Allein was bedeutet dies? -- Man kann solche Begriffe nicht gut

vermeiden, zumindest verhindert dies die Umständlichkeit einer anderen

Ausdrucksweise; auch Mach bedient sich ihrer für den »Hand- und

Hausgebrauch«.[179] Andererseits liegen diese Begriffe nicht nur in der

physikalischen, sondern auch in der philosophischen Interessensphäre.

Von den ungleichen Erfolgen beider Wissenschaften ganz abgesehen, drängt

daher schon das methodische Interesse nach einer Scheidung der Anteile.

Es ist also ganz natürlich, daß der Physiker strebt, das von ihm

Erreichte vor philosophischen Ueberraschungen zu sichern, seine Gesetze,

Kräfte, stofflichen Konstanten usw. von ihrer weiteren philosophischen

Verarbeitung und Fundierung unabhängig zu machen. Das natürliche Mittel

dazu ist eine scharfe Abgrenzung. Etwa so, daß man sagt: Mag dieses X

zuletzt sein, was es wolle, für mich, den Physiker, ist es nur das, als

was es in meinen Gleichungen fungiert. --

Dieses Streben ist alt. Schon Newton gebraucht in seinem Sinne das Wort

Kraft nur für die unbekannte Ursache bekannter Vorgänge; weiter geht er

nicht; er will mit dieser Begriffsbildung jedoch nicht der Diskussion

vorgreifen, sondern nur die bisher erhaltenen Resultate so fixieren, daß

sie für sich bestehen bleiben, gleichgültig, welche Fundamente ihnen

späterhin noch unterlegt werden. Ebenso schreibt Fechner: Kraft ist der

Physik überhaupt weiter nichts als ein Hilfsausdruck zur Darstellung der

Gesetze des Gleichgewichts und der Bewegung, welche beim Gegenüber von

Materie und Materie gelten; nichts als das Gesetz kennt der Physiker von

der Kraft, durch nichts sonst weiß er sie zu charakterisieren. Und aus

der letzten Zeit ist Kirchhoff zu nennen, der, ermüdet von dem

unfruchtbaren Streit über Kraft und Materie, ihre Natur, ihr

gegenseitiges Verhältnis u. dgl., diese Fragen von der Mechanik (ihrem

Mutterboden) dadurch ausschloß, daß er als die Aufgabe dieser

Wissenschaft die einfachste unzweideutigste Beschreibung der Bewegungen

der Körper hinstellte und das Wort Kraft statt für eine metaphysische

Bewegungsursache lediglich als Namen für gewisse algebraische Ausdrücke

gebrauchte, die bei der Beschreibung der Bewegungen ständig vorkommen.

In dieselbe Richtung fällt dann die Hertzsche Darstellung der Mechanik,

z. T. die energetische Behandlungsweise der Physik, die Maxwellsche

Elektrizitätstheorie u. a.

Allein so sehr dies für Mach zu sprechen scheint und obwohl er sich nicht

nur auf die modernen Darstellungsweisen beruft, sondern sogar auf direkte

Aussprüche von Kirchhoff und anderen Physikern[180], so ist dies alles

tatsächlich doch noch sehr von seinen Bestrebungen zu unterscheiden. Denn

wenn man sagt: ich als Physiker kann mich mit diesem Gegenstande nur in

dieser Bedeutung befassen, so ist das bloß eine Wandlung der Aufgabe, aber

noch keine der Sache, es schließt andere Interessen keineswegs aus, das

Betonen des spezifisch physikalischen Standpunkts enthält durchaus noch

keine »antimetaphysische« Tendenz.

Damit kommen wir aber auf das eigentlich Entscheidende, auf das

Spezifische der Machschen Position, auf das, was nicht mehr der modernen

Physik schlechtweg, sondern speziell nur ihm eigentümlich ist. Er sagt,

die besprochenen Begriffe verschwinden nicht nur von der Oberfläche,

sondern sie fallen überhaupt aus; sie sind auf Grund der Sachlage sowohl

unmöglich als auch überflüssig, denn das wissenschaftliche Weltbild ist

auch ohne sie vollständig in sich geschlossen.

Das alles soll in den funktionalen Gleichungen liegen. Aber, fragen wir

uns, was ist ihnen denn eigentlich zu entnehmen? Sie zielen auf die

Berechnung gewisser Merkmale auseinander; Mach wendet dies so, daß diese

Abhängigkeit nur als logische erscheint, daß statt der Ursache nur die

Rolle des Erkenntnisgrundes bleibt. Aber dies ist eine unvollständige

Betrachtungsweise. Denn selbstverständlich entspricht auch der in einer

funktionalen Gleichung ausgedrückten Verknüpfung eine reale Abhängigkeit

in der Natur, und wenn es gelingt, die Begriffe Kraft, Substanz, Kausalität

u. dgl. auf Grund solcher funktionaler Gleichungen auszugestalten, so wird

für diese Begriffe das gleiche gelten. Dabei tut es gar nichts zur Sache,

ob diese Begriffe in den speziellen historischen Formen, die Mach angreift,

unhaltbar sind oder nicht, denn wir haben es hier nicht mit den Resultaten

spezieller Bemühungen zu tun, sondern mit deren Existenzberechtigung

überhaupt, und man muß zudem bedenken, daß diese Begriffe sehr

wandlungsfähig sind und ihre Ausbildung noch nicht abgeschlossen ist.

Aus diesem Grunde ist auch der Gedanke, dem wir bei Besprechung des

Substanzbegriffes begegneten, daß diesem in der Natur keine wirkliche

Beständigkeit entspreche, nicht entscheidend. Denn wenn wir den Inhalt

dieses Einwandes prüfen, so kommt er darauf hinaus, daß das vom

Substanzbegriff mit den modernen Mitteln Festgestellte nicht das

Verharren einer zeitlich-räumlich individuierten Einheit, sondern das

einer »Gruppe« funktioneller Abhängigkeiten sei, die als Reaktionen »da

und dann« auftreten; es besteht aber gar keine Nötigung (zumindest weist

Mach keine nach), den philosophischen Substanzbegriff gerade auf die von

ihm angegriffene Form festzulegen. Ist dadurch allein schon dem Angriff

die Spitze genommen, so schwindet seine Berechtigung noch weiter durch

die Ueberlegung, daß ja schon in jener Beständigkeit der Reaktionen, von

der Mach selbst spricht, ein Hinweis auf ein Beharrendes und in der

ständigen Zusammengehörigkeit und Wechselbeziehung einer Gruppe von

Gleichungen ein Hinweis auf ein die durch sie ausgedrückten Beziehungen

einigendes reales Moment liegt, um so mehr, wenn man, wie Mach, das

Wesen der Gleichungen in einer Nachbildung der Tatsachen erblickt.

Gleichgültig, wie dieses korrespondierende Reale bei genauerer

erkenntnistheoretischer Analyse der ganzen Beziehung zu denken sein

wird, darf man es also auch schon jetzt nicht vernachlässigen, ohne

einfach eine Frage unberücksichtigt zu lassen, deren Stellung durch die

Tatsachen gefordert ist.

Und das gleiche gilt für den zweiten angegriffenen Fundamentalbegriff,

den der Kausalität; auch auf ihn wird man schon durch die Tatsachen

selbst verwiesen. Beispielsweise ist durch die betreffende Gleichung

rein funktional ein gewisser Arbeitsbetrag an einen bestimmten

Wärmebetrag geknüpft; daneben gilt aber auch, was sich allerdings nicht

in der Gleichung ausdrückt, wohl aber zu ihrer Diskussion gehört, daß

etwa Reibung Wärme erzeugt, Wärme aber nicht -- bezw. nur auf einem ganz

anderen, indirekten Wege -- Reibung. Die Voraussetzung, daß sich alle

solchen einsinnigen, gerichteten Zusammenhänge in simultane, invertible

auflösen lassen, ist vorläufig Zukunftsmusik, aber auch wenn der genau

erforschte Zusammenhang so sein sollte, wie es Mach in dem Beispiel des

Schusses voraussetzt, so würde dies noch nicht ausschließen, daß kausale

Relationen zwischen Gliedern solcher Prozesse bestehen, die eben nicht

unmittelbar benachbart sind. Das ist Sache der Durchbildung der

Kausalität. Mach selbst erwähnt die Tatsache, daß, wenn zwei

physikalische Größen zusammenhängen, wohl der Aenderung der einen eine

der anderen entsprechen könne, daß dies aber nicht immer auch umgekehrt

der Fall sein müsse.[181] Wertänderungen physikalischer Größen finden

unter Umständen nur in einem bestimmten Sinne statt. »Von den beiden

analytischen Möglichkeiten ist nur die eine wirklich. Ein metaphysisches

Problem brauchen wir hierin nicht zu sehen,« sagt Mach.[182] Aber

zweifellos liegt in der Tatsache, daß hier nur die eine analytische

Möglichkeit wirklich ist, in anderen Fällen aber beide einen

physikalischen Sinn haben, etwas, das über die bloß funktionale

Abhängigkeit hinausweist.[183] Eine tatsächliche Grundlage der so

einfach ausgemerzten Begriffe ist also jedenfalls doch vorhanden. Und

diese tatsächliche Grundlage ist es, die Mach nirgends genügend in

Rechnung stellt. Er behandelt die Gleichungen lediglich als rechnerische

Hilfen, als denkökonomische Mittel, die »nur logische« Abhängigkeit

behandelt er, wie wir im nächsten Abschnitt noch deutlicher sehen

werden, wie eine willkürliche. Dann freilich erscheinen auch die auf

solchen Gleichungen ruhenden Begriffe ohne sachliche Unterlage,

gleichsam nur als fliegende Stützen, die man aufstellt und abbricht, wo

es einem gut erscheint. Aber das ist eine Ueberspannung der Sachlage.

Oder sollte der Hinweis auf den allgemeinen Zusammenhang sie retten? Alle

Zustände hängen voneinander ab, haben wir gehört. Ohnedies setzen die

Begriffe die Gleichungen, die Gleichungen aber die Begriffe voraus. Liegt

es da nicht nahe, daß beides nur Provisorien sind, daß wir mit beiden

nichts tun, als gewisse dennoch nicht völlig loslösbare Momente aus dem

allgemeinen Zusammenhang herauszugreifen?[184] In der Tat ist dies der

Sinn; eine Art ¿pantarei¿. Er spielte schon in den vorigen Abschnitt

hinein, wir haben aber dort schon und in der Folge hervorgehoben, daß

in dem allgemeinen Flusse der Erscheinungen gleichfalls sehr

bestimmte Anhaltspunkte zur Bildung gewisser -- sehr wohl »durch

die Erfahrungen kontrollierbarer«[185], weil auf ihnen als Grundlage

aufgebauter -- Begriffe liegen. Um im Herakliteischen Gleichnis zu

bleiben: der Fluß der Erscheinungen zeigt gewisse Eigentümlichkeiten der

Strömung, die die Annahme fester, richtunggebender Gefüge erschließen

lassen, auch wenn diese nicht unmittelbar sichtbar sind. Dem entgegen

betont Mach Anhaltspunkte, die auf eine immer weitere Auflösung

hinweisen. Aber man kann es wenden, wie man will, berücksichtigt man die

Schwierigkeiten, auf die wir bei jedem Schritt dieses Weges Machs

verweisen konnten, und die stets übrig gebliebenen Möglichkeiten des

Andersseins, so ergeben sich aus seinen Ausführungen wohl Einwände,

Direktiven, Anhaltspunkte, aber keine stringenten Nachweise.

Andrerseits mußten auch wir uns in dem gegebenen Rahmen mit Hinweisen

und Andeutungen begnügen. Alles in Allem stehen sich daher hier zwei

Ansichten gegenüber. Beide glauben sich nach den Erfahrungen zu richten,

aber die eine weist nach links, die andere nach rechts. Auf eine

Widerlegung Machs durch Ausbau der entgegenstehenden Ansicht müssen wir

verzichten, denn wir wollen hier weder mit eigenen Untersuchungen

einsetzen, noch auch uns bloß auf fremde berufen, die Mach vielleicht

gar nicht anerkennt. Also bleibt uns nur übrig nachzuprüfen, ob die

Machsche Anschauungsweise zumindest in sich selbst genügend gefestigt

und in wenigstens widerspruchsfreier Weise ausgebaut sei.

Daß dem nicht so ist, werden wir durch noch eingehendere Betrachtung im

nächsten Abschnitt feststellen können.

Fußnoten:

[127] Ueber die Erhaltung der Kraft 1847.

[128] Vgl. E. u. J. 272.

[129] M. 524, vgl. P. V. 228.

[130] E. u. J. 272.

[131] A. d. E. 75.

[132] E. u. J. 273.

[133] A. d. E. 74; E. u. J. 273.

[134] E. u. J. 273/274.

[135] E. u. J. 273/274.

[136] A. d. E. 74. Man denke an die früher wiedergegebene Definition der

Masse.

[137] A. d. E. 75.

[138] M. 524.

[139] E. u. J. 274/275. Vgl. A. d. E. 74.

[140] Von dem hier schon mitsprechenden Phänomenalismus ist vorläufig

noch abzusehen. Man substituiere: sobald es gelingt, die elementaren

Bestimmungsstücke der Ereignisse begrifflich durch meßbare Größen zu

charakterisieren. In der Tat werden wir sehen, daß bei Machs Behauptung

eines funktionalen Zusammenhanges zwischen Elementen nur diese Bedeutung

möglich, wenn auch nicht stets von ihm gemeint ist.

[141] »Darin liegt für mich der Vorzug des Funktionsbegriffs vor dem

Ursachenbegriff, daß ersterer zur Schärfe drängt und daß demselben die

Unvollständigkeit, Unbestimmtheit und Einseitigkeit des letzteren nicht

anhaftet. Der Begriff Ursache ist in der Tat ein primitiver vorläufiger

Notbehelf«, heißt es A. d. E. 75. Vgl. P. V. 281; W. L. 435/436; E. u. J.

273, 277.

[142] Ein Beispiel hierzu E. u. J. 133.

[143] E. u. J. 273. Vgl. zu den Vorzügen des Funktionsbegriffs und zu

seiner Stellung als tatsächliches Resultat der wissenschaftlichen

Entwicklung noch: A. d. E. 74--78, 80, 262--264; E. d. A. 35 f; M. 282 f.

[144] P. V. 281; W. L. 435/436; A. d. E. 74.

[145] A. d. E. 262--264.

[146] Vgl. E. u. J. 273/274; A. d. E. 262/264; M. 282 f.

[147] M. 521.

[148] E. u. J. 3.

[149] P. V. 232/233.

[150] A. d. E. 245.

[151] Natürlich soll hierdurch nur Machs Standpunkt verständlich gemacht

werden, eine persönliche Stellungnahme liegt in diesen Ausführungen nicht.

[152] W. L. 436/437, vgl. W. L. 379.

[153] M. 232.

[154] M. 139 f.

[155] M. 270 f.

[156] A. d. E. 259. Vgl. M. 84; E. u. J. 104; W. L. 400.

[157] A. d. E. 256.

[158] A. d. E. 258.

[159] E. u. J. 133 f.

[160] E. u. J. 134.

[161] E. u. J. 277.

[162] »Der Physiker, welcher einen Körper sich biegen, ausdehnen,

schmelzen und verdampfen sieht, zerlegt ihn in kleinere bleibende Teile,

der Chemiker spaltet ihn in Elemente. Allein auch ein solches Element, wie

das Natrium, ist nicht unveränderlich. Aus der weichen, silberglänzenden

Masse wird bei Erwärmung eine flüssige, die bei größerer Hitze unter

Luftabschluß in einen vor der Natriumlampe violetten Dampf sich verwandelt

und bei weiterer Erwärmung selbst mit gelbem Lichte glüht. Der Dampf kann

sich kondensieren, und das weiße Metall ist wieder da. Ja, sogar nachdem

das Metall, auf Wasser gelegt, in Natriumhydroxid übergegangen, können bei

geeigneter Behandlung die gänzlich verschwundenen Eigenschaften wieder zum

Vorschein kommen, wie ein Körper, der bei der Bewegung eine Zeitlang

hinter einer Säule verborgen war, wieder sichtbar werden kann. Es ist nun

ohne Zweifel sehr zweckmäßig, den Namen und Gedanken für eine Gruppe von

Eigenschaften, wo dieselben hervortreten können, stets bereit zu halten.

Mehr als ein ökonomisch abkürzendes Symbol für alle jene Erscheinungen ist

aber dieser Name und Gedanke nicht.« P. V. 231.

[163] M. 523.

[164] P. V. 229.

[165] P. V. 232.

[166] Um das Bild zu vervollständigen, seien hier noch einige an

verschiedene Begriffe anknüpfende Ausführungen wiedergegeben: daß der

Begriff »Beschleunigung eines freifallenden Körpers von 9:81 Met./Sek.^2«

bedeutet, daß die Geschwindigkeit des Körpers gegen den Erdmittelpunkt um

9:81 Met. größer ist, wenn die Erde 1/86400 ihrer Umdrehung mehr vollführt

hat (P. V. 232--233), haben wir bereits gehört. Von dem gleichfalls schon

erwähnten Begriffe Natrium ist zu sagen, daß er nur dann auf einen Körper

mit Bestimmtheit angewendet werden kann, wenn dieser wachsweich,

schneidbar, auf der Schnittfläche silberglänzend, bald anlaufend, auf

Wasser schwimmend und das letztere rasch zersetzend, vom spezifischen

Gewichte 0:972, entzündet mit gelber Flamme brennend, vom Atomgewicht 23

usw. gefunden wird. Ebenso wird unter den Begriff »Walfisch« ein Tier

subsumiert, das äußerlich die Fischform zeigt, eingehend anatomisch

untersucht aber doppelten Kreislauf, Lungenatmung und alle übrigen

Klassencharaktere der Säuger aufweist. Ebenso subsumiert der Physiker

unter dem Begriff elektromagnetische Stromstärke Eins den galvanischen

Strom, welcher bei der magnetischen Horizontalkompente H=O:2 durch einen

im magnetischen Meridian aufgestellten kreisförmigen Draht vom Radius

31:41 cm geleitet, die im Mittelpunkt desselben aufgehängte Magnetnadel um

45° aus dem Meridian ablenkt. Dies setzt noch eine Reihe von Operationen

zur Bestimmung von H als ausgeführt voraus. (W. L. 417/418). Und weil auch

Sauerstoff ein Begriff ist, der nicht durch eine anschauliche Vorstellung,

sondern nur durch eine Definition, die eine Summe von Erfahrungen

konzentriert, enthält, erschöpft wird und dasselbe von allen anderen

physikalischen Begriffen gilt (E. u. J. 112), so läßt sich sagen, daß der

Begriff nichts als eine Anweisung ist, eine Vorstellung von bestimmten

Eigenschaften herzustellen (W. L. 419). In seine Definition werden die

Reaktionen aufgenommen, welche zur Bestimmung des Begriffes hinreichen;

andere Reaktionen, von denen es schon bekannt ist, daß sie an die in der

Definition enthaltenen unabänderlich gebunden sind, braucht man nicht

besonders anzuführen (E. u. J. 127). Charakteristisch für den Begriff ist

dann das Ergebnis der durch die Definition vorgezeichneten prüfenden oder

konstruktiven, manuellen oder intellektuellen Reaktionen; so ist es

elektrisch ein Körper, der auf bestimmte Reaktionen bestimmte sinnliche

Merkmale zeigt, Kupfer ein Körper, dessen blaugrüne Lösung in verdünnter

Schwefelsäure bei bestimmter Behandlung ein bestimmtes Verhalten zeigt,

usw. (W. L. 419--421.) Nur allmählig und nacheinander können aber diese

Reaktionen und die oft komplizierten Tätigkeiten, durch welche sie

hervorgerufen werden, hervortreten. »Ob ein mechanisches System einen

Gleichgewichts- oder Bewegungsfall vorstellt, kann nur durch eine

komplizierte Tätigkeit entschieden werden. Wer aber das Bewußtsein hat,

daß er die genannte Prüfung jederzeit korrekt ausführen kann, der weiß,

daß der Gleichgewichtsfall mit der Summe Null (der virtuellen Arbeit), der

dynamische Fall mit einer positiven Summe auf diese Prüfung reagiert, der

besitzt den Begriff Arbeit und kann durch denselben den statischen vom

dynamischen Fall unterscheiden. So läßt sich jeder physikalische oder

chemische Begriff darlegen. Das Objekt entspricht dem Begriff, wenn es auf

Ausführung einer Prüfung die erwartete Reaktion gibt. Die Prüfung kann je

nach den Umständen im bloßen Beschauen oder in einer verwickelten

physischen oder technischen Operation, die hierauf erfolgende Reaktion in

einer einfachen Sinnesempfindung oder in einem komplizierten Vorgang

bestehen.« (E. u. J. 131/132.)

[167] E. u. J. 445.

[168] Wie dies in der Hertzschen Mechanik geschieht.

[169] M. 282 f.

[170] E. d. A. 35; M. 547.

[171] M. 237.

[172] A. d. E. 267 f.

[173] A. d. E. 273. Vgl. P. V. 233; E. u. J. 426 f; E. d. A. 57.

[174] M. 547 f.

[175] E. d. A. 57.

[176] M. 238.

[177] M. 244.

[178] M. 247. Vgl. M. 249.

[179] A. d. E. 258.

[180] z. B. E. u. J. 282.

[181] M. 548.

[182] A. d. E. 275.

[183] Vgl. auch P. V. 234.

[184] Vgl. E. u. J. 435; M. 524.

[185] A. d. E. Vorwort.

5. Ergänzung der Bedeutung des Begriffs »funktionale Verknüpfung« durch

Leugnung der Naturnotwendigkeit. Die Elemententheorie. Endgültige

Widersprüche.

Wir gelangten im vorigen Abschnitt zu der Ansicht, daß Mach die

funktionale Verknüpfung ausschließlich unter dem Gesichtspunkt von

Erkenntnisgrund und -Folge betrachtet und zudem übersieht, daß auch eine

logische Verknüpfung nur dann einen Erkenntnisgrund abgeben kann, wenn

sie durch eine sachliche Grundlage gerechtfertigt ist.

Wir werden diese Interpretation, die uns zum Verständnis der Machschen

Haltung notwendig schien, nun weiter untersuchen und werden sehen, daß

sie tatsächlich zutrifft.

Man höre zunächst folgende Ausführungen, die die im vorigen Abschnitt

bereits wiedergegebenen über Kausalität ergänzen: Mach knüpft dabei an

Humes Satz an, daß der Grund aller kausalen Urteile nur in einer

gewohnheitsmäßigen Erwartung liege. Er fügt dem hinzu, daß wir daher

auch je nach den Umständen über die Verknüpfung zweier Tatsachen sehr

verschieden urteilen: manchmal denken wir kaum an ihre Möglichkeit,

manchmal stehen wir geradezu unter einem psychischen Zwang, erscheint

sie uns notwendig. Und er interpretiert dies so: es erscheint z. B. eine

bestimmte Wurfbahn mit Notwendigkeit an die Anfangsgeschwindigkeit und

-Richtung geknüpft. In der Tat nun ist der Vorgang damit gegeben, wenn

er den bekannten phoronomischen Gesetzen entspricht; dann wird die

gerichtete Anfangsgeschwindigkeit zum Erkenntnisgrund, aus dem sich die

Bahnelemente als logisch notwendige Folge ergeben. Diese logische

Notwendigkeit fühlt man nun freilich, man muß aber auch daran denken,

daß sie nur unter der angegebenen Bedingung besteht und daß deren

Erfülltsein einfach durch die Erfahrung gegeben ist, ohne im geringsten

auf einer Notwendigkeit zu beruhen.[186]

Man kann schon hieraus entnehmen, wie ausschließlich Mach bloß die

Notwendigkeit der logischen Abfolge hervorhebt und eine andere gar nicht

gelten läßt. Und ebenso heißt es an anderen Stellen: »Wenn ich finde, daß

eine physikalische Tatsache sich so verhält wie meine Rechnung oder meine

Konstruktion, so kann ich nicht zugleich das Gegenteil annehmen. Ich muß

also den physikalischen Erfolg mit derselben Sicherheit erwarten, mit

welcher ich das Ergebnis der Rechnung oder Konstruktion als richtig

ansehe. Diese logische Notwendigkeit ist aber selbstredend wohl zu

unterscheiden von der Notwendigkeit der Voraussetzung des Parallelismus

zwischen der physikalischen Tatsache und der Rechnung, welche letztere

stets auf einer gewöhnlichen sinnlichen Erfahrung beruht. Auf der Uebung

die Vorstellung der Tatsachen mit jener ihres allseitigen Verhaltens fest

zu verbinden, beruht die starke Erwartung eines bekannten Erfolges, der dem

Naturforscher wie eine Notwendigkeit erscheint. So bildet sich das heraus,

was man gewöhnlich als Gefühl für die Kausalität bezeichnet.«[187] Ferner:

»Der physikalische Tatsachenkomplex ist einfach oder läßt sich wenigstens

in vielen Fällen durch das Experiment so einfach gestalten, daß die

unmittelbaren Zusammenhänge sichtbar werden. Haben wir uns nun durch

genügende Beschäftigung mit diesem Gebiete Begriffe von der Art dieser

Zusammenhänge erworben, die wir für den Tatsachen allgemein entsprechend

halten, so müssen wir mit logischer Notwendigkeit erwarten, daß auch jede

vorkommende Einzeltatsache diesen Begriffen entspricht. Hierin liegt aber

keine Naturnotwendigkeit. Das ist das »kausale« Verständnis.«[188] Endlich

wird aber direkt gesagt: »Es gibt nur die logische Notwendigkeit: wenn der

Tatsache A gewisse Eigenschaften zukommen, so kann ich nicht zugleich davon

absehen. Daß sie ihr aber zukommen, ist einfach eine Erfahrungstatsache.

Eine physikalische Notwendigkeit existiert nicht.«[189]

Sucht man die Bedeutung dieser Aussprüche zu fassen, so kann daher gar

kein Zweifel herrschen, daß Mach -- wie schon erwähnt -- für eine

Notwendigkeit nur die logische hält und daß er in dieser überdies

anscheinend nur eine psychologische sieht, denn, heißt es, wenn man

finde, daß A das Verhalten B zeige, daß A B sei usw., so könne man

nicht zugleich davon absehen, müsse man mit Notwendigkeit erwarten

u. dgl.[190] Weniger klar ist es, was Mach eigentlich zu dieser

Einschränkung und zu dieser Verwechslung bewegt und welchen Sinn er

selbst damit verbindet.

Wir betrachten daher zunächst einen ergänzenden Gedankengang, dessen Kern

etwa folgender ist: »Erklären heißt Zurückführen komplizierter Tatsachen

auf möglichst wenige und einfache. Diese einfachsten Tatsachen sind an sich

immer unverständlich, d. h. nicht weiter zerlegbar, z. B. die, daß

eine Masse einer anderen eine Acceleration erteilt. Es ist nun nur

eine ökonomische Frage und eine Frage des Geschmacks, bei welchen

Unverständlichkeiten man stehen bleiben will. Man täuscht sich gewöhnlich

darin, daß man meint, Unverständliches auf Verständliches zurückzuführen.

Allein das Verstehen besteht eben im Zerlegen. Man führt ungewöhnliche

Unverständlichkeiten auf gewöhnliche Unverständlichkeiten zurück. Man

gelangt schließlich immer zu Sätzen von der Form, wenn A ist, ist B, also

Sätzen, die aus der Anschauung folgen müssen, die also nicht weiter

verständlich sind.«[191] Das heißt also, eine Erklärung, ein Verstehen, ist

nichts als ein Zurückführen auf Bekanntes, ein Zerlegen in Einfaches. »Es

handelt sich immer nur darum, in allen Tatsachen dieselben Elemente zu

erkennen, oder, wenn man will, in einer Tatsache die Elemente einer

anderen, schon bekannten wiederzufinden,«[192] sagt Mach, denn, »wenn wir

ein Gebiet von Tatsachen zum erstenmal überschauen, erscheint es uns

mannigfaltig, ungleichförmig, verworren und widerspruchsvoll. Es gelingt

zunächst nur, jede einzelne Tatsache ohne Zusammenhang mit den übrigen

festzuhalten. Das Gebiet ist uns, wie wir sagen, unklar. Nach und nach

finden wir die einfachen, sich gleich bleibenden Elemente der Mosaike, aus

welchen sich das ganze Gebiet in Gedanken zusammensetzen läßt. Sind wir nun

soweit gelangt, überall in der Mannigfaltigkeit dieselben Tatsachen wieder

zu erkennen, so fühlen wir uns in diesem Gebiete nicht mehr fremd, wir

überschauen es ohne Anstrengung, es ist für uns erklärt.«[193] Denn in der

Tat halten wir einen »Vorgang für erklärt, wenn es uns gelingt, in

demselben bekannte einfache Vorgänge zu erblicken;«[194] »wird einmal die

Erfahrung« die »Tatsachen klargelegt und die Wissenschaft sie ökonomisch

übersichtlich geordnet haben, dann ist nicht zu zweifeln, daß wir sie auch

verstehen werden; denn ein anderes Verstehen als Beherrschung des

Tatsächlichen in Gedanken hat es nie gegeben. Die Wissenschaft schafft

nicht eine Tatsache aus der anderen, sie ordnet aber die bekannten.«[195]

Mach stützt sich dabei auf naturwissenschaftliche Beispiele, deren einige

wir nun wiedergeben, um zu sehen, in welcher Hinsicht er dies tun kann:

Archimedes leitete seinen allgemeinen Hebelsatz (Gleichheit des Produktes

von Last und Hebelarm beiderseits des Aufhängepunktes als charakteristisch

für den Gleichgewichtsfall) aus dem von ihm als selbstverständlich

hingestellten Satze ab, daß gleich schwere Größen in gleicher Entfernung

vom Unterstützungspunkte wirkend im Gleichgewicht sein müssen. Er hält also

tatsächlich den Fall für erklärt, »wenn es gelingt, in demselben bekannte

einfachere Vorgänge zu erblicken«.[196] In Wirklichkeit ist aber auch der

einfache Satz nicht selbstverständlich, denn um ihn anzunehmen, muß man

schon eine Menge von Voraussetzungen machen, wie daß die Stellung des

Beschauers, Vorgänge in der Nachbarschaft u. dgl. keinen Einfluß üben.[197]

Er ist also tatsächlich nur der Ausdruck einer Erfahrung, und die Erklärung

mit seiner Hilfe erscheint als eine Reduktion auf eine bekannte, aber an

sich ebenso uneinsichtige Tatsache, wie es die abgeleitete ist. Ebenso

steht es aber auch selbst mit den umfassendsten Gesetzen, die die Deduktion

ganzer Erfahrungsgebiete gestatten, wie etwa dem Prinzip der virtuellen

Verschiebungen. Es läßt sich nachweisen, daß auch diese nicht mehr

enthalten als die Anerkennung irgend einer fundamentalen Tatsache, hier

z. B. der, daß bestimmte Naturvorgänge von selbst nur in einem und nicht im

entgegengesetzten Sinn ablaufen[198], speziell daß schwere Körper sich von

selbst nur abwärts bewegen.[199] Des Beispiels der Erklärung der

Planetenbewegungen durch das Gravitationsgesetz gedachten wir schon früher,

es gehört aber auch hieher. Zu erklären sind die durch Kepler beschriebenen

Bahnen der Planeten. Newton denkt sich ihre Bewegung so, wie wenn sie an

einem Faden kreisen würden; da die Rechnung dann die dazu nötige

Fadenspannung ergibt, kann er konstatieren, daß sich die Planeten so

bewegen wie schwere Körper, die man an einem Faden von bestimmter Spannung

umschwingt, daß also die irdische Schwere auch auf sie Anwendung

findet.[200] Ersetzt man nun die Fadenspannung durch die Voraussetzung der

bloßen Spannung bezw. Anziehung zwischen den einzelnen Massenteilchen, wie

sie durch die bekannte Formel für die Größe der Gravitation ausgedrückt

wird, so ändert sich dadurch nichts an dem Charakter des ganzen

Zusammenhanges als der Konstatierung einer Tatsache, genauer als der

generellen Beschreibung einer Tatsache in den Elementen.[201]

Mach bemerkt ferner zu solchen Beispielen: »Der Beweis der Richtigkeit

einer neuen Regel kann dadurch erbracht werden, daß diese Regel oft

angewandt, mit der Erfahrung verglichen und unter den verschiedensten

Umständen erprobt wird. Dieser Prozeß vollzieht sich im Lauf der Zeit

von selbst. Der Entdecker wünscht aber rascher zum Ziel zu kommen.

Er vergleicht das Ergebnis seiner Regel mit allen ihm geläufigen

Erfahrungen, mit allen älteren bereits vielfach erprobten Regeln, und

sieht nach, ob er auf keinen Widerspruch stößt. Archimedes beweist in

der angedeuteten Art sein Hebelgesetz, Stevin sein Gesetz des schiefen

Druckes, Daniel Bernoulli das Kräfteparallelogramm, Lagrange das Prinzip

der virtuellen Verschiebungen. Nur Galilei ist sich bei letzterem Satz

vollkommen klar darüber, daß seine neue Beobachtung und Bemerkung jeder

anderen älteren ebenbürtig sei, daß sie aus derselben Erfahrungsquelle

stamme. Er versucht gar keinen Beweis. Es ist ganz in der Ordnung, daß

bei Gelegenheit einer neuen Entdeckung alle Mittel herangezogen werden,

welche zur Prüfung einer neuen Regel dienen können. Wenn aber die Regel

nach Verlauf einer entsprechenden Zeit genügend oft direkt erprobt

worden ist, geziemt es der Wissenschaft zu erkennen, daß ein anderer

Beweis ganz unnötig geworden ist, daß es keinen Sinn hat, eine Regel für

mehr gesichert zu halten, indem man sie auf andere stützt, welche (nur

etwas früher) auf ganz demselben Wege der Beobachtung gewonnen worden

sind, daß eine besonnene und erprobte Beobachtung so gut ist als

eine andere.... In der Tat führt diese Sucht, zu beweisen, in der

Wissenschaft zu einer falschen und verkehrten Strenge. Einige Sätze

werden für sicherer gehalten und als die notwendige und unanfechtbare

Grundlage anderer angesehen, während ihnen nur der gleiche oder zuweilen

sogar nur ein geringerer Grad der Sicherheit zukommt. Eben die

Klarlegung des Grades der Sicherheit, welchen die strenge Wissenschaft

anstrebt, wird hierbei nicht erreicht.«[202] »Wie kann nun,« fragt sich

Mach weiter, »der Eindruck entstehen, daß eine Erklärung mehr leistet

als eine Beschreibung? Wenn ich zeige, daß ein Vorgang A sich so verhält

wie ein anderer mir besser vertrauter B, so wird mir A hiermit noch

vertrauter, ebenso wenn ich zeige, daß A aus der Folge oder dem

Nebeneinander der mir bereits bekannten B C D besteht.[203] Hiermit ist

aber nur ein Tatsächliches durch ein anderes Tatsächliches, eine

Beschreibung durch andere und vielleicht schon besser bekannte

Beschreibungen ersetzt. Die Sache kann mir dadurch geläufiger werden, es

kann sich dadurch eine Vereinfachung ergeben, im Wesen derselben tritt

aber keine Aenderung ein. Fragen wir, wann uns eine Tatsache klar ist,

so müssen wir sagen, dann, wenn wir dieselbe durch recht einfache, uns

geläufige Gedankenoperationen nachbilden können.«[204]

Wir wollen nun gleich ohne Unterbrechung einen dritten Gedankengang

anreihen, der mit den bisherigen zusammengehört; Mach betrachtet die

Naturgesetze als bloße Tabellen einzelner Tatsachen, Ableitungsregeln,

Herstellungsregeln, kompendiöse Anweisungen für das Gedächtnis. Eine

Reihe markanter Aeußerungen möge dies deutlich machen:

»Wenn uns alle Tatsachen unmittelbar zugänglich wären, so wie wir nach

Kenntnis derselben verlangen, so wäre nie eine Wissenschaft entstanden.

Weil das Gedächtnis des Einzelnen ein beschränktes ist, muß das Material

geordnet werden. Dies geschieht durch eine Ableitungsregel. Diese

ersetzt die riesige Tabelle. Sie (»diese Ableitungsregel, diese Formel,

dieses Gesetz«) hat nun nicht im mindesten mehr sachlichen Wert als die

einzelnen Tatsachen zusammen. Ihr Wert liegt bloß in der Bequemlichkeit

des Gebrauchs, ist ein ökonomischer.«[205] Und ganz ähnlich sind die

folgenden Ausführungen: »Wenn ein Anatom, die übereinstimmenden und

unterscheidenden Merkmale der Tiere aufsuchend, zu einer immer feineren

Klassifikation gelangt, so sind die einzelnen Tatsachen, welche die

letzten Glieder des Systems darstellen, doch so verschieden, daß

dieselben einzeln gemerkt werden müssen. Die Physik hingegen zeigt uns

ganze große Gebiete qualitativ gleichartiger Tatsachen, die sich nur

durch die Zahl der gleichen Teile, in welche deren Merkmale zerlegbar

sind, also nur quantitativ unterscheiden. Hier ist die Klassifikation

eine so einfache Aufgabe, daß sie als solche meist gar nicht zum

Bewußtsein kommt und selbst bei unendlich feinen Abstufungen, bei einem

Kontinuum von Tatsachen, liegt das Zahlensystem im voraus bereit,

beliebig zu folgen. Die koordinierten Tatsachen sind hier sehr ähnlich

und verwandt, ebenso deren Beschreibungen, welche in einer Bestimmung

der Maßzahlen gewisser Merkmale mittels geläufiger Rechnungsoperationen,

d. i. Ableitungsprozessen bestehen. Hier kann also das Gemeinsame aller

Beschreibungen gefunden, damit eine zusammenfassende Beschreibung oder

eine Herstellungsregel für alle Einzelbeschreibungen angegeben werden,

die wir eben das Gesetz nennen.«[206] »Isolierten Tatsachen gegenüber

bleibt nichts übrig, als dieselben einfach im Gedächtnis zu behalten.

Kennt man jedoch ganze Gruppen von untereinander verwandten Tatsachen

von der Art, daß die beiden zusammengehörigen Merkmale A und B derselben

je eine Reihe bilden, deren Glieder sich nur durch die Zahl der gleichen

Teile unterscheiden, in welche sich dieselben zerlegen lassen, so kann

man eine bequemere Uebersicht und gedankliche Darstellung gewinnen.

Sowohl die Einfallswinkel (A) als auch die Brechungswinkel (B) einer

Reihe von einfallenden Strahlen, sowohl die Temperaturüberschüsse (A)

als die Temperaturverluste per Minute (B) abkühlender Körper lassen sich

in gleiche Teile zerlegen, und jedem Glied der Reihe A ist ein Glied

der Reihe B zugeordnet. Eine systematisch geordnete Tabelle kann nun die

Uebersicht erleichtern, das Gedächtnis unterstützen oder vertreten.

Hier beginnt die quantitative Forschung, welche, wie man sieht,

ein Spezialfall der qualitativen Untersuchung ist, der nur auf

Tatsachenreihen von einer besonderen Art der Verwandtschaft anwendbar

ist. Eine neue Erleichterung tritt ein, wenn die ganze Tabelle durch

eine kompendiöse Herstellungsregel ersetzt werden kann, wenn man z. B.

sagen kann: Multipliziere den Temperaturüberschuß des abkühlenden

Körpers mit dem Koeffizienten µ, so erhältst du den Temperaturverlust

µ.µ per Minute.«[207] »Es ist schon bemerkt worden, daß quantitative

wissenschaftliche Aufstellungen als einfachere und zugleich umfassendere

Spezialfälle qualitativer Aufstellungen anzusehen sind. Zink gibt in

verdünnter Schwefelsäure eine farblose, Eisen eine blaßblaugrüne, Kupfer

eine blaue Lösung, Platin gar keine. Ist ein Glas in einem mit Manometer

und Thermometer versehenen Gefäß eingeschlossen, so finde ich für

verschiedene Thermometeranzeigen verschiedene Manometerstände. Auch

hier habe ich zunächst eine Reihe verschiedener Fälle, die jedoch

untereinander große Aehnlichkeit haben und sich nur durch die Zahl der

Längeneinheiten der Manometersäule unterscheiden. Trage ich in einer

Tabelle zu jedem Thermometerstand den Manometerstand ein, so folge ich

eigentlich nur dem Schema bei obiger chemischer Aufstellung. Allein ich

habe schon den Vorteil, daß die Thermometer- und Manometerstände je eine

Reihe bilden, deren Glieder ich durch Anwendung des Zahlensystems ohne

neue Erfindung in beliebig feiner Weise unterscheiden kann. Ein weiterer

Blick lehrt mich, daß die einzelnen in der Tabelle dargestellten Fälle

untereinander die große Aehnlichkeit zeigen, daß jeder Manometerstand

aus dem Thermometerstand durch eine einfache Zähloperation gewonnen

werden kann, daß diese Operation für alle Fälle in der Art übereinstimmt,

daß demnach die ganze Tabelle durch eine zusammenfassende Herstellungsregel

derselben: p = p_{0}(1+t)/273 ersetzt und überflüssig gemacht werden

kann. U. s. w.«[208] »Bei höher entwickelten Wissenschaften gelingt es,

die Nachbildungsanweisungen für sehr viele Tatsachen in einen einzigen

Ausdruck zu fassen. Statt z. B. die verschiedenen vorkommenden Fälle der

Lichtbrechung uns einzeln zu merken, können wir alle vorkommenden sofort

nachbilden oder vorbilden, wenn wir wissen, daß der einfallende, der

gebrochene Strahl und das Loth in einer Ebene liegen und sin¿a¿/sin¿b¿ = n

ist. Wir haben dann statt der unzähligen Brechungsfälle bei verschiedenen

Stoffkombinationen und Einfallswinkeln nur diese Anweisung und die Werte

derselben zu merken, was viel leichter angeht. Die ökonomische Tendenz ist

hier unverkennbar. In der Natur gibt es auch kein Brechungsgesetz, sondern

nur verschiedene Fälle der Brechung. Das Brechungsgesetz ist eine

zusammenfassende konzentrierte Nachbildungsanweisung für uns, und zwar

nur bezüglich der geometrischen Seite der Tatsache.«[209] Von der

Herstellungsregel oder Anweisung wird aber überdies noch bemerkt: »Das

praktische Bedürfnis erfordert eine geläufige und sichere Anwendung der

wissenschaftlichen Aufstellungen. Diese wird gefördert, indem man neue

Beziehungen auf bereits bekannte zurückführt. Weist man aus praktischen

Gründen darauf hin, daß eine Tatsache A sich so verhält wie eine uns

geläufigere B, so kann letztere auch eine persönliche Tätigkeit, eine

Rechnungsoperation oder geometrische Konstruktion sein. Die Fallräume

verhalten sich wie die Zahlen, die wir durch Quadrieren der Zeitmaßzahlen

erhalten, die Temperaturen von Mischungen wie arithmetische Mittel usw.

Je geläufiger uns solche Operationen und je einfacher sie sind, desto mehr

sind wir befriedigt, desto geringer ist das Bedürfnis nach weiterer

Aufklärung, desto besser verstehen wir die Aufstellung. Die ganze Eigenart,

Sicherheit und Geläufigkeit arithmetischer Operationen überträgt sich

auf die Kenntnis der durch dieselben dargestellten Tatsachen.«[210]

Ueberblicken wir nun diese drei zueinander gehörigen Gruppen von

Gedanken; wir haben sie mit Absicht ausführlich wiedergegeben, denn

erstens sind sie von größter Bedeutung für das ganze System, dessen

erkenntnistheoretische Grundlagen durch sie vollendet werden müssen.

Zweitens lag uns daran, einfach durch sie selbst zu zeigen, daß es ihnen

dazu an Klarheit und Geschlossenheit gebricht.

Klar ist eigentlich nur das eine, was wir schon längst gesehen haben, daß

sich überall die psychologische Betrachtungsweise vordrängt. Es wird von

dem »Fühlen« einer Notwendigkeit gesprochen, von gewohnheitsmäßigen,

starken »Erwartungen«, von denen man »nicht absehen« könne, als Erklärung

wird ein Zerlegen in Bekanntes betrachtet, weil wir dann nicht mehr

»überrascht«, »erstaunt« seien, weil wir dann mit herabgeminderter

Anstrengung das betr. Gebiet »überschauen« können, klar wird eine Tatsache

genannt, die durch recht einfache und geläufige Gedankenoperationen

nachgebildet werden kann, ein Beweis wird nur als ein Aequivalent für

wiederholte Akte direkter Erprobung betrachtet u. dgl. Und vom Naturgesetz

wird eigentlich nur das algebraische Symbol, die Ableitungsregel, die

Nachbildungsanweisung, »die wir eben das Gesetz nennen«, betrachtet.

Nun ist die psychologische Betrachtung all dieser Gegenstände ja sicher

statthaft, und was Mach darüber sagt, daß man eben auch von dieser Seite

mit einer Untersuchung einsetzen könne[211], ist ohne weiteres zuzugeben.

Es fragt sich aber, ob dies auch hier der Sinn ist? Und keinesfalls ist er

dies, wenigstens nicht der, den der Zusammenhang erfordert. Denn wir wollen

und müssen ja erfahren, warum es ~nur~ logische (= psychologischer)

Notwendigkeit, ~nur~ Ordnen statt Erklären, ~nur~ Tabellen für uns statt

Gesetzen für die Sache geben kann; einzig und allein der Nachweis solcher

Ausschließlichkeit kann für uns von Bedeutung sein, während es ganz

irrelevant bleibt, ob neben dem sachlich notwendigen Zusammenhange auch

noch eine subjektive Seite und Funktion der Naturwissenschaft ins Spiel

kommt. Ueberlegt man sich dies, so ist aus den gehörten Ausführungen zwar

auch nicht ohne weiteres ein bestimmter Sinn zu entnehmen, wohl aber kommen

nur folgende Bedeutungen in Betracht:

1. Können sie sagen wollen, daß es in der Natur nichts unserem Begriffe von

Notwendigkeit (zu ergänzen: der nur der inneren Wahrnehmung eigen und daher

ein logischer, bezw. psychologischer ist) Adäquates gibt. Das würde heißen,

wir sehen zwar in der Natur Verknüpfungen, die so regelmäßig sind, als ob

sie notwendig wären, aber eine weitere Einsicht in diese Naturnotwendigkeit

fehlt uns, jedes Verstehenwollen ist sinnlos, zumal jedes durch

Uebertragung des aus dem Innenleben gewonnenen Begriffs der Notwendigkeit.

Steht man einmal auf dem Standpunkt, nur diesen als Notwendigkeit zu

bezeichnen, so läßt sich wohl sagen, daß es in der Natur etwas gibt, das in

gewisser Hinsicht wie Notwendigkeit aussieht, aber nicht, daß es

Notwendigkeit ist. -- Verträglich mit dieser Interpretation wäre die

Auflösung der kausalen Beziehungen in funktionale, wodurch die

Kausalrelation gewissermaßen veräußerlicht wird, weil wiederum die

funktionale Verknüpfung nichts ist als unser mathematisches in Beziehung

Setzen, dem in der Natur zwar etwas, aber nichts Adäquates entsprechen muß.

Ebenso würde vom Gesetz die Auffassung hieher gehören, daß es nicht mehr

besagt als die Tatsachen »zusammengenommen«, daß es nur die Tatsachen

wiedergibt, in dem Sinne etwa gemeint, daß es nichts jenseits, über den

Tatsachen Stehendes ist, das diese lenkt, aus dem ihnen Notwendigkeit

zufließt,[212] oder daß auch nur irgendwie unserem Verständnis näher stünde

als diese. Worauf es dann auch zurückkäme, daß das Erklären von Tatsachen

durch Gesetze und das Ableiten von Gesetzen aus allgemeineren lediglich

Erfahrungen zu einander in Beziehung setzt, die an sich gleich

unverständlich sind.

2. Kann sich die Behauptung, daß es Notwendigkeit nur im Gebiet des

Logischen gebe, bloß auf den Grad der Sicherheit beziehen und besagen,

daß wir einer wirklichen Notwendigkeit in der Natur nicht ~gewiß~ sind,

weil unsere Annahmen dort, als durch Induktion gewonnene, Irrtümern

unterworfen sind. So heißt es: »Die Uebereinstimmung der Begriffe

untereinander ist eine logisch notwendige Forderung, und diese logische

Notwendigkeit ist auch die einzige, die wir kennen. Der Glaube an eine

Naturnotwendigkeit entsteht nur, wo unsere Begriffe der Natur

hinreichend angepaßt sind, um Folgerung und Tatsache in Uebereinstimmung

zu halten. Die Annahme einer genügenden Anpassung unserer Begriffe kann

aber jeden Augenblick durch die Erfahrung widerlegt werden.«[213]

3. Es könnte der Sinn auch dahin zielen, daß die Naturvorgänge, genau

betrachtet, gesetzlos und regellos seien und nur bis zu einem gewissen

(für praktische Bedürfnisse eben hinreichenden) Grade den Anschein des

Gegenteils haben.

Der nächste Schritt muß nun der sein, unter diesen möglichen

Interpretationen, jene auszulesen, die auch in Hinsicht auf den

systematischen Zusammenhang des Ganzen in Betracht kommen, während die

anderen als gleichgültig ausscheiden. Diese Charakteristik bietet auf

Grund des reichlichen Materials, das wir kennen gelernt haben, keine

großen Schwierigkeiten.

Zunächst läßt sich von 1) und 2) ohne weiteres feststellen, daß sie für

sich allein keine Bedeutung für das Ganze haben. Denn daß man der

Naturnotwendigkeit gewissermaßen nicht von innen beikommen kann,

sondern nur von außen, daß man nicht die Notwendigkeit sondern nur die

Regelmäßigkeit wahrnimmt und auch diese nicht mit Evidenz sondern nur

mit einer steigerbaren Wahrscheinlichkeit, das ist natürlich eine

Eigentümlichkeit jeder empirischen Wissenschaft, die nicht wegzuleugnen

ist, aber auch nie geleugnet wird. Würde Mach aber nur dieses

meinen, so müßten wir als folgenschwere Irrtümer alle jene gehörten

Aeußerungen bezeichnen, die mit direkten Worten sagen, daß es eine

Naturnotwendigkeit überhaupt nicht gebe; Mach würde da aus dem

Umstande, daß im zweiten Fall die Notwendigkeit anders erfaßt wird,

schließen, daß sie überhaupt keine Notwendigkeit sei. (Davon ganz

abgesehen, daß er eine in diesen Gegensatz zur Naturnotwendigkeit

gesetzte logische nicht als psychologische interpretieren dürfte, ohne

einen Zirkel zu begehen, weil eine psychologische Notwendigkeit eben

doch nur wieder als eine Naturnotwendigkeit gedacht werden kann.)

Wollen wir diese schärferen Aeußerungen daher nicht als mißverständlich

betrachten, so kommen eben auch nur die schärferen Interpretationen ins

Spiel. Wir haben also nur die Wahl: entweder sind die Ausführungen

Machs unklar, in ihrem Kern aber ganz zahm, ganz einig mit der

gewöhnlichen Meinung oder es kommen nur die schärferen Interpretationen

in Betracht. Die Entscheidung kann aber in Hinsicht auf die ganze

bisherige Haltung nicht zweifelhaft sein, wenn man deren Abweichungen

von der Norm zusammenfaßt.

Denn was war das Ergebnis des dritten Abschnitts? Wir erwogen zwei

Möglichkeiten für die Bedeutung der in ihm wiedergebenen Begriffskritik.

Eine vorsichtig abmahnende, die von der naturwissenschaftlichen

Begriffsbildung nur einen möglichst engen und naiven Anschluß an die

erfahrbaren Tatsachen fordert, und eine radikalere, die es überhaupt für

unmöglich erklärt, sich über die sinnfälligen Erfahrungen zu erheben,

etwas zu erschließen, das nicht selbst unmittelbar sinnlich erfahrbar

wäre. Mit Rücksicht auf den ganzen Zusammenhang, besonders wegen des

noch zu besprechenden Sensualismus, sagten wir damals, sei nur die

zweite Bedeutung als Machs Meinung in Anspruch zu nehmen. Wir hoben aber

gleichzeitig hervor, daß ihr von dieser Seite her auch erst die

hinreichende Begründung kommen müsse, zumal blieb der Nachweis

einzufordern, daß die Erfahrung zwar in wissenschaftlich vollkommen

befriedigender Form aber dennoch so gefaßt werden könne, daß das von

Mach bekämpfte begriffliche Transcendieren des Wahrnehmbaren vermieden

wird. -- Im vierten Abschnitt lernten wir dann die Bedeutung des

funktionalen Zusammenhangs kennen. Wir sahen, daß die funktionale

Verknüpfung in erster Linie als eine rechnerische, d. h. als eine der

Berechnung quantitativer Merkmale dienende gilt, daß es also nahe liegt,

(wenn auch noch nicht berechtigt ist), sie nur als eine ökonomische zu

betrachten. Man muß letzteres aber tun, wenn sie Beziehung zu dem

Vorherigen haben und dieses stützen soll. Denn nur dann läßt sich mit

einigem Anschein von Recht behaupten, daß weil die Begriffe auf

funktionalen Gleichungen ruhen und ihr Inhalt durch die Erfahrungen

erschöpft wird, die sich in diesen Gleichungen ausdrücken, dieser Inhalt

nichts sei als ein ökonomisches, zusammenfassendes Symbol für die

Berechenbarkeit bestimmter Erfahrungen auseinander; nachweislich dürfte

in der exakten Wissenschaft nur diese rechnerische Seite der Verknüpfung

vorhanden sein, damit in den wissenschaftlichen Begriffen nichts liege,

daß noch nach einer anderen Seite suchen hieße, nur unter dieser

Voraussetzung könnte die Berufung auf die exakte Forschung teilweise

wenigstens dem Vorangegangenen ein Fundament liefern.

Aber natürlich ist dem nicht schon dadurch genug geschehen, daß der alte

zweigliedrige Kausalbegriff »einer Dosis Ursache folgt eine Dosis

Wirkung«[214] fällt oder daß das Rechnerische in den Vordergrund tritt,

sondern nur dadurch, daß den in den Gleichungen ausgesprochenen

Beziehungen überhaupt keine Naturnotwendigkeit zugrunde liegt. Denn

solange die Gleichungen tatsächliche gesetzliche Beziehungen ausdrücken

(allerdings würde man normalerweise voraussetzen, daß sie auch nur dann

die Berechenbarkeit gewährleisten), weisen sie auf reale notwendige

Verknüpfungen, und den Begriffen, die in dem von ihnen beschriebenen

Verhalten wurzeln, bleibt die Möglichkeit realer Bedeutung. Es würde

hier also in der ganzen Argumentation ein Loch klaffen, wenn die

Naturnotwendigkeit nicht geleugnet würde.

Und in der Tat stießen wir dann ja auf eine Polemik gegen die

Notwendigkeit, und mehr noch als bestimmte darauf bezügliche Stellen nötigt

uns also der ganze Zusammenhang, sie in diesem Sinne aufzufassen. Denn auch

das Interesse an der Zersetzung des Kraft- und Substanzbegriffes wird dann

verständlich, weil der Gedanke an eine Naturnotwendigkeit nicht zu umgehen

ist, solange man an Substanzen mit fest zugeeigneten Kräften glaubt, da

dies ohne die Annahme realer Notwendigkeit keinen Sinn hätte. Und endlich

ordnet sich nun erst auch jener erste Einwand gegen die Kausalität, die

Natur sei nur einmal da, Wiederholungen gleicher Fälle kenne sie nicht, in

das Uebrige ein, den wir im vorigen Abschnitt unerörtert ließen, weil wir

erkannten, daß sich sein Sinn nicht nur gegen die Kausalität richtet,

sondern schlechtweg alles Naturgesetzliche und Naturnotwendige

untergräbt.[215] Wir sehen also tatsächlich, daß sich das Ganze auf die

dritte der von uns zur Erwägung gestellten Interpretationen zuspitzt. Diese

ist daher nicht nur notwendig um gewisse Aeusserungen nicht als

Uebertreibungen erscheinen zu lassen, wie wir dies vordem zeigten, sondern

auch um das ganze Gefüge der Machschen Gedanken nicht in belanglose und,

wie man dann wohl sagen dürfte, unvorsichtige Aeußerungen zerfallen zu

lassen. Umgekehrt werden wir nun aber auch mit Recht alles darauf ankommen

lassen dürfen, ob sie die Probe besteht oder nicht.

Nun gibt es doch aber offenbar in der Natur wenigstens den Anschein von

Notwendigkeit und Gesetz, nämlich unverbrüchliche Regelmäßigkeiten; sie

sind das, aus dem man das Vorhandensein einer Naturgesetzlichkeit

ableitet, auch dann wenn man über diese außer der Wahrscheinlichkeit

ihres Daseins nichts aussagen zu können glaubt. Wie Mach sich dazu

verhält, ist daher von größter Bedeutung.

Er sagt: »Unsere Naturwissenschaft besteht in dem begrifflichen

quantitativen Ausdruck der Tatsachen«.[216] Es ist aber »jeder

naturwissenschaftliche Satz ein ~Abstraktum~, welches die Wiederholung

gleichartiger Fälle zur Voraussetzung hat«,[217] denn »wenn wir die

Tatsachen in Gedanken nachbilden, so bilden wir niemals die Tatsachen

überhaupt nach, sondern nur nach jener Seite, welche für uns wichtig ist;

unsere Nachbildungen sind immer Abstraktionen[218] »weil eine Regel, welche

aus der Beobachtung von Tatsachen gewonnen wird, nicht die ganze Tatsache

in ihrer unerschöpflichen Mannigfaltigkeit fassen, sondern nur eine Skizze

der Tatsache geben kann, einseitig dasjenige hervorhebend, was für den

technischen oder wissenschaftlichen Zweck wichtig ist. So hat man z. B. am

Hebel zuerst die Gewichte und Arme, dann die statischen Momente usw.,

endlich die Gewichte und die Zugrichtungen in Bezug auf die Axe als

gleichgewichtsbestimmende Umstände ins Auge gefaßt, und demnach die

Gleichgewichtsregeln gebildet.«[219] Mit anderen Worten: »Die

fortschreitende Verschärfung der Naturgesetze, die zunehmende Einschränkung

der Erwartung entspricht einer genaueren Anpassung der Gedanken an die

Tatsachen. Eine vollkommene Anpassung an jede individuelle, künftig

auftretende, unberechenbare Tatsache ist natürlich unmöglich. Die

vielfache, möglichst allgemeine Anwendbarkeit der Naturgesetze auf konkrete

tatsächliche Fälle wird nur möglich durch Abstraktion,[220] durch

Vereinfachung, Schematisierung, Idealisierung der Tatsachen, durch

gedankliche Zerlegung derselben in solche einfache Elemente, daß aus diesen

die gegebenen Tatsachen mit zureichender Genauigkeit sich wieder gedanklich

aufbauen und zusammensetzen lassen. Solche elementare idealisierte

Tatsachenelemente, wie sie in Wirklichkeit nie in Vollkommenheit

angetroffen werden, sind die gleichförmige und die gleichförmig

beschleunigte Massenbewegung, die stationäre (unveränderliche) thermische

und elektrische Strömung und die Strömung von gleichmäßig wachsender und

abnehmender Stärke usw. Aus solchen Elementen läßt sich aber jede beliebig

variable Bewegung und Strömung beliebig genau zusammengesetzt denken, und

der Anwendung der Naturgesetze zugänglich machen. Dies geschieht in den

Differentialgleichungen der Physik. Unsere Naturgesetze bestehen also aus

einer Reihe für die Anwendung bereit liegender für diesen Gebrauch

zweckmäßig gewählter Lehrsätze. Die Naturwissenschaft kann aufgefaßt werden

als eine Art Instrumentensammlung zur gedanklichen Ergänzung irgend welcher

teilweise vorliegender Tatsachen oder zur möglichsten Einschränkung unserer

Erwartung in künftig sich darbietenden Fällen.«[221]

Der wichtige, in diesen Ausführungen neu hinzukommende Gedanke, ist der,

daß das idealisierende und daher fiktive Moment an den Naturgesetzen betont

wird. Unsere Naturgesetze werden durch Abstraktion gewonnen, sagt Mach,

durch Absehen von der vollen Mannigfaltigkeit der Tatsachen, nur durch

Idealisierung der Tatsachen gelingt es uns, Gesetzlichkeit zu finden. »Alle

allgemeinen physikalischen Begriffe und Gesetze, der Begriff des Strahls,

die dioptrischen Gesetze, das Mariotte'sche Gesetz usw. werden durch

Idealisierung gewonnen. Sie nehmen dadurch jene einfache und zugleich

allgemeine, wenig bestimmte Gestalt an, welche es ermöglicht, eine

beliebige auch komplizierte Tatsache durch synthetische Kombination dieser

Begriffe und Gesetze zu rekonstruieren, d. h. sie zu verstehen. Solche

Idealisierungen sind bei den Carnot'schen Betrachtungen der absolut

nichtleitende Körper, die volle Temperaturgleichheit der sich berührenden

Körper, die nicht umkehrbaren Prozesse, bei Kirchhoff der absolut schwarze

Körper usw.«[222]

Ist dem aber so, wird das Gesetz nur durch idealisierende Fiktion

gefunden, so hat es, folgert Mach weiter, zwar die Wiederholung gleicher

Ereignisse unter gleichen Umständen zur Voraussetzung, weil es aber

ein bloßes Abstraktum ist, existiert auch diese vorausgesetzte

Regelmäßigkeit nicht in der Natur sondern nur in der Abstraktion, im

idealisierten Schema.

Und damit sind wir nun tatsächlich bei dem Mißverständnis angelangt, auf

das sich die ganze Leugnung der Naturnotwendigkeit gründet; Notwendigkeit,

schließt Mach, findet sich nur in der Abhängigkeit unserer Begriffe von

einander, in unseren Vorstellungen von Gesetz u. dgl., diese sind aber

durch Idealisierung gewonnen, also wird in die Natur die Notwendigkeit

auch nur fiktiv hineingetragen. »Für den wissenschaftlichen Gebrauch«, sagt

Mach, »muß die gedankliche Nachbildung der sinnlichen Erlebnisse noch

begrifflich geformt werden. ~Nur so~ können sie benützt werden, um zu einer

durch eine begriffliche Maßreaktion charakterisierten Eigenschaft durch

eine begriffliche Rechenkonstruktion die davon abhängige Eigenschaft der

Tatsache zu finden, die teilweise gegebene zu ergänzen. Dieses Formen

geschieht durch Idealisierung«,[223] denn »nur unser schematisches

Nachbilden erzeugt gleiche Fälle, nur in diesem existiert also die

Abhängigkeit gewisser Merkmale voneinander«.[224] Dieser eindeutig

bestimmten Abhängigkeit, heißt es weiter, entspricht »nur eine Theorie,

welche die immer komplizierten und durch mannigfache Nebenumstände

beeinflußten Tatsachen der Beobachtung ~einfacher~ und ~genauer~ darstellt,

als dies durch die Beobachtung eigentlich verbürgt werden kann«.[225] Nur

dadurch »wird die mathematische Physik zu einer deduktiven exakten

Wissenschaft, daß sie die Erfahrungsobjekte durch schematisierende,

idealisierende Begriffe darstellt«.[226] Denn das genaue Verhältnis ergibt

sich nur durch Idealisierung und »erscheint nur als eine Hypothese, durch

deren Aufgeben die einzelnen Tatsachen der Erfahrung sofort in logischen

Widerspruch geraten würden. Nun erst können wir die Tatsachen mit exakten

Begriffen operierend selbsttätig rekonstruieren, wissenschaftlich,

logisch beherrschen. Der Hebel und die schiefe Ebene sind gerade so

selbstgeschaffene Idealobjekte der Mechanik, wie die Dreiecke Idealobjekte

der Geometrie sind. Diese Objekte allein können den logischen Forderungen

vollkommen genügen, welche wir ihnen aufgelegt haben. Der physische Hebel

genügt ihnen nur so weit als er sich dem idealen nähert«.[227] Mit anderen

Worten: »die logischen Deduktionen aus unseren Begriffen bleiben aufrecht,

solange wir diese Begriffe festhalten«,[228] aber »die Tatsachen sind nicht

genötigt, sich nach unseren Gedanken zu richten«;[229] es richten sich bloß

»unsere Gedanken, unsere Erwartungen nach anderen Gedanken, nach den

Begriffen nämlich, welche wir uns von den Tatsachen gebildet haben. Nehmen

wir an, daß eine Tatsache genau unseren einfachen, idealen Begriffen

entspricht, so wird in Uebereinstimmung hiermit unsere Erwartung auch genau

bestimmt sein. Ein naturwissenschaftlicher Satz hat immer nur den

hypothetischen Sinn: Wenn die Tatsache A genau den Begriffen M entspricht,

so entspricht die Folge B genau den Begriffen N, so genau als A den M, so

genau entspricht B den N. Die absolute Exaktheit, die vollkommen genaue,

eindeutige Bestimmung der Folgen einer Voraussetzung besteht in der

Naturwissenschaft nicht in der sinnlichen Wirklichkeit, sondern nur in der

Theorie«.[230]

Dies sind die Ausführungen, auf denen die Leugnung der Naturnotwendigkeit

ruht und auf die sich alles Uebrige zuspitzt. Wir nannten sie

mißverständlich. Bevor wir jedoch daraus die Konsequenzen ziehen und von

neuem in die Kritik eintreten, ist es notwendig noch einen letzten Gedanken

zu berücksichtigen: den Machschen Sensualismus, die Elemententheorie.

Diese Analyse der Empfindungen (nach Machs Benennung) oder Elemententheorie

(wie wir mit Bezug auf einen ihrer wichtigsten Begriffe kurz sagen

können) würde ein Kapitel für sich erfordern, wollte man auf alle

Zweifelhaftigkeiten eingehen, die ihr anhaften. Wir haben jedoch schon in

der Einleitung unsere Aufgabe beschränkt und auf den wichtigsten Punkt

konzentriert, auf den Zusammenhang nämlich, der, nach Machs Behauptung,

seine Anschauungen als Konsequenzen der exakten Forschung rechtfertigen

soll. Diesen Zusammenhang haben wir in seinen wichtigsten Teilen bereits

kennen gelernt, er ergibt eine eigentümliche erkenntnistheoretische Haltung

und Mach sagt selbst im Vorwort zur Analyse der Empfindungen ganz dem

entsprechend: »Nicht eine Lösung aller Fragen, sondern eine

erkenntnistheoretische Wendung wird hier versucht«.

Diese erkenntnistheoretische Wendung, mit der wir es, als vermeintlichem

Ergebnis der bisherigen Untersuchungen, bei der Elemententheorie zu tun

haben, ist aber die, daß in Konsequenz des Idealisierenden, Fiktiven in der

Naturwissenschaft die den Gesetzen zugrundeliegende reale Notwendigkeit

geleugnet und Gesetz wie Theorie bloß als ein Instrumentarium[231]

betrachtet wird, dessem fiktiven Gehalt keine Eigenbedeutung zukommt,

sondern nur die eines Hilfsmittels zur Herstellung eines übersichtlichen

Tatsacheninventars.[232] Dies also, obwohl wir näher darüber erst später

reden wollen, muß jetzt schon festgelegt werden, und wir werden sehen, daß

sich das Wichtigste aus der Analyse der Empfindungen tatsächlich darauf

zurückführen läßt. Andererseits ist jedoch auch darauf zu verweisen, daß

die Auflösung in Elemente selbst wieder ein weiterer Schritt zu diesem

erkenntnistheoretischen Endbilde ist, denn bisher haben wir zwar gesehen,

daß die Substanzbegriffe aus der wissenschaftlichen Behandlung

ausgeschieden werden, solange man aber an Psychisches und Physisches, an

eine Innenwelt und eine Außenwelt glaubt, kann diese Operation kein

definitives Resultat ergeben, weil dabei ja sozusagen der Krankheitserreger

im wissenschaftlichen Organismus zurückgeblieben ist.

Wenn man nun unter dem Gesichtspunkt dieser Vorbemerkung die Analyse der

Empfindungen betrachtet, so findet man, von Nebensächlichem[233]

abgesehen, drei Hauptgruppen zusammengehörender Gedanken:

Erstens sprechen die Ergebnisse der Naturwissenschaft ohnedies nur von

Zusammenhängen von Empfindungen, die Welt ist also eine Welt der

Empfindungen.

Was diesen Gedanken betrifft, genügt Folgendes, um ihn zu illustrieren: Wir

wissen, daß die Physik eine Erfahrungs-, eine Tatsachenwissenschaft ist,

oder wie Mach sagt: »die einzig unmittelbare Quelle naturwissenschaftlicher

Erkenntnis ist die sinnliche Wahrnehmung«;[234] die Interpretation selbst

der abstraktesten Gleichung führt gleichfalls auf solche Wahrnehmungen, auf

Sinnlich-Anschauliches als ihre Grundlage, oder wie Mach sagt:

»alle Rechnungen, Konstruktionen usw. sind nur Zwischenmittel

diese Anschaulichkeit zu erreichen«.[235] Nun ist zwischen einer

Erfahrungswissenschaft und einer Wissenschaft von Empfindungen allerdings

noch ein gewaltiger Unterschied, aber Mach glaubt ihn dadurch überbrücken

zu können, daß er schließt: Gleichungen beruhen auf Messungen, Messungen

reduziert man auf Grundmaße, gewöhnlich Länge, Masse und Zeit, Masse und

Zeit kommen aber, wie wir gehört haben, auf Längemessungen hinaus. »Demnach

ist die Längemessung die Grundlage für alle Messungen. Allein den bloßen

Raum messen wir nicht, wir brauchen einen körperlichen Maßstab, womit das

ganze System mannigfaltiger Empfindungen eingeführt ist. Obschon also die

Gleichungen nur räumliche Maßzahlen enthalten, sind dieselben auch nur das

ordnende Prinzip, das uns anweist, aus welchen Gliedern in der Reihe der

sinnlichen Elemente wir unser Weltbild zusammenzusetzen haben«.[236] M. a.

W.: »Die Naturgesetze sind Gleichungen zwischen den meßbaren Elementen der

Erscheinungen«[237], ein »quantitatives Regulativ« der sinnlichen

Vorstellung.[238]

In erster Linie, denke ich, wird man dem einwenden, daß dieses

»quantitative Regulativ« sich nur in höchst indirekter Weise auf

sinnliche Vorstellungen bezieht. Denn das eine ist klar, daß die

Elemente, von denen in den Gleichungen der Physik die Rede ist, zunächst

keine sinnlichen sondern begriffliche Elemente sind. Von keinen anderen

als solchen war bisher die Rede, mit keinen anderen würde sich auch

das Bisherige vertragen, -- man denke bloß daran, daß einzelne

Bestimmungsstücke der Gleichungen ja idealisiert und fiktiv gefunden

wurden, also in der sinnlichen Wirklichkeit gar nicht angetroffen werden

können, -- und endlich spricht ja Mach selbst ausdrücklich von

Begriffen. »Für den wissenschaftlichen Gebrauch muß die gedankliche

Nachbildung der sinnlichen Erlebnisse noch begrifflich geformt

werden«,[239] heißt es und »für den Physiker sind Begriffe die

Bauanweisung«.[240]

Sollen danach also die ursprünglichen Aeußerungen noch aufrecht erhalten

bleiben, so muß den Begriffen selbst eine Vermittlerrolle zugedacht

sein. Und in der Tat meint Mach: Der Physiker operiert immer mit

Empfindungen, denn diese liegen seinen Begriffen zu Grunde. Jede

experimentelle Anordnung durch die wir zu einem Gesetz gelangen oder auf

deren Beschreibung die Definition eines Begriffes ruht,[241] »gründet

sich auf eine fast unabsehbare Reihe von Sinnesempfindungen,

insbesondere, wenn noch die Justierung der Apparate in Betracht gezogen

wird, welche der Bestimmung vorausgehen muß. Also bedeutet ein

physikalischer Begriff nur eine bestimmte Art des Zusammenhanges

sinnlicher Elemente.«[242] Daß dennoch nicht direkt davon die Rede ist,

erklärt Mach so: »die Naturwissenschaft lehrt uns die stärksten

Zusammenhänge von Gruppen von Elementen kennen. Auf die einzelnen

Bestandteile dieser Gruppen dürfen wir vorerst nicht zu viel achten,

wenn wir ein faßbares Ganzes behalten wollen. Die Physik gibt, weil ihr

dies leichter wird, statt der Gleichungen zwischen den Urvariablen,

Gleichungen zwischen Funktionen derselben. Die psychologische

Physiologie lehrt von dem Körper das Sichtbare, Hörbare, Tastbare

absondern, das Sichtbare löst die Physiologie weiter in Licht- und

Raumempfindungen, erstere wieder in die Farben, letztere ebenfalls in

ihre Bestandteile; die Geräusche löst sie in Klänge, diese in Töne auf

usw. Ohne Zweifel kann diese Analyse noch sehr viel weiter geführt

werden, als es schon geschehen ist. Es wird schließlich sogar möglich

sein, das Gemeinsame, welches sehr abstrakten und doch bestimmten

logischen Handlungen von gleicher Form zugrunde liegt, ebenfalls

aufzuweisen. Die Physiologie wird uns mit einem Worte die eigentlichen

realen Elemente der Welt aufschließen.«[243] Natürlich muß man dem

hinzufügen, daß diese »Ueberlegung nur ein Ideal weisen« kann, »dessen

annähernde allmähliche Verwirklichung der Forschung der Zukunft

vorbehalten bleibt. Die Ermittlung der direkten Abhängigkeit der

Elemente voneinander,« sagt Mach, »ist eine Aufgabe von solcher

Komplikation, daß sie nicht auf einmal gelöst werden kann;«[244] die

Richtung, in welcher die Aufklärung durch eine lange und mühevolle

Untersuchung zu erwarten ist, kann natürlich nur vermutet werden.

Das Resultat antizipieren, oder es gar in die gegenwärtigen

wissenschaftlichen Untersuchungen einmischen zu wollen, hieße

»Mythologie statt Wissenschaft treiben.«[245]

Auf diese Gedanken reduziert sich dann auch die zweite Gruppe von

Einwänden, die wir daher gleich anschließen wollen. Was uns von den Körpern

gegeben ist, sagt Mach, sind (nach gewöhnlicher Redeweise) die

Empfindungen, die sie in uns auslösen, also Sinnesinhalte, »Farben, Töne,

Wärme, Drücke, Räume, Zeiten usw., in mannigfaltiger Weise miteinander

verknüpft.«[246] Wie kommen wir nun von da zur Annahme von Dingen? Die

Antwort ist: weil wir ein Bedürfnis nach einheitlicher Zusammenfassung

haben[247] und weil diesem der Umstand entgegenkommt, daß »in dem Gewoge

der Empfindungen die Summe der bleibenden Glieder gegenüber den

veränderlichen, namentlich wenn wir auf die Stetigkeit des Ueberganges

achten, immer so groß ist, daß sie uns zur Anerkennung des Körpers als

desselben genügend erscheint,«[248] »das relativ Feste und Beständige tritt

hervor, prägt sich ein, drückt sich in der Sprache aus.«[249] Glaubt man

aber deswegen, daß hinter den Erscheinungen wirklich ein »bleibender Kern«,

ein Ding liege, von dem die Erscheinungen »bewirkt«[250] werden, so begeht

man den Fehler, die subjektive Willkürlichkeit der Repräsentation zu

übersehen und letztere objektiv zu hypostasieren,[251] m. a. W. die

Beständigkeit für absolut zu erklären, während sie in Wirklichkeit doch

bloß relativ ist und eben nur hinreichend, um eine subjektive

Vereinheitlichung, nicht aber auch eine objektive Einheit zu begründen.

Die Beständigkeit des betreffenden Empfindungskomplexes ist ferner an

gewisse Bedingungen gebunden (an unser Verhalten und an Beziehungen zur

Umgebung) und auch deswegen nur eine relative; weil man aber diese

Bedingungen stets in der Hand hat, weil sie leicht realisierbar sind,

beachtet man sie nicht immer und hält den Körper als Repräsentanten des

Elementenkomplexes für stets vorhanden;[252] ja man tut dies sogar in

Fällen, wo der Wille zur Realisierung der Bedingungen nicht mehr allein

genügt oder wo die volle Realisierung der Sinnfälligkeit überhaupt

unmöglich ist.[253] Vermeidet man aber diesen Fehler, so kann man nur

umgekehrt sagen, daß Körper oder Dinge abkürzende Gedankensymbole für

Gruppen von Empfindungen sind, Symbole, die außerhalb unseres Denkens nicht

existieren[254], denn mit dem Wegfall der Empfindungen verlieren überdies

die hinzugedachten Kerne allen Inhalt[255]; »nicht die Dinge, sondern was

wir gewöhnlich Empfindungen nennen, sind eigentliche Elemente der

Welt«[256], »nicht die Körper erzeugen Empfindungen, sondern

Elementenkomplexe bilden die Körper«[257] und als letztes Ergebnis:

»Die Empfindungen verschiedener Sinne eines Menschen, sowie die

Sinnesempfindungen verschiedener Menschen sind gesetzlich voneinander

abhängig. Darin besteht die Materie.«[258]

Es ist nicht nötig, viel über diese Argumentation zu sagen; der Schein

von Berechtigung, der ihr -- allerdings weniger in dieser nüchternen

Zusammenstellung als in der fließend und wie selbstverständlich

erzählenden Darstellung Machs -- anhaftet, rührt nur daher, daß diese

Ausführungen sich auf einer primitiven, vorläufigen, durchaus

ungeklärten Basis bewegen. Was heißt ein Bündel, ein Komplex, ein

gesetzlicher Zusammenhang von Empfindungen? Das sind Vorstellungen, die,

bevor sie erwogen werden können, erst wissenschaftlich präzisiert werden

müssen. Doch dies eben weist uns auch auf den Zusammenhang: das

wissenschaftlich genau gefaßte Verhalten der Dinge liegt in den

Gesetzen, und wir fanden dies ja gerade durch Mach hervorgehoben;

dadurch reduziert sich dann die ganze Frage auf die frühere, inwiefern

die Naturgesetze Gesetze zwischen Empfindungen seien; nur dort, wo man

schärfer zupacken kann, kann auch sie ihre Erledigung finden. Und nur

der indirekte Weg über die Vermittlerstellung des Begriffs kann dafür in

Betracht kommen, denn sollte Mach das Wesen der Substanz in einem

anderen gesetzlichen Zusammenhange der Empfindungen verschiedener Sinne

und verschiedener Menschen sehen als in diesem, so blieben wohl erst die

Gesetze der äußeren Natur zu zeigen, die direkt sich auf Empfindungen

beziehen; die gewöhnlichen physikalischen Gesetze sind es nicht und

können auch nicht von Mach dafür ausgegeben werden, ohne daß er in den

unlösbarsten Widerspruch mit den Seite 107 erwähnten sonstigen

Konsequenzen seiner Haltung geriete.

Es bleibt uns dann noch eine dritte Gruppe von Einwänden, dahin zielend,

daß die Trennung zwischen eigenen und fremden Empfindungen wie die

zwischen Empfindung und Empfundenem als irreführend beseitigt wird,

wonach es nur mehr einerlei »Elemente« gibt, die an sich weder der

Innenwelt noch der Außenwelt angehören.

Nehmen wir an, die Naturgesetze seien nur ein quantitatives Regulativ

der sinnlichen Vorstellungen, sie wiesen uns an, aus welchen dieser und

in welcher Kombination wir bestimmte Tatsachen nachzubilden hätten. Dann

sind Rot, Grün, Ausdehnung, Druck usw. die Elemente der Außenwelt,

sofern sie wahrgenommen wird. Immerhin scheidet die gewöhnliche

Auffassung auch dann noch zwischen dieser sinnlichen Gelegenheit der

Elemente und ihrer (ev. unerkennbaren) von den subjektiven Bedingungen

der Wahrnehmung unabhängigen Natur. Diese Scheidung bekämpft Mach, nach

ihm sind Rot, Ausgedehnt u. dgl. sozusagen schon die Elemente an sich,

und ihre vermeintliche Doppelstellung zwischen Physischem und

Psychischem beruht nur auf einem Wechsel und einer Verwechslung der

Perspektive.

Er sagt: Nennen wir diese Elemente A B C ...; ein besonderer Teil davon

bildet unseren Leib und wird mit K L M ... bezeichnet; endlich sind noch

als ¿a b g¿ .. die eigentlichen psychischen Elemente, Stimmungen,

Erinnerungsbilder, Gefühle, Willen[259] u. dgl. zu bezeichnen. Von ihnen

wird nun zunächst vorausgesetzt, daß sie von Vorstellungen nicht

wesentlich verschieden seien[260]. Dann sind also die ¿a b g¿ ...

dasselbe wie die K L M.. und A B C ... Nun hängt K L M sowohl mit ¿a b

g¿ ... wie mit A B C ... enger zusammen als diese untereinander, denn

unsere psychischen Vorgänge beeinflussen die Vorgänge in der Außenwelt

nicht direkt, wohl aber sind sie von Nervenprozessen, also Veränderungen

in K L M ... abhängig; und ebenso hängt A B C ... mit K L M ...

zusammen, denn es zeigt sich, »daß verschiedene A B C ... an

verschiedene K L M ... gebunden sind«; z. B. erscheint ein Körper dem

rechten Auge anders als dem linken, bei geschlossenen Augen gar nicht u.

dgl.[261] Was gegeben ist, sind also einerlei Elemente in verschiedenen

Verhältnissen der Abhängigkeit. Auf deren Verschiedenheit beruht aber

einzig und allein der ganze Dualismus. Achtet man auf K L M ... nicht

und betrachtet nur den Zusammenhang der A B C ..., so treibt man

Physik, achtet man auf den Zusammenhang mit K L M ... so treibt man

Psychologie und darf A B C ... als Empfindungen bezeichnen.[262] Sofern

man alle A B C .. in diesen Zusammenhang bringen kann, können alle

Elemente als Empfindungen gelten und das Ich, das sich aus den

Empfindungen aufbaut[263], kann die ganze Welt umfassen.[264]

»Jedenfalls aber ist für uns wichtig, zu erkennen, daß es bei allen

Fragen, die hier vernünftigerweise gestellt werden können, auf die

Berücksichtigung verschiedener Grundvariablen und verschiedener

Abhängigkeitsverhältnisse ankommt. An dem Tatsächlichen, an den

Funktionalbeziehungen wird nichts geändert, ob wir alles Gegebene als

Bewußtseinsinhalt oder aber teilweise oder ganz als physikalisch

ansehen.«[265] Wie steht es nun aber mit den Empfindungen, die wir doch

auch bei anderen Menschen voraussetzen? Sie sind, meint Mach, von uns

nach Analogie hinzugedacht[266], sind funktional hinzugedacht[267],

weil uns das Verhalten der anderen Menschen erst dadurch vertraut

wird[268]. »Die Vorstellungen von dem Bewußtseinsinhalt unserer

Mitmenschen spielen für uns die Rolle von Zwischensubstitutionen, durch

welche uns das Verhalten der Mitmenschen, die Funktionalbeziehung von K

L M ... zu A B C ..., soweit dasselbe für sich allein (physikalisch)

unaufgeklärt bliebe, verständlich wird.«[269]

Wir haben jetzt in ziemlicher Vollständigkeit das Material beisammen und

können nun auch unsere Bemühungen, die in ihm liegenden Widersprüche und

Irrtümer aufzuzeigen, zu Ende führen. Bisher hatte uns unser Weg von der

Forderung des Nachweises, daß die Erfahrung in wissenschaftlich

befriedigender Weise und dennoch ohne Transcendieren des Wahrnehmbaren

gefaßt werden könne, zu der Interpretation der funktionalen Verknüpfung als

einer nur ökonomisch-rechnerischen geführt, von dieser Interpretation zur

Leugnung einer Naturnotwendigkeit, von dort einerseits zur Rolle der

Idealisierung und der Abstraktion, die ihr -- wie wir dort vorweg

sagten -- mißverständlich zugrunde gelegt wird, andererseits zur Auffassung

der Wissenschaft als eines bloß ökonomischen Instrumentariums und

Inventars, die aus der Leugnung der Naturnotwendigkeit erfolgt.

An dieser Stelle schalteten wir die Elemententheorie ein; was ist nun ihr

Ergebnis? -- Es blieben uns zwei Gedankengänge. In dem einen glaubte Mach

den Unterschied zwischen einer auf Grund von Wahrnehmungen aufgebauten

Wissenschaft und einer Wissenschaft von Wahrnehmungsinhalten dadurch

überbrückt, daß die Naturgesetze in ihren letzten Konsequenzen ordnende

Prinzipien sind, die uns anweisen, aus welchen sinnlichen Vorstellungen wir

unser Weltbild zusammensetzen sollen, Gleichungen zwischen den meßbaren

Elementen der Erscheinungen, quantitative Regulative der sinnlichen

Vorstellung. Ist dies der Fall, dann wäre die ganze Wissenschaft nur zu

einer Vermittlung zwischen den Erscheinungen berufen, würde in dieser

Aufgabe wurzeln und wäre in ihr abgeschlossen; sollte sich vielleicht auch

da und dort auf diesem Wege ein Hinausgehen der Bedeutung über das

Wahrnehmbare nicht vermeiden lassen, so würde es doch gewissermaßen nicht

zur Sache gehören, sondern nur eine dem algorithmischen Symbol anhaftende

Mitbedeutung sein. Wir zeigten aber, daß diese Behauptung nur indirekt

genommen werden dürfe, weil die in den Gesetzen auftretenden Elemente nicht

sinnliche, sondern begriffliche sind, was auch von Mach zugegeben wird. Die

Vermittlerrolle suchten wir daher bei der Auffassung des Begriffs und

stießen dabei auf Machs Erklärung, daß zwar die heutige Physik, weil ihr

dies leichter falle, nicht Gleichungen zwischen den Urvariablen, sondern

solche zwischen Größen gebe, die bereits deren Funktionen sind, die

Begriffe aber dennoch nur eine bestimmte Art des Zusammenhanges sinnlicher

Elemente bedeuten.

Ganz abgesehen davon, daß Mach (vgl. S. 108) den strengen Beweis dieser

Behauptungen einer zukünftigen Wissenschaft vorbehält und selbst nur

jene nicht eigentlich diskutablen Aphorismen vorbringt, die wiederum wir

bis zur wissenschaftlichen Präzisierung zurückstellen mußten, ergeben

sich gegen seine Behauptung aber auch sofort prinzipielle Bedenken. Denn

daß jeder empirische Begriff auf Wahrnehmung beruht, haben wir zwar

zugegeben, daß dies nun aber auf einmal gleichbedeutend mit einem

Zusammenhang von Sinnesinhalten sein soll, ist eine Unterschiebung. Denn

obzwar natürlich die Wahrnehmungen in Sinnesinhalten bestehen und

Wahrnehmungen zu den Begriffen führen, sozusagen also auch zu einem

Begriffe zusammengefaßt werden, so bedeutet der Begriff doch etwas

anderes als eine Zusammenfassung von Wahrnehmungen, wie man erkennt,

wenn man seine Bedeutung entfaltet. Schreibe ich einem Körper die

Eigenschaft ¿a¿, beispielsweise Masse, zu, wenn er das wissenschaftlich

fixierte Verhalten ¿a¿ zeigt, so kann ich dies natürlich nur tun, weil

¿a¿ da und dort wahrgenommen wurde, aber ich kann es nicht minder auch

nur deswegen tun, weil ¿a¿ selbst von seinem Wahrgenommenwerden

unabhängig ist, weil der Wechsel der wahrnehmenden Person gar nichts an

ihm ändert u. dgl. So wenigstens nach der herrschenden Ansicht, davon

ganz abgesehen, daß Wahrnehmungen, die auf den gleichen Gegenstand

bezogen werden, immer noch nicht gleiche Inhalte voraussetzen.

Doch soll eben diese Auffassung durch die letzte Gruppe von Argumenten

als irrtümlich hingestellt werden. Die Unterscheidung zwischen der

sinnlichen Gegebenheit der Elemente (den Elementen sofern und wie sie

wahrgenommen werden) und der Natur dieser Elemente als Gegenstände,

unabhängig von den subjektiven Bedingungen der Wahrnehmung, ist falsch;

warum? Weil sie nur auf einem Wechsel der Untersuchungsrichtung beruht,

hieß es, und auf Unterschieden der funktionalen In-Verbindung-Setzung.

Die Elemente sind nur einmal da und sind weder physisch noch psychisch,

nur in Bezug auf andere Elemente sind sie bald das eine, bald das

andere. Daß man sie dann aber in Relation zu Teilen des eigenen Körpers

psychisch, in Relationen zu fremden Körpern physisch nennt, ist ganz

gleichgültig, unter Umständen sogar irreführend, jedenfalls aber

unnötig, denn das berechtigte wissenschaftliche Interesse ist damit

erschöpft, daß man erfährt, wie sie sich in beiden Fällen verhalten,

welche Art funktionaler Abhängigkeit bestehe u. dgl.

Es fragt sich nun, ob der phänomenale Dualismus wirklich, wie Mach

meint, dem positiv Gegebenen nur so äußerlich angeheftet sei, oder ob

er nicht doch notwendig darin liegt? Eines ist sicher, ist eine

Erfahrungstatsache: die Elemente A B .., von denen Mach spricht, sind

immer an das Vorhandensein von K L M gebunden, denn wo es beispielsweise

keine Netzhaut gibt, dort gibt es auch keine Farbe, oder diese Farbe

dürfte kein Mach'sches Element, müßte etwas hinter dem Inhalt sein.

Würde man dann Elemente A B .. in Abhängigkeit von Elementen D E ..

untersuchen, so dürfte man also nicht von K L M .. abstrahieren, jede

physikalische Untersuchung bliebe eine psychologische. Mach selbst gibt

an, daß die ursprünglichen Gleichungen die Form F (A B .. K L ..) = 0

haben.[270] Welche Möglichkeiten gibt es nun, von K L .. abzusehen? Es

wäre verständlich von irgend einem skeptischen Gesichtspunkte aus, hier

käme der der Oekonomie in Betracht, der die Tatsachen nach seinem

Gutdünken ordnet, statt die ihnen immanente Ordnung abzulesen, oder

zweitens wäre es erlaubt, wenn man die Unabhängigkeit der A B C ..,

bezw. die Einflußlosigkeit der K L M .. nach den Forderungen der

Gesetzesinduktion beweisen könnte. Im ersten Falle käme es, wie erwähnt,

auf die Oekonomie hinaus und weiter den ganzen Ableitungsgang durch bis

zu jener Leugnung realer Notwendigkeit, bei der wir stehen blieben. Der

zweite Teil aber wäre einfach der Beweis dafür, daß die A B .., die

physikalischen Elemente, untereinander in gesetzlichen Beziehungen

stehen, notwendig miteinander verknüpft sind, unabhängig von ihrem

Charakter als Inhalte, der ja mit dem ausgeschalteten K L .. wegfällt.

Ganz genau so liegt es aber auch mit dem Hinzudenken von Sinnesempfindungen

bei anderen Menschen; denn Mach sagt, wie wir gehört haben, daß man sie

nach Analogie hinzudenke, so wie man zur eigenen Empfindung den

neurologischen Prozeß hinzudenkt, an einer anderen Stelle[271] vergleicht

er es sogar mit dem Schlusse auf eine derzeit nicht beobachtete Eigenschaft

eines stromdurchflossenen Leiters, wenn man an diesem sonst alle

zugehörigen Eigenschaften beobachtet hat. -- Liegen diese Fälle aber

parallel, dann besteht kein Zweifel, daß man entweder ein psychisches Leben

der anderen Menschen mit wissenschaftlicher Bestimmtheit annehmen muß oder

daß man diese Bestimmtheit auch in ganz einwandfrei anerkannten Fällen der

Gesetzesinduktion leugnet. Wir haben also hier tatsächlich wieder die

gleiche Alternative: entweder führt sich Mach selbst ad absurdum oder das

Argument fließt in die bisherigen ein.

Was aber endlich die Rede von dem verschiedenen Feld anlangt, auf dem

der Unterschied zwischen Wahrnehmung und Vorstellung beruhen soll, so

sagt Mach, daß dies im Grunde nichts anderes heiße, als daß das

betreffende Element mit verschiedenen anderen verknüpft sei; nun muß man

entweder ausgesprochen nur-psychische Elemente ¿a b g¿ darunter annehmen

(wie etwa die Funktionen der modernen Psychologie), durch die sich das

eine Feld von andern unterscheidet, da in den A B .., so zahlreich sie

auch miteinander verknüpft sein mögen, dieser Unterschied nicht liegt,

oder man darf den Unterschied nicht in dem Verknüpften, sondern muß ihn

in der Art der Verknüpfung suchen. Im ersten Fall ist natürlich weiteher

dem Dualismus eine Grundlage geschaffen als dem Mach'schen Monismus;

Unterschiede in der Art der Verknüpfung aber führen, da sie ja doch

nur so weit in Betracht kommen als sie gesetzlich sind, auf eine

verschiedene gesetzliche Struktur der Gebiete des Psychischen und des

Physischen und damit abermals zu einer Trennung beider, oder aber sie

werden ignoriert und dann haben wir es wieder mit dem alten Standpunkt

zu tun.

So führen also auch die Grundgedanken der Analyse der Empfindungen

entweder auf Widersprüche oder zu jenem Punkt, zu dem wir auch alles

andere zurückführen konnten und mit dessen Besprechung wir unsere

Aufgabe beschließen dürfen.

Wir kamen zu der Annahme, daß Mach eine Notwendigkeit in der Natur

leugne und sich über sie hinwegsetze. Ausdrückliche Worte sprechen dafür

und der Sinn des Ganzen, der gliedweise Aufbau verlangte es so, in dem

Maße, daß das System überhaupt in eine Reihe von Widersprüchen zerfiele,

wenn man den verschiedenen Gedanken diese einheitliche Orientierung

entzöge.

Und nun genügt es, darauf zu verweisen, daß gerade dieser zusammenhaltende

Gedanke Mach in den schärfsten Widerspruch gegen sich selbst versetzt, in

den Widerspruch gegen sich als Forscher. »In der Tat ist die Absicht ein

Gebiet zu erforschen nur mit der Annahme der Erforschbarkeit desselben

vereinbar. Diese setzt aber Beständigkeiten voraus, denn was sonst sollte

durch die Forschung ermittelt werden«.[272] Dies sind Worte Machs und wir

lassen ihnen, wegen der Wichtigkeit dieses Punktes eine Reihe ähnlicher

folgen: »Daß die Abhängigkeit eine feste sei, setzen wir vernünftigerweise

voraus, wenn wir an die Erforschung gehen. Die bisherige Erfahrung hat uns

diese Voraussetzung an die Hand gegeben, und jeder neue Forschungserfolg

bestärkt uns in derselben«.[273] »Beschrieben, begrifflich in Gedanken

nachgebildet kann nur werden, was gleichförmig, gesetzmäßig ist«.[274] »Wir

haben mit dem Postulat der Gleichförmigkeit der Natur keinen Fehlgriff

getan, wenn auch bei der Unerschöpflichkeit der Erfahrung die absolute

Anwendbarkeit sich nie wird dartun lassen und wie jedes wissenschaftliche

Hilfsmittel immer ein Ideal bleiben wird«.[275] »Daß wir mit Hilfe eines

Gesetzes prophezeien können, beweist die hinreichende Gleichförmigkeit

unserer Umgebung«.[276] »Ich bin überzeugt, daß in der Natur nur das und

soviel geschieht, als geschehen kann, und daß dies nur auf eine Weise

geschehen kann.«[277] »Die genauere quantitative Forschung zielt auf

möglichst vollständige Bestimmtheit, auf eindeutige Bestimmtheit«.[278]

»Die eindeutige Bestimmtheit gewisser uns wichtiger Eigenschaften von

Tatsachen durch andere leichter zugängliche wird in den wissenschaftlichen

Aufstellungen angestrebt«.[279] »Während der Forschung ist jeder Forscher

notwendig Determinist. Dies ist auch dann der Fall, wenn er mit bloßen

Wahrscheinlichkeiten zu tun hat. Die Sätze der Wahrscheinlichkeitsrechnung

gelten nur dann, wenn Zufälligkeiten durch Komplikation verdeckte

Regelmäßigkeiten sind.«[280]

Dies alles sind Aussprüche Machs und sie sagen deutlich, daß Mach,

wenigstens an diesen Stellen, feste, gesetzliche, das sind aber

notwendige, Beziehungen in der Natur voraussetzt und in wünschenswertem

Maße für erforschbar hält. Nun ist es möglich, daß in diesen Stellen

eine Entgleisung liegt, dann trifft der Vorwurf aber auch zahlreiche

andere, die wir hier nicht ausdrücklich anführten, wo Mach eine

Gleichförmigkeit, Regelmäßigkeit, Erforschbarkeit, eindeutige

Bestimmbarkeit und Vorhersage der Tatsachen mit gleicher Deutlichkeit

anerkennt. Und abgesehen von der Größe dieser Widersprüche würde

außerdem dem ganzen Gebäude der Schlußstein fehlen. Denn wir konnten

wohl die Leugnung der Notwendigkeit mit der Tatsache in Zusammenhang

bringen, daß die Naturgesetze in einer idealisierenden Weise begrifflich

gefaßt werden, der Nachweis aber, daß wegen dieses Umstandes hinter den

Gesetzen keine Notwendigkeit stehen ~könne~, wurde uns nicht gegeben.

Und ebensowenig jener zweite, gleich dringend erforderliche, daß man

auch dann noch zu einer erkenntnistheoretischen Haltung gelangen könnte,

die mit den Ergebnissen und Forderungen der exakten Forschung im

Einklang bleibt, wenn man wirklich (was im Gegebenen ja nicht der Fall

ist) die Leugnung der Naturnotwendigkeit in allen ihren Konsequenzen

durchführen würde.

Die zweite Möglichkeit ist aber die, daß man gerade die zuletzt gehörten

Aussprüche und die ihnen verwandten für die Machs wahrer Meinung

entsprechenden hält, wonach also die Leugnung der Naturnotwendigkeit nur

auf einem Mißverständnis beruhen könnte.

Und tatsächlich scheint hierbei ein solches unterlaufen zu sein. Denn was

Mach zur Unterstützung hervorhob, war der Umstand, daß die genaue von den

Gesetzen ~ausgesprochene~ Abhängigkeit nur zwischen den begrifflich

intendierten Gegenständen besteht und daß diese Gegenstände idealisierte

sind, die so nicht in der Wahrnehmungswelt existieren. Aber man mag dies

daher auch eine Fiktion nennen, so darf man diese doch nicht für

willkürlich ansehen. Denn sie ist in der Erfahrung fundiert. »Die Erfahrung

muß zunächst lehren, welche Abhängigkeit der Erscheinungen von einander

besteht, und nur die Erfahrung kann das lehren«,[281] und »unsere Begriffe

sind in der Tat selbstgemachte, jedoch darum noch nicht ganz willkürlich

gemachte«,[282] sagt Mach selbst. Die Erfahrung nun lehrt das

Bestehen ungeheurer Regelmäßigkeiten mit Deutlichkeit erkennen. Diese

Regelmäßigkeit, die uns zu allererst auf eine Notwendigkeit schließen

läßt, liegt also in den Tatsachen. Und sie wird natürlich nicht durch eine

Idealisierung aus diesen weggeschafft, ja wenn man, was hier nicht

geschehen kann, den Induktionsvorgang genau analysiert, sieht man, daß sie

sogar jedem Schritte dieser Idealisierung zugrundeliegt; die Idealisierung

ist in den Tatsachen motiviert. Daher ist es aber auch irrtümlich, zu

sagen, die Notwendigkeit werde erst durch die Idealisierung in die

Tatsachen hineingetragen. Denn die Notwendigkeit, von der man das sagen

könnte, diese nur zwischen den idealisierten Begriffen bestehende, die Mach

daher eine bloß logische nennt, diese hypothetische, mit den unerfüllbaren

Vordersätzen: wenn es ein vollkommenes Gas gibt, eine reibungslose

Flüssigkeit u. dgl. -- die setzt freilich vorerst eine Idealisierung

voraus, die ist aber auch nicht die eigentliche Notwendigkeit, ja sie ist

überhaupt nur Notwendigkeit, wenn es zuerst jene andere gibt, die in den

Tatsachen liegt, selbst wenn wir mit unseren Mitteln an deren wahre

Struktur nie ganz herankommen sollten.

Woher immer die Leugnung der Naturnotwendigkeit aber gekommen sein möge,

wird sie, wie wir hier als zweite Möglichkeit annahmen, von Mach fallen

gelassen, so verlieren wieder alle früher dargestellten Anschauungen die

Berechtigung ihres spezifischen Charakters; das Gesetz ist dann nicht

bloß eine Tabelle, die rechnerische Abhängigkeit kann gegen die sie

fundierende reale zurücktreten, die ökonomische Erfahrung gegen die

Erforschung, der theoretische Zusammenhang kann mehr sein als eine bloße

Ordnungsbeziehung, auf Grund der voneinander verschiedenen Typen

physikalischer und psychologischer Gesetze treten Empfindung und Gesetz

wieder auseinander, mit dieser Abtrennung von Dingen, die untereinander

in gesetzlicher Abhängigkeit stehen, ist wieder eine Möglichkeit für die

Kausalität geschaffen usw. und Machs darauf bezügliche Ausführungen

wären mißverständlich und irreführend.

Ob aber so oder so, ob man sich an die Anerkennung der Notwendigkeit halte

oder an die Anschauungen, die zu ihrer Leugnung führen müssen, beide Male

kommt man auf einen Widerstreit in Machs eigenen Anschauungen. Welche

Wendungen immer die berührten Probleme daher noch nehmen mögen, eine

eindeutige Lösung, einen voll befriedigenden Standpunkt für künftige

Lösungen hat Mach nicht aufgezeigt. Freilich gilt dies nur bezüglich der

letzten metaphysischen und erkenntnistheoretischen Resultate, wie sie hier

erwogen wurden. Im Einzelnen sind die Schriften Machs, wie ja allgemein

anerkannt ist, voll der glänzendsten Ausführungen und fruchtbarsten

Anregungen, deren Betrachtung aber nicht mehr in den Rahmen unserer Aufgabe

fällt.

Fußnoten:

[186] W. L. 432 ff.

[187] W. L. 457.

[188] A. d. E. 72.

[189] W. L. 437.

[190] Man vgl. »Was wir Ursache und Wirkung nennen, sind hervorstechende

Merkmale einer Erfahrung, die für unsere Gedankennachbildung wichtig

sind. Ihre Bedeutung blaßt ab und geht auf andere neue Merkmale über,

sobald eine Erfahrung geläufig wird. Tritt uns die Verbindung solcher

Merkmale mit dem Eindruck der Notwendigkeit entgegen, so liegt dies nur

daran, daß uns die Einschaltung längst gekannter Zwischenglieder, die

also eine höhere Autorität für uns haben, oft gelungen ist«. (P. V.

227/228.)

»Ist uns eine Tatsache geläufig geworden, so bedürfen wir dieser

Heraushebung der zusammenhängenden Merkmale nicht mehr, wir machen uns

nicht mehr auf das Neue, Auffallende aufmerksam, wir sprechen nicht mehr

von Ursache und Wirkung. Die Wärme ist die Ursache der Spannkraft des

Dampfes. Ist uns das Verhältnis geläufig geworden, so stellen wir uns

den Dampf gleich mit der zu seiner Temperatur gehörigen Spannkraft vor.

Die Säure ist die Ursache der Rötung der Lackmustinktur. Später aber

gehört diese Rötung unter die Eigenschaften der Säure«. (M 524.)

[191] E. d. A. 31/32.

[192] M. 367.

[193] P. V. 223. Aehnlich M. 6: »In der Mannigfaltigkeit der

Naturvorgänge erscheint manches gewöhnlich, anderes ungewöhnlich,

verwirrend, überraschend, ja sogar dem Gewöhnlichen widersprechend. Hat

man es dahin gebracht, überall dieselben wenigen einfachen Elemente zu

bemerken, die sich in gewohnter Weise zusammenfügen, so treten uns diese

als etwas Bekanntes entgegen, wir sind nicht mehr überrascht, es ist uns

nichts mehr an den Erscheinungen fremd und neu, wir fühlen uns in

denselben zu Hause, sie sind für uns nicht mehr verwirrend, sondern

erklärt.«

[194] M. 16.

[195] P. V. 239/240.

[196] M. 16.

[197] M. 12.

[198] M. 77.

[199] M. 75.

[200] E. u. J. 312.

[201] A. d. E. 263. Vgl. W. L. 435.

[202] M. 80--82.

[203] »Ein naturwissenschaftlicher Satz«, heißt es an anderer Stelle, »ist

wie jeder geometrische stets von der Form, >wenn M ist, so ist N<;

wobei sowohl M wie N ein mehr oder minder komplizierter Komplex von

Erscheinungsmerkmalen sein kann, wovon also einer den anderen bestimmt. Ein

solcher Satz kann sich sowohl unmittelbar durch Beobachtungen, als auch

mittelbar durch Vergleichung schon bekannter Beobachtungen ergeben. Der

Satz »wenn M ist, ist N« kann aus Sätzen, welche bereits bekannten

Tatsachen entsprechen, durch eine Reihe von Zwischensätzen abgeleitet oder

erklärt werden. So erklärt Galilei das Schweben sehr schweren Staubes im

Wasser und in der Luft aus dem langsamen Fallen wegen des großen

Widerstandes infolge der feinen Verteilung. Huygens leitet die

Pendelbewegung vollständig aus Galileis mechanischen Grundsätzen ab« usw.

(E. u. J. 262). Ein anderes Beispiel: »Arago findet, daß eine rotierende

Kupferscheibe (A) eine Magnetnadel mitbewegt (B). Durch Faradays spätere

Entdeckung, nach welcher in relativ gegen den Magnet bewegten Leiterteilen

Ströme entstehen, welche (nach Oerstedt) auf ersteren Kräfte ausüben, die

(nach Lenz) der erzeugenden Bewegung entgegenwirken, werden zwischen A und

B neue Elemente (C) eingeschaltet. Der Zusammenhang von A und B wird durch

C, welches übrigens Aufstellungen derselben Art enthält, erklärt. Wäre C

vorher nicht nur teilweise, sondern ganz bekannt gewesen, so hätte die

Deduktion zur Entdeckung des Zusammenhangs von A und B geführt.«

(W. L. 450.) Woraus nebstbei auch geschlossen wird, daß sich der

»Entdeckungsvorgang« durch Deduktion nicht wesentlich von dem durch

Induktion unterscheide. (W. L. 449.)

[204] W. L. 437. An anderen Stellen wieder wird besonders hervorgehoben,

daß eine Erklärung dann als gelungen anzusehen sei, ein Problem dann

nicht mehr existiere, wenn man die richtigen Seiten der Tatsachen

beachte, die eine einfache, einheitliche Auffassung ermöglichen. So

heißt es: »Die Bewegung einzelner schwerer Körper ist uns bald geläufig.

Wenn aber ein leichterer Körper durch einen schwereren etwa an einer

Rolle in die Höhe gezogen wird, so lernen wir auch die Beziehung

mehrerer Körper und deren Gewicht achten. Kommen etwa Erfahrungen am

ungleicharmigen Hebel oder anderen Maschinen hinzu, so treiben uns diese

nicht nur auf die Gewichte, sondern auch auf die gleichzeitigen

Verschiebungsgrößen im Sinne der Schwere, bezw. auf das Produkt der

Maßzahlen beider, d. i. auf die Arbeit zu achten. Geworfene schwere

Körper können bald sinken, bald steigen. Die ältere, aristotelische

Physik betrachtet diese Fälle als verschieden. Galilei achtet auf die

Beschleunigung der Bewegung, wodurch alle diese Fälle gleichartig und

gleich leicht verständlich werden.« (E. u. J. 264/265.) Oder: »Wir sehen

z. B. einmal ganz gegen unsere Gewohnheit, daß an einem Hebel oder

Wellrad eine große Last durch eine kleine gehoben wird. Wir suchen nach

dem differenzierenden Moment, welches uns die sinnliche Tatsache nicht

unmittelbar zu bieten vermag. Erst wenn wir, verschiedene ähnliche

Tatsachen vergleichend, den Einfluß der Gewichte und der Hebelarme

bemerkt, und uns selbsttätig zu den abstrakten Begriffen Moment oder

Arbeit erhoben haben, ist das Problem gelöst. Das Moment oder die Arbeit

ist das differenzierende Element. Ist die Beobachtung des Momentes oder

der Arbeit zur Denkgewohnheit geworden, so existiert das Problem nicht

mehr«. (A. d. E. 249.) Und an anderer Stelle: »Wir sehen einen aufwärts

geworfenen Körper. Derselbe steigt auf. Warum sucht er nun seinen Ort

nicht? Warum nimmt die Geschwindigkeit seiner >gewaltsamen< Bewegung ab,

während jene des >natürlichen< Falles zunimmt? Indem Galilei beiden

Tatsachen aufmerksam folgt, sieht er in beiden Fällen dieselbe

Geschwindigkeitszunahme gegen die Erde. Hiermit löst sich das Problem.

Also nicht ein Ort sondern eine Beschleunigung gegen die Erde ist den

Körpern angewiesen. Die neue Denkgewohnheit festhaltend, sieht Newton

auch den Mond und die Planeten ähnlich geworfenen Körpern sich bewegen,

aber doch mit Eigenschaften, welche ihn nötigen, diese Denkgewohnheit

abermals etwas abzuändern. Die Weltkörper oder vielmehr deren Teile

halten keine konstante Beschleunigung gegeneinander ein, sie ziehen sich

an im verkehrt quadratischen Verhältnisse der Entfernungen und im

direkten der Massen. Diese Vorstellung, welche jene der irdischen

schweren Körper als besondern Fall enthält, ist nun schon sehr

verschieden von der ursprünglichen. Dieser Umwandlungsprozeß besteht

darin, daß einerseits bald neue übereinstimmende Merkmale anscheinend

verschiedener Tatsachen gefunden werden und daß andererseits wieder

unterscheidende Merkmale bisher nicht unterschiedener Tatsachen bemerkt

werden. Hierdurch wird es möglich, einerseits ein stets wachsendes

Tatsachengebiet mit einer homogenen Denkgewohnheit zu umfassen, und

andererseits den Unterschieden der Tatsachen des Gebietes durch

Variationen der Denkgewohnheit zu entsprechen. Die betrachtete

Entwicklung ist nur ein besonderer Fall eines allgemein verbreiteten

biologischen Prozesses«. (W. L. 385 f.).

[205] E. d. A. 31.

[206] P. V. 282/283.

[207] W. L. 121.

[208] W. L. 458 f.

[209] M. 526.

[210] W. L. 454/455. Vgl. A. d. E. 261; M. 533; W. L. 119, 363.

[211] Vgl. S. 31/32 dieser Schrift.

[212] Zu 2) »Man spricht oft von Naturgesetzen. Was bedeutet dieser

Ausdruck? Gewöhnlich wird man der Meinung begegnen, die Naturgesetze

seien Regeln, nach welchen die Vorgänge in der Natur sich richten

müssen, ähnlich den bürgerlichen Gesetzen. Einen Unterschied pflegt man

darin zu sehen, daß die letzteren auch übertreten werden können, während

man Abweichungen der Naturvorgänge von ersteren für unmöglich hält.

Diese Auffassung wird aber erschüttert durch die Ueberlegung, daß wir ja

nur aus den Naturvorgängen selbst die Naturgesetze ablesen, abstrahieren

und daß wir hierbei vor Irrtümern durchaus nicht gesichert sind.« (E. u.

J. 441.)

[213] M. 280. Vgl. auch E. u. J. 140: »Die logischen Deduktionen aus

unseren Begriffen bleiben aufrecht, solange wir diese Begriffe

festhalten; die Begriffe selbst müssen aber stets einer Korrektur durch

die Tatsachen gewärtig sein.«

[214] A. d. E. 73.

[215] Vgl. Machs eigene Worte: »Unsere Naturwissenschaft besteht

in dem begrifflichen quantitativen Ausdruck der Tatsachen. Die

Nachbildungsanweisungen sind die Naturgesetze. In der Ueberzeugung, daß

solche Nachbildungsanweisungen überhaupt möglich sind, liegt das

Kausalgesetz«. M. 547.

[216] M. 547.

[217] M. 549.

[218] M. 523.

[219] M. 79. Vgl.: »In der Regel ist eine besondere Seite oder

Eigenschaft der Tatsache von praktischem Interesse. Auf diese

Eigenschaft beschränkt sich die Untersuchung. Tatsachen, welche in

dieser übereinstimmen, werden als gleich oder gleichartig, welche sich

in derselben unterscheiden, als verschieden behandelt. Das praktische

Bedürfnis treibt also zur Abstraktion«. (W. L. 452.) »Die maßgebende

Rolle der Abstraktion bei der Forschung liegt auf der Hand. Es ist weder

möglich, alle Einzelheiten einer Erscheinung zu beachten, noch hätte

dies einen gesunden Sinn. Wir beachten eben die Umstände, die für uns

ein Interesse haben und diejenigen, von welchen erstere abhängig zu sein

scheinen. Die erste Aufgabe, die sich dem Forscher darbietet, ist es

also, durch Vergleichung verschiedener Fälle alles, wovon die

Untersuchung unabhängig scheint, als für den vorliegenden Zweck

nebensächlich oder gleichgültig auszusondern. In der Tat ergeben sich

die wichtigsten Entdeckungen durch diesen Prozeß der Abstraktion.«(E. u.

J. 135).

[220] »In dem ökonomischen Schematisieren der Wissenschaft liegt« also

»die Stärke oder auch der Mangel derselben. Die Tatsachen werden immer

mit einem Opfer an Vollständigkeit dargestellt, nicht genauer, als dies

unseren augenblicklichen Bedürfnissen entspricht.« (P. V. 235).

[221] E. u. J. 447.

[222] E. u. J. 189. Ebenda: »Ein wichtiger Vorgang besteht darin, daß man

einen oder mehrere Umstände, welche quantitativ auf ein Ergebnis Einfluß

haben, in Gedanken quantitativ vermindert und schließlich zum Verschwinden

bringt, so daß die übrigen Umstände als allein maßgebend angesehen werden.

Es ist dieser Prozeß physisch oft nicht durchführbar und man kann denselben

daher als Idealisierung oder Abstraktion bezeichnen. Indem man sich den

Bewegungswiderstand eines auf horizontaler Bahn angestoßenen Körpers oder

die Verzögerung eines auf wenig geneigter schiefer Ebene aufsteigenden

Körpers bis zum Verschwinden abnehmend denkt, kommt man zu der Vorstellung

des ohne Widerstand gleichförmig bewegten Körpers. In Wirklichkeit kann

dieser Fall nicht dargestellt werden.« Vgl. M. 306: »Der Fall der Ruhe ist

nur ein sehr seltener, nie vollkommen eintretender, speziell der Fall der

Bewegung: Wenn wir aber mit Gleichgewichtsfällen uns befassen, so handelt

es sich um eine schematische Nachbildung der mechanischen Tatsachen in

Gedanken. Wir sehen dann von diesen Störungen, Verschiebungen, Verbiegungen

und Erzitterungen, welche uns nicht weiter interessieren, absichtlich ab.«

W. L. 454/455: »Ein weiteres Mittel (ergänze: der geläufigen Anwendung

wissenschaftlicher Aufstellungen) besteht in dem Vereinfachen,

Schematisieren der Tatsachen, d. h. in der Darstellung durch Bilder,

welche nur die wichtigen Züge enthalten, in welchen alles die

Aufmerksamkeit Ablenkende, Ueberflüssige fehlt. So denken wir uns den

Planeten als einen Punkt, die Bahn des elektrischen Stromes als eine

Linie.« Vgl. auch: E. u. J. 137 und 384.

[223] M. 133.

[224] P. V. 228, vgl. A. d. E. 262.

[225] E. u. J. 449.

[226] E. u. J. 402, vgl. W. L. 456.

[227] M. 33. Der Vergleich mit der Geometrie führt auch sonst

zu charakteristischen Aeußerungen. Vgl. E. u. J. 376: »Die

physikalisch-metrischen Erfahrungen werden wie alle Erfahrungen, welche

die Grundlage einer experimentellen Wissenschaft bilden, begrifflich

idealisiert. Das Bedürfnis, die Tatsachen durch einfache, durchsichtige,

logisch leicht zu beherrschende Begriffe darzustellen, führt hierzu. Es

gibt einen absolut starren, räumlich ganz unveränderlichen Körper, eine

vollkommene Gerade, eine absolute Ebene so wenig, als es ein vollkommenes

Gas, eine vollkommene Flüssigkeit gibt. Dennoch operieren wir lieber und

leichter mit diesen Begriffen als mit anderen, welche genauer den

Eigenschaften der Objekte entsprechen und nehmen dafür nachträglich auf

Abweichungen Rücksicht. Die theoretische Geometrie braucht diese

Abweichungen überhaupt nicht zu beachten, indem sie eben Objekte

voraussetzt, welche die Bedingungen der Theorie vollkommen erfüllen, wie

die theoretische Physik.«

E. u. J. 407: »Die geometrische Theorie ist wie jene der Physik

einfacher und genauer, als dies durch die Erfahrung mit ihren zufälligen

Störungen eigentlich verbürgt werden kann«.

[228] E. u. J. 140.

[229] Vgl. A. d. E. 260.

[230] E. u. J. 447/448. Vgl. E. u. J. 302/303.

[231] Vgl. Vorliegende Schrift S. 106.

[232] W. L. 461/462.

[233] Unter den Gedanken, welche nach Mach sonst noch zur Elemententheorie

leiten, wollen wir jedoch zwei anmerken: einerseits sind es Schwierigkeiten

im Gefolge der dualistischen Auffassung, auf die er sich stützt,

hauptsächlich die Aussichtslosigkeit, Empfindungen aus Atombewegungen der

nervösen Substanz zu erklären, andererseits ist es die in der Wissenschaft

tatsächlich vorhandene Tendenz der einzelnen Disciplinen zu einheitlichem

Zusammenschluß. Man denke an Optik, Elektrizitätslehre und Magnetismus, an

die physikalische Chemie, die physiologische Psychologie u. dgl.; es liegt

nahe nach Vorstellungen zu suchen, welche diese Gebiete einheitlich

umspannen. »Dem Physiker,« sagt Mach, »genügt vielleicht noch der Gedanke

einer starren Materie ... der Physiologe, bezw. der Psychologe vermag mit

solchem Ding gar nichts anzufangen. Wer aber an den Zusammenschluß der

Wissenschaften zu einem Ganzen denkt, muß nach einer Vorstellung suchen,

die er auf allen Gebieten festhalten kann. Wenn wir nun die ganze

materielle Welt in Elemente auflösen, welche zugleich auch Elemente der

psychischen Welt sind, die als letztere gewöhnlich Empfindungen heißen,

wenn wir ferner die Erforschung der Verbindung, des Zusammenhanges, der

gegenseitigen Abhängigkeit dieser gleichartigen Elemente aller Gebiete als

die einzige Aufgabe der Wissenschaft ansehen, so können wir mit Grund

erwarten, auf dieser Vorstellung einen einheitlichen monistischen Bau

aufzuführen und den leidigen verwirrenden Dualismus loszuwerden. Indem man

die Materie als das absolut Beständige und Unveränderliche ansieht,

zerstört man ja in der Tat den Zusammenhang zwischen Physik und

Psychologie... Wenn es sich aber um die Verbindung von Nachbargebieten von

eigenartigem Entwicklungsgang handelt, so kann dieselbe nicht mit Hilfe der

beschränkteren Begriffe eines engen Spezialgebietes vollzogen werden. Hier

müssen durch allgemeinere Erwägungen für das weitere Gebiet ausreichende

Begriffe geschaffen werden. A. d. E. 242/243. Vgl. zu beiden Gedanken u. a.

A. d. E. 1. 23--26, 36, 37, 46, 188, 257, 258, 283; E. u. J. 3, 234, 451;

P. V. 237, 241, 285; M. 504.

Beide Gruppen von Einwänden, so berücksichtigungswert die Schwierigkeiten

auch sind, die in ihnen berührt werden, kommen, besonders im Hinblick auf

die zahlreichen, verschiedenen und unabgeschlossenen Lösungsversuche dieses

Problems, als beweiskräftig natürlich nicht in Betracht.

[234] W. L. 396. Vgl. A. d. E. 245, 246.

[235] A. d. E. 255, 268.

[236] A. d. E. 267/268. Vgl. P. V. 235: »In Wirklichkeit handelt es sich

immer um die Ableitung eines Erscheinungsteils aus einem anderen. Unsere

Vorstellungen müssen sich dabei direkt auf Empfindungen stützen. Wir

nennen dies messen«.

[237] M. 547; P. V. 234.

[238] A. d. E. 246.

[239] M. 547.

[240] W. L. 404. Vgl u. a.: P. V. 220, 235, 236; A. d. E. 253, 255, 263;

M. 133, 505, 504; E. u. J. 126, 139, 311.

[241] »Ein solches naturwissenschaftliches Begriffswort hat den Zweck,

an die Verbindung aller in der Definition bezeichneten Reaktionen des

definierten Objekts zu erinnern und diese Erinnerungen wie an einem

Faden ins Bewußtsein zu ziehen. Natürlich kann jede Definition wieder

Begriffe enthalten, so daß erst die letzten, untersten begrifflichen

Bausteine in sinnfällige Reaktionen als deren Merkmale aufgelöst werden

können«. E. u. J. 127.

[242] A. d. E. 35--37.

[243] P. V. 240/241; A. d. E. 23 f.

[244] E. u. J. 14.

[245] M. 504/505.

[246] A. d. E. 1/2.

[247] M. 523.

[248] P. V. 229.

[249] A. d. E. 2.

[250] A. d. E. 9/10.

[251] A. d. E. 5.

[252] A. d. E. 256.

[253] A. d. E. 256.

[254] P. V. 229.

[255] A. d. E. 10.

[256] M. 523; Vgl. A. d. E. 23.

[257] A. d. E. 23 ff.

[258] A. d. E. 258.

[259] A. d. E. 1/2.

[260] Mach setzt voraus, daß Gefühle und Wille sich aus Spuren von

Empfindungen aufbauen (A. d. E. 11, 17, 82; E. u. J. 9.), auch daß

Gefühle diffus lokalisierte Empfindungen seien (E. u. J. 18 ff). »Sollte

man«, meint er aber, »mit einer Art dieser Elemente durchaus nicht das

Auskommen finden, so werden eben mehrere statuiert werden« (A. d. E. 17.).

[261] A. d. E. 8.

[262] z. B. Physikalischer Zusammenhang: eine weiße Kugel fällt auf eine

Glocke, es klingt, die Kugel wird gelb vor der Natrium-, rot vor der

Lithiumlampe. Psychologischer Zusammenhang: die Kugel wird gelb bei

Hinnehmen von Santonin, verdoppelt sich beim Seitwärtsdrücken des

Bulbus, verschwindet beim Schließen beider Augen. -- Eine Farbe ist also

ein physikalisches Objekt, wenn wir auf ihre Abhängigkeit von anderen

Farben, Wärmen, Räumen usw. achten, in ihrer Abhängigkeit von der

Netzhaut eine Empfindung. Nur die Untersuchungsrichtung hat gewechselt;

es hängt nur von der funktionalen Abhängigkeit, in der sie stehen, ab,

ob die Elemente physikalische Objekte oder Empfindungen sind. A. d. E.

11/14. Nur die verschiedene Art der Verbindung läßt die ¿a b¿ in einem

anderen »Feld« erscheinen als die A B .. »die Elemente A oder ¿a¿

erscheinen in einem verschiedenen Feld, heißt nun, wenn man auf den

Grund geht, nichts anderes, als daß sie mit verschiedenen anderen

Elementen verknüpft sind«. Daher soll nun der Unterschied zwischen

Wahrnehmung und Vorstellung desselben Gegenstandes kommen. A. d. E. 16.

Vgl. A. d. E. 26 ff, 35 f, 42--46, 241.

[263] Für das Ich gilt dasselbe wie für die Körper. Es ist nicht das

Primäre, sondern wird von den Empfindungen gebildet, auf die es dann

allerdings auch reagiert. Ich empfinde Grün, heißt nur, daß das Element

Grün in einem gewissen Komplex von anderen Elementen (Empfindungen,

Erinnerungen) vorkommt. »Wenn ich aufhöre Grün zu empfinden, wenn ich

sterbe, so kommen die Elemente nicht mehr in der gewohnten Gesellschaft

vor. Damit ist alles gesagt. Nur eine ideelle, denkökonomische, keine

reelle Einheit hat aufgehört zu existieren.« A. d. E. 19, 21.

[264] E. u. J. 9.

[265] A. d. E. 29. Es ist zu bemerken, daß diese Erforschung des

funktionalen Zusammenhanges nach Mach die einzige mögliche Ergründung

der Wirklichkeit ist. A. d. E. 23 ff, 29/30; E. u. J. 10/11.

[266] A. d. E. 11--14: Eine starke Analogie nebst einem praktischen

Bedürfnis zwingt uns, nach Mach, auch an fremde Menschen und Tierleiber

Erinnerungen, Befürchtungen, Willen u. dgl. geknüpft zu denken. Ferner

nötigt mich das Verhalten anderer Menschen, anzunehmen, daß mein Leib

und die übrigen Körper für sie unmittelbar vorhanden sind, meine

Erinnerungen, Wünsche usw. für sie Gegenstand eines unwiderstehlichen

Analogieschlusses sind. Wenn wir den Einfluß unseres Leibes auf unsere

Empfindungen untersuchen, ergänzen wir eine beobachtete Tatsache durch

Analogie, ebenso wenn wir aus der Beobachtung fremder Menschen auf deren

Empfindungen schließen. Im ersteren Fall ist die Ergänzung physikalisch

(Nervenprozeß) und daher geläufiger, ein prinzipieller Unterschied

besteht aber nicht.

E. u. J. 6 wird die Gesamtheit des für alle im Raum unmittelbar

Vorhandenen als das Physische, das nur Einem Gegebene von den Anderen

nach Analogie Erschlossene als das Psychische bezeichnet.

A. d. E. 26 ff.: Die Elemente A B .. erscheinen unmittelbar räumlich

außerhalb der Elemente K L .. Durch Absehen von der Abhängigkeit der A B

.. von dem sich immer ähnlich wiederholenden Komplex K L .. erscheint

die Welt der Dinge unabhängig vom Ich. Durch Beachten der Eigenschaften

von K L .. und seines Zusammenhanges mit ¿a b g¿ .. bildet sich der

Gedanke des Ich. Ferner verhalten sich andere Körper K' L' .., K" L" ..

usw. so, daß ihr Verhalten im Gegensatz zu dem von A B .. erst vertraut

wird, wenn man den ¿a b g¿ .. analoge ¿a b g¿ .. an sie gebunden denkt.

Man ergänzt die Empfindungen der Mitmenschen nach Analogie, es ist aber

unnötig und irreführend, den Empfindungen deswegen eine von A B C .. K L

M .. verschiedene Natur zuzuschreiben.

A. d. E. 35: Man kann einen nervösen Prozeß rein physikalisch

(physiologisch) verfolgen. Man sieht das Verhalten des betreffenden

Lebewesens aber viel besser voraus, d. h. versteht es besser, wenn man

ihm Empfindungen, Erinnerungen usw. zuschreibt. Man ergänzt dabei das,

was man beobachtet, durch etwas, das man nicht im Gebiet der eigenen

Empfindungen antrifft. Dieser Gegensatz erscheint nun sehr schroff, ist

es aber nicht. Denn erstens ergänzt der Physiker überhaupt häufig

Komplexe von Empfindungen durch augenblicklich nicht beobachtete

Elemente nach Analogie, z. B. stellt er sich den Mond greifbar, schwer,

träg vor. Tut also täglich dasselbe, was hier so befremdend erscheint.

Zweitens verschwindet die Schroffheit durch folgende Betrachtung. Das

Blatt einer Pflanze: Sein Grün (A) ist verbunden mit einer optischen

Raumempfindung (B), einer Tastempfindung (C) und mit der Sichtbarkeit

einer Quelle farblosen Lichtes (D). Tritt das Gelb (E) der Natriumflamme

anstelle von D, so geht das Grün des Blattes in Braun (F) über.

Behandelt man das Blatt mit Alkohol, »eine Operation, die ebenfalls

durch sinnliche Elemente darstellbar ist«, so geht das Grün A in Weiß

(G) über. Das sind physikalische Beobachtungen. Nun ist A auch mit einem

Prozeß meiner Netzhaut verknüpft. Diesen kann ich nun physikalisch in

Elemente Y X Z .. auflösen, indem ich die Ergebnisse der Untersuchung am

fremden Auge nach Analogie übertrage. Nun ist A in seiner Abhängigkeit

von B C D E .. ein physikalisches Element, in seiner Abhängigkeit von Y

X Z .. eine Empfindung und kann auch als psychisches Element aufgefaßt

werden. »Das Grün (A) an sich wird aber in seiner Natur nicht geändert,

ob wir unsere Aufmerksamkeit auf die eine oder auf die andere Form der

Abhängigkeit richten«.

[267] A. d. E 22.

[268] A. d. E. 26 f.

[269] A. d. E. 29.

[270] A. d. E. 269.

[271] A. d. E. 27.

[272] E. u. J. 277.

[273] E. u. J. 28.

[274] M. 6.

[275] E. u. J. 450/451.

[276] P. V. 250.

[277] W. L. 393.

[278] E. u. J. 446; E. u. J. 449/450.

[279] W. L. 454.

[280] E. u. J. 277/278.

[281] M. 293.

[282] M. 280.

Lebenslauf.

Geboren am 6. November 1880 zu Klagenfurt in Kärnten, katholisch,

absolvierte der Gefertigte die k. u. k. Militär-Oberrealschule zu Mähr.

Weißkirchen im Jahre 1897, studierte hierauf in den Jahren 1897 bis 1901

als ordentlicher Hörer an der k. k. technischen Hochschule in Brünn, legte

1899 die erste, 1901 die zweite Staatsprüfung aus dem Maschinenbaufache ab.

Nach Ableistung seines Militärdienstes war er durch ein Jahr im

maschinentechnischen Laboratorium der königl. württemberg. technischen

Hochschule in Stuttgart wissenschaftlich tätig.

Seit November 1903 ist er an hiesiger Universität als ordentlicher Hörer

immatrikuliert und legte im Jahre 1904 am k. k. Ersten deutschen

Gymnasium in Brünn die Maturitätsprüfung ab.

Die Promotionsprüfung bestand er am 27. Februar 1908.

* * * * * *

Anmerkungen zur Transkription:

Ellipsen wurden wie im Original gesetzt.

Im Original ~gesperrt~ gesetzter Text wurde mit ~ markiert.

Im Original %fett% gesetzter Text wurde mit % markiert.

Im Original ¿griechischer¿ Text wurde mit ¿ markiert.

Doppelte Anführungsstriche wurden durch » (unten) und « (oben) ersetzt.

Einfache Anführungsstriche wurden durch > (unten) und < (oben) ersetzt.

Brüche werden folgendermassen dargestellt: ½ wird zu 1/2 und 2¼

wird zu 2-1/4.

Exponenten werden folgendermassen dargestellt: x² wird zu x^2.

Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen;

lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert.

Normalerweise wird in diesem Text die Abkürzung usw. verwendet, die

Variante U. s. w. von Seite 91 wurde aufgrund des Zitates wie Original

gesetzt dargestellt.

ä, ö und ü werden zu Beginn eines Wortes bei Großschreibung desselben

zu Ae, Oe und Ue.

Beibehalten wurde bezw. (13 fach auf verschiedenen Seiten).

Einige Ausdrücke wurden in beiden Schreibweisen übernommen:

Beitrag zur Beurteilung der Lehren Machs · 第 7 / 11 题