[514] =Störer=, wie Storger, Störzer, Vagabund.
[515] =visierlich=, possierlich, spaßhaft.
[516] =ohnschwer=, ohne Beschwerde; wenn es ihm nicht zu viel Mühe
mache.
[517] =Pistor=, Klosterbäcker.
[518] =verhängen=, erlauben, gestatten.
[519] =Stück=, Zeug, Stoff.
[520] =Melusine= und =Ritter von Staufenberg=, vgl. über die Sage
und ihre Literatur die Einleitung.
[521] =Heiligthum=, Heilthum, Reliquien von Heiligen.
[522] =Meerfein=, (nicht fei) späterer Name für das alte
~meerminne~. Vgl. ~merfeine~, ~wazzerfeine~. In Fischart's neuer
Ausgabe des Stauffenbergers (Straßburg 1588) kommt diese Form noch vor:
»Vorred von der Erscheinung der Merfinen und Familiargeister.«
[523] =Jubilierer=, Juwelier.
[524] =just=, von richtigem Feingehalt.
[525] =spielt=, ~præt.~ zu spalten, wie im Mhd.
Das siebenundzwanzigste Capitel.
Endlicher Beschluß von des Springinsfelds seltzamen Lebenslauf.
»Durch diese Erzählung erfuhr ich, was das wunderbarliche Vogelnestlein
bei meinem Weib gewürkt, wie sie der Kützel ihres geilen Fleisches zur
Ehebrecherin, zur Mörderin, mich selbst aber zu guter Letze zum Hahnrei
gemacht, und sie endlich selbst in einen ellenden Tod ja gar ins Feur
gebracht habe. Ich fragte den Wirth, ob sich sonst nichts weiters mit
ihr zugetragen.«
»Potz, antwortet er, das Beste und Notabelste hätte ich schier
vergessen; es ist bei ihrem Tod einer von den Hellebardierern, ein
junger frischer Kerl, mit Leib und Seel, Haut und Haar, Kleidern und
allem hinweg kommen, daß bißher kein Mensch erfahren, wohin er geflogen
oder gestoben sei. Und solches, sagt man, sei ihm widerfahren, als er
sich gebuckt, ein Nastüchlein, welches auch zugleich verschwunden,
aufzuheben, so diesem wunderbarlichen Weibsbilde zuständig gewesen.«
»Ho ho, gedacht ich, jetzt weistu auch, daß dein Nestlein wieder
einen andern Meister hat. Gott geb, daß es ihm besser als meinem Weib
bekomme!«
»Ich hätte den Leuten allen wol aus dem Traum helfen können, wann ich
ihnen nur hätte die Wahrheit sagen wollen; aber ich schwieg still, und
ließe dieselbige sich unter einander verwundern und disputirn, so lang
sie wolten, betrachtet darneben, wie grob der Unwissenden Wahn betrüge,
und was wol auf etliche wunderbarliche Historien zu halten, die weit
anderst erzählt worden wären, wann die Scribenten den Grund recht
gewust hätten.«
»Nachdem ich nun solcher Gestalt ohnversehens erfahren, wo mein Weib
hinkommen, schaffte ich mir wieder eine Geige und durchstelzte damit
das Erzstift Salzburg, das ganze Baiern und Schwabenland, Franken und
die Wetterau. Endlich kam ich durch die Unterpfalz hieher und suchte
überall, wo mir mitleidige Leut etwas gaben. Ich bin auch so glückselig
hierin, daß ich glaube, es spendire mir mancher etwas, der selbst nit
den zehenden Theil so viel Geld hat als ich. Und weil ich sehe, daß von
meinem Capital nichts abgehet, ich aber gleichwol einen als den andern
Weg in aller Freiheit mein guts Maulfutter und auch zu Zeiten, wann
ichs bedörftig, ein glatte Leirerin (denn gleich und gleich gesellt
sich gern) zur Nothhelferin haben kan, so wiste[526] ich nicht, was
mich bewegen solte, ein anders und seligers Leben zu verlangen. Ja ich
wiste auch kein bessers für mich zu finden. Weistu aber, mein Simplice,
mir ein anders und bessers zu weisen, so möchte ich deinen Rath gern
hören und nach Gestaltsame der Sach demselben auch gern folgen.«
»Ich wolte dir wünschen«, antwortet Simplicius, »du führtest hier
zeitlich dein Leben, daß du das ewige nicht verlierest!«
»O Münchspossen!« sagte Springinsfeld; »es ist nicht müglich, du bist
seither in einem Kloster gestocken, oder hast im Sinn, in Bälde in eins
zu schliefen[527], daß du immer wider dein alte Gewohnheit so albere
Fratzen herfürbringst.«
»Wann du nicht in Himmel wilst«, antwortet Simplicius, »so wird dich
niemand hinein tragen; allein wäre mir lieber, du thätest auch wie ein
Christenmensch und fiengest an zu gedenken an deine letzte Ding, welche
zu erfahren du noch einen kurzen Sprung zu thun hast.«
Unter diesem Gespräch fieng es an unvermerkt zu tagen, und solches
verursachte bei uns allen wiederum einen Lust zu schlafen, wie dann
zum öftern zu geschehen pflegt. Solcher Anmuthung[528] folgten wir und
thäten die Augen zu, uns noch ein paar Stund innerlich zu beschauen,
stunden auch nicht ehender auf, als biß uns der Appetit der Mägen zu
etlichen Dutzet kleinen Pastetlin und einem Trunk Wermut nöthigte. Als
wir nun in derselben Arbeit begriffen waren, kriegten wir Zeitung,
daß der Rhein die Brück hinweggenommen und noch stark mit Eis gehe,
so daß niemand weder herüber noch hinüber kommen könte. Derowegen
resolvirte sich Simplicius, denselben Tag mit seinen Leuten noch in
der Stadt zu verbleiben, in welcher Zeit er weder den Springinsfeld
noch mich von sich lassen wolte. Mit mir accordirte er, daß ich
dessen Lebensbeschreibung, wie es Springinsfeld selbst erzählet,
schriftlich aufsetzen solte, damit den Leuten zugleich kund würde,
daß sein Sohn der leichtfertigen Courage Hurenkind nicht seie. Und
dessentwegen schenkte er mir 6 Reichsthaler, die ich damals wol
bedörfte; den Springinsfeld selbsten aber lude er auf seinen Hof,
bei ihm auszuwintern[529], betheuerte aber gegen mir gar hoch, daß er
solches nicht seiner paar hundert Ducaten halber thu, sondern zu sehen,
ob er ihn nicht auf den christlichen Weg eines gottseligen Lebens
bringen möchte. Wie ich mir aber seithero sagen lassen, so hat ihn
der verwichne März aufgerieben, nachdem er zuvor durch Simplicissimum
in seinen alten Tagen ganz anders umgegossen und ein christlichs und
bessers Leben zu führen bewegt worden; nahm also dieser abenteurliche
Springinsfeld auf des eben so seltzamen Simplicissimi Bauerhof, als er
ihn zuvor zu seinem Erben eingesetzt, sein letztes
=Ende=.