Die Aerzte geben Hoffnung --

Fromme und böse Wünsche stimmen darüber überein, daß sie nicht

vereitelt werden mögte!

Wie? den Bösen könnte es -- meine ich unmaaßgeblich -- wohl schwerlich

Ernst seyn! --

Doch, doch! Herr Oberjägermeister! -- der Fromme wünscht um des Guten

selbst willen, daß ein edler Fürst der Menschheit noch erhalten werde

-- -- doch zur Tagesordnung. --

Zu lieblich tönt die Suada der Weisheit von den Lippen eines solchen

Thronfolgers! -- Und der Gegensatz, mein gnädigster Prinz? -- Die

Bösen? -- geruhen Sie erst huldreichst! Die Bösen? -- --

Haben sich heuchelnd um den Stamm, der über ihren Schurkensinn

erhabenen, und deswegen ihn nicht ahndenden Eiche zu schmiegen

verstanden -- Gewohnheit lehrte sie die armen Schächer ertragen,

Großmuth, kleine Dienste für Opfer zu halten; Eigenliebe, von der der

größte Mensch nicht gänzlich frei ist, seine Schmeichelei unter dem

Anstrich treuherziger Gutmüthigkeit für -- den guten Fürsten gewidmete

Ergebenheit des Biedermanns zu nehmen, und -- fürstlich zu belohnen! --

Was giebt’s?

Der Halbzirkel theilte sich in zwei Reihen; im lieblichen Schimmer wie

Diana, wenn sie als Anführerin der Musen und Grazien nach Delphi zu dem

Sitz ihres Bruders eilte, und den goldnen Bogen nur als Attribut ihrer

Herrschaft über die Thiere des Waldes spielend mit sich führt, schwebte

jetzt Prinzessin Mathilde herein. Einfach, aber reizend geschmückt,

drohte die schöne Jägerin nicht sowohl dem vierfüßigen Wilde, als den

Herzen ihres Gefolges mit einer starken Niederlage. -- Morgenroth

glühte auf ihren Wangen, außerordentliche Lebhaftigkeit erhöheten

den Glanz der dunkelblauen Augen, und -- indem sie die blonden Locken

mit schneller Bewegung der Despotie des plümirten Kastors entledigte,

rollten diese auf den Brabanter Geweben, durch welche der Schwanenbusen

sein stürmisches Wogen verrieth, und auf dem dunkelgrünen Reitkleide

sich zu Fesseln für jeden kühnen Spötter der Liebe; denn er sah

Mathilden jetzt in ihrer verführerischen Liebenswürdigkeit und --

spottete nicht mehr.

Mit der Würde eines sechzehnjährigen Martissohnes, schwang sie den

Hut, daß die blendende Esprit einen Luftzug verursachte. Guten Morgen,

meine Herren und wackern Jagdgesellen! sagte sie launig, und schlüpfte

durch die bis zur Erde gebückten, und lüstern in die Höhe nach ihr

blinzelnden Reihen der Höflinge. -- Guten Morgen, mein Louis! lispelte

sie an der Brust ihrer Bruders.

So früh entzogst du dich wirklich schon den Armen des Schlafes, und den

geschäftigen Händen der Zofen? -- bewillkommte liebkosend der Prinz

die holde Schwester, und tändelte mit der neidischen Locke, die den

Schnee der sanftgewölbten Stirn umschattete.

„Ich habe wenig oder gar nicht geschlafen!“

Was hielt dich wach?

„Staatsgeschäfte meines Boudoirs, Korrespondenzen. Du weißt, mein

bester Sekretair bin ich selbst.“

Depeschen der Großherzogin?

„Herzensergießungen nach Wallersee.“

Dann mißbrauchst du dein Herz.

„Nein, Louis! nein. -- Mit deiner Erlaubniß, ~mon frère~! -- Meine

Herren, wir folgen Ihnen sogleich.“

Die überflüßigen Zuhörer entfernten sich.

„Ich bitte dich, sey nicht ungerecht!“ flehte Mathilde.

Hat Kamillo der Gebrechlichkeit des Weibersinns abermals einen Nimbus

zu geben gewußt? Denn die gepriesene Heldin Adelaide wäre doch wohl zu

stolz, sich rechtfertigen zu wollen?

Adelaide: Wahrscheinlich nur ein Roman · 第 28 / 41 题