FUSSNOTEN:

[364] =Frankenthal=, Bezirksstadt in Baiern, Pfalz, an der

Esenach, mit einem Kanal zum Rhein. =Don Gonsales von Cordua= wurde

vom Mansfelder gezwungen, die Belagerung aufzuheben.

[365] =gegen=, entgegen.

[366] =~Tirones~=, Rekruten.

[367] =Stattlo=, Stadtlohe, Stadt Loën, Preußen, Regierungsbezirk

Münster.

[368] =Salva Guardi=, ~sauvegarde~, Schutzwache.

[369] =hürnen Seifrid=, nach dem bekannten Volksbuche.

[370] =Banddegen=, seiner Breite wegen so genannt, vgl. Bandeisen.

[371] =übrig=, überflüssig, reichlich.

[372] =welche=, einige, manche.

[373] =der Cimbrier Chersonesus=, Jütland und Schleswig-Holstein.

[374] =Potthast=, im nördlichen Deutschland noch jetzt gebräuchlich,

sauer eingemachte Stücke Schweinefleisch.

[375] =tröge=, trocken, gedörrt, geräuchert.

[376] =enmits over Deelen=, mitten über die Dielen.

[377] =Pentalpes= oder =Pentaples=, vielleicht für Pentagramm,

Drudenfuß.

[378] =dump=, =dümper=, dumpf.

[379] Davon ist auch im zweiten Theil des »Vogelnestes« die

Rede. Vgl. über diesen Aberglauben das in der Einleitung Gesagte.

Das dreizehnte Capitel.

Durch was vor Glücksfäll Springinsfeld wieder ein Musquetierer unter

den Schweden, hernach ein Piquenierer unter den Kaiserlichen und

endlich ein Freireuter worden.

Die alte Meuder, welche so wol als der Knan dieser Erzählung zuhörete,

ließe sich hier hören und sagte: »O du alter Scheißer, wie bistu

gewißlich so ein arger Baurenschinder, so ein schlauer Hühnerfänger

gewesen!«

»Was, Mutter«, antwortet Springinsfeld, »Hühnerfänger? Wollet ihr

euch dann einbilden, ich seie mit solchen Kinderpossen, mit solchem

Bubenspiel umgangen? Es musten vierfüßige Thierer sein und darzu keine

kranke, wann ich sie würdigen solte, selbige mir zuzuschreiben. Und

zwar so waren alte Kühe die allerschlechtiste Waar, deren ich mich

annahm zu Beuten, und gleichwol hab ich ihrer hin und wieder so viel

rauben und stehlen helfen, daß, wann eine nach der andern und also sie

allesamen mit den Schwänzen an die Hörner zusammen gebunden wären, sie

gewißlich von hier biß auf euren Baurenhof reichen würden, ohnangesehen

er, wie ich höre, bei vier Schweizer Meilen von hier entlegen sein

soll. Was vermeint ihr dann wol, was ich vor Pferd, Ochsen, Mastschwein

und fette Hämmel gestohlen? Bedäucht euch auch wol, daß ich vor dem

großen Viehe hab Zeit gehabt, an das kleiner, als Hühner, Gäns und

Enten, zu gedenken?«

»Ja, ja«, sagte die Meuder, »drum hat dir der liebe Gott auch das

Handwerk niedergelegt und dich eines Fußes beraubt, damit du hinfort

des Kriegs müßig stehen, die ehrliche Bauren ungeplagt lassen und dich,

deine alte Diebsgriff zu büßen, mit Bettlen ernähren müssest.«

Springinsfeld lachte hierüber einen großen Schallen[380] und sagte:

»Schweigt nur still, liebe Mutter; euer Simplicius hats kein Haar

besser gemacht und gleichwol noch seine beide Füße übrig, woraus ihr

genugsam abnehmen könnet, daß ich mich nit an den Bauren versündigt und

ihrentwegen meinen Fuß verloren. Die Soldaten seind darum erschaffen,

daß sie die Bauren trillen sollen, und welchers nicht thut, der thut

auch seinem Beruf nicht genug.«

Die Meuder antwortet: »Der Teufel in der Höllen würde ihnen den Lohn

schon darum geben, dann wann der gütige Vatter das Kind genugsam

gezüchtigt hätte, so pflege er alsdann die Ruthe ins Feuer zu werfen.«

»Nein, Mutter, ihr werdet euch irren«, sagte Springinsfeld, »nach dem

alten Sprichwort oder Reimen der ehrlichen Soldaten, welcher also

lautet:

So bald ein Soldat wird geboren,

Sein ihm drei Bauren auserkoren:

Der erste, der ihn ernährt,

Der ander, der ihm ein schönes Weib beschert,

Und der dritt, der vor ihn zu Höllen fährt.

»Und das zwar nicht unbillich, dann es habens in verwichenen

Kriegstroublen etliche Bauren viel ärger gemacht als die fromme

Soldaten selbsten, indem sie nit nur die Krieger, beides schuldige und

unschuldige, wo sie ihrer mächtig worden, ermordet, sonder auch ihre

eigne Nachbarn, ja sogar ihre Vettern und Gevattern bestohlen, wo sie

nur zukommen können.«

Simplicius sagte: »Was darfs viel Disputirens? Es war halt Gaul als

Gurr, vier Hosen eins Tuchs. Die Bauren wurden von den Soldaten

Schelmen und hingegen diese von jenen Diebe genant, so daß diesen Reden

nach kein ehrlicher oder redlicher Mann im Land sich mehr befand; und

dannenhero war nöthig, daß der edel Friedensschluß alles Beschehene

aufhube, verbesserte und einen jeden wieder redlich machte. Erzähle du

vor dißmal darvor, wie dirs hernach weiter ergieng, und vornehmlich, wo

du den heroischen Namen Springinsfeld aufgetrieben habest.«

»Den hat mir«, antwortet Springinsfeld, »die Courage, das Rabenaas,

aufgesattelt, von welcher Hex ich wenig reden wolte, wann es nicht

die Folge meiner Histori erfordert. Zu dieser Vettel kam ich, nachdem

ich mich ihrentwegen bei obengedachten Regiment mit einem Stück Geld

ledig gemacht hatte. Ich kan aber nicht sagen, ob ich ihr Mann oder

ihr Knecht gewesen sei; ich schätze, ich war beides und noch ihr Narr

darzu, und eben deswegen wolte ich lieber die Geschichten, so sich

zwischen mir und ihr verloffen, verschwiegen als offenbar wissen.

Hat sie aber ihr Schreiberknecht auch in ihrem ehrbaren Lebenslauf

entdeckt, so mag sie dort lesen wer will; ich mag einmal mein eigne

Guckgaucherei[381] nit selbst ausblasen, sonder es ist mir genug,

wann ich glauben muß, sie werde meiner so wenig als deiner verschonet

haben. Diß ist gewiß, mein Simplice, daß ihre damalige liebreizende

Schönheit von solchen Kräften war, daß sie noch wol andere Kerl, als

ich gewesen, an sich zu ziehen vermochte. Ja sie hätte auch meritirt,

von den allervornehmsten und ehrlichsten Cavalieren bedient zu werden,

wann sie nicht so gottlos und verrucht gewesen wäre; aber sie war in

den Begierden nach Geld so ersoffen, in allerlei Schelmstücken und

Diebsgriffen, solches zu erobern, so abgeführt[382] und fertig, und

in Vergnügung ihrer brünstigen Geilheit so gar ~insationabilis~[383],

daß ich gänzlich darvor halte, es hätte niemand keine Sünde daran

gethan, wann er ihr zu Ersparung Holzes einen halben Mühlstein an Hals

gehenkt und sie ohne Urtheil und Recht in ein Wasser geworfen hätte.

Diese Unholde[384], als sie meiner müd worden, brachte beides durch

Schmiralia und ohn Zweifel auch durch ihre tapfere Faust, darauf sie

saß, zuwegen, daß ich sie wider meines Herzen Willen quittirn muste.

Sie gab mir zwar ein Stuck Geld, Pferd, Kleider und Gewehr mit,

hingegen aber auch den Teufel im Glas, wessentwegen ich große Angst

ausstunde, biß ich seiner wieder ohne Schaden los wurde.«

»Nachdem ich nun diese Bestia solcher Gestalt verlassen und unter

dem Generalwachtmeister von Altringen erstlich ins Würtenbergische,

folgends in Thüringen und endlich in Hessen kommen, haben wir sich

daselbst mit andern Völkern mehr conjungirt und doch sonst nichts

ausgericht, als daß wir wiederum wie der Schnee vergiengen. Ich selbst

wurde auf einer Partei wider[385] die Schwedische gefangen, unter denen

ich auch ein Musquetierer werden muste, biß mich die Kaiserlichen

ohnweit Bacherach wieder erwischten, nachdem ich zuvor dem Schweden

Würzburg, Werthheim, Aschaffenburg, Mainz, Worms, Manheim und andere

Ort mehr einnehmen helfen. Da wurde ich in Westphalen geschickt, dem

Kurfürsten von Cöln selbige Bisthumer unter dem berühmten Pappenheimer

vor den Hessen beschützen zu helfen. Ich muste eine Pique tragen,

welches mir so widerwärtig war, daß ich mich ehe hätt aufhenken lassen,

als mit solchen Waffen lang zu kriegen. Es war mir gar nicht wie jenem

Schwaben, der ein halb Dutzet solcher Stänglein auf sich nehmen wolte,

dann ich hatte 18 Schuh lang zu viel an einer, derowegen trachtete ich

auch alle Stund darnach, wie ich ihrer wieder mit Ehren los werden

möchte. Ein Musquetierer ist zwar ein wolgeplagte arme Creatur, aber

wann ich ihn gegen einen ellenden Piquenierer schätze, so besitzt er

noch gegen ihm eine herrliche Glückseligkeit. Es ist verdrießlich,

zu gedenken, geschweige zu erzählen, was die gute Tropfen vor

Ungemach ausstehen müssen, und es kans auch keiner glauben, ders

nicht selber erfährt. Und dannenhero glaube ich, daß derjenige, der

einen Piquenierer niedermacht, den er sonst verschonen könte, einen

Unschuldigen ermordet und solchen Todtschlag nimmermehr verantworten

kan; dann ob diese arme Schiebochsen (mit diesem spöttischen Namen

werden sie genennet) gleich creirt[386] sein, ihre Brigaden vor dem

Einhauen der Reuter im freien Feld zu beschützen, so thun sie doch vor

sich selbst niemand kein Leid, und geschicht dem allererst recht, der

einem oder dem andern in seinen langen Spieß rennet. In Summa, ich habe

mein Tage viel scharfe Occasionen gesehen, aber selten wahrgenommen,

daß ein Piquenierer jemand umgebracht hätte.«

»Wir lagen an der Weser dort um Hameln, als ich meinen Cameraden

überredet, daß er mir sein Musquete auf die Mauserei verliehe und so

lang mein Pique trug, biß ich wieder käme und eine Beut mitbrächte.

Es glückte mir, dann unserer drei, darunter ein Landskind war, der

alle Weg und Winkel wol wuste, erkundigten einen Güterwagen, so von

Bremen nach Cassel zu gehen willens und nur einen einzigen hessischen

Musquetierer zur Convoi bei sich hatte; demselben giengen wir zu

Gefallen allerdings biß an Harzwald, und da er an den Ort kam, wohin

wir ihn gewünscht, schossen wir gleich im Angriff den Musquetierer, den

Fuhrmann und den Knecht nieder, weil jeder seinen Mann gewiß vor sich

genommen, spannten hernach 6 schöner Pferde aus und öffneten in der Eil

von Ballen und Fassen, was wir konten, worinnen es viel Seidenwaar und

englisch Tuch setzte. Das Allerbeste aber vor uns stak in einem Fäßlein

voller Karten, nämlich ungefähr bei 1200 Reichsthalern, welches ich

zwar fande, aber mit meinen Cameraden treulich theilte. Wir sprachen

den Pferden gleichsam über ihr Vermögen zu, und indem wir in kurzer

Zeit einen langen Weg hintersich legten, entronnen wir aller Gefahr und

langten eben bei den Unserigen wieder an, als Pappenheim sich fertig

gemacht, den Bannier vor Magdeburg hinweg zu schlagen.«

»Gleichwie nun dieser in Unordnung aufbrach, davon zu fliehen, ehe

wir recht an ihn kamen, also konte solches so eilends nicht geschehen,

daß er uns von seinem Nachzug nicht etlich hundert Mann auf dem Platz

lassen muste. Und nachdem wir alles wol ausgerichtet, die Guarnison

zu uns genommen[387] und der Stadt oder vielmehr des Steinhaufens

Befestigung an Wällen und Bollwerken ziemlich ruinirt und zersprengt

hatten, brachte ich von meinem Hauptmann, weil ich ohnedas nicht ihm,

sonder unter ein Regiment Dragoner gehörig, welches sich damals bei den

Tillyschen befande, mit einer leidenlichen Verehrung zuwegen, daß er

mich entließe.«

»Also wurde ich meiner verdrießlichen Pique wieder los, montierte mich

und einen Knecht zum besten und nahm bei einem Regiment zu Pferd vor

einen Freireuter Aufenthalt, so lang biß ich wieder zu meinem Regiment,

darunter ich gehörte, gelangen möchte.«

Simplicianische Schriften, Erster Theil (von 2) · 第 59 / 92 题