Meine und deine Schwester Seraphine! -- Georg, Betty, Seraphine -- wir
alle ein Bund -- eine Familie! -- Adelaide! -- Sieh herab und lispele
dein heiliges Amen! -- Signora Prospero, Sie verloren Ihren Gatten --
lassen Sie uns ihre Kinder seyn!
Adelaidens freundlicher Segen mußte über der Gruppe geschwebt haben.
-- Unvergeßlich war ihnen der verklärte Engel, aber die hoffnungslose
Trauer gieng bald in sanfte dankbare Erinnerung über. Zynthio Camillo
erfüllte, was er der Verewigten gelobte; er machte Betty glücklich,
und ward es mit ihr als Gatte und Vater. -- Georg, der in Seraphinen
Adelaidens Ebenbild verehrte, freuete sich -- da zu dieser Verehrung
sich bald die zärtlichste Liebe gesellte -- der Großmuth seiner
Wohlthäterin, kaufte sich im Canton Zürich sehr vorteilhaft an, und
Zynthio umarmte nun den Freund auch als den liebenden und geliebten
Gatten seiner Schwester.
* * * * *
Der Erbprinz söhnte seinen Vater, durch die Vermählung mit der ihm
bestimmten Prinzessin, mit sich aus. Ob er glücklich ward? -- Er
bestieg zu bald nach dem prunkenden Beilager den Thron -- ernste
Geschäfte, Regierungssorgen, ließen ihm selbst kaum so viel Muße, sich
diese Frage aufzuwerfen -- deren Beantwortung, wie man erlauscht haben
will, sich dann gemeiniglich in einen schweren Seufzer aufzulösen
pflegte.
Julius Graf von Hochburg wurde, auf Mathildens Verwendung, Kammerherr.
Die Bundesgenossen recapitulirten ihre melancholischen Gefühle in den
Stunden der Weihe, deren Losungswort: Adelaide! war. -- Das Frühjahr
kam, mit ihm die Gelegenheit zu romantischer Feier des Bundes der
Trauer. -- Ein Zypressenhayn, das Flöten klagender Nachtigallen, nährte
die Seelenkrankheit der Geweihten bis zur Unheilbarkeit. -- Ja, müßige
Höflinge wollten sogar bemerkt haben, daß sich noch ein neues Uebel
dazu geschlagen.
Der junge Großherzog, welcher viel heißes Blut: aber nicht die
geringste Anlage zu dergleichen mystischen Gefühlen besaß, und dessen
Ansprüche auf Mathildens Hand ihn, nach seiner Meinung vollkommen
berechtigte, die Genesung der Prinzessin ernstlich zu wünschen, war mit
den Symptomen der vermehrten Krankheit höchst unzufrieden. -- -- Eine
Jagd ward veranstaltet: Graf Hochburg, sonst kein leidenschaftlicher
Jäger, wollte heut in Verfolgung eines Hirsches den Preis gewinnen, um
damit diesen Abend von seiner erhabenen Bundesgenossin im Zypressenhayn
bekränzt zu werden. Er sprengte dem Verfolgten in das Dickicht des
Waldes nach -- ein Schuß fiel -- der vielleicht dem Wilde galt -- und
Julius sank blutend vom Pferde.
Mathildens Verzweiflung war keiner Verstellung fähig; -- Argwohn
bemächtigte sich ihre Herzens -- mit Abscheu stieß sie den
Durchlauchtigen Bewerber von sich -- die blutige Locke des Gemordeten
trug sie an Arm und Busen. -- Das erregte Aufsehn beunruhigte den Hof
-- ein fürstliches Stift nahm die Unglückliche auf, und entzog sie den
Augen der boshaft richtenden Welt.
Ein schmerzliches Ach! -- entwand sich Adelaidens nicht mehr athmender
Brust -- als jener mit Blut geweihte Bund über ihrem Sarge geschlossen
wurde! -- Nur zu bedeutend war dieses ominöse Zeichen!