Simplicius fragte: »Vielleicht mit der leichtfertigen Courage?«

»Wol nein«, antwortet Springinsfeld; »bei derselbigen hatte ich ein

güldene Herrnsach, ohnangesehen sie mir gleichsam offentlich aus dem

Geschirr schlug[337]; aber was geheite es mich? Sie war doch nicht

meine Ehefrau.«

»Ei pfui«, sagte Simplicius, »rede doch nicht so grob und unbescheiden;

denke, daß du bei ehrlichen Leuten seiest! Aber höre, wann dich eine

etwan betrogen, vermeinestu drum, es sei kein ehrlich Weib mehr, die

treulich mit dir hausen werde?«

Springinsfeld antwortete: »Das will ich nicht läugnen; gleichwol aber

ist gewiß, daß alle Wolthaten, die ein Weib dem Mann zu erzeigen

pflegt, theur genug bezahlt werden müssen; ihre allerbeste Arbeiten,

die sie verrichten, verkündigen dem Mann eitel Kösten und beschwerliche

Ausgaben, dardurch dasjenig, was der Mann mit Mühe und Arbeit erworben,

zum öftern unnützlich verschwendet wird. Hab ich ein Weib, so ist

nichts Gewissers, als daß mir ein jede von meinen Ducaten hinfort nit

mehr als einen Thaler gilt. Spinnet sie mir und ihr ein Stück Tuch

an Leib, so muß ich Flachs, Woll und Weberlohn bezahlen. Soll sie

mir was kochen, so muß ich Speis, Holz, Salz und Schmalz samt dem

Kuchengeschirr herbei schaffen. Wolte sie mir bachen, wer muß anders

das Mehl hergeben als eben ich? Also auch, wer zahlt Holz, Seif und

Wäscherlohn, wann sie mir und ihr das leinen Geräth säubern läßt?

Und wie gehts allererst, wann man mit einem Haufen Kindern beladen

wird (welches ich zwar nit erfahren habe, aber auch nicht zu erfahrn

begehre), wann nämlich eins krank, das ander gesund, das dritte faul,

das vierte muthwillig, das fünfte eselhaftig und das sechste sonst

widerspenstig, ungehorsam und nichts nutz ist?«

Simplicius antwortet: »Du bist halt ein alter Kracher, der keines

rechtschaffenen Weibs werth ist; du würdest sonst von dem heiligen,

von Gott selbst eingesetzten und mit vielen Verheißungen gesegneten

Ehestand weit anderst reden. Und gleich wie eine fromme, tugendhafte

Frau eine Gabe Gottes und eine Kron und Zierd des Manns ist, also

verdrüßt dich, daß dich der gütige Himmel mit keiner solchen gewürdigt

hat.«

»Wahrhaftig, Simplice«, antwortet Springinsfeld, »du kanst bei deinen

Biren wol merken, wann andere zeitigen[338].«

Simplicianische Schriften, Erster Theil (von 2) · 第 55 / 92 题