[202] Namentlich erkennen wir auch hieraus, wie selbst #Biedermann#,
dessen Gerechtigkeit des Urtheils über Blum wiederholt anerkennend
hervorgehoben wurde, in seinen „Erinnerungen aus der Paulskirche“, S.
393-97, doch zum Theil den Gegner falsch und ungerecht beurtheilte,
wenn er sagt: „Diese Fähigkeit (der Parteiherrschaft) beruhte nächst
ihren (Blum's und Vogt's) hervorragenden parlamentarischen Talenten,
hauptsächlich in dem Schein aufrichtiger, uneigennütziger Hingabe an
die Sache, durch welchen sie nicht blos das Publikum, sondern auch
ihre eigene Partei täuschten. Ich muß jedoch unterscheiden.“ (Folgen
Bemerkungen über Vogt.) „Blum besaß in noch höherem Grade als Vogt den
Ausdruck treuherziger Ehrlichkeit und rückhaltloser Hingebung an das
Allgemeine. Auch möchte ich fast annehmen, daß es ihm wirklich mehr,
als Jenem, zugleich um die Sache, nicht blos um die Befriedigung der
eigenen Eitelkeit oder des eigenen Ehrgeizes zu thun war, daß er, wie
nach Mirabeau's Ausspruch Robespierre, „das glaubte, was er sagte“.
Sonst hätte er kaum einen so weitverbreiteten und so lange andauernden
Einfluß üben können. Allein das eigene Selbst hatte auch bei Blum einen
entscheidenden Antheil an allen seinen politischen Handlungen. Was
hätte dieser Mann mit seiner unverwüstlichen Körper- und Geisteskraft,
mit seinem nimmermüden Eifer, mit der gewaltigen Macht seiner
volksthümlichen Beredsamkeit leisten können, wäre es ihm aufrichtig
und allein um die Freiheit und den Fortschritt, nicht zugleich um die
Zwecke seines Ehrgeizes zu thun gewesen, hätte er das Volk wahrhaft
durch Bildung frei machen, nicht blos aus einer Abhängigkeit in die
andere versetzen wollen!“ Diesem Urtheil ist insoweit beizutreten
daß Blum gewiß, wie jeder bedeutende Mann, Ehrgeiz besessen; zu
widersprechen aber darin, daß er diesen Ehrgeiz, „das eigene Selbst“
irgendwo und wann zum Maßstab seiner öffentlichen Dienste gemacht hat.
Seinem Eigennutz hätte er bei weitem besser daheim dienen können, als
in Frankfurt. Nimmer hätte solcher Ehrgeiz die Opfer gebracht, die
Sorgen getragen, die er durch seinen Aufenthalt in Frankfurt trug.
Daß er in seinem Parteistandpunkt schließlich auf falsche Bahnen
gedrängt wurde, war zum Theil doch auch die Schuld seiner Gegner und
der verworrenen aufgeregten Zeit. Und er selbst hat das harte Geschick,
unter dem er erlag, in den letzten Monaten seines Lebens in einem
Briefe an einen Freund wohl am richtigsten bezeichnet in den Worten:
„Mein Lieber, wir sind um fünfzehn Jahre zu früh auf die Welt gekommen.“
[203] Nur die „Gemeinheiten“ im Tageblatte hörten seitdem auf, wie er
am 9. September befriedigt der Frau meldet.
[204] Höchst charakteristisch für den Ton, der im Vaterlandsverein
herrschte nach dem Ausscheiden der Minderheit waren die dort gefaßten
Beschlüsse. Unter Anderm hieß es: da von dem jetzigen Ministerium ein
volksthümliches Wahlgesetz nicht zu erwarten, so ist die Entlassung
dieses Ministeriums auszusprechen und Staatsminister Oberländer
mit der Bildung eines neuen zu beauftragen, die Ständeversammlung
einzuberufen, sofort eine aus der freien und unmittelbaren Wahl des
Volkes hervorgegangene constituirende Versammlung einzuberufen.
[205] Schon die überwältigende Komik dieses einen Gedankens sichert
Jäkel einen Ehrenplatz unter den unfreiwilligen Humoristen aller Zeiten.
[206] Zu vergl. #Offizieller Bericht# der Verhandlungen des
#Vorparlaments#, Sitzung vom 31. März, der #Bundesversammlung#
vom 4. April (2. Lieferung). -- #Sten. Ber.# der Deutschen
National-Versammlung v. 8., 9. u. 17. Juni, 10. Juli, 11., 22. u.
31. Aug.; 4., 5., 7., 8., 12., 14-16. September. -- #Gegenwart#
(von Brockhaus), Band 5 u. 6, in besonderen Artikeln über
Schleswig-Holstein. Band 7, S. 295 bis 326. -- #Springer#, Dahlmann, S.
268-299.
[207] St. B. S. 1882.
[208] St. B. S. 1896/98. Die ganze Debatte (einschließlich der
Abstimmungen) s. S. 1880-1917.
[209] a. a. O. S. 290.
[210] Gegenwart, Bd. 7, S. 323.
[211] Selbst Laube hat hier zum ersten Mal ein schüchternes Lob für
Blum: „Auch Blum hatte wirklich kräftige Partien. Seine Ruhe und
Nachdrücklichkeit in Anordnung und Betonung des Stoffs hatte lange
nicht einen so günstigen Stoff gehabt.“
[212] #Gegenwart# S. 324.
[213] 258 gegen 237.
[214] #Gegenwart#, Bd. 5, S. 392. (Staat und Stadt Frankfurt 1848.)
[215] Zu vergl. die Reichstagszeitung vom 17., 19. u. 20. September.
Gegenwart, 7. Bd. S. 328.
[216] Durchstrichen „Jupiter“.
[217] Einige dieser interessanten Documente besitze ich handschriftlich.
[218] Reichstagszeitung vom 19. Septbr. -- St. B. S. 2198 fg.
[219] St. B. S. 2207.
[220] Diese Anklage ist schon darum haltlos, weil am 19. Septbr.
und beziehentlich am 18. Septbr. Abends, wo das Blatt erschien, der
Aufstand schon gedämpft war.
[221] St. B. S. 2189.
[222] „#Reichstagszeitung#“ aus denselben Tagen. -- #Gegenwart#, Bd. 5,
S. 393.
[223] Weder Blum noch Vogt hatten diese Anträge mit unterschrieben.
[224] St. B. S. 2166, 2207-2210. -- Gegenwart, Band 5, S. 393. Bd. 7,
S. 329/30.
[225] Gegenwart, Bd. 7, S. 331.
[226] Das hat mir Julius #Faucher#, der jüngst verstorbene bekannte
Abgeordnete, der damals als unparteiischer Zuschauer den Frankfurter
Ereignissen zusah, wiederholt (1868 bis 1870) in Berlin bestimmt und
nachdrücklich versichert. Neu wäre diese Taktik ja auch nicht. Schon
zur Zeit des Frankfurter Attentates hatte die k. k. Bundestagsweisheit
die Revolution absichtlich zum Ausbruch kommen lassen, um nachher
eine frische fröhliche Reaction heraufzuführen. Auch damals schon
und nachher oftmals ist diese Beschuldigung gegen Schmerling erhoben
worden. #Gegenwart#, Bd. 7, S. 331. Vgl. auch den unten mitgetheilten
Brief Blum's vom 3. October an Haubold S. 447.
[227] Mündlicher Bericht von Ludwig Simon an mich (1862, Wallensee),
Faucher u. A. Theilweise ist die Scene auch bestätigt von der
#Gegenwart# a. a. O.
[228] Zum Schillerfest.
[229] Der heutige Polizeidirector von Leipzig, den die Sozialisten, da
er ihnen unbequem ist, so gern als rothen Revolutionär von Anno 1848
hinstellen. Man sieht, wie leichtfertig diese Anklage ist!
[230] d. h. das Geld zur Reise aus eigenen Mitteln aufzubringen.
[231] Das Beste über die österreichischen Verhältnisse jener Tage
bietet auch heute noch zweifellos #Anton Springer's# Geschichte
Oesterreichs, 2. Band (Leipzig, Hirzel, 1865), so ungerecht Springer
auch über Robert Blum urtheilt. -- Die dreibändige „Geschichte
Oesterreichs“ von Joseph Alexander Frhrn. v. #Helfert# „vom Ausgang
des Wiener October-Aufstandes“, die zum ersten Mal theilweise die
Schätze des Wiener Archivs und das handschriftliche Quellenmaterial der
Familie Windischgrätz u. a. Fürstlichkeiten veröffentlichte, zeigt im
Gegensatze zu Springer's großer historischer Auffassung in widerlicher
Weise das Gepräge einer junkerlich-schwarzgelben Tendenzschrift. --
#Nordstein's# Geschichte der Wiener Revolution ist eine armselige
Vertheidigung des in Wien besiegten Radicalismus, interessant nur
durch die naiv-kritiklose Mittheilung aller Actenstücke, welche das
Regiment Messenhauser's u. A. der Weltgeschichte hinterließ. Ihr
am nächsten stehen #Lyser#, #Grüner#, #Fenneberg# u. A. -- Für die
folgenden Abschnitte sind außer diesen Werken alle Quellen benützt,
welche zur Zeit aus jener Zeit vorhanden sind: die Augenblicksbilder,
welche Gustav #Kühne#, Berthold #Auerbach#, Heinrich #Laube#, Julius
#Fröbel# in seinen „Briefen“ und seinem Bericht vor dem Parlament
(#St. Ber.# der #Paulskirche#), #Füster#, #Schütte#, #Rosenfeld# u.
A. geliefert haben, insbesondere die schwarzgelben Soldschriften von
#Dunder#, #Köcher# u. A.; über den diplomatischen Verkehr zwischen
Dresden und dem sächsischen Gesandten in Wien betreffs Blum's geben
die #sächsischen Landtagsmittheilungen# (II. Kammer 1849, S. 246
fg.) Aufschluß; über die #militairischen Operationen# gegen Wien
wurden mir von einem verehrten Freunde die reichen authentischen
Berichte amtlicher Berliner Bibliotheken zur Verfügung gestellt; an
#Zeitungen# und Zeitschriften über jene Ereignisse habe ich das seit
Jahren Gesammelte im Text nachgewiesen, ebenso das #handschriftliche#
Material, das mir zur Verfügung stand. Die Zurechtweisung der
Verleumdungen Blum's durch v. Helfert ist nebenbei besorgt worden. --
[232] a. a. O. S. 196, wo auch die offiziellen Quellennachweise für
diese Anschauung erbracht sind.
[233] #Springer#, S. 312.
[234] #Springer#, S. 569.
[235] Persönliche Mittheilung von Karl Vogt an den Verfasser. -- Schon
Anfang September war in der Fraction des Deutschen Hofes die Rede davon
gewesen, eine Deputation nach Wien zu senden. Auch damals schon hatte
Blum zu der Sendung sich angeboten. Am 9. September hatte er aber der
Gattin geschrieben: „Die Reise nach Wien ist in die Brüche gegangen.
Die Partei ließ mich nicht fort.“
[236] #Helfert#, 1. Bd. S. 45.
[237] Ebenda.
[238] #Helfert#, 1. Bd. S. 48.
[239] #Springer#, S. 562.
[240] Poststempel Wien, 19. October.
[241] #Springer# sagt S. 583: „B. #soll# in einer Volksversammlung
vom 23. October den Wienern zugerufen haben: „Ihr müßt noch 200
Aristokraten latourisiren.““ #Keiner# der gleichzeitigen Berichte
über diese Versammlung in den Wiener (auch nicht in den radicalsten)
Blättern erwähnt jedoch diese Aeußerung. Eine Quelle giebt Springer
überhaupt nicht an. Und selbst Herr v. Helfert vermag nicht zu
behaupten, wann die angebliche Aeußerung gefallen sei; in seiner
Version der Rede Blum's vom 23. October führt er diese Worte
ausdrücklich #nicht# auf.
[242] Dieser Lüge hat übrigens auch schon Fenner v. Fenneberg, der
Generalstabschef Messenhausers in einem Schreiben an die Augsb. Allg.
Ztg., datirt „von der rauhen Alp“, vor dem 27. November widersprochen.
Dresdner Journal vom 27. November, S. 1934, Sp. 2.
[243] Diese Thatsachen werden von Springer, Helfert, Nordstein
übereinstimmend mitgetheilt. Ihr Urtheil darüber geht natürlich weit
auseinander.
[244] Er war als „Tornisterkind“ (Helfert) 4. Januar 1813 geboren, 1829
Gemeiner, 1832 Fähndrich, 1839 Lieutenant, 1845 Oberlieutenant geworden
und blickte sehnsüchtig hinüber in die reiche Culturwelt Deutschlands,
die den österreichischen Unterthan und vollends dem österreichischen
Offizier damals gänzlich verschlossen war. Er begann zu schriftstellern
und da nur die Lumpen bescheiden sind, so verlangte er für eines seiner
dickleibigen ungedruckten Erstlingswerke, die „modernen Argonauten“,
von der Firma Max in Breslau nicht weniger als 18 Friedrichsd'or
Honorar pro Druckbogen. Natürlich erhielt er das Manuscript mit einer
„abschlägigen und die Honorarsforderung fast belächelnden Antwort“
zurück. Glücklicher war er mit seinen novellistischen Versuchen:
1847 erschienen sie in Wien gesammelt unter dem Titel „Wildniß und
Parquet.“ Die Kritik stellte sie theilweise „über den Beherrscher
einer wundervollen Prosa Adalbert Stifter“ (Helfert). Er machte im
Herbst 1847 eine größere Reise über Leipzig, Frankfurt a. M., München
und Wien. Thomas in Leipzig nahm seine „Ernsten Geschichten“ in
Verlag. Die Vorrede zu diesem Werke war „bei der ersten Nachricht vom
Sturz der Juliusdynastie“ geschrieben; in dem Buche selbst sollte
„die schauerliche Erhabenheit des starren Absolutismus“ den Leser
„mit heilsamem Entsetzen erfüllen und Entschlüsse von Besonnenheit,
Rechtsgefühl und Hochherzigkeit in ihnen wachrufen.“ Dieser unklaren,
erhitzten Phantasie mußten die Märztage des Jahres 1848 besonders
gefährlich werden. „Mein Wissen für den Tag ist Louis Blanc, den,
ich, wie ich glaube, auswendig weiß,“ schrieb er damals an einen
Freund. In dem Comité zur Organisirung der Lemberger Nationalgarde
nahm er mit Bewilligung seiner Vorgesetzten eine Stelle an, neben
ihm wirkte Bem. Messenhauser ließ sich hier bald in politische Dinge
ein. Sein Vorgesetzter Baron Hammerstein lud ihn vor und befahl ihm,
augenblicklich nach Wien zum dritten Bataillon abzureisen. Hier
angekommen, gab Messenhauser seine Entlassung ein und weigerte sich
vor dem Platzcommando in Uniform zu erscheinen, weil er nicht länger
die äußeren Abzeichen einer Körperschaft tragen könne, deren Dienst
„seine tiefsten Ueberzeugungen stündlich in die größte Gefahr zu setzen
die Lage hat!“ und mußte für diesen Frevel drei Tage Profosenarrest im
Stabsstockhause absitzen. Am 31. März wurde er dann „gegen Ausstellung
des üblichen Reverses, weder gegen das allerhöchste Erzhaus, noch
gegen dessen Alliirte zu fechten“ aus dem Militairdienst entlassen.
Er wurde nun Journalist und Schriftsteller, gründete in zwanglosen
Heften „die Volkstribüne“ und schrieb zwei ungelesene platte Sammlungen
der Schlagwörter des Tages unter dem Titel: „der staatsbürgerliche
Rechtsschatz“ und „der politische Rechtsschatz des deutschen Volkes“
während seine Schrift „Wie muß die Nationalgarde exerzirt werden?“
rasch sechs Auflagen erlebte und seinen Namen bekannt und volksthümlich
machte. Er lebte bis zum Oktober „in der fast siedlerischen Einsamkeit
eines Schriftstellerthums.“ --
[245] Zu vergleichen seine Eingabe an das Kriegsgericht. #Helfert#, Bd.
3, Anhang S. 46 fg.
[246] #Springer#, S. 572
[247] #Fröbel's# Briefe, S. 11 fg., und dessen Rede in der Paulskirche
vom 18. November. St. B. S. 3419.
[248] #Helfert#, 1. Bd. S. 129.
[249] Da dieser Brief schon von #Frey#, Robert Blum, abgedruckt worden
ist und Helfert Frey citirt (Bd. 3, S. 107 des Anh. und a. a. O.). Der
Brief trägt den Poststempel Dresden, 27. October. Das beweist, daß am
20. keine Post mehr von Wien passirte.
[250] #Helfert#, 1. Bd. S. 75.
[251] #Helfert#, S. 76 bis 78.
[252] S. 81 fg.
[253] Handschriftlicher Nachlaß des Frhrn. v. Pillersdorff S. 163.
[254] Wie man übrigens in Oesterreich selbst über diese
Rettungsversuche urtheilt, erhellt treffend aus einem Abschnitt im 2.
Bande der „Wiener Spaziergänge“ des geistvollen Satirikers D. Spitzer
in Wien (Verlag von L. Rosner, Wien), der nun seit dreizehn Jahren
seine makellos vaterländische Gesinnung so mannhaft nach allen Seiten
bekundet hat, daß ihn eine bekannte deutsche Zeitschrift nicht mit
Unrecht „das Gewissen Oesterreichs“ nannte. Spitzer sagt a. a. O. 2.
Bd. S. 175:
„Die „Rettungen“ bisher verkannter geschichtlicher Persönlichkeiten
sind in unserer Zeit, welcher, ungeachtet der fortwährenden
Tax-Ueberschreitungen von Seite der Comfortable-Kutscher, ein hoher
Sinn für Gerechtigkeit nicht abgesprochen werden kann, in auffallender
Weise beliebt geworden. Kritische Forscher haben es bekanntlich
sogar unternommen, nachzuweisen, daß Kaiser Tiberius eigentlich ein
seelenguter Herr war und der Präsident des Obersten Gerichtshofs,
Herr Ritter v. Schmerling, hat in der letzten Herrenhaussitzung dem
verkannten Fürsten Windischgrätz denselben Liebesdienst erwiesen ...
Der Scipio, der sein edles Herz in Wallung bringt, hat nicht Afrika
erobert, sondern Gaudenzdorf und ist an der Spitze seiner Heersäulen
als Triumphator über ein Dutzend erbitterter Gegner in Wien eingezogen.
Muß da nicht ein Wiener, wie Herr v. Schmerling, empört sein, wenn man
den Eroberer seiner Vaterstadt zu verunglimpfen sucht? Dennoch ist
in einem Auszuge aus dem #Helfert#'schen Buche, den das Feuilleton
der „Neuen Presse“ brachte, diese Schandthat verübt worden. „Was
geschah denn,“ rief Herr v. Schmerling aus, „daß man Windischgrätz als
Tyrannen, als Egoisten hinstellt? Nichts weiter, als daß zwei bis drei
hervorragende Männer und wenige unbedeutende andere Männer hingerichtet
worden sind.“ Und wegen eines so unansehnlichen Blutbades, in welchem
ein proportionirt gebauter Tyrann kaum bis an die Brust waten könnte,
schmäht man einen einheimischen General gleich einen Egoisten! Da
pocht man immer darauf, Wien sei eine Großstadt, und wenn man dann den
Maßstab einer solchen anlegt und zwei bis drei hervorragende und eine
lächerlich kleine Anzahl unbedeutender Menschen abschießt, ist das
gleich ein Stadtgespräch und noch nach Jahren wissen die Journalisten
ihre Leser mit nichts Besserem als diesem Tratsch zu amusiren. -- „Was
hätte Fürst Windischgrätz Anderes thun können?“ fuhr der Lobredner
des tapferen Feldherrn hierauf fort. Die Antwort, die wir auf diese
schwierige Frage wüßten, ist so schlicht, daß wir sie nur mit der
größten Schüchternheit niederzuschreiben wagen. Wir sind nämlich der
Meinung, daß der Fürst die unglücklichen Opfer, welche er erschießen
ließ, unter Anderem auch hätte nicht erschießen lassen können. Dieser
einfache Ausweg ist aber wahrscheinlich dem mit Geschäften überhäuften
Fürsten damals nicht eingefallen, was um so weniger überrascht, da auch
sein Vertheidiger, der doch mehr Zeit zum Nachdenken hatte, nicht auf
denselben verfallen ist. Es hat uns schmerzlich berührt, daß der Retter
des Fürsten Windischgrätz nur der Feldherrntalente seines Schützlings
gedacht hat, obwohl dieser doch als Staatsmann noch weit bedeutender
gewesen zu sein scheint, denn als Feldherr. Hat man ihn doch in dem
einzigen ernsthaften Kriege, in welchem er den Oberbefehl führte, im
Kriege gegen die ungarische Revolutions-Armee, plötzlich abberufen, um,
wie es damals hieß, „seinen Rath über wichtige innere Angelegenheiten
zu vernehmen,“ und man übertrug lieber dem Baron Welden den Oberbefehl,
ehe man auf die staatsmännischen Rathschläge des tapferen Feldherrn
verzichtet hätte. Ob man die Rathschläge, welche er in Olmütz
ertheilte, befolgte, ist nicht bekannt geworden, doch scheint es, daß
er den guten Rath, den man ihm dort gab, ausgeführt hat, indem er sich
auf seine böhmischen Güter zurückzog.“
[255] Einschließlich der Truppen des Banus (I. Armee-Corps) und des
Grafen Auersperg (II. Armee-Corps) hatte Windischgrätz zur Verfügung
59 5/6 Bataillone, 66 Escadrons, 219 Geschütze. Die „selbstständige“
Brigade Wiß und die Armee-Haupt-Reserve ist dabei eingerechnet.
[256] St. B. S. 3660 fg. (Sitzung vom 29. November).
[257] #Helfert#, S. 161.
[258] #Helfert#, S. 175.
[259] Ebenda, S. 204.
[260] S. 176 (1. Bd.).
[261] In dem Todesurtheil gegen Blum ist sogar die geradezu
actenwidrige Behauptung aufgestellt, er habe „am 23. October l. J. in
der Aula zu Wien durch #Reden# (!) in einer Versammlung zum Aufruhre
aufgeregt.“
[262] 2. Bd., S. 483, Note 112.
[263] Im Dresdner Journal vom 15. Nov., S. 134, Sp. 1.
[264] #Helfert#, S. 483. Note 113 (1. Bd.).
[265] Helfert, S. 186.
[266] Helfert, S. 176.
[267] #Bem# war die Seele der Stadtvertheidigung, der Commandant der
Mobilgarde; bei seinen nahen Beziehungen zu Messenhauser von Lemberg
her, ist es wahrscheinlich, daß er von diesem nach Wien gerufen wurde.
Er übernahm sein Commando mit den Worten: „Als Mitglied der Lemberger
Nationalgarde (!), habe ich den festen Willen die Constitution des
Reiches und die Arbeiten des hohen Reichstages nach Kräften zu
vertheidigen.“ Er war der einzige erprobte Kriegsmann in Wien; schon
unter Napoleon, dann im Polenaufstand als Vertheidiger Warschaus gegen
die Russen hatte er sich mit Ruhm bedeckt. Aber auch er hielt die Sache
Wiens ohne Mitwirkung der Ungarn von Anfang an verloren.
[268] Band 1, S. 207.
[269] #Springer#, S. 574. #Pillersdorff#, Nachgel. Schriften S. 165.
[270] Zu vgl. dessen Note 310, S. 528, 1. Bd.
[271] Auch Messenhauser hatte am 20. October den Belagerungszustand
erklärt. --
[272] #Nordstein#, S. 318 theilt Haug's Aufruf wörtlich mit. Helfert
schreibt den Major bald Haug, bald Hauk und Hauck. Haug schrieb er sich
selbst, s. S. 502.
[273] Helfert, S. 196, 1. Bd.
[274] Mittheilung Ludwig Bamberger's an mich, nach Lasker's
persönlicher Erzählung.
[275] Bd. 1, S. 262/63 und bei Note 182 und Note 180 S. 499.
[276] #Lyser#, Wiener Ereignisse S. 88.
[277] St. B. S. 3420, Sp. 1.
[278] Poststempel Dresden, 5. November.
[279] S. 572.
[280] St. B. S. 3420.
[281] Erster Nachtrag zum Vernehmungsprotocoll vom 10. November. --
Helfert, 3. Bd., Anhang S. 44.
[282] Ebenda S. 43.
[283] „Denkschrift über die Octoberrevolution,“ eine Arbeit, die im
Solde der Militairbehörden geschrieben und von diesen offiziell belobt
wurde. (Zu vergl. auch Springer, S. 576.)
[284] Bd. 1, S. 271 bis 276.
[285] S. 272.
[286] S. 754-77.
[287] Davon, daß etwa Blum dem Fürsten abgeliefert werden müsse, war
natürlich auch hier nicht im entferntesten die Rede. Später ließ Cordon
das Verlangen der Auslieferung von Personen überhaupt fallen. Helfert,
1. Bd., S. 294 fg., S. 371 fg.
[288] Die Tageslöhnung.
[289] #Helfert#, 1. Bd., S. 286. -- #Grüner#, Gesch. d.
October-Revolution (Leipzig 1849), S. 280 fg., als Augen- und
Ohrenzeuge. -- #Rosenfeld#, Studentencomité, S. 338 fg. -- #Fenneberg#,
October-Revolution II. S. 399.
[290] Springer, S. 577.
[291] Poststempel Dresden, 5. November.
[292] St. B. S. 3420, Sp. 1. -- Zu vgl. auch Fröbel's Brief an Blum's
Schwester vom 22. Dec. 1848 im folg. Abschnitt (19) u. S. 524.
[293] v. Helfert führt nicht ein einziges Citat für seine
Verdächtigungen an. Da übrigens vom 1. November an nur die offizielle
Wiener Zeitung unter Redaction des Fürsten Windischgrätz erschien, und
die Ereignisse vom 31. October frühestens am 1. Nov. besprochen sein
konnten, so würde die Inspiration und Absicht der von Fröbel erwähnten
Zeitungsnachrichten leicht zu errathen sein.
[294] Fröbel bei seiner Vernehmung vor dem Kriegsgericht. Helfert, Bd.
3, S. 45 (Anhang).
[295] Er schrieb unter der Chiffre G. v. S...u und erklärte erst im
Vorwort zum zweiten Bande: „Verschiedene Erwägungen bestimmten den
Verfasser bei Veröffentlichung eines Werkes, dessen Inhalt mit dem
drängenden Parteieifer des Tages (?) in so mannigfache Berührung tritt“
(der erste Band erschien 1869! 21 Jahre nach der Wiener Revolution)„
für's Erste seinen Namen nicht in den Vordergrund zu stellen.“ Eine
traurige Ausrede!
[296] Blum lieferte infolge dessen am 2. November die einzige Waffe,
die er besaß, ab, „ein altdeutsches Schwert mit neusilbernem Griff,
Lederscheide und Koppel und erwartete dessen Sendung in seine Heimath.“
(Schreiben Blum's vom 2. November.)
[297] #C. Vogt#, „Mein Prozeß gegen die Augsb. Allg. Ztg.,“ Genf 1859,
enthält unwiderlegliche Beweise für dieses Verhältniß.
[298] 1. Band, S. 422.
[299] Helfert, Bd. 3. S. 424.
[300] Beiläufig bemerkt, auch bei Herrn v. Helfert selbst. Er schreibt
nur gebrochen deutsch: „Pöbel-Unfüge“, „mahlen“ statt malen, „ämtliche“
u. s. w.
[301] 2. Band, S. 581.
[302] Wörtlich nach #Helfert#, 3. Bd., Anhang S. 31. Uebrigens auch
schon in den Sächs. #Landt.-Mitth.# (L.-M.) 1849, 2. Kammer, S. 254,
Sp. 2, mitgetheilt.
[303] Helfert, 3. Bd., S. 192.
[304] Bericht des Gesandten an den sächsischen Minister der auswärtigen
Angelegenheiten in Dresden (v. d. Pfordten), d. d. Hietzing, den 5.
November 1848: „Nach einem hier gestern verbreiteten Gerücht wäre R.
Blum in Wien verhaftet worden. Ich #hoffe# (!) heute noch darüber
Gewißheit zu erhalten. Das Gerücht steht übrigens mit allen anderen
Nachrichten, die ihn jetzt in Berlin thätig sein lassen (?!), in
Widerspruch“ -- „Nachschrift.“ „Ein soeben (2 Uhr) bei der Kgl. Preuß.
Gesandtschaft allhier eingegangenes anonymes Schreiben von gestern
10 Uhr aus der Stadt datirt, zeigt an, daß R. Blum und J. Fröbel
gestern früh 6 Uhr arretirt und unter starker militairischer Bedeckung
abgeführt worden sind.“ [Landtagsmittheilungen (L.-M.), 2. Kammer 1849,
S. 248, Sp. 2.]
[305] Ebenda, S. 251-53. (Die hier citirten Stellen des Berichts s. S.
252, Sp. 2, S. 251, Sp. 2.)
[306] „Was mich betrifft, so habe ich das Bewußtsein, in dieser
verhängnißvollen Angelegenheit meine Pflicht erfüllt zu haben. Ich
helfe Jedem ohne Ausnahme mit der größten Bereitwilligkeit. Wo es aber
ganz außer meiner Macht liegt, zu helfen, da kann mich kein Vorwurf
treffen.“ Schluß seiner Rechtfertigung vom 21. November. A. a. O. S.
253 -- und damit zu vergleichen die im Text gedruckte Depesche vom 6.
November an der gesperrt gesetzten Stelle!!
[307] A. a. O. S. 248/49.
[308] Landtagsmittheilungen S. 248.
[309] A. a. O. S. 249.
[310] a. a. O. S. 250.
[311] Im wohlthuendsten Gegensatze zu dem Verhalten des sächsischen
Gesandten stand die Energie des sächsischen Ministeriums und
insbesondere v. d. Pfordtens. Die Note vom 3. November war schon
ein schönes Zeugniß für den Eifer der sächsischen Regierung,
ihre Landsleute in Wien zu schützen. Sofort nach dem Empfang des
Berichtes des Gesandten vom 5. schrieb aber das Ministerium am
8. an Könneritz, er müsse „Alles aufbieten, um Robert Blum zu
schützen.“ Es betonte nachdrücklich „das Recht“, welches Blum als
Abgeordneter wie als sächsischer Staatsangehöriger auf den Schutz
des Gesandten habe und schloß: „Die sächsische Regierung kann in so
eigenthümlich gestalteten Zuständen, wie sie jetzt im Kaiserstaate
bestehen, ihre Staatsangehörigen nicht sofort einer militairischen
Procedur überlassen, wenn nicht alle Vorbedingungen für Anwendung des
Kriegszustandes gegeben sind.“ Leider kam die Note zu spät in Wien an.
[312] Deutsches Reichsgesetzblatt Nr. 2.
[313] D. R. G. B. St. 1. Ges. v. 29. Sept. §. 4. S. 1.
[314] Diese Ausflüchte wurden den von der Centralgewalt zur Einsicht
der Acten Blum's &c. nach Wien gesandten Reichscommissären Paur und
Pözl eingehalten und finden sich in einer Note Bach's vom 6. December
1848 an das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten ausgesprochen.
(St. B., Bd. 6, S. 4478), Sächsische L.-M. a. a. S. 259 fg.
[315] Ebenda. L.-M. S. 261, Sp. 2.
[316] Bericht desselben an die k. k. Centralcommission vom 30. Nov.
1848. L.-M. S. 256/57.
[317] „Auf frischer That!“ -- Wortlaut des Reichsgesetzes vom 30.
November.
[318] Schillerfest.
[319] S. 48 fg.
[320] Also abermals der deutlichste Beweis, daß auch Fröbel im Feuer
gewesen.
[321] Der Blick vom Stabsstockhause ging auf die stets sehr belebte
#Elends#bastei.
[322] Bd. 3, S. 194.
[323] Nummern vom 9. und 11. November 1873.
[324] Bd. 3, S. 199. P. habe sie „den Richtern zukommen lassen.“
[325] Helfert, 3. Bd., Anhang S. 45.
[326] Soll heißen seiner Einquartirung in Blum' und Fröbel's Zimmer.
[327] Und da H. v. Helfert die Acten eingesehen hat, weil er Sachen
daraus mittheilt, die er nicht abdruckt und weil er manchmal sogar die
Handschriften bestimmten Personen zuweist.
[328] Helfert, 3. Bd., Anhang S. 105 u. 106.
[329] Helfert, ebenda S. 39.
[330] In seinem oft citirten Bericht vor der Paulskirche.
[331] Hier folgte die von Fröbel beseitigte Drohung: „und behalten sich
vor, gegen dieselben alle gesetzlichen Mittel in Anwendung zu bringen,
sobald sie dazu im Stande sein werden“.
[332] Soll heißen: Schönbrunn.
[333] Sächsische L.-M. 1849. II. K. S. 258/59.
[334] 3. Bd. N. 193. Anh. S. 106.
[335] Das Schreiben ist vollständig mitgetheilt von Helfert, 3. Bd.,
Anh. S. 40, 41, sub 9.
[336] Damit war natürlich durchaus nicht unvereinbar, daß nicht
nebenher noch geheime Instructionen über Blum nach Wien ergingen. Denn
so gut Actenstücke aus den Acten verschwinden konnten, welche dorthin
gehörten und nicht nach Schönbrunn (Blum's Proteste vom 5., 7. und 8.
z. B.), ebenso gut konnten auch Befehle auf dem Wege von Schönbrunn zu
den Acten -- secretirt werden. So gut wie der Fürst den ganzen Sommer
über hinter dem Rücken seines Kriegsministers conspiriren konnte,
so gut konnte er auch hinter dem Rücken der lieben Einfalt, die in
Wien Standrechtscommission spielte, der „Gemeinen“ Tiefenthaller und
Consorten seine Wünsche über Blum's Schicksal verschämt andeuten.
Die wunderliche Kürze des „Verfahrens“ gegen Blum, bei der alle
wichtigen, für den Angeklagten entscheidenden Fragen durch einfaches
Abstimmungscommando ausgetragen wurden, ist -- namentlich wenn man
damit die eingehenden Verhöre mit Messenhauser und die liebevolle
Weitläufigkeit zur Ermittelung mildernder Umstände für Fröbel
vergleicht -- eine schwere Bestätigung dieser Vermuthung.
[337] #Helfert#, 3. Bd. Anh. S. 41. L.-M. a. a. O. S. 255 fg.
[338] Wir haben also an „Grundlagen“ für das Kriegsgericht oder,
um es gerade heraus zu sagen, für die Tödtung Robert Blum's: einen
„Auftrag“ des G. M. Cordon, zwei Zeitungartikel nicht von Blum,
möglicher Weise über Blum -- das Nähere verräth das Protokoll nicht
-- den Auszug aus dem Sitzungsprotokoll des Gemeinderathes, welches
absolut nichts Belastendes für Blum enthalten haben kann, das völlig
harmlose Protokoll über die Verhaftung, das ebenso harmlose Schreiben
der Abgeordneten vom 3. November (das oben mitgetheilt wurde) und --
_last not least_ -- den Kofferschlüssel Blum's! Das war der Apparat,
mit welchem die Anklage auf Tod und Leben erhoben wurde.
[339] Muß heißen am 17.
[340] Die Unterschriften dieses Protokolls, vom Gefreiten bis zum
Rittmeister aufwärts hat selbst Helfert kaum entziffern können. Die
slavischen Namen vieler der Herren Richter vervollständigen das Bild
ihres muthmaßlichen Bildungsstandpunktes.
[341] Damit sind die vom Standgericht zu Gunsten Fröbels angeführten
Milderungsgründe erschöpft. (Helfert, Anh. S. 44/45.) Denn, daß seine
Abtheilung „mit den k. k. Truppen noch in keinen Kampf gekommen war“,
war ein Irrthum oder eine Zweideutigkeit. Zum Handgemenge war Blum auch
nicht gekommen. -- Uebrigens muß es ein erhebender Augenblick gewesen
sein, wie die „Gemeinen“ Tiefenthaller und Compéis ihr Urtheil über die
gemäßigten Schriften, Reden und Thaten des Professors Fröbel abgaben.
[342] Schreiben Hipssich's vom 30. Nov. L.-M. S. 256/57.
[343] _Votum informativum_ (Actenvortrag und Anklagebegründung) des
Auditor's von Wolferom vor Schöpfung des Urtheils wider Messenhauser.
(Helfert, Bd. 3, Anh. S. 49.)
[344] Stilübungen dieser Art sind zu finden in der #Wiener Zeitung#,
Morgenblatt vom 28. November und in den Nummern vom 29. November bis
1. December; im „#Lloydjournal#“ vom 21. Nov. ab; in Ebersberg's
#Zuschauer# vom 25. u. 28. Nov.; im „Oesterr. Courier“ vom 23.
November; in der #Prager Zeitung# vom 14. November 1848 u. s. w. --
Keine einzige dieser Ausführungen bietet den Versuch einer objectiven
rechtlichen Beurtheilung an der Hand der Gesetze und der Acten. Alle
ergehen sich nur in politischen Ausführungen und in leidenschaftlichen
persönlichen Schmähungen R. Blum's.
[345] #Bluntschli#, „Das moderne Völkerrecht,“ S. 30 fg. u. S. 547,
548, 549. „So weit die Nothwendigkeit reicht, so weit reicht die
Kriegsgewalt. Darüber hinaus wird sie #rohe Willkür#.“ S. 561 u. 568.
[346] #Helfert#, 3. Bd., S. 206 u. 207, Anh. S. 112, N. 209.
[347] Das Protokoll „erhebt“ durchaus keinen „Thatbestand“.
[348] Selbst die Geständnisse Blum's decken in keiner Weise das ihm zur
Last Gelegte.
[349] Im Protokoll steht nichts von Zeugen. Keinesfalls ist die Aussage
solcher Blum vorgehalten, keinesfalls ist ihm ein Zeuge nur genannt
worden.
[350] Das ist das „einzige Gesetz“, welches das Urtheil anführt, und
nach welchem der Tod verwirkt sein soll -- die Willkürverordnung eines
nicht einmal mit legalem Auftrag versehenen Heerführers; denn die Th.
Gerichtsordnung ist ein #Prozeß-#, kein Strafgesetz.
[351] Die Namen der Mitgefangenen waren Camillo Hell, Terzky, v.
Schlechta.
[352] Ursprünglich war für die gebührende Abweisung dieses Verhaltens
ein besonderes Plätzchen hinter dem Texte aufgehoben. Auch die
liebe Jugend, die auf Grabhügeln mit Füßen herumtrampelt, während
Andere einen theuern Todten begraben, erhält ihren Denkzettel nicht
während der Leichenrede, nicht auf dem Friedhofe. Aber bei näherem
Betracht waren die Helfert'schen Herabsetzungen so kurz und schlagend
abzufertigen, daß dazu einige Noten genügten, und man ihm die besondere
Ehre eines Anhanges ersparen konnte. Zunächst behauptet Herr v.
Helfert: „Wir können nach dieser Scene“ (zwischen Fröbel und Blum beim
Abschied) „und nach Blum's vorwaltender (?) Gemüthsstimmung in den
Tagen zuvor nicht glauben, daß Blum den Abend heiter gewesen sei und
die Nacht ruhig geschlafen habe“. #Wir# haben dafür aber außer dem
von Fröbel bekundeten Zeugniß eines Mitgefangenen die Thatsache, daß
Blum am andern Morgen aus tiefem Schlaf geweckt wurde. Und überdem ist
die Heiterkeit Blum's und sein gesunder Schlaf sehr wahrscheinlich
und erklärlich. Denn bei ihm „waltete vor“ das Gegentheil jener
Gemüthsstimmung, welche Herr v. H. für die Blum beherrschende hält.
Und je länger Blum über den Verlauf seines Verhör's nachdachte, um
so ruhiger mußte er werden. Fröbel sah ihn in der ersten Erregung
nach dem Verhör -- Fröbel selbst aufs höchste erregt -- zum letzten
Mal. Dazu kam nun für Blum die neue, leichtblütige Gesellschaft
seiner Mitgefangenen. Wer mit Herrn v. Helfert an der Wahrheit des
Fröbel'schen Berichts von Blum's letzter Nacht zweifeln will, muß Blum
eine tiefere Kenntniß der Niedertracht des gegen ihn beobachteten
Verfahrens und der Absichten seines Richter-Pelotons zutrauen, als Blum
sie besaß.
[353] Diese Darstellung ist der „Illustrirten Zeitung“ von J. J. Weber
entnommen, einem Blatte, das immer gute Beziehungen zu Oesterreich
hatte und dem die ganze damalige deutsche Presse diese Darstellung der
letzten Stunden Blum's unwidersprochen nachdruckte, und zwar die Organe
aller Parteien. (Ich besitze etwa ein Dutzend Blätter aller Farben,
die das beweisen.) Diese Erzählung fußt offenbar auf der Mittheilung
des Geistlichen selbst, denn Vieles, was darin steht, wiederholt
sich in der spätern Erzählung Pater Raimund's in den „Histor. polit.
Blättern“, von welcher sogleich die Rede sein wird. Die Erzählung der
Illustr. Zeitung ist durchaus glaubhaft, denn sie zeigt uns Blum wie
er wirklich war, dogmenfrei, harmonisch mit seinem ganzen Leben und
Charakter. Sie steht ferner in vollem Einklang mit dem, was Andre in
Wien selbst in den nächsten Tagen über Blum's letzte Stunden erfahren
konnten und aufzeichneten (Auerbach, Nordstein u. A.) und mit dem
Verhalten Blum's Fröbel gegenüber, wenn Beide in einsamen Stunden vom
Tode sprachen. „Niemals sei da,“ versichert Fröbel (Briefe, S. 56),
„ein religiöses Gespräch zwischen ihnen geführt worden. Nur „um einen
Zeugen zu haben, daß er ruhig sterbe,“ habe Blum einmal geäußert,
„möchte er um die Begleitung eines Geistlichen bitten.“ Auch am Abend
des 8. sei kein Wort von einem religiösen Gespräch zwischen Blum
und seinen (neuen) Gesellschaftern vorgekommen.“ Diesen einfachen
und glaubhaften Erzählungen gegenüber trat am 28. November 1848 das
offizielle (aus Mangel an Theilnahme seither eingegangene) Organ des
österr. Ultramontanismus, die „Wiener Kirchenzeitung“ auf, mit der
Behauptung: „Robert Blum hat gut katholisch die heiligen Sacramente
empfangen. So sagt der Priester, der zu ihm gerufen wurde.“ Natürlich
ließ diese Ankündigung des offiziellen Blattes das offiziöse Leiborgan
des deutschen Ultramontanismus, die gelben Blätter der Familie Görres,
nicht lange ruhen. Im ersten Quartal 1849, S. 113-118, veröffentlichten
die berufenen „histor.-polit. Blätter“ (die sich so nennen, weil
sie niemals weder historischen noch politischen Sinn besaßen) ein
„Sendschreiben an die Redaction“, welches angeblich von dem Geistlichen
herrührte, „der Blum zum Tod vorbereitete“ und in welchem es heißt:
„Der Katholik habe Ursache, die Gnade Gottes zu preisen,“ weil
Blum „zuletzt auf die Knie vor Pater Raimund gefallen sei und um
das Sacrament gebeten habe.“ Blum habe „mit geläutertem Gemüth die
Absolution und die heilige Hostie empfangen, nachdem der Profoß das
Zimmer verlassen und Blum seine Beichte abgelegt habe.“ Zu diesem
erfreulichen Ergebnisse sei der brave Pater Raimund gelangt, nachdem er
Blum „auf das Beispiel von -- Sokrates (!) hingelenkt, mit Blum über
Unsterblichkeit gestritten und von den Dingen gesprochen habe, die des
Menschen Geist zu dem Höchsten erheben, die sein Gemüth aufs Tiefste
bewegen.“ Diesem Bericht gegenüber haben wir uns vor Allem mit dem
tiefen Mißtrauen zu waffnen, das bei jeder „Enthüllung“ und namentlich
jeder Bekehrungsgeschichte aus ultramontaner Quelle am Platze ist. Dann
mit dem Unglauben, welchen Blum's ganzer Werdegang aufnöthigt gegen
die Annahme, daß ein so freier Geist sich von den geistlosen Fesseln
des kathol. Dogma's in der Stunde des Todes habe bestricken lassen.
Daß ein Protestant, der aus freiem Forscher- und Wahrheitsdrang den
Formen seiner Kirche den Rücken gewendet, in seinen letzten Stunden
andächtig wieder dem Worte Gottes lauscht, wie in seinen Kindertagen,
das ist denkbar. Denn auch in der Glaubenslehre der Protestanten ist
Freiheit und Geist die Fülle, und in der protestantischen Auffassung
von Einkehr und Buße liegt der größte Triumph des freien Willens,
den Menschengeschichte kennt. Aber daß ein Katholik, der von seinen
Kindestagen an das hohle werkheilige Wesen der #Formen#, welche seine
Kirche statt des Geistes bietet, in der Stunde seines Todes für
genügend erachten solle, um sich mit Gott und der Welt zu versöhnen,
das ist schlechthin undenkbar -- mindestens bei Robert Blum. Das kann
uns auch ein geweihter Priester nicht glauben machen. Sicherlich wahr
ist und von #allen# zeitgenössischen Gewährsmännern berichtet, daß
Blum sich wahrhaft fromm und gottergeben, weich und mild dem Pater
Raimund gezeigt, daß er mit ihm davon gesprochen hat, wie schwer ihm
das Scheiden von der Welt werde, heraus aus vollster Manneskraft, mit
Hinterlassung einer Gattin, die Blum für schwindsüchtig hielt, und vier
kleiner Kinder, von denen das älteste noch nicht acht, das jüngste noch
nicht ein Jahr alt war, noch dazu in ärmlicher Vermögenslage! Auch über
Unsterblichkeit mögen sie gesprochen haben; doch nicht streitend --
denn Blum selbst glaubte daran -- sondern ihre Beweisgründe ergänzend,
vertiefend. Zu einem ernsten „Bekehrungsversuche“ aber wie er hier in
Scene gesetzt gedacht wird, fehlte dem Pater vor Allem die Zeit. Denn
den größten Theil der Zeit, die Blum zur Verfügung zu haben glaubte,
verwendete er zur Niederschrift seiner letzten Briefe. Blum schrieb
nach fünf Uhr früh: um 6 Uhr werde er „vollendet haben“ -- #man vergl.
das Facsimile des letzten Briefes Blum's an seine Gattin#. Herr v.
Helfert, der so gerne glauben machen möchte, daß Blum als Pfaffenknecht
gestorben sei, bestreitet daher völlig grundlos, daß Blum die Worte
„um sechs Uhr habe ich vollendet,“ geschrieben habe -- um eine größere
Spanne Zeit für das Bekehrungswerk des Paters zu gewinnen.
[354] Persönliche Mittheilung Carl Vogt's an mich.
[355] Das geschah am Frühmorgen des 13. November. Die furchtbare Scene
wird mir stets unvergeßlich sein. Ich begriff eher wie meine arme
Mutter, was Cramer sagen wollte, als er auf ihren Vorschlag: sie wolle
selbst nach Wien reisen, zögernd erwiederte: „ich fürchte -- Sie kommen
zu spät.“
[356] Herr v. Helfert scheint das (in der Note 198 Bd. 3) bestreiten zu
wollen, spricht aber selbst bei Messenhausers Execution von Ketten wie
von einer berechtigten österreichischen Eigenthümlichkeit. Die Scene
wird von allen Zeitgenossen gleichlautend erzählt (Illustr. Ztg., Frey,
Auerbach, Nordstein). Ebenso von dem S. 501 genannten Gewährsmann, der
von hier an dem traurigen Zuge folgte und der Execution beiwohnte.
[357] Helfert verlegt diesen Vorgang auf die Zeit der Fahrt zur
Brigittenau, die meisten der zeitgenössischen Berichterstatter
(Illustr. Ztg. &c.) auf den Richtplatz. Jedenfalls zeigte Blum nicht
„an seinem Rock die Spur der Kugel“, denn er trug am 9. November einen
anderen Rock, als denjenigen mit der Kugelspur. Den letzteren erhielten
wir von Wien zurück. --
[358] Es kann nicht wunder nehmen, daß Herr v. #Helfert# Blum's
Haltung auch während der letzten Stunden und Minuten seines Lebens
als unmännlich und feig darzustellen versucht. Er hat ja für
dieses löbliche Unternehmen einen Bundesgenossen gefunden, dessen
unparteiische Gerechtigkeit für Blum nach den zahlreichen Proben, die
wir früher gaben, unsern Lesern über jedem Zweifel erhaben sein wird,
nämlich Herrn -- #Heinrich Laube#! („Das deutsche Parlament“ 3. Bd.
S. 158-161.) Herr Heinrich Laube nennt seinen Gewährsmann freilich
nicht. Er will sich an denselben „bald nach der Katastrophe“ gewendet
haben und hüllt ihn sorgfältig in ein geheimnißvolles Dunkel. Bald
ist es ein „Mann“ „der in der Lage war, den Hergang wenigstens so
genau erforschen zu können, als dies einem unbefangenen, mit Hoch und
Niedrig bekannten Privatmanne überhaupt möglich ist“; bald wieder soll
dessen Erzählung als „Zeugniß der damaligen Stimmung in den höheren
Kreisen Wiens dienen.“ Seiner Gesinnung nach ist dieser unbefangene
Herr ein Schwarzgelber von reinster Farbe. Er schimpft des Längeren
über Blum und sagt dann: „ihn habe das ganz verdiente Schicksal auf
gesetzlichem Wege ereilt.“ Dieser „unbefangene Privatmann“ berichtet
aber auch nicht einmal aus eigenem Augenschein, sondern er hat nur --
gerade wie Herr v. Könneritz -- „an der besten Quelle Erkundigungen
eingezogen.“ Diese „beste Quelle“ ist „der Offizier, welcher Blum
begleitete“, also Anton Pokorny. Dieser Offizier „will“ nun -- nach
Laube -- der mehrmaligen Frage Blum's nach der Richtung des Wegs, den
der Wagen nahm, zuerst den wunderlichen Sinn entnehmen: „Blum habe
zuerst geglaubt, in einen andern Verwahrungsort oder an die Grenze
gebracht zu werden. Das dreimalige Fragen #will# der Offizier als eine
Fortsetzung jener Hoffnung #gelten# lassen (!) und bemerkt hierzu, daß
die Haltung Blum's bei jeder Antwort merklich ungewisser geworden.“ Was
man von diesem Wahrheitsdestillat zu halten hat, das zuerst über den
Hauptkolben des „unbefangenen Privatmannes“ und dann durch die reine
Wahrheitsröhre der Laube'schen Feder geleitet worden ist, wird sogleich
der Lieutenant Anton Pokorny selbst erzählen. Aber das beschämende
Gefühl, daß es damals in Wien „unbefangene Privatleute“ gab, welche
einen deutschen Schriftsteller fanden, der sich dazu hergab, einen im
Opfertod gefallenen deutschen Helden noch im Tode als einen Feigling
zu verleumden: dieses beschämende Gefühl verschafft uns Herr Heinrich
Laube ganz selbständig, ohne daß wir des Zeugnisses des Lieutenants
Pokorny bedürfen. Denn wenn Herr Laube seinen „unbefangenen Privatmann“
weiter sagen läßt: „der Offizier sprach gegen mich #subjectiv# die
Meinung aus, daß er Blum in jenem Augenblicke“ vor der Hinrichtung
„nicht hinlängliche Fassung zu einer Anrede zugetraut hätte“ -- so ist
dieses „subjective“ Gerede schon widerlegt durch die unumstößliche
Thatsache, daß Blum verlangt hat, mit unverbundenem Auge sterben zu
dürfen. Dazu gehörte gewiss mehr „hinlängliche Fassung“, als zu den
kurzen letzten Worten, die Blum sprach. Und wenn Herr Laube -- den
wir selbst Angesichts der stenographischen Berichte und Tausender
von Zeugen auf Unwahrheiten gegen Blum ertappten -- natürlich nicht
subjectiv, sondern wortgetreu seinem „unbefangenen Privatmann“ folgend,
hinzusetzt: „Mit einem Worte: Blum ist nicht feige, er ist aber auch
nicht als Held gestorben“, und Herr v. Helfert hieran vergnügt sein
Ja und Amen giebt, so mag aus dem Briefe Fröbel's an Fr. Selbach vom
22. December 1848 noch folgende Stelle wortgetreu hier stehen: „Was
ich weiter von Ihrem Bruder hören konnte, war eine kurze Mittheilung,
die mir ein Lieutenant Bockorny (Pokorny) machte, der zum Standgericht
gehörte (s. o. S. 552). Er hatte Ihren Bruder im Wagen nach der
Brigittenau begleitet, und war im Besitz der Briefe an Frau Blum
und an Vogt, sowie der für mich bestimmten Notizen, welche seitdem
alle publicirt worden sind. #Er erzählte mir, daß Ihr Bruder mit der
Festigkeit eines ganzen Mannes gestorben sei#, daß er augenblicklich
nach Empfang der drei Kugeln vollendet habe, und daß Offiziere und
Soldaten tief erschüttert gewesen seien. Das, verehrte Frau, ist Alles,
was ich Ihnen im Raum eines Briefes mittheilen kann. Eines Trostes,
den ich zu geben vermöchte, bedürfen Sie nicht. #Ihr Bruder hat ein
ruhmwürdiges Leben durch einen ruhmwürdigen Tod besiegelt.# Sein Leben
und sein Tod werden fortwirken und die Zwecke erreichen helfen, die
sein Bewußtsein erfüllt und seine Kraft bewegt haben. Leben Sie wohl!“
Blum's muthigen Tod, und daß er vor seinem Ende gesprochen, bezeugen
Alle, die als Augenzeugen oder aus erster Quelle urtheilen konnten:
auch mein S. 501 genannter Gewährsmann, dann L. Wittig, Auerbach, die
Illustr. Ztg., Nordstein &c. ja Fürst Windischgrätz selbst (s. S.
553). -- Blum's #Leiche# ist #nicht#, wie Helfert annimmt, in einem
Massengrab des Währinger Kirchhofs bestattet worden. Ein treuer Freund,
der hierzu im Stande war, sorgte für ein kenntliches Grab. Doch mahnt
Herrn v. Helfert's Buch daran, ein seit dreißig Jahren bewahrtes
Geheimniß auch ferner zu wahren!
[359] Tageblatt vom 14. November, erste Seite.
[360] Tagebuch S. 543, 544.
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