Die Begegnung im Busch

Um mich ein wenig wieder in dieser Welt zurechtzufinden, mein Hirn ein

wenig zu entlasten und meine Beine nicht steif werden zu lassen, machte

ich mich eines Morgens auf den Weg, um eine lange Wanderung durch den

Busch zu unternehmen.

In weiter Tiefe des Busches, in einer Umgebung, die wegen der Entfernung

von jeglicher menschlichen Behausung und wegen der Abgelegenheit selbst

von den primitiven Buschpfaden beklemmend unheimlich wirkte, traf ich

einen Indianer an, der dort Holzkohle brannte. Ich würde nie an jene

Stelle gekommen sein, wenn ich nicht Rauch hätte aufsteigen sehen,

dessen Ursache ich finden wollte.

Es war gewiß ein hartes Leben, das dieser Mann führte. Wochenlang in der

Tiefe des Busches lebend, ganz allein, unzähligen Gefahren, an denen der

tropische Busch so reich ist, ausgesetzt, um einige Ladungen Holzkohle

abliefern zu können, die er auf seinem Esel zu den weitverstreuten

Siedelungen schleppte, um einen lächerlich kleinen Geldbetrag dafür zu

erhalten.

Der Indianer saß vor dem rauchenden Erdhügel und starrte bewegungslos

den ruhig aufsteigenden Rauchfähnchen nach. Er war ein schmächtiger

Mann, dem man aber achtunggebietende Kräfte zugestehen durfte; denn die

Ebenholzbäume zu fällen und sie für den Verkohlungshügel zuzuhacken,

verlangt alles an Kraft, was ein Mensch hergeben kann, und diese harte

Arbeit in tropischer Sonnenglut zu verrichten, setzt eine Zähigkeit des

Körpers voraus, die eine schwächliche oder untergehende Rasse nicht

aufbringen kann. Was mir an diesem Manne eigentümlicherweise sofort

auffiel, waren der merkwürdig traurige Ausdruck seiner Augen und die

feine Gliederung seiner schönen schmalen Hände, deren rassiger Bau so

ehern unverwüstlich war, daß die harte Arbeit des Holzfällens ihre edle

Form nicht beeinflussen konnte. Er trug einen dünnen Schnurrbart und am

Kinn dünne Flusen, die er wahrscheinlich für einen Vollbart hielt. Ich

setzte mich zu ihm nieder, gab ihm Tabak, und wir kamen nach und nach

ins Erzählen.

„Sie haben richtig geraten, Senjor, meine Vorfahren sind einst stolze

Fürsten unter den Panukesen gewesen, angesehen weit über die Grenzen der

benachbarten Stämme hinaus. Der letzte jener Tapferen wurde von den

Spaniern gehenkt wegen Rebellion gegen die Fremdherrschaft. Wäre es

seiner Frau und seinen Kindern nicht rechtzeitig geglückt, in die Berge

zu flüchten, wohin zu folgen die Spanier sich fürchteten, säße ich nicht

hier. Das war in jener Woche, in der die Spanier ein Blutbad unter

meinem Volke mit dem Hängen von fünfhundert Häuptlingen, unter denen

mein Vorfahr sich befand, würdig feierten.“

„Glauben Sie, daß dieses Land jemals wieder zu solcher Macht gelangen

wird wie damals, ehe die Spanier kamen?“

„Das Gehen unseres Volkes ist langsam. Wir haben Zeit. Die weißen Männer

haben keine Zeit. Aber können Sie nicht hören, Senjor, wie alle

nichtweißen Völker der Erde ihre Glieder regen und strecken, daß man das

Knacken der Gelenke über die ganze Welt vernehmen kann?“

Der Busch · 第 31 / 42 题