FUSSNOTEN:

[147] =Cyprianische Jungfrau.= Justin., ~Hist. XVIII.~

cap. 5, erzählt, Elissa (Dido) habe nach ihrer Flucht auf Kypros

achtzig Jungfrauen geraubt, die nach der Sitte des Landes an das Ufer

des Meeres geschickt worden waren, um sich dort ihre Aussteuer zu

verdienen.

[148] =Jesebel=, die Gemahlin Ahab's. Jehu, der das Haus

Ahab's ausrottete. 2 Könige 10.

[149] =zu Faden schlagen=, vom Schneiderhandwerk, ein

Stück mit losen und weiten Stichen zusammennähen, in Norddeutschland

=reihen=, dann von dem Beginn jeder Arbeit gebraucht, der Gegensatz

ist =auswirken=, die Arbeit fertig machen. Beide Ausdrücke gebraucht

Grimmelshausen im übertragenen Sinne, selbst z. B. vom Essen.

[150] =eifern mit=, eifersüchtig sein auf.

[151] =da es lang herumgieng=, nachdem die Sache länger besprochen

worden war.

[152] =Lutzer=, Blutzer, schweizerische Scheidemünze.

[153] =Bezirk=, Umfang.

[154] =steuern=, stützen.

[155] =dünster=, düster, dumpf.

[156] =die Glock gegossen=, sprichwörtlich: die Sache abgemacht.

[157] =messene=, von ~mësse~, mhd., Bronze; diese alte Form

steht hier für messingene, welche Metallmischung um die Mitte des 16.

Jahrh. erfunden wurde.

[158] ~A. R. Aqua Regis~, Königswasser, Goldscheidewasser.

[159] =verblüht=, ausgeblüht, gezeitigt zur Hebung.

[160] Wunderliche Construction, jedoch in allen Ausgaben,

~Accus. c. infin.~ daß ein Kerl entrinne.

[161] =Schosen=, ~choses~, Sachen.

Das zwanzigste Capitel.

Welcher Gestalt Springinsfeld und Courage zween Italiäner bestohlen.

Als wir uns versahen, wir würden noch lang vor Casal liegen bleiben

müssen, lagen wir nit nur in Zelten, sondern ihrer viel baueten

ihnen auch sonst Hütten aus andern Materialien, sich desto besser

in die Länge zu behelfen. Unter anderen Schacherern befanden sich

zween Mailänder im Lager, die hatten ihnen eine Hütte von Brettern

zugerichtet, ihre Kaufmannswaare desto sicherer darin zu verwahren,

welche da bestunde in Schuhen, Stiefeln, Kollern, Hemdern und sonst

allerhand Kleidungen, beides vor Officierer und gemeine Soldaten zu

Roß und Fuß. Diese thäten mir meines Bedunkens viel Abtrag[162] und

Schaden, indem sie nämlich von den Kriegsleuten allerhand Beuten von

Silbergeschmeid und Juweln um den halben, ja den vierten Theil ihres

Werths erhandelten, welcher Gewinn mir zum Theil zukommen wäre, wann

sie nit vorhanden gewesen. Solches nun gedachte ich an ihnen aufs

wenigst zu wuchern[163], weil in meiner Macht nit stunde, ihnen das

Handwerk gar niederzulegen.

Unten in der Hütten war die Behaltnus ihrer Waar, und dasselbige war

auch zugleich ihr Gaden[164]; oben auf dem Boden aber unter dem Dach

war ihr Liegerstatt, allwo sie schliefen, wohinauf ungefähr sieben

oder acht Staffeln giengen; und durch den Boden hatten sie ein offenes

Loch gelassen, um dadurch nicht allein desto besser zu hören, wann

etwan Mauser einbrächen, sie zu bestehlen, sondern auch solche Diebe

mit Pistolen zu bewillkommen, mit welchen sie trefflich versehen

waren. Als ich nun selbst wahrgenommen, wie die Thür ohne sonderlichen

Rumor aufzumachen wäre, machte ich meinen Anschlag gar gering[165].

Mein Springinsfeld muste mir eine Welle scharfer Dörner in Mannslänge

zuwegen bringen, woran auch beinahe ein Mann zu tragen hatte, und ich

füllete eine messene Spritze mit scharfem Essig. Also versehen, giengen

wir beide an die gedachte Hütte, als jedermann im besten Schlaf war.

Die Thür in der Stille zu öffnen, war mir gar keine Kunst, weil ich

zuvor alles fleißig abgesehen; und da solches vollbracht und geschehen,

stackte Springinsfeld die Dornwell vor die Stiegen, als welche vor

sich selbst keine Thür hatte, von welchem Geräusch beide Italiäner

erwachten und zu rumpeln anfiengen. Wir konten uns wol einbilden, daß

sie zum ersten zu obigen Loch herunter schauen würden, als dann auch

geschahe; ich aber spritzte dem einen die Augen alsobald so voller

Essig, daß ihm seine Vorsichtigkeit in einem Augenblick vergieng; der

ander aber liefe im Hemd und Schlafhosen die Stiegen hinunter und wurde

von der Dornwell so unfreundlich empfangen, daß er gleichwie auch

sein Camerad in solcher unversehenen Begebenheit und großem Schrecken

sich nichts anders einbilden konten, also es wäre eitel Zauberei und

Teufelsgespenst vorhanden. Indessen hatte Springinsfeld ein Dutzet

zusammen gebundene Reuterkoller erwischt und sich damit fort gemacht,

ich aber ließe mich mit einem Stück Leinwat genügen, drehete mich damit

aus und schlug die Thür hinter mir wieder zu, die beide Welsche also

in ihrer Anfechtung hinterlassend, wovon der eine ohne Zweifel die

Augen noch gewischt, der ander aber noch mit seiner Dornwell zu handeln

gehabt haben wird.

Schaue, Simplice, so konnte ichs, und also habe ich den Springinsfeld

nach und nach abgerichtet. Ich stahle, wie gehöret, nicht aus Noth

oder Mangel, sondern mehrentheils darum, damit ich mich an meinen

Widerwärtigen[166] revangiren möchte. Springinsfeld aber lernete

indessen die Kunst und kam so meisterlich in die Griff, daß er sich

unterstanden hätte, alles zu mausen, es wäre dann gar mit Ketten

an das Firmament geheftet gewesen, und ich ließe ihn solches auch

treulich genießen, dann ich gönnete ihm, daß er einen eigenen Säckel

haben und mit dem halben gestohlenen Gut, maßen wir solche Eroberungen

miteinander theilten, thun und handeln dörfte, was er wolte. Weil er

aber trefflich auf das Spielen verpicht war, so kam er selten zu großem

Geld; und wann er gleich zu Zeiten den Anfang zu einer ziemlichen Summa

zuwegen brachte, so verblieb er jedoch die Länge nicht in Possession,

sintemal ihm sein unbeständig Glück das Fundament zum Reichthum durch

den unbeständigen Würfel jederzeit wieder hinweg zwackte. Im übrigen

verblieb er mir ganz getreu und gehorsam, also daß ich mir auch keinen

bessern Sclaven in der ganzen Welt zu finden getrauet hätte. Jetzt höre

auch, was er damit verdienet, wie ich ihm gelohnet, und wie ich mich

endlich wieder von ihm geschieden.

Simplicianische Schriften, Erster Theil (von 2) · 第 33 / 92 题