Die Männer von Eifelschmitt hatten nie viel Zeit; rasch wurde geliebt,
rasch wurde gefreit. Zweimal im Jahr -- im Winter zu Weihnachten, im
Sommer zu Peter und Paul -- kamen sie heim in's enge Salmthal. Sie
konnten da nicht ihren Lebensunterhalt verdienen; der Erwerb ist knapp
in der Eifel, karg hängen die Äckerchen an den Bergen, lang sind die
Winter, kurz die Sommer.
Es war kurz nach dem deutsch-französischen Kriege. Das Aufblühen der
rheinischen Eisenindustrie machte das Heranziehen vieler Arbeitskräfte
notwendig.
So hatte ein Agent irgend einen Eifelschmitter hinausgelockt, der kam
zu Besuch heim, Geld in der Tasche; nun zogen die anderen hinter ihm
drein, wie die Schafe hinter'm Leithammel. Vater, Sohn, Gatte, Bruder,
alles wanderte aus nach Westfalen und tief in's Rheinland, wo auf der
meilenweiten Ebene düstre Fabrikstädte sich zusammendrängen und mit
ihrem nie stockenden schwarzen Atem aus Riesenschornsteinen den Himmel
anfauchen. Die Luft ist dick vom Kohlenstaub, die reinen Wolken selbst
sind angegraut; ewiger Rauch, Geprassel, Gerassel, Gekeuch, Geächz,
Gestampf, Sausen von Rädern, Schnauben von Maschinen, Pfeifen von
Lokomobilen, Pusten und Stöhnen von Dampfkesseln. Kein Rasten, kein
Ruhen. Zur Nachtzeit bricht lodernde Glut aus Riesenbauten, an den Öfen
stehen Männer, nackt bis zum Gürtel, heiß und berußt wie Teufel, die
Höllenfeuer schüren. Schweißtropfen rinnen, Funken sprühen.
Hier konnte man die Eifelsöhne finden: umglüht von Flammen, eingeengt
von Mauern, sehnsüchtig des Heimathimmels gedenkend, der sich rein und
kühl über den Eifelkuppen wölbt; unter dem die wohnen, die ihnen das
Leben gegeben; die auf sie warten, denen sie die Ehe versprochen, oder
die sie schon gefreit haben; wo die Kinder nach den Vätern verlangen.