Dem Peter wurde zugetrunken: »Prost, dat Zeih soll läwen!«

Mit verdrossnem Gesicht stand er hinter der Stubenthür und folgte ihr

mit den Augen. Er tanzte nicht mehr; als ein besonders helles Lachen

die Musik überschrillte, hatte er mit einer heftigen Bewegung plötzlich

seine Tänzerin stehen lassen, die er vorher, trotz seines lahmen

Beines, mit viel Gewandtheit geschwenkt.

Die Männer tanzten mit der Cigarre im Mund, über die Schulter der

Tänzerin paffend; durch den undurchdringlichen Qualm bohrte Peter die

Blicke -- wo war sie? Mit wem tanzte sie?

Gerade jetzt schwenkte sie der Bursche, auf dessen Wange sie vorhin

ihre fünf Finger abgedrückt; es schien dem Peter, als schmiege sie sich

besonders fest an den, als flüstre der ihr was Verliebtes in's Ohr.

Mit einem Satz stürzte er sich auf das Paar; rechts, links im Gewühl

Püffe austeilend. Nun hatte er sie erreicht. »Gief Obacht, Zeih,« sagte

er, halb bittend, halb grollend, »danz net e su vill, ons Josefche

schreit sons de ganz Naacht!«

»Laoß hän schreien,« lachte sie und tanzte weiter. Sie hatte seiner

nicht Acht.

Verzweifelt ging er vor's Haus, er konnte das da drinnen nicht mehr mit

ansehen.

Auf dem Prellstein an der Ecke saß ein altes Weib mit einem fest

eingewickelten Kind auf dem Schoß.

»Kömmt se noch net?« kreischte sie Miffert entgegen. »Dat Könd gitt

schuns ganz blao[18] für Schreien!«

Er beugte sich über das quiekende Bündel. Die Augen hatte das

Sechswochen-Kind geschlossen, aber das Mäulchen stand durstig offen,

immer jammerndere Laute drangen daraus hervor.

Finster sah der Vater auf das verquollne Gesichtchen; langsam, in

Gedanken, ging er dann zur Wirtshausthür zurück. Er schickte einen

Knaben hinein. »Saog dem Lucia Miffert, et soll ehs erauskommen.

Äwer saog net, wän naoch er schickt,« schärfte er ihm ein. »Saog: et

pressiert!«

Sie kam, die Wangen heiß gerötet, schnell atmend, mit wogender Brust

und geöffneten Lippen. Neugierig spähte sie aus.

»Dau --?! Wat willste?« fragte sie verwundert ihren Mann.

»Ons Josefche,« sagte er nur vorwurfsvoll und wies mit dem Daumen nach

der Ecke hinüber. Klägliches Schreien kam von dort her.

»Jesses, ons Josefche! Dän hatt ech ganz vergäß! Mein arm Josefche!«

Frau Lucia riß der alten Frau das Bündel vom Schoß, wiegte es tänzelnd

hin und her, setzte sich dann auf den Prellstein, knöpfte ihre Taille

auf und legte das Kind an die volle Brust.

Das hungrige Josefchen war still; sie selbst lehnte den Kopf hintenüber

an die Hauswand. Mit geblähten Nasenflügeln, schwer atmend, die Lider

halb geschlossen, lauschte sie mit verzücktem Lächeln nach der Musik im

Tanzsaal.

Es war noch nicht dunkel genug, Peter sah die weiße Haut schimmern, die

so weich und sammetig war, wie das Fell einer jungen Katze.

Das Weiberdorf · 第 13 / 49 题