„Was hast du? Was ist dir geschehen?“ fragte Ordynoff, plötzlich
erwacht, sie immer noch in starker und heißer Umarmung an sich pressend.
„Was fehlt dir, Katherina? Was ist dir zugestoßen, mein Lieb?“
Sie weinte leise und verbarg ihr glühendes Gesicht an seiner Brust.
Lange Zeit vermochte sie nichts zu sprechen. Ihr ganzer Körper zitterte,
wie nach einem großen Schreck.
„Ich weiß nicht, ich weiß es nicht,“ brachte sie endlich kaum vernehmbar
hervor, als stehe ihr das Herz still vor Angst, „ich weiß auch nicht,
wie ich zu dir gekommen bin ...“ Und sie schmiegte sich noch fester an
ihn, und in einem unbezwingbaren, krankhaften Gefühl küßte sie seine
Schulter, seinen Arm, seine Brust. Endlich, wie in Verzweiflung, preßte
sie die Hände vor das Gesicht und sank in die Kniee. Als aber Ordynoff
sie in einem unsagbaren Gefühl von Beklemmung emporhob und sie neben
sich niedersetzen ließ, da errötete sie heiß vor Scham und ihre Augen
baten wie um Gnade, und das Lächeln, das sie auf ihre Lippen zwang,
verriet, daß sie kaum zu versuchen wagte, die unbezwingbare Macht der
neuen Empfindung zu brechen, denn der Versuch wäre ja doch fruchtlos
gewesen. Plötzlich schien wieder etwas sie zu erschrecken: mißtrauisch
schob sie ihn mit der Hand zurück, sah ihn kaum mehr an und antwortete
gesenkten Blickes nur angstvoll und leise auf seine sich überstürzenden
Fragen. –
„Hat dich vielleicht ein böser Traum geängstigt? Oder ist dir sonst
etwas Böses zugestoßen? Sag doch! Oder hat er dich erschreckt? ... Er
fiebert und phantasiert ... Vielleicht hat er im Fieber etwas
gesprochen, was du nicht hättest hören sollen? ... Du hast etwas
Furchtbares gehört? Ja? Oder war es nur ein Traum?“
„Nein ... ich schlief ja gar nicht,“ antwortete Katherina, mit Mühe ihre
Aufregung niederringend. „Ich fand keinen Schlaf. Er aber schwieg, nur
einmal rief er mich. Ich trat an sein Bett, sprach zu ihm, rief ihn –
ich ängstigte mich so! – aber er hörte mich nicht und wachte nicht auf.
Er ist sehr schwer krank, möge der liebe Gott ihm helfen! Da senkte sich
wieder der Gram in mein Herz, bitterer Gram, und ich betete, betete! Und
da, sieh, da kam das über mich ...“
„Beruhige dich, Katherina, sei ruhig, mein Lieb, sei ruhig! Wir haben
dich gestern erschreckt ...“
„Nein, ich erschrak ja gar nicht!“ ...
„Was ist es denn? Ist dir denn das auch früher schon geschehen?“
„Ja, auch früher schon!“ Und sie erbebte und schmiegte sich wieder wie
ein geängstigtes Kind an ihn. „Sieh, ich bin doch nicht umsonst zu dir
gekommen,“ sagte sie, ihr Weinen unterbrechend, und dankbar drückte sie
ihm die Hände, „und nicht umsonst wurde es mir so schwer, allein zu
sein! Also nicht mehr weinen, weine auch du nicht, wozu solltest du um
fremdes Leid Tränen vergießen! Spare sie für trübe Tage, wenn es dir in
der Einsamkeit schwer wird und du keinen Menschen bei dir hast! ...
Höre, hattest du eine Geliebte?“
„Nein ... vor dir – keine ...“
„Vor mir? ... Du nennst mich deine Geliebte?“
Sie sah ihn plötzlich mit Verwunderung an, wollte etwas sagen, schwieg
aber und senkte den Blick. Leise stieg ihr die Röte ins Gesicht, das
plötzlich wie in Flammenglut getaucht stand. Leuchtender, durch die
vergossenen Tränen glänzten ihre Augen und eine Frage schien auf ihren
Lippen zu schweben. Mit verschämter Schelmerei blickte sie ein-, zweimal
zu ihm auf, dann senkte sie plötzlich wieder den Kopf.
„Nein, ich kann nicht deine erste Liebe sein,“ sagte sie, und „nein,
nein,“ wiederholte sie nachdenklich mit leisem Kopfschütteln, und
allmählich erschien wieder ein stilles Lächeln auf ihren Lippen, „nein,
mein Lieber,“ fuhr sie fort, „ich werde nicht deine Geliebte sein!“
Und sie sah ihn an, aber da sprach plötzlich so viel Weh aus ihrem
Gesicht, eine so hoffnungslose Trauer, und so überraschend brach aus
ihrem Innersten Verzweiflung hervor, daß Ordynoff ein unbegreifliches
krankhaftes Gefühl des Mitleids mit ihrem ihm unbekannten Leid erfaßte:
und er sah sie an, wie einer, dessen Mitleid ihm selbst zur noch
größeren Qual wird.
„Höre, was ich dir sagen werde,“ sagte sie mit einer Stimme, die ihm ins
Herz schnitt, und sie nahm seine Hände und drückte sie, wie um
aufsteigende Tränen zu ersticken. „Höre mich an, Lieber, und vergiß es
nicht, was ich dir sage: bezähme du dein Herz und liebe mich nicht so,
wie du mich jetzt liebst. Es wird dir dann leichter sein, du wirst dich
vor einem argen Feinde bewahren und eine liebe Schwester gewinnen. Ich
werde zu dir kommen, wenn du willst, werde dich liebkosen und es mir
doch nicht zur Schande werden lassen, daß ich dich kennen gelernt habe.
War ich doch auch Tag und Nacht bei dir, als du das böse Fieber hattest!
Nimm mich als Schwester! Wir sind doch nicht umsonst einander gut und
nicht umsonst hab’ ich unter Tränen für dich zur Gottesmutter gebetet!
Eine andere wirst du nicht finden. Suche auf dem ganzen Erdenrund,
durchsuche den Himmel – nein, glaube mir, du wirst keine zweite finden,
die dir eine solche Geliebte sein wird, wie ich, wenn es Liebe ist, um
was dein Herz bittet. Oh, glühend werde ich dich lieben, werde dich ewig
so lieben wie jetzt, und werde dich deshalb lieben, weil deine Seele so
rein ist, so hell, so ... so durchsichtig! – ich werde dich lieben, weil
ich, als ich dich zum ersten Male sah, sogleich fühlte, daß du meines
Hauses Gast bist, ein erwünschter, ein ersehnter Gast, und uns nicht
ohne Grund um Aufnahme batest. Ich werde dich lieben, weil deine Augen
lieben, wenn du einen ansiehst, und von deinem Herzen künden. Und wenn
sie etwas sagen, dann weiß ich gleich alles, was in dir ist, und dafür
möchte man dann das Leben hingeben, um dieser deiner Liebe willen,
möchte alle Freiheit dem eigenen Willen nehmen, denn es ist süß,
desjenigen Sklavin zu sein, dessen Herz man gefunden hat ... Aber _mein_
Leben, das gehört ja nicht mir, das ist schon fremdes Eigentum, und der
Wille ist gebunden! Doch die Schwester nimm und sei mir ein Bruder und
hilf mir mit deinem Herzen, wenn wieder das Schlimme mich anficht. Nur
sorge du selbst, daß ich mich nicht zu schämen brauche, zu dir zu kommen
und die lange Nacht wie jetzt bei dir zu bleiben. Hörst du mich? Hat
auch dein Herz es gehört? Hast du auch alles verstanden, was ich dir
sagte? ...“ Sie wollte noch etwas hinzufügen, sah zu ihm auf und legte
die Hand auf seine Schulter, doch da war es, als verließe sie alle
Kraft, aufschluchzend sank sie an seine Brust und in einem Weinkrampf
tobte ihre Leidenschaft sich aus. Ihre Brust wogte, ihr Gesicht brannte
wie in Glut.
„Mein Leben!“ stammelte Ordynoff, dem die Erregung die Augen umflorte
und den Atem benahm. „Meine Wonne ... du!“ flüsterte er, ohne zu wissen,
was er sagte, ohne die Worte, ohne sich selbst zu begreifen, zitternd
vor Furcht, mit einem Hauch den ganzen Zauber zu zerstören, den ganzen
Sinnenrausch, und damit alles, was mit ihm geschah und um ihn war und
was er eher für Unwirklichkeit als für Wirklichkeit hielt: so entrückt
fühlte er sich! „Ich weiß nicht, ich verstehe dich nicht, ich habe
vergessen, was du mir sagtest, alle Vernunft ist in mir erloschen – nur
das Herz fühle ich ... meine Königin du!“ ...
Seine Stimme versagte vor Aufregung. Sie schmiegte sich immer fester,
immer wärmer, glühender an ihn. Da erhob er sich taumelnd und, unfähig,
sich noch länger zu bezwingen, wie entkräftet vor Seligkeit, sank er in
die Knie vor ihr. Eine Erschütterung wie ein Schluchzen brach endlich
schmerzhaft aus seiner Brust hervor und durchrieselte seinen ganzen
Körper – und von der Fülle der noch nie empfundenen Verzückung bebte
seine Stimme, die tief aus seinem Innersten hervordrang, wie der Ton
einer Saite, die man in Schwingung gebracht.
„Wer bist du, wer warst du? Woher kommst du? Aus welchem Himmel bist du
zu mir herabgestiegen? Es ist ja alles wie ein Traum, ich kann noch
nicht glauben, daß du wirklich bist! Schilt mich nicht ... laß mich
sprechen, laß mich alles dir sagen, alles! ... Ich habe schon lange
einmal sprechen wollen ... wer bist du, meine Freude, sag? Wie hast du
mein Herz gefunden? Erzähle mir, bist du schon lange meine Schwester?
... Wo warst du bisher, erzähl mir von dir, – erzähl mir, wo hast du
früher gelebt, was hast du dort geliebt? Erzähle mir alles, ich will
alles von dir wissen! Wo ist deine Heimat? Ist der Himmel dort wie bei
uns? Wer war dir dort nahe, wer hat dich vor mir geliebt? Zu wem hat
dich zuerst dein Herz gedrängt? ... Hast du deine Mutter gekannt und hat
sie dich als Kind geliebkost und gepflegt oder bist du wie ich unter
Fremden aufgewachsen? Sage mir, bist du immer so gewesen? Erzähl mir von
deinen Träumen und Wünschen und was von ihnen in Erfüllung gegangen ist
und was nicht – erzähle mir alles! ... Wer war der erste, den dein
Mädchenherz liebgewann und wofür hast du es ihm hingegeben? Sage mir,
was soll _ich_ dafür geben, was muß _ich_ dir geben ... für – dich?! ...
Sag mir, mein Lieb, meine Sonne, mein Schwesterchen, sag mir, womit kann
ich mir dein Herz verdienen?“
Seine Stimme versagte und er preßte den Kopf in ihren Schoß. Als er aber
aufblickte, überlief es ihn vor Schreck: Katherina saß totenblaß und
regungslos auf dem Bett, ihre Augen starrten mit leerem Blick über ihn
hinweg in die Luft, nur ihre Lippen zitterten in stummem, unsagbarem
Schmerz. Langsam erhob sie sich, wankte zwei Schritte vom Bett und fiel
vor dem alten Heiligenbilde nieder ... sinnlose, unverständliche Worte
entrangen sich stoßweise ihrer Brust. Sie schien ohnmächtig zu werden.
Ordynoff hob sie auf, trug sie auf sein Bett und stand in atemloser
Angst über sie gebeugt. Nach einer Weile schlug sie die Augen auf,
bewegte sich, wie um sich auf den Ellbogen zu stützen, sah sich mit
irrem Blick im Zimmer um, sah zu ihm auf und tastete nach seiner Hand.
Sie zog ihn näher zu sich, ihre Lippen bewegten sich, als wollte sie
etwas sagen, aber sie konnte nichts hervorbringen. Endlich brach sie in
einen Strom von Tränen aus.
Sie stammelte ein paar Worte, aber das Schluchzen zerriß dieselben und
erstickte ihre Stimme. Als sie dann wieder den Kopf hob, sah sie mit
solch einer Verzweiflung Ordynoff an, daß er, der sie nicht verstand,
sich näher über sie beugte, um keinen Laut aus ihrem Munde zu verlieren.
Endlich hörte er sie deutlich flüstern:
„Ich bin verdorben, man hat mich verdorben, ich bin verloren!“
Ordynoff erhob jäh den Kopf und sah sie voll Bestürzung an. Ein
gemeiner, scheußlicher Gedanke durchzuckte ihn. Und Katherina sah dieses
plötzliche schmerzliche Zusammenzucken seines Gesichtes.
„Ja! Verdorben!“ stieß sie hervor, „ein böser Mensch hat mich verführt,
– _er_, _er_ ist mein Verderber! ... Ich habe ihm meine Seele verkauft
... Warum, oh, warum hast du von der Mutter gesprochen! Wozu brauchtest
du mich daran zu erinnern: Gott möge dir ... möge dir verzeihen! ...“
Und sie weinte still vor sich hin. Ordynoffs Herz schlug so todesweh,
daß er vor Schmerz hätte aufschreien mögen.
„Er sagt,“ flüsterte sie geheimnisvoll, mit zurückgehaltenem Atem, „er
sagt, wenn er stirbt, wird er kommen und meine sündige Seele holen ...
Ich gehöre ihm, ich hab’ ihm meine sündige Seele verkauft ... Und jetzt
quält er mich und liest mir aus seinen Büchern vor ... Dort, sieh, das
ist sein Buch! Dort! Er sagt, ich habe eine Todsünde begangen ... Sieh,
da liegt sein Buch, sieh ...“
Und sie wies mit Grauen auf einen großen Band. Ordynoff hatte nicht
bemerkt, wie der in sein Zimmer geraten war. Er nahm ihn mechanisch – es
war eines von jenen mit reichem Bilderschmuck ausgestatteten Büchern der
Altgläubigen, wie er sie früher einmal gelegentlich gesehen hatte. Doch
war er unfähig, seine Aufmerksamkeit auf irgend etwas zu lenken.
Sacht umfing er sie und redete ihr beruhigend zu.
„Denk nicht daran, laß das jetzt ... Man hat dich geängstigt und
erschreckt ... ich bin ja bei dir ... Ruhe dich bei mir aus, mein Lieb,
mein Licht!“
„Du weißt noch nichts! nichts!“ Sie umklammerte wieder seine Hände. „Ich
bin ja immer so! ... Immer fürchte ich mich ... Aber du, nein, du quäle
mich nicht, quäle mich nicht! ...“
„Ich gehe dann zu ihm,“ fuhr sie nach einer Weile fort. „Manchmal
bespricht er mich einfach mit seinen eigenen Worten, ein anderes Mal
nimmt er sein Buch, das größte, und liest mir vor – liest so drohende
und strenge Worte! – ich weiß nicht, was es ist, und ich verstehe auch
nicht jedes Wort, aber mich überkommt dann solch eine Angst, und wenn
ich auf seine Stimme horche, ist es mir, als spräche das gar nicht er,
sondern ein anderer, kein guter, sondern einer, den nichts erweicht und
der so unerbittlich ist, daß es mir das Herz zermalmt und die Qual noch
größer wird, als zu Anfang mein Gram war!“
„Geh nicht mehr zu ihm! Warum gehst du zu ihm?“ sagte Ordynoff, ohne
sich dessen recht bewußt zu sein, was er sprach.
„Warum bin ich zu dir gekommen? Frag mich – ich weiß es nicht ... Er
aber sagt mir immer: bete, bete, bete! Zuweilen stehe ich in dunkler
Nacht auf und bete lange –, stundenlang. Oft übermannt mich der Schlaf,
aber die Angst weckt mich wieder, immer wieder, und dann kommt es mir
vor, daß ringsum ein dunkles Gewitter aufsteigt, daß mir Schlimmes
droht, daß die Bösen mich zu Tode quälen und zerreißen werden, daß ich
keines Menschen Hilfe zu erflehen vermag und mich niemand vor dem
Furchtbaren retten kann. Meine Seele will sich selbst verzehren, und es
ist, als wolle sich mein ganzer Körper in Tränen auflösen ... Dann fange
ich wieder an, zu beten, und bete und bete, bis die Gottesmutter
liebevoller auf mich herabschaut. Dann erst stehe ich auf und gehe
halbtot wieder zu Bett, manchmal aber schlafe ich auch so vor dem
Heiligenbilde kniend ein. Da kommt es denn vor, daß er erwacht und mich
ruft ... und dann liebkost und tröstet und beruhigt er mich ... und dann
wird mir wohl viel leichter. Ja, gleichviel was für ein Unglück auch
noch käme, bei ihm fürchte ich mich nicht mehr. Er ist mächtig! Groß ist
sein Wort!“
„Aber was, was ist denn dein Unglück?!“ ... fragte Ordynoff zitternd,
mit Verzweiflung im Herzen.
Katherina erbleichte. Sie sah ihn wie eine zum Tode Verurteilte an, der
man die letzte Hoffnung auf Gnade nimmt.
„Ich ... ich bin verflucht, ich bin eine Seelenmörderin, meine Mutter
hat mich verflucht! Ich habe meine eigene Mutter umgebracht!“ ...
Ordynoff umschlang sie wortlos. Bebend schmiegte sie sich an ihn. Er
fühlte, wie ein Zittern ihren Körper durchlief, als wolle sich ihre
Seele diesem Körper entringen.
„Ich habe sie unter die feuchte Erde gebracht,“ sagte sie, ganz
beherrscht von der Erinnerung und ihrer Aufregung – und sie schien das
unwiderruflich Geschehene, unwiederbringlich Vergangene in diesen
Augenblicken noch einmal zu erleben. „Ich wollte es schon lange sagen,
aber er verbot es mir immer, bald mit Bitten, bald mit Vorwürfen und
zornigen Worten. Zuweilen freilich beginnt er selbst, mich daran zu
erinnern, als wäre er mein Feind und Widersacher. Mir aber kommt alles
das – so auch heute nacht – wie stets und immer gegenwärtig vor ...
Höre, höre mich! Das ist schon lange, sehr lange her, ich weiß nicht
einmal mehr, wann es war, und doch steht es vor mir, als wäre es gestern
gewesen, wie ein Traum der letzten Nacht, der bis zum Morgen mein Herz
bedrückt hat. Der Gram macht die Zeit noch einmal so lang. Setze dich,
setze dich hierher, ich werde dir mein ganzes Leid erzählen – verfluche
mich, die ich schon verflucht bin ... Ich will dir mein ganzes Leben
anvertrauen ...“
Ordynoff wollte sie aufhalten, wollte sie am Sprechen verhindern, doch
sie faltete die Hände, wie um ihn bei seiner Liebe anzuflehen, ihr doch
Gehör zu schenken, und dann fuhr sie in noch größerer Erregung fort.
Ihre Erzählung war wirr und sprunghaft, ihre Stimme verriet den Sturm,
der in ihrer Seele tobte, aber trotzdem verstand Ordynoff alles, denn
ihr Leben war für ihn zu seinem eigenen Leben geworden, ihr Leid auch
sein Leid. Er glaubte wieder seinen Feind vor sich zu sehen. Der Feind
wuchs vor ihm auf mit jedem ihrer Worte und ward immer greifbarer, und
es war ihm, als presse er mit ungeheurer Kraft sein Herz zusammen und
spotte obendrein mit höhnischen Schimpfworten seiner Wut. Sein Blut
begann zu sieden, drängte sich heiß in seine Gedanken und brachte sie in
Verwirrung. Da war es ihm denn, als stehe der boshafte Alte aus seinem
Traum plötzlich auf (Ordynoff war davon überzeugt) und stände leibhaftig
vor ihm.
„Es war eine Nacht wie heute,“ begann Katherina, „nur viel dunkler und
grausiger, und der Wind heulte durch unseren Wald, wie ich es noch nie
gehört hatte ... begann schon in jener Nacht mein Verderben? ... Die
Eiche vor unseren Fenstern brach. Ich weiß noch, der alte Bettler, der
immer zu uns kam – er war schon ein ganz, ganz alter Mann – erzählte,
daß er sich dieser Eiche noch aus seiner Kindheit erinnere: damals sei
sie schon ebenso groß gewesen, wie dann, als der Sturm sie brach. In
derselben Nacht – wie heute entsinne ich mich dessen noch! – wurden
Vaters Barken auf dem Fluß von diesem Sturm zertrümmert, und als die
Fischer zu uns gelaufen kamen – wir wohnten bei der Fabrik – da fuhr der
Vater gleich selbst zum Fluß, obschon er krank war. Wir blieben allein,
Mutter und ich. Wir saßen beide im Zimmer, ich schlummerte, Mutter aber
war so traurig und weinte still ... und ich wußte, warum sie weinte. Sie
war erst vor kurzem vom Krankenbett aufgestanden, war noch ganz blaß und
sagte mir immer, ich solle ihr das Totenhemd nähen ... Plötzlich, um
Mitternacht, höre ich: jemand klopft draußen an die Pforte. Ich sprang
auf, alles Blut strömte mir zum Herzen – die Mutter schrie auf vor
Schreck ... Ich sah nicht nach ihr hin, ich fürchtete mich, aber ich
nahm die Laterne und ging selbst hinaus, um zu öffnen ... Das war er!
Mir wurde bange, denn ich bangte mich immer, wenn er kam, und das schon
von Kindheit an, soweit meine Erinnerung zurückreicht, seitdem ich
überhaupt denken kann! Damals hatte er noch kein graues Haar: sein Bart
war dunkel und sein Blick brannte wie Feuer. Bis dahin hatte er mich
noch kein einziges Mal freundlich angesehen. Er fragte: ‚Ist die Mutter
zu Hause?‘ Ich schloß die Pforte und sagte, daß der Vater nicht zu Hause
sei. Er sagte darauf nur: ‚Ich weiß,‘ und plötzlich sah er mich an, so
an ... zum ersten Male sah er so auf mich. Ich wandte mich zum Gehen, er
aber stand immer noch. ‚Warum kommst du nicht herein?‘ – ‚Ich überlege,‘
sagte er. Langsam folgte er mir – als wir aber eintraten, fragte er
plötzlich leise: ‚Warum sagtest du mir, daß der Vater nicht zu Hause
sei, als ich nach deiner Mutter fragte?‘ Ich schwieg ... Die Mutter
erstarrte, als sie ihn sah – und wollte dann zu ihm stürzen ... Er aber
schenkte ihr kaum einen Blick – ich sah alles. Er war ganz naß und
durchfroren – woher er kam und wo er sich aufhielt, das haben Mutter und
ich nie gewußt. Damals hatten wir ihn schon ganze neun Wochen nicht
gesehen ... Die Mütze warf er nun auf den Tisch, die Fausthandschuhe
streifte er ab – neigte sich aber nicht vor den Heiligenbildern, bot
keinen Gruß der Hausfrau – sondern setzte sich ans Feuer ...“
Katherina stützte den Kopf in die Hand, als bedrücke und quäle sie
etwas, doch schon bald erhob sie ihn wieder und fuhr fort:
„Er fing an, mit der Mutter tatarisch zu sprechen. Ich verstand kein
Wort. Früher hatte man mich immer fortgeschickt, wenn er kam; damals
aber wagte die Mutter nicht, ihrem eigenen Kinde ein Wort zu sagen. Der
Böse kaufte meine Seele, ich aber sah die Mutter an, als wäre ich stolz
darauf. Ich merkte, daß sie von mir sprachen. Mutter begann zu weinen.
Ich sah, wie seine Hand wieder an seinen Dolch fuhr – in der letzten
Zeit hatte ich schon mehrmals seine Hand nach dem Dolch, den er vorn im
Gürtel trug, greifen sehen, wenn er mit der Mutter sprach. Ich stand auf
und griff nach seinem Gürtel, um ihm den Dolch zu entreißen. Er aber
knirschte vor Wut und wollte mich fortstoßen – stieß mich auch vor die
Brust, doch ich ließ nicht los. Ich dachte, jetzt sterbe ich auf der
Stelle; es wurde mir dunkel vor den Augen und ich brach lautlos
zusammen, aber ich schrie nicht auf. Und da sah ich, obschon mir fast
die Sinne schwanden, – wie er seinen Gürtel abnahm und den Ärmel an der
Hand aufstreifte, mit der er mich gestoßen, und den kaukasischen Dolch
aus der Scheide zog und ihn mir reichte: ‚Da, schneide sie ab, die Hand,
räche an ihr, was sie dir tat; ich aber, du Stolze, werde mich dafür
tief bis zur Erde vor dir verneigen.‘ Ich legte den Dolch beiseite. Mein
Herz begann dumpf zu schlagen, aber ich sah nicht nach ihm hin. Ich weiß
noch, ich lächelte, sagte aber kein Wort und sah nur der Mutter in die
traurigen Augen, und sah sie zornig an, während zugleich ein schlechtes
Lächeln auf meinen Lippen blieb. Und die Mutter saß ganz bleich und
totenstill ...“
Ordynoff lauschte mit unendlicher Spannung jedem Wort ihrer Erzählung.
Doch allmählich legte sich ihre Erregung und ihre Rede wurde ruhiger.
Die Erinnerung überwältigte das arme junge Weib und löste ihren Gram in
ein Gefühl auf, das weit hinaus über das ganze uferlose Meer ihrer Sinne
reichte.
„Er nahm die Mütze, ohne zu grüßen. Und ich nahm wieder die Laterne, um
ihn hinauszugeleiten, indem ich der Mutter zuvorkam, die, obwohl sie
noch krank war, doch aufstehen und ihm das Geleit geben wollte. Wir
kamen zur Pforte, ich öffnete sie ihm, verscheuchte die Hunde, schwieg
aber. Er blieb stehen und plötzlich nimmt er die Mütze ab und grüßt mich
mit einem Gruß bis zur Erde. Zugleich sehe ich, wie er die Hand in den
Mantel schiebt und aus der Brusttasche ein kleines, mit rotem
Saffianleder überzogenes Kästchen hervorholt und es öffnet. Ich sehe
hin: es sind echte Perlen. Sie sollten für mich sein. ‚Ich habe,‘ sagte
er, ‚im Städtchen eine Schöne, der wollte ich zum Gruß diese Perlen
bringen, doch nun habe ich sie nicht ihr gebracht: nimm sie, schönes
Mädchen, schmücke mit ihnen deine Schönheit oder zertritt sie mit dem
Fuß, wie du willst, aber nimm sie.‘ Ich nahm sie, aber zertreten wollte
ich sie nicht – das wäre zuviel Ehre gewesen. So nahm ich sie tückisch
und sagte kein Wort. Ich kehrte zurück in das Zimmer und legte sie vor
der Mutter auf den Tisch – dazu hatte ich sie genommen! Sie schwieg
lange Zeit und war wie ein Handtuch so bleich, und, es war, als hatte
sie Furcht, mit mir zu sprechen. ‚Was bedeutet das, Katjä?‘ fragte sie
endlich. Ich aber sagte: ‚Dir, Mutter, hat es der Kaufmann gebracht,
mehr weiß ich davon nicht.‘ Und ich sah, wie ihr die Tränen über die
Wangen herabrollten und wie das Atmen ihr schwer wurde. ‚Nicht mir,
böses Töchterchen, nicht mir!‘ Ich weiß noch, so weh sprach sie die
Worte, so weh, als sei ihre ganze Seele voll Tränen. Und ich sah auf –
ich wollte mich zu ihren Füßen niederwerfen, aber statt dessen sagte
ich, was mir der böse Geist plötzlich eingab: ‚Nun, wenn nicht dir, dann
wohl dem Vater. Wenn er zurückkehrt, werde ich sie ihm geben und ihm
sagen, daß Kaufleute hier waren und ihre Ware vergessen haben ...‘ Da
brach sie in Tränen aus und weinte bitterlich ... ‚Das werde ich selbst
tun, werde dem Vater sagen, was für Kaufleute hier waren und nach was
für einer Ware sie fragten ... Ich werde es ihm schon sagen, wessen
Tochter du bist, du Gottlose! Du bist nicht mehr meine Tochter, du bist
eine arglistige Schlange! Als mein Kind verfluche ich dich!‘ Ich schwieg
und keine Träne trat mir ins Auge ... Ach! es war alles wie erstorben in
mir ... Ich ging hinauf in mein Mädchenzimmer und die ganze Nacht
horchte ich auf den Sturm und zusammen mit dem Sturm, das fühlte ich,
immer lauschend, entstanden in mir meine Gedanken.
„Fünf Tage vergingen. Dann kehrte gegen Abend der Vater heim, düster und
böse, denn unterwegs hatte ihn die Krankheit noch mehr mitgenommen. Ich
sah, den einen Arm trug er in der Binde – da erriet ich, daß der Feind
seinen Weg gekreuzt hatte. Und der Feind hatte ihn krank gemacht. Und
ich wußte auch, wer sein Feind war: Ich wußte alles! ... Mit der Mutter
sprach er kein Wort, nach mir fragte er nicht, die Leute ließ er alle
zusammenrufen und befahl, die Fabrik stillstehen zu lassen und das Haus
vor Fremden zu hüten. Da ahnte mein Herz, daß in unserem Hause etwas
nicht gut war. So wachten wir denn. Die Nacht verging langsam, wieder
stürmte es draußen im Dunkeln und meine Seele wurde von Erregung
geschüttelt. Ich öffnete das Fenster – mein Gesicht glühte, meine Augen
weinten und mein Herz konnte keine Ruhe finden. Wie Feuer brannte es in
mir! So – hinaus hätte ich mögen, hinaus aus dem drückenden Zimmer, und
weit weg, bis ans Ende der Welt, wo die Blitze und Stürme entstehen, wo
das Unwetter geboren wird! Meine Mädchenbrust bebte und zitterte ...
plötzlich, es war schon spät – ich erwachte wie aus leichtem Schlummer
... oder hatte sich ein Nebel auf meine Seele gesenkt und mich verwirrt?
– plötzlich höre ich, wie ans Fenster gepocht wird: ‚Mach auf!‘ – und
ich sehe, ein Mensch ist an einem Strick heraufgeklettert. Ich ahnte
sogleich, wer der späte Gast war, öffnete das Fenster und ließ ihn in
mein einsames Zimmer. Das war _er_! Die Mütze nahm er nicht ab, setzte
sich auf die Truhe, und sein Atem ging keuchend, als sei eine Meute von
Verfolgern hinter ihm her gewesen. Ich stand und wußte, daß ich bleich
war. ‚Ist der Vater zu Hause?‘ fragte er. – ‚Ja.‘ – ‚Und die Mutter
auch?‘ – ‚Auch die Mutter,‘ sagte ich. ‚Dann sei jetzt ein Weilchen
still ... Hörst du nichts?‘ – ‚Ich höre.‘ – ‚Was?‘ – ‚Ein Pfeifen unter
dem Fenster!‘ – ‚Nun, willst du jetzt, schönes Mädchen, den Feind um
seinen Kopf bringen? Willst du den Vater rufen und mich dem Verderben
preisgeben? Deinem Mädchenwillen füge ich mich: was du willst, das
geschehe! Hier hast du einen Strick, binde mich, wenn dein Herz dir
befiehlt, für deine Mädchenehre einzustehen.‘ – Ich schwieg. – ‚Nun?
Sprich doch, meine Schöne!‘ – ‚Was willst du?‘ fragte ich. – ‚Was ich
will? Von meiner alten Liebe Abschied nehmen und einer neuen, einer
jungen Liebe – dir, mein schönes Mädchen, meine Seele verpfänden ...‘
Ich lachte auf. Ich weiß selbst nicht, wie seine freche Rede mein Herz
berühren konnte. ‚So laß mich jetzt, schönes Mädchen, nach unten gehen,
mein Herz prüfen und dem Vater und der Mutter meinen Gruß entbieten,‘
sagte er und stand auf. Ich zitterte so, daß mir die Zähne
aufeinanderschlugen, und ich mein Herz wie glühendes Eisen in der Brust
fühlte. Und ich ging, öffnete ihm die Tür. Doch wie er schon über die
Schwelle trat, nahm ich alle meine Kraft zusammen und stieß noch hervor:
‚Da hast du dein Geschmeide, und wage es nicht wieder, mir Geschenke zu
bringen!‘ – und ich warf ihm das rote Kästchen mit den Perlen nach.“
Katherina hielt inne, um Atem zu schöpfen. Sie wechselte, wie schon oft
während ihrer Erzählung, wieder die Farbe: ihre blauen Augen waren
dunkel und glänzten seltsam. Plötzlich aber erblaßte sie von neuem und
ihre Stimme senkte sich und bebte wie in verhaltener Trauer.
„Ich blieb allein,“ fuhr sie fort, „und es war mir, als habe mich ein
Wirbelsturm erfaßt. Plötzlich höre ich rufen, schreien, höre wie über
den Hof die Leute laufen, höre: ‚Die Fabrik brennt!‘ Ich rührte mich
nicht, ich hörte nur, wie alle aus dem Hause liefen; ich selbst blieb
allein mit der Mutter. Ich wußte, daß sie mit dem Tode rang, seit drei
Tagen lag sie schon im Sterben, ich, ihre verfluchte Tochter, ich wußte
es! ... Plötzlich tönte ein Schrei unter meinem Zimmer, nur ein ganz
schwacher, leiser Schrei, der so klang, wie ein Kind aufschreit, wenn es
im Traum erschrickt, und dann war wieder alles still ... Ich löschte das
Licht aus – es überlief mich kalt in der Dunkelheit, ich bedeckte das
Gesicht mit den Händen, ich fürchtete mich, mich umzusehen. Dann drang
plötzlich wieder Stimmengewirr zu mir, lauter und lauter – von der
Fabrik her kamen Menschen gelaufen. Ich beugte mich weit zum Fenster
hinaus – und ich sah: da brachten sie den Vater, tot, und ich hörte
noch, wie man sagte: ‚Von der Treppe fiel er, von der Treppe ... gerade
in den siedenden Kessel – der Teufel muß ihn hinuntergestoßen haben!‘
Ich sank auf mein Bett; kein Glied rührte sich, aber ich wartete, doch
wußte ich selbst nicht, auf was und auf wen ich wartete. Furchtbar war
diese Stunde. Ich weiß nicht, wie lange ich so saß. Ich weiß nur, daß
ich schließlich ein Gefühl hatte, als drehe sich alles rund um mich. Im
Kopf empfand ich einen dumpfen Druck und der Rauch biß mir in die Augen.
Und es freute mich, daß mir das Ende nahte. Da berührte plötzlich jemand
meine Schultern und hob mich auf. Ich schlug die Augen auf und sah, so
gut ich sehen konnte: _er_ war es – und ganz versengt waren seine
Kleider und heiß, ich glaube, sie schwelten noch und rochen nach Rauch.
„‚Ich bin gekommen, um dich zu holen, schönes Mädchen,‘ sagte er. ‚Führe
du mich aus dem Verderben, wie du mich ins Verderben hineingeführt hast.
Meine Seele habe ich heut für dich geopfert. Allein aber kann ich für
die Sünde dieser verwünschten Nacht nicht Vergebung erflehen – es sei
denn, daß wir zwei gemeinsam beten und bitten!‘ Und er lachte dann, der
Böse! ‚Nun weise den Weg,‘ sagte er, ‚wie man von hier fortkommt, ohne
gesehen zu werden!‘ Ich nahm ihn bei der Hand und führte ihn. Wir
stiegen die Treppe hinunter, gingen leise durch den Korridor, ich schloß
die Tür der Vorratskammer auf – die Schlüssel trug ich bei mir – und
wies auf das Fenster. Dort lag der Garten. Da ergriff er mich, hob mich
auf seinen starken Arm und schwang sich mit mir aus dem Fenster. Hand in
Hand liefen wir weiter, lange liefen wir. Dann stand endlich der dichte
dunkle Wald vor uns. Er blieb stehen und horchte. ‚Sie verfolgen uns,
Katjä! Die Verfolger sind uns auf den Fersen, schönes Mädchen, aber
nicht in dieser Stunde ist es uns bestimmt, unser Leben zu lassen! Küsse
mich, schönes Mädchen, verheiße mir Liebe und ewiges Glück!‘ – ‚Wovon
sind deine Hände blutig?‘ fragte ich. – ‚Sind meine Hände blutig, mein
Lieb? Ich habe eure Hunde gemetzelt. Sie bellten zu laut für den späten
Gast. Komm!‘ Und wir liefen weiter. Da sahen wir auf dem Waldweg meines
Vaters Reitpferd, das hatte die Zügel zerrissen und war aus dem Stall
gelaufen: es hatte nicht mit verbrennen wollen! ‚Das schickt uns Gottes
Hilfe!‘ sagte er, ‚ich hebe dich, Katjä, aufs Pferd!‘ Ich schwieg. ‚Oder
willst du nicht? Ich bin doch kein Unchrist, kein böser Geist, da sieh,
ich bekreuzige mich, wenn du willst,‘ und er schlug auch wirklich das
Kreuz. Dann schwang er sich aufs Pferd, hob mich zu sich hinauf und ich
drückte mich an ihn und vergaß an seiner Brust alles um mich her, und es
war ganz so, als hielte mich nur ein Traum umfangen. Als ich aber aus
diesem Traum erwachte, da sah ich, daß wir an einem breiten, breiten
Fluß waren. Er stieg ab, hob mich vom Pferde und ging zum Schilf: dort
hatte er seinen Nachen versteckt. Zum Abschied klopfte er dem Tier noch
den Hals: ‚Nun leb wohl, alter Freund!‘ sagte er, ‚geh, such dir einen
neuen Herrn, die alten haben dich alle verlassen.‘ Das ging mir so nah!
Ich schlang meine Arme um den Hals des Tieres und preßte das Gesicht an
sein glattes Fell und küßte es. Dann stiegen wir in den Nachen, er nahm
die Ruder und bald lag das Ufer weit hinter uns. Und sobald das Ufer
nicht mehr zu sehen war, zog er die Ruder ein und schaute sich rings um
auf dem Wasser. Und während er noch so schaute, murmelte er:
„‚Grüße dich, Mütterchen, du freier Strom, bist manches Gottesmenschen
Ernährerin und mir meine Beschützerin! Hast du mein Gut auch bewahrt,
meine Waren sanft getragen?‘ Ich schwieg und hatte den Blick gesenkt,
denn mein Antlitz brannte vor Scham. ‚Hättest du doch lieber alles
genommen, du stürmische, unersättliche,‘ murmelte er weiter, ‚und
würdest mir nun dafür versprechen, meine schönste, vielkostbare Perle zu
hüten und zu wiegen! Sag mir doch nur ein Wort, Mädchen, was bist du so
stumm? – strahle Wärme, sei Sonne und verscheuche das Dunkel der Nacht!‘
Und er sagte es und lachte selbst dazu! Sein Herz brannte nach mir, ich
fühlte es, aber doch wollte ich, in meiner Scham, das nicht dulden. Ich
wollte etwas sagen, aber ich wußte nicht, wie ich es sagen sollte, und
so sagte ich nichts. ‚Nun, wohlan, wie du willst!‘ sagte dafür er zu
meinem scheuen Schweigen, sagte es wie mit Trauer, und war sehr
niedergeschlagen. ‚Mit Gewalt läßt sich Liebe doch nicht erzwingen. Gott
mit dir, du Hochmütige! Da sieht man, daß dein Haß gegen mich groß ist!
Bin ich deinen blauen Augen so wenig liebwert erschienen, meine Taube?‘
Ich hörte es und Haß kam über mich, Haß aus Liebe; doch bezwang ich mein
Herz und sagte: ‚Liebwert oder nicht liebwert, wie kann ich das wissen,
wohl aber eine andere Törichte, Schamlose, die ihr reines
Mädchenstübchen in dunkler Nacht entweiht, die ihre Seele für eine
Todsünde verkauft und die ihr unkluges Herz nicht bezwungen hat. Das
wissen vielleicht nur meine heißen Tränen und das sollte auch der noch
wissen, der wie ein Verbrecher auf das Leid, das er verursacht,
obendrein stolz ist und über ein Mädchenherz sich lustig macht!‘ Ich
sagte es, vermochte dann aber nicht länger an mich zu halten und brach
in Tränen aus ... Er schwieg, und sah mich nur an, daß ich wie ein Blatt
erzitterte. ‚So höre denn, Mädchen,‘ sagte er dann, und seine Augen
brannten auf mir, ‚es sind keine leeren Worte, die ich dir sage, sondern
es ist ein großes Wort, das ich dir jetzt gebe: solange du mir Glück
schenken wirst, so lange werde ich dir ein milder Herr sein, wenn du
mich aber einmal nicht mehr liebhast, – so mache keine unnützen Worte,
sage nichts, bemühe dich nicht: nur ein Zucken deiner Zobelbrauen, ein
Blick aus deinem dunklen Auge, eine Bewegung deines kleinen Fingers laß
genug sein und ich gebe deine Liebe frei und schenke dir deine goldene
Freiheit zurück. Nur wird das zu derselben Stunde, du wunderbar Stolze,
mein Leben enden und mir den Tod bringen.‘ Da lächelten alle meine Sinne
zu seinen Worten ...“
In tiefer Erregung hielt Katherina in ihrer Erzählung inne. Sie holte
schwer Atem, lächelte sinnend vor sich hin und wollte fortfahren, doch
da begegneten ihre glänzenden Augen Ordynoffs fieberglühendem Blick, der
wie gebannt an ihrem Antlitz hing. Sie zuckte zusammen, wollte etwas
sagen, aber nur das Blut stieg ihr wieder ins Gesicht ... Und nun – wie
fassungslos hob sie die Hände, umklammerte ihren Kopf und warf sich mit
dem Gesicht auf das Kissen. – Alles erbebte in Ordynoff! Ein qualvolles
Gefühl, eine Erregung, über die er sich keine Rechenschaft zu geben
vermochte und die unerträglich war, ergoß sich wie ein Gift durch alle
seine Adern und wuchs, und wuchs: ein wilder und doch gefesselter Trieb,
eine gierig verlangende, nicht zu ertragende Leidenschaft verschlang
sein ganzes Denken und tobte durch alle seine Gefühle. Gleichzeitig aber
begann eine unendliche, uferlose Trauer immer lastender sein Herz zu
bedrücken. Mehr als einmal hatte er, während Katherina erzählte,
aufschreien und ihr zurufen wollen, daß sie doch schweigen solle. Er
wollte sich ihr schon zu Füßen werfen und sie unter Tränen anflehen, ihm
seine früheren Liebesqualen, sein erstes, ihm selbst noch
unverständliches reines Verlangen wiederzugeben, und er sehnte sich
förmlich zurück nach den Tränen, die nun schon lange versiegt waren.
Sein Herz verging vor Sehnsucht und es war ihm, als sei es
blutüberströmt und schließe alle Tränen in sich ein, die seine Seele
nicht mehr erlösen wollten. Er begriff kaum, was Katherina ihm erzählte,
und das Gefühl, das das arme junge Weib in ihm erregte, machte seine
Liebe irre und scheu. In diesem Augenblick verfluchte er seine
Leidenschaft: sie drohte, ihn zu ersticken, sie marterte ihn und es war
ihm, als fließe nicht Blut, sondern siedendes Blei durch seine Glieder.
„Ach, nicht das ist mein Elend, was ich dir bis jetzt erzählt habe!“
sagte Katherina, sich wie nach einem plötzlichen Entschluß aufrichtend,
„nicht das, nicht das!“ stieß sie mit einer Stimme hervor, in der ein
neues, sie überwältigendes Gefühl zitterte und in der die ganze Qual
ihrer Seele lag, die sich zu zerreißen schien. „Mein Leid und mein
Jammer ist etwas ganz anderes! Was ist mir die Mutter, wenn ich auch auf
der ganzen Welt keine zweite leibliche Mutter mehr finden kann! Was
liegt mir daran, daß sie mich in einer bitteren Stunde verflucht hat!
Was liegt mir an meinem früheren sonnigen Leben, an meinem warmen
Stübchen und meiner Mädchenfreiheit! und was liegt daran, daß ich mich
dem Bösen verkauft und meine Seele dem Verderben hingegeben habe, daß
ich für das kurze Glück ewige Schuld trage! Ach, nein, das ist es nicht,
obschon darin mein Verderben liegt! Aber bitter ist mir dies und es
zerreißt mein Herz, daß ich seine Sklavin geworden bin, daß meine
Entehrung und Schande mir Schamlosen lieb sind, daß das gierige Herz
sich daran freut, seiner Schmach zu gedenken, als wäre sie eine Lust und
ein Glück – das, nur das ist mein Elend, daß keine Kraft zur Empörung in
ihm ist und kein Zorn über die ihm angetane Schmach! ...“
Der Herzschlag stockte in der Brust des armen Weibes und ein
krampfhaftes Aufschluchzen erstickte ihre Worte. Ihr Atem strich heiß
über ihre brennenden Lippen, ihre Brust hob und senkte sich und ihre
Augen blitzten in wildem Zorn. Ihr ganzes Gesicht war dabei in diesem
Augenblick so bezaubernd, es sprach solch eine Flut von Gefühl und
Leidenschaft aus ihm und jeder Zug, jede Linie ihres Antlitzes bebte in
einer so berauschenden Schönheit, daß alles feindliche Empfinden, das in
Ordynoffs Brust aufstieg, sofort wieder verschwand. Sein Herz drängte zu
ihr hin, wollte sich an ihr zitterndes Herz drücken und voll
Leidenschaft in sinnlosem Rausch gemeinsam mit ihr in den Wellen
desselben Sturmes untertauchen, in demselben Ausbruch unbeschreiblicher
Raserei, gemeinsam mit ihr vergehen und, wenn es sein mußte, mit ihr
sterben. Katherina begegnete dem flimmernden Blick Ordynoffs und
lächelte, daß eine doppelte Flammenglut sein Herz durchloderte. Er wußte
nicht mehr, was mit ihm geschah.
„Hab Erbarmen mit mir, hab Gnade!“ flüsterte er ihr mit verhaltener
Stimme zu und beugte sich zu ihr nieder, so nah, so nah, daß sein Atem
mit dem ihren zusammenströmte, während er ihr zugleich in die Augen sah.
„Du richtest mich zugrunde! Ich weiß von deinem Leid nichts, meine Seele
ist verwirrt ... Was geht es mich an, worüber dein Herz weint! Sage, was
du verlangst ... ich werde es tun. So komm, laß, töte mich nicht, bring
mich nicht um! ...“
Regungslos sah ihn Katherina an. Die Tränen waren versiegt auf ihren
heißen Wangen. Sie wollte ihn unterbrechen, wollte seine Hand erfassen,
wollte selbst etwas sagen und fand doch kein Wort. Ein seltsames Lächeln
erschien langsam auf ihren Lippen, ja fast war es, als wolle ein Lachen
hervorbrechen ...
„So habe ich dir wohl noch nicht alles erzählt,“ sagte sie endlich mit
stockender Stimme. „Höre weiter ... wirst du auch mir zuhören, du heißes
Herz? Höre, was deine Schwester dir erzählt. Du hast noch wenig von
ihrem Leid erfahren! Ich wollte dir erzählen, wie ich mit ihm ein Jahr
verlebte, doch wozu ... Als aber dies Jahr vergangen war, da zog er mit
seinen Freunden stromabwärts und ich blieb bei seiner Pflegemutter am
Landungsort. Ich wollte dort bis zu seiner Rückkehr verweilen. Ich
wartete einen Monat, wartete noch einen – da begegnete mir im Städtchen
ein junger Kaufmann, und wie ich ihn erblickte, erinnerte ich mich
meiner früheren goldenen Jahre. ‚Schwesterchen, liebes Schwesterchen!‘
sagte er, als er mich erkannte, ‚ich bin Aljoscha, dein Spielkamerad:
die Alten verlobten uns als Kinder – weißt du noch? Hast du mich
vergessen? Erinnere dich, ich bin aus demselben Ort wie du ...‘ – ‚Was
sagt man dort von mir?‘ fragte ich. ‚Man sagt, du seist fortgegangen,
habest deine Mädchenehre vergessen und dich einem Räuber, einem
Seelenverderber hingegeben,‘ antwortete mir Aljoscha lachend. ‚Und was
sagtest du von mir, Aljoscha?‘ ‚Vieles wollte ich dir sagen, als ich
hierherkam,‘ – und sein Herz verwirrte sich – ‚vieles wollte ich dir
sagen, aber jetzt, wo ich dich sehe, habe ich alles vergessen ...
verdorben hast du mich!‘ sagte er leise. ‚So sei es denn, nimm auch
meine Seele, und solltest du mein Herz auch verspotten und über meine
Liebe lachen, du Schöne! ... Ich bin allein, habe mein Erbe und bin mein
eigener Herr, und meine Seele ist mein, habe sie keinem verkauft, wie
eine andere es getan, die ihr Gewissen begraben hat, und nicht zu kaufen
brauchst du sie, umsonst gebe ich sie dir, denn verdienen läßt sie sich
ja nicht, wie man sieht!‘ Ich lachte, und nicht ein- oder nur zweimal
hat er mir das gesagt – einen ganzen Monat lebte er dort, ließ alles
andere liegen, vergaß die Waren, entließ seine Leute, lebte dort ganz
allein. Da tat er mir schließlich leid und ich sagte eines Morgens zu
ihm: ‚Erwarte mich, Aljoscha, wenn die Nacht dunkelt, unten am
Landungsplatz; laß uns dann zu dir fahren! Ich bin meines schalen Lebens
hier überdrüssig!‘ Die Nacht kam, ich schnürte mein Bündelchen, und
meine Seele begann sich zu sehnen und sie spielte mit meinen Gedanken.
Da sehe ich – mein Herr tritt ein, ganz unerwartet, unverhofft! – ‚Sei
gegrüßt,‘ sagte er. ‚Komm. Auf dem Fluß wird es heute Sturm geben, die
Zeit drängt.‘ Ich folgte ihm; wir kamen an den Fluß, aber bis zu den
Unsrigen war es weit. Da sehen wir – ein Boot hat angelegt und in ihm
sitzt ein bekannter Ruderer, der jemand zu erwarten scheint. ‚Guten
Abend, Aljoscha, Gott helfe dir!‘ sagt mein Herr. ‚Was, – hast dich
verspätet oder willst du noch zu deinen Schiffen? Nimm uns mit, sei so
gut und bringe uns zu den Unsrigen. Mein Boot ist nicht hier und ich
kann nicht schwimmen.‘ – ‚Steige ein,‘ sagte Aljoscha, und mein ganzes
Herz erbebte, als ich seine Stimme vernahm. ‚Setzt euch, der Wind ist
für alle und in meinem Boot ist auch für euch noch ein Platz.‘ Wir
stiegen ins Boot. Die Nacht war dunkel, die Sterne hatten sich
versteckt, der Wind heulte und die Wellen wuchsen, vom Ufer aber waren
wir bald schon über eine Werst weit entfernt. Wir schwiegen alle.
„‚Sturm!‘ sagte endlich mein Herr. ‚Der bringt diesmal nichts Gutes!
Einen solchen wie heut nacht habe ich auf dem Fluß noch niemals erlebt.
Wir sind zu schwer für das Boot! Drei Menschen kann es bei diesem Sturm
nicht tragen!‘ – ‚Ja, du hast recht, drei kann es nicht tragen, da ist
einer von uns zu viel,‘ sagte Aljoscha, und in seiner Stimme klang ein
verhaltenes Beben. ‚Nun was, Aljoscha?‘ sagte er, ‚ich kannte dich schon
als kleines Kind, hab mit deinem seligen Vater Bruderschaft getrunken,
haben uns Salz und Brot gegenseitig gebracht – nun sage mir, Aljoscha,
könntest du ohne Boot von hier aus ans Ufer gelangen ... würdest du
untergehen und dein Leben verlieren? – oder würdest du zur Not das Ufer
erreichen?‘ – ‚Nein,‘ sagte Aljoscha, ‚ich würde es nicht erreichen.‘ –
‚Aber wer weiß, vielleicht ist die Stunde dir hold und du könntest es
doch?‘ – ‚Nein, bei dem stürmischen Fluß kann ich es nicht wagen, ich
fände meinen Tod in den Wellen.‘ – ‚So höre jetzt, Katherinuschka, meine
schönste vielkostbare Perle!‘ wandte er sich da an mich. ‚Ich erinnere
mich einer ähnlichen Nacht, doch wogte da nicht die Welle, die Sterne
glänzten hell und der Mond schien ... Ich will dich nur so, ganz
harmlos, fragen, ob du sie nicht vergessen hast?‘ – ‚Nein,‘ sagte ich.
‚Und wenn du sie nicht vergessen hast, dann wirst du dich wohl auch noch
erinnern, wie ein Verwegener ein schönes Mädchen lehrte, ihre Freiheit
zurückzugewinnen, wenn ihr jemand nicht mehr liebwert erscheint – was?‘
– ‚Auch das habe ich nicht vergessen,‘ sage ich, mehr tot als lebendig.
– ‚Ah! hast also nichts vergessen! Nun sieh – für das Boot sind drei zu
schwer. Sollte da nicht jemandes Stunde gekommen sein? Sag, meine Liebe,
sprich es aus, dein Wort, meine Taube, du Süße ...‘
„Ich habe damals das Wort nicht gesagt!“ flüsterte Katherina erbleichend
... Sie beendigte die Erzählung nicht.
„Katherina!“ ertönte eine heisere dumpfe Stimme, Ordynoff fuhr zusammen.
In der Tür stand Murin. Er stand regungslos, in die Pelzdecke gehüllt,
stand totenbleich und sah sie mit starrem, fast irrsinnigem Blick an.
Katherina erblaßte und auch ihr Blick hing starr, wie gebannt an ihm.
„Komm zu mir, Katherina!“ flüsterte der Kranke kaum vernehmbar und
verließ das Zimmer. Katherina sah aber immer noch starr auf die Tür, als
stehe er noch dort. Plötzlich jedoch stieg das Blut heiß in ihre
bleichen Wangen und sie erhob sich langsam vom Bett. Ordynoff entsann
sich der ersten Begegnung.
„Also auf morgen denn, mein Herz!“ sagte sie, und es klang wie ein
seltsames leises Auflachen. „Also auf morgen. Vergiß aber nicht, wo ich
stehen geblieben bin: ‚Wähle einen von beiden: wer ist dir lieb und wer
nicht lieb von ihnen, du Schöne!‘ Wirst’s nicht vergessen? wirst eine
Nacht dich gedulden?“ fragte sie, indem sie die Hände auf seine
Schultern legte und zärtlich auf ihn herabsah.
„Katherina, geh nicht zu ihm, tu’s nicht! Er ist wahnsinnig, siehst du’s
denn nicht!“ flüsterte Ordynoff, zitternd für sie.
„Katherina!“ rief Murins Stimme hinter der Wand.
„Warum nicht? Er wird mich ermorden, meinst du?“ fragte Katherina
lachend. „Gute Nacht, mein Geliebter, mein lieber Bruder!“ sagte sie,
zärtlich seinen Kopf an ihre Brust drückend, während plötzlich Tränen
aus ihren Augen brachen. „Das sind die letzten Tränen. Verschlafe dein
Leid, mein Geliebter, sollst morgen zur Freude erwachen!“ Und sie küßte
ihn leidenschaftlich.
„Katherina, Katherina!“ flehte Ordynoff, und wollte vor ihr niederknien,
um sie zurückzuhalten, „Katherina!“
Sie wandte sich noch einmal nach ihm um, nickte ihm lächelnd zu und
verließ das Zimmer. Ordynoff hörte, wie sie bei Murin eintrat. Er hielt
den Atem an und lauschte, doch kein Laut war zu vernehmen. Der Alte
schwieg oder war vielleicht wieder bewußtlos ... Er wollte zu ihr gehen,
doch seine Füße versagten ... Er verlor alle Kraft und sank erschöpft
auf das Bett zurück ...