feinste. Damit kann sich ein Zug von Mädchenhaftigkeit verbinden,

eine bei aller Erfahrung erhaltene Unschuld und Frische der Seele, die

ich schon bei siebzigjährigen Frauen angetroffen und bewundert habe. Daß

das Alter schlechter macht, könnte man gewissen Erscheinungen gegenüber

wohl glauben; aber man kann mit derselben Berechtigung wohl sagen, daß

es besser mache. Das Wahre an der Sache wird aber wohl sein, daß das

Alter weder schlechter noch besser macht, sondern einfach alle

Geheimnisse des Charakters aus dem Menschen heraustreibt. Die Aufgabe

der Frau wird es sein, solche hervorschießende Spitzen des Charakters an

sich und anderen umzubiegen. Um sich aber unter allen Umständen jung zu

erhalten, pflege sie bei sich eine Liebe, ein Interesse, welches sie für

die Welt nicht absterben läßt. Ein Weib ohne Liebe gibt sich selbst auf,

denn ob sie jünger oder älter sei, die Liebe ist das große Geschäft

ihres Lebens. Auch höheren geistigen Interessen, die doch das Salz der

Seele sind, bleibe sie nicht fremd, und was in Literatur, Kunst und im

großen Weltleben sich regt, trete immerhin an sie heran. Die Feder

benütze sie nur zum Briefschreiben, worin die Frauen Meister sind; denn

literarische Hervorbringungen sind mit einer Verletzung der weiblichen

Schamhaftigkeit verknüpft, welche kaum durch die große Bedeutung des

Hervorgebrachten entschuldigt wird. Eine gute und anmutige Frau, welche

nicht dichtet, steht mir höher als eine dichtende Frau, denn sie ist

selber ein Gedicht.

Das sind nur einige Schlagworte zur Kunst, jung zu bleiben; aber ich

werfe sie getrosten Mutes aus, daß sie als gesunder Samen in den Herzen

der Frauen wuchern mögen. Ich kann nicht weiterschreiben, denn ich höre

das Rauschen des Tannenbaumes, und der ahnungsvolle Duft der Wachskerzen

zieht mich vom Schreibtisch. Das ist ja das schöne Fest der Jugend und

der Alten, die jung geblieben sind.

(Am 25. Dezember 1875)

's Rickele von Munterkingen

Ein philologisches Idyll

#Dr.# Conrad Schwälble, ein schwäbischer Privatgelehrter, der von der

Theologie hergekommen -- denn damals war jeder gebildete Württemberger

Theologe oder Theologe wenigstens gewesen -- hatte von einer Stuttgarter

Verlagsbuchhandlung die Aufgabe übernommen, den Text von Schillers

Werken zu säubern, in sorgsamer Abwägung des Wertes der verschiedenen

Lesarten eine sogenannte kritische Ausgabe herzustellen. Zu diesem

Behufe hatte er in dem benachbarten Cannstatt eine kleine, stille

Wohnung gemietet, die nahe unter dem Dache lag und nur mit einem schräg

angebrachten Guckfenster auf den vorüberfließenden Neckar hinaussah.

Überdies hatte er sich sein Bäschen Friederike, kurzweg 's Rickele

genannt, aus ihrem gemeinsamen Geburtsorte Munterkingen als Gehilfin

verschrieben, ein blühendes Mädchen von achtzehn Jahren, ganz in der

heimatlichen Mundart groß geworden, aber mit einem ausgesprochenen Sinn

für das Höhere und Edlere, wie es in den Büchern zu finden ist. Da sie,

frühzeitig verwaist, von jung auf das bittere Brot der Fremde

geschmeckt, folgte sie freudig dem Rufe des verwandten Mannes. Als sie

bei dem gelehrten Vetter einzog, brachte sie die volle ländliche

Atmosphäre mit sich, und sie selbst sah so dorfgeschichtlich aus, daß

Schwälble sie mit einigem Befremden willkommen hieß. Die

hinaufgestrichenen Haare krönte ein steiles, spitzes Häubchen, von

welchem lange breite Bänder, schwarz und an den Rändern ausgezackt, über

den ganzen Rücken bis an die Gangadern herabflossen, den anmutigen Busen

hielt ein verschnürtes Mieder mit weißen Spitzen, und der Rock war so

kurz bemessen, daß er die Knöchel sehen ließ. Jeder andere, als

Schwälble, wäre von dieser freundlichen Mädchenerscheinung gerührt

gewesen; da er sich aber selbst aus bäuerlichen Verhältnissen

herausgearbeitet, wollte er an das »Kafferntum«, wie er sich studentisch

ausdrückte, nicht gern erinnert sein. Als er daher sein Bäschen zu ihrem

künftigen Berufe, der darin bestand, ihm bei der Herstellung kritischer

Texte behilflich zu sein, vorbereitete, legte er ihr den Wunsch nahe,

sie in städtischer Tracht um sich zu sehen, die sich nicht nur für

Cannstatt, sondern auch für Schiller besser schicke. »Du mußt auch die

Toilette deiner höheren Aufgabe tragen!« rief der Philolog aus, um den

Ehrgeiz des Mädchens zu stacheln. Wie nun das andere Geschlecht die

Veränderung und die Maskerade liebt, war Friederike nicht besonders

schwer zu bewegen, ihre bisherige Hülle abzustreifen und moderne

Kleidung anzulegen, in die sie -- von einer gewissen steifen Grazie

abgesehen -- rascher, als man hätte glauben sollen, hineinwuchs; doch in

bezug auf das, was er ihre künftige Aufgabe nannte, stieß er auf einigen

Widerstand von ihrer Seite. Ihre literarische Kunde beschränkte sich

auf Bibel, Gesangbuch und auf die Gedichte und Schauspiele Schillers,

die sie jahrelang mit steigender Begeisterung gelesen hatte, wenn sie,

in fremdem Dienste, unartige oder kranke Kinder auf ihren Armen

beruhigte oder einschläferte. Nun konnte sie mit ihrem Enthusiasmus, der

ins Große und Ganze ging, die scheinbar kleinlichen Bemühungen ihres

Vetters nicht vereinigen, die darauf hinausliefen, jedes einzelne Wort

Schillers, das je geschrieben oder gedruckt worden, aufs Korn zu nehmen

und auf seine Richtigkeit zu prüfen. Schreibfehler, Druckfehler -- welche

Kleinigkeit einem Genie gegenüber, das uns ja gerade über alle Grenzen

des Verstandes hinausreißt! Schon einmal sei man bestrebt gewesen, ihr

den Schiller zu verleiden. Sie habe sich aus seinen Dichtungen ein

persönliches Bild von ihm gemacht, so schön, so glänzend, wie das keines

andern Mannes. Nun habe ihr eines Tages der Barbier von Munterkingen,

als er einem ihrer Pfleglinge Blutegel setzte, mit einer gewissen

boshaften Beflissenheit mitgeteilt, daß Schiller ein langer,

unbeholfener Mensch mit schlottrigen Knien gewesen, daß er rotes Haar,

Sommersprossen, entzündliche Augen gehabt und daß er leidenschaftlich

Tabak geschnupft habe. »Himmel und Erde,« habe ich ausgerufen, »das ist

nicht wahr, und hab' es auch nie wahr sein lassen. _Meinen_ Schiller

trägt der italienische Figurenmann auf dem Kopfe herum, _mein_ Schiller

steht auf dem Alten Schloßplatze in Stuttgart, gar net davon zu reden,

wie fescht er steht in meinem Innerschten. Ich brauch' keinen Schiller

für Bartputzer und Knochenhauer!...« So konnte Friederike, als die echte

Landsmännin des jugendlichen Schiller, zum Verdrusse und Schrecken ihres

Vetters blitzen und wettern. Man kann sich denken, wie sie sich als arme

Sünderin und verdammte Seele fühlte, wenn Schwälble aus einem

Manuskripte oder einer ersten Ausgabe Schillers vorlas und sie, ihm

gegenüber in einer andern Ausgabe nachlesend, von allen Unterschieden

der Interpunktion und Schreibung Rechenschaft geben mußte. Sie hieß

dieses Geschäft zum größten Ärger ihres Vetters »die Purpurgewänder

Schillers auftrennen«. »Was Ypsilon oder I,« konnte sie dann erzürnt

ausrufen, »was Strichpunkt oder Doppelpunkt -- der Dichter bleibt der

Dichter, und ein verdächtiges Wort -- verschrieben oder verdruckt -- macht

uns selbst zum Dichter! Wenn ich einmal verheiratet bin, schaffe ich mir

einen Reutlinger Nachdruck Schillers an, und ich freue mich schon im

voraus, wie ich mich an diesem saftigen Unkraut erholen werde ...«

Solchen leidenschaftlichen Ausbrüchen gegenüber, denen er freilich, ganz

im Hintergrunde seines Wesens, eine gewisse Berechtigung nicht

absprechen konnte, ließ sich Schwälble mit Salbung über die Würde des

Textkritikers aus, und gerne bezeichnete er mit den Worten des größten

deutschen Meisters dieser Wissenschaft und Kunst als die Aufgabe der

philologischen Kritik: »den Schriftsteller selbst sich so ähnlich als

möglich zu machen«. Dergleichen Worte glitten an dem Bäschen spurlos ab,

der er ins Gesicht sagte, daß sie keinen Wahrheitssinn habe. Das ließ

sie einfach auf sich beruhen, doch brachten es Zeit und Gewohnheit mit

sich, daß sie sich mit ihrer Beschäftigung aussöhnte und sie mit nicht

mehr Aufwand von Gedanken betrieb, als Nähen und Stricken. Auch sprach

sie von beendigten Bänden als von fertig gestrickten Strümpfen.

Heilige Zeiten Weihnachtsblätter · 第 1 / 7 段